{"id":21745,"date":"2014-05-16T10:14:44","date_gmt":"2014-05-16T08:14:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21745"},"modified":"2019-07-11T13:13:39","modified_gmt":"2019-07-11T11:13:39","slug":"armut-macht-krank-krankheit-macht-arm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21745","title":{"rendered":"Armut macht krank \u2013 Krankheit macht arm"},"content":{"rendered":"<p>Es ist weder Zufall noch Wunder, dass hierzulande auf der einen Seite chronisch Kranke h&auml;ufig in Hartz IV und somit Armut abrutschen und auf der anderen Seite Armut wiederum krank bzw. noch kr&auml;nker macht und inzwischen bereits &uuml;ber ein Drittel aller Hartz IV-Empfangenden als <a href=\"http:\/\/rollingplanet.net\/2013\/10\/31\/firmen-muessen-psychisch-kranken-eine-chance-geben\/\">psychisch krank gilt<\/a>. Die entsprechenden Zusammenh&auml;nge m&uuml;ssen beleuchtet und aufgekl&auml;rt und den Ursachen von Armut und chronischer sowie psychischer Erkrankung muss dabei entschieden entgegen getreten werden. Nicht wirklich m&ouml;glich sein wird dies jedoch vermittels eines Menschenbildes, das davon ausgeht, seelisch-k&ouml;rperliche Probleme seien zu allererst einmal &bdquo;eigenverantwortet&ldquo; und Gesundheit bedeute auch und vor allem in einer faktisch zunehmend angst- und krankmachenden Gesellschaft, eben k-e-i-n-e Symptome und also Verwundbar- sowie Menschlichkeit zu offenbaren, bedeute also eben, n-i-c-h-t gesund zu reagieren, weil nur der noch als gesund gelten darf, der auch im gr&ouml;&szlig;ten Elend noch funktioniert und auf seine Gl&uuml;ckseligkeit insistiert. Aus dieser Sicht erfordert chronische wie psychische Krankheit dann eben vor allem eines: mehr individuelle Verantwortungs&uuml;bernahme, Anpassungsbereitschaft und Therapie. &Uuml;ber die &bdquo;Ursachen im au&szlig;en&ldquo;, den gesellschaftlichen Kontext, wird hingegen kaum &uuml;berhaupt mehr diskutiert. So etwas endet dann nicht selten in einem Zynismus mit menschenverachtenden Z&uuml;gen, wie diesen unl&auml;ngst beispielsweise der Spiegelmit der Frage pr&auml;sentierte, ob Obdachlosigkeit nicht wom&ouml;glich <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/medizin\/obdachlosigkeit-neurologische-probleme-und-hirntraumata-als-grund-a-966299.html\">&bdquo;heilbar&ldquo;<\/a> sei. Ein Kommentar von <strong>Jens Wernicke<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nIn den letzten Jahrzehnten haben internationale Studien immer wieder aufgezeigt, dass ein enger Zusammenhang zwischen der sozialen und gesundheitlichen Lage von Menschen besteht: Viele Krankheiten, Beschwerden und Risikofaktoren kommen bei Personen mit niedrigem sozio&ouml;konomischen Status, gemessen zumeist &uuml;ber Angaben zu Einkommen, Bildung und Beruf, h&auml;ufiger vor als bei Personen mit h&ouml;herem sozio&ouml;konomischen Status. Dies gilt auch f&uuml;r schwerwiegende und chronische Gesundheitsprobleme, die oftmals mit Funktionseinschr&auml;nkungen im Alltag und Auswirkungen auf die Lebensqualit&auml;t verbunden sind. <\/p><p><a href=\"http:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/Gesundheitsmonitoring\/Gesundheitsberichterstattung\/GBEDownloadsK\/2014_2_soziale_unterschiede.pdf?__blob=publicationFile\">Aktuelle Ver&ouml;ffentlichungen [PDF]<\/a> des <a href=\"http:\/\/www.rki.de\/DE\/Home\/homepage_node.html\">Robert-Koch-Instituts<\/a> im Rahmen der <a href=\"http:\/\/www.gbe-bund.de\/\">Gesundheitsberichterstattung des Bundes<\/a> zeigen, dass Frauen und M&auml;nner, deren Einkommen unterhalb der Armutsrisikogrenze liegen, ein im Verh&auml;ltnis zur h&ouml;chsten Einkommensgruppe um das 2,4- bzw. 2,7-Fache erh&ouml;htes Mortalit&auml;tsrisiko haben. Infolgedessen erreicht in der niedrigen Einkommensgruppe auch nur ein deutlich geringerer Anteil der Frauen und M&auml;nner das 65. Lebensjahr. Unter Einbeziehung der mittleren Einkommensgruppen l&auml;sst sich die Aussage treffen, dass die Chance, 65 Jahre oder &auml;lter zu werden, mit steigendem Einkommen sukzessive zunimmt. <\/p><p>Noch eindr&uuml;cklicher lesen sich die Befunde, wenn sie auf die <a href=\"http:\/\/flexikon.doccheck.com\/de\/Lebenserwartung\">mittlere Lebenserwartung<\/a> bei Geburt bezogen werden, die nach den Periodensterbetafeln f&uuml;r den Zeitraum 1995 bis 2005 f&uuml;r Frauen mit 81,3 Jahren und f&uuml;r M&auml;nner mit 75,3 Jahren beziffert werden kann. Die Differenz zwischen der niedrigsten und h&ouml;chsten Einkommensgruppe betr&auml;gt hier, legt man die zuvor ermittelten Mortalit&auml;tsunterschiede zugrunde, bei Frauen 8,4 Jahre und bei M&auml;nnern 10,8 Jahre. Betrachtet man dabei nur die gesunde Lebenserwartung, das hei&szlig;t jene Lebensjahre, die in sehr gutem oder gutem allgemeinen Gesundheitszustand verbracht werden, macht der Unterschied zwischen der niedrigsten und h&ouml;chsten Einkommensgruppe sogar 10,2 Lebensjahre bei Frauen und 14,3 Lebensjahre bei M&auml;nnern aus. <\/p><p>Daten der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV) zeigen zudem die aktuelle Entwicklungslinie in Bezug auf soziale Unterschiede in der ferneren Lebenserwartung ab dem 65. Lebensjahr auf. Untersucht wurden Unterschiede nach Einkommen (Entgeltpunkte) und Berufsstatus, der Beobachtungszeitraum erstreckte sich von 1995\/96 bis 2007\/08. Die Ergebnisse machen deutlich, dass sich die sozialen Unterschiede in der ferneren Lebenserwartung vergr&ouml;&szlig;ert haben. Zwar ist die Lebenserwartung in allen betrachteten Gruppen gestiegen, die Zugewinne fielen in den unteren Einkommens- und Berufsstatusgruppen jedoch geringer aus. Die gesundheitlichen Unterschiede zwischen den Einkommensgruppen haben sich im Beobachtungszeitraum also vergr&ouml;&szlig;ert bzw. vertieft. <\/p><p>Zusammenfassend l&auml;sst sich festhalten: Die zunehmenden sozialen Unterschiede in Deutschland machen immer mehr Menschen arm. Die zunehmende Armut und der mit dieser verbundene Stress wiederum machen immer mehr Menschen krank. Krankheit wiederum versch&auml;rft die Nachteile auf dem Arbeitsmarkt, f&uuml;hrt zu Stigmata, Ausgrenzung &ndash; und allzu oft in noch gr&ouml;&szlig;ere Armut hinein. Kurzum: <a href=\"http:\/\/www.armutskonferenz.at\/index2.php?option=com_docman&amp;task=doc_view&amp;gid=321&amp;Itemid=3\">&bdquo;Armut macht krank &ndash; Krankheit macht arm&ldquo;<\/a>.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/140516_Artikel_01.gif\" alt=\"Armut macht krank - Krankheit macht arm\" title=\"Armut macht krank - Krankheit macht arm\"><\/p><p><em>Quelle: Christoffel-Blindenmission<\/em><\/p><p>Wie wenig es sich hierbei um &bdquo;Marginalien&ldquo; handelt, weisen andere zahlen aus:<br>\nDer 4. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung aus dem Jahre 2013 best&auml;tigt, dass &uuml;ber 15 Prozent der Bev&ouml;lkerung in Armut leben. Dies entspricht einer Zahl von ca. 12 Millionen Menschen. Allein 2,5 Millionen Kinder sind betroffen. Und: Bei 9,6 Millionen Menschen in Deutschland liegt eine amtlich festgestellte Schwerbehinderung oder eine Erwerbsminderung vor. Dies entspricht 14 Prozent der Bev&ouml;lkerung. An chronischen Beschwerden oder Krankheiten leiden zudem 19,1 Millionen Menschen. Das entspricht 28 Prozent der Bev&ouml;lkerung. <\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/140516_Artikel_02.gif\" alt=\"Armut macht krank - Krankheit macht arm\" title=\"Armut macht krank - Krankheit macht arm\"><\/p><p><em>Quelle: Teilhabebericht der Bundesregierung &uuml;ber die Lebenslagen von Menschen mit Beeintr&auml;chtigungen 2013, S. 44<\/em><\/p><p>Diese &bdquo;Negativspirale der Armut&ldquo; trifft psychisch Kranke dabei oft zunehmend h&auml;ufig <a href=\"http:\/\/www.verein-start.at\/downloads\/pma_3_12.pdf\">besonders hart [PDF]<\/a>: &bdquo;Die Schwerbehindertenstatistik weist f&uuml;r die Jahre 2005 bis 2011 einen leicht ansteigenden Anteil der Menschen mit psychischen Beeintr&auml;chtigungen an allen schwerbehinderten Menschen aus. In absoluten Zahlen ausgedr&uuml;ckt, wird jedoch die Relevanz dieser Beeintr&auml;chtigungsart deutlich: Im Jahr 2011 hatten rund 500.000 Menschen mit einer anerkannten Schwerbehinderung eine psychische Beeintr&auml;chtigung. Gegen&uuml;ber dem Jahr 2005 stellt dies eine Zunahme um 42 Prozent dar&ldquo;, wie es im aktuellen <a href=\"http:\/\/www.bmas.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/PDF-Meldungen\/2013-07-31-teilhabebericht.pdf?__blob=publicationFile\">&bdquo;Teilhabebericht der Bundesregierung &uuml;ber die Lebenslagen von Menschen mit Beeintr&auml;chtigungen&ldquo; [PDF]<\/a> hei&szlig;t. <\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/140516_Artikel_03.gif\" alt=\"Armut macht krank - Krankheit macht arm\" title=\"Armut macht krank - Krankheit macht arm\"><\/p><p><em>Quelle: Teilhabebericht der Bundesregierung &uuml;ber die Lebenslagen von Menschen mit Beeintr&auml;chtigungen 2013, S. 382<\/em><\/p><p>Zudem <a href=\"http:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/Gesundheitsmonitoring\/Studien\/Degs\/BGBL_2012_55_BM_Kurth.pdf?__blob=publicationFile\">gilt [PDF]<\/a>, &bdquo;dass (inzwischen) nahezu jeder vierte m&auml;nnliche und jede dritte weibliche Erwachsene (&hellip;) unter voll ausgepr&auml;gten psychischen St&ouml;rungen (leidet). (&hellip;) Am h&auml;ufigsten sind (dabei) Angst- und depressive St&ouml;rungen, gefolgt von Substanz- und somatoformen St&ouml;rungen. (&hellip;) Typisch f&uuml;r psychische St&ouml;rungen (&hellip;) (ist dabei) eine ausgepr&auml;gte <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Komorbidit%C3%A4t\">Komorbidit&auml;t<\/a>, eine hohe Anzahl an Ausfalltagen und eine niedrige Behandlungsrate.&ldquo;<\/p><p>Nahezu verdoppelt hat sich &uuml;berdies auch die Zahl der Menschen, die aufgrund von psychischen Beeintr&auml;chtigungen eine Rente der Deutschen Rentenversicherung wegen verminderter Erwerbsf&auml;higkeit erhalten. Im Jahr 2010 entfielen 70.946 Neuzug&auml;nge auf diese Diagnosegruppe, 2000 waren es mit 39.037 nur halb so viele. Inzwischen stehen 39 Prozent aller Neuzug&auml;nge im Zusammenhang zu psychischen Beeintr&auml;chtigungen, konstatiert der Teilhabebericht weiter. <\/p><p>Und hier schlie&szlig;t sich der Kreis. Denn zahlreiche internationale Studien weisen darauf seit Langem darauf hin, dass sozial benachteiligte Bev&ouml;lkerungsgruppen besonders anf&auml;llig (auch) f&uuml;r psychische St&ouml;rungen sind. F&uuml;r Deutschland hatte bereits der <a href=\"http:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/Gesundheitsmonitoring\/Studien\/Degs\/bgs98\/bgs98_node.html\">Bundes-Gesundheitssurvey 1998<\/a> gezeigt, dass Personen mit niedrigem Sozialstatus h&auml;ufiger an psychischen St&ouml;rungen wie depressiven Erkrankungen, Angsterkrankungen und substanzbezogenen St&ouml;rungen litten, als Personen mit h&ouml;herem Status. In der <a href=\"http:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/Gesundheitsmonitoring\/Studien\/Geda\/Geda_2009_inhalt.html\">GEDA-Studie 2009<\/a> zeigt sich ebenfalls ein deutlicher Zusammenhang zwischen psychischer Gesundheit und sozialem Status, der anhand von Angaben der Befragten zu Bildungsstand, Einkommen und beruflicher Position ermittelt wurde. <\/p><p>&bdquo;Sowohl diagnostizierte Depressionen als auch aktuelle seelische Belastungen werden am h&auml;ufigsten von Personen mit niedrigem Sozialstatus angegeben (&hellip;). Bei statistischer Kontrolle der Effekte von Alter und Geschlecht ergibt sich, dass Personen mit niedrigem Sozialstatus eine fast doppelt so hohe Chance einer diagnostizierten Depression haben, wie Personen mit hohem Sozialstatus (&hellip;). Die Chance einer aktuellen seelischen Belastung ist bei niedrigem Sozialstatus etwa 2,6-mal h&ouml;her als bei hohem Sozialstatus&ldquo;, <a href=\"http:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/Gesundheitsmonitoring\/Gesundheitsberichterstattung\/GBEDownloadsK\/2011_7_Psychische_Gesundheit.pdf?__blob=publicationFile\">konstatierte [PDF]<\/a> das Robert-Koch-Institut bereits 2011.<\/p><p>Sp&auml;ter wurde dann <a href=\"http:\/\/edoc.rki.de\/oa\/articles\/re4jxGWhL5gE\/PDF\/21xYyCjlzhAzM.pdf\">erg&auml;nzt [PDF]<\/a>: Die H&auml;ufigkeit starker Stressbelastung nimmt insgesamt mit steigendem sozio&ouml;konomischem Status ab; sie f&auml;llt von 17,3 Prozent bei niedrigem auf 7,6 Prozent bei hohem sozio&ouml;konomischem Status. Gleichzeitig gilt: Menschen mit einer starken Belastung durch chronischen Stress zeigen deutlich h&auml;ufiger eine aktuelle depressive Symptomatik, ein Burnout-Syndrom oder Schlafst&ouml;rungen als Menschen ohne starke Belastung durch chronischen Stress. Kein Wunder also, <a href=\"http:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/Gesundheitsmonitoring\/Studien\/Degs\/BGBL_2012_55_BM_Kurth.pdf?__blob=publicationFile\">dass gilt [PDF]<\/a>: &bdquo;Die H&auml;ufigkeit von Depressionen sinkt mit der H&ouml;he des sozio&ouml;konomischen Status (SES): Bei niedrigem SES betr&auml;gt sie 13,6%, bei mittlerem 7,6 Prozent, bei hohem 4,6 Prozent.&ldquo;<\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/MxEWm7Ml4Fk\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align:center\">Caritas TV-Spot: Armut macht krank<\/p><p>Lassen wir uns daher von allem Gerede von &bdquo;Eigenverantwortung&ldquo;, welche f&uuml;r die Genesung auch und gerade von psychischen Erkrankungen sehr wohl wichtig und notwendig ist, ein X aber nicht gleich f&uuml;r ein U vormachen: Die &Auml;ngste und N&ouml;te, unter denen psychisch Kranke leiden, sind wom&ouml;glich sehr wohl entwicklungspsychologisch und biografisch fundiert, dennoch aber jedoch weniger in dem Sinne zu bewerten, als dass sie &bdquo;falsch&ldquo; w&auml;ren und daher &bdquo;wegtherapiert&ldquo; geh&ouml;rten, als vielmehr in jenem, als dass ihre Aktualisierung und &bdquo;Re-Aktivierung&ldquo; auch und vor allem daf&uuml;r spricht, dass &bdquo;die Verletzten&ldquo; dieser Erde eben auch die sensibelsten Menschen sind und damit eben jene, die soziale und gesellschaftliche Missst&auml;nde als erste sp&uuml;ren und wahrnehmen, da sie gar nicht umhin kommen, unter diesen zu leiden. <\/p><p>In diesem Sinne w&uuml;rde die &bdquo;Eigenverantwortung&ldquo; psychisch Kranker dann aber eben auch bedeuten, die eigenen Gef&uuml;hle zumindest als Teil der eigenen Menschlichkeit und Wahrheit anzunehmen und neben der Arbeit an der Linderung der gr&ouml;&szlig;ten unmittelbaren Not mit diesen sich &uuml;berall dort, wo dies m&ouml;glich erscheint, auch f&uuml;r gesellschaftliche Rahmenbedingungen zu streiten, die (faktisch und nicht nur imaginiert!) weniger &auml;ngstigend, furchteinfl&ouml;&szlig;end und <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3873878909\/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3873878909&amp;linkCode=as2&amp;tag=x0ff-21\">traumatisierend<\/a> sind. <\/p><p>Denn das der einzelne ggf. eher und schneller und deutlicher als die Mehrheit auf Probleme reagiert hei&szlig;t eben nicht unmittelbar, dass der einzelne selbst oder allein die Ursache seiner &bdquo;St&ouml;rungen&ldquo; ist. Vielmehr lie&szlig;e sich mit <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Arno_Gruen\">Arno Gruen<\/a> und <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Erich_Fromm\">Erich Fromm<\/a> sehr wohl argumentieren, dass vielmehr wohl doch das Ganze das Problematische und also Unwahre sei.<br>\nBei Arno Gruen liest sich das <a href=\"http:\/\/www.lptw.de\/archiv\/lintext\/LindText1994.pdf\">so [PDF]<\/a>: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Um erfolgreich zu sein, m&uuml;ssen wir von klein an lernen, vom Versagen zu tr&auml;umen. Was z&auml;hlt in unserer Kultur, ist nicht, im Gef&uuml;hl des Lebendigen zu sein, sondern wie wir den Erfolg erreichen. Danach werden wir gemessen und messen uns selber. Erfolg ist der Ma&szlig;stab, nicht die F&auml;higkeit zu lachen, zu spielen oder z&auml;rtlich zu sein.<\/p>\n<p>Dieser Erfolg aber gr&uuml;ndet auf dem Versagen eines anderen Menschen. Er beinhaltet Gewalt. Diese Lektion f&auml;ngt im Elternhaus an, wird in der Schule verst&auml;rkt, so da&szlig; wir schon lange vor dem Erwachsensein von dem internalisierten Alptraum gekennzeichnet sind: Wir tr&auml;umen von der Angst des anderen, die unsere eigene ist. Sogar, wenn wir auf dem H&ouml;hepunkt des Erfolges sind, tr&auml;umen wir von der Angst des Versagens. Das eben ist das Problem: Um ein Selbst auf diesen, den Werten der Gesellschaft entsprechenden Wegen aufzubauen, m&uuml;ssen wir uns maskieren. Wir m&uuml;ssen verneinen, da&szlig; das, was wir wirklich tun, ist: einem anderen Wesen Schmerzen zuzuf&uuml;gen. Es ist, wie Vaclav Havel es in seinem Essay &sbquo;Versuch, in der Wahrheit zu leben&lsquo; darstellt: &sbquo;Ideologie als scheinbare Art der Sichbeziehung zur Welt bietet dem Menschen die Illusion, er sei eine mit sich identische, w&uuml;rdige und sittliche Pers&ouml;nlichkeit womit es ihm m&ouml;glich wird, alles dies nicht zu sein&lsquo;.<\/p>\n<p>Sich auf diese Weise zu betr&uuml;gen, macht es aber unm&ouml;glich, gerade den Selbstwert aufzubauen, der einen Menschen in sich ruhen l&auml;&szlig;t, (und) in dem Verletzlichkeit und Hilflosigkeit zum Ausgangspunkt des Seins werden k&ouml;nnen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Und Erich Fromm brachte es auf folgenden zugespitzten Punkt, um zu verdeutlichen, dass die als &bdquo;krank&ldquo; gebrandmarkten und stigmatisierten Reaktionen vielleicht die ges&uuml;ndeste aller Reaktionsweisen auf faktisch kranke und krankmachende Umweltbedingungen sind: <\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"375\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/JayPmA9pFfY\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align:center\">Interview mit Erich Fromm<\/p><p><strong>Weiterlesen:<\/strong><\/p><ul>\n<li><a href=\"(http:\/\/www.euro.who.int\/__data\/assets\/pdf_file\/0008\/98441\/e81384g.pdf?ua=1\">Weltgesundheitsorganisation: Soziale Determinanten von Gesundheit: Die Fakten [PDF]<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/Gesundheitsmonitoring\/Gesundheitsberichterstattung\/GBEDownloadsB\/Armut.pdf?__blob=publicationFile\">Robert-Koch-Institut: Beitr&auml;ge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Armut, soziale Ungleichheit und Gesundheit [PDF]<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/solidarischgsund.files.wordpress.com\/2014\/01\/gesundheit-und-gleichheit.pdf\">Fact Sheet Gesundheit und soziale&nbsp;Gleichheit des Projektes &bdquo;Solidarisch G&rsquo;sund&ldquo; [PDF]<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.cbm.de\/unsere-arbeit\/themen\/Warum-gehoert-Armutsbekaempfung-zu-den-Aufgaben-der-CBM-414015.html\">Christoffel-Blindenmission: Armut und Behinderung bilden einen verh&auml;ngnisvollen Kreislauf<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.gesundheitliche-chancengleichheit.de\/pdf.php?id=78d47cf78a3bbc79d46dd16581b5b584\">Landeszentrale f&uuml;r Gesundheit in Bayern e.V.: &bdquo;Armut macht krank &ndash; Krankheit macht arm?!&ldquo; [PDF]<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.armut-gesundheit.de\/index.php?id=9\">Verein &bdquo;Armut und Gesundheit in Deutschland e.V.&ldquo;<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/leben\/wissenschaftliche-studien-armut-macht-krank-1.340219\">S&uuml;ddeutsche: Wissenschaftliche Studien: Armut macht krank<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.heilpraxisnet.de\/naturheilpraxis\/armut-macht-krank-und-verringert-lebenserwartung-9018534120.php\">Naturheilkundliches Fachportal: Armut macht krank und mindert Lebenserwartung<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist weder Zufall noch Wunder, dass hierzulande auf der einen Seite chronisch Kranke h&auml;ufig in Hartz IV und somit Armut abrutschen und auf der anderen Seite Armut wiederum krank bzw. noch kr&auml;nker macht und inzwischen bereits &uuml;ber ein Drittel aller Hartz IV-Empfangenden als <a href=\"http:\/\/rollingplanet.net\/2013\/10\/31\/firmen-muessen-psychisch-kranken-eine-chance-geben\/\">psychisch krank gilt<\/a>. Die entsprechenden Zusammenh&auml;nge m&uuml;ssen beleuchtet und aufgekl&auml;rt<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21745\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[149,145,132],"tags":[881,442,291],"class_list":["post-21745","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gesundheitspolitik","category-sozialstaat","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-armut","tag-eigenverantwortung","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21745","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=21745"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21745\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":53315,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21745\/revisions\/53315"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=21745"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=21745"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=21745"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}