{"id":21804,"date":"2014-05-22T18:27:38","date_gmt":"2014-05-22T16:27:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21804"},"modified":"2015-10-22T15:23:17","modified_gmt":"2015-10-22T13:23:17","slug":"kann-man-steinmeier-trauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21804","title":{"rendered":"Kann man Steinmeier trauen?"},"content":{"rendered":"<p>Ist Steinmeier der Vermittler in der Ukraine und im Konflikt mit Russland, als der er erscheint? Wie ist er gesellschaftspolitisch einzuordnen? Der pure Neoliberale? Oder wenigstens ein bisschen vom fr&uuml;herem sozialdemokratischen Geist gepr&auml;gt? Diese Fragen stellen sich angesichts der Macht und des Einflusses des deutschen Au&szlig;enministers. Ich will versuchen, sachlich abzuw&auml;gen, und m&ouml;chte anregen, dass Sie diese Fragen im Blick behalten, wenn Sie weiter verfolgen, was Steinmeier tut und sagt. Ich pers&ouml;nlich komme leider zum Schluss: Man kann ihm nicht trauen. Warum? Von <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong><br>\n<!--more--><br>\n<strong>Positiv<\/strong><\/p><p>zun&auml;chst einmal: Der kr&auml;ftezehrende Einsatz f&uuml;r Vermittlung im Konflikt in der Ukraine. Steinmeiers Reisediplomatie kostet Kraft und ist manchmal sogar riskant. Bewundernswert.<\/p><p><strong>Warum trotzdem Zweifel an Steinmeiers Lauterkeit nahe liegen. Symptome:<\/strong><\/p><ol>\n<li>Steinmeier verhandelt zusammen mit dem polnischen und franz&ouml;sischen Au&szlig;enminister mit dem damaligen ukrainischen Pr&auml;sidenten Wiktor Janukowytsch, mit Klitschko und Vertretern das Maidan. Die Vereinbarung h&auml;lt gerade mal eine Nacht. &ndash; Steinmeier musste wissen, dass die Vereinbarung nicht h&auml;lt, weil nicht alle Kr&auml;fte des Maidan dazu stehen. Er hat hinterher auch nicht auf Einhaltung dessen gepocht, was verabredet war und was die plurale Weiterentwicklung in der Ukraine erhalten sollte. Steinmeier hat nicht widersprochen, als die Schuld am Bruch der Vereinbarung in den westlichen Medien und von der westlichen Politik wesentlich dem fl&uuml;chtenden Pr&auml;sidenten zugeschrieben wurde. Er sei abgehauen, hie&szlig; es. Mein Eindruck: Steinmeier kannte das Prozedere. Er kannte die Vorbereitungsarbeiten f&uuml;r die von den USA propagierte Macht&uuml;bernahme durch den jetzigen Ministerpr&auml;sidenten Arsenij Jazenjuk. Er kannte den Einfluss des US-Vizepr&auml;sidenten Biden. Steinmeier spielte die Rolle des Vermittlers und damit eine Figur auf dem Schachbrett &ndash; eben viel weniger eigenst&auml;ndiger Akteur als eingesetzte Figur.<\/li>\n<li>Das wird jetzt wieder best&auml;tigt durch die Begr&uuml;ndung f&uuml;r Steinmeiers Vermittlungsaktivit&auml;ten zwischen der Regierung in Kiew, den Separatisten im Osten und Russland. Auffallend oft und wiederkehrend wird als Begr&uuml;ndung von ihm genannt: Hauptsache sei es, die Wahlen am 25. Mai durchzuf&uuml;hren, damit dann eine legitimierte Regierung in der Ukraine zu Stande kommt. Genau darauf werden sich dann die USA und ihre Vertreter in Kiew berufen. Damit wird vergessen gemacht, dass die jetzige Regierung und auch der jetzige Pr&auml;sident keine verfassungsgem&auml;&szlig;e Legitimation haben. Nicht der Ausgleich der verschiedenen Richtungen und Gruppen in der Ukraine ist das Ziel sondern der Durchbruch f&uuml;r die Kr&auml;fte des so genannten Westens.<\/li>\n<li>Steinmeier hat vor kurzem den Oligarchen Armatow getroffen. Dieser hat jetzt seine 300.000 Arbeiter und Angestellten gegen die Separatisten mobil gemacht.<\/li>\n<li>Steinmeier hat nie die Grundsatzfrage angesprochen, ob es nach den Erfolgen der Entspannungspolitik im Jahre 1990 sinnvoll sein k&ouml;nnte, mit einer neuen Konfrontation zwischen Russland und dem so genannten Westen zu beginnen. Wenn er die neue Konfrontation nicht gemocht h&auml;tte, dann h&auml;tte er als Au&szlig;enminister schon in der fr&uuml;heren gro&szlig;en Koalition von 2005-2009 und auch jetzt wieder dagegen angehen m&uuml;ssen. Die Absichten der USA unter der Pr&auml;sidentschaft von George W. Bush und der rechts konservativen Kreise in den USA in Zeiten der Regierung Obama konnten ihm nicht verborgen bleiben. Er h&auml;tte zum Wortf&uuml;hrer des Widerstands gegen diese neue Konfrontation und dem Versuch der Destabilisierung Russlands werden m&uuml;ssen.<\/li>\n<li>Steinmeier geh&ouml;rt zum Drei-Gespann jener deutschen Politiker die im Zusammenhang mit der Sicherheitskonferenz in M&uuml;nchen Ende Januar\/Anfang Februar 2014 auf gr&ouml;&szlig;ere internationale Verantwortung, was im konkreten Fall gr&ouml;&szlig;ere milit&auml;rische Verantwortung hei&szlig;t, eingeschworen wurden. Au&szlig;er ihm noch Bundespr&auml;sident Gauck und Verteidigungsministerin von der Leyen.<\/li>\n<li>Steinmeier hat keinerlei Sinn daf&uuml;r, dass Menschen ihm misstrauen und seine Vermittlungsaktionen f&uuml;r aufgesetzt halten und ihn deshalb einen Kriegstreiber nennen. Er f&uuml;hlt sich getroffen durch das Misstrauen und wirkt an vorderster Front an der Diskreditierung der Montagsdemonstrationen mit. Er schreit die Zweifler nieder, vermutlich weil sie ihn durchschauen. Siehe dazu das <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=AX5m5swD-QU\">ber&uuml;hmt ber&uuml;chtigte Video vom vergangenen Montag<\/a>. Eine gro&szlig;e Mehrheit von Medien spendet ihm Applaus f&uuml;r diesen Auftritt.<\/li>\n<\/ol><p><strong>Misstrauen wegen Steinmeiers gesellschaftspolitischen Positionen &ndash; daf&uuml;r nur zwei Belege:<\/strong><\/p><ol>\n<li>Steinmeiers ausgesprochen fragw&uuml;rdige Einstellung zu &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo;. Er hat offensichtlich nie verstanden, dass dies &Auml;quivalente f&uuml;r die soziale Sicherheit der arbeitenden Menschen sind oder macht sich die Strategie der neoliberalen Bewegung zu eigen, die angeblich hohen Lohnnebenkosten zu beklagen, sie abzusenken und damit die Sozialstaatlichkeit der Erosion preiszugeben. Im Kanzleramtpapier vom Dezember 2002, damals war Steinmeier Chef des Bundeskanzleramtes und damit auch verantwortlich f&uuml;r dieses Papier, wird der Glaube an die erl&ouml;sende Wirkung von Reformen, die die Lohnnebenkosten verringern, geradezu klassisch wiedergegeben:<br>\n<blockquote><p>&bdquo;Wie sch&auml;dlich steigende Lohnnebenkosten sind, zeigt die Entwicklung seit der Wiedervereinigung: 1990 betrugen die Beitragss&auml;tze zur Sozialversicherung noch 35,5%. Bis 1998 waren sie auf den historischen H&ouml;chstwert von 42% gestiegen. Im gleichen Zeitraum ist die Arbeitslosigkeit von 2,6 Mio. auf 4,28 Mio. Arbeitslose im Jahresdurchschnitt gestiegen. Die Zahl der Erwerbst&auml;tigen ging von 38,5 Mio. auf 37,2 Mio. in 1997 zur&uuml;ck.<\/p>\n<p>Deswegen &hellip; ist eine der Kernstrategien der Bundesregierung die auf eine Absenkung der Lohnebenkosten abzielende Modernisierung der sozialen Sicherungssysteme.&ldquo;<\/p><\/blockquote>\n<p>So ist es dann gekommen. Die Agenda 2010 ist auch Steinmeiers Werk. Die Grundlage war ein wahrlich einf&auml;ltiges Verst&auml;ndnis von den Ursachen der Arbeitslosigkeit und der Bedeutung der Lohnnebenkosten, n&auml;mlich der Beitr&auml;ge f&uuml;r die Sozialversicherungen.<\/p><\/li>\n<li>Ein noch besseres Zeugnis der gesellschaftspolitischen Grundeinstellung von Steinmeier war seine Rede vor dem Arbeitgeberverband im November 2013. Wir haben damals in den NachDenkSeiten sowohl seine Rede als Video wiedergegeben, als auch schriftlich die wichtigsten Passagen ins Netz gestellt. Siehe <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19409\">hier<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=19482\">hier<\/a>. Wer Steinmeier durchschauen will, sollte sich mit diesen Dokumenten besch&auml;ftigen.<\/li>\n<\/ol><p><strong>Es gibt noch einige andere Ereignisse, die erkennen lassen, dass Steinmeier kein unabh&auml;ngiger Sozialdemokrat ist, sondern eher ein gesteuerter Fremdk&ouml;rper.<\/strong> Dies muss nicht schon immer so gewesen sein. Es kann die Folge seiner siebenj&auml;hrigen T&auml;tigkeit als Koordinator der Geheimdienste sein.<\/p><p><strong>Auff&auml;lligkeiten:<\/strong><\/p><ol>\n<li>Steinmeier wurde 2005 und dann wieder 2013 Bundesau&szlig;enminister, ohne dass es dar&uuml;ber in der SPD eine dem Amt angemessene Diskussion gab.<\/li>\n<li>Steinmeier wurde 2009 ohne Diskussion wieder zum Fraktionsvorsitzenden nominiert und gew&auml;hlt, obwohl er mit 23 % f&uuml;r die SPD diese auf einen historischen Tiefstand gebracht hat.<\/li>\n<li>Der Wahlabend nach der Bundestagswahl 2009 war auffallend gepr&auml;gt von einem Sturm des Applauses &ndash; f&uuml;r die Niederlage. Mir schien es damals und bis heute so, dass hier Claqeure organisiert waren, um das politische Fortkommen dieses damals gescheiterten Kanzlerkandidaten abzusichern.<\/li>\n<\/ol><p><strong>Steinmeier war und ist nicht der Beauftragte der sozialdemokratischen Mitgliedschaft, sondern arbeitet auf anderer Rechnung. Dies ist meine Vermutung. Ich bin gerne bereit, diese Vermutung zu korrigieren, wenn ich des Besseren belehrt werde. Wenn Sie Dokumente und Ereignisse finden, die meine Vermutungen best&auml;tigen, dann w&uuml;rde uns und unsere Leser dies selbstverst&auml;ndlicherweise auch interessieren.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ist Steinmeier der Vermittler in der Ukraine und im Konflikt mit Russland, als der er erscheint? Wie ist er gesellschaftspolitisch einzuordnen? Der pure Neoliberale? Oder wenigstens ein bisschen vom fr&uuml;herem sozialdemokratischen Geist gepr&auml;gt? Diese Fragen stellen sich angesichts der Macht und des Einflusses des deutschen Au&szlig;enministers. 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