{"id":21817,"date":"2014-05-23T15:44:04","date_gmt":"2014-05-23T13:44:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21817"},"modified":"2015-10-22T15:28:59","modified_gmt":"2015-10-22T13:28:59","slug":"von-der-kritischen-begleitung-der-politik-zur-kritik-am-boesen-volk-oder-die-neigung-vieler-medien-zur-lamentierenden-klage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21817","title":{"rendered":"Von der kritischen Begleitung der Politik zur Kritik am b\u00f6sen Volk. Oder: Die Neigung vieler Medien zur lamentierenden Klage."},"content":{"rendered":"<p>Nach allgemeiner Vorstellung von einer lebendigen Demokratie haben die Medien die vornehme Aufgabe, die Politik und die Politiker mit Informationen und mit Kritik zu begleiten. Wir sind jetzt aber immer mehr Zeugen des erstaunlichen Vorgangs, dass sich Medien an den B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern reiben, teilweise aggressiv, und dass sie sich mit Politikern gegen das &bdquo;unversch&auml;mte&ldquo; Volk verb&uuml;nden, statt publizistischer Advokat des Volkes zu sein. Von <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong><br>\n<!--more--><br>\n<strong>I. Symptome und Beispiele f&uuml;r das eigenartige Verhalten der Medien<\/strong><\/p><ol>\n<li>Auffallend freudig haben Medien auf die <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=AX5m5swD-QU\">Rede von Steinmeier<\/a> in Berlin reagiert, als der Au&szlig;enminister aggressiv mit einigen Kritikern unter den Zuh&ouml;rern abgerechnet hat. Siehe zum Beispiel hier ein Bericht bei <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/steinmeier-bruellt-montagsdemo-auf-alexanderplatz-in-berlin-nieder-a-970571-druck.html\">SPON &uuml;ber Steinmeiers &bdquo;Wutrede&ldquo;<\/a>.<\/li>\n<li>Schon bei den Demonstrationen gegen Stuttgart 21 fiel auf, dass viele Medien sich die Position der Vertreter des Gro&szlig;projektes zu eigen machten, ohne sich mit den Argumenten der Kritiker zu besch&auml;ftigen, und dass sie die sachlichen Einw&auml;nde als Argumente von so genannten Wutb&uuml;rgern disqualifizierten.<\/li>\n<li>Interessant ist im Zusammenhang die H&auml;me gegen&uuml;ber den Montagsdemonstrationen. Das galt 2004 ff. und gilt heute wieder. Anfang September 2004 war ich selbst Zeuge und Teilnehmer einer Runde von &bdquo;Hart aber fair&ldquo;. Die Sendung musste man als Auftragsveranstaltung der Bundesregierung verstehen. Es wurde mit vorgefertigten Parolen und Filmchen Stimmung f&uuml;r Hartz IV gemacht und gegen die Kritiker, im konkreten Fall auch gegen einen Betroffenen und Organisator der Montagsdemonstrationen in Magdeburg. &ndash; Die meisten Journalistinnen und Journalisten der gehobenen Klasse haben mit der Lebenssituation der von Hartz IV betroffenen Menschen nichts zu tun. Sie versuchen aber leider auch nicht, sich in deren Lage zu versetzen. Man muss nicht arm und arbeitslos sein, um die Position dieser Menschen in Talkshows, Zeitungsberichten und Kommentaren zu vertreten, jedenfalls zu verstehen. Diese F&auml;higkeit schwindet. &ndash; Die Medien st&uuml;rzen sich stattdessen gerne auf die Schw&auml;cheren.<\/li>\n<li>Journalisten beklagen sich bitter &uuml;ber heftige Kritik in den Foren. Sie beklagen die dort teilweise harte Sprache und Brutalit&auml;t, ohne einen Moment zu bedenken, dass dies oft nur der Abklatsch der brutalen Ver&auml;chtlichmachung von Menschen durch Medien ist. &ndash; Wenn Sie in Foren schreiben oder sich zu Wort melden, dann w&auml;re es sicher ganz gut, diese Erfahrung im Blick zu behalten.<\/li>\n<li>Die Kritik der &bdquo;Anstalt&ldquo; im ZDF an der Verflechtung von Journalisten mit US-amerikanischen und transatlantischen Organisationen hat in den Reihen der genannten Journalistinnen und Journalisten Reaktionen ausgel&ouml;st. Das &bdquo;medienkritische&ldquo; Organ ZAPP des NDR bot dem Au&szlig;enpolitikchef der S&uuml;ddeutschen Zeitung Stefan Kornelius ein Forum f&uuml;r eine <a href=\"http:\/\/www.ndr.de\/fernsehen\/sendungen\/zapp\/zapp7506.html\">bittere Klage<\/a>. Auf der Seite von ZAPP hei&szlig;t es am 14.05.2014: &bdquo;Die &ouml;ffentliche Diskreditierung befremdet Stefan Kornelius von der &ldquo;S&uuml;ddeutschen Zeitung&rdquo;. Aber mehr Transparenz stimmt er zu und gesteht ein, dass Journalisten hier was tun m&uuml;ssen.&ldquo; Ja, bei der Transparenz, in der Sache nicht. Kornelius nennt &uuml;brigens als Mitverursacher der &ouml;ffentlichen Diskreditierung &bdquo;linke Blogs&ldquo;. Damit sind auch die NachDenkSeiten gemeint, die auf die Verflechtung schon fr&uuml;her hingewiesen haben. Schade nur, dass das medienkritische Organ ZAPP dem Au&szlig;enpolitiker der S&uuml;ddeutschen Zeitung 15 min Zeit bietet, uns aber nicht. Auch typisch daf&uuml;r, wie d&uuml;nn Medienkritik ges&auml;t ist.<\/li>\n<li>&bdquo;Putin-Versteher&ldquo; &ndash; Ich wei&szlig; nicht, wer das Wort erfunden hat. Aber diese Diffamierung ist massenhaft von Journalistinnen und Journalisten wiedergekaut worden.<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.presseportal.de\/pm\/6694\/1664136\/presseclub-mit-joerg-schoenenborn-thema-65-67-70-das-geschacher-um-die-rente\">Presseclub zur Rente mit 65,67,70.<\/a> Mitte August 2010. F&uuml;nf Journalisten beklagen sich &uuml;ber die mangelnde Einsicht der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger in die angebliche Notwendigkeit, das Rentenalter anzuheben und unterst&uuml;tzen damit die Politik. Diese Sendung war ein Musterbeispiel f&uuml;r die Abkehr von der notwendigen Funktion der Medien, die Politik kritisch zu begleiten, und den B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern wenigstens zuzuh&ouml;ren. &ndash; Die sachlichen Argumente waren alle auf der Seite der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger. Die Journalistinnen und Journalisten haben den &uuml;blichen Unsinn &uuml;ber den demographischen Wandel und seine Folgen f&uuml;r die Altersvorsorge erz&auml;hlt.<\/li>\n<li>Die Medien schreiben regelm&auml;&szlig;ig &bdquo;klein&ldquo;, welche Rolle die B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger in der Politik selbst spielen k&ouml;nnen. Weil ich mehrere Wahlk&auml;mpfe gestaltet oder mitgestaltet habe, konnte ich immer wieder beobachten, wie unangenehm den Medien die hohe Beteiligung von B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern im Vorfeld von Wahlentscheidungen ist. Die mediale Missachtung schl&auml;gt sich dann auch in den Texten von Historikern und Geschichte-schreibenden Journalisten wieder. So wird die gro&szlig;e Mobilisierung von Menschen zum Beispiel im Wahlkampf 1972 in den Standardwerken weit gehend tief geh&auml;ngt.<\/li>\n<\/ol><p><strong>II. Wie k&ouml;nnte man das auff&auml;llige Verhalten vieler Medien begr&uuml;nden? Stichworte:<\/strong><\/p><ol>\n<li>Manche Journalisten sind einfach &uuml;berarbeitet und orientieren sich deshalb am gro&szlig;en Strom und an dem, was von oben vorgegeben wird.<\/li>\n<li>Manche Journalisten glauben ernsthaft, sie k&ouml;nnten alles am besten verstehen und w&uuml;ssten am besten Bescheid.<\/li>\n<li>Die Verschiebung der Debatte in Richtung &Ouml;konomie f&uuml;hrt jedoch dazu, dass die Rolle des Besserwissers zu der Mehrheit der Medienmacher nicht passt. Sie vertreten angelernte bzw. ihnen vermittelte Positionen.<\/li>\n<li>Manche Journalistinnen und Journalisten halten sich f&uuml;r etwas Besseres. Je mehr jedoch die Gesellschaft in Schichten zerf&auml;llt, umso mehr wird das Klasseninteresse sp&uuml;rbar und wandelt sich in Aggression gegen die da unten um.<\/li>\n<li>Viele Journalisten stehen selbst unter massivem Druck von Seiten der Medien-Konzerne, sind selbst nicht frei und treten jetzt nach unten. Das ist eine Art Ablenkung vom t&auml;glichen Frust.<\/li>\n<li>Manche f&uuml;hlen sich ertappt &ndash; als Interessen gesteuert, als ideologisch verblendet, als Auftragnehmer von Public-Relations-Agenturen und Firmen. Deshalb zum Beispiel die harte Reaktion auf die Beschreibung der ideologischen und Interessen-Verfilzung vieler Medienmacher.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach allgemeiner Vorstellung von einer lebendigen Demokratie haben die Medien die vornehme Aufgabe, die Politik und die Politiker mit Informationen und mit Kritik zu begleiten. Wir sind jetzt aber immer mehr Zeugen des erstaunlichen Vorgangs, dass sich Medien an den B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern reiben, teilweise aggressiv, und dass sie sich mit Politikern gegen das &bdquo;unversch&auml;mte&ldquo;<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21817\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[41,183],"tags":[244],"class_list":["post-21817","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medienanalyse","category-medienkritik","tag-vierte-gewalt"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21817","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=21817"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21817\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21820,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21817\/revisions\/21820"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=21817"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=21817"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=21817"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}