{"id":2168,"date":"2007-03-12T09:25:14","date_gmt":"2007-03-12T08:25:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2168"},"modified":"2016-01-10T15:46:40","modified_gmt":"2016-01-10T14:46:40","slug":"ams-wochen-ruckblick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2168","title":{"rendered":"AM\u2019s Wochen-R\u00fcckblick"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem <a href=\"?p=2154\">mein letzter Blick zur&uuml;ck auf eine Woche<\/a> von vielen Lesern als hilfreich empfunden worden ist, k&ouml;nnte daraus &ndash; allerdings nicht zwanghaft und nur, wenn gen&uuml;gend Steine des Ansto&szlig;es herumliegen &ndash; eine Gewohnheit werden. Im R&uuml;ckblick auf die vergangene Woche wundere ich mich &uuml;ber den Tornado-Einsatz-Beschluss, die Entscheidung zur Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters auf 67, dass Medien-Echo auf den Klimagipfel der EU und noch einmal &uuml;ber die Gemengelage zum B&ouml;rsengang der Bahn.<br>\n<!--more--><\/p><ol>\n<li><strong>Bundestagsbeschluss zum Einsatz der Tornados in Afghanistan<\/strong><br>\n&bdquo;Das Milit&auml;r macht Afghanistan nicht sicherer&ldquo;, sagte Thomas Gebauer, Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer von Medico International in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau vom 10. M&auml;rz. Es sei bisher nicht gelungen, eine faktische Staatlichkeit und Rechtssicherheit aufzubauen. Statt den Aufbau zu f&ouml;rdern, werde verst&auml;rkt auf Milit&auml;r gesetzt.<br>\nIm Rundfunk h&ouml;rte ich kurz zuvor, wie sich der Gr&uuml;ne Tom Koenigs, heute Afghanistanbeauftragter der UNO, f&uuml;r den Einsatz der Tornados stark machte.<br>\nDie Amtstr&auml;ger sind offenbar in der Hamster-M&uuml;hle. Sie machen immer weiter, in Afghanistan wie auch im Irak. Ohne ernsthaft zu ber&uuml;cksichtigen, dass ihre bisherige Linie nichts gebracht hat.<br>\nAuch Deutschland wird offenbar immer weiter in milit&auml;rischer Eins&auml;tze hineingezogen. Das ist das bittere Fazit.<br>\nDie SPD macht das alles mit, wenn auch immerhin mit 69 Nein-Stimmen. <\/li>\n<li><strong>Gegen die Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre<\/strong><br>\nhaben nur 11 SPD-Parlamentarier gestimmt. Das ist beachtenswert, denn diese Entscheidung ist unsinnig und nur zu begreifen, wenn man bedenkt, dass damit den vierzigj&auml;hrigen und darunter signalisiert wird: Ihnen werden zweimal 3,6%, also 7,2% von der Rente abgezogen, wenn sie am Ende ihres Arbeitslebens schon mit 65 in Rente gehen wollen. Das ist eine massive Entscheidung zu Gunsten der Privatvorsorge und der Versicherungswirtschaft. Zur ausf&uuml;hrlicheren Begr&uuml;ndung <a href=\"?p=2032\">siehe das Nachwort zu &bdquo;Machtwahn&ldquo;<\/a>.<br>\nDass der Verbandspr&auml;sident der Deutschen Rentenversicherung dieser staatlich verordneten Vertriebsf&ouml;rderung der privaten Altersvorsorge &ndash; also zu Gunsten der Konkurrenz &ndash; auch noch applaudiert, ist zu viel des Guten. W&ouml;rtlich sagte Herbert Rische der FR: Gesellschaft und Politik h&auml;tten erkannt, &bdquo;dass wir die Rente an die demographischen Herausforderungen anpassen m&uuml;ssen.&ldquo;<br>\nDass solche und &auml;hnliche schon hinter uns liegende politische Entscheidungen den Ruf der gesetzlichen Rente ruinieren, ist dem obersten Verantwortlichen f&uuml;r die gesetzliche Rente, offenbar noch nicht eingefallen.\n<p>Die geringe Zahl von nur 11 Gegenstimmen aus der SPD-Fraktion im Unterschied zu immerhin 69 beim Tornadoeinsatz bringt mich auf einen Gedanken. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in der Fraktion der SPD nur 11 Abgeordnete gegen diesen nicht zu begreifen den Beschluss sind. Es werden mehr gewesen sein, die sich dann der Fraktionsmehrheitsentscheidung gebeugt haben und der Mehrheit entsprechend im Bundestag abgestimmt haben.<br>\nNun w&uuml;ssten wir allerdings bei zentralen Fragen wie Rente mit 67 und Tornado-Einsatz gerne, wie unsere Abgeordneten in ihrer Fraktion abgestimmt haben. (Das gilt nat&uuml;rlich nicht nur f&uuml;r die SPD, sondern auch f&uuml;r die anderen Fraktionen) Das erfahren wir normalerweise nicht. <\/p>\n<p>In der Gesch&auml;ftsordnung der SPD-Bundestagsfraktion gibt es aber einen &sect; 8 Absatz 1, der bei wichtigen Fragen auf Antrag eine namentliche Abstimmung in der Fraktion vorsieht. Das Ergebnis der Abstimmung soll dann in der Mitglieder-Zeitung vorw&auml;rts ver&ouml;ffentlicht werden.<br>\nDie Existenz dieses Paragraphen geht auf einen Beschluss des SPD-Parteitags in Bremen (wenn ich mich recht erinnere) zur&uuml;ck, der &uuml;ber einen Antrag des SPD-Ortsvereins Pleisweiler (meines Ortsvereins) zu befinden hatte.<br>\nNach dem dieser Antrag damals &ndash; in vor&uuml;bergehender Abwesenheit des damaligen Fraktionsvorsitzenden Hans-Jochen Vogel &ndash; verabschiedet worden war, wurde dieser von einigen Kolleginnen und Kollegen heftigst kritisiert. Warum wohl? Weil ein Teil der Abgeordneten nicht will, dass die Menschen im Wahlkreis und sonst wo wissen, wie sie oder er sich bei der Willensbildung in der Fraktion entschieden hatte. Bei der Entscheidung im Bundestagsplenum selbst kann sich dann jede\/r Abgeordnete auf den Vollzug der Fraktionsmehrheit berufen. Mit einer namentlichen Abstimmung und ihrer Ver&ouml;ffentlichung geht das nicht mehr.<br>\nWir haben den Paragraphen 8 in meiner Zeit als Abgeordneter einige wenige Male benutzt. Das war sehr hilfreich.<\/p>\n<p>So w&auml;re es auch heute &ndash; zum Beispiel bei der Tornadoentscheidung, bei der Rentenaltersgrenze-Entscheidung und dem n&auml;chst kommend bei der Entscheidung &uuml;ber die weitere Privatisierung und den B&ouml;rsengang der Bahn AG. <\/p>\n<p><strong>Mein Vorschlag an unsere Leserinnen und Leser: Sprechen Sie die SPD-Abgeordneten auf diese M&ouml;glichkeit an. Die meisten werden von dieser M&ouml;glichkeit nichts wissen. Und fordern Sie Ihre Abgeordneten auf, diesen Paragraphen 8 Abs. 1 zu nutzen.<\/strong><\/p>\n<p>Um der Gleichbehandlung willen, sollten Sie allerdings bei den Abgeordneten anderer Parteien &auml;hnliche M&ouml;glichkeiten anfordern. Ein bisschen Transparenz des Verhaltens der Abgeordnete in Berlin w&auml;re doch so schlecht nicht.<\/p><\/li>\n<li><strong>Klimawandel und Klimagipfel <\/strong><br>\nDie Reaktion auf das Ergebnis des Klimagipfels war schon seltsam verschieden. Zum Beispiel. In der Frankfurter Rundschau wird das Ganze und vor allem Kanzlerin Merkel freundlich kommentiert; SpiegelOnline<br>\nschreibt <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/natur\/0,1518,470887,00.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/natur\/0,1518,470887,00.html\">&bdquo;Gesch&ouml;nt, gemogelt, gefeiert&ldquo;<\/a>.<br>\nAn Selbstverst&auml;ndliches wie ein Tempolimit und die Besteuerung des Flugbenzin Kerosin zum Beispiel wollen unsere F&uuml;hrungspersonen immer noch nicht ran<br>\nIm erw&auml;hnten SpiegelOnline Artikel wird der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber mit Blick auf die Warnung des Bundesrats vor weiteren Kostensteigerungen f&uuml;r die Energiewirtschaft und die Energieverbraucher mit folgender Bemerkung zitiert: &bdquo;Manchen Leuten kostet die Rettung der Welt eben zu viele Jobs.&ldquo;<br>\nDas ist sicher gut gemeint, aber es trifft den Punkt nicht und es ist viel zu defensiv. Klimaschutz muss doch nicht arbeitsplatzvernichtend sein. Umstrukturierungen wird es geben.. Es wird also Verluste bei manchen Sektoren unserer Wirtschaft und Gewinne bei anderen geben. Wenn ich mir nur vorstelle, welche Investitionen n&ouml;tig w&auml;ren, um messbare Teile des Lkw Verkehrs auf die Schiene zu bringen. &Auml;hnliches gilt nat&uuml;rlich f&uuml;r die erneuerbaren Energien. Siehe dazu auch <a href=\"http:\/\/idw-online.de\/pages\/de\/news?print=1&amp;id=199472\" title=\"Externer Link zu http:\/\/idw-online.de\/pages\/de\/news?print=1&amp;id=199472\">Umweltschutz als Wachstumsfaktor<\/a> (Studie).<\/li>\n<li><strong>Bei dieser Gelegenheit noch eine Erg&auml;nzung zur Deutschen Bahn AG<\/strong><br>\nDie Klimadebatte w&auml;re der Aufh&auml;nger f&uuml;r eine Offensive der Bahn um neue Kunden. Klicken Sie mal auf <a href=\"http:\/\/www.bahn.de\/p\/view\/index.shtml\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bahn.de\/p\/view\/index.shtml\">die werblich gestaltete Er&ouml;ffnungsseite der Deutschen Bahn AG<\/a>. Kein Wort &ndash; jedenfalls am 11.3. 2007 nicht &ndash; zum Klimawandel.<br>\nWenn Sie dann auf die Seite des Konzerns gehen und dort bei Presse und Pressemitteilungen anklicken, dann werden Sie auf der Er&ouml;ffnungsseite nichts vom Klimawandel lesen k&ouml;nnen.<br>\nWenn Sie dann noch &uuml;ber die Suchfunktion nach Klimawandel fragen, dann erhalten Sie einige Eintr&auml;ge. Der j&uuml;ngste stammt vom 12.12.2006.!<br>\nSchon dieser kleine Vorgang zeigt viel vom eigentlichen Charakter der Bahnspitze: unf&auml;hig, die verkehrspolitischen Aspekte des Gesch&auml;fts zu sehen, und noch unf&auml;higer die Aspekte des Klimawandels, die der Konzern sehr gut nutzen k&ouml;nnte, um seine Leistungen auszudehnen.\n<p>Bahnchef Mehdorn besch&auml;ftigt sich offenbar nur mit dem B&ouml;rsengang.<br>\nDazu gab es in der vergangenen Woche Reaktionen auf den Beschluss des Deutschen Gewerkschaftsbundes gegen die B&ouml;rsenpl&auml;ne.<br>\nMehdorn hat das gewerkschaftliche Votum gegen die B&ouml;rsenpl&auml;ne entt&auml;uschend und nicht nachvollziehbar genannt. Nur wenn die Bahn Zugang zum Kapitalmarkt erhalte, w&uuml;rden Arbeitspl&auml;tze langfristig gesichert und geschaffen.<br>\nIn diesem Satz steckt die Behauptung, die Bahn habe jetzt keinen Zugang zum Kapitalmarkt. Das ist eine irref&uuml;hrende Behauptung. Die Bahn hat die M&ouml;glichkeit, sich ganz normal am Kapitalmarkt zu bedienen. Es gibt auch Anleihen und andere Formen des Kredits. Jedes normale Unternehmen arbeitet so. Und dennoch kann der Bahnchef einen solchen Unsinn &auml;u&szlig;ern, ohne kritisiert zu werden.<\/p><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem <a href=\"?p=2154\">mein letzter Blick zur&uuml;ck auf eine Woche<\/a> von vielen Lesern als hilfreich empfunden worden ist, k&ouml;nnte daraus &ndash; allerdings nicht zwanghaft und nur, wenn gen&uuml;gend Steine des Ansto&szlig;es herumliegen &ndash; eine Gewohnheit werden. 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