{"id":21650,"date":"2014-05-07T09:18:07","date_gmt":"2014-05-07T07:18:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21650"},"modified":"2015-10-21T15:40:02","modified_gmt":"2015-10-21T13:40:02","slug":"die-gewinner-der-ukraine-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21650","title":{"rendered":"Die Gewinner der Ukraine-Krise"},"content":{"rendered":"<p>Neben den R&uuml;stungskonzernen z&auml;hlt eine weitere Branche zu den Gewinnern des vom Westen angefeuerten neuen Ost-West-Konflikts. Den gro&szlig;en &Ouml;lkonzernen war es stets ein Dorn im Auge, dass Europa einen gro&szlig;en Teil seiner Energie aus Russland importiert. Gestern einigten sich die Energieminister der&nbsp;<a href=\"http:\/\/europa.eu\/rapid\/press-release_IP-14-530_en.htm?locale=en\">G7-Staaten in Rom<\/a>&nbsp;auf einen gemeinsamen Ma&szlig;nahmenplan, um die Abh&auml;ngigkeit von russischem Erdgas mittel- bis langfristig zu reduzieren. Obgleich ein solches Vorhaben vollkommen unrealistisch ist, scharren vor allem in den USA bereits die gro&szlig;en &Ouml;lkonzerne mit den Hufen, die liebend gerne ihr Fracking-Gas in den EU verkaufen w&uuml;rden. Den Preis daf&uuml;r werden die Energieverbraucher in Europa zahlen. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1081\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-21650-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140507_Gewinner_Ukraine_Krise_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140507_Gewinner_Ukraine_Krise_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140507_Gewinner_Ukraine_Krise_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140507_Gewinner_Ukraine_Krise_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=21650-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140507_Gewinner_Ukraine_Krise_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"140507_Gewinner_Ukraine_Krise_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Raus aus der Abh&auml;ngigkeit! Aber wie?<\/strong><\/p><p>Dass es in Mittel- und Osteuropa den Wunsch gibt, einen Teil der Gasimporte aus Russland durch Lieferungen aus anderen L&auml;ndern zu ersetzen, ist nicht unbedingt neu. Der letzte gro&szlig;e Masterplan wurde 2007 von Deutschland gestartet &ndash; auch damals hie&szlig; die Kanzlerin Merkel und der Au&szlig;enminister Steinmeier. Unter deutscher Ratspr&auml;sidentschaft startete die EU unter dem Schlagwort &ldquo;neue EU-Ostpolitik&rdquo; einen diplomatischen Gro&szlig;angriff auf die Energiereserven Zentralasiens. Steinmeier und &ldquo;EU-Au&szlig;enminister&rdquo; Solana gaben sich in jenen Tagen bei den &ldquo;lupenreinen Despoten&rdquo; in Turkmenistan, Usbekistan und Kasachstan gegenseitig die Klinke in die Hand. Gen&uuml;tzt hat es ihnen nicht viel. Russland und China schnappten den Europ&auml;ern damals sprichw&ouml;rtlich die Liefervertr&auml;ge vor der Nase weg und damit war die EU dazu verdammt, auch weiterhin in die russische R&ouml;hre zu schauen.<\/p><p>Sich von der Abh&auml;ngigkeit russischer Gaslieferungen zu verabschieden, ist nicht so einfach, wie es sich auf den ersten Blick anh&ouml;ren mag. Erdgas kann nur dann zu einem vertretbaren Preis importiert werden, wenn es einen realistischen und vor allem bezahlbaren Transportweg gibt. 15 Staaten stehen f&uuml;r 84% der heutigen Erdgasf&ouml;rderungen und die vorhandenen Vorkommen, die sich in geographischer N&auml;he der EU befinden (Nordsee, Algerien), liefern bereits heute nahezu ausschlie&szlig;lich in die EU und eignen sich daher nicht, russische Lieferungen zu ersetzen.<\/p><p>Die zentralasiatischen Staaten verf&uuml;gen &uuml;ber reichlich Erdgas, das per Pipeline in den EU geliefert werden k&ouml;nnte. Das kleinere Projekt&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.trans-adriatic-pipeline.com\/de\/home\/\">Trans-Adriatic-Pipeline (TAP)<\/a>&nbsp;wird auch in der Tat ab 2018 Gas aus Aserbaidschan nach Griechenland, Albanien und Italien liefern. Daf&uuml;r ist das Gro&szlig;projekt Nabucco, mit dem sich die EU von Russland unabh&auml;ngig machen wollte, trotz politischer Lobbyarbeit durch Joschka Fischer mit Ach und Krach&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/gaspipeline-projekt-nabucco-ist-gescheitert-12244787.html\">gescheitert<\/a>. Durch die in den letzten Jahren abgeschlossenen langfristigen Liefervertr&auml;ge an Russland und China fallen die zentralasiatischen Staaten langfristig als Alternative zu Russland aus.<\/p><p>Als einzig halbwegs realistische Alternative zu Russland bieten sich Katar und Iran an, die gemeinsam das&nbsp;<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/South-Pars-Gasfeld\">South-Pars-Gasfeld<\/a>&nbsp;ausbeuten, das als die gr&ouml;&szlig;te Erdgaslagerst&auml;tte der Welt gilt. Der Bau einer Pipeline zum Persischen Golf ist jedoch teuer und politisch heikel &ndash; zumal Iran Ziel von EU-Sanktionen ist und der Irak, der als Transitland unvermeidbar ist, nicht eben als sicher gilt. Auch ideologisch ist die Suche nach Alternativen zu russischem Gas eine interessante Frage. Vergleichen mit den m&ouml;glichen Alternativlieferanten von Erdgas (Aserbaidschan, Turkmenistan, Kasachstan, Iran, Katar) ist Russland in der Tat eine schon fast lupenreine Demokratie.<\/p><p><strong>Teure Alternativen<\/strong><\/p><p>Russische Erdgaslieferungen lassen sich somit nicht durch Gaslieferungen aus anderen Staaten per Pipeline ersetzen. Theoretisch w&auml;re es jedoch m&ouml;glich, die leitungsgebundenen Lieferungen aus Russland durch Gaslieferungen mit Tankern aus weit entfernten Regionen zu ersetzen. Praktisch hat die Sache jedoch einen Haken. Der Transport per Tanker ist nur dann &ouml;konomisch denkbar, wenn das Erdgas zuvor hoch komprimiert wurde. Hier kommt die Verfl&uuml;ssigung von Gas (LNG) ins Spiel. Dabei wird das Gas auf mehr als -160&deg;C abgek&uuml;hlt, was nicht nur sehr energieintensiv, sondern auch sehr kostspielig ist. Der Bau einer Verfl&uuml;ssigungsanlage samt Infrastruktur f&uuml;r den Transport mit Tankern kostet mehrere Milliarden Euro, jeder Tanker erh&ouml;ht die Kosten um mehr als 200 Mio. Dollar pro St&uuml;ck. Die immensen Investitionskosten m&uuml;ssen vom Kunden getragen werden. Russisches Gas durch LNG-Importe zu ersetzen w&auml;re zwar &ndash; rein theoretisch &ndash; m&ouml;glich, jedoch &ouml;konomischer Wahnsinn.<\/p><p>Vor allem von Seiten der USA wird dennoch bereits seit Jahren international kr&auml;ftig die Werbetrommel f&uuml;r LNG-Lieferungen in die EU&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tr\/artikel\/Der-Gaskrieg-2160985.html\">ger&uuml;hrt<\/a>&nbsp;. Daf&uuml;r gibt es einen guten Grund. Durch den Fracking-Boom verf&uuml;gen die USA &uuml;ber ein &Uuml;berangebot an Gas, das krisenbedingt kaum mehr Abnehmer findet, wodurch der Preis fast ins Bodenlose fiel. Nennenswerte Exporte in die EU w&uuml;rden den Preis stabilisieren und damit die Investitionskosten der gro&szlig;en Erdgasf&ouml;rderer, die zugleich auch die gr&ouml;&szlig;ten Erd&ouml;lkonzerne sind (z.B. Exxon, Chevron, BP), retten. Selbstverst&auml;ndlich w&auml;ren auch die Lieferungen in die EU ganz sicher nicht zum wirtschaftlichen Nachteil dieser Konzerne. Wichtig ist jedoch hervorzuheben, dass Fracking-Gas &ndash; wenn man einmal die Folgekosten ignoriert &ndash; zwar vor Ort sehr preisg&uuml;nstig ist, der Transport in ferne Regionen das billige Fracking-Gas jedoch extrem teuer macht. Die Zeche m&uuml;sste, wie meist, der europ&auml;ische Endabnehmer zahlen. Und wenn man bedenkt, dass eine theoretische vollst&auml;ndige Substitution der russischen Gaslieferungen durch LNG-Importe Kosten in Billionenh&ouml;he mit sich bringen w&uuml;rde, kann einem da nur angst und bange werden.<\/p><p><strong>Wessen Interessen vertreten die G7?<\/strong><\/p><p>Es ist erstaunlich, wie gering die &ouml;konomische Vernunft bei den Vertretern der G7 ausgepr&auml;gt ist, wenn es um russische Gaslieferungen geht. Wer ein Abkommen unterschreibt, das mittelfristig eine St&auml;rkung der LNG-Importe vorsieht, schw&auml;cht damit sein eigenes Land und handelt entgegen der eigenen Interessen. In wessen Interesse handeln die G7-Energieminister? Im Interesse von Exxon, Chevron und BP? Oder im Interesse ihrer W&auml;hler?<\/p><p>Es passt da ins Bild, dass die Regierungen, deren Politik offenbar von den Interessen der &Ouml;lkonzerne beeinflusst wird, auch die Regierungen sind, die in der Ukraine besonders eifrig an der Eskalationsschraube drehen. Die Frage, ob es da wom&ouml;glich einen Zusammenhang gibt, muss sich jeder Leser wohl f&uuml;r sich selbst beantworten.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/5ad9492cd3074dd3956160250b2e2fd7\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neben den R&uuml;stungskonzernen z&auml;hlt eine weitere Branche zu den Gewinnern des vom Westen angefeuerten neuen Ost-West-Konflikts. Den gro&szlig;en &Ouml;lkonzernen war es stets ein Dorn im Auge, dass Europa einen gro&szlig;en Teil seiner Energie aus Russland importiert. 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