{"id":2171,"date":"2007-03-12T10:00:36","date_gmt":"2007-03-12T09:00:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2171"},"modified":"2019-10-28T16:27:04","modified_gmt":"2019-10-28T15:27:04","slug":"experte-raffelhuschen-erhohung-des-renteneintrittsalters-auf-67-jahre-ist-eine-rentenkurzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2171","title":{"rendered":"\u201eExperte\u201c Raffelh\u00fcschen: Erh\u00f6hung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre ist eine \u201eRentenk\u00fcrzung\u201c."},"content":{"rendered":"<p>Eine Notiz von Hermann Zoller: Das muss man ihm lassen, ehrlich ist der Mann. Er steht dazu: Die Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre ist eine &bdquo;Rentenk&uuml;rzung&ldquo;. Was wir immer zu erkl&auml;ren versuchen, sagt Raffelh&uuml;schen frank und frei, nachdem der Bundestag das Werk der Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters vollbracht hat.<br>\n<!--more--><br>\nAllerdings hat die Ehrlichkeit des Bernd Raffelh&uuml;schen &ndash; in den Medien oft als &bdquo;Freiburger Universit&auml;ts-Rentenexperte&ldquo; vorgestellt &ndash; einen Sch&ouml;nheitsfehler. Dieser &bdquo;Experte&ldquo; vertritt die Interessen der privaten Versicherungswirtschaft. Deshalb ist es ihm wichtig, dass bei den Menschen die Botschaft, dass diese Ver&auml;nderung des Renteneintrittsalters tats&auml;chlich eine &bdquo;K&uuml;rzung&ldquo; ist, wirklich ankommt (was sie ja auch ist). Hier kommt es aber darauf an zu bemerken, dass Raffelh&uuml;schen nicht als &bdquo;Rentenexperte&ldquo;, schon gar nicht als &bdquo;Universit&auml;ts-Rentenexperte&ldquo;, sondern als schlichter Lobbyist f&uuml;r die private Versicherungswirtschaft agiert.<\/p><p>Und weil das so ist, agitiert er weiter: &ldquo;Wer die Rentenk&uuml;rzungen ausgleichen will, muss heute zu Gunsten der Altersvorsorge auf Konsum verzichten.&rdquo; Allerdings reichten die vier Prozent des Einkommens, die bei der Riester-Reform im Alterseink&uuml;nftegesetz als Sparleistung unterstellt seien, nicht aus. &ldquo;Man muss circa sechs bis sieben Prozent zur&uuml;cklegen, um das auszugleichen, was die Rentenversicherung nun nicht mehr verspricht. Wer diese Summe zur&uuml;cklegt, kann seinen Lebensstandard im Alter sichern&rdquo;, r&auml;t Raffelh&uuml;schen am Samstag, dem 10. M&auml;rz 2007, in der &bdquo;Passauer Neuen Presse&ldquo; nach der am Tag zuvor im Bundestag erfolgten Abstimmung &uuml;ber die Erh&ouml;hung des Rentenalters auf 67 Jahre.<\/p><p>Mit diesen &bdquo;sechs bis sieben Prozent&ldquo; wird gleich mehreres deutlich: Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sollen sp&uuml;rbare Teile ihres Einkommens zus&auml;tzlich in die Alterssicherung stecken (bei gleichzeitiger Entlastung der Unternehmen), denn die privaten Versicherungskonzerne erhoffen sich einen viele Milliarden schweren Zufluss an Versicherungsbeitr&auml;gen in ihre Kassen &ndash; bei gleichzeitiger Schw&auml;chung der staatlichen Rentenversicherung. Und es zeigt sich daran, welch ungeheuerliche Umverteilung von unten nach oben die Bundesregierung mit der Erh&ouml;hung des Rentenalters ausgel&ouml;st hat. <\/p><p>Die Unversch&auml;mtheit dieser Entscheidung wird so richtig klar, wenn man dagegenh&auml;lt, dass die Rente mit 67 lediglich eine Ersparnis von 0,5 bis 0,7 Beitragspunkten bringt. Durch die Rentenreformen der letzten Jahre mit Beitragss&auml;tzen zwischen 22 und 24 Prozent in 2030 ist die Rentenversicherung auf die demografische Entwicklung vorbereitet &ndash; eine Belastung, die von jedem Arbeitnehmer bei auch nur durchschnittlicher Lohnentwicklung spielend verkraftet werden kann. Oder anders gesagt: Wenn in dem Ma&szlig;e, wie das Raffelh&uuml;schen empfiehlt, privat vorgesorgt werden muss, dann w&auml;re es den Arbeitnehmern erst recht locker m&ouml;glich, Beitragserh&ouml;hungen f&uuml;r die Rentenversichung zu bezahlen. Genau diesen Weg will die Bundesregierung ganz bewusst nicht gehen. Sie will die Unternehmen aus ihrer sozialen Verpflichtung entlassen und der privaten Versicherungswirtschaft weitere Marktanteile schenken. Insofern stellt der Vorschlag von Raffelh&uuml;schen die Politik der Bundesregierung als unsozial blo&szlig;. <\/p><p>Es gibt einen weiteren Grund, diese Politik als falsch zu brandmarken. Wenn die Menschen auf die seit Monaten zielgerichtet betriebene Angstmacherei hereinfallen und die Empfehlungen &agrave; la Raffelh&uuml;schen befolgen und neben der Rente auch noch zus&auml;tzlich f&uuml;r die Krankheit Vorsorge treffen, also ihren Konsum entsprechend k&uuml;rzen, dann bekommen wir in Deutschland ein konjunkturelles Problem. Denn dann wird die Binnennachfrage weiter zur&uuml;ckgehen &ndash; mit den bekannten Folgen. Eine solche Politik ist verantwortungslos.<\/p><p>Hermann Zoller<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Notiz von Hermann Zoller: Das muss man ihm lassen, ehrlich ist der Mann. 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