{"id":21249,"date":"2014-03-31T08:25:00","date_gmt":"2014-03-31T07:25:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21249"},"modified":"2019-03-02T17:03:16","modified_gmt":"2019-03-02T16:03:16","slug":"flaechendeckende-mindestloehne-epochenwandel-auf-den-arbeitsmaerkten-sieg-der-vernunft-ueber-neoklassisches-marktversagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21249","title":{"rendered":"Fl\u00e4chendeckende Mindestl\u00f6hne: Epochenwandel auf den Arbeitsm\u00e4rkten &#8211; Sieg der Vernunft \u00fcber neoklassisches Marktversagen"},"content":{"rendered":"<p>Das gesellschaftliche Megaprojekt eines fl&auml;chendeckend gesetzlich regulierten Mindestlohns ist nicht mehr aufzuhalten. Sicherlich sind gegen&uuml;ber dem lupenreinen, in sich konsistenten Konzept einer gesetzlich fixierten Lohnuntergrenze unter dem Druck massiver Kritik von Wirtschaftsverb&auml;nden und neoklassischen &Ouml;konomieberatern auch problematische Kompromisse durchgesetzt worden. Dazu z&auml;hlt die Vorgabe, Jugendliche unter achtzehn Jahren m&uuml;ssten vor der Wahl eines kurzfristig g&uuml;nstigen Mindestlohnjobs gegen&uuml;ber einem Ausbildungsplatz &bdquo;selbst gesch&uuml;tzt&ldquo; werden. Auch die geplante Sonderregelung f&uuml;r Langzeitarbeitslose ist problematisch. Allerdings sind im bisherigen Entscheidungsprozess &uuml;ber das Mindestlohngesetz die vielen Versuche, ganze Branchen zur Ausnahmezone zu erkl&auml;ren, verhindert worden. Von <strong>Rudolf Hickel<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Arbeitsmarktpolitischer Paradigmenwechsel<\/strong><\/p><p>Bei aller Vorsicht mit historischen &Uuml;berh&ouml;hungen, wenn am 2. April das Bundeskabinett das Gesetz zur fl&auml;chendeckenden Lohnuntergrenze auf den parlamentarischen Weg bringt, dann ist auf den deutschen Arbeitsm&auml;rkten ein fundamentaler Epochenwechsel vollzogen worden. K&uuml;nftig richtet sich ordnungspolitisch eine gestaltende Politik gegen das systemische Marktversagen gewinnwirtschaftlich entfesselter Arbeitsm&auml;rkte. Mit diesem Mindestlohngesetz sowie den weiteren Ma&szlig;nahmen zur Regulierung der derzeit ausbeuterischen Leiharbeit und der f&uuml;r die Besch&auml;ftigten inhumanen Werkvertr&auml;ge sowie einer St&auml;rkung des gesamten Tarifvertragssystems wird aus der Agenda 2010 ausgestiegen.  Nicht nur mit dem Hartz IV-Gesetz konzentrierte sich dieses Paradigma auf die Entfesselung der Arbeitsm&auml;rkte. Arbeitslosen wurde am Ende der Preis abverlangt, einen schlechter bezahlten Job annehmen zu m&uuml;ssen. Der Niedriglohnsektor expandierte in Windeseile. Neue Formen der Billiglohn-Ausbeutung, mit der auch Vollzeitarbeitspl&auml;tze verdr&auml;ngt wurden, sind kreiert worden. Die Folgen dieser entfesselten Arbeitsm&auml;rkte sind un&uuml;bersehbar. &Uuml;ber acht Millionen Menschen arbeiten unterhalb von zwei Drittel des mittleren Lohns (9,30 &euro; pro Stunde). Fast sieben Millionen werden derzeit nur mit bis zu 8,50 &euro; f&uuml;r die Arbeitsstunde abgespeist.<\/p><p>Gegen&uuml;ber den Fehlentwicklungen aus der Schr&ouml;derschen Agenda-Politik brachten bereits die derzeit dreizehn Branchen, in denen die Tarifparteien allgemein verbindlich erkl&auml;rte Mindestl&ouml;hne durchgesetzt hatten, Entlastung. Nach Beendigung der noch geltenden Tarifvertr&auml;ge unterhalb des Mindestlohns gilt ab 2017 fl&auml;chendeckend der Mindestlohnsatz mit 8,50&euro; pro Arbeitsstunde. Damit ist die  Lohndisziplinierung nach der Agenda 2010 endg&uuml;ltig zu Grabe getragen. Die dumme Rechtfertigung &bdquo;Arbeit sei besser als Arbeitslosigkeit&ldquo;, mit der Besch&auml;ftigte in die Einbahnstra&szlig;e des Niedriglohns gezwungen wurden, wird durch das Zielsystem &bdquo;gute Arbeit&ldquo; abgel&ouml;st. Diese  &Uuml;berschrift zum entscheidenden Kapitel &uuml;ber die Re-Regulierung der Arbeitsm&auml;rkte im Vertrag der Gro&szlig;en Koalition ist aus den seit Jahren propagierten Beschl&uuml;ssen der Gewerkschaften komplett &uuml;bernommen worden. Es geht also nicht mehr um jede Arbeit, sondern um gut bezahlte und arbeitsrechtlich abgesicherte Jobs, die besser als Arbeitslosigkeit sind. Der Sieg der Vernunft geht ma&szlig;geblich auf die Aktionen der Gewerkschaften, aber auch auf viele gesellschaftliche Mindestlohninitiativen sowie Positionen einiger Parteien zur&uuml;ck. Ohne die SPD w&auml;re dieses Projekt in einem Koalitionsvertrag nicht ernsthaft verankert worden. Allerdings tut sich die SPD vor allem auf der Ebene der F&uuml;hrungsfiguren, die sich heute in der Gro&szlig;en Koalition immer noch als stolze Agenda-Politiker empfinden, mit dem Bekenntnis zum klugen Paradigmenwechsel schwer. Die SPD braucht endlich den Mut, sich ohne nostalgischen Blick auf eine gescheiterte Entfesselung der Arbeitsm&auml;rkte den durch sie forcierten Wechsel zu ordnungspolitisch regulierten, zukunftsf&auml;higen Arbeitsm&auml;rkten zu bekennen. Das schafft Vertrauen in die weitere Entwicklung dieser neuen Arbeitsmarktpolitik.<\/p><p><strong>Empirie: Vergebliche Suche nach Jobkillerwirkungen<\/strong><\/p><p>Das Primat der Politik hat endlich mal wieder gesiegt. Die Wirtschaftsverb&auml;nde befinden sich im Kampf um Ausnahmen von der Regel auf dem R&uuml;ckzug. Schlie&szlig;lich gibt es auch Unternehmen, die endlich vor der Lohn-Schmutzkonkurrenz gesch&uuml;tzt werden wollen. Es gibt nur noch eine hartn&auml;ckige Gruppe, die gegen die Mindestl&ouml;hne Fundamentopposition betreibt. Es ist die beratende Wirtschaftswissenschaft, die mit ihrer neoklassischen Deutung der Arbeitsm&auml;rkte gegen den Paradigmenwechsel zu Felde ziehen. Nach dem Hegelschen Motto, schade um die Realit&auml;t, wenn sie nicht mit dem Modell &uuml;bereinstimmt, wird der politische Ausstieg aus einer &bdquo;&ouml;konomischen Sachlogik&ldquo; der Marktgesetze gegei&szlig;elt. Im Zentrum steht die Deutung des Arbeitsmarkts nach den Regeln der Preisbildung auf den Bananenm&auml;rkten oder Aktienb&ouml;rsen. Auch eine desinformierende Gutachteritis wird im Meinungskampf um Mindestl&ouml;hne eingesetzt. Die Deutsche Bank-Research und Hans Werner Sinn vom Ifo-Institut verk&uuml;nden die gesch&auml;tzten Arbeitsplatzverluste bei 8,50&euro; Mindestlohn pro Stunde in der auff&auml;llig offenen Bandbreite zwischen 450 000 bis zu einer Million. &Uuml;brigens kritisieren jetzt wirtschaftswissenschaftliche Institute den gesetzlichen Mindestlohn, die bei der Analyse der Besch&auml;ftigungswirkungen von Branchen &ndash; etwa der Bauwirtschaft oder bei  den Dachdeckern &ndash; negative Besch&auml;ftigungseffekte nicht nachweisen konnten. Im Zentrum der jetzt zum allgemein gesetzlichen Mindestlohn vorgelegten Sch&auml;tzungen steht nur die Kostendominanz der L&ouml;hne im Zentrum. Wer Mindestl&ouml;hne nur als Kosten betrachtet, der hat derartige Horroraussagen vorprogrammiert. Aber Mindestl&ouml;hne sind mehr als Kosten. Die Deutsche Bank-Research geht sogar so weit, die internationalen Studien, die gegen die Jobkiller-These sprechen, einfach f&uuml;r nicht &uuml;bertragbar auf Deutschland abzulehnen. Christoph Schmidt, der Vorsitzendes des sog. &bdquo;Rats der f&uuml;nf Weisen&ldquo;,  kann die Kritik an seiner auff&auml;llig unpr&auml;zisen Erwartung, es gingen &bdquo;hunderttausende Stellen&ldquo; verloren, im  ausgezeichneten Minderheitenvotum von Peter Bofinger nachlesen. Bofinger arbeitet die vielen hochwertigen Studien aus anderen L&auml;ndern und im internationalen Vergleich, die zu optimistischen Besch&auml;ftigungseffekten kommen, auf. Ein Forschungsteam um Michael Reich von der Berkley- University of California  konnte nach umfangreichen Studien &bdquo;keine negativen Besch&auml;ftigungseffekte finden.&ldquo; Auch in vergleichenden Metastudien bleibt zumindest die Aussage &uuml;ber die Besch&auml;ftigungswirkungen offen. Die gro&szlig;en US-Empiriker D. Card und A. Krueger erkennen bei den vorgenommenen Messungen viel &bdquo;Mythos&ldquo;. Der gro&szlig;e &Ouml;konom Alan Blinder von der Princton-University bekennt seinen Meinungswechsel:  &bdquo;Die Empirie scheint gegen die einfach gestrickte Theorie zu sein, in der ein leichter Anstieg des Mindestlohn einen erheblichen Verlust an Arbeitspl&auml;tzen bedeutet.&ldquo; Der Blick auf die Erfahrungen im Ausland belegt, Mindestl&ouml;hne sind machbar, ja sie erh&ouml;hen die Funktionsf&auml;higkeit der Arbeitsm&auml;rkte. <\/p><p><strong>Theorie: Elend der neoklassischen Arbeitsmarktmodelle<\/strong><\/p><p>Den Paradigmenwechsel zu Arbeitsm&auml;rkten durch die Schaffung einer Lohnuntergrenze sollte die vorherrschende Wirtschaftswissenschaft in Deutschland endlich als theoretische und empirische Herausforderung aufnehmen. Obwohl viel prophezeit wird, findet sich in den beherrschenden Lehrb&uuml;chern nicht einmal ein Kapitel zur systematischen Ableitung von Mindestl&ouml;hnen. Daf&uuml;r gibt es einen zentralen Grund. Das Modell der Arbeitsmarkttheorie, bei dem das Problem der die Existenz sichernden L&ouml;hne nicht interessiert, w&uuml;rde ersch&uuml;ttert. Wie gesagt, der Urfehler ist die Gleichsetzung der Lohnbildung auf den Arbeitsm&auml;rkten mit Kartoffel- oder Anleihem&auml;rkten. Aus einer typisierten Angebots- und Nachfragefunktion wird die Fiktion eines Gleichgewichtslohns abgeleitet. Was aber passiert, wenn dieser Preis der Arbeit zwar die Arbeitsm&auml;rkte r&auml;umt, jedoch die Existenz nicht sichert. Beim Bananenmarkt gehen die Produkte in den M&uuml;ll, beim G&uuml;termarkt auf Lager. Der schwedische &Ouml;konom Knut Wicksell (1851-1926) sah fr&uuml;hzeitig die L&ouml;sung in einzurichtenden Armenh&auml;usern. Heute steht f&uuml;r die Armenh&auml;user der Staat, der mit Kombil&ouml;hnen oder Aufstockung die Hungerl&ouml;hne kompensiert. Hier bietet das Konzept der Mindestl&ouml;hne eine klare Alternative. Unternehmen d&uuml;rfen nicht aus der Verantwortung f&uuml;r die Entlohnung ihrer Besch&auml;ftigten entlassen werden. Dabei verdr&auml;ngt die neoklassische Arbeitsmarkttheorie, die das Angebot unabh&auml;ngig von der Nachfrage konzipiert,  auch die positiven R&uuml;ckwirkungen einer Lohnuntergrenze f&uuml;r Unternehmen.  L&ouml;hne sind nicht nur Kostenfaktor. Wie Untersuchungen zeigen, st&auml;rken diese &uuml;ber die Arbeitsmotivation die Produktivit&auml;t. In der gesamtwirtschaftlichen R&uuml;ckwirkung profitieren Unternehmen von der durch Mindestl&ouml;hne erh&ouml;hten privaten Konsumnachfrage. Schlie&szlig;lich wird durch eine allgemeine Lohnuntergrenze ein Anreiz f&uuml;r Unternehmen geschaffen, anstatt auf den Wettbewerb um unproduktives Lohndumping auf Innovationswettbewerb zu setzen. <\/p><p>Mit der heute noch modellhaften Erkl&auml;rung des Angebots von Arbeitssuchenden auf neoklassischen Arbeitsm&auml;rkten kann sich die Wirtschaftswissenschaft nur blamieren. Die Bereitschaft, einen Arbeitsplatz nachzufragen, h&auml;ngt nach dieser Fiktion von der H&ouml;he des Lohns ab. Im Vergleich mit sinkenden Preisen f&uuml;r r&uuml;ckl&auml;ufige Kartoffelnachfrage reduziert der Lohnabh&auml;ngige seine Arbeit, wenn der Markt seine Lohnerwartungen nicht erf&uuml;llt. Auch der verbohrteste Vertreter der Zunft m&uuml;sste wissen, das kann nur der, der &uuml;ber andere Einkommen, etwa aus Verm&ouml;gen, verf&uuml;gt. Dagegen ist die gro&szlig;e Mehrheit von der Lohnarbeit existenziell abh&auml;ngig. Anstatt des R&uuml;ckzugs, sieht sich der Betroffene gezwungen, auch zu niedrigen L&ouml;hnen zu arbeiten. Ja, er versucht, mit zus&auml;tzlichen Jobs sein Arbeitsangebot auszuweiten. Walter Eucken (1891-1950) hat bereits auf diese  &bdquo;Anomalie der Arbeitsnachfrage&ldquo; hingewiesen. Wolfgang St&uuml;tzel betonte in einer Schrift 1981, wie das &bdquo;Wettbewerbsparadoxon&ldquo;  die Menschenw&uuml;rde in Widerspruch zu den Marktpreisen bringt. Im Angebotsverhalten zeigt sich, wie  die existenzielle Abh&auml;ngigkeit vom unternehmerischen &bdquo;Investitionsmonopol&ldquo; dazu zwingt, zu jedem Lohn Arbeit anbieten zu m&uuml;ssen.  Da ist kein Platz f&uuml;r individuelle Entscheidungen. Aus dieser Verletzung der Menschenw&uuml;rde leitet sich die verfassungsrechtlich gewollte Notwendigkeit von Tarifvertr&auml;gen ab, die kollektiven Schutz gegen die ansonsten individuelle Ausbeutung bietet. Wenn das Tarifsystem nicht mehr greift, werden gesetzlich geregelte Mindestl&ouml;hne erforderlich. Dieses ordnungspolitische Instrument richtet sich gegen das systemische Marktversagen und die Verletzung der Menschenw&uuml;rde. <\/p><p><strong>Mindestlohnh&ouml;he anpassen und strenge Kontrollen sichern<\/strong><\/p><p>Wegen der Erfahrungen mit einem wachsenden Niedriglohnsektor und einer dagegen zu setzenden mutigen Ordnungspolitik lohnt es sich, in einem breit angelegten Lernprozess den Epochenwechsel zu vollenden. Die Diskussion muss sich unverz&uuml;glich auf die k&uuml;nftige H&ouml;he der  Mindestlohnh&ouml;he konzentrieren. Denn eine Erh&ouml;hung der 8.50 &euro; fr&uuml;hestens ab 2018 k&auml;me gemessen an dem definierten die Existenz sichernden Lohn (2\/3 des mittleren Lohns) viel zu sp&auml;t. Kriterium sollte die allgemeine Tariflohn- und Geldwertentwicklung sein. Wie bei der erfolgreichen &bdquo;Low Pay Commission&ldquo; in Gro&szlig;britannien sollten Arbeitgeberverb&auml;nde, Gewerkschaften und die von der neoklassischen Blickverengung befreite Wirtschaftswissenschaft die Anpassung der Mindestl&ouml;hne verantworten.<\/p><p>Drohende Vollzugsdefizite m&uuml;ssen verhindert werden. Dazu geh&ouml;ren die strenge &Uuml;berwachung und Kontrolle auch, wie in Gro&szlig;britannien, durch die Einrichtung einer Infohotline, die auch anonyme Meldungen vorsieht. Die &bdquo;Finanzkontrolle Schwarzarbeit&ldquo;, bei der derzeit 500 Planstellen nicht besetzt sind, muss auch durch zus&auml;tzliche Personalaufstockung gest&auml;rkt werden. Schlie&szlig;lich ist das Verbandsklagerecht, das derzeit nur eingeschr&auml;nkt etwa beim Umwelt- und Verbraucherschutz gilt, einzuf&uuml;hren. Damit k&ouml;nnen Arbeitgeberverb&auml;nde und Gewerkschaften direkt per Klage gegen Unternehmen vorgehen, wenn diese den Mindestlohn unterlaufen.<\/p><p><em>Gek&uuml;rzte Fassung in der <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/arbeit---soziales\/mindestlohn-eine-neue-epoche-am-arbeitsmarkt,1473632,26665082.html\">Frankfurter Rundschau am 26.3.2014<\/a><\/em><\/p><p><em><strong>Anmerkung WL:<\/strong> Sicherlich bedeutet der Mindestlohn eine kleine Verbesserung und ich stimme auch der Argumentation von Rudolf Hickel zur Begr&uuml;ndung des Mindestlohns und seiner Kritik an den Kritikern zu. Aber ich kann mich partout nicht der Meinung von Rudolf Hickel anschlie&szlig;en, dass mit dem Mindestlohngesetz &bdquo;aus der Agenda 2010 ausgestiegen&ldquo; werden. Die Antwort gibt Rudolf eigentlich selbst: &bdquo;&Uuml;ber acht Millionen Menschen arbeiten unterhalb von zwei Drittel des mittleren Lohns (9,30 &euro; pro Stunde). Fast sieben Millionen werden derzeit nur mit bis zu 8,50 &euro; f&uuml;r die Arbeitsstunde abgespeist.&ldquo; Dass es mit 8,50 Mindestlohn (ab 2017 fl&auml;chendeckend) um gut bezahlte Arbeit und um arbeitsrechtlich abgesicherte Jobs ginge, halte ich f&uuml;r falsch. Ein Mindestlohn von 8,50 Euro je Stunde entspricht <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19255\">bei Vollzeitbesch&auml;ftigten 53 Prozent des Durchschnittslohns und 58 Prozent des mittleren Lohns (Medianlohns)<\/a>.<\/em><br>\n<em>8,50 Euro pro Stunde liegen unter dem Niedriglohnschwellenwert. Bei einer Vollzeitbesch&auml;ftigung von 160 Stunden pro Monat errechnet sich ein Bruttomonatslohn von 1.360 Euro. Legt man den Arbeitslosengeld II-Regelsatz (plus Kosten der Unterkunft plus Erwerbst&auml;tigenfreibetrag) zugrunde, k&auml;me man gleichfalls auf einen Bruttostundenlohn (bei einer 40-Stunden-Woche) in H&ouml;he von etwa 8,50 Euro. D.h. 8.50 Euro entsprechen ungef&auml;hr dem Hartz-Regelsatz. Dar&uuml;ber hinaus bringt dieser Mindestlohn in dieser H&ouml;he hinsichtlich der Bek&auml;mpfung der Altersarmut fast gar nichts.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das gesellschaftliche Megaprojekt eines fl&auml;chendeckend gesetzlich regulierten Mindestlohns ist nicht mehr aufzuhalten. Sicherlich sind gegen&uuml;ber dem lupenreinen, in sich konsistenten Konzept einer gesetzlich fixierten Lohnuntergrenze unter dem Druck massiver Kritik von Wirtschaftsverb&auml;nden und neoklassischen &Ouml;konomieberatern auch problematische Kompromisse durchgesetzt worden. 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