{"id":21903,"date":"2014-06-03T15:21:07","date_gmt":"2014-06-03T13:21:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21903"},"modified":"2015-10-23T15:24:28","modified_gmt":"2015-10-23T13:24:28","slug":"nachtrag-zu-abgekartetes-spiel-um-die-ostukraine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21903","title":{"rendered":"Nachtrag zu \u201eAbgekartetes Spiel um die Ostukraine\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Als Antwort auf meinen <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21893\">Beitrag<\/a> gab es einige weiterf&uuml;hrende und kritische Mails, die wir unseren Leserinnen und Lesern gerne zur Kenntnis geben. Kritisch wird u.a. angemerkt, dass ich zu unfreundlich mit Russland und vor allem mit dem dortigen Au&szlig;enminister umgegangen bin. Das kann so sein. Auch deshalb die Wiedergabe der vier Mails.<br>\nNoch etwas: uns Schreibern und Hinweisgebern der NachDenkSeiten f&auml;llt auf, dass die Nachrichten und Kommentare zu den blutigen Ereignissen in der Ostukraine mehr und mehr versiegen. Wenn man bedenkt, wie umfangreich &uuml;ber mehrere Wochen &uuml;ber den Maildan berichtet worden ist, dann muss man auf gezieltes Verschweigen tippen. Hier wird mit Hilfe der Mehrheit der Medien den Antreibern der Milit&auml;raktionen in der Ostukraine entsprechend der US-Ank&uuml;ndigung der &bdquo;R&uuml;cken frei gehalten&ldquo;. Das kollektive Schweigen der meisten Medien erinnert mich an den kritisierten Vorwurf, Deutschlands Medien lie&szlig;en sich allzu leicht gleichschalten. Von <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nBevor jetzt wieder einige unserer durchaus sympathischen Leserinnen und Leser gegen den Gebrauch des Begriffes &bdquo;gleichschalten&ldquo; protestieren, will ich gerne konzedieren, dass ich den Gebrauch dieses Wortes niemandem aufzwingen, nicht einmal anraten will. Ich gebrauche ihn, weil ich es angesichts der Rechtsentwicklung in Europa satt habe, mich davon abhalten zu lassen, an Erfahrungen aus der Nazizeit zu erinnern, auch sprachlich. Bitte sehen Sie mir das nach.<\/p><p><strong>Und jetzt die vier Mails an die NachDenkSeiten zum &bdquo;abgekarteten Spiel&ldquo; zum m&ouml;rderischen &bdquo;Aufr&auml;umen&ldquo; in der Ukraine und ein Dankesch&ouml;n an die Absender:<\/strong><\/p><p><strong>1. Mail<\/strong><\/p><p>Kommentar zu Abgekartetes Spiel:<\/p><p>&hellip;na, was soll Russland schon tun?<\/p><p>Einmarschieren, das Feindbild ausf&uuml;llen und damit die Welt einem dritten Weltkrieg n&auml;her bringen?<\/p><p>Man darf auch angesichts der Bilder aus der Ostukraine sich vorstellen, was auf der Krim passiert w&auml;re, wenn Putin da nicht daf&uuml;r gesorgt h&auml;tte, da&szlig; die ukrainischen Soldaten mal sch&ouml;n in ihrer Kaserne bleiben.<\/p><p>Und was mit dem Hafen in Sewastopol passiert w&auml;re &ndash; Pachtvertrag hin oder her &ndash; kann man sich auch ausmalen.<\/p><p>Man kann daher vermuten, da&szlig; da viel Leid vermieden wurde,<br>\nselbst wenn man das Zerrei&szlig;en der Ukraine f&uuml;r tragisch h&auml;lt.<\/p><p>In der Ostukraine h&auml;tte sich Russland aber die Finger wirklich verbrannt, bzw. w&auml;re das wom&ouml;glich der Anfang des Dritten Weltkriegs geworden.<\/p><p>Der wird dann vertagt auf sp&auml;ter, wenn Russland komplett eingekreist ist&hellip;<\/p><p><strong>2. Mail:<\/strong><br>\n&nbsp;<br>\nLieber Herr M&uuml;ller, &nbsp;<\/p><p>zu Ihrem heutigen Beitrag taugt <a href=\"http:\/\/www.imi-online.de\/2014\/05\/30\/ukraine-bitte-um-us-militaerhilfe\/\">dieser<\/a> vielleicht auch, um die Lage in der Ukraine, bzw. dessen Kriegstreiber, aufzuzeigen.<\/p><p>Beste Gr&uuml;&szlig;e<br>\nKarola Sch.<\/p><p><strong>3. Mail:<\/strong><\/p><p>Hallo Herr M&uuml;ller,&nbsp;<\/p><p>ich teile Ihre Einsch&auml;tzung zur Ostukraine und zur russischen Politik.<br>\n&nbsp;<br>\nErg&auml;nzend folgender Hinweis auf einen Beitrag im &ldquo;Freitag&rdquo;: <a href=\"http:\/\/www.freitag.de\/autoren\/soenke-paulsen\/nur-russland-kann-helfen\">&ldquo;Nur Russland kann helfen&rdquo;<\/a><\/p><blockquote><p>&ldquo;Die westlichen Berater in Kiew scheinen die Regierung eher zu weiterem Blutvergie&szlig;en im Osten aufzufordern.<\/p>\n<p>Es sind unvorstellbare Grausamkeiten, die &uuml;ber den Krieg gegen die Separatisten im Osten der Ukraine berichtet werden. Dabei unterscheiden sich offizielle Medien und die sozialen Netzwerke lediglich in der Intensit&auml;t der Berichterstattung. Inhaltlich berichten beide von etlichen Toten, Angst und Chaos im Donbas.<\/p>\n<p>Unsere Freundin Natascha berichtet, dass niemand mehr seine Kinder zur Schule schickt, seit Tagen schon. Die Lage in Lugansk ist zu gef&auml;hrlich, zu gef&auml;hrlich einzukaufen, die Gesch&auml;fte sind leer.<\/p>\n<p>Auch in den anderen St&auml;dten des Ostens sieht es nicht besser aus. Die Leute fahren, wenn sie zur Arbeit fahren, m&ouml;glichst nicht mehr mit dem eigenen Auto. Das Passieren von Kontrollpunkten der Kiewer Truppen ist dabei gef&auml;hrlicher, als es die Kontrollpunkte der Separatisten sind. F&uuml;r die Regierungstruppen ist auch jeder Zivilist ein m&ouml;glicher Terrorist. Die Bewaffneten Kiews, die man meist nicht der regul&auml;ren Armee zurechnen kann, verlieren schnell die Nerven. Ein bekanntes Video zeigte k&uuml;rzlich, wie ein Lada Niva, dessen Fahrer einen Kontrollpunkt in der Region passieren wollte, ohne anzuhalten, regelrecht zusammengeschossen wurde.<\/p>\n<p>Die Separatisten scheinen hunderte von K&auml;mpfern verloren zu haben, aber in den Leichenhallen finden sich auch Zivilisten. Fehlende Gliedma&szlig;en weisen auf schweren Beschuss hin, keine automatischen Waffen, sondern Granaten und Bomben. Auf einem Feld bei Slovjansk wollen Einheimische hunderte von Toten gesehen haben, von denen manche regelrecht aufgeschnitten waren. Vermutungen, dass ihnen Organe entnommen wurden geistern durch die sozialen Netzwerke.<\/p>\n<p>Poroschenko, der frisch gew&auml;hlte Pr&auml;sident, will das Land befrieden, aber erst nachdem alle &bdquo;Terroristen&ldquo; von ukrainischem Territorium verschwunden sind. Verschwunden?<br>\nDas ist mehr als eine Kampfansage, wenn man bedenkt, dass viele derer, die dort bewaffneten Widerstand gegen die Regierung in Kiew leisten, Ukrainer sind. Sollen die verschwinden? Wohin?<\/p>\n<p>Es ist der Zeitpunkt, wo man anfangen darf, nach Massengr&auml;bern zu suchen.<\/p>\n<p>Gr&auml;ber auch von Soldaten der ukrainischen Armee, die &uuml;bergelaufen sind und dann von der Nationalgarde und S&ouml;ldnern get&ouml;tet werden. Heute sehen wir in den Newstickern Bilder von einem LKW, der komplett zerschossen wurde und buchst&auml;blich mit platten Reifen in einer Blutlache steht. Die Opfer waren Separatisten.<\/p>\n<p>Die Medien bei uns beziehen keine Stellung zu dem Morden, zu einer Strafaktion der westlichen Regierung, die auch die Bev&ouml;lkerung trifft und t&ouml;tet. In jedem anderen Land w&uuml;rde man nach einer Blauhelm-Mission rufen, w&uuml;rde die Regierung dringend auffordern, das T&ouml;ten zu beenden und endlich Verhandlungen aufzunehmen. In der Ukraine h&ouml;rt man sich seelenruhig die Vernichtungsdrohungen des neu gew&auml;hlten Pr&auml;sidenten an. Unkommentiert. Kaum emp&ouml;rt.&rdquo;<\/p><\/blockquote><p>&nbsp;<br>\nW&auml;re eine solche Brutalpolitik vom fr&uuml;heren ukrainischen Pr&auml;sidenten Janukowitsch betrieben worden, dann w&auml;re in der westlichen Politik und in den westlichen Medien der Teufel los. Janukowitsch w&auml;re schon l&auml;ngst zur Inkarnation Hitlers gestempelt worden.<br>\n&nbsp;<br>\nOb allerdings der Rat des &ldquo;Freitag&rdquo;-Redakteurs S&ouml;nke Paulsen in der Einleitung seines&nbsp;Beitrags&nbsp;&ldquo;zielf&uuml;hrend&rdquo; ist,&nbsp;mu&szlig; angesichts der damit wohl einhergehenden dramatischen Zuspitzung dieses Konfliktes sehr kritisch hinterfragt werden:<\/p><blockquote><p>&ldquo;Angesichts der grausamen Vernichtungsaktion, die derzeit im Donbas gegen die Separatisten durchgef&uuml;hrt wird, bleibt nur die Hoffnung auf eine russische Intervention. Die westlichen Regierungen rufen nach einer Entsch&auml;rfung der Lage in der Ostukraine durch Russland. Der Ruf nach Putin ist berechtigt. Allerdings anders als gedacht. Der Zeitpunkt f&uuml;r eine milit&auml;rische Intervention durch Russland in der Ukraine ist l&auml;ngst &uuml;berf&auml;llig.&rdquo;<\/p><\/blockquote><p>&nbsp;<br>\nAus meiner Sicht w&auml;re es m&ouml;glicherweise sinnvoll, in einer Art &ouml;ffentlichem Aufruf prominenter Pers&ouml;nlichkeiten (Helmut Schmidt, Gerhard Schr&ouml;der, Willy Wimmer, J&uuml;rgen Todenh&ouml;fer, Peter Gauweiler etc.) auf das von Nato und EU gedeckte aggressive Vorgehen des ukrainischen Pr&auml;sidenten (m&ouml;glicherweise mit Unterst&uuml;tzung US-amerikanischer S&ouml;ldner?)&nbsp;und das&nbsp;damit einhergehende Blutvergie&szlig;en in der Ostukraine aufmerksam zu machen.<br>\n&nbsp;<br>\n<strong>4. Mail: <\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr M&uuml;ller!<\/p><p>Eine Anmerkung zu Ihrem gestrigen Artikel: &bdquo;Abgekartetes Spiel um die Ostukraine, Tote inklusive.&ldquo;<\/p><p>Vorausgeschickt sei noch, dass ich mich bei Ihnen pers&ouml;nlich f&uuml;r die ganze Serie von Artikeln bedanken m&ouml;chte, die Sie zur Ukraine-Krise und dem Thema Krieg und Frieden ver&ouml;ffentlicht haben! <\/p><p>Wenn Sie gestern die Frage nach der Rolle Russlands so beantworten: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Ich k&ouml;nnte mir denken, dass Russland nolens volens signalisiert hat, das Aufr&auml;umen in der Ostukraine zu dulden &ndash; wohl wissend, dass es im gro&szlig;en Reich Russlands viele Anl&auml;sse und M&ouml;glichkeiten f&uuml;r separatistische Bewegungen gibt. Vielleicht vertraut die russische F&uuml;hrung &bdquo;westlichen Versicherungen&ldquo;, solche separatistischen Bewegungen nicht anzuheizen &ndash; analog dem Glauben an eine positive Entwicklung nach der ukrainischen Pr&auml;sidentenwahl vom 25. Mai.&ldquo;,<\/p><\/blockquote><p>dann frage ich mich, warum Sie dem Chefdiplomaten und Vollprofi Lawrow unterstellen, er sei tats&auml;chlich so naiv gewesen, diese durchsichtige Beruhigungskampagne bzgl. der Pr&auml;sidentenwahl zu glauben? Seine jetzige Emp&ouml;rung dar&uuml;ber, dass im Gegenteil alles viel schlimmer geworden ist, ist doch reinem Diplomatensprech geschuldet (neben der selbstverst&auml;ndlichen Emp&ouml;rung). Niemand in Russland glaubt doch einem Europ&auml;er und US-Amerikaner noch ein Wort. Aber Lawrow bleibt seiner klaren, auf Deeskalation ausgerichteten Linie unbeirrt treu. Und diese sehe ich als Grund daf&uuml;r an, dass er so getan hat, als glaubte er den genannten Beteuerungen des Westens. <\/p><p>Zudem ist die n&auml;chste Frage ohnehin: Was h&auml;tte Russland denn tun sollen, was kann es &uuml;berhaupt tun? Die Optionen sind doch schwer begrenzt. Dass sich Lawrow nun an die UNO gewandt hat, beurteilen Sie als &bdquo;hilflosen und erfolglosen&ldquo; Versuch. Womit Sie vermutlich Recht haben und das Lawrow nat&uuml;rlich selbst wei&szlig;. Aber ist es nicht immerhin ein zu lobender Versuch?<\/p><p>Kurzum: Ich werde nicht ganz schlau aus diesem Artikel. Irgendwie ist da ein Unterton zischen Ihren Zeilen, der Russland mittelbar daf&uuml;r zeiht, nichts, und wenn, dann nur Naives, Erfolgloses und Hilfloses zu tun. Auch nennen Sie, wie ja sonst meist, keine Idee, wie sich Russland in Ihren Augen denn konstruktiv verhalten sollte. Welchen dritten Weg au&szlig;er der klaren russischen Einmischung in die Separatisten-Bewegung bzw. deren offener Unterst&uuml;tzung und dem Schutz der Bev&ouml;lkerung mit all ihren gef&auml;hrlichen Folgen oder eben einer konsequent diplomatischen Linie sollte es auch geben?  &hellip;<\/p><p>Ich glaube &uuml;brigens wie Sie, dass an der Meldung der &bdquo;2000-3000 akzeptablen Toten&ldquo; sehr wohl etwas dran ist. Alles andere w&uuml;rde wundern.<\/p><p>B.B.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Antwort auf meinen <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21893\">Beitrag<\/a> gab es einige weiterf&uuml;hrende und kritische Mails, die wir unseren Leserinnen und Lesern gerne zur Kenntnis geben. Kritisch wird u.a. angemerkt, dass ich zu unfreundlich mit Russland und vor allem mit dem dortigen Au&szlig;enminister umgegangen bin. Das kann so sein. Auch deshalb die Wiedergabe der vier Mails.<br \/> Noch etwas:<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21903\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,20,11],"tags":[912,259,260],"class_list":["post-21903","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-landerberichte","category-strategien-der-meinungsmache","tag-buergerkrieg","tag-russland","tag-ukraine"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21903","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=21903"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21903\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21904,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21903\/revisions\/21904"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=21903"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=21903"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=21903"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}