{"id":21325,"date":"2014-04-08T09:22:21","date_gmt":"2014-04-08T07:22:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21325"},"modified":"2015-10-21T10:20:40","modified_gmt":"2015-10-21T08:20:40","slug":"gesundheitsausgaben-2012-uebersteigen-300-milliarden-euro-eine-kostenexplosion-sieht-anders-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21325","title":{"rendered":"\u201eGesundheitsausgaben 2012 \u00fcbersteigen 300 Milliarden Euro\u201c \u2013 Eine Kostenexplosion sieht anders aus"},"content":{"rendered":"<p>Seit Jahren lesen und h&ouml;ren wir st&auml;ndig Schreckensmeldungen &uuml;ber Kostenexplosionen im Gesundheitswesen. Die <a href=\"http:\/\/www.derwesten.de\/politik\/umfrage-zeigt-die-sorge-der-patienten-waechst-id9192176.html\">alternde Gesellschaft<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/091202_hinweis_gesundheitskosten.pdf\">der medizinisch-technische Fortschritt [PDF &ndash; 569 KB]<\/a> werden &uuml;blicherweise als Gr&uuml;nde f&uuml;r die Kostensteigerungen genannt. Eine Gesundheitsreform nach der anderen wurde damit begr&uuml;ndet, dass die Kosten ged&auml;mpft oder zumindest der Kostenanstieg begrenzt werden m&uuml;ssten, damit die Beitragss&auml;tze f&uuml;r die Krankenversicherungen nicht weiter anstiegen und die sog. &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo; keine Arbeitspl&auml;tze gef&auml;hrdeten.  Auch gestern w&auml;hlte das Statistische Bundesamt mal wieder eine besorgniserregende Schlagzeile: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/PresseService\/Presse\/Pressemitteilungen\/2014\/04\/PD14_126_23611.html;jsessionid=C159E3CBADC05575377FC6BF19B6AEC0.cae2\">Gesundheitsausgaben 2012 &uuml;bersteigen 300 Milliarden Euro<\/a>&ldquo;. Eine Kostenexplosion sieht allerdings anders aus. Von <strong>Wolfgang Lieb<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7080\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-21325-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140408_Keine_Kostenexplosion_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140408_Keine_Kostenexplosion_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140408_Keine_Kostenexplosion_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140408_Keine_Kostenexplosion_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=21325-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140408_Keine_Kostenexplosion_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"140408_Keine_Kostenexplosion_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Nahezu alle Medien schlossen sich dieser Alarmmeldung aus Wiesbaden an: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/gesundheitsausgaben-2012-erstmals-ueber-300-milliarden-euro-a-962939.html\">Ausgaben f&uuml;r Gesundheit knacken 300-Milliarden-Marke&hellip; Die Ausgaben f&uuml;r Gesundheit sind in Deutschland so hoch wie nie zuvor<\/a>&ldquo;, titelte der Spiegel. Sogar die Nachrichtenagentur Reuters meldete: &bdquo;<a href=\"http:\/\/de.reuters.com\/article\/domesticNews\/idDEBEEA3604I20140407\">Gesundheitsausgaben &uuml;bersteigen erstmals 300 Milliarden Euro. Die &ouml;ffentlichen und privaten Ausgaben f&uuml;r den Gesundheitssektor haben einen neuen Rekord erreicht<\/a>.&ldquo;<\/p><p>Tats&auml;chlich sind die (gesamten) Gesundheitsausgaben im vom Statistischen Bundesamt jetzt erfassten Jahr 2012 um 2,3 Prozent h&ouml;her als 2011. Ja, in absoluten Zahlen, sind die Ausgaben so hoch wie nie zuvor, doch was hei&szlig;t das schon?<\/p><p>Im Jahr 2012 lag die Inflationsrate in Deutschland bei 2,0 Prozent; das hei&szlig;t die Gesundheitsausgaben sind real um 0,3 Prozentpunkte angestiegen.  Ist das die Meldung &uuml;ber einen &bdquo;neuen Rekord&ldquo; wert?<\/p><p>Die Nominall&ouml;hne stiegen im selben Zeitraum &uuml;brigens <a href=\"http:\/\/www.marktundmittelstand.de\/nachrichten\/strategie-personal\/realloehne-2012-gestiegen\/\">um 2,6 Prozent<\/a>. Das ist nach Abzug der Inflationsrate auch nicht gerade viel, jedoch immerhin ein Vergleichswert, der deutlich macht, dass der Anstieg der Gesundheitsausgaben nun nicht gerade zu weiterer Verarmung f&uuml;hrt. <\/p><p>Vergleicht man die Gesundheitsausgaben mit der rechnerisch einzig sinnvollen Gr&ouml;&szlig;e, n&auml;mlicher der Wirtschaftsleistung, so machten diese Ausgaben 11,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus. Im Jahr zuvor lag der Anteil der Gesundheitsausgaben bei 11,2 Prozent und im Jahre 2010 lag er mit 11,6 Prozent sogar h&ouml;her. Seit zwanzig Jahren ist der Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP von 10,1 auf 11,3 Prozent, <a href=\"http:\/\/www.gbe-bund.de\/oowa921-install\/servlet\/oowa\/aw92\/dboowasys921.xwdevkit\/xwd_init?gbe.isgbetol\/xs_start_neu\/&amp;p_aid=i&amp;p_aid=42944805&amp;nummer=522&amp;p_sprache=D&amp;p_indsp=-&amp;p_aid=94746987\">also um 1,2 Prozentpunkte, angestiegen<\/a>.<\/p><p><strong>Eine Kostenexplosion sieht anders aus!<\/strong><\/p><p>Man vergleiche diesen Anstieg der Gesundheitsausgaben im Jahre 2012 nur einmal mit der Steigerung der Energiepreise (+ 5,7 %) oder mit der Preisentwicklung bei den meisten Nahrungsmitteln (+ 3,2 %) oder bei den Verbrauchsg&uuml;tern (+ 3,7%) <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/PresseService\/Presse\/Pressemitteilungen\/2013\/01\/PD13_018_611.html\">im gleichen Zeitraum<\/a>.<\/p><p>Man fragt sich welches Motiv hinter dem Alarmismus vor Kostensteigerungen gerade im Gesundheitswesen steht.  <\/p><p>Ein naheliegender Grund, warum gerade bei den Gesundheitsausgaben Angst und Sorge verbreitet werden, d&uuml;rfte sein, dass man die Beitragszahler auf h&ouml;here Beitr&auml;ge einzustimmen versucht. Das scheint jedenfalls weitgehend gelungen: Nach dem sog. &bdquo;MLP Gesundheitsreport 2014&ldquo;, der vom Institut f&uuml;r Demoskopie Allensbach im Auftrag des Finanzdienstleisters MLP durchgef&uuml;hrt wird, <a href=\"http:\/\/www.heilpraxisnet.de\/naturheilpraxis\/aerzte-befuerchten-schlechteres-gesundheitssystem-9018534252.php\">rechnen drei Viertel der Befragten mit Beitragssteigerungen in den kommenden Jahren<\/a> mit h&ouml;heren Beitr&auml;gen.<\/p><p>Ein weiteres Motiv d&uuml;rfte sein, dass man die Versicherten auf Leistungsreduktionen bei der Gesundheitsversorgung bzw. auf h&ouml;here private Zuzahlungen bei medizinischen Leistungen oder bei Medikamenten vorbereiten m&ouml;chte. <\/p><p>Der wichtigste Antrieb, warum die Gesundheitsausgaben st&auml;ndig dramatisiert werden, d&uuml;rfte darin  zu suchen sein, dass jedenfalls bei der gesetzlichen Krankenversicherung, die mit 57,4 Prozent den L&ouml;wenanteil an den Ausgaben tr&auml;gt, die Arbeitgeberseite an der Beitragsfinanzierung mit 7,3 Prozent des Beitragssatzes mitbeteiligt ist. <\/p><p>In einem Land, wo die Steigerung der &bdquo;Wettbewerbsf&auml;higkeit&ldquo; das oberste wirtschaftspolitische Ziel ist und wo deshalb die Senkung der Lohnkosten h&ouml;chste Priorit&auml;t hat und wo dar&uuml;ber hinaus der Mythos von den &bdquo;Lohnebenkosten&ldquo;  das politische und mediale Denken beherrscht, sind eben Ausgaben f&uuml;r soziale oder gesundheitliche Leistungen, sofern sie als Kostenfaktor der Wirtschaft zu Buche schlagen, ein Politikum.<\/p><p>Bei den Statistikern, genauer bei der politischen F&uuml;hrung des Bundesamtes, scheint allerdings noch gar nicht angekommen zu sein, dass die alarmierende &Uuml;berschrift f&uuml;r eine banale Meldung dieser Tage von der Politik &uuml;berholt worden ist. Der Arbeitgeberanteil an der gesetzlichen Krankenversicherung wurde doch gerade von der Gro&szlig;en Koalition gedeckelt, die Steigerungen bei den Gesundheitskosten sollen doch k&uuml;nftig <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21231\">allein bei den Arbeitnehmern h&auml;ngen bleiben<\/a>.<\/p><p>Man mag daran erkennen, dass diese neuerliche &bdquo;Reform&ldquo; der gesetzlichen Krankenversicherung durchaus einen politisch nicht unerw&uuml;nschten Nebeneffekt hat: Der Widerstand der Wirtschaft gegen steigende Gesundheitskosten wird sicherlich nachlassen; bei gedeckelten Prozents&auml;tzen bei der Mitfinanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung sind Ausgabensteigerungen im Gesundheitswesen nicht mehr von so gro&szlig;em Interesse f&uuml;r die Arbeitgeberseite &ndash; im Gegenteil: das schafft Anreize zur weiteren Privatisierungen auf diesem Feld.<\/p><p>Denn soviel geben auch die j&uuml;ngsten Daten des Statistischen Bundesamtes schon her: Die Privatisierung von Kliniken hat nicht zu Kostensenkungen gef&uuml;hrt; bei den Krankenh&auml;usern stiegen die Ausgaben mit 2,5 Prozent sogar &uuml;berdurchschnittlich.<\/p><p>Und noch etwas macht die neue Statistik deutlich: F&uuml;r das den Agenda-Reformen zugrundeliegende Argument, dass die zunehmende Alterung zu Kostenexplosionen im Gesundheitswesen f&uuml;hre, bieten die Zahlen keinerlei Anhaltspunkt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Jahren lesen und h&ouml;ren wir st&auml;ndig Schreckensmeldungen &uuml;ber Kostenexplosionen im Gesundheitswesen. Die <a href=\"http:\/\/www.derwesten.de\/politik\/umfrage-zeigt-die-sorge-der-patienten-waechst-id9192176.html\">alternde Gesellschaft<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/091202_hinweis_gesundheitskosten.pdf\">der medizinisch-technische Fortschritt [PDF &ndash; 569 KB]<\/a> werden &uuml;blicherweise als Gr&uuml;nde f&uuml;r die Kostensteigerungen genannt. Eine Gesundheitsreform nach der anderen wurde damit begr&uuml;ndet, dass die Kosten ged&auml;mpft oder zumindest der Kostenanstieg begrenzt werden m&uuml;ssten, damit die Beitragss&auml;tze<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21325\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,25,149,11],"tags":[704,768,343,405],"class_list":["post-21325","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-lohnnebenkosten","category-gesundheitspolitik","category-strategien-der-meinungsmache","tag-gesundheitsreform","tag-gkv","tag-luegen-mit-zahlen","tag-statistisches-bundesamt"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21325","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=21325"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21325\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21407,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21325\/revisions\/21407"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=21325"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=21325"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=21325"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}