{"id":21705,"date":"2014-05-13T09:15:35","date_gmt":"2014-05-13T07:15:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21705"},"modified":"2015-10-21T17:35:02","modified_gmt":"2015-10-21T15:35:02","slug":"der-tote-willy-brandt-kann-sich-nicht-mehr-gegen-springer-wehren-aber-gabriel-und-bahr-haetten-das-an-seiner-statt-tun-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21705","title":{"rendered":"Der tote Willy Brandt kann sich nicht mehr gegen Springer wehren, aber Gabriel und Bahr h\u00e4tten das an seiner Statt tun k\u00f6nnen."},"content":{"rendered":"<p>Der Springer-Konzern versucht, Willy Brandt zu vereinnahmen. &bdquo;Axel Springer ehrt Willy Brandt mit einer Gedenktafel&ldquo;, hei&szlig;t es in einer Pressemitteilung der Axel Springer SE. Siehe Anhang. Wer erlebt hat, wie die Bild-Zeitung, Die Welt und andere Organe des Springer-Konzerns gegen Willy Brandt und die damalige SPD gehetzt haben, dem wird spei&uuml;bel bei der Lekt&uuml;re dieser Meldung. &ndash; Und Sigmar Gabriel und Egon Bahr hatten auch noch die Ehre, dem Spektakel die notwendige Glaubw&uuml;rdigkeit sozialdemokratischen Neu- und Urgesteins zu vermitteln. Vor Willy Brandt wurde Ronald Reagan mit den gleichen Ehren versehen. Sp&auml;testens dies h&auml;tte die beiden Sozialdemokraten wachr&uuml;tteln m&uuml;ssen. Sie haben Willy Brandt nicht vor diesem Missbrauch eines Medienkonzerns gesch&uuml;tzt, der &uuml;ber die Jahre hinweg und bis heute einen wesentlichen Beitrag zum Ruin unserer Demokratie geleistet hat &ndash; durch unentwegte und oft infame Manipulation der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Springers Strategie: Glaubw&uuml;rdigkeit auch im linken Lager<\/strong><\/p><p>Die Medien des Springer-Konzerns, allen voran die Bild-Zeitung und Die Welt, k&ouml;nnen allein vom rechtskonservativen Lager nicht leben. Sie brauchen auch Leserinnen\/Leser und H&ouml;rerinnen\/H&ouml;rer aus dem fortschrittlichen Lager, also aus der W&auml;hlerschaft von SPD, der Linken und der Gr&uuml;nen. Die Ehrung Willy Brandts mit einer Gedenktafel ist eine ausgesprochen billige Methode zur Erweiterung und Fundierung der Glaubw&uuml;rdigkeit auch in dieser W&auml;hlerschaft.<br>\nMit einer solchen Ehrung festigen sie im &Uuml;brigen auch den politischen Wechsel von fr&uuml;heren W&auml;hlerinnen und W&auml;hlern aus dem Lager der SPD zum Beispiel ins Lager der Union.<\/p><p><strong>Die fr&uuml;here Strategie der SPD, auf Distanz zu Springer zu gehen, war erfolgreich.<\/strong><\/p><p>Ungef&auml;hr zwischen 1969 und 1976 galt in der SPD-Spitze die Verabredung, den Springermedien, die damals einen aggressiven Kampf gegen die SPD, gegen Willy Brandt und ihre Ost-Politik und Gesellschaftspolitik f&uuml;hrten, keine Interviews zu geben und dort auch nicht mit redaktionellen Beitr&auml;gen aufzutreten. Das galt zumindest solange, wie Holger B&ouml;rner Bundesgesch&auml;ftsf&uuml;hrer der SPD war. F&uuml;r die der SPD nahe stehenden B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger, vor allem aus Kreisen von Arbeitern und Angestellten war klar, dass man, selbst wenn man zum Beispiel die Bild-Zeitung liest, nicht glauben kann, was dort steht. Der fr&uuml;here Bundeskanzler Helmut Schmidt beispielsweise hat in seinen Reden die Glaubw&uuml;rdigkeit der Springermedien noch dadurch unterminiert, dass er spottete, dem Sinne nach: &sbquo;die Bundesligatabelle stimmt, alles andere k&ouml;nnt Ihr vergessen&rsquo;.<\/p><p>Die guten Wahlergebnisse der SPD mit dem Spitzenergebnis von 45,8 % in 1972 (2009 die H&auml;lfte: 23 %) gr&uuml;ndeten auch auf dieser Strategie einer konsequenten Distanzierung von Medien, die inhaltlich und personell gegen die eigene Position angehen.<\/p><p>Sp&auml;ter wurde dann diese Verabredung der SPD-Spitze durchl&ouml;chert &ndash; zun&auml;chst vor allem von Politikerinnen und Politikern aus dem rechten Lager in der SPD-Spitze. Das verhalf diesen dann zu besonderer Popularit&auml;t und damit war die Verabredung insgesamt nicht mehr zu halten. Auch Willy Brandt tauchte sp&auml;ter in den Springer-Medien auf.<br>\nAber diese Erosion einer erfolgreichen Strategie des Umgangs mit aggressiven Medien ist kein Argument daf&uuml;r, die Strategie f&uuml;r &uuml;berholt zu halten. Sie ist schwierig umzusetzen, weil immer diejenigen aus der eigenen F&uuml;hrungsriege, die sich nicht an die Vereinbarung halten, einen publizistischen Vorteil f&uuml;r sich herausschlagen k&ouml;nnen.<\/p><p>Von diesen Schwierigkeiten abgesehen, h&auml;tte im konkreten Fall der Ehrentafel f&uuml;r Willy Brandt auf dem Vorplatz des Axel-Springer-Hauses schon die Schmierigkeit dieses Vorgangs Personen der SPD-Spitze davon abhalten m&uuml;ssen, sich daf&uuml;r herzugeben.<\/p><p><strong>Anhang:<\/strong><\/p><p>12.05.2014 | 13:48&nbsp;<br>\n<strong>Axel Springer ehrt Willy Brandt mit einer Gedenktafel <\/strong><\/p><p><em>Berlin (ots) &ndash; +++ Enth&uuml;llung der Gedenktafel in Anwesenheit von Sigmar Gabriel +++<\/em><\/p><p>Am Montag, 12. Mai 2014, enth&uuml;llten Friede Springer und Mathias D&ouml;pfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE, gemeinsam mit dem SPD-Parteivorsitzenden und Vize-Kanzler Sigmar Gabriel eine Gedenktafel zu Ehren Willy Brandts auf dem Vorplatz des Axel-Springer-Hauses in der Zimmerstra&szlig;e. Ebenfalls anwesend war der ehemalige Willy-Brandt-Vertraute Egon Bahr. <\/p><p>Am 18. Dezember 2013 w&auml;re Willy Brandt 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass hatte die Axel Springer SE angek&uuml;ndigt, den unerm&uuml;dlichen Einsatz des Politikers und Friedensnobelpreistr&auml;gers f&uuml;r die Wiedervereinigung mit einer Bronzetafel zu w&uuml;rdigen. &ldquo;Das mutige K&auml;mpfen f&uuml;r die Einheit Deutschlands in Frieden und Freiheit hat Willy Brandt mit Axel Springer geteilt. F&uuml;r beide war es ein Herzensanliegen, das sie &ndash; auch wenn sie nicht immer gleicher Meinung waren &ndash; mit Leidenschaft verfolgten. Mit der Gedenktafel m&ouml;chten wir daran erinnern&rdquo;, erl&auml;uterte Friede Springer im Dezember 2013 die Entscheidung. <\/p><p>Sigmar Gabriel, SPD-Parteivorsitzender und Vize-Kanzler: &ldquo;Mit der Gedenktafel wird der Einsatz von Willy Brandt f&uuml;r die Einheit unseres Landes gew&uuml;rdigt. Der Blick auf die so wechselhafte Vergangenheit zwischen Willy Brandt und dem Hause Axel Springer macht sehr deutlich, dass diese W&uuml;rdigung alles andere als selbstverst&auml;ndlich ist. Der <a href=\"http:\/\/www.presseportal.de\/stichwort\/verlag\/649\">Verlag<\/a> leistet mit dieser Geste einen wichtigen Beitrag f&uuml;r die politische Kultur.&rdquo; <\/p><p>Mathias D&ouml;pfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE: &ldquo;Willy Brandt hat bei seinem Engagement f&uuml;r die deutsche Einheit auch den Spott mancher Parteifreunde in Kauf genommen. Er war mutig genug, seinen &Uuml;berzeugungen treu zu bleiben.&rdquo; <\/p><p>Am 10. November 1989, einen Tag nach dem Mauerfall, formulierte Willy Brandt in einem <a href=\"http:\/\/www.presseportal.de\/stichwort\/interview\/44\">Interview<\/a> den Satz: &ldquo;Jetzt sind wir in einer Situation, in der wieder zusammenw&auml;chst, was zusammengeh&ouml;rt.&rdquo; Der Gedanke, verk&uuml;rzt &ldquo;Jetzt w&auml;chst zusammen, was zusammen geh&ouml;rt&rdquo;, sollte zum Schlagwort der Wiedervereinigung werden. Er steht als Inschrift auf der Gedenktafel. <\/p><p>Bereits zum zweiten Mal ehrt die Axel Springer SE einen Politiker, durch dessen entschlossenes Handeln die Vision des Unternehmensgr&uuml;nders von der deutschen Wiedervereinigung Wirklichkeit wurde. Die Gedenktafel f&uuml;r Willy Brandt soll auf dem Vorplatz des Axel-Springer-Hauses &ndash; am ehemaligen Mauerstreifen und neben der Balkenhol-Skulptur &ldquo;Balanceakt&rdquo; mit den dazugeh&ouml;renden original Mauerst&uuml;cken &ndash; an das Wirken des ehemaligen Bundeskanzlers erinnern. Am 12. Juni 2012 w&uuml;rdigte Axel Springer bereits den 2004 verstorbenen US-Pr&auml;sident Ronald Reagan an der gleichen Stelle f&uuml;r seinen couragierten Einsatz f&uuml;r die Wiedervereinigung mit der Inschrift &ldquo;Mr. Gorbatschow, open this gate. Mr. Gorbatschow, tear down this wall. Berlin, 12. Juni 1987&rdquo;. <\/p><p>Pressekontakt: <\/p><p>Charlotte Rybak<br>\nTel: +49 (0) 30 25 91-7 76 23<\/p><p><a href=\"mailto:charlotte.rybak@axelspringer.de\">charlotte.rybak(at)axelspringer.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Springer-Konzern versucht, Willy Brandt zu vereinnahmen. &bdquo;Axel Springer ehrt Willy Brandt mit einer Gedenktafel&ldquo;, hei&szlig;t es in einer Pressemitteilung der Axel Springer SE. Siehe Anhang. 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