{"id":21376,"date":"2014-04-11T15:32:16","date_gmt":"2014-04-11T13:32:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21376"},"modified":"2019-07-05T10:45:01","modified_gmt":"2019-07-05T08:45:01","slug":"wie-bedrohlich-ist-der-enthuellungsskandal-ueber-die-naehe-der-nea-dimokratia-zu-den-neonazis-fuer-die-regierung-samaras-und-wie-reagieren-die-europaeischen-partner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21376","title":{"rendered":"Wie Bedrohlich ist der Enth\u00fcllungsskandal \u00fcber die N\u00e4he der Nea Dimokratia zu den Neonazis f\u00fcr die Regierung Samaras und wie reagieren die europ\u00e4ischen Partner?"},"content":{"rendered":"<p>Auch Griechenland hat jetzt einen Enth&uuml;llungs-Skandal, der die Grundfesten der Regierung ersch&uuml;ttert. Das Gespr&auml;ch, das der langj&auml;hrige Samaras-Vertraute Takis Baltakos mit einem amtierenden Chef der Neonazis f&uuml;hrte, ist nicht einfach eine &bdquo;pikante&ldquo; Aff&auml;re am Rande, die durch den Ausschluss des d&uuml;pierten Abgeordneten aus der Nea Dimokratia-Fraktion beigelegt w&auml;re. Dieser Skandal kann vielmehr &ndash; zumal wenn es zu weiteren, von der Chrysi Avgi (ChA) schon angek&uuml;ndigten Enth&uuml;llungen kommt &ndash; eine katalytische Wirkung f&uuml;r die griechische Innenpolitik entwickeln und vorgezogene Neuwahlen wahrscheinlicher machen. Zudem wird er ganz sicher die Erfolgsaussichten einer strafrechtlichen Verfolgung der griechischen Neonazis beeintr&auml;chtigen. Die Aff&auml;re Baltakos d&uuml;rfte und m&uuml;sste aber auch Folgen f&uuml;r die Einsch&auml;tzung der Regierung Samaras und der Nea Dimokratia bei den europ&auml;ischen Freunden und Verb&uuml;ndeten haben. Von <strong>Niels Kadritzke<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nDer Chefpropagandist der Neonazi-Partei Chrysi Avgi (ChA) Ilias Kasidiaris, zugleich Sprecher der durch Verhaftungen reduzierten Parlamentsfraktion der &bdquo;Goldenen Morgenr&ouml;te&ldquo;, ver&ouml;ffentlichte die Videoaufnahme einer Unterhaltung, deren schriftliche Fassung er auch im Parlament verteilte. Zuvor hatte er im Plenum in der Debatte um die Aufhebung der parlamentarischen Immunit&auml;t von (weiteren) f&uuml;nf ChA-Abgeordneten angek&uuml;ndigt, er k&ouml;nne beweisen, dass die strafrechtlichen Ermittlungen gegen seine Parteifreunde auf direkte Anweisung des Innen- und des Justizministers eingeleitet wurden. <\/p><p>Das dokumentierte Gespr&auml;ch hatte der Neonazi-Sprecher mit Takis Baltakos gef&uuml;hrt, einem langj&auml;hrigen Mitarbeiter und einem der engsten Vertrauten von Ministerpr&auml;sident Antonis Samaras, der Baltakos im Juni 2012 zum Generalsekret&auml;r seines Kabinetts berufen hatte. Der Dialog zwischen dem ND-Mann und dem Sprecher der ChA-Fraktion fand im B&uuml;ro von Kasidiaris im griechischen Parlament statt, und zwar kurze Zeit nach der Verhaftung mehrerer F&uuml;hrungsmitglieder und Abgeordneter der Neonazis am 28. September 2013.<\/p><p><strong>Wer ist Takis Baltakos?<\/strong><\/p><p>Von Baltakos muss man wissen, dass er die politische Str&ouml;mung innerhalb der Nea Dimokratia (ND) personifiziert, die gegen&uuml;ber den Neonazis jenen &bdquo;vers&ouml;hnlerischen&ldquo; Kurs vertrat, der bis zur Ermordung des linken Rappers Pavlos Fyssas durch neonazistische Schl&auml;ger am 16. September 2013 das Verhalten der ND gegen&uuml;ber der Konkurrenz von Rechtsau&szlig;en bestimmt hatte. Baltakos geh&ouml;rte dabei zu den wenigen Stimmen, die eine Zusammenarbeit mit der ChA auf l&auml;ngere Sicht nicht ausgeschlossen haben. So soll er vergangenes Jahr &ndash; bevor die strafrechtlichen Ermittlungen gegen die ChA-F&uuml;hrung in Gang kamen &ndash; gegen&uuml;ber ND-Kollegen ge&auml;u&szlig;ert haben, dass ein solches B&uuml;ndnis bei k&uuml;nftigen Wahlen &bdquo;nicht w&uuml;nschenswert, aber nicht unwahrscheinlich&ldquo; sei (zu dieser Diskussion siehe <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19136\">&bdquo;Weimarer Verh&auml;ltnisse in Griechenland&ldquo;<\/a>, NachDenkSeiten vom 4. November 2013). <\/p><p>In den drei Wochen zwischen dem Fyssas-Mord und dem Zeitpunkt, an dem sich die Regierung zur Einleitung staatsanwaltlicher Ermittlungen gegen die F&uuml;hrung des Chrysi Avgi entschloss, wurde Baltakos zum Wortf&uuml;hrer der Bedenkentr&auml;ger. Er stellte sich damit explizit gegen Innenminister Dendias und Justizminister Athanassiou, die am entschiedensten ein gerichtliches Vorgehen gegen die Neonazis forderten. Baltakos ging im Gegensatz zu Samaras davon aus, dass die Strafverfolgung die Neonazis nicht schw&auml;chen, sondern st&auml;rken w&uuml;rde  (diese unterschiedliche Einsch&auml;tzung kommt auch in dem unten dokumentierten Dialog mit Kasidiaris zum Ausdruck). Nachdem ChA-F&uuml;hrer Michaloliakos und mehrere seiner Parlamentsabgeordneten verhaftet worden waren, sah Baltakos (nach einem Bericht der Kathimerini vom 6. April) seine schlimmsten Bef&uuml;rchtungen best&auml;tigt. Damals soll er gegen&uuml;ber mehreren Ministern geklagt haben, der Anblick der mit Handfesseln abgef&uuml;hrten ChA-Bosse, die &bdquo;Es lebe Griechenland&ldquo; in die Fernsehkameras schreien, werde fatale Folgen haben. &bdquo;Wisst ihr denn, wie sich das bei den Soldaten und bei den Kirchenleuten anh&ouml;rt?&ldquo;<\/p><p>Die Armee und die Kirche waren stets die wichtigsten Bezugsgruppen f&uuml;r das politische Wirken von Baltakos. Die h&auml;lt er, wie alle patriotischen Reaktion&auml;re Griechenlands, f&uuml;r das R&uuml;ckgrat der Nation. Darauf basiert auch seine Affinit&auml;t zur radikalen Rechten. Der Triptychon &bdquo;Vaterland &ndash; Familie &ndash; (orthodoxer) Glaube&ldquo; war stets das Motto der nationalistischen Rechten in Griechenland, von der Metaxas-Diktatur in den 1930er-Jahren &uuml;ber die autorit&auml;ren und pseudo-parlamentarischen Regierungen nach dem B&uuml;rgerkrieg (1947-1949), bis hin zur Diktatur der Obristen (1967-1974). <\/p><p>Die von Baltakos vorgebrachten Einw&auml;nde gegen die strafrechtliche Verfolgung der Neonazis waren also nicht nur taktisch begr&uuml;ndet. Sie wurzeln vielmehr &ndash; wie auch aus dem Dialog  mit Kasidiaris hervorgeht &ndash; in den eigenen rechtsradikalen &Uuml;berzeugungen eines Mannes, der seit 30 Jahren ein treuer Weggef&auml;hrte und pers&ouml;nlicher Freund von Samaras war. Aus seinen &Uuml;berzeugungen hat Baltakos auch in seiner Rolle als Kabinettssekret&auml;r kein Geheimnis gemacht. In der linken Tageszeitung Efimerida ton Syntakton hat Tasos Tsakiroglou folgendes &bdquo;S&uuml;ndenregister&ldquo; in Erinnerung gerufen:<\/p><ul>\n<li>Baltakos bek&auml;mpfte aufs heftigste (und sehr effektiv) die Versch&auml;rfung des Anti-Rassismus-Gesetzes, die der fr&uuml;here (linkssozialdemokratische) Justizminister Roumpakiotis seit Sommer 2012 durchsetzen wollte (siehe dazu ebenfalls <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19136\">NachDenkSeiten vom 4. November 2013<\/a>). Das Scheitern dieser Initiative &ndash; am Veto von Samaras &ndash; hat Roumpakiotis im Mai 2013 zum R&uuml;cktritt veranlasst und ma&szlig;geblich dazu beigetragen, dass sich dessen Partei Dimar im Sommer 2013 aus der Koalition mit ND und Paso zur&uuml;ckgezogen hat.<\/li>\n<li>Roumbakiotis erkl&auml;rte in einem Rundfunkinterview (am 4. April), Baltakos habe &bdquo;fortw&auml;hrend jede Ma&szlig;nahme behindert&ldquo;, die das Justizministerium gegen den Rechtsradikalismus ergreifen wollte. Dazu geh&ouml;rten auch Formulierungen in Gesetzentw&uuml;rfen, die dem zunehmend &bdquo;multikulturellen&ldquo; Charakter der griechischen Gesellschaft gerecht werden sollten.<\/li>\n<li>Baltakos hintertrieb alle Versuche, die menschenrechtliche Situation der Migranten und Asylbewerber auf griechischem Boden zu verbessern. Als Kostas Papaioannou, der Chefberater der Regierung f&uuml;r Menschenrechtsfragen, Baltakos seinen Jahresberichts mit einen Kapitel &uuml;ber rassistische Gewalt vorlegte, herrschte ihn Samaras&rsquo; Kabinettschef an: &bdquo;Die Menschenrechte von Ausl&auml;ndern interessieren uns nicht.&ldquo; (das hat Papaioannou gegen&uuml;ber dem Wall Street Journal offenbart, <a href=\"http:\/\/online.wsj.com\/news\/articles\/SB10001424052702303281504579219983801909944\">siehe die deutsche Ausgabe vom 4. Dezember 2013<\/a>).<\/li>\n<li>Baltakos k&auml;mpfte unentwegt daf&uuml;r, bei allen K&uuml;rzungen &ouml;ffentlicher Geh&auml;lter und Pensionen die &bdquo;uniformierten&ldquo; Staatsdiener (Polizei und Armee) entweder ganz zu verschonen oder privilegiert zu behandeln.<\/li>\n<li>Vor kurzem erkl&auml;rte er in einer TV-Sendung, er sei Zeit seines Lebens &bdquo;Anti-Kommunist&ldquo; gewesen und habe die griechische Linke bek&auml;mpft, die sein Land &bdquo;seit 1942&ldquo; heimsuche. Dazu muss man wissen, dass 1942 der Widerstand, unter F&uuml;hrung der Kommunisten, gegen die Okkupation der Nazi-Wehrmacht begonnen hat.<\/li>\n<li>Baltakos war auch Initiator eines Gesetzentwurfes, in dem vorgesehen war, dass die Kandidaten f&uuml;r die Ausbildung h&ouml;herer Offiziere (an den Milit&auml;r- und Polizeiakademien) &bdquo;echte&ldquo; Griechen im Sinne einer ethnisch reinen Abstammung sein m&uuml;ssen. Dieser Entwurf, f&uuml;r den Baltakos in der ND-Fraktion Dutzende Anh&auml;nger gewinnen konnte, wurde allerdings von der Regierung und Samaras nicht adoptiert (und w&auml;re weder von der Pasok noch von der damaligen Regierungspartei Dimar akzeptiert worden).<\/li>\n<\/ul><p>(Zum letzten Punkt eine kleine unangenehme Anmerkung: Das (letztgenannte) gescheiterte rassistische Projekt von Baltakos hat Yannis Varoufakis, &ouml;konomischer Chefberater des Syriza-Vorsitzenden Tsipras, im Gespr&auml;ch mit den NachdenkSeiten (<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21258\">im 2. Teil der deutschen Fassung vom 1. April 2014<\/a>) f&auml;lschlicherweise als beschlossenes Faktum dargestellt. Daf&uuml;r k&ouml;nnen die NachDenkSeiten nichts, aber es bleibt bedauerlich, dass ein seri&ouml;ser Wissenschaftler (ob wissentlich oder nicht) eine Falschinformation verbreitet, weil sie gerade so sch&ouml;n zu seiner Argumentation passt. Mit einer einfachen Recherche w&auml;re Varoufakis auf das &ndash; an sich schon skandal&ouml;se &ndash; Faktum gesto&szlig;en, dass ein solcher Gesetzentwurf im Geiste des Rassismus immerhin in der ND-Fraktion diskutiert, dann allerdings von der Regierung verworfen wurde.) <\/p><p><strong>Das Gespr&auml;ch im Wortlaut<\/strong><\/p><p>Es folgt der Wortlaut des Mitschnitts der Unterhaltung zwischen Baltakos und dem Sprecher der ChA-Fraktion, dem in Athen nachgesagt wird, dass er sich als Nachfolger des inhaftierten Parteigr&uuml;nders Michaloliakos profilieren will. Die &Uuml;bersetzung erfolgte aus dem griechischen Original. Zum Verst&auml;ndnis des Anfangs muss man wissen, dass Kasidiaris mit mehreren anderen ChA-Funktion&auml;ren ebenfalls am 28. September verhaftet wurde, anschlie&szlig;end aber (im Gegensatz zu seinem Parteichef und weiteren vier Abgeordneten) gegen eine Kaution wieder auf freien Fu&szlig; gesetzt wurde &ndash; zum Entsetzen von Samaras (siehe dazu meine Darstellung auf den <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19136\">NachDenkSeiten vom 4.<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19228\">12. November 2013<\/a>).<\/p><blockquote><p><strong>Kas.:<\/strong> Als ich freigelassen wurde, wie hat sich da der Samaras gef&uuml;hlt?<br>\n<strong>Balt.:<\/strong> Da war er ja in Amerika.<br>\n<strong>Kas.:<\/strong> Jaja, aber ich hab geh&ouml;rt, er hat da fast einen Schlaganfall gekriegt.<br>\n<strong>Balt.:<\/strong> Schock und Angst! Es war die H&ouml;lle los&hellip; Aber mit mir hat er nicht dar&uuml;ber geredet, ich hatte ihn ja vorher gewarnt&hellip; Er hat sich die anderen beiden vorgenommen, und er hat sie zusammen geschissen. Den (Justizminister) Athanassiou und den (Innenminister) Dendias: &bdquo;Ihr habt mich zum Narren gehalten, was ist das f&uuml;r eine Blamage!&ldquo; Denn einen Tag vorher hatte er (Samaras) bei einer amerikanischen zionistischen Konferenz behauptet: &bdquo;Es ist aus(f&uuml;r den ChA), ich hab sie fertig gemacht.&ldquo; Und am anderen Tag kommt ihr frei!<br>\n<strong>Kas.:<\/strong> Mit den Staatsanw&auml;lten, die uns freigelassen haben, was ist in diesem entscheidenden Stadium passiert? Warum haben die diesen Purzelbaum gemacht: zuerst uns frei lassen, und danach bei den anderen das Gegenteil?<br>\n<strong>Balt.:<\/strong> Sie haben euch aus einem einfachen Grund laufen lassen: es gab keine Beweise.<br>\n<strong>Kas.:<\/strong> Na klar, sie hatten nichts.<br>\n<strong>Balt.:<\/strong> Und niemand hat sie angerufen, um Druck zu machen, weil alle (von Regierungsseite, NK) das f&uuml;r selbstverst&auml;ndlich hielten, f&uuml;r alle war klar, was die Staatsanwaltschaft machen wird. Aber der Staatanwalt hatte keine Beweise, keinen einzigen!<br>\n<strong>Kas.:<\/strong> Aber f&uuml;r die anderen hatte er auch keine&hellip;<br>\n<strong>Balt.:<\/strong> Ach was, bei den anderen war es so&hellip; (auf dem Video macht B. vor, wie man einen Telefonh&ouml;rer nimmt und telefoniert).<br>\n<strong>Kas.:<\/strong> Wer hat das alles veranstaltet?<br>\n<strong>Balt.:<\/strong> Wieder die beiden.<br>\n<strong>Kas.:<\/strong> Dendias und Athanassiou?<br>\n<strong>Balt.:<\/strong> Wer denn sonst?<br>\n<strong>Kas.:<\/strong> Und was sagt Samaras dazu? Hat er kapiert, was da l&auml;uft (gemeint ist der wachsende W&auml;hleranhang der Goldenen Morgenr&ouml;te)?<br>\n<strong>Balt.:<\/strong> Nein, am Anfang nicht.., aber dann hat er die Umfragen gesehen. Jetzt glaubt er &ndash; als Gro&szlig;b&uuml;rger, der er ist, die (die ChA) werden auf zwei Prozent runtergehen; aber ich hab ihm erkl&auml;rt: &bdquo;Ich sag dir, sie werden auf zwanzig Prozent kommen.&ldquo; Er sagte nur: &bdquo;Du bist ein Wichser (das griechische Pendant zum schw&auml;bischen &bdquo;Arschloch&ldquo;).<br>\n<strong>Kas.:<\/strong> Wer hat ihm gesagt, er soll all das so machen.<br>\n<strong>Balt.:<\/strong> Naja, in erster Linie hat er Angst um sich selbst. Weil ihr ihm die Stimmen wegnehmt, die ihm fehlen, um vor der Syriza zu liegen.<br>\n<strong>Kas.:<\/strong> Das nimmt ihm die Stimmen, klar.<br>\n<strong>Balt.:<\/strong> Ist doch logisch.<br>\n<strong>Kas.:<\/strong> Und weil wir Stimmen wegnehmen, deshalb schmei&szlig;t er uns ins Gef&auml;ngnis?<br>\n<strong>Balt.:<\/strong> Dieses Arschloch (hier folgt ein noch krasseres Wort) &ndash; eine unglaubliche Sache, das ist ungeheuerlich.<\/p><\/blockquote><p>Im zweiten Teil der Unterhaltung geht es um die zust&auml;ndige Generalstaatsanw&auml;ltin Evterpi Goutzamani und deren Stellvertreter Charalambos Vouliotis, die die Ermittlungen gegen die Neonazi-Partei als einer &bdquo;kriminellen Vereinigung&ldquo; nach Art. 187 des Strafrechts eingeleitet haben.<\/p><blockquote><p><strong>Kas.:<\/strong> Die Goutzamani, dass sie das alles gemacht hat, wo ich doch Informationen hatte, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes rechts ist.<br>\n<strong>Balt.:<\/strong> (Bekreuzigt sich).<br>\n<strong>Kas.:<\/strong> So fromm ist sie?<br>\n<strong>Balt.:<\/strong> Ja.<br>\n<strong>Kas.:<\/strong> Wie konnte Sie all diese sch&auml;ndlichen Dinge machen, zusammen mit Vourliotis, diese Konstruktion des Beschlusses (zur Er&ouml;ffnung von Ermittlungen nach Art.187)?<br>\n<strong>Balt.:<\/strong> Sie haben ihnen eingeredet: &bdquo;Die sind Heiden, G&ouml;tzenanbeter, Nazis, die sind gegen die Christen.&ldquo;<br>\n<strong>Kas.:<\/strong> Wer hat ihnen das alles eingeredet?<br>\n<strong>Balt.:<\/strong> Der Athanassiou und der Dendias.<br>\n<strong>Kas.:<\/strong> Du solltest zur Staatsanwaltschaft gehen und aussagen, wer diese ganze Verschw&ouml;rung angezettelt hat: Dass der Athanassiou die Anweisung an die Goutzamani gegeben hat, dass der Samaras das zuvor dem Athanassiou befohlen hat, und dass die alle vor Gericht geh&ouml;ren. Wenn du ein gerechter Mensch bist, dann musst du das tun.<br>\n<strong>Balt.:<\/strong> Wenn ich das tue, wird es eine Voruntersuchung geben, vielleicht eine halbe Stunde, und dann wandert das in die Akten.<br>\n<strong>Kas.:<\/strong> Meinst du wirklich?<br>\n<strong>Balt.:<\/strong> Aber klar! Und das soll ich bei der Regierung Samaras machen? Zu welchem Staatsanwalt soll ich gehen? Das ist doch die selbst, die Goutzamani. Ich soll die Goutzomani bei ihr selber anklagen?<br>\n<strong>Kas.:<\/strong> Wie ist die Goutzamani &uuml;berhaupt zur Generalstaatsanw&auml;ltin geworden?<br>\n<strong>Balt.:<\/strong> Weil sie doch vom selben Dorf ist.<br>\n<strong>Kas.:<\/strong> Und jetzt zahlt sie ihre Schuld zur&uuml;ck?<br>\n<strong>Balt.:<\/strong> Ja, sie ist vom selben Dorf. Das hei&szlig;t, aus einem Nachbardorf. Aber sie waren im selben (juristischen Ausbildungs-) Jahrgang, sind fast gleichaltrig. Sie sind halt Landsleute, mehr braucht es nicht.<\/p><\/blockquote><p><strong>Was zeigen die Kontakte zwischen Baltakos und Kasiaridis und wie bedrohlich ist die Enth&uuml;llung f&uuml;r die Regierung Samaras?<\/strong><\/p><p>Das Gespr&auml;ch, das Baltakos mit dem amtierenden Chef der Neonazis f&uuml;hrte, ist nicht einfach ein &bdquo;pikanter&ldquo; Skandal am Rande, der durch den Ausschluss des Samaras-Vertrauten aus der ND beigelegt w&auml;re. Dieser Skandal kann vielmehr &ndash; zumal wenn es zu weiteren, von der ChA schon angek&uuml;ndigten Enth&uuml;llungen kommt &ndash; eine katalytische Wirkung f&uuml;r die griechische Innenpolitik entwickeln und vorgezogene Neuwahlen wahrscheinlicher machen. Zudem wird er ganz sicher die Erfolgsaussichten einer strafrechtlichen Verfolgung der griechischen Neonazis beeintr&auml;chtigen. Die Aff&auml;re Baltakos d&uuml;rfte und m&uuml;sste aber auch Folgen f&uuml;r die Einsch&auml;tzung der Regierung Samaras und der Nea Dimokratia bei den europ&auml;ischen Freunden und Verb&uuml;ndeten haben. <\/p><p>Im Folgenden will ich diese Folgen in einigen Punkten erl&auml;utern:<\/p><ol>\n<li>Der verst&auml;ndnisinnige Dialog Kasiriadis-Baltakos ruft die Tatsache in Erinnerung, dass die ND einen rechten Fl&uuml;gel hat, auf dem in bestimmten Fragen (Migranten) durchaus &auml;hnliche Ansichten herrschen wie bei den Neonazis. Wenn Baltakos erkl&auml;rt, er habe sich regelm&auml;&szlig;ig mit seinen &bdquo;B&uuml;ronachbarn&ldquo; im Parlamentsgeb&auml;ude unterhalten, weil sein B&uuml;ro im Parlament nun einmal neben den R&auml;umen der ChA-Kollegen liege, so ist dies angesichts des dokumentierten Gespr&auml;chsinhalts  eine groteske Schutzbehauptung. Und seine Beteuerung (in einem Radiointerview), er habe Kasiriadis nur erz&auml;hlt, was der h&ouml;ren wollte, um sein &bdquo;Vertrauen zu gewinnen&ldquo;, ist eher eine belastende Aussage. Denn dann lautet die entscheidende Frage, zu welchem Zweck er das Vertrauen der Neonazis gewinnen wollte.<\/li>\n<li>Die &bdquo;nachbarschaftlichen&ldquo; Kontakte von Baltakos f&auml;rben zwangsl&auml;ufig auf den ND-Vorsitzenden und Regierungschef Antonis Samaras ab. Der Mann mit den unziemlichen ChA-Sympathien ist mit Samaras seit 30 Jahren auch pers&ouml;nlich eng verbunden.  Und in seiner politischen Laufbahn folgte er seinem Mentor wie ein Schatten: Als Samaras wegen seiner rechtsradikalen Position in der Mazedonien-Frage aus der Mitsotakis-Regierung und der ND ausschied, schloss er sich so sofort dessen neu gegr&uuml;ndeter Partei &bdquo;Politischer Fr&uuml;hling&ldquo; an. Und als Samaras in die ND zur&uuml;ckkehrte, brachte er auch den treuen Knappen wieder mit und platzierte ihn in seiner engsten Umgebung. Selbst nachdem Baltakos als Kabinettssekret&auml;r abgel&ouml;st worden war, hat ihn Samaras noch Anfang dieses Jahres (dank seiner Vernetzung mit rechten Kirchenkreisen und besonders zu den stockkonservativen Athos-Kl&ouml;stern) mit der Organisation des gro&szlig; inszenierten und medial aufbereiteten &bdquo;Staatsbesuchs&ldquo; des Regierungschefs in der M&ouml;nchsrepublik betraut.<\/li>\n<li>Freund Baltakos war in der Umgebung des Regierungschefs keineswegs der einzige rechtslastige Vordenker. Aus demselben Milieu stammen die meisten der engen Berater, auf die sich Samaras vor und noch lange Zeit nach seiner Wahl zum Ministerpr&auml;sidenten im Juni 2012 gest&uuml;tzt hat. Sie waren entweder politische Weggef&auml;hrten bei Samaras gescheitertem Versuch, seine eigene patriotische Partei &ndash; deutlich rechts von der Nea Dimokratia &ndash; aufzubauen, oder Mitstreiter bei der Gr&uuml;ndung des rechten Thinktanks Dichtio 21 (Netzwerk 21) oder &Uuml;berl&auml;ufer aus der rechtsradikalen Partei Laos. Die zwei Ex-Laos-Kameraden Adonis Georgiadis und Makis Voridis wurden von Samaras auff&auml;llig stark gef&ouml;rdert: den einen machte er zum Gesundheitsminister, den anderen zum Vorsitzenden der ND-Fraktion im Parlament. Die radikalste Figur in dieser rechten Beratertruppe musste Samaras jetzt allerdings im Gefolge des Baltakos-Skandals opfern. Eigentlich war Failos Kranidiotis als Spitzenkandidat f&uuml;r die Wahlen zum Europ&auml;ischen Parlament vorgesehen, doch unter dem Druck des liberalen ND-Fl&uuml;gels musste Samaras jetzt Kranidiotis &ndash; der sich selbst mit Stolz als &bdquo;Nationalist, Patriot und Antikommunist&ldquo; bezeichnet &ndash; von der Kandidatenliste streichen. Genaueres &uuml;ber die rechtslastige Samaras-Clique erf&auml;hrt man aus dem Text der Journalistin Vicky Samaras (no relation!) in der Elevtherotypia (<a href=\"http:\/\/www.enetenglish.gr\/?i=news.en.article&amp;id=1845\">in Englisch hier nachzulesen<\/a>)<\/li>\n<li>Die nichtgriechischen Politiker, die mit Samaras zu tun haben, m&uuml;ssen zur Kenntnis nehmen, dass ihr &bdquo;Partner&ldquo; in Athen von seinen alten Freunden aus dem ganz rechten Milieu immer nur dann abger&uuml;ckt ist, wenn ihm keine andere Wahl mehr blieb, weil sein Image sonst durch deren Handlungen oder Spr&uuml;chen zu stark belastet gewesen w&auml;re. In der griechischen &Ouml;ffentlichkeit und in den Medien wird Samaras h&auml;ufig als redlicher Patriot gezeichnet, in dessen Brust zwei Seelen wohnen, von denen die eine zutiefst nationalistisch ist. Dabei wird die &bdquo;gespaltene Pers&ouml;nlichkeit&ldquo; des Regierungschefs vorzugsweise mit seiner doppelten famili&auml;ren Herkunft erkl&auml;rt: eine gro&szlig;b&uuml;rgerliche Mutter aus der Athener Geldaristokratie und ein klassisch nationalkonservativer Vater von der traditionell rechten, fr&uuml;her stramm k&ouml;nigstreuen Peleponnes (wo noch immer der Wahlkreis von Samaras liegt, in dem er quasi das &bdquo;Familienerbe&ldquo; seines stockkonservativen Onkels Giorgos Samaras &uuml;bernommen hat). An dieser Erkl&auml;rung fehlt allerdings das wichtigste St&uuml;ck: der ma&szlig;lose pers&ouml;nliche Ehrgeiz, der stets bestimmend daf&uuml;r war, ob der stockkonservative Provinzpatriot oder der rechtsliberale Gro&szlig;b&uuml;rger die Oberhand behielt. Auf dem H&ouml;hepunkt der Mazedonien-Hysterie gr&uuml;ndete Samaras seine eigene Partei (&bdquo;Politischer Fr&uuml;hling&ldquo;), um die chauvinistisch aufgeheizte Volksstimmung zu W&auml;hlerstimmen zu machen und damit an der Macht teilzuhaben. Als das Projekt scheiterte, kehrte er &ndash; mit gegl&auml;ttetem Profil &ndash; in die Nea Dimokratia zur&uuml;ck, um seine Karriere in der Regierung von Kostas Karamanlis fortzusetzen, der viele Fehler hatte, aber ganz gewiss nicht auf die nationalistische Karte setzte. Als Samaras zum Nachfolger von Karamanlis als ND-Vorsitzender wurde, musste er zwangsl&auml;ufig eine gewisse Balance zwischen den Parteifl&uuml;geln halten. Aber bei dem eingefleischten Opportunismus kann man sich nie sicher sein, in welche Richtung Samaras sich von seinem Machtinstinkt lenken l&auml;sst. Sollte die Verbotsstrategie gegen die Neonazis juristisch scheitern oder sich politisch nicht ausz&auml;hlen, ist keineswegs auszuschlie&szlig;en, dass sich Samaras wieder nach weit rechts orientiert.<\/li>\n<li>Wenn die von Baltakos an Kasidiaris &uuml;bermittelten Informationen harte Fakten (und nicht nur wichtigtuerisches Gerede) sind, w&uuml;rde das die juristischen Chancen der ChA-F&uuml;hrung in doppelter Hinsicht verbessern. Zum einen k&ouml;nnten ihre Verteidiger die &bdquo;Enth&uuml;llungen&ldquo; bei den strafrechtlichen Verfahren nutzen, um die Anklage zu ersch&uuml;ttern bzw. als &bdquo;politisch&ldquo; darzustellen. Kasidiaris hat bereits angek&uuml;ndigt, dass man in einem Prozess die Frage aufwerfen wird, welches Belastungsmaterial zum Zeitpunkt der Verhaftungen vorlag und ob die Staatsanw&auml;lte in dieser Sache Anweisung von oben erhielten. Wobei allerdings die Tatsache, dass er selbst gegen Kaution freigelassen wurde &ndash; was nach Aussage von Baltakos bei Samaras einen Wutanfall ausl&ouml;ste &ndash; eher daf&uuml;r spricht, dass die Untersuchungsrichter nicht einfach als B&uuml;ttel der Regierung agiert haben. Mit Sicherheit werden aber die Strafverfahren vor griechischen Gerichten komplizierter und langwieriger, weil die Baltakos-Aussagen zur Begr&uuml;ndung von Beweis- und Befangenheitsantr&auml;gen tauglich sind.\n<p>Zum anderen k&ouml;nnte das Material dazu dienen, die Klagen gegen griechische Urteile vor dem Europ&auml;ischen Gerichtshof f&uuml;r Menschenrechte (EGMR) zu untermauern. Die Chrysi Avgi hat bereits im Februar angek&uuml;ndigt, dass sie in Stra&szlig;burg nicht nur gegen die &bdquo;politische&ldquo; Strafverfolgung klagen wird, sondern den EGMR auch als Beschwerdeinstanz anrufen will, falls sie vor dem obersten griechischen Verwaltungsgericht mit ihrer Klage gegen die Einstellung der Parteifinanzierung f&uuml;r die ChA nicht durchkommt (zur juristischen Problematik der gestrichenen Gelder siehe meinen <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19228\">Bericht vom 12. November 2013<\/a>.)<\/p><\/li>\n<li>Der Fall Baltakos l&auml;sst auch die Bef&uuml;rchtungen wieder aufleben, dass die Neonazis innerhalb des griechischen Geheimdienstes EYP &uuml;ber Sympathisanten verf&uuml;gen, die ihnen Informationen &uuml;ber die &Uuml;berwachungsstrategien und den Kenntnisstand des EYP liefern. Solche Bef&uuml;rchtungen w&uuml;rden sich aber nur best&auml;tigen, falls die Neonazis wirklich weiteres Material auf der Hand haben, das nicht mit eigenen Hilfsmitteln erlangt wurde (wie etwa das Video &uuml;ber das Kasiriadis-Baltakos-Gespr&auml;ch). Diese Ank&uuml;ndigung k&ouml;nnte sich aber auch als reiner Bluff erweisen.\n<p>Allerdings berichtete die Athener Presse (Efimerida ton Syntakton vom 8. April), dass Baltakos selbst intensive Beziehungen zum Geheimdienst pflegte. Am 27. Dezember 2013 hatte er ein (geheimes) Treffen mit dem F&uuml;hrungszirkel der Gewerkschaft der EYP-Mitarbeiter, um die sich inzwischen wilde Ger&uuml;chte ranken. Dass die Neonazis innerhalb des Geheimdienstes Sympathisanten und Zutr&auml;ger hatten, geht schon aus der Tatsache hervor, dass der f&uuml;r die Beobachtung des ChA zust&auml;ndige Abteilungsleiter nach dem Fyssas-Mord von seinem Posten abgel&ouml;st wurde. Die Baltakos-Aff&auml;re wird zweifellos dazu f&uuml;hren, dass das Innenministerium die Organisation EYP nochmals genauer durchleuchten wird.<\/p><\/li>\n<li>Obwohl die Aff&auml;re den Zusammenhalt der ND-Pasok-Regierung nicht unmittelbar gef&auml;hrdet, haben sich die Aussichten von Samaras, seinen Laden bis zu den n&auml;chsten regul&auml;ren Wahltermin im Sommer 2016 zusammenzuhalten, deutlich verschlechtert. Die Mehrheit der Regierung im Parlament ist auf 152 Sitze geschrumpft; man kann sich also nur noch einen einzigen Abweichler in einer der beiden Fraktionen leisten. Samaras musste sich von Baltakos auch deshalb so rasch trennen, weil er bef&uuml;rchten musste, dass Pasok-Chef Venizelos seine von der Aff&auml;re schockierten Parlamentarier nicht bei der Stange halten kann. Aber die Unruhe in der Pasok wird anhalten, zumal sich einige Stimmen melden, die den Austritt der Partei aus der Koalition fordern (zu diesen Stimmen geh&ouml;rt auch der Ex-Regierungschef Giorgos Papandreou, der allerdings keinen gro&szlig;en Einfluss mehr aus&uuml;bt.)\n<p>Sollten die Regierungsparteien bei den Europa-Wahlen und den gleichzeitigen Kommunalwahlen im Mai jedoch eine deutliche Abfuhr erhalten, w&uuml;rde die Frage vorgezogener Neuwahlen pl&ouml;tzlich doch auf der Tagesordnung stehen. Dabei bleibt abzuwarten, ob der Fall Baltakos der Syriza neue W&auml;hler zutreibt. Der Syriza-Vorsitzende Alexis Tsipras hat mit seinem Satz, Griechenland werde von einer &bdquo;rechtsradikalen Sekte&ldquo; regiert, voll auf Angriff gesetzt. Ob sich das auszahlt, muss nach ersten Umfrageergebnissen bezweifelt werden (dazu mehr in einem n&auml;chsten Bericht).<\/p>\n<p>Allerdings sind die Machtreserven der Regierung &ndash; auch ohne eine spektakul&auml;re Wahlniederlage im kommenden Monat &ndash; fast v&ouml;llig ersch&ouml;pft. In jedem Fall ist die heimliche Hoffnung der Regierung, bei wichtigen Gesetzesvorhaben auf die Abgeordneten der linkssozialdemokratischen Dimar und einige Unabh&auml;ngige rechnen zu k&ouml;nnen, mit der Baltakos-Aff&auml;re hinf&auml;llig geworden. Der Dimar-Vorsitzende Kouvellis hat bereits angek&uuml;ndigt, dass eine Unterst&uuml;tzung dieser Regierung nicht mehr in Frage komme. Diese Ank&uuml;ndigung gilt explizit auch f&uuml;r die viel diskutierte Wahl eines neuen Staatspr&auml;sidenten durch das Parlament, die im M&auml;rz 2015 ansteht. Auch hier war die Dimar in den Kalkulationen der Regierung als Stimmreserve eingeplant, die im dritten Wahlgang die n&ouml;tige Mehrheit von 180 Stimmen sicherstellen k&ouml;nnte. Eine solche Mehrheit scheint aus heutiger Sicht ausgeschlossen, was die Aufl&ouml;sung des Parlaments und Neuwahlen im Fr&uuml;hjahr 2015 bedeuten w&uuml;rde.<\/p><\/li>\n<li>Umso wichtiger sind f&uuml;r die Regierung die anstehenden Europa- und Kommunalwahlen im Mai. F&uuml;r die Koalition w&auml;re ein deutlicher R&uuml;ckschlag wegen der Baltakos-Aff&auml;re eine Katastrophe. Samaras und Venizelos m&uuml;ssen bei diesen Wahlen zwei Effekte bef&uuml;rchten: Zum einen die Abstrafung durch die W&auml;hler der Mitte, die bei einem Stimmenanteil ihrer beiden Parteien unter 30 Prozent offensichtlich w&auml;re. Zum zweiten einer weiteren St&auml;rkung der Neonazis, die nat&uuml;rlich mit den Baltakos-Aussagen in den Wahlkampf ziehen werden, um ihre Anh&auml;nger von ihrer These der &bdquo;politischen Verfolgung&ldquo; zu &uuml;berzeugen.<\/li>\n<\/ol><p><strong>Ablenkungsman&ouml;ver Griechenland-Anleihen<\/strong><\/p><p>Die Regierung hat nur eine einzige M&ouml;glichkeit, die m&ouml;glichen Auswirkungen der Baltakos-Aff&auml;re zu neutralisieren: Sie muss ihre wirtschaftliche &bdquo;Erfolgsbilanz&ldquo; offensiv verkaufen. Dazu dient unter anderem die &bdquo;triumphale&ldquo; R&uuml;ckkehr des griechischen Staates auf die Finanzm&auml;rkte, die am heutigen Tage mit dem Besuch von Frau Merkel in den Rang eines &bdquo;gesamteurop&auml;ischen&ldquo; Durchbruchs erhoben wird. Mit Sicherheit hat der Fall Baltakos bei dieser Entscheidung, sich teures Geld auf den M&auml;rkten zu beschaffen, eine Rolle gespielt. Wie unsinnig dieser symbolische (bzw. propagandistische) Aktion ist, kann man bei Kerstin Gemmelin in der <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/abkehr-vom-euro-rettungsfonds-falscher-jubel-fuer-griechenland-1.1932851\">S&uuml;ddeutschen Zeitung vom Mittwoch nachlesen<\/a>. Das Resultat der &bdquo;Roadshow&ldquo; f&uuml;r griechische 5-Jahres-Anleihen zeigt lediglich an, dass eine f&uuml;nfprozentige Rendite auf den Kapitalm&auml;rkten von heute eine Attraktion darstellt. Und dass die Gefahr, Griechenland aus der Eurozone verwiesen zu sehen, als sehr gering eingestuft wird. Aber das wusste man schon vorher.<\/p><p>Zur Lage der griechischen Realwirtschaft, die durch den Run auf die griechische Anleihe nur schlecht verdeckt wird, und zu den politischen Fronten im griechischen Wahlkampfgeschehen, werde ich mich in meinem n&auml;chsten Beitrag &auml;u&szlig;ern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch Griechenland hat jetzt einen Enth&uuml;llungs-Skandal, der die Grundfesten der Regierung ersch&uuml;ttert. Das Gespr&auml;ch, das der langj&auml;hrige Samaras-Vertraute Takis Baltakos mit einem amtierenden Chef der Neonazis f&uuml;hrte, ist nicht einfach eine &bdquo;pikante&ldquo; Aff&auml;re am Rande, die durch den Ausschluss des d&uuml;pierten Abgeordneten aus der Nea Dimokratia-Fraktion beigelegt w&auml;re. 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