{"id":21689,"date":"2014-05-12T09:16:17","date_gmt":"2014-05-12T07:16:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21689"},"modified":"2024-09-24T23:42:05","modified_gmt":"2024-09-24T21:42:05","slug":"und-der-arme-sagte-bleich-waer-ich-nicht-arm-waerst-du-nicht-reich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21689","title":{"rendered":"\u201eUnd der Arme sagte bleich: W\u00e4r ich nicht arm, w\u00e4rst Du nicht reich!\u201c"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" style=\"float: right;margin-left: 10px;margin-bottom: 10px\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.spiegelfechter.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/140512_wgd.png\" width=\"200\" height=\"319\">Heute erscheint mit &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.westendverlag.de\/buecher-themen\/programm\/wem-gehoert-deutschland-jens-berger.html\">Wem geh&ouml;rt Deutschland? Die wahren Machthaber und das M&auml;rchen vom Volksverm&ouml;gen<\/a>&ldquo; Jens Bergers zweites Buch im Westend Verlag. Der NachDenkSeiten-Redakteur bringt darin Licht ins Dunkel der Debatte um &bdquo;das Verm&ouml;gen&ldquo; der Deutschen, Armut und Reichtum sowie Verteilungsgerechtigkeit. Interviews zum Buch sind mittlerweile beim <a href=\"http:\/\/sr-mediathek.sr-online.de\/index.php?seite=7&amp;id=25101\">SR2<\/a> und bei <a href=\"http:\/\/ondemand-mp3.dradio.de\/file\/dradio\/2014\/04\/26\/drk_20140426_0842_312fd4c6.mp3\">Deutschlandradio [Audio &ndash; mp3]<\/a>  nachzuh&ouml;ren. F&uuml;r die NachDenkSeiten sprach <strong>Jens Wernicke<\/strong> zum Ver&ouml;ffentlichungsstart mit <strong>Jens Berger<\/strong> &uuml;ber das Buch und die Verm&ouml;gensverteilung in Deutschland.<\/p><div class=\"clearRight\"><\/div><p><!--more--><br>\n<em>JW: Herr Berger, in Ihrem heute erscheinenden Buch gehen Sie der Frage nach, wem Deutschland geh&ouml;re. Es geht um Armut und Reichtum sowie die heimliche Macht im Staat. Bevor wir ins Detail gehen, vorab: <a href=\"http:\/\/www.ruediger-liedtke.de\/43.0.html\">R&uuml;diger Liedtke<\/a> geht seit 20 Jahren derselben Frage nach &ndash; warum Sie nun also auch?<\/em><\/p><p>JB: Im Rahmen meiner journalistischen Arbeit sto&szlig;e ich nun schon seit Jahren regelm&auml;&szlig;ig auf Einzelmeldungen zum Thema &bdquo;Reichtum&ldquo; und &bdquo;Verm&ouml;gensverteilung&ldquo;. Jedes mal war ich jedoch &uuml;berrascht, dass es kein Kompendium gibt, das diese Einzelmeldungen einmal zusammenfasst und dem gesamten Themenfeld mit einem roten Faden durchzieht. Dies ist umso erstaunlicher, da es sich hier ja beileibe nicht um ein Nischenthema handelt, das nur f&uuml;r Fachleute von Interesse ist. Im Gegenteil.<\/p><p>Hinzu kommt, dass s&auml;mtliche verf&uuml;gbaren Daten darauf hinweisen, dass die Verm&ouml;gensverteilung in Deutschland vor allem in den letzten 15 Jahren sich ganz massiv verschoben hat. Wir beobachten hier einen epochalen Wandel. Von der Gr&uuml;ndung der Bundesrepublik bis zur Mitte der Neunziger Jahre war Deutschland ein Land, in dem die Unterschiede zwischen Arm und Reich von Jahr zu Jahr geringer wurden. Seit diesem Zeitraum bewegen sich die Verm&ouml;gen rasant auseinander. Es gibt jedoch kaum B&uuml;cher und nur wenige Studien, die sich ausf&uuml;hrlich mit diesem Ph&auml;nomen besch&auml;ftigen. Daher habe ich selbst zur Feder gegriffen.<\/p><p><em>JW: Und was genau haben Sie nun untersucht?<\/em><\/p><p>JB: Zun&auml;chst habe ich nat&uuml;rlich einen sehr genauen Blick auf die verschiedenen Posten der pers&ouml;nlichen Verm&ouml;gensbilanz geworfen. Wem geh&ouml;ren die Geldverm&ouml;gen? Wem die Immobilien? Wem die Unternehmen? Wichtig war es mir jedoch auch, dem Leser zu erkl&auml;ren, warum die Verm&ouml;gen in diesen und anderen Punkten derart ungleich verteilt sind. Was sind die Gr&uuml;nde f&uuml;r die fortschreitende Ungleichverteilung? Handelt es sich hierbei um einen normalen Trend, der beispielsweise durch die Globalisierung ausgel&ouml;st wurde oder ist diese Entwicklung gar politisch gewollt?<\/p><p><em>JW: Sie sezieren damit auch die Rede von &bdquo;dem Deutschen&ldquo; und &bdquo;unserem Wohlstand&ldquo; und legen den Finger in die Wunde der sich &ouml;ffnenden Schere zwischen Armen und Reichen im Land. Wer aber sind denn &bdquo;die Reichen&ldquo; im Land, was macht sie aus und wei&szlig; man &uuml;ber sie?<\/em><\/p><p>JB: Abseits einiger meist belangloser Kurzmeldungen in der Wirtschaftspresse und zahlreicher noch belangloserer Berichte in der Yellow Press wissen wir erschreckend wenig von den Reichen im Land. Und auch diese Informationen sind keinesfalls l&uuml;ckenlos. Sicher hat fast jeder schon einmal etwas von den Br&uuml;dern Albrecht geh&ouml;rt, denen die Discounter-Kette ALDI geh&ouml;rt. Aber wer kennt schon einen Mann wie Bernard gro&szlig;e Broermann, der als alleiniger Besitzer der Asklepios-Kliniken so sehr wie kaum ein anderer von der Privatisierung des Gesundheitssystems profitiert hat? W&auml;hrend es im Gro&szlig;teil des Buches in der Tat eher um statistische und strukturelle Fragen geht, werfe ich in elf Unterkapiteln auch einen sicherlich nicht unbedingt repr&auml;sentativen Blick auf die Reichen im Land, bei dem Ross und Reiter auch beim Namen genannt werden.<\/p><p><em>JW: Aber sind, wie der Untertitel Ihres Buches das andeutet, diese Wohlhabenden denn zugleich auch gleich die stillen Machthaber im Staate? Wie kommen Sie darauf?<\/em><\/p><p>JB: Wem geh&ouml;ren beispielsweise die gro&szlig;en Zeitungen des Landes? Mit zwei Ausnahmen geh&ouml;ren s&auml;mtliche Tageszeitungen mit einer Auflage von mehr als 200.000 Exemplaren Familien, die in der Liste der 500 reichsten Deutschen wiederzufinden sind. Bei den Wochenzeitungen, den Magazinen und den privaten Rundfunksendern sieht es &auml;hnlich aus. Wer geh&ouml;rt zu den Gro&szlig;spendern der politischen Parteien? Wer gr&uuml;ndet Think-Tanks und vermeintlich gemeinn&uuml;tzige Stiftungen, die die Grundlagen f&uuml;r politische Reformen schaffen, von denen die Wohlhabenden des Landes so massiv profitieren? Wer steuert die Finanzm&auml;rkte, deren W&uuml;nsche unsere marktkonforme Demokratie tagt&auml;glich umsetzt? Bei der Analyse &uuml;ber die Gr&uuml;nde der steigenden Verm&ouml;gensungleichheit st&ouml;&szlig;t man immer wieder auf dieselben Strukturen. Lassen Sie es mich so sagen: In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich in Deutschland eine zahlenm&auml;&szlig;ig sehr kleine, daf&uuml;r finanziell umso potentere Parallelgesellschaft gebildet, die ihre Ziele mit erschreckender Effizienz umsetzt. Der Aufschrei dagegen blieb jedoch aus. Vielleicht auch deshalb, weil kaum jemand etwas &uuml;ber die wahren Verm&ouml;gensverh&auml;ltnisse im Land wei&szlig;?<\/p><p><em>JW: Aber ist das f&uuml;r Sie bereits &bdquo;Macht&ldquo;: Einen Think Tank zu gr&uuml;nden? Reformen mitgestalten? Auch die Gewerkschaften und die Linke nennen ja &bdquo;Think Tanks&ldquo; ihr eigen &ndash; die B&ouml;ckler- und die Luxemburg-Stiftung &ndash; und mischen sozusagen bei politischen Reformen etc. pp. mit.<\/em><\/p><p>JB: Das stimmt. Doch man sollte sich davor h&uuml;ten, hier &Auml;pfel mit Birnen zu vergleichen, da man die &ndash; nennen wir es &ndash; &bdquo;Wirkm&auml;chtigkeit&ldquo; der verschiedenen Think Tanks kaum vergleichen kann. Eine neue &ndash; nennen wir sie &ndash; &bdquo;Studie&ldquo; des Instituts der Deutschen Wirtschaft wird in allen Medien ausf&uuml;hrlich erw&auml;hnt und der IW-Chef Michael H&uuml;ther darf seine Sicht der Dinge nicht nur in den gro&szlig;en Talkshows, sondern auch in BILD, SPIEGEL, FAZ und Co. unters Volk bringen. Das IW wird, wie der Name schon sagt, von der deutschen Wirtschaft finanziert und wer die Kapelle bezahlt, bestimmt, was gespielt wird. Wann haben Sie zuletzt einen B&ouml;ckler- oder RLS-Vertreter bei G&uuml;nther Jauch oder Maybrit Illner gesehen? Wann wurde ein linker &Ouml;konom zuletzt von der BILD interviewt?<\/p><p><em>JW: Aber wenn es nur diese Handvoll Menschen sind, die die Strippen im Hintergrund ziehen, welche die Macht in H&auml;nden halten, &hellip;leben wir dann &uuml;berhaupt noch in etwas, das den Namen &bdquo;Demokratie&ldquo; verdient? Oder sind die Zust&auml;nde l&auml;ngst etwas, das man, wie der Elitenforscher Michael Hartmann dies unl&auml;ngst tat, als deutliche <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/39\/39358\/1.html\">Bedrohung f&uuml;r die Demokratie<\/a> skizziert hat?<\/em><\/p><p>JB: Alle Macht geht vom Volke aus, so sagt es das Grundgesetz. Und Brecht sagte: &bdquo;Nur die d&uuml;mmsten K&auml;lber w&auml;hlen ihre Schl&auml;chter selber&ldquo;. So gesehen sind wir ziemlich dumm. Es ist in der Tat ein sehr bemerkenswertes Ph&auml;nomen, dass die Mehrheit der Bev&ouml;lkerung in einem durchweg demokratischen System stets gegen ihre eigenen Interessen votiert. Dazu hat sich ja bereits Ulrike Herrmann in ihrem Buch &bdquo;Hurra, wir d&uuml;rfen zahlen&ldquo; Gedanken gemacht. Sie analysiert darin einen &bdquo;Selbstbetrug der Mittelschicht&ldquo;, die sich interessanterweise selbst als Teil der Oberschicht sieht und daher eine Politik w&uuml;nscht, die vor allem den Eliten n&uuml;tzt. Da ist wohl viel Wahres dran.<\/p><p><em>JW: Was Sie sagen, ist nahe dran an dem, was k&uuml;rzlich eine Studie der Universit&auml;t Princeton thematisierte. Dass n&auml;mlich die USA viel eher als <a href=\"http:\/\/www.telegraph.co.uk\/news\/worldnews\/northamerica\/usa\/10769041\/The-US-is-an-oligarchy-study-concludes.html\">Oligarchie denn Demokratie zu beschreiben<\/a> sind. Sind solche Entwicklungen denn aufhalt- und ggf. umkehrbar &ndash; und wenn ja, dann wie?<\/em><\/p><p>JB: Am Ende meines Buches z&auml;hle ich 16 Punkte f&uuml;r einen Weg zu einer gerechten und stabilen Gesellschaft auf. Ich will an dieser Stelle nat&uuml;rlich nicht alles verraten, da sich ja ansonsten niemand mehr das Buch kaufen w&uuml;rde. Nur so viel: Diese Entwicklungen sind nicht nur aufhalt-, sondern sogar umkehrbar. Und dazu braucht es noch nicht einmal einen wie auch immer gearteten Systemwechsel. Das eigentliche Problem ist vielmehr, dass eine Umkehr der Entwicklung politisch gewollt sein muss. So lange die Menschen aber nicht wissen, wie sehr die Umverteilung von unten nach oben bereits fortgeschritten ist und welche Konsequenzen dies f&uuml;r sie hat, werden sie auch weiterhin eine Politik unterst&uuml;tzten, die gegen ihre eigenen Interessen arbeitet. Daher ist es unumg&auml;nglich, diese Themen zun&auml;chst einmal zur Diskussion zu stellen und eine Debatte anzusto&szlig;en. Ich hoffe sehr, dass mein Buch dazu zumindest einen kleinen Teil beitragen kann.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/0ac30f751c1847c5bd41b2b35f4deaae\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" style=\"float: right;margin-left: 10px;margin-bottom: 10px\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.spiegelfechter.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/140512_wgd.png\" width=\"200\" height=\"319\"\/>Heute erscheint mit &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.westendverlag.de\/buecher-themen\/programm\/wem-gehoert-deutschland-jens-berger.html\">Wem geh&ouml;rt Deutschland? Die wahren Machthaber und das M&auml;rchen vom Volksverm&ouml;gen<\/a>&ldquo; Jens Bergers zweites Buch im Westend Verlag. Der NachDenkSeiten-Redakteur bringt darin Licht ins Dunkel der Debatte um &bdquo;das Verm&ouml;gen&ldquo; der Deutschen, Armut und Reichtum sowie Verteilungsgerechtigkeit. Interviews zum Buch<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21689\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[209,208,132],"tags":[644,291],"class_list":["post-21689","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-interviews","category-rezensionen","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-berger-jens","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21689","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=21689"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21689\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":121913,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21689\/revisions\/121913"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=21689"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=21689"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=21689"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}