{"id":218,"date":"2005-10-18T13:34:17","date_gmt":"2005-10-18T12:34:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=218"},"modified":"2016-03-03T10:57:15","modified_gmt":"2016-03-03T09:57:15","slug":"das-prinzip-aller-dinge-ist-das-wasser-denn-wasser-ist-alles-und-ins-wasser-kehrt-alles-zuruck-thales-von-milet-625-547-v-chr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=218","title":{"rendered":"Das Prinzip aller Dinge ist das Wasser, denn Wasser ist alles und ins Wasser kehrt alles zur\u00fcck (Thales von Milet 625-547 v. Chr.)"},"content":{"rendered":"<p>Von Christine Wicht und Carsten Lenz.<br>\n<!--more--><br>\nAls 2003 die Sonde Spirit auf dem Mars landete, um dort Proben zu entnehmen, war eine der wichtigsten Aufgaben der Mission die Suche nach Hinweisen auf Wasser. Nur wenn es Wasser auf dem roten Planeten Wasser g&auml;be &ndash; so die &Uuml;berlegung &ndash; k&ouml;nne sich dort auch Leben entwickelt haben. Auch auf der Erde bildet Wasser Grundlage allen Lebens. Obwohl zwei Drittel der Erdoberfl&auml;che von Wasser bedeckt sind, ist es ein knappes Gut. Denn nur etwa 3 % der globalen Wassermenge besteht aus S&uuml;&szlig;wasser. Drei Viertel davon sind in Gletschern und im Polareis gespeichert. Lebewesen haben also nur zu einem kleinen Teil des Wassers Zugang, von dem ihre Existenz abh&auml;ngt. <\/p><p>Drei bis vier Liter Trinkwasser ben&ouml;tigt der Mensch, rein biologisch gesehen, t&auml;glich zum &Uuml;berleben. Die Weltgesundheitsorganisation geht von einem Bedarf von 20 Litern pro Tag f&uuml;r Trinkwasser, Hygiene, Waschen und Kochen aus. Wasser ist ein Grundbed&uuml;rfnis und eine Voraussetzung f&uuml;r menschliche Entwicklung. Viele der ersten Hochkulturen der Menschheit errichteten raffinierte Systeme zur Verteilung und Bewirtschaftung von Wasser. Bis heute hat sich die Idee gehalten, dass eine menschliche Gesellschaft ihre Mitgliedern mit diesem essentiellen Lebensmittel in ausreichender Menge und Qualit&auml;t versorgen muss. <\/p><p>In Deutschland kommt dieser Anspruch in der Vorstellung zum Ausdruck, dass der Staat f&uuml;r die Daseinsvorsorge einzustehen habe. Daseinsvorsorge beinhaltet, grundlegende Leistungen wie z.B. Trinkwasser in gleichbleibend hoher Qualit&auml;t, fl&auml;chendeckend und zuverl&auml;ssig allen B&uuml;rgern sozial gerecht und diskriminierungsfrei zur Verf&uuml;gung zu stellen. Die &ouml;ffentliche Hand verfolgt dabei keine Gewinninteressen, sondern zielt auf eine nachhaltige Sicherung der Lebensgrundlagen f&uuml;r alle und gew&auml;hrleistet so die Einhaltung hoher Standards der Hygiene des Gesundheits- und Umweltschutzes. Sinn und Zweck dieser staatlichen Leistung ist die gesellschaftliche Gleichstellung aller B&uuml;rger. Die Daseinsvorsorge ist ein kostenintensiver Aufgabenbereich der &ouml;ffentlichen Hand, nicht weil der Staat unwirtschaftlich arbeitet, sondern weil er den sozialen Aspekt der Gleichbehandlung und der Nachhaltigkeit &uuml;ber jede Gewinnmaximierung stellt. <\/p><p>Weltweit herrscht schon jetzt eine enorme Ungleichheit bei der Verf&uuml;gbarkeit von Wasser. In Deutschland liegt der Wasserverbrauch bei knapp 130 Litern pro Tag, in Indien 25 bei Litern, in den USA bei 295 Litern und in Afrika durchschnittlich bei 50 bei Litern. Aus Mangel an Wasser entstehen weltweit Konflikte, wie etwas zwischen Israel und Pal&auml;stina &uuml;ber das Wasser im Jordanbecken oder zwischen der T&uuml;rkei, Syrien und dem Irak &uuml;ber das Wasser von Euphrat und Tigris. Das ostanatolische Staudammprojekt GAP (G&uuml;neydogu Anadolu Projes), welches 22 Staud&auml;mme und 19 Wasserkraftwerke umfasst, sorgt international f&uuml;r heftige Diskussionen. F&uuml;r das gigantische Projekt sollen 1,7 Millionen Hektar Land bew&auml;ssert werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem <a href=\"http:\/\/www.weed-online.org\/themen\/71394.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.weed-online.org\/themen\/71394.html\">Ilisu-Staudamm<\/a>, er gr&auml;bt den Nachbarstaaten Syrien und Irak das Wasser ab, die von den Fl&uuml;ssen Eurphrat und Tigris abh&auml;ngig sind. <\/p><p>1,2 Milliarden Menschen &ndash; ein Sechstel der Weltbev&ouml;lkerung &ndash; haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Dabei ist fehlender Zugang zu sauberem Wasser eine der wichtigsten Ursachen f&uuml;r Krankheiten. Andererseits werden zur Produktion eines einzigen Autos 400.000 Liter Wasser ben&ouml;tigt, zur Bew&auml;sserung eines 18-Loch-Golfplatzes bis zu 2.3 Millionen Liter &ndash; pro Tag. Mit zunehmender Industrialisierung aber auch mit intensiver Landwirtschaft steigt der Wasserverbrauch. Rund 70 % des Wasserverbrauchs weltweit gehen auf die Landwirtschaft zur&uuml;ck. 40% der Lebensmittel werden nach Angaben der Ern&auml;hrungsorganisation der Vereinten Nationen auf k&uuml;nstlich bew&auml;sserten Feldern hergestellt. Zudem gelangen durch Intensivlandwirtschaft gro&szlig;e Mengen D&uuml;nger und Pestizide in B&ouml;den und somit ins Grundwasser.<br>\nGerade weil die Versorgung mit Wasser ein Grundbed&uuml;rfnis aller Menschen und eine treibende Kraft der modernen wirtschaftlichen Entwicklung ist, lockt auch das Gesch&auml;ft mit dem Wasser. je knapper diese wichtigsten Ressource der Menschheit durch Verschmutzung und Verschwendung wird, um so gr&ouml;&szlig;er versprechen die Gewinne derjenigen zu werden, die in Zukunft &uuml;ber das blaue Gold verf&uuml;gen. Ein Tropfen Wasser vermag die Welt zu spiegeln. Mit viele Tropfen lassen sich Politik und Gesch&auml;fte machen.<\/p><p>Lebensmittelkonzerne wie Nestl&egrave; (mit den Marken Perrier, Contrex, Vittel), Danone (Evian) und Hindustan Lever (eine Tochter von Unilever auf dem indischen Markt) kontrollieren einen gro&szlig;en Teil des globalen Marktes f&uuml;r in Flaschen und Kanister abgef&uuml;lltes Wasser. Weltweit w&auml;chst der Absatz von Flaschenwasser j&auml;hrlich um mehr als 10%. Gesch&auml;fte lassen sich sowohl in den reichen Industriel&auml;ndern als auch in der dritten Welt machen. Hier profitieren die global agierende Unternehmen davon, dass es in vielen Staaten keine funktionierende &ouml;ffentliche Wasserversorgung f&uuml;r den B&uuml;rgern gibt. Nestl&egrave; hat beispielsweise die Marke &ldquo;Pure Life&rdquo; als relativ g&uuml;nstiges Wasser f&uuml;r die &auml;rmere Bev&ouml;lkerung auf den Markt gebracht. Dennoch stellt f&uuml;r die Menschen in armen L&auml;ndern Flaschenwasser oft einen kaum bezahlbaren Luxus dar. In den reichen L&auml;ndern wird dagegen offen ein aufwendiges Marketing f&uuml;r Flaschenwasser als &ldquo;In-Getr&auml;nk&rdquo; und Luxusprodukt in edler Verpackung betrieben. Denn paradoxer Weise l&auml;sst sich Mineralwasser in Flaschen besonders erfolgreich in L&auml;ndern mit guter Leitungswasserqualit&auml;t verkaufen, wie beispielsweise in Deutschland. Die Werbung suggeriert mit Bildern von nat&uuml;rlichen Quellen und unber&uuml;hrten Landschaften, dass Flaschenwasser umweltfreundlich, besser und vor allem ges&uuml;nder sei als Leitungswasser. Das entspricht jedoch h&auml;ufig nicht der Wahrheit, insbesondere bei weltweit vertriebenem Tafelwasser. <\/p><p>Der Worldwide Fund for Nature (WWF) hat 2001 errechnet, dass die Wasserindustrie j&auml;hrlich 1,5 Millionen Tonnen Kunststoff f&uuml;r die Herstellung von Wasserflaschen ben&ouml;tigt, bei deren Entsorgung giftige Chemikalien entstehen, die die Umwelt belasten. Ein Gro&szlig;teil des Flaschenwassers wird f&uuml;r Exportm&auml;rkte abgef&uuml;llt, beim aufw&auml;ndigen Transport um den halben Globus wird weitere Energie verbraucht, und es entstehen zus&auml;tzliche Emissionen. Vor allem dort, wo der B&uuml;rger aus dem &ouml;ffentlichen Leitungsnetz Wasser von guter Qualit&auml;t beziehen kann, ist der Kauf von Flaschenwasser eigentlich &uuml;berfl&uuml;ssig. Vor einiger Zeit haben die M&uuml;nchner Stadtwerke damit geworben, dass eine Kiste Wasser nur 17 Pfennige kosten w&uuml;rde, wenn man die Flaschen mit Wasser aus dem st&auml;dtischen Leitungsnetz bef&uuml;llen w&uuml;rde. Viele B&uuml;rger kaufen seitdem kein Wasser in Flaschen mehr. <\/p><p>Man kann au&szlig;erdem daran zweifeln, dass Flaschenwasser in jedem Fall ges&uuml;nder ist als Leitungswasser. Der Coca-Cola Konzern vertreibt Tafelwasser u.a. unter den Namen Bonaqua und Kinley. Es handelt sich dabei um speziell aufbereitetes Wasser, das in allen L&auml;ndern der Erde, unabh&auml;ngig von der Wasserqualit&auml;t der Quelle, gleich schmecken muss. Dieser Anspruch ist nur durch eine besondere Behandlung des Wassers zu erf&uuml;llen.<\/p><p>Coca-Cola hat im Jahr 2003 mit der Abf&uuml;llung von Wasser im indischen Plachimada (Kerala) f&uuml;r Unmut in der Bev&ouml;lkerung gesorgt. Das Unternehmen entnahm zur Abf&uuml;llung enorme Wassermengen, was zur Austrocknung der &ouml;rtlichen Brunnen f&uuml;hrte. Die &ouml;rtlichen Bauern waren nicht mehr in der Lage, ihre Felder zu bew&auml;ssern. Coca-Cola ist so unter der Bev&ouml;lkerung in Kerala zum Symbol f&uuml;r r&uuml;cksichtslose Ausbeutung nat&uuml;rlicher Ressourcen und die Zerst&ouml;rung der Lebensgrundlagen geworden. (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/pt\/2005\/03\/11.1\/mondeText.artikel,a0039.idx,10\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.taz.de\/pt\/2005\/03\/11.1\/mondeText.artikel,a0039.idx,10\">www.taz.de<\/a>) <\/p><p>Noch lukrativer als das Gesch&auml;ft mit dem Flaschenwasser wird f&uuml;r die Wasserkonzerne in Zukunft wohl die &Uuml;bernahme der gesamten Wasserversorgung sein. Weltweit verfolgen diese Konzerne unter dem Stichwort &ldquo;Liberalisierung der Wasserm&auml;rkte&rdquo; eine Strategie der Privatisierung bisher &ouml;ffentlicher Wasserversorgung. Besonders aktiv sind dabei die drei gro&szlig;en globalen Wasserkonzerne: Veolia Water, Suez und RWE AG. &Uuml;berall auf der Welt erwerben sie Quellen und Versorgungsnetze f&uuml;r Wasser. Auch in Deutschland geben immer mehr Kommunen die &ouml;ffentliche Wasserversorgung auf und verkaufen ihre Stadtwerke an private Unternehmen. So hat im Jahr 1999 beispielsweise das Land Berlin einen Teil seiner Wasserbetriebe an ein Konsortium aus RWE, Veolia und Allianz <a href=\"http:\/\/www.all4all.org\/2002\/08\/170.shtml\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.all4all.org\/2002\/08\/170.shtml\">verkauft<\/a>, samt staatlich garantierter j&auml;hrlicher Kapitalverzinsung von 9% f&uuml;r das Konsortium. <\/p><p>Grund f&uuml;r den Ausverkauf ist h&auml;ufig, dass durch die gegenw&auml;rtige Steuer- und Sozialpolitik den St&auml;dten und Gemeinden die Einnahmen wegbrechen, so dass f&uuml;r die Finanzierung der Daseinsvorsorge das Geld fehlt. Zum zweiten ist aber auch immer wieder das Argument zu h&ouml;ren, private Anbieter arbeiteten effizienter und somit w&uuml;rde der B&uuml;rger als Verbraucher und Steuerzahler von der Liberalisierungspolitik profitieren. Dass das jedoch nicht stimmt, zeigt weltweit die Erfahrung mit der Privatisierung der &ouml;ffentlichen Wasserversorgung. <\/p><p>Beispielsweise in Gro&szlig;britannien: Im Jahr 2000 hat der deutsche Anbieter RWE den englischen Wasseranbieter Thames Water <a href=\"http:\/\/www.attac.de\/gats\/wasser\/wassermarkt\/rwe.php\" title=\"http:\/\/www.attac.de\/gats\/wasser\/wassermarkt\/rwe.php\">&uuml;bernommen<\/a> und ist seitdem Marktf&uuml;hrer in Gro&szlig;britannien. Um Kosten zu sparen wurden Investitionen in das bereits marode Leitungsnetz unterlassen, mit der Folge, dass erhebliche Mengen Trinkwasser in der Erde versickern. RWE wurde bereits mehrmals wegen Vertragsbruchs verklagt, f&uuml;r den Konzern ist es aber g&uuml;nstiger die Strafen zu zahlen als zu investieren. Die K&uuml;rzung der Investitionen f&uuml;hrte auch dazu, dass sich Keime im Trinkwasser bildeten und sich Krankheiten wie Ruhr und Hepatitis ausbreiteten. Das Leitungswasser musste massiv gechlort werden. Zum Trinken und zur Nahrungszubereitung war das Wasser vielfach nicht mehr geeignet, die B&uuml;rger waren gezwungen teures Flaschenwasser zu kaufen. Zudem ist der Wasserpreis in Gro&szlig;britannien gravierend um 33% angestiegen. Familien, die nicht mehr in der Lage waren die &uuml;berh&ouml;hte Wassergeb&uuml;hr zu zahlen, wurde kurzerhand der Hahn zugedreht. Als eine absurde Besonderheit der Wasserprivatisierung in Gro&szlig;britannien, ist das Sammeln von Regenwasser in Wales verboten. Bauern m&uuml;ssen nun eine Abgabe auf Regenwasser zahlen, um den entgangener Gewinn f&uuml;r den privater Wasseranbieter auszugleichen.<\/p><p>Noch drastischer sind die <a href=\"http:\/\/www.umwelt.org\/robin-wood\/german\/magazin\/200303\/artikel1.htm\" title=\"http:\/\/www.umwelt.org\/robin-wood\/german\/magazin\/200303\/artikel1.htm\">Folgen der Privatisierungspolitik<\/a> in den &auml;rmeren L&auml;ndern. In der s&uuml;dafrikanischen Stadt Durban tranken die Bewohner in ihrer Not das Wasser aus &ouml;ffentlichen Toiletten, weil sie von der Wasserversorgung aus Kostengr&uuml;nden abgeschnitten wurden. Daraufhin stieg die Zahl der Erkrankungen an Cholera und Typhus. &Auml;hnliche Geschichten lie&szlig;en sich aus vielen St&auml;dten und L&auml;ndern der Welt erz&auml;hlen, in denen Wasser zu einer Handelsware geworden ist: aus Ghana, Brasilien, Mexiko und Indien, aus Buenos Aires, Grenoble, Atlanta usw..<\/p><p>Die Politik der Privatisierung und Liberalisierung zugunsten internationaler Wasserkonzerne wird auf vielen politischen Ebenen vorangetrieben. Au&szlig;er einzelnen Staaten setzen sich auch internationale Organisationen daf&uuml;r ein. So unternimmt etwa die EU immer wieder Versuche, den Wassermarkt innerhalb Europas zu liberalisieren. &Ouml;ffentliche Beihilfen f&uuml;r Wasserversorger stehen bei der Europ&auml;ischen Kommission unter dem Generalverdacht, die M&auml;rkte zu verzerren. Die Kommission strebt daher ihre weitgehende Abschaffung an und gef&auml;hrdet so die &ouml;ffentliche Gew&auml;hrleistung einer qualitativ hochwertigen Versorgung f&uuml;r alle. Dar&uuml;ber hinaus gibt es in der EU Bestrebungen, die Kommunen zur &ouml;ffentlichen Ausschreibung von Auftr&auml;gen f&uuml;r die Bereitstellung von Trinkwasser zu zwingen. Damit w&auml;re der Markt f&uuml;r private Anbieter ge&ouml;ffnet. Auch wenn im Hinblick auf die Wasserversorgung bisher diese Versuche erfolgreicher abgewehrt werden konnten als in anderen Bereichen der Daseinsvorsorge, muss man die Politik der Europ&auml;ischen Union im Auge behalten. Das gilt vor allem deshalb, weil die EU sich im internationalen Handelsrecht als die treibende Kraft f&uuml;r eine weitere Liberalisierung der Wasserm&auml;rkte profiliert. <\/p><p>Die Europ&auml;ische Kommission f&uuml;hrt im Auftrag der EU-Mitgliedstaaten die Verhandlungen f&uuml;r das Allgemeines Abkommen &uuml;ber den Handel mit Dienstleistungen (engl.: General Agreement on Trade in Services, kurz GATS). Dabei handelt es sich um einen der wichtigsten internationalen Handelsvertr&auml;ge im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO. GATS bildet ein Rahmenwerk zur Liberalisierung des internationale Handels und sieht vor, dass mehr als 150 Sektoren des Dienstleistungsbereichs f&uuml;r den Weltmarkt ge&ouml;ffnet werden sollen. Darunter f&auml;llt auch die Wasserversorgung. Sobald in einem bestimmten Bereich die &ouml;ffentliche Hand in Konkurrenz zu einem privaten Anbieter steht, findet das GATS Anwendung. Das bedeutet, dass staatliche Unterst&uuml;tzungen in gleichem Ma&szlig;e profitorientierten Anbietern gew&auml;hrt werden m&uuml;ssen wie den Unternehmen der &ouml;ffentlichen Hand. Damit werden die &ouml;ffentlichen Dienste unter scharfen Wettbewerbsdruck gesetzt. Dar&uuml;ber hinaus verbietet die GATS-Bestimmung des &bdquo;unbeschr&auml;nkten Marktzugangs&ldquo; beispielsweise einer Kommune, die H&ouml;he privater Beteiligungen an den Stadtwerken auf unter 50% zu begrenzen und damit die Kontrolle &uuml;ber das Wasser zu behalten. Die EU setzt sich in den internationalen Verhandlungen zur Weiterentwicklung des GATS insbesondere daf&uuml;r ein, dass Entwicklungsl&auml;nder ihre M&auml;rkte f&uuml;r die europ&auml;ischen Wasserkonzerne &ouml;ffnen.<\/p><p>Auch die Entwicklungspolitik wird als Hebel benutzt, um international die Privatisierung und Liberalisierung der Wasserversorgung durchzusetzen. Internationaler W&auml;hrungsfond und Weltbank fordern als wichtige Kreditgeber den freien Waren- und Dienstleistungsverkehr, Wettbewerbsorientierung, vor allem aber auch die Deregulierung und Privatisierung &ouml;ffentlicher Aufgaben. Als Vorwand dient dabei die Schuldenreduzierung mit Hilfe von Strukturanpassungsprogrammen. Kredite werden nur unter der Bedingung vergeben, dass sich die Staaten vorher einer eingehenden Pr&uuml;fung durch den IWF unterziehen und die Umsetzung eines Strukturanpassungsprogramms zusagen (siehe <a href=\"?p=194\">NachDenkSeiten vom 19.06.2005<\/a>). Dieses sieht beinahe immer ein Zur&uuml;ckdr&auml;ngen des Staates und die Privatisierung &ouml;ffentlicher Unternehmen vor. Auf diese Weise werden Auftr&auml;ge f&uuml;r Unternehmen und Investitionen aus den reichen Industriel&auml;ndern erm&ouml;glicht. International operierende Unternehmen &uuml;bernehmen den Markt. Die betroffenen Menschen in den Empf&auml;ngerl&auml;ndern haben praktisch keinen Einfluss auf die beschlossenen Ma&szlig;nahmen. Die Bed&uuml;rfnisse der Bev&ouml;lkerung bleiben dabei auf der Strecke. <\/p><p>Ein besonders drastisches Beispiel daf&uuml;r ist die Privatisierung der Wasserversorgung in der bolivianischen Stadt Cochabamba. Im Jahr 1998 hatte die Weltbank einen 25 Millionen US-Dollar-Kredit f&uuml;r Investitionen in die Wasserwerke von Cochabamba an die Bedingung einer Privatisierung der Wasserversorgung gekn&uuml;pft. Weitere Bedingungen waren die Umlage der gesamten Kosten auf die Verbraucher und eine Koppelung des Wasserpreises an den US-Dollar. Vor allem durfte der Kredit nicht mehr zur Subventionierung der Wasserversorgung f&uuml;r die arme Bev&ouml;lkerung verwendet werden. Das US-amerikanische Unternehmen Aguas del Tunari, eine Tochtergesellschaft des US-amerikanischen Bau- und Wasserkonzerns Bechtel, hatte den Zuschlag bekommen und &uuml;bernahm die Wasserwerke von Cochabamba. Kurz darauf stiegen die Wasserpreise sprunghaft um sagenhafte 35% an. F&uuml;r die Verbraucher war es bei einem Durchschnittseinkommen von 100 Dollar pro Monat nicht mehr m&ouml;glich, den utopischen Wasserpreis von 20 US Doller zu bezahlen. Die betroffenen B&uuml;rger gingen auf die Stra&szlig;en und setzten sich daf&uuml;r ein, die Wasserversorgung wieder dem Staat zu &uuml;bertragen. Die Demonstrationen nahmen ein Ausma&szlig; an, dass der Ausnahmezustand verh&auml;ngt werden musste. Erst der Tod eines 17-j&auml;hrigen Jungen f&uuml;hrte zum Einlenken und zur R&uuml;cknahme des Vertrags mit Bechtel. Diese Firma verklagte daraufhin die bolivianische Regierung auf 25 Mio. US Dollar wegen der entgangenen Gewinne. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.wsfw.org\/cms_de\/read_d.php?id=15\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.wsfw.org\/cms_de\/read_d.php?id=15\">www.wsfw.org<\/a>) <\/p><p>Auf dem Sozialforum in Porto Alegre im Jahr 2002 wurde eine Wassererkl&auml;rung abgegeben: &bdquo;Das Wasser geh&ouml;rt allen Lebewesen auf der Erde und darf deshalb nicht als eine Ware behandelt werden.&ldquo; Gerade weil die Versorgung mit Wasser ein Grundbed&uuml;rfnis aller Menschen ist, lockt auch das Gesch&auml;ft mit dem Wasser. Je knapper diese wichtigste Ressource der Menschheit wird, um so gr&ouml;&szlig;er wird das Interesse am blauen Gold. Um eine nachhaltige Versorgung und gerechte Verteilung auch f&uuml;r die n&auml;chsten Generationen zu sichern, bedarf es k&uuml;nftig eines grundlegenden Umdenkens beim Umgang mit Wasser. Dazu geh&ouml;rt vor allem eine neue Wertsch&auml;tzung des Wassers als gemeinsames Gut. Wasser ist ein Menschrecht und darf nicht Gewinninteressen zum Opfer fallen. Die Privatisierungspolitik hat wie in den o.g. Beispielen gezeigt wurde, f&uuml;r die B&uuml;rger nicht zu einer Verbesserung von Versorgung, Qualit&auml;t und Preis gef&uuml;hrt, deshalb ist eine Abkehr von der Privatisierung des Wassersektors hin zu einer Versorgung durch die &ouml;ffentliche Hand anzustreben. Dabei ist es wichtig die GATS-Verhandlungen zu verfolgen und &ouml;ffentlich zu diskutieren, damit das Wasser nicht zu einer Handelsware werden kann.\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Christine Wicht und Carsten Lenz. <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[28,178,150],"tags":[1302,233,1612,1000,335],"class_list":["post-218","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-privatisierung","category-ressourcen","category-verbraucherschutz","tag-daseinsvorsorge","tag-marktliberalismus","tag-rwe","tag-veolia","tag-wasserversorgung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/218","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=218"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/218\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31770,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/218\/revisions\/31770"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=218"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=218"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=218"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}