{"id":2154,"date":"2007-03-05T11:17:22","date_gmt":"2007-03-05T10:17:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2154"},"modified":"2016-01-10T16:04:58","modified_gmt":"2016-01-10T15:04:58","slug":"wieder-eine-woche-voller-absonderlichkeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2154","title":{"rendered":"Wieder eine Woche voller Absonderlichkeiten."},"content":{"rendered":"<p>Auch die letzte Woche war voll von Ungereimtheiten und merkw&uuml;rdigen &Auml;u&szlig;erungen unserer f&uuml;hrenden Personen in Politik, Wirtschaft, Medien und Wissenschaft. Ich notiere, was mich gewundert hat.  Der Text betrifft den Klimawandel, die Krise beim Airbus-Konzern, die Krise bei der Deutschen Telekom, die &ouml;konomische Lage und den weiteren Niedergang der L&ouml;hne. Im folgenden<br>\n<!--more--><\/p><ol>\n<li><strong>Ist Klimawandel etwas neues?<\/strong>\n<p>In der ausgebrochenen Debatte musste man den Eindruck gewinnen, dass die f&uuml;hrenden Politiker und Medienleute gerade eben erst entdeckt haben, dass es so etwas wie ein Problem mit dem Klima gibt. Irgendwie muss unsere gesamte F&uuml;hrungscrew die letzten 20 bis 30 Jahre verschlafen haben.<br>\nJetzt pl&ouml;tzlich geben sie sich problembewusst, zum Teil albern, zum Teil radikal. Urlaub nur noch in Deutschland. Die CSU will konventionelle Autos verbieten &ndash; aber erst sp&auml;ter. <\/p>\n<p><strong>Umwelts&uuml;nder sollen bald an den Pranger:<\/strong><br>\nVerkehrsminister Tiefensee plant einem Zeitungsbericht zufolge eine &Ouml;koplakette f&uuml;r Autos, damit Verbraucher auf Anhieb den Energieverbrauch erkennen k&ouml;nnen.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,469742,00.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,469742,00.html\">SpiegelOnline<\/a>.<\/p>\n<p>Mit dem hyperaktiven Einsatz machen eine Reihe der Akteure vergessen, dass sie bisher viele der m&ouml;glichen Ma&szlig;nahmen bek&auml;mpft haben: die &Ouml;kosteuer und das Tempolimit zum Beispiel. Ich erinnere mich noch gut an die vermutlich abgestimmte Kampagne von Union und ADAC gegen Tempolimit zu Beginn der Achtzigerjahre. &bdquo;Freie Fahrt f&uuml;r freie B&uuml;rger&ldquo; hie&szlig; damals die g&auml;ngige Parole. Und die Regierung Kohl hat dann mit dem Regierungsbeginn 1982 ziemlich aufger&auml;umt mit dem &ouml;kologischen &bdquo;Quatsch&ldquo;.<br>\nKeine Regierung hat bisher einen ernsthaften Versuch unternommen, das Kerosin zu besteuern, wie das mit dem Kraftstoff f&uuml;r Stra&szlig;enfahrzeuge geschieht. Nichts, das war total tabu. Und ist es wohl auch weiterhin. Daran sollte Bundesminister Tiefensee mal denken. Das w&auml;re erfolgreicher als seine &Ouml;koplakette.<\/p><\/li>\n<li><strong>Die Krise bei Airbus.<\/strong>\n<p>Da soll Personal abgebaut werden und einzelne Werke sollen verkauft werden. Auch diese Krise fiel f&uuml;r die deutsche &Ouml;ffentlichkeit quasi aus dem Himmel.<br>\nEs gab und gibt eine Debatte um die Verantwortung des Managements f&uuml;r die Misere. In der Tat muss man sich fragen, ob die richtigen Leute an der Spitze sind. Alleine die Verz&ouml;gerungen beim super gro&szlig;en Airbus A 380 haben doch etwas mit Management-fehlern zu tun. Selbst als Unbeteiligter, jedenfalls als Steuerzahler, fragt man, ob die Leute an der Spitze von Airbus gut genug sind. Ich bin sehr skeptisch geworden, als ich ein Interview des obersten Chefs des Unternehmens Louis Gallois in der S&uuml;ddeutschen Zeitung gelesen habe. W&ouml;rtlich: &bdquo;Wir tun, was wir tun wegen der Schw&auml;che des Dollar, nicht wegen irgendwelcher Fehler. Wenn der Dollar um 0,10 &euro; sinkt, verlieren wir eine Milliarde Euro beim Nettogewinn.&ldquo;<\/p>\n<p>Wenn dieser Mann nicht vorhergesehen hat, dass der Dollar um 0,10 &euro; und um vieles mehr sinken kann, und dass dies h&ouml;chstwahrscheinlich auch weiter gilt, weil die USA j&auml;hrlich ein hohes dreistelliges Milliarden-Defizit bei der Leistungsbilanz &bdquo;erwirtschaften&ldquo;, dann ist er v&ouml;llig fehl am Platz. Wenn n&auml;mlich die Gl&auml;ubiger der USA, meist in Asien, den Glauben an den Dollar verlieren, dann wird er im Wert um das mehrfache sinken. Dieses Risiko muss der Chef von Airbus doch sehen.<\/p>\n<p>Ansonsten f&auml;llt auch bei dieser Krise auf, dass im wesentlichen die Arbeitnehmer die Betroffenen sein werden.<\/p>\n<p>Eine ehrliche Analyse w&uuml;rde auch einbeziehen m&uuml;ssen, dass die st&auml;ndige Subvention des Flugzeugbaus angesichts der Klima&auml;nderung auf Dauer schon ziemlich absurd ist. Siehe oben.<\/p>\n<p>Dieses Thema will ich nicht abschlie&szlig;en, ohne auf einen wirklich bemerkenswerten Kommentar des Wirtschaftsredakteurs der S&uuml;ddeutschen Zeitung Ulrich Sch&auml;fer hinzuweisen. Er f&uuml;hrte die Probleme im Flugzeugbau unter anderem darauf zur&uuml;ck, dass nicht ber&uuml;cksichtigt werde, dass auch der Flugzeugbau dem Schweinezyklus unterliegt. Das ist bei nur zwei ma&szlig;geblichen Produzenten auf der Welt nahezu absurd, jedenfalls komisch. Die Fehldispositionen und Fehleinsch&auml;tzungen gr&uuml;nden vermutlich viel mehr auf der lange Zeit euphorischen und unkritischen Berichterstattung zum Flugzeugbau im allgemeinen und zu den Verk&auml;ufen von Airbus im besonderen.<\/p><\/li>\n<li><strong>Krise bei der Telekom.<\/strong>\n<p>Da fiel mir vor allem ein Kommentar in der S&uuml;ddeutschen Zeitung auf. Da wurde Telekom, Post und auch noch die Bahn miteinander vermengt und die Krise der heutigen Telekom der alten Beh&ouml;rden-Post\/Telekom zugeschrieben. Erweist sich die tausendmal hochgelobte Privatisierung der Telekom und vielleicht auch der Post als fragw&uuml;rdig, dann sind die ehemaligen staatlichen Unternehmen schuld. Dazu einige subjektive Anmerkungen:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Unternehmensleitung hat die Flucht der Festnetzkunden einfach verschlafen.<\/li>\n<li>Ich habe als Kunde der fr&uuml;heren Fernmelde-Post mehr Geb&uuml;hren bezahlt, aber ich bin um vieles besser bedient worden. Ich wusste, an welcher Stelle und an wen ich mich in der Region zu halten habe. Wenn ich jetzt anrufe, weil etwas nicht funktioniert, werde ich von einer Stelle zur andern weitergeleitet. <\/li>\n<li>Das liegt am wenigsten an den Mitarbeitern\/innen. Es liegt eindeutig an der permanenten Umorganisation. Auch jetzt plant man wieder eine Umorganisation. Mit neuen Unternehmensnamen &uuml;brigens. Die Festnetzsparte soll T-Home hei&szlig;en. Das ist weder sexy noch Deutsch. Ich neige &uuml;berhaupt nicht zum Nationalismus, aber es ist der helle Wahnsinn, wenn ein Teil, immer noch ein gro&szlig;er Teil unseres Volkes, dem die englische Sprache nicht nahe ist, mit solchen W&ouml;rtern bel&auml;stigt wird.<\/li>\n<li>Vom Chef der Telekom las ich auch,  dass die Telekom nicht darum k&auml;mpfen will, den Niedergang bei den Festnetzkunden zu stoppen. Das wurde in den Medien als realistisch gelobt. Dennoch weckt es Verd&auml;chte, wenn der gleiche Manager davon redet, dass man sich vor allem in Osteuropa weiter einkaufen wolle.<\/li>\n<li>Obermann sprach auch davon, 6% Kapitalrendite sei nicht genug. Da steht er offenbar unter Druck des 4,5%-Eigent&uuml;mers Blackstone oder vertritt freiwillig Interessen dieses amerikanischen Investors. Blackstone hat schon wesentlich die Berufung von Obermann an die Spitze der Telekom beeinflusst. Vermutlich hat dieser Minderheitsaktion&auml;r mit dem Mehrheitseinfluss auch wesentlich die Strategie beeinflusst, vor allem die Entscheidungen zum Personalsparen.<\/li>\n<li>Die Krise bei der Telekom erfasst man nicht, wenn man die Bedeutung der Liberalisierung und Deregulierung au&szlig;er acht l&auml;sst. Damit wurde es m&ouml;glich, dass Konkurrenten der Deutschen Telekom mit Billigl&ouml;hnen arbeiten, staatlich subventionierte Manager einsetzen und so die Telekom unter Druck setzen.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li><strong>Haben wir einen Boom?<\/strong>\n<p>&bdquo;Umsatzeinbruch im Einzelhandel&ldquo; meldet die Frankfurter Rundschau und schreibt weiter: &bdquo;Die Erh&ouml;hung der Mehrwertsteuer hat zu dem vom deutschen Einzelhandel bef&uuml;rchteten Umsatzeinbruch gef&uuml;hrt. Die Erl&ouml;se sanken im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat nominal um 0,5 Prozent und preisbereinigt um 1,4 Prozent.&ldquo;<\/p>\n<p>Gleichzeitig konnten Sie in vielen deutschen Bl&auml;ttern und anderen Medien in der vergangenen Woche auch wieder h&ouml;ren und lesen, dass wir einen gro&szlig;en Aufschwung, ja einen Boom, haben. An vielen am Binnenmarkt orientierten Unternehmen geht dieser angebliche Boom vorbei. Der Hinweis auf die Einbr&uuml;che beim Umsatz des Einzelhandels belegen dies. Es fehlt an Kaufkraft der ganz normalen Leute. Dazu passt das folgende Thema in der vergangenen Woche.<\/p><\/li>\n<li><strong>Wie sollen sich die L&ouml;hne weiter entwickeln?<\/strong>\n<p>Alles au&szlig;er der neoliberalen Ideologie spricht f&uuml;r gute Tarifabschl&uuml;sse und damit h&ouml;here L&ouml;hne.<\/p>\n<p>Die Gegner dieser auch volkswirtschaftlich notwendigen Lohnentwicklung &uuml;bersehen beflissen, was das Statistische Bundesamt in der vergangenen Woche meldete. Hier eine Information mit Link: <\/p>\n<p><strong>&bdquo;Niedrigste Tarifstundenl&ouml;hne im 2. Halbjahr 2006 bei rund 5 Euro<\/strong><br>\nWie das Statistische Bundesamt mitteilte, lag der Niedrigstlohn f&uuml;r Friseure in Sachsen im zweiten Halbjahr 2006 bei 3,82 Euro. Das Wach- und Kontrollpersonal im Veranstaltungsdienst in Th&uuml;ringen bekam einen Tarifstundenlohn von 4,38 Euro. In den alten Bundesl&auml;ndern wurden Besch&auml;ftigte im nordrhein-westf&auml;lischen Hotel- und Gastst&auml;ttengewerbe mit einem untersten Tarifverdienst von 5,25 Euro am schlechtesten bezahlt. Kaum mehr bekamen Mitarbeiter im Wach- und Sicherheitsgewerbe in Hessen mit 5,78 Euro im Nachtdienst.&ldquo;<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/presse\/deutsch\/pm2007\/p0880041.htm\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.destatis.de\/presse\/deutsch\/pm2007\/p0880041.htm\">destatis.de<\/a><\/p>\n<p>Gegen die Einsicht, dass wir nun endlich steigende Masseneinkommen brauchen, <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,469648,00.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,469648,00.html\">stemmt sich SpiegelOnline mit einem dramatisierenden St&uuml;ck des ehemaligen Chefredakteurs des ManagerMagazins<\/a>, Wolfgang Kaden. Und zu dieser schr&auml;gen Geschichte <a href=\"http:\/\/www.dervolkswirt.de\/wirtschaft.htm\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.dervolkswirt.de\/wirtschaft.htm\">ein Kommentar unseres Lesers Harald Siepmann auf seiner Webseite<\/a>.<\/p>\n<p>Zur Lohndebatte passt auch noch ganz gut die Meldung, auf die wir am 2. M&auml;rz im kritischen Tagebuch schon hingewiesen haben:<br>\n<a href=\"?p=2151\">&bdquo;Land NRW zahlt an Flick-Erben 70 Millionen Euro Steuern zur&uuml;ck. Eine &bdquo;steuerbefreiende Selbstanzeige&ldquo; des verstorbenen Unternehmers beim Finanzamt ist verj&auml;hrt.&ldquo;<\/a><\/p>\n<p>So ist das in der Bundesrepublik Deutschland.\n<\/p><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch die letzte Woche war voll von Ungereimtheiten und merkw&uuml;rdigen &Auml;u&szlig;erungen unserer f&uuml;hrenden Personen in Politik, Wirtschaft, Medien und Wissenschaft. Ich notiere, was mich gewundert hat. 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