{"id":21869,"date":"2014-05-28T13:26:43","date_gmt":"2014-05-28T11:26:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21869"},"modified":"2022-06-21T11:15:09","modified_gmt":"2022-06-21T09:15:09","slug":"interne-austeritaetspolitik-die-kuerzung-oeffentlicher-ausgaben-fuehrt-zu-mehrausgaben-in-der-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21869","title":{"rendered":"Interne Austerit\u00e4tspolitik \u2013 Die K\u00fcrzung \u00f6ffentlicher Ausgaben f\u00fchrt zu Mehrausgaben in der Zukunft"},"content":{"rendered":"<p>Die Tatsache, dass eines der wirtschaftlich leistungsf&auml;higsten L&auml;nder der Welt in immer mehr Bereichen und Regionen die &ouml;ffentliche Infrastruktur verkommen l&auml;sst, ist bei n&uuml;chterner Betrachtung ein kaum erkl&auml;rbares Ph&auml;nomen. Tats&auml;chlich handelt es sich hier um die einheimische Anwendung des Austerit&auml;tsprinzips, das seit Jahren auf Druck der deutschen Bundesregierung die Politik der Europ&auml;ischen Union bestimmt.<br>\nDie K&uuml;rzung und Begrenzung &ouml;ffentlicher Ausgaben wird zur  obersten und wichtigsten Aufgabe erkl&auml;rt. Koste es, was es wolle.<br>\nNiemand, auch kein Staat und keine Kommune, kann jedoch auf Dauer von der Substanz leben.<br>\nZu geringe Ausgaben f&uuml;r die &ouml;ffentliche Infrastruktur k&ouml;nnen die Zukunft f&uuml;r die gro&szlig;e Mehrheit der Menschen, aber auch f&uuml;r viele Unternehmen mindestens genauso gef&auml;hrden wie zu hohe Verschuldung. Zu geringe Ausgaben gehen zu Lasten heutiger und k&uuml;nftiger Generationen.<br>\nInvestitionen in die gebaute Infrastruktur, die heute nicht gemacht werden, werden mit jedem Jahr, die sie in die Zukunft verschoben werden, immer teurer. Was f&uuml;r das private Haus gilt, das gilt auch f&uuml;r &ouml;ffentliche Geb&auml;ude. So f&uuml;hrt das sogenannte &bdquo;Sparen&ldquo; von heute zu den steigenden &ouml;ffentlichen Ausgaben von morgen. Von <strong>Christoph Habermann<\/strong> [<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21869#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>]<br>\n<!--more--><br>\n<strong>I &bdquo;Rekorde&ldquo; bei den Steuereinnahmen<\/strong><\/p><p>&bdquo;Rekordjahre&ldquo; oder &bdquo;Rekorde&ldquo; bei den Steuereinnahmen: Das war quer durch alle Medien die Botschaft nach der j&uuml;ngsten Steuersch&auml;tzung Anfang Mai.<\/p><p>Es stimmt: Die Steuereinnahmen sollen bis 2018 jedes Jahr h&ouml;her ausfallen als im Jahr davor, so wie in 58 der 63 Jahre seit Gr&uuml;ndung der Bundesrepublik Deutschland. Diese &bdquo;Rekorde&ldquo; sind eine Selbstverst&auml;ndlichkeit, solange es keine Wirtschaftskrise gibt. Alle f&uuml;nf Jahre, in denen die Steuereinnahmen zur&uuml;ckgegangen sind, lagen zwischen 1996 und 2009. Das hatte zu tun mit der wirtschaftlichen Entwicklung und mit der Senkung der Lohn- und Einkommensteuer zwischen 1999 und 2005, von der h&ouml;here Einkommen weit &uuml;berdurchschnittlich profitiert haben.<\/p><p>Die Schlagzeilen von den &bdquo;Rekordeinnahmen&ldquo; transportieren eine klare Botschaft:<br>\nDer Staat schwimmt im Geld. Die Steuern sollten sinken, nicht steigen. Noch nie mussten die Deutschen so viel Steuern zahlen. Wer wie viel und wer wie wenig bezahlt, dar&uuml;ber wird kaum berichtet.<\/p><p>Wie relativ &bdquo;Rekorde&ldquo; sein k&ouml;nnen, zeigt sich, wenn man die Ergebnisse vom Mai 2008, der letzten Steuersch&auml;tzung vor Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise, mit den tats&auml;chlichen Zahlen vergleicht. Die Steuersch&auml;tzung vom Mai 2008 erwartete f&uuml;r das Jahr 2012 Steuereinnahmen von insgesamt 645,3 Milliarden Euro. Tats&auml;chlich lagen die Steuereinnahmen 2012 bei genau 600 Milliarden Euro, ein Minus gegen&uuml;ber der Sch&auml;tzung von 45,3 Milliarden Euro.<br>\nHier schl&auml;gt die Finanz- und Wirtschaftskrise voll durch.<\/p><p>Im Zeitraum zwischen 2008 und 2012 sind die &ouml;ffentlichen Aufgaben und Ausgaben aber nicht zur&uuml;ckgegangen, sondern gewachsen, nicht zuletzt wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise. <\/p><p>Nach der Steuersch&auml;tzung vom Mai 2014 werden die Steuereinnahmen im Jahr 2014 noch unter dem Betrag liegen, der 2008 schon f&uuml;r 2012 erwartet worden war.<br>\n(639,9 Milliarden Euro zu 645,3 Milliarden Euro).<\/p><p>Diese Zahlen lehren zweierlei:<\/p><ol>\n<li>Dass der Staat im Geld schwimmt, ist eine M&auml;r, nein, es ist gezielte Propaganda.<\/li>\n<li>Steuersch&auml;tzungen sind mit Vorsicht zu genie&szlig;en, weil sie immer den status quo fortschreiben.<\/li>\n<\/ol><p><strong>II Zur Struktur der Steuereinnahmen<\/strong><\/p><p>&Uuml;ber 70 Prozent der Steuereinnahmen stammen aus der Einkommensteuer und der Umsatzsteuer. Allein die Lohnsteuer, die die abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten zahlen, macht ein Viertel aller Steuereinnahmen aus.<\/p><p>Die verm&ouml;gensbezogenen Steuern (auf Grundbesitz, Verm&ouml;gen, Erbschaft) tragen in Deutschland sehr viel weniger zum Steueraufkommen bei als im Durchschnitt der alten EU-L&auml;nder oder auch in den USA. (2010 in D 0,8 % vom BIP; EU-15 ca. 2 % vom BIP). Die Verm&ouml;genssteuer wird nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts seit &uuml;ber 15 Jahren nicht mehr erhoben. Bei der Erbschaftssteuer wird Betriebsverm&ouml;gen ohne Grund privilegiert. Eink&uuml;nfte aus Kapitalverm&ouml;gen werden durch die Abgeltungssteuer gegen&uuml;ber Arbeitseinkommen erheblich privilegiert.<\/p><p>Insgesamt bezahlen die Arbeitnehmerinnen und die Konsumenten einen immer gr&ouml;&szlig;eren Teil der Steuern.<\/p><p>Der deutsche Spitzensteuersatz ist im internationalen Vergleich niedrig. Die Steuern und Sozialversicherungsbeitr&auml;ge f&uuml;r Niedrigverdiener und Durchschnittsverdienerinnen liegen dagegen im internationalen Vergleich an der Spitze.<\/p><p><strong>III Gesamtausgaben der L&auml;nder mit und ohne Kommunen 2002-2011<\/strong><\/p><p>Die Staatsquote, der Anteil der Ausgaben von Bund, L&auml;ndern, Kommunen und Sozialversicherungen am Bruttoinlandsprodukt ist in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren deutlich zur&uuml;ckgegangen: Von 48,5 Prozent im Jahr 2003 auf 44,7 Prozent im Jahr 2013.<\/p><p>Trotzdem wird spiegelbildlich zu den &bdquo;Einnahmerekorden&ldquo; immer wieder von der &bdquo;Ausgabenwut&ldquo; der &ouml;ffentlichen Haushalte gesprochen.<\/p><p>Die Wirklichkeit sieht anders aus. Das zeigen die Zahlen der Haushalte der L&auml;nder und der Kommunen:<br>\nDie Gesamtausgaben aller L&auml;nder haben sich von 2002 bis 2011 von 256,9 Milliarden Euro auf 296,6 Milliarden Euro erh&ouml;ht.<br>\nDas ist eine Steigerung um 15,4 Prozent in neun Jahren, also weniger als 1,5 Prozent im Jahr und zwar nominal. Ber&uuml;cksichtigt man die Preissteigerungsrate, sind die Ausgaben real gesunken. <\/p><p>Nimmt man die Kommunen dazu, ergibt sich fast das gleiche Bild. Der Zuwachs zwischen 2002 und 2011 liegt dann bei 16,1 Prozent.<\/p><p>Bei diesen Zahlen muss man noch ber&uuml;cksichtigen, dass der Bund in den Jahren 2009 bis 2011 den L&auml;ndern und Kommunen viele Milliarden f&uuml;r ein Investitionsprogramm gegen die Folgen der Banken- und Wirtschaftskrise zur Verf&uuml;gung gestellt hat. Ohne diese Gelder l&auml;gen die Steigerungsraten noch niedriger.<\/p><p>In Rheinland-Pfalz lag der Zuwachs der Ausgaben deutlich h&ouml;her als im Durchschnitt der L&auml;nder: bei 26,3 Prozent und wenn man die Kommunen einbezieht, bei 25,6 Prozent.<br>\nAuch das ist aber nur ganz knapp &uuml;ber der Preissteigerungsrate.<\/p><p>Die Investitionsausgaben der L&auml;nder mit und ohne Kommunen haben sich wie folgt entwickelt:<br>\nVon 33,5 Milliarden Euro im Jahr 2002 auf 34,8 Milliarden Euro im Jahr 2011. Das entspricht einem Zuwachs von 3,8 Prozent in neun Jahren, mit Preissteigerung also ein dickes Minus.<\/p><p>Noch deutlicher ist die Situation, wenn man die Kommunen einbezieht.<br>\nDie Investitionen sind von 53 Milliarden Euro 2002 auf 52 Milliarden Euro im Jahr 2001 gefallen.<\/p><p>F&uuml;r Rheinland-Pfalz lauten die entsprechenden Zahlen so:<\/p><p>Das Land hat seine Investitionen von 1,1 Milliarden Euro auf 1,3 Milliarden Euro erh&ouml;ht, um 18,5 Prozent.<br>\nBezieht man die Kommunen mit ein, sind die Investitionen von 2,07 Milliarden Euro auf 2,1 Milliarden Euro gestiegen, um 1,5 Prozent.<br>\nDie Kommunen in Rheinland-Pfalz haben ihre Investitionen also stark verringert, von 966 Millionen Euro auf 791 Millionen Euro.<\/p><p>Die Ausgaben der L&auml;nder und Kommunen f&uuml;r Investitionen f&uuml;r die &ouml;ffentliche Infrastruktur sind in den vergangenen Jahren also nominal und zum Teil sogar real zur&uuml;ckgegangen.<br>\nDas w&auml;re dann unproblematisch, wenn die Infrastruktur in Deutschland in einem so guten Zustand w&auml;re, dass mit geringeren Investitionen sowohl der Unterhalt, der Ersatzbedarf als auch der Neubau garantiert werden k&ouml;nnten.<\/p><p>Genau das ist aber nach &uuml;bereinstimmender Auffassung nicht der Fall. <\/p><p><strong>IV Deutschland lebt unter seinen Verh&auml;ltnissen und zulasten k&uuml;nftiger Generationen<\/strong><\/p><p>In Deutschland wird zu wenig investiert; vor allem die &ouml;ffentliche Infrastruktur wird vernachl&auml;ssigt. Das ist schlecht f&uuml;r Umweltentlastung und &ouml;kologische Erneuerung. Das ist schlecht f&uuml;r Innovation und sozialen Aufstieg. Das ist schlecht f&uuml;r soziale Gerechtigkeit und f&uuml;r die Wirtschaft.<\/p><p>Hier einige Zitate aus ganz unterschiedlichen Quellen:<\/p><p>IMK-Report 93 vom April 2014:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Die &ouml;ffentliche Hand hat viel zu lange wichtige staatliche Aufgaben &ndash; nicht zuletzt infolge einer durch wiederholte Steuersenkungen verursachten erheblichen Unterfinanzierung &ndash; vernachl&auml;ssigt. Besonders deutlich tritt dies bei den &ouml;ffentlichen Investitionen zu Tage, die seit 2003 netto, also nach Abzug der Abschreibungen, negativ sind. Mit anderen Worten: Der &ouml;ffentliche Kapitalstock schrumpft. Am st&auml;rksten offenbart sich der Verfall der &ouml;ffentlichen Infrastruktur auf der Gemeindeebene,&hellip;<br>\nDie wirtschaftlichen Folgen dieser Politik zeigen sich mittlerweile  deutlich, unter anderem im Falle der wochenlangen Schlie&szlig;ung des Nord-Ostsee-Kanals, eines der wichtigsten Schifffahrtswege der Welt, wegen maroder Schleusen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><blockquote><p>&bdquo;Die &auml;u&szlig;erst unzureichenden &ouml;ffentlichen Investitionen in Deutschland gef&auml;hrden auch das l&auml;ngerfristige Wachstumspotenzial des Landes.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>DIW Wochenbericht, 26\/2013<\/p><blockquote><p>&bdquo;Betrachtet man nur die &ouml;ffentliche Investitionst&auml;tigkeit, so zeigt sich, dass in Deutschland seit Ende der 90er Jahre vor allem Investitionen in die Infrastruktur und in sonstige Bauwerke in Relation zum Bruttoinlandsprodukt sukzessive zur&uuml;ckgefahren wurden.&ldquo;<\/p><\/blockquote><blockquote><p>&bdquo;Statt in den Aufbau des inl&auml;ndischen Kapitalstocks wurde ein hoher Anteil der inl&auml;ndischen Ersparnisse jedoch im Ausland angelegt. Banken investierten einen Teil der Spareinlagen in den US-Subprime-Markt oder spanische Immobilien; private Anleger kauften mit ihrem Geld auf der ganzen Welt Wertpapiere oder transferierten es auf ausl&auml;ndische Konten (&hellip;)<br>\nDie Investitionen im Ausland haben sich aus gesamtwirtschaftlicher Sicht aber insgesamt nicht ausgezahlt.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>J&ouml;rg Zeuner, Chefvolkswirt der Kreditanstalt f&uuml;r Wiederaufbau, FR, 2. M&auml;rz 2013<\/p><blockquote><p>&bdquo;(&hellip;) m&uuml;sste Deutschland st&auml;rker investieren, ggf. auch &uuml;ber Schulden. Bei den momentanen Finanzierungsbedingungen des Staates, Zehnjahreszinsen unter zwei Prozent, rechnen sich zudem ganz viele Investitionen. Da w&uuml;rden Werte f&uuml;r k&uuml;nftige Generationen geschaffen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Institut der deutschen Wirtschaft: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Infrastruktur zwischen Standortvorteil und Investitionsbedarf&ldquo; Umfrage unter Unternehmen, Februar 2014<\/p><\/blockquote><blockquote><p>&bdquo;Die H&ouml;he des Infrastrukturkapitals entscheidet somit auch dar&uuml;ber, in welchem Ausma&szlig; andere Produktionsverfahren &ndash; vor allem privatwirtschaftliches Kapital &ndash; in einer Volkswirtschaft eingesetzt werden.&ldquo;<\/p><\/blockquote><blockquote><p>&bdquo;Zusammenfassend kann somit festgehalten werden: In Deutschland werden die Unternehmen derzeit mehrheitlich und in allen Wirtschaftsbereichen durch Infrastrukturm&auml;ngel beeintr&auml;chtigt.&ldquo;<\/p><\/blockquote><blockquote><p>&bdquo;Ein besonderes Problem ist beispielsweise der Zustand der kommunalen Br&uuml;cken, von denen immer mehr f&uuml;r den Schwerlastverkehr gesperrt werden.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Substantielle M&auml;ngel gibt es aus Sicht der Unternehmen auch  im Schienenverkehr und beim Ausbau des Glasfasernetzes f&uuml;r die schnelle &Uuml;bertragung von Daten.<\/p><p>Diese Darstellung lie&szlig;e sich fast endlos erweitern um Darstellungen und Bewertungen von Instituten, Kommissionen und Interessengruppen, die sonst oft ganz unterschiedlicher Auffassung sind, aber gemeinsam zu dem Ergebnis kommen:<\/p><p>In Deutschland wird die &ouml;ffentliche Infrastruktur vernachl&auml;ssigt.<br>\nWir leben von der Substanz.<br>\nDas wird, je l&auml;nger es weitergeht, zu immer st&auml;rkeren negativen Folgen f&uuml;r Unternehmen und Gesellschaft f&uuml;hren.<\/p><p><strong>V Die &ouml;ffentliche Infrastruktur aus Sicht der Kommunen<\/strong><\/p><p>Alle zwei Jahre ver&ouml;ffentlicht die Kreditanstalt f&uuml;r Wiederaufbau, die F&ouml;rderbank des Bundes und der L&auml;nder,  eine Umfrage unter Kommunen zur finanziellen Situation der Haushalte und zum Bedarf an Investitionen in die kommunale Infrastruktur.<\/p><p>Das &bdquo;KfW-Kommunalpanel 2014&ldquo; vom Mai kommt zu folgenden zentralen Ergebnissen:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Der Investitionsr&uuml;ckstand der deutschen Kommunen f&uuml;r das Jahr 2013 wird von den kommunalen Experten aus St&auml;dten, Gemeinden und Landkreisen auf 118 Milliarden Euro gesch&auml;tzt; dies bedeutet einen R&uuml;ckgang um 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Das ist &bdquo;der zweith&ouml;chste Wert seit Beginn der Befragung.&ldquo;<\/p><p>Besondere M&auml;ngel gibt es <\/p><ul>\n<li>bei Stra&szlig;en und Verkehrsinfrastruktur und<\/li>\n<li>bei Schulen,<\/li>\n<li>gro&szlig;e M&auml;ngel aber auch bei Sportst&auml;tten, B&auml;dern, im Wohnungsbau, bei Anlagen der Versorgung und Entsorgung.<\/li>\n<\/ul><p>Nur bei der gesetzlich vorgeschriebenen Kinderbetreuung hat sich die Situation gegen&uuml;ber dem Vorjahr verbessert.<\/p><p>Im Jahr 2013 hatten alle Kommunen zusammen einen Haushalts&uuml;berschuss von 1,7 Milliarden Euro. Das geht zur&uuml;ck auf die finanzstarken Kommunen. Gleichzeitig ist 2013 aber der Anteil der Kommunen ohne ausgeglichenen Haushalt von 28 auf 34 Prozent gestiegen.<br>\nDabei gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den L&auml;ndern. Kommunen aus Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland haben 82 % der Kassenkredite aller Kommunen bundesweit.<\/p><p>In vielen, vor allem gr&ouml;&szlig;eren St&auml;dten, l&auml;gen die Ausgaben auch dann noch &uuml;ber den Einnahmen, wenn der Rat beschlie&szlig;en w&uuml;rde, auf alle freiwilligen Aufgaben zu verzichten.<\/p><p>Das zeigt: Viele St&auml;dte haben im Kern ein Einnahmeproblem und kein Ausgabenproblem.<br>\nSelbstverst&auml;ndlich m&uuml;ssen auf allen Ebenen &ouml;ffentliche Ausgaben trotzdem immer wieder darauf &uuml;berpr&uuml;ft werden, ob sie notwendig und sinnvoll sind, und ob die Aufgaben so effektiv wie m&ouml;glich organisiert sind.<\/p><p>Trotz g&uuml;nstiger Finanzierungsbedingungen sind viele Kommunen  nicht in der Lage Investitionen &uuml;ber Kredite zu finanzieren.<\/p><p>Die KfW fasst die Situation so zusammen:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Verschiedene empirische Indizien weisen darauf hin, dass Haushaltskonsolidierung zu h&auml;ufig auf Kosten von Zukunftsinvestitionen geht. Wenn der Schuldenabbau dazu f&uuml;hrt, dass zu wenig in die Infrastruktur investiert wird, Schulen nicht saniert werden, die Folgekosten bei den Stra&szlig;en immer h&ouml;her werden, Energie verschwendet und an &uuml;berkommenen Infrastrukturen festgehalten wird, dann f&auml;llt das gerade den notleidenden Kommunen auf die F&uuml;&szlig;e. Wenn so am Personal gespart wird, dass sinnvolle und strategisch notwendige Ma&szlig;nahmen gar nicht mehr geplant und umgesetzt werden k&ouml;nnen, dann ist das zweifellos der falsche Weg.&ldquo;<\/p><\/blockquote><blockquote><p>&bdquo;Solange kreditfinanzierte Investitionen nur in der Privatwirtschaft ein Zeichen f&uuml;r den Aufschwung und f&uuml;r Prosperit&auml;t sind und in den Kommunen ausschlie&szlig;lich der Schuldenabbau zum Ma&szlig;stab der Zukunftsf&auml;higkeit gemacht wird, so lange wird es nicht gelingen, den Investitionsstau ab- und die kommunale Infrastruktur bedarfsgerecht umzubauen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>J&ouml;rg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW, weist auf die Folgen der gegenw&auml;rtigen Situation hin:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Vor allem f&uuml;r die schw&auml;cheren Kommunen entsteht eine Art Teufelskreislauf: Einerseits m&uuml;ssen sie Schuldenabbau betreiben, andererseits f&uuml;r die Zukunft investieren, wozu ihnen die Mittelaufnahme oftmals verwehrt wird. Besonders Investitionen mit hohem Nutzen &ndash; wie z.B. Stra&szlig;en und Br&uuml;cken &ndash; oder hohem Sparpotenzial &ndash; wie z.B. die energetische Sanierung &ndash; k&ouml;nnen nicht bzw. nur unzureichend get&auml;tigt werden.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>VI Die Meinung der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger zum Zustand der Infrastruktur<\/strong><\/p><p>Um das Bild vom Zustand der Infrastruktur und von den Erwartungen abzurunden, hier die wichtigsten Ergebnisse einer Allensbach-Umfrage vom Oktober 2013:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Die Mehrheit der Bev&ouml;lkerung ist &uuml;berzeugt, dass in Deutschland zu wenig in die Infrastruktur investiert wird. 56 Prozent der B&uuml;rger sind der Meinung, dass es Defizite bei Infrastrukturma&szlig;nahmen gibt.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Noch interessanter sind die Antworten auf die Frage, wo die Befragten allgemein gro&szlig;en Bedarf oder wenig Bedarf f&uuml;r eine Verbesserung bzw. einen Ausbau der Infrastruktur sehen:<\/p><p>Den gr&ouml;&szlig;ten Bedarf sehen die B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger bei<\/p><ul>\n<li>Renovierung, Bau oder Ausbau von Kinderg&auml;rten, Schulen usw. (85 zu 13 %)<\/li>\n<li>Bau von Energieversorgungsanlagen f&uuml;r erneuerbare Energien, z.B. Windparks, Solaranlagen, Wasserkraftwerke (73 zu 23 %)<\/li>\n<li>Bau bzw. Modernisierung von Krankenh&auml;usern, Gesundheitszentren usw. (69 zu 27 %)<\/li>\n<li>Erneuerung bzw. Ausbau des Stra&szlig;ennetzes (58 zu 39 %)<\/li>\n<\/ul><p>Den geringsten Bedarf sehen die B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger beim<\/p><ul>\n<li>Flughafenbau bzw. -erweiterung ( 11 zu 81 %) und beim<\/li>\n<li>Bau von Kohlekraftwerken (6 zu 81 %)<\/li>\n<\/ul><p><strong>VII Zum politischen Umgang mit den M&auml;ngeln der &ouml;ffentlichen Infrastruktur<\/strong><\/p><p>Im Bundestagswahlkampf traten SPD, Gr&uuml;ne und Linke mit unterschiedlichen Schwerpunkten daf&uuml;r ein, die Einnahmen des Staates zu erh&ouml;hen, u.a. mit dem Ziel, dringend notwendige Investitionen in die &ouml;ffentliche Infrastruktur und in &ouml;ffentliche Dienstleistungen m&ouml;glich zu machen. <\/p><p>Zentrale Instrumente: H&ouml;herer Spitzensteuersatz und Verm&ouml;genssteuer bzw. Verm&ouml;gensabgabe.<\/p><p>Im Koalitionsvertrag von CDU, SPD und CSU werden Steuererh&ouml;hungen ausgeschlossen und zus&auml;tzliche Mittel f&uuml;r Investitionen von L&auml;ndern und Kommunen vereinbart.<br>\nVon Anfang an musste misstrauisch machen, dass es kein Finanztableau gab, aus dem hervorgeht, welche staatliche Ebene, wann, wie viel bekommt.<br>\nDeshalb ist es nicht erstaunlich, dass bis heute keine einzige konkrete Entscheidung gefallen ist. <\/p><p>Klar ist bisher nur, dass der Bund die Entlastung der Kommunen um 5 Milliarden Euro durch Einf&uuml;hrung eines Bundesteilhabegeldes in die n&auml;chste Legislaturperiode verschieben wird. <em>(Die Verst&auml;ndigung in dem Treffen der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel mit CSU-Chef Horst Seehofer und SPD-Chef Sigmar Gabriel am Montagabend &uuml;ber die Verteilung der zugesagten sechs Milliarden f&uuml;r Bildung, Kitas und Forschung war zum Zeitpunkt des Referats noch nicht bekannt (WL))<\/em><\/p><p>Das hei&szlig;t, dass nicht einmal die v&ouml;llig unzureichenden Vereinbarungen in der Koalitionsvereinbarung in den kommenden Jahren wirksam werden. <\/p><p>In der Diskussion &uuml;ber h&ouml;here &ouml;ffentliche Investitionen werden vor dem Hintergrund von &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; und der Tabuisierung von h&ouml;heren Steuern f&uuml;r hohe Einkommen und gro&szlig;e Verm&ouml;gen folgende Vorschl&auml;ge vertreten:<\/p><p>K&uuml;rzung bei Personal und Sozialleistungen zugunsten von Investitionen. Besonders deutlich vertritt das der Pr&auml;sident des Deutschen St&auml;dte- und Gemeindebundes, Christian Schramm, CDU. Auf dieser Linie liegen aber auch viele andere in unterschiedlichen Parteien.<\/p><p>DIW, IMK und auch die KfW pl&auml;dieren in unterschiedlicher Form daf&uuml;r, die im Rahmen der &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; m&ouml;glichen Spielr&auml;ume zu nutzen f&uuml;r zus&auml;tzliche Investitionen.<\/p><p>Wirtschaftsverb&auml;nde versuchen die Zwangslage, in die viele L&auml;nder und Kommunen durch fehlende Steuereinnahmen einerseits und das kommende Verbot der Kreditaufnahme durch die &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; kommen, zu nutzen f&uuml;r eine  neuen Werbefeldzug f&uuml;r sogenannte &Ouml;PP- oder PPP-Projekte, eine besondere Form der Privatisierung &ouml;ffentlicher Aufgaben mit staatlich garantiertem Gewinn.<\/p><p>Keine der drei Strategien l&ouml;st das grunds&auml;tzliche Problem.<br>\nDie erste Strategie f&uuml;hrt dazu, dass an anderer Stelle neue Probleme geschaffen werden.<br>\nDie zweite Strategie ist nur zeitlich begrenzt m&ouml;glich.<br>\nDer dritten Strategie, &Ouml;PP, hat der Landesrechnungshof Rheinland-Pfalz in seinem Jahresbericht 2014 ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt. Die Wirtschaftlichkeit der &Ouml;PP-Pilotprojekte des Landes sei nicht nachgewiesen.<\/p><blockquote><p>&ldquo;&Ouml;PP-Modelle werden ohne hinreichende Pr&uuml;fung der Eignung in Erw&auml;gung gezogen, weil die Finanzierung der Ma&szlig;nahmen bei konventioneller Realisierung nicht gesichert war oder weil die kommunalen Gebietsk&ouml;rperschaften erwarteten, dass die Aufsichtsbeh&ouml;rde die Genehmigung der Kreditaufnahme im Fall einer konventionellen Finanzierung versagen w&uuml;rde.&ldquo; (Seite 89)<\/p><\/blockquote><p>Der Bundesrechnungshof kam schon 2009 nach Pr&uuml;fung der ersten vier PPP-Projekte beim Bau von Autobahnen zu dem Ergebnis, dass sich &bdquo;f&uuml;r den Bund ein erheblicher Schaden&ldquo; ergebe.<\/p><p>Es handelt sich bei &Ouml;PP und PPP nach Auffassung des Bundesrechnungshofs offenbar um die organisierte Veruntreuung  &ouml;ffentlicher Geldern zugunsten privater Investoren.<\/p><p><strong>VIII Keine Besserung in Sicht !?<\/strong><\/p><p>Die Tatsache, dass eines der wirtschaftlich leistungsf&auml;higsten L&auml;nder Welt in immer mehr Bereichen und Regionen die &ouml;ffentliche Infrastruktur verkommen l&auml;sst, ist bei n&uuml;chterner Betrachtung ein kaum erkl&auml;rbares Ph&auml;nomen. <\/p><p>Tats&auml;chlich handelt es sich hier um die einheimische Anwendung des Austerit&auml;ts-Prinzips, das seit Jahren auf Druck der deutschen Bundesregierung die Politik der Europ&auml;ischen Union bestimmt.<br>\nDie K&uuml;rzung und Begrenzung &ouml;ffentlicher Ausgaben wird zur  obersten und wichtigsten Aufgabe erkl&auml;rt. Koste es, was es wolle.<br>\nDiese &Uuml;berzeugung gewinnt bei vielen fast religi&ouml;se Z&uuml;ge, und so treten sie auch auf.<\/p><p>Der ehemalige EU-Kommissar und italienische Ministerpr&auml;sident, Mario Monti, bestimmt kein Linker, hat diese Haltung in einem Interview mit &bdquo;Le Monde&ldquo; vom 18. Juni 2013 so beschrieben:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Man muss sich immer daran erinnern, dass die Wirtschaft in Deutschland heute noch ein Teil der Moralphilosophie ist. Wachstum wird als das Ergebnis tugendhaften Verhaltens von B&uuml;rgern, Unternehmen und Staat gesehen. Es ist unm&ouml;glich, Frau Merkel, aber auch die deutsche &Ouml;ffentlichkeit, davon zu &uuml;berzeugen, dass Haushaltsdefizite eine gute Sache sein k&ouml;nnen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Diese Situation wird sich in den kommenden Jahren nicht zum Besseren ver&auml;ndern, sondern in vielen L&auml;ndern und Kommunen zum Schlechteren. Im Jahr 2020 tritt f&uuml;r die L&auml;nder das Verbot der Nettokreditaufnahme in Kraft, die sogenannte Schuldenbremse; um diese Verpflichtung zu erreichen, m&uuml;ssen viele L&auml;nder Jahr f&uuml;r Jahr gegen&uuml;ber dem Vorjahr Ausgaben k&uuml;rzen und streichen.<\/p><p>Als Bundestag und Bundesrat im Jahr 2009 die &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; ins Grundgesetz geschrieben haben, wurden sie von vielen gewarnt und auf die verheerenden Folgen einer solchen Politik hingewiesen.<\/p><p>Professor Peter Bofinger, einer der f&uuml;nf &bdquo;Wirtschaftsweisen&ldquo;, hat mit vielen Kollegen und Kolleginnen am 25. Mai 2009 einen Aufruf ver&ouml;ffentlicht mit der &Uuml;berschrift:<br>\n&bdquo;Die Schuldenbremse gef&auml;hrdet die gesamtwirtschaftliche Stabilit&auml;t und die Zukunft unserer Kinder&ldquo;. Dort hei&szlig;t es:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Wenn die L&auml;nder durch das Grundgesetz in Zukunft daran gehindert werden, sich f&uuml;r Zukunftsinvestitionen zu verschulden, besteht bei anhaltenden und von vielen Politikern aktiv gef&ouml;rderten Forderungen nach Steuersenkungen die gro&szlig;e Gefahr, dass die aktive Zukunftsvorsorge unter die R&auml;der kommt. Es kann dann vielleicht erreicht werden, dass die Schulden nicht weiter ansteigen, aber um den Preis, dass zuk&uuml;nftige Generationen unzureichend ausgebildet sind, &uuml;ber eine abgewirtschaftete Infrastruktur verf&uuml;gen und in einer schlechten Umwelt leben m&uuml;ssen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Genau auf diesem Wege sind wir. Das ist aber offenbar noch zu wenig sp&uuml;rbar. Das wird &uuml;berlagert von Meldungen &uuml;ber die angeblich au&szlig;erordentlich gute wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Die wirkt im Vergleich zu den meisten anderen europ&auml;ischen L&auml;ndern &ndash; aber auch nur in diesem Vergleich &ndash; positiv. <\/p><p><strong>IX Zu geringe Ausgaben f&uuml;r die &ouml;ffentliche Infrastruktur gef&auml;hrden eine gute Zukunft<\/strong><\/p><p>Niemand, auch kein Staat und keine Kommune, kann auf Dauer von der Substanz leben.<br>\nZu geringe Ausgaben f&uuml;r die &ouml;ffentliche Infrastruktur k&ouml;nnen die Zukunft f&uuml;r die gro&szlig;e Mehrheit der Menschen, aber auch f&uuml;r viele Unternehmen mindestens genauso gef&auml;hrden wie zu hohe Verschuldung.<\/p><p>Zu geringe Ausgaben gehen zu Lasten heutiger und k&uuml;nftiger Generationen.<br>\nInvestitionen in die gebaute Infrastruktur, die heute nicht gemacht werden, werden mit jedem Jahr, die sie in die Zukunft verschoben werden, immer teurer. Was f&uuml;r das private Haus gilt, das gilt auch f&uuml;r &ouml;ffentliche Geb&auml;ude.<\/p><p>Investitionen in die soziale Infrastruktur, die heute nicht gemacht werden, k&ouml;nnen in vielen F&auml;llen gar nicht mehr nachgeholt werden. Die Folge ist, dass junge Menschen die Schule ohne Abschluss verlassen, dass sie keine Ausbildung und keine Arbeit haben.<br>\nStatt Steuern und Beitr&auml;ge in die sozialen Sicherungssysteme zu zahlen, werden sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auf &ouml;ffentliche Leistungen angewiesen sein.<br>\nSo f&uuml;hrt das sogenannte Sparen von heute zu den steigenden &ouml;ffentlichen Ausgaben von morgen.<br>\nReparatur und Ausgrenzung an Stelle von Pr&auml;vention und gesellschaftlicher Inklusion:<br>\nDas ist menschenfeindlich, asozial und teurer ist es noch dazu.<\/p><p>Wir brauchen einen Kurswechsel in der Steuer- und Finanzpolitik und bei den &ouml;ffentlichen Investitionen.<\/p><p>Vor allem die Kommunen und die L&auml;nder brauchen mehr Einnahmen f&uuml;r ihre Aufgaben.<\/p><p>Daf&uuml;r m&uuml;ssen gro&szlig;e Verm&ouml;gen und hohe Einkommen deutlich st&auml;rker beitragen als bisher.<\/p><p>Die Finanzierung von Investitionen muss wieder, wie das Jahrzehnte lang v&ouml;llig unbestritten war, &uuml;ber Kredite finanziert werden k&ouml;nnen.<br>\nDieser Vorschlag wirkt heute wie eine linke Forderung. Das zeigt, wie sich die politischen Linien verschoben haben.<\/p><p>Der Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft, Professor Michael H&uuml;ther, antwortete in einem Interview mit der &bdquo;Frankfurter Rundschau&ldquo; vom 20. Juli 2013 auf die Frage: &bdquo;Was ist an Staatsschulden sinnvoll?&ldquo;:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Solange damit Investitionen des Staates finanziert werden, die eine h&ouml;here Rendite als den Zinssatz abwerfen, sind sie wohlstandssteigernd und generationengerecht.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Diese Bedingung ist heute gegeben wie selten zuvor.<br>\nDas macht den Investitionsstau und den zunehmenden Verfall der &ouml;ffentlichen Infrastruktur noch unbegreiflicher und noch unverantwortlicher.<\/p><p>Steuerpolitik und Schuldenbremse haben dazu gef&uuml;hrt, dass auch die politisch Verantwortlichen, die tun wollen, was notwendig und sinnvoll ist, dazu nicht in der Lage  oder sogar gezwungen sind, das Gegenteil zu tun.<br>\nSie sind die Gefangenen fr&uuml;herer Entscheidungen, an denen sie oft selber mitgewirkt haben. Das werden wir in den kommenden Jahren auch in Rheinland-Pfalz erleben.<br>\nLeider.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Christoph Habermann war von 1999 bis 2004 stellvertretender Chef des Pr&auml;sidialamtes in der Amtszeit von Johannes Rau. Von 2004 bis 2011 war er Staatssekret&auml;r in Sachsen und in Rheinland-Pfalz. Der Text war Grundlage f&uuml;r eine Rede bei den &bdquo;Vordenkern und Nachdenkerinnen&ldquo; in Mainz am 26. Mai 2014.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Tatsache, dass eines der wirtschaftlich leistungsf&auml;higsten L&auml;nder der Welt in immer mehr Bereichen und Regionen die &ouml;ffentliche Infrastruktur verkommen l&auml;sst, ist bei n&uuml;chterner Betrachtung ein kaum erkl&auml;rbares Ph&auml;nomen. Tats&auml;chlich handelt es sich hier um die einheimische Anwendung des Austerit&auml;tsprinzips, das seit Jahren auf Druck der deutschen Bundesregierung die Politik der Europ&auml;ischen Union bestimmt.<br \/> Die<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21869\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[135,144,156,137],"tags":[423,1494,413,392],"class_list":["post-21869","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-finanzpolitik","category-private-public-partnership","category-schulden-sparen","category-steuern-und-abgaben","tag-austeritaetspolitik","tag-infrastruktur","tag-schlanker-staat","tag-schuldenbremse"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21869","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=21869"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21869\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":85028,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21869\/revisions\/85028"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=21869"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=21869"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=21869"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}