{"id":21258,"date":"2014-04-01T10:12:27","date_gmt":"2014-04-01T08:12:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21258"},"modified":"2024-09-24T23:45:30","modified_gmt":"2024-09-24T21:45:30","slug":"gespraech-mit-yanis-varoufakis-zur-eurokrise-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21258","title":{"rendered":"Gespr\u00e4ch mit Yanis Varoufakis zur Eurokrise &#8211; Teil 2"},"content":{"rendered":"<p>Am 27. November 2013 haben <strong>Roger Strassburg<\/strong> und <strong>Jens Berger<\/strong> mit dem griechischen &Ouml;konomen <strong>Yanis Varoufakis<\/strong> im Rahmen der <a href=\"http:\/\/www.utexas.edu\/lbj\/events\/2013\/eurozone\">Eurozone-Konferenz in Austin Texas<\/a> &uuml;ber die Krise in der Eurozone gesprochen. Hier der zweite Teil des Gespr&auml;chs.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Roger Strassburg:<\/strong> Nochmals zu Griechenland. Ich wollte fragen, was die sichtbaren Folgen der Austerit&auml;tspolitik in Griechenland sind. Wie hat sich die Lage in den letzten f&uuml;nf Jahren ver&auml;ndert?<\/p><p><strong>Yanis Varoufakis:<\/strong> Wir sprechen hier von der gr&ouml;&szlig;ten Verringerung menschlicher Lebensperspektiven seit den 1930er Jahren zu Friedenszeiten. Es ist allgegenw&auml;rtig. Wo auch immer man hinsieht, sieht und h&ouml;rt man die Zeichen eines Landes, das am Boden liegt. Ich kann Ihnen einige recht traurige Beispiele geben.<\/p><p>Wenn Sie nachts in Athen herumlaufen, werden Sie unweigerlich merken, dass es zahlreiche unbeleuchtete Wohnungen gibt, in denen Menschen bei Kerzenlicht leben, weil sie ihre Stromrechnung nicht bezahlen k&ouml;nnen, besonders nachdem die Regierung entschieden hat, die Grundsteuer gemeinsam mit der Stromrechnung einzuziehen.<br>\nDann gibt es eine massive Abwanderung gut ausgebildeter junger Griechen, die den Rest der Welt, nicht nur den Rest Europas, &uuml;berschwemmen.<br>\nDen wahrscheinlich sch&auml;dlichsten Einfluss hat der Bankensektor, um den eine neue Kleptokratie gebildet wird, finanziert durch Darlehen, die der lang leidenden griechische Steuerzahler von den europ&auml;ischen Steuerzahlern erhalten hat, mit denen nun die Autorit&auml;t eben der Banker erhalten wird, unter denen die Banken bankrott gegangen sind und es weiterhin bleiben, und somit garantieren, dass selbst gesunde griechische Firmen auf Jahrzehnte hinaus keinen Zugang zu Krediten haben werden.<\/p><p>Und nat&uuml;rlich ist das schlimmste an allem der Aufstieg der Nazis. Heute haben wir in Griechenland, dem Land, das w&auml;hrend der 1940er Jahre auf Augenh&ouml;he mit dem Jugoslawischen Widerstand, erbittert gegen die Nazis gek&auml;mpft hat, eine nationalsozialistische Partei &ndash; keine Neonazi-Partei, sondern eine ausgewachsene nationalsozialistische Partei, die &uuml;ber ca. 10% der W&auml;hlerstimmen verf&uuml;gt. Auch wenn ihre F&uuml;hrung verhaftet und eingesperrt wurde, gewinnen sie stets an St&auml;rke, angetrieben von der Verzweiflung vieler Menschen und nat&uuml;rlich, von der verlorenen Legitimit&auml;t eines politischen Systems, das gemeinsam mit der Sozialwirtschaft implodiert ist.<\/p><p><strong>Roger Strassburg:<\/strong> Bef&uuml;rchten Sie, dass die Chrysi Avgi irgendwann tats&auml;chlich st&auml;rkste Partei werden k&ouml;nnte?<\/p><p><strong>Yanis Varoufakis:<\/strong> Ich denke nicht, aber ich beobachte etwas schlimmeres. Ich sehe, dass die Nazi Partei Chrysi Avgi in diesem Moment bereits an der Macht ist! Sie sind nicht in der Regierung, was beinahe schon ironisch ist. Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel geben, f&uuml;r das ich mich sehr sch&auml;me, Grieche zu sein.<\/p><p>Vor den Wahlen im Mai 2012 nahm die Polizei eine gro&szlig;e Zahl an verwahrlost aussehenden Frauen in den Stra&szlig;en von Athen fest, vermutlich Prostituierte. Sie wurden ohne richterlichen Beschluss, ohne Verhandlung auf Anweisung der Minister f&uuml;r &ouml;ffentliche Ordnung und Gesundheit festgenommen. Sie wurden in Zellen geworfen, dann fotografiert und gezwungen, sich eines HIV-Tests unterziehen zu lassen. Als die Ergebnisse zur&uuml;ck kamen wurden die Frauen, bei denen der Test negativ ausfiel freigelassen, doch der Rest wurde fotografiert, ihre Fotos und ihre Namen wurden auf der Website der Regierung ver&ouml;ffentlicht und die Frauen selbst wurden ohne Beratung oder echte medizinische Versorgung ins Gef&auml;ngnis geworfen.<\/p><p>Das widerspricht allen freiheitlichen Normen und Gesetzen, die ich mir vorstellen kann und es verletzt &ouml;ffentliche Gesundheitsvorschriften; es verletzt Grundrechte. Wieso haben sie das getan? Sie taten es, um die Chrysi Avgi, Goldene Morgenr&ouml;te, und potenzielle W&auml;hler zu beruhigen und um zu versuchen sie zu  bewegen, f&uuml;r sich zu w&auml;hlen, weg von Goldene Morgenr&ouml;te.<\/p><p>Ein zweites Beispiel: Nachdem die derzeitige Regierung im Juni 2012 gew&auml;hlt wurde war es eine ihrer ersten Amtshandlungen, die Gesetze bez&uuml;glich der Voraussetzung f&uuml;r den Dienst in Milit&auml;r und Polizei zu &auml;ndern. Pl&ouml;tzlich reichte es f&uuml;r junge Menschen nicht mehr aus, die n&ouml;tigen Testergebnisse zu erreichen und griechischer Staatsb&uuml;rger zu sein. Jetzt muss man beweisen, dass man griechischer Abstammung ist. Das wird &ldquo;ithagenieia&rdquo; genannt. Man kann also ein vollwertiger griechischer B&uuml;rger sein, eine Person, die in Griechenland geboren wurde, ein griechischer B&uuml;rger ist, auf eine griechische Schule gegangen ist, Griechenland nie verlassen hat, die Noten hat um eine Akademie der Polizei oder des Milit&auml;rs zu besuchen, aber trotzdem keine Urkunde &ldquo;ethnischer Reinheit&rdquo; haben. Ich pers&ouml;nlich sch&auml;me mich jetzt sehr Grieche zu sein. Mein Land hat es im Jahr 2012 geschafft, Nazi Deutschlands Gesetze der 1930er Jahre wieder einzuf&uuml;hren.<\/p><p>Deshalb sage ich, Goldene Morgenr&ouml;te ist zu einem gro&szlig;en Teil an der Macht. Denn wenn sie die griechische Regierung und das Parlament bereits erfolgreich zur Durchsetzung solcher widerlicher Gesetze und Praktiken zwingen konnte, wozu m&uuml;ssen sie dann an der Macht sein?<\/p><p><strong>Roger Strassburg:<\/strong> Das sind wirkliche Neuigkeiten. Denken Sie, dass es ein Gegengewicht auf der anderen Seite gibt? Die Syriza ist zwar nicht so extrem, aber links orientiert. Denken Sie dass die andere Seite des politischen Spektrums an Einfluss gewinnt?<\/p><p><strong>Yanis Varoufakis:<\/strong> Nun, meinem Verst&auml;ndnis nach ist die Syriza, die so genannte Koalition der radikalen linken, in den Umfragen knapp vor der Neuen Demokratie. Die Neue Demokratie hat unter falschen Versprechen gelitten, die im Verlauf des letzten Jahres &uuml;ber den so genannten Aufschwung gemacht wurden, die aber nat&uuml;rlich nur Teil der politischen Propaganda sind und nichts mit der Realit&auml;t zu tun haben. Alexis Tsipras f&uuml;hrt nun eine Partei an, die &ndash; sollte es in den n&auml;chsten sechs Monaten zu Wahlen kommen &ndash; sehr wahrscheinlich die st&auml;rkste Partei sein wird. Man wei&szlig; nie. Aber es sieht so aus, als wenn das passieren wird.<\/p><p>In diesem Zusammenhang stellen sich zwei Fragen, erstens, ob die F&uuml;hrer der Syriza im Falle eines Wahlsieges zu einer Einigung mit den kleineren Parteien kommen werden, um eine parlamentarische Mehrheit bilden zu k&ouml;nnen. Und die zweite und nat&uuml;rlich wichtigste Frage ist, falls es zur Bildung einer parlamentarischen Mehrheit kommt, was diese ausrichten kann?<\/p><p><strong>Roger Strassburg:<\/strong> Die Frage ist welche M&ouml;glichkeiten sie haben, um tats&auml;chlich etwas zu unternehmen. Sie haben recht wenig Handlungsspielraum.<\/p><p><strong>Yanis Varoufakis:<\/strong> Ja, genau. Meine Ansicht, die ich bereits in Griechenland und in Gespr&auml;chen mit Alexis Tsipras vertreten habe, ist, dass sie &uuml;berhaupt keine M&ouml;glichkeit haben innerhalb der griechischen Institutionen zu agieren. Wie Sie meinten, sie haben keinen Handlungsspielraum.<\/p><p>Die F&uuml;hrer der Syriza sind &uuml;ber die letzten ein oder zwei Jahre zu dem, meiner Meinung nach richtigen Entschluss gelangt, dass es eine Katastrophe w&auml;re Griechenland aus der Eurozone auszuschlie&szlig;en. Gleichzeitig w&auml;re es aber auch eine Katastrophe zu versuchen, den derzeitigen Kreditvertrag, den Rettungsplan mit der Troika umzusetzen, da er einfach nicht umgesetzt werden kann. Das ist keine Frage des Wollens. Dies ist ein Vertrag, der vollkommen irrational und kontraproduktiv ist.<\/p><p>Daher ist das einzige, was sie ohne einen gr&ouml;&szlig;eren Handlungsspielraum tun k&ouml;nnen, das Abkommen neu auszuhandeln. Jedoch besteht f&uuml;r sie die einzige M&ouml;glichkeit der Neuverhandlung des Abkommens in der Bereitschaft, eine schwierige Position in den Verhandlungen einzunehmen. Diese Position best&uuml;nde darin, dass man, sobald gew&auml;hlt, zum Rat der Europ&auml;ischen Union geht und festlegt, was die groben Richtlinien f&uuml;r ein neues Abkommen sein m&uuml;ssen und hinzuf&uuml;gt, dass solange diese Richtlinien nicht zur Debatte stehen und vern&uuml;nftig diskutiert werden, die Syriza Regierung keine R&uuml;ckzahlung an die EZB bez&uuml;glich der von der EZB gehaltenen Staatsanleihen machen wird, und dass keine Ma&szlig;nahmen, die von der vorherigen Regierung verhandelt wurden umgesetzt werden.<\/p><p>Zum Beispiel wird es keine neuen Entlassungen im &ouml;ffentlichen Sektor geben. Danach muss man sich auf zwei oder drei angespannte Monate einstellen, bis die richtigen Verhandlungen beginnen: Verhandlungen, deren Ziel ein rationales &Uuml;bereinkommen dar&uuml;ber ist, wie der griechische Staat, der griechische &ouml;ffentliche Sektor ohne Hilfe von au&szlig;erhalb, selbstst&auml;ndig existieren kann.<\/p><p><strong>Jens Berger:<\/strong> Wie Sie vielleicht schon geh&ouml;rt haben, hat die neue Gro&szlig;e Koalition zwischen Angela Merkels Konservativen und den Sozialdemokraten ihren Koalitionsvertrag geschlossen, und wenn man die Koalitionsvereinbarung &uuml;ber die Ma&szlig;nahmen zur Eurokrise liest, stellt man fest, dass es dort nichts Neues gibt. F&uuml;r die n&auml;chsten vier Jahre wird der Merkel-Kurs gefahren. Welches Signal sendet das an Europa und wie w&uuml;rden Sie als griechischer &Ouml;konom dies bewerten.<\/p><p><strong>Yanis Varoufakis:<\/strong> Nun, das kommt nicht unerwartet. Ich habe die CDU-SPD-CSU Vereinbarung gelesen und sie hat mich &uuml;berhaupt nicht &uuml;berrascht. Und sie hat mich &uuml;berhaupt nicht &uuml;berrascht, weil man nur lesen musste, was die SPD vor der Wahl gesagt hat, um zu sehen, dass sie die Merkel Position, die Blaupause, wie mit der Eurozone verfahren werden soll, nie in Frage gestellt hat. Und wenn sie sie &uuml;berhaupt kritisiert haben, dann daf&uuml;r dass sie zu weit gegangen ist. Sie haben Merkel f&uuml;r die Bankenunion kritisiert, sie haben Merkel daf&uuml;r kritisiert, dass sie nie klar gesagt hat, wieviel diese Bailouts die deutschen Steuerzahler kosten w&uuml;rden. Aber sie haben nie Merkels unterliegende Logik zur Bek&auml;mpfung der Krise der Eurozone kritisiert.<\/p><p>Es lag nahe, dass die Regierung, die in Berlin gebildet w&uuml;rde, zu Beginn keinerlei Ank&uuml;ndigungen zu einem Wechsel der aktuellen Politik machen w&uuml;rde. Das hei&szlig;t jedoch nicht, dass es dort keine &Auml;nderungen geben wird. Aber ich hege mitnichten die Hoffnung, dass  &Auml;nderungen kommen werden, weil die SPD in der Regierung ist. Ich pers&ouml;nlich vertraue der SPD &uuml;berhaupt nicht. Ich glaube nicht einmal, dass sie &uuml;berhaupt Interesse daran haben, die Merkel-Strategie zu &auml;ndern.<\/p><p>Aber ich glaube, dass Merkel und Sch&auml;uble tief in ihrem Inneren wissen, dass die aktuelle Strategie nicht fortgesetzt werden kann. Und sie kann nicht fortgesetzt werden, weil sie kontraproduktiv ist. Nicht etwa, dass die SPD oder die aktuelle griechische Regierung oder die spanische Regierung oder Pr&auml;sident Hollande oder sonst jemand Frau Merkel zu einem Kurswechsel zwingen wird. Ich hoffe, dass die Realit&auml;t sie umstimmen wird. Und ich glaube, um ehrlich zu sein, dass Frau Merkel und Herr Sch&auml;uble schon seit einiger Zeit eine Ahnung in diese Richtung haben. Es ist eben so, dass sie nicht bereit waren, die &Auml;nderungen vorzunehmen, bevor sie das Gef&uuml;hl haben, dass ihnen die Zeit ausgeht. Ich habe keine Ahnung welche &Auml;nderungen sie hervorzaubern werden. Aber welche &Auml;nderungen das auch immer sein m&ouml;gen, es &uuml;berrascht mich nicht, dass die derzeitige Vereinbarung zwischen SPD, CDU und CSU sie nicht widerspiegelt. Es werden &Auml;nderungen sein, die aufgrund langer Verhandlungen mit der EZB, mit anderen Regierungen und im Lichte der weiteren Entwicklung der Krise zustande kommen werden.<\/p><p><strong>Jens Berger:<\/strong> Also sind sie noch immer optimistisch.<\/p><p><strong>Yanis Varoufakis:<\/strong> Ich versuche es. Aber es wird immer schwerer, optimistisch zu bleiben. <\/p><p><strong>Roger Strassburg:<\/strong> Ja, ich wollte gerade sagen: Ich glaube erst, dass Merkel sich &auml;ndert, wenn ich es sehe.<\/p><p><strong>Yanis Varoufakis:<\/strong> Ja, ich auch.<\/p><p><strong>Roger Strassburg:<\/strong> Ich vermute sie wird es nicht tun. Ich denke, auch Sch&auml;uble wird das nicht.<\/p><p><strong>Yanis Varoufakis:<\/strong> Wissen Sie was? In diesem Fall wird sich die Eurozone von uns verabschieden.<\/p><p><strong>Roger Strassburg:<\/strong> Das wird sie. Aber ich denke, dass das gewisserma&szlig;en der Grund f&uuml;r die Position Heiner Flassbecks ist, dass die Peripheriestaaten den Euro verlassen sollten. Das ist f&uuml;r ihn wirklich nicht die ideale L&ouml;sung. Aber ich glaube, er ist zu dem Schluss gekommen, dass es keine andere M&ouml;glichkeit geben wird, dass es nicht besser werden wird.<\/p><p><strong>Yanis Varoufakis:<\/strong> Vermutlich hat er recht. Wo er falsch liegt und wo ich Heiner nicht zustimme, ist in seiner Schlussfolgerung, dass wir einfach aus der Eurozone austreten &ndash; oder zumindest damit drohen &ndash; sollten. Was wir tun sollten, ist unser Veto gegen die aktuelle Politik einzulegen. Und die Angelegenheit zur Entscheidung bringen. W&auml;re ich der griechische Premier, w&uuml;rde ich erkl&auml;ren, dass ich niemals aus der Eurozone austreten w&uuml;rde. &ldquo;Wenn Sie mich herausschmei&szlig;en wollen, nur zu, tun Sie es. Machen Sie was Sie wollen. Stellen Sie die ELA-Unterst&uuml;tzung (auf Deutsch etwa &bdquo;Liquidit&auml;tshilfe im Notfall&ldquo;) f&uuml;r die Banken ein und lassen Sie alles den Bach runtergehen. Aber ich werde nicht aus der Eurozone austreten. Ich werde auch keine 4000 &ouml;ffentlichen Angestellten im Dezember feuern. Ich werde der EZB nicht die Anleihen, die sie h&auml;lt, auszahlen. Und ich werde erst mit der Troika reden, wenn wir eine Europ&auml;ische Union und einen Europarat haben, in denen wir uns zusammensetzen und vern&uuml;nftig und rational diskutieren, was getan werden muss. Wenn Sie aber dabei die Eurozone aufl&ouml;sen wollen, indem einseitig die ELA-Unterst&uuml;tzung f&uuml;r unsere Banken eingestellt wird, bitte. Wenn Sie selbst aus dem Euro austreten wollen, tun Sie sich keinen Zwang an.&rdquo;<\/p><p><strong>Roger Strassburg:<\/strong> Was, denken Sie, verhindert, dass das geschieht? Die F&uuml;hrungspers&ouml;nlichkeiten der Peripheriestaaten waren bisher au&szlig;ergew&ouml;hnlich zaghaft.<\/p><p><strong>Yanis Varoufakis:<\/strong> Nun, die Tatsache dass die Peripherie von Quisling-Klonen regiert wird. Der ganze Sinn der politischen Haltung der Anf&uuml;hrer der Peripherie ist es, zu demonstrieren, dass sie auf der Seite der M&auml;chtigen bleiben. Sie interessieren sich in Wirklichkeit f&uuml;r nichts anderes. Nicht Herr Rajoy, nicht Herr Samaras, nicht einmal Herr Letta in Italien. Wenn sie Priorit&auml;ten setzen m&uuml;ssen, dann ist ihre oberste Priorit&auml;t, dass ihnen die M&auml;chtigen in Frankfurt, Berlin und Br&uuml;ssel auf die Schulter klopfen. Und sofern und solange es keine politischen F&uuml;hrungspers&ouml;nlichkeiten gibt, die die Staatsraison und die Interessen der Menschen in Europa h&ouml;her stellen als ihr Verlangen, von den M&auml;chtigen auf die Schulter geklopft zu werden, dann werden wir keine Ver&auml;nderungen sehen, dann wird Europa weiter verfallen.<\/p><p><strong>Roger Strassburg:<\/strong> Ist denn jemand in Sicht, der das R&uuml;ckgrat h&auml;tte, aufzustehen und das zu tun?<\/p><p><strong>Yanis Varoufakis:<\/strong> Unsere Konferenz hier in Austin war deshalb interessant, weil wir den einen Politiker in Europa zu Gast hatten, der unter Umst&auml;nden Premierminister werden k&ouml;nnte und der wahrscheinlich (falls er Premierminister w&uuml;rde) mit der Quisling-Tradition brechen w&uuml;rde. Alexis Tsipras. Aber ich denke, dass seine Bedeutung &uuml;ber Griechenland hinausreicht. Es ist mir egal, wer es in Europa richtet, ob es ein griechischer, ein irischer oder ein portugiesischer Politiker ist. Jemand muss den Ball ins Rollen bringen. Eine Regierung muss nein sagen. Und ich glaube, dass dieses &ldquo;Nein&rdquo; einer Regierung wie der Splitter sein wird, der im Damm ein kleines Loch hinterl&auml;sst, das dann den ganzen Damm zum Einsturz bringt. Ich denke, dass es selbst in den heutigen F&uuml;hrungsetagen viele Politiker gibt, die gewillt w&auml;ren, den Mund aufzumachen und zu widersprechen. Aber ich denke auch, dass sich keiner von ihnen traut, damit anzufangen, bevor es nicht jemand anderes gemacht hat. Was wir also brauchen, ist eine Regierung, die etwas versucht, was wir bis jetzt in Europa noch nie probiert haben, n&auml;mlich die Wahrheit zu sagen. Dann wird eine Kettenreaktion ausgel&ouml;st. Daran habe ich keinen Zweifel. Die Frage ist: Wer wird derjenige sein, der sie ausl&ouml;st? Der Grund, warum Jamie und ich unbedingt Alexis Tsipras zu unserer Konferenz bringen wollten, war, dass wir glauben, dass er derjenige sein k&ouml;nnte, der dies tut.<\/p><p><strong>Roger Strassburg:<\/strong> Gibt es einen Platz f&uuml;r Sie in der Regierung, falls er es tut?<\/p><p><strong>Yanis Varoufakis:<\/strong> Ich hoffe nicht, ich hoffe wirklich nicht. Aber lassen Sie mich erkl&auml;ren, warum. Ich bin Akademiker. Ich finde es sehr schwer, nach dem Vorbild dessen zu arbeiten, was die Briten die &ldquo;gemeinsame Verantwortung&rdquo; des Kabinetts nennen. Ich habe gern die M&ouml;glichkeit, mit mir selbst uneins zu sein. Und ich bin nicht sehr gut darin, mich einer mir vorgegeben Linie unterzuordnen. Also hoffe ich aufrichtig, dass die Antwort auf ihre Frage ein Nein ist. Tats&auml;chlich habe ich kaum Zweifel daran, dass ich nicht sehr gut in einem solchen Rackettspiel w&auml;re.<\/p><p><strong>Roger Strassburg:<\/strong> Das war auch nicht ganz ernst gemeint. Aber ein bisschen, da Sie Tsipras beraten haben, richtig?<\/p><p><strong>Yanis Varoufakis:<\/strong> Ja, das stimmt.<\/p><p><strong>Roger Strassburg:<\/strong> Herzlichen Dank.<\/p><p><strong>Yanis Varoufakis:<\/strong> Ich danke Ihnen.<\/p><p>Sch&ouml;nen Dank unsere engagierten Leser J.H., S.T., E.M., K.S. und S.F. f&uuml;r die &Uuml;bersetzung aus dem Englischen.<\/p><p>Das Originalinterview in englischer Sprache k&ouml;nnen Sie hier nachlesen: <a href=\"http:\/\/yanisvaroufakis.eu\/2014\/01\/15\/4951\/#more-4951\">Teil 1<\/a>, <a href=\"http:\/\/yanisvaroufakis.eu\/2014\/01\/16\/greeces-duty-to-negotiate-with-berlin-part-b-of-an-nterviewe-with-roger-strassburg-and-jens-berger-of-nachdenkseiten\/\">Teil 2<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 27. 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