{"id":21783,"date":"2014-05-20T16:43:39","date_gmt":"2014-05-20T14:43:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21783"},"modified":"2015-10-22T15:18:10","modified_gmt":"2015-10-22T13:18:10","slug":"europa-ist-prima-aber-die-in-bruessel-berlin-u-a-m-herrschende-ideologie-ist-fuerchterlich-und-ein-versager","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21783","title":{"rendered":"Europa ist prima, aber die in Br\u00fcssel, Berlin u.a.m. herrschende Ideologie ist f\u00fcrchterlich und ein Versager"},"content":{"rendered":"<p>Am 8. Mai hatte ich in Zagreb eine Diskussion mit interessanten G&auml;sten der Friedrich Ebert Stiftung Zagreb. In Kroatien wie in anderen Staaten Europas kann man beobachten, dass die Idee von Europa und der Anspruch der Repr&auml;sentanten der Europ&auml;ischen Union einerseits und die wirkliche wirtschaftliche und soziale Entwicklung der V&ouml;lker Europas andererseits meilenweit auseinander liegen. Br&uuml;ssel hat in zentralen Fragen der Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik versagt. Der in Europa jetzt herrschende Geist ist nicht einmal von Solidarit&auml;t gepr&auml;gt. Man m&uuml;sste diese Ideologie am kommenden Sonntag abw&auml;hlen k&ouml;nnen. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2783\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-21783-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140523_Europa_ist_prima_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140523_Europa_ist_prima_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140523_Europa_ist_prima_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140523_Europa_ist_prima_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=21783-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140523_Europa_ist_prima_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"140523_Europa_ist_prima_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Im folgenden Text sind die Kernpunkte von Vortrag und Diskussion in Zagreb wiedergegeben. Trotz der auf Kroatien zugeschnittenen Fragestellung &ndash; &bdquo;Mit welcher Wirtschaftspolitik gegen die Krise?&ldquo; &ndash; sind die notierten Beobachtungen auch von Interesse f&uuml;r andere L&auml;nder und insbesondere f&uuml;r die Zentren der Politik in Br&uuml;ssel, in Berlin und in anderen ma&szlig;geblichen Hauptst&auml;dten.<\/p><p>Noch eine Vorbemerkung: Um das Lesen einfacher zu machen und ein &Uuml;berfliegen m&ouml;glich zu machen, habe ich einige Zwischen&uuml;berschriften eingef&uuml;gt.<br>\nUnd hier der Text der Rede, erg&auml;nzt um Gedanken aus der Diskussion:<\/p><p>Ansto&szlig; f&uuml;r unser Gespr&auml;ch ist die Studie Heiner Flassbecks mit dem Titel &bdquo;Kroatien &ndash; oder wie die osteurop&auml;ischen L&auml;nder in eine t&uuml;ckische Falle geraten sind und niemand ihnen heraus hilft&ldquo;. (Der <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=20885\">NDS-Bericht dazu hier<\/a>.) <\/p><ol>\n<li><strong>Die soziale und wirtschaftliche Lage der Mehrheit der Menschen ist schlecht und wird seit einiger Zeit wieder schlechter. Die Stimmung neigt zur Depression.<\/strong>\n<p>Auch wenn Kroatien erst seit einem knappen Jahr Mitglied der Europ&auml;ischen Union ist, sind die &ouml;konomischen Zusammenh&auml;nge &auml;u&szlig;erst eng. Die Lage &auml;hnelt jener in anderen s&uuml;deurop&auml;ischen Staaten wie Griechenland, Spanien, Portugal. <\/p>\n<p>Selbst in einer kleinen Gemeinde auf einer dalmatinischen Insel, die ich seit Jahren kenne, ist die Lage kritisch. Die wirtschaftspolitischen Probleme Ihres Landes werden in den Sorgen meiner Freunde sichtbar: Hohe Arbeitslosigkeit, sinkende L&ouml;hne, mangelnde Berufschancen f&uuml;r ihre Kinder, viel zu kurze Saison im Tourismus; man muss als Konsument m&uuml;hsam nach dalmatinischem Obst und Gem&uuml;se suchen; Tomaten aus Holland, Oliven und Flie&szlig;en aus Italien; dramatische Abnahme des Fischbestands. Schlechte Zahlungsmoral, oft mangelnde Zahlungsf&auml;higkeit. Es droht die Notwendigkeit, Land zu verkaufen, das f&uuml;r die Produktion der landwirtschaftlichen Produkte und damit f&uuml;r den Lebensunterhalt wichtig ist. Das bedeutet, der Verkauf von Produktivverm&ouml;gen steht an, um den Lebensunterhalts zu finanzieren. An Altersvorsorge kann so wenig gedacht werden wie an eine optimale Ausbildung f&uuml;r Kinder und Enkel.<\/p>\n<p>Diese Entwicklung ist eine Folge des Niedergangs der wirtschaftlichen Situation in Europa. Im Tourismus sp&uuml;rt man die Stagnation der Realeinkommen der Arbeitnehmerschaft in Mittel- und Nordeuropa und der dort reduzierten sozialen Sicherheit. Die Industrie ist &uuml;ber weite Strecken ein Opfer der Wende, der &Ouml;ffnung der M&auml;rkte f&uuml;r den Westen und der Privatisierung.<\/p><\/li>\n<li><strong>Wer wirtschaftspolitische Diagnosen und Strategien f&uuml;r ein Land wie Kroatien entwickeln und umsetzen will, muss dreierlei beachten, was im engeren Sinne nichts mit Wirtschaftspolitik zu tun hat.<\/strong>\n<p>Ich hatte beim Veranstalter angeregt, das Thema meines kurzen Vortrags, n&auml;mlich &bdquo;Mit welcher Wirtschaftspolitik gegen die Krise?&ldquo; etwas zu erweitern. Wir k&ouml;nnen uns n&auml;mlich schlecht gute Gedanken zur Diagnose und zur Therapie in der Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik machen, wenn wir drei Ph&auml;nomene nicht beachten:<\/p>\n<ol type=\"a\">\n<li>Die massive Propaganda und Meinungsmache, die die Diagnose &uuml;berlagert wie auch die Therapien in die Irre f&uuml;hrt: Die von Spekulanten angeheizte &bdquo;Finanzkrise&ldquo; nennen sie &bdquo;Staatschuldenkrise&ldquo;; sie nutzen das sch&ouml;ne fortschrittliche Wort &bdquo;Reformen&ldquo; zur Kennzeichnung von Schritten zum Abbau der sozialen Sicherheit; bei uns wird die Austerit&auml;tspolitik &bdquo;Sparen&ldquo; genannt, obwohl damit in der Regel nur eine Sparabsicht verbunden ist, die den Sparerfolg selbst zunichte macht. Die herrschenden Akteure reden mit Blick auf Deutschland von einem &bdquo;Wirtschaftswunder&ldquo;. Sie sind beeindruckt von &bdquo;Export&uuml;bersch&uuml;ssen&ldquo;, obwohl diese Export&uuml;bersch&uuml;sse gleichbedeutend sind mit dem Export von Arbeitslosigkeit in befreundete L&auml;nder und europ&auml;ischem Geist widersprechen. Davon sp&auml;ter mehr. Die Meinungsmacher und Entscheidungstr&auml;ger haben in der Finanzkrise jede Bank &bdquo;systemrelevant&ldquo; genannt und damit die Spekulanten auf Kosten der Steuerzahler gerettet. Die politische Meinungsbildung ist von clever ausgedachten Manipulationen gepr&auml;gt und das bestimmt die politischen Entscheidungen bei uns in Deutschland wie im gesamten Europa. Das gilt auch f&uuml;r das gute Ansehen der Europ&auml;ischen Union, welches nicht von der Realit&auml;t sondern von Propaganda gest&uuml;tzt ist. &ndash; Bitte verstehen Sie diese Hinweise auf Manipulationen und Entscheidungsfindung nicht als intellektuelle Spielerei. Die skizzierten Verh&auml;ltnisse sind bitter ernst, weil sie die politischen Entscheidungen ma&szlig;geblich und falsch bestimmen.<\/li>\n<li>Die allgegenw&auml;rtige manipulative Meinungsmache wird zweitens begleitet und gest&uuml;tzt vom Niedergang meiner Wissenschaft, der Wissenschaft von der &Ouml;konomie, der Volkswirtschaftslehre, wie wir in Deutschland sagen. Heiner Flassbeck und ich stehen staunend davor, wie eine in der Praxis brauchbare Wissenschaft ideologisch aufgeblasen und ver&auml;ndert worden ist und damit bei der Beratung versagt,<\/li>\n<li>Und drittens sollten wir bei der Er&ouml;rterung der gestellten Frage nach der richtigen Wirtschaftspolitik den Werteverfall in Europa beachten; konkret meine ich die erkennbare Endsolidarisierung in unseren einzelnen Gesellschaften und zwischen den V&ouml;lkern. Der Schein gro&szlig;z&uuml;giger finanzieller Transfers von einzelnen Volkswirtschaften zu anderen tr&uuml;gt.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Diese drei Vorbemerkungen schienen mir wichtig, damit Sie meine Anmerkungen zu unserem Thema einzuordnen verm&ouml;gen. Man kann nicht eng &ouml;konomisch argumentieren, wenn die &Ouml;konomie einschlie&szlig;lich der Wissenschaft von der &Ouml;konomie von Propagandaparolen, von einer starken Lobby und von einer ideologischen Glaubenslehre &uuml;berlagert ist.<\/p><\/li>\n<li><strong>R&uuml;ckblick auf einige f&uuml;r heute relevanten Erfahrungen mit der praktischen Wirtschaftspolitik:<\/strong>\n<ol>\n<li><strong>Die Pferde m&uuml;ssen wieder saufen &ndash; Konjunkturprogramme wirken &ndash; Besch&auml;ftigungspolitik statt Austerit&auml;t<\/strong><br>\n1968 wurde ich Ghostwriter des deutschen Bundeswirtschaftsministers Professor Karl Schiller, eines Sozialdemokraten mit Erfahrung als Wissenschaftler und Hochschullehrer. Kurz zuvor, 1966 und 1967 war die westdeutsche Volkswirtschaft in eine erste Rezession geschlittert, von einem Wachstum des realen Bruttoinlandsproduktes von 5,4 % in 1965 auf -0,3 % im Jahre 1967. Mindestens die H&auml;lfte der Arbeit des Ministers Schiller bestand darin, Reden zu halten, Interviews zu geben und so Propaganda f&uuml;r den Aufschwung zu machen: &bdquo;Die Richtung stimmt hie&szlig; eine Parole&ldquo;. Das grafische Symbol der damaligen Konjunkturpolitik war ein stark nach oben gerichteter Pfeil, er zierte Plakate, Anzeigen und Z&uuml;ndholzschachteln. &ndash; &bdquo;Die Pferde m&uuml;ssen wieder saufen&ldquo;, h&auml;mmerte Wirtschaftsminister Schiller den Menschen und den Unternehmern ein.<br>\nDas w&auml;re eine geeignete und notwendige Parole auch heute. Es w&auml;re eine Botschaft gegen das g&auml;ngige Gegenkonzept: die Austerit&auml;t. Austerit&auml;t hei&szlig;t ins Deutsche &uuml;bersetzt: Hungern, Strenge, Entbehrung. Heute w&auml;re jedoch nicht Hungern sondern F&uuml;ttern angesagt. Die Pferde brauchen Futter, damit es aufw&auml;rts geht. Schiller wusste sehr genau, dass die Regierung die Stimmung verbessern muss, dass die Einkommen steigen m&uuml;ssen, dass Schuldenmachen notwendig ist, damit die Pferde saufen k&ouml;nnen. Und dass man getrost darauf warten kann, dass der Staat dann genug Geld einnimmt, um die angelaufenen Schulden zu bedienen. &ndash; Das Konzept war erfolgreich. Das zeigen die Wachstumsraten: 1968 folgende: 5,5 %, 7,5 %, 5 % und die Arbeitslosenrate sank wieder auf 0,7 % im Jahr 1970.<br>\nDamit keine Missverst&auml;ndnisse aufkommen: der Professor f&uuml;r &Ouml;konomie, Karl Schiller, wusste, dass man eine Konjunktur ankurbeln und anheizen und die Stimmung verbessern muss. Aber er wusste sehr wohl auch, dass die Konsolidierung der Haushalte dann auch und genauso wichtig ist. Alles zu seiner Zeit! Das beachtet man heute in Br&uuml;ssel und Berlin nicht, obwohl auch heute klar sein m&uuml;sste: Schulden kann man als Volkswirtschaft nur aus der realen Produktion bedienen.<\/li>\n<li><strong>Keynes ist in den siebziger Jahren nicht gescheitert <\/strong><br>\nZur n&auml;chsten Erfahrung von Relevanz: Die sozialdemokratisch gef&uuml;hrte Regierung von Willy Brandt und dann von Helmut Schmidt war wegen der &Ouml;lpreisexplosion im Oktober 1973 erneut mit einer Rezession konfrontiert. 1975 schrumpfte das Inlandsprodukt um -1,3%. Ich war damals Leiter der Planungsabteilung im Bundeskanzleramt. Wir nutzten in Absprache mit dem Bundeskanzler eine Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen zur Aufhellung der wirtschaftlichen Stimmung. &bdquo;Den Aufschwung w&auml;hlen&ldquo; lautete die Parole und die Regierung Schmidt begleitete die Botschaft mit einer expansiven Konjunkturpolitik, also mit besch&auml;ftigungspolitischen Impulsen.<br>\nDas Ergebnis: ein Jahr sp&auml;ter, 1976, wuchs die deutsche Volkswirtschaft wieder um 5,3 %. Und trotz weiterer &Ouml;lpreissteigerungen dann in der Zeit bis 1979 um 3,8 % durchschnittlich im Jahr. Dahinter steckten massive Konjunktur- und Investitionsprogramme wie zum Beispiel das Zukunftsinvestitionsprogramm (ZIP). Wegen m&ouml;glicher Kritik der Wachstumskritiker will ich ausdr&uuml;cklich folgendes noch anmerken: Auf der Basis des ZIP wurden in der Regel keine Pyramiden gebaut oder andere sinnlose Ausgaben get&auml;tigt. Mit diesen Programmen wurden sinnvolle Investitionen beim Bund, in den L&auml;ndern und in den Kommunen gesteuert. Als ich rund zehn Jahre sp&auml;ter Abgeordneter der S&uuml;dpfalz war, fragte ich unsere B&uuml;rgermeister regelm&auml;&szlig;ig nach den Spuren des Zukunftsinvestitionsprogramms ZIP. Sie zeigten mir dann, was sie Sinnvolles auf der Basis des Bundesprogramms geschaffen hatten.\n<p>Mit den beschriebenen Erfolgen ist im &uuml;brigen auch widerlegt, die Rezepte des britischen Wissenschaftlers Keynes seien in den siebziger Jahren gescheitert. Das belege Deutschland. Das ist ausgemachter Unsinn, der gerne von deutschen Konservativen wie von manchen Marxisten unter den &Ouml;konomen in &auml;hnlicher Weise verbreitet wird: die einen wollten, dass die aktive Besch&auml;ftigungspolitik eingestellt wird, um so niedrigere L&ouml;hne durchzusetzen; die andern freuten sich, weil aus ihrer Sicht die Thesen vom Niedergang des Kapitalismus best&auml;tigt wurden.<\/p>\n<p>Schon damals tobte in Deutschland der Kampf zwischen den keynesianisch gepr&auml;gten Wissenschaftlern und Politikern auf der einen Seite und den aufkommenden Monetaristen und Neoliberalen. Letztere hatten sich in den Ministerien, im Sachverst&auml;ndigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und vor allem in der Deutschen Bundesbank festgesetzt. Die deutsche Bundesbank versuchte in der beschriebenen Zeit immer wieder, die expansive Wirtschaftspolitik der Regierungen Brandt und Schmidt zu konterkarieren, zum Beispiel 1980 mit einer Erh&ouml;hung der kurzfristigen Zinsen von 3,7 auf 12,2 %. &ndash;  Sp&auml;ter, auch bei Kanzler Kohl, betrieben die Monetaristen &uuml;ber die Geldpolitik weiterhin ihr vernichtendes Spiel. Den Aufschwung, der mit der deutschen Vereinigung in den Jahren 1990 und 1991 verbunden war, w&uuml;rgten sie mit einer Diskontsatzerh&ouml;hung der Bundesbank von 2,9 auf 8,75 % ab.<\/p>\n<p>Seitdem d&uuml;mpelt die deutsche Volkswirtschaft mit niedrigen Wachstumsraten vor sich hin. Bis heute, ja wirklich bis heute. 2008: 1,1 %, 2009: &ndash; 5,1 %, 2010: + 4 %, 2011: +3,3 %, 2012: 0,7 %, 2013: 0,4 %. Prognose f&uuml;r 2014: 1,8 %. Das sind im Durchschnitt 0,9 % pro Jahr. Dieser j&auml;mmerliche Zuwachs wird als Wirtschaftswunder gefeiert. Und dank dieser selbstbespiegelnden Propaganda glaubt man &uuml;ber all in Europa, in Deutschland werde eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik betrieben und es gehe den Menschen dort rundum gut.<\/p>\n<p>Ohne Zweifel geht es Deutschland wirtschaftlich besser als den meisten anderen L&auml;ndern. Aber es geht eben der Mehrheit der Menschen nicht gut und so weit es ihnen, z.B. den Arbeitern in der exportorientierten Automobilindustrie, gut geht, ist dieses wesentlich von Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;ssen und damit vom Export an Arbeitslosigkeit in andere L&auml;nder getrieben. Diese kritisch zu betrachtende Wirklichkeit spielt bei der Beurteilung der Politik in Deutschland und damit auch des Vorbildcharakters dieser Politik keine ma&szlig;gebliche Rolle. Und dies wiederum f&uuml;hrt in Deutschland und bei unseren Partnern zu falschen Diagnosen und zu falschen Therapien.<\/p><\/li>\n<li><strong>Export ist nicht besser als Import. Es h&auml;ngt von der Lage ab, was gerade wichtiger ist.<\/strong><br>\nEine dritte Erfahrung von Relevanz: Im zweiten Jahr meiner Arbeit f&uuml;r den damaligen Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller, 1969, waren wir mit einem heute wieder aktuellen Problem konfrontiert: mit hohen Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;ssen, die D-Mark war unterbewertet, der Dollar war &uuml;berbewertet, es gab Spekulationen pro D-Mark und gegen den Dollar. An der Diagnose und der Therapie, am Umgang mit diesem Problem im Vergleich zum Umgang mit dem &auml;hnlichen Problem heute k&ouml;nnen Sie gleich zweierlei sehen: die Wissenschaft war besser, die in der Politik handelnden &Ouml;konomen waren kl&uuml;ger und sie waren nicht infiziert von einer d&uuml;mmlichen Ideologie wie jener der Neoliberalen. Und die schon damals &uuml;bliche Propaganda mit den glorifizierten Export&uuml;bersch&uuml;ssen wurde von Schiller und der SPD kaltgestellt, sie lief ins Leere. \n<p>Damals wusste man noch: Export&uuml;bersch&uuml;sse und Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;sse sind Synonyme f&uuml;r verschenkten Wohlstand. Wer dauerhaft Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;sse erzielt, lebt unter seinen Verh&auml;ltnissen &Ouml;konomen hatten gelernt, in so genannten Real terms zu denken, in g&uuml;terwirtschaftlichen Kategorien. Eine von der Werbeagentur der SPD zusammen mit Schillers Stab im Bundeswirtschaftministerium konzipierte ganzseitige Anzeige in der BILD-Zeitung war &uuml;berschrieben mit &bdquo;Wir verschenken jeden 13. VW&ldquo;.  .<br>\nHeute ist diese Erkenntnis der so genannten Welfare Economics verloren gegangen, heute r&uuml;hmen sich &Ouml;konomen und Politiker gleicherma&szlig;en der Exportweltmeisterschaft. Ein Begriff, der die Regression, also den Niedergang meiner Wissenschaft, meisterhaft wiedergibt. Die heute Verantwortlichen setzen auf die Propagandawirkung der eingesetzten Begriffe: &bdquo;&Uuml;berschuss&ldquo; klingt positiv, &bdquo;Exportweltmeister&ldquo; sowieso. Auch &bdquo;Export&ldquo; klingt positiv, obwohl dieser Begriff eigentlich f&uuml;r jeden &Ouml;konomen ein normaler neutraler Begriff sein sollte. Export ist nicht besser als Import. Es h&auml;ngt von der Lage ab, was gerade wichtiger ist. Hier in Kroatien w&auml;re der Anstieg der Exporte positiv zur bewerten, bei uns in Deutschland der Anstieg der Importe.<\/p>\n<p>Damals hat die SPD zusammen mit dem Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller die Schlacht um die Hoheit &uuml;ber den Stammtischen und auch die Wahl im September 1969 gewonnen &ndash; mit der Konsequenz des ersten Kanzlerwechsels nach 1945: von Adenauer &uuml;ber Erhard und Kiesinger, alle CDU, zu Willy Brandt.<br>\nNach der Wahl wurde die D-Mark aufgewertet und der Export&uuml;berschuss abgebaut. Heute ist diese Art von Anpassungsprozess nicht mehr m&ouml;glich. Heute br&auml;uchten wir zum einen die &bdquo;innere&ldquo; Aufwertung des Euro in Deutschland er D-Mark und zum andern eine offene oder innere Abwertung anderer W&auml;hrungen in Europa, unter anderem auch die Abwertung der kroatischen W&auml;hrung Kuna.<\/p><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li><strong>Was w&auml;re wirtschaftspolitisch in Kroatien und in Europa zu tun<\/strong>\n<ol>\n<li><strong>Erstens: Die Wettbewerbsf&auml;higkeit Ihrer Volkswirtschaft m&uuml;sste verbessert werden &ndash; unter anderem durch Abwertung der Kuna und zugleich durch innere Aufwertung in L&auml;ndern wie Deutschland und &Ouml;sterreich.<\/strong>\n<p>In der Studie von Heiner Flassbeck f&uuml;r die Friedrich Ebert Stiftung Zagreb ist das Thema Abwertung der Kuna von zentraler Bedeutung. Der Begriff &bdquo;Abwertung&ldquo; ist anders als der Begriff &bdquo;Aufwertung&ldquo; negativ besetzt.  Schon deshalb wird die Entscheidung f&uuml;r Sie schwierig. Es gibt viele Missverst&auml;ndnisse. Es gibt berechtigte emotionale Bewertungen eines solchen Vorgangs durch Menschen, die Schulden in Euro haben. Und andere, die ihre Ersparnisse in Euro halten. Die einen m&uuml;ssen nach einer Abwertung mehr Kuna aufbringen, um ihre Schulden in Euro zu begleichen bzw. die Zinsen zu zahlen. Die andern w&auml;ren gut bedient, weil ihre Euro Guthaben in Kuna gerechnet mehr wert geworden w&auml;ren.<br>\nViel wichtiger als die Bewertung des Vorgangs aus der Sicht von Schuldnern bzw. Sparern ist die reale &ouml;konomische Sicht: Welche Wirkung h&auml;tte die Abwertung auf die Wettbewerbsf&auml;higkeit Kroatiens. Ein mit mir befreundeter Kroate, der Wein und Lebensmittel aus Kroatien nach Deutschland importiert, hat die realen &ouml;konomischen Folgen auf den Punkt gebracht:<\/p>\n<blockquote><p>\n<em>&bdquo;Die Kuna-Abwertung ist ein richtiger Weg, weil heute und ohne Abwertung die Kroatischen Erzeugnisse durch &uuml;berh&ouml;hte Preise auf dem Markt nicht konkurrenzf&auml;hig sind. Gerade auf meinem Sektor, den du ja kennst, sind die Preise um 30% h&ouml;her, als es Qualit&auml;t und Konkurrenz erlauben. Die Lebensmittel werden mir &nbsp;als Importeur oft teurer angeboten, als sie im Einzelhandel hier in Frankfurt zu kaufen sind. &hellip; Das sehen auch kroatische Unternehmer und Wirtschaftswissenschaftler so.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Abwertung w&auml;re mit H&auml;rten verbunden und w&uuml;rde das Image der Verantwortlichen sehr wahrscheinlich besch&auml;digen. Aber es w&auml;re eine der wenigen Chancen, die Wettbewerbsf&auml;higkeit Ihres Landes noch vor dem potentiellen Eintritt in die Eurozone zu verbessern. Die Exporteure von G&uuml;tern und Dienstleistungen wie des Tourismus w&uuml;rden bessere Chancen haben, mehr Besch&auml;ftigung im Land w&auml;re m&ouml;glich.<\/p>\n<p>Fazit: Ein Allheilmittel w&auml;re die Abwertung der Kuna nicht. Aber Kroatien h&auml;tte anders als L&auml;nder wie Griechenland und Spanien die M&ouml;glichkeit, die Zone falscher W&auml;hrungsrelationen zu verlassen. Und damit auch ein St&uuml;ck Freiheit gewonnen, eine vern&uuml;nftige Binnenwirtschaftspolitik zu betreiben.<\/p><\/li>\n<li><strong>Zweitens: Begleitung der dann wachsenden Auslandsnachfrage  durch St&auml;rkung der Binnennachfrage.<\/strong> In Kroatien gibt es wie in anderen L&auml;ndern der Europ&auml;ischen Union viel zu tun. Nicht nur Stra&szlig;enbau. Die Sauberkeit des Wassers am Meer ist wichtig f&uuml;r den Tourismus. Wenn es irgend geht, w&uuml;rde ich nicht lange warten, bis nachhaltige Verbesserungen des Abwasserschutzes erreicht sind. Auch die Stabilisierung der L&ouml;hne ist wichtig zur F&ouml;rderung der Binnennachfrage.<\/li>\n<li><strong>Drittens: Sektorbezogene Ma&szlig;nahmen.<\/strong> Bei uns w&uuml;rde man von industriepolitischen Ma&szlig;nahmen sprechen, in Kroatien umfasst das selbstverst&auml;ndlich den Tourismus, die Verwaltung, die Justiz, die Industrie, die Landwirtschaft &ndash; es ist nur schwer zu verstehen, dass landwirtschaftliche Produkte wie Gem&uuml;se und Obst aus Holland, Italien, Spanien etc. eingef&uuml;hrt werden, w&auml;hrend gleichzeitig die Bedingungen im eigenen Land zur Produktion dieser G&uuml;ter nahezu ideal sind. Hier muss die &ouml;ffentliche Hand offensichtlich weitere Impulse geben, um von Importen weniger abh&auml;ngig zu werden. &ndash; In vielen L&auml;ndern wird versucht, aussichtsreiche Sektoren der Wirtschaft zu f&ouml;rdern, ihnen &uuml;ber Barrieren zu helfen, Mengeneffekte zu erzielen. Es liegt nahe, im Falle Kroatiens dar&uuml;ber nachzudenken, ob die Kooperation mit fr&uuml;her verbundener Produktion in anderen Teilen des ehemaligen Jugoslawien gef&ouml;rdert  werden k&ouml;nnte.<\/li>\n<li><strong>Viertens: Massive Agitation f&uuml;r eine bessere Stimmung.<\/strong> Die Regierung und ihr Nahestehende m&uuml;ssen den Menschen Mut machen. Versuchen Sie, Multiplikatoren aus Kultur, Sport, Wissenschaft und Politik zu einer Initiative zusammen zu bekommen. Die jetzige depressive Stimmung ist zwar berechtigt, aber der Erholung nicht f&ouml;rderlich.<\/li>\n<li><strong>F&uuml;nftens: Gehen Sie mit den von der EU und anderen internationalen Einrichtungen verordneten Reformen sorgf&auml;ltig d.h. z&ouml;gerlich und hinhaltend um.<\/strong> Es gibt sinnvolle Ver&auml;nderungen wie etwa der Kampf gegen die Korruption und der Aufbau einer unabh&auml;ngigen funktionierenden Justiz. Aber viele Reformauflagen von EU und IMF sind h&ouml;chst fragw&uuml;rdig. Sie sind von Interessen und von der neoliberalen Ideologie geleitet:\n<ul>\n<li><strong>Zum Beispiel die Auflage zur Privatisierung bisher &ouml;ffentliche Einrichtungen und &ouml;ffentlichen Unternehmen.<\/strong> Auch manche dieser Privatisierungen k&ouml;nnen sinnvoll sein, wenn es nicht um die Grundbed&uuml;rfnisse der Menschen geht und Wettbewerb nach der Privatisierung m&ouml;glich ist. Oft geht es aber bei der Privatisierung darum, privaten Interessenten den Zugang zu dann privaten Oligopolen oder Monopolen zu erm&ouml;glichen oder einfach nur Schn&auml;ppchen zur Verf&uuml;gung zu stellen. Das gilt generell f&uuml;r die heute zum Beispiel in Griechenland betriebenen Privatisierungen. Die Marktlage ist so schlecht, dass man f&uuml;r solche &ouml;ffentlichen Unternehmen nur einen schlechten Preis erzielt. Es wird also im konkreten Fall Volksverm&ouml;gen verschenkt. Darin kann ich keinen Sinn sehen.<\/li>\n<li><strong>Zum Beispiel die Privatfinanzierung von &ouml;ffentlichen Investitionen wie etwa Autobahnen.<\/strong> Bei uns hat der Rechnungshof festgestellt, dass diese Art von Privatfinanzierung in der Regel teurer ist als &uuml;ber &ouml;ffentliche Verschuldung. Aber die politisch Verantwortlichen haben sich an diese warnenden Analysen nicht gehalten und weiter privatisiert.<\/li>\n<li><strong>Zum Beispiel Arbeitsmarktreformen.<\/strong> Die De-facto-Streichung der Arbeitslosenversicherung und die gleichzeitige Einf&uuml;hrung von Leiharbeit und 1- Euro-Jobs hat in Deutschland zum Aufbau eines gro&szlig;en Niedriglohnsektors gef&uuml;hrt. Die schlecht bezahlten Arbeiter und Angestellten kommen mit dem Geld nicht aus, der Staat muss ihr Familieneinkommen aufstocken. Das sind absurde Entwicklungen und keinesfalls ein Vorbild.<\/li>\n<li><strong>Zum Beispiel die Privatisierung der Altersvorsorge.<\/strong> Das ist in Deutschland auf Betreiben der Versicherungswirtschaft und der Banken geschehen. Wir haben sogar &ouml;ffentlich gef&ouml;rderte Privatvorsorge-Modelle installiert, die so genannte Riester-Rente und die R&uuml;rup-Rente, und auch die so genannte Entgeltumwandlung zur F&ouml;rderung der betrieblichen Altersvorsorge. Das sind allesamt Flops. Risikoreich und teurer als die bisherige soziale Rentenversicherung. &ndash; Leider wird Ihnen die Geschichte dieser Privatvorsorge auch von Sozialdemokraten und Gewerkschaften anders erz&auml;hlt. Die SPD ist wie auch die CDU\/CSU, die FDP und die Gr&uuml;nen mit dieser Fehlentwicklung verfilzt. Eine Orgie der Propaganda &uuml;berlagert die n&uuml;chterne Analyse der besten Modelle f&uuml;r die Altersvorsorge. In Deutschland w&auml;re es jetzt notwendig, alle Mittel auf die Verbesserung der Leistungsf&auml;higkeit der gesetzlichen Rente zu konzentrieren. Das w&auml;re die effizienteste, die sicherste und die gerechteste L&ouml;sung f&uuml;r die Altersvorsorge.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li><strong>Kroatien ist nicht frei, um das zu tun, was im Interesse der eigenen Volkswirtschaft und der hier lebenden Menschen n&ouml;tig w&auml;re.<\/strong>\n<p>Sie sind abh&auml;ngig von der wirtschaftlichen Entwicklung in der Europ&auml;ischen Union, in anderen L&auml;ndern und ein St&uuml;ck weit auch von der Weltwirtschaft insgesamt.<br>\nUnd Sie werden obendrein beeinflusst und bedr&uuml;ckt von der in wichtigen Einrichtungen und Regierungszentralen herrschenden Ideologie. Das schl&auml;gt sich bei ihnen wie bei anderen L&auml;ndern Europas in Vorgaben zur Staatsverschuldung insgesamt und zur prozentualen Neuverschuldung im Jahr nieder, und au&szlig;erdem in der Verpflichtung zu den so genannten Reformen.<br>\nIch hatte zuvor vom Kampf der wirtschaftswissenschaftlichen oder wirtschaftspolitischen Ideologien gesprochen. Wir hatten das auch in den Zeiten einer aktiven Konjunkturpolitik und Besch&auml;ftigungspolitik in Deutschland immer wieder zu sp&uuml;ren bekommen. Auch wenn die Investitions- und Konjunkturprogramme zum Beispiel wie in den siebziger Jahren erfolgreich waren, lief die Agitation der neoliberalen Kr&auml;fte mit Vehemenz dagegen an: die Investitionsprogramme h&auml;tten nichts gebracht au&szlig;er Schulden, wir hatten &uuml;ber unsere Verh&auml;ltnisse gelebt, die L&ouml;hne und die Lohnnebenkosten seien zu hoch. Das war die Begleitmusik, der wir begegnen mussten.<br>\nInzwischen k&auml;mpft in Deutschland fast niemand mehr au&szlig;er einigen Wissenschaftlern und Publizisten. Die neoliberale Ideologie hat sich in der Europ&auml;ischen Union und auch in einzelnen L&auml;ndern durchgesetzt. In Deutschland, in Holland, jetzt auch in Frankreich:<\/p>\n<ul>\n<li>Austerit&auml;t statt Arbeit und Besch&auml;ftigung<\/li>\n<li>So genannte Reformen statt sozialer Sicherheit und Sozialstaatlichkeit.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dass diese wirtschaftspolitische und gesellschaftspolitische Linie die Szene beherrschen kann, ist nur m&ouml;glich geworden durch massive Propaganda und Lobbyarbeit. <\/p><\/li>\n<li><strong>Die Europ&auml;ische Union hat ein gutes Image. Sie &uuml;berlagert mit Propaganda und Lobbyarbeit, dass sie &uuml;ber weite Strecken versagt hat.<\/strong>\n<p>Das sage ich, obwohl ich ein gl&uuml;hender Anh&auml;nger der europ&auml;ischen Vereinigung bin. Ich sage auch nicht, dass Europa falsch ist, ich sage, dass dort die falsche Ideologie, eine heruntergekommene &ouml;konomische Wissenschaft und Lobbyisten herrschen.<br>\nSchauen Sie sich die Arbeitslosenziffern in Europa an. Hier die Werte f&uuml;r Februar 2014 in Prozent: Griechenland 27,5 %, Spanien 25,6 %, Kroatien 17,6 %, Gro&szlig;britannien 17,1 %, Portugal 15,3 %, Frankreich 10,4 %, usw. 11,9 % der Erwerbst&auml;tigen in den 18 Euro-L&auml;ndern waren im Februar arbeitslos, EU weit lag die Quote bei 10,6 %. Und in mehreren L&auml;ndern Europas liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei 50 % oder knapp darunter. &ndash; Sollen das Erfolge sein? Hat die europ&auml;ische Union das gute Image verdient? Nein, keineswegs. <\/p><\/li>\n<li><strong>Die Europ&auml;ische Kommission hat in der Konjunktur- und W&auml;hrungspolitik versagt. <\/strong>\n<p>Sie hat mit ihrer W&auml;hrungspolitik dabei versagt, die Entwicklung der Leistungsbilanzen der einzelnen europ&auml;ischen L&auml;nder im Lot zu halten, d.h. mittelfristig aneinander anzugleichen. Das w&auml;re wichtig. Dass die Leistungsbilanzdefizite und Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;sse auseinander laufen, dass Deutschland unentwegt Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;sse anh&auml;uft und andere Defizite anh&auml;ufen, was auf Dauer nicht geht und weder im Interesse Deutschlands und der anderen &Uuml;berschussl&auml;nder ist noch im Interesse der Defizitl&auml;nder, das konnte man vor 14 Jahren zu Beginn der gemeinsamen W&auml;hrungsunion wissen. <\/p><\/li>\n<li><strong>Die zust&auml;ndigen Kommissare haben diese Fehlentwicklung verschlafen. Und sie verschlafen sie noch immer.<\/strong>\n<p>Wo bleibt der Br&uuml;sseler Druck auf Deutschland, jetzt wenigstens eine innere Aufwertung zu betreiben. Das ist mittelfristig entscheidend f&uuml;r die Entwicklung Europas und auch f&uuml;r die Entwicklung der einzelnen Volkswirtschaften wie etwa der kroatischen Volkswirtschaft.<\/p>\n<p>Das totale Versagen ist propagandistisch &uuml;berlagert worden. Die notwendige Analyse der Fehlentwicklung wird mit einem falschen Vorschlag zugedeckt: Sie alle, die Franzosen, die Kroaten, die Spanier, die Italiener sollen sich so reformieren wie wir in Deutschland.<\/p><\/li>\n<li><strong>&Uuml;brigens: Zur Meinungsmache geh&ouml;rt auch die Erweiterungsstrategie.<\/strong> Wenn eine Einrichtung wie die Europ&auml;ische Union um neue Mitglieder wirbt und gro&szlig;e Verhandlungen &uuml;ber Assoziation und Beitritt f&uuml;hrt, dann insinuiert sie zugleich, dass die Mitgliedschaft in dieser Einrichtung begehrenswert sei, und damit auch, dass diese Einrichtung, die Europ&auml;ische Union, gut sei.\n<p>Mit der ihnen allen die Predigtenstandardempfehlung &bdquo;Reformen&ldquo; ich noch einmal bei der Lage in Deutschland.<\/p><\/li>\n<li><strong>Wer die Wirtschafts-, W&auml;hrungs- und Finanzpolitik Deutschlands f&uuml;r erfolgreich h&auml;lt, der ist auf zwei Augen blind und ein deutliches Opfer der Agitation:<\/strong>\n<p>Deutschland hat einen Niedriglohnsektor geschaffen, den &bdquo;besten&ldquo; in der Welt, wie der fr&uuml;here Bundeskanzler Gerhard Schr&ouml;der meint, und damit die Wettbewerbsf&auml;higkeit seiner Exportwirtschaft extrem erh&ouml;ht.  2013 erzielte Deutschland einen Leistungsbilanz&uuml;berschuss von rund 200  Milliarden  &euro;. Damit wurden wie mit den gesamten Exporten Arbeitspl&auml;tze in der Exportwirtschaft gesichert und neue geschaffen.<\/p>\n<p>Es wurde aber auch in etwa gleich gro&szlig;en Umfang <strong>Arbeitslosigkeit exportiert. Das deutsche Wirtschaftswunder ist auf Kosten der Arbeitsm&ouml;glichkeiten in anderen L&auml;ndern zu Stande gekommen.<\/strong><\/p><\/li>\n<li><strong>Damit bin ich bei der eingangs erw&auml;hnten Entsolidarisierung. Soll das der Geist des vereinigten Europas sein?<\/strong>\n<p>Offenbar ist der Ungeist der Entsolidarisierung durchaus verbreitet. Ich will Ihnen ein anderes Beispiel f&uuml;r die stattgefundene Entsolidarisierung nennen. Das betrifft das kroatische Volk direkt, wie auch die Spanier, die Griechen, die Portugiesen.<\/p>\n<p><strong>Abwerbung und Abwanderung junger Leute werden als vorteilhaft dargestellt<\/strong><\/p>\n<p>Ich zitiere zur Demonstration aus dem Heute Journal des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) vom 22. April 2014. Die Moderatorin Marietta Slomka hat damals folgendes gesagt: <\/p>\n<blockquote><p>\n<em>&bdquo;Viele Unternehmen in Deutschland suchen h&auml;nderingend Lehrlinge. In den s&uuml;deurop&auml;ischen Krisenl&auml;ndern wie Spanien und Portugal ist es genau umgekehrt. Dort suchen unz&auml;hlige Jugendliche verzweifelt einen Ausbildungsplatz. Also kam die Bundesregierung auf die Idee, den jungen S&uuml;deurop&auml;ern ein Hilfsangebot zu machen: Kommt nach Deutschland. Wir zahlen euch Anreise und Sprachkurse und Zusch&uuml;sse zum Lebensunterhalt. Im Prinzip eine feine Sache.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Und dann wird noch berichtet, dass das Geld zur F&ouml;rderung der Abwanderung aus Ihren L&auml;ndern und zur Integration bei uns nicht reicht. Und allein dieser Umstand wird kritisiert.<\/p>\n<p>Der entscheidende Punkt: F&uuml;r Spanien, Kroatien und andere betroffene L&auml;nder ist Abwerbung und Abwanderung keine &bdquo;feine Sache&ldquo;. Sie verlieren junge Menschen, die immerhin ein St&uuml;ck weit ausgebildet worden sind und die sie zur Entwicklung Ihres eigenen Landes und f&uuml;r Ihre eigene Gesellschaft br&auml;uchten. Aber wie Sie sehen, hat die egoistische Betrachtungsweise eines solchen Vorgangs schon so um sich gegriffen, dass dies bei uns sogar im &Ouml;ffentlichen-rechtlichen Rundfunk als selbstverst&auml;ndlich einsehbar verk&uuml;ndet und begr&uuml;&szlig;t wird. Und keiner kritisiert und protestiert, alle nicken.<\/p>\n<p>Es kommt noch ein weiteres Element wenig solidarischer Vorgehensweise hinzu, die die jetzige Entwicklung pr&auml;gt: Die Pl&uuml;nderung der Verm&ouml;genswerte in den L&auml;ndern mit schlechter &ouml;konomischer Entwicklung. Diese wird gef&ouml;rdert durch die erw&auml;hnten Privatisierungsauflagen, die in den Reformpaketen der Europ&auml;ischen Union, des Internationalen W&auml;hrungsfonds und der Weltbank regelm&auml;&szlig;ig mit verteilt werden.<\/p><\/li>\n<li><strong>Fazit: Der Raub von Verm&ouml;genswerten in den Krisenl&auml;ndern, der Export von Arbeitslosigkeit wie auch die &bdquo;freundliche&ldquo; &Uuml;bernahme gut ausgebildeter oder einfach nur aktiver junger Menschen in die &Uuml;berschussl&auml;nder sind das Gegenteil von europ&auml;ischer Solidarit&auml;t. Sie sind Zeichen brutale Ausbeutung, so h&auml;tte man das fr&uuml;her gesagt.<\/strong><\/li>\n<li><strong> Eine andere Politik Europas ist notwendig: weniger ideologisch, weniger von Interessen geleitet, solidarisch und vor allem sachlich vern&uuml;nftig. <\/strong>\n<p>Mittelfristig muss die europ&auml;ische Politik umgestaltet werden, durch &Auml;nderung ihrer Ideologie, durch Umdenken hin zu wirklich solidarischen Verhalten in Europa. Das verlangt, dass sich die heute von der falschen Politik betroffenen L&auml;nder zusammentun und sie sich nicht &uuml;berrollen lassen, weder von der Propaganda noch von einer falschen &ouml;konomischen Sicht der Dinge, also von einer miserablen Wissenschaft.<\/p>\n<p><strong>Wie die europ&auml;ische Politik aussehen m&uuml;sste:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Abstimmung der Makropolitik und vor allem der W&auml;hrungspolitik hin zu einem mittelfristigen Ausgleich der Leistungsbilanzsalden.<\/li>\n<li>Ein europ&auml;ischer Newdeal oder Marshallplan, dessen Hauptmerkmal die expansive Besch&auml;ftigungspolitik sein m&uuml;sste.<\/li>\n<li>Mehr Pluralit&auml;t bei der Gestaltung der Social Technique, also der gesellschaftlichen Regeln und Regelungen, zum Beispiel des Verh&auml;ltnissen von privater zu &ouml;ffentlicher Produktion, also der privaten oder solidarischen Vorsorge gegen die Risiken des Lebens wie Krankheit, Alter, Pflegebed&uuml;rftigkeit und Arbeitslosigkeit. Nach meiner Erfahrung ist die solidarische Regelung dieser Vorsorge in der Regel nicht nur sozialer, sondern auch billiger als die private Regelung. <\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Sie sollten, wenn Sie irgend k&ouml;nnen, skeptischer umgehen mit dem, was Ihnen in Br&uuml;ssel, Berlin und Washington empfohlen wird.<\/strong><\/p><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 8. Mai hatte ich in Zagreb eine Diskussion mit interessanten G&auml;sten der Friedrich Ebert Stiftung Zagreb. In Kroatien wie in anderen Staaten Europas kann man beobachten, dass die Idee von Europa und der Anspruch der Repr&auml;sentanten der Europ&auml;ischen Union einerseits und die wirkliche wirtschaftliche und soziale Entwicklung der V&ouml;lker Europas andererseits meilenweit auseinander liegen.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21783\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,123,20,157,30],"tags":[290,380,499,477,1151,1599],"class_list":["post-21783","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-kampagnentarnworteneusprech","category-landerberichte","category-wettbewerbsfaehigkeit","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-binnennachfrage","tag-export","tag-handelsbilanz","tag-keynesianismus","tag-konjunkturpolitik","tag-kroatien"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21783","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=21783"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21783\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21833,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21783\/revisions\/21833"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=21783"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=21783"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=21783"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}