{"id":21929,"date":"2014-06-05T09:05:13","date_gmt":"2014-06-05T07:05:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21929"},"modified":"2020-03-08T14:15:34","modified_gmt":"2020-03-08T13:15:34","slug":"kollateral-schaden-auf-dem-katholikentag-oder-der-verschwiegene-skandal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21929","title":{"rendered":"Kollateral-Schaden auf dem Katholikentag &#8211; Oder der verschwiegene Skandal"},"content":{"rendered":"<p>In der Geschichte, die hier erz&auml;hlt wird, kommen vor: die Gemeinschaft katholischer Soldaten, Pax Christi, das Verteidigungsministerium, der Katholikentag in Regensburg, Afghanistans Vergangenheit und Zukunft, der Bayerische Rundfunk, und nicht zuletzt der deutsche Qualit&auml;tsjournalismus. Von <strong>Gerhard Rein<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nUnd die Geschichte geht ungef&auml;hr so: Vielleicht auch etwas anders. Aber ich gebe sie so wieder, wie sie mir begegnet ist. Ich spiele eine kleine Rolle am Rande dieser Geschichte.<\/p><p>Die traditionsreiche Gemeinschaft katholischer Soldaten(GKS) hatte die Idee, beim Katholikentag in Regensburg ein Podium zu Afghanistan zu initiieren. Diskutiert werden sollte, welche Zukunft nach dem Abzug des deutschen Milit&auml;r-Kontingents das Land am Hindukusch haben k&ouml;nne. Die Gemeinschaft katholischer Soldaten fragte die deutsche Sektion von Pax Christi, ob sie sich an dem Projekt beteiligen w&uuml;rde. Pax Christi sagte zu. <\/p><p>Und so war auf Seite 86 des offiziellen Katholikentag-Programms zu lesen:<br>\nDonnerstag, 29. Mai 2014, 14.00 Regensburger Turnhalle: Podium. Afghanistan: Abzug und wie weiter?<\/p><p>Mit einer respektablen, kundigen Diskussionsrunde:<br>\nGeneralmajor Josef Blotz und Oberstleutnant Kristian Baptist Schaum von der Bundeswehr, beide afghanistan-erfahrene Milit&auml;rs. Christine Hoffmann, Generalsekret&auml;rin von Pax Christi, Thomas Gebauer, Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer von medico international, dazu Wahida Kabir, eine Paschtunin, die in Deutschland Frieden und Freiheit ihres Landes bef&ouml;rdern will.<\/p><p>Vier Monate zuvor hatte die Verteidigungsministerin ihre Teilnahme an dem Podium aus zeitlichen Gr&uuml;nden abgesagt. Einen Vertreter hatte sie von sich aus nicht vorgeschlagen. Aber 14 Tage vor Beginn des Katholikentages meldete sich zur &Uuml;berraschung der Initiatoren (Pax Christi und der Gemeinschaft Katholischer Soldaten) aus dem Verteidigungsministerium der parlamentarische Staatssekret&auml;r Ralf Brauksiepe und k&uuml;ndigte seine Teilnahme an. Das Programm war gedruckt. Das Podium wohl austariert, hochkar&auml;tig besetzt und intensiv vorbereitet worden.<\/p><p>Die Selbsteinladung des Staatssekret&auml;rs irritierte die Veranstalter. Sie akzeptierten seinen Auftritt. Offenbar sp&uuml;rte aber Ralf Brauksiepe, dass er von ihnen nicht gepampert, ihm in Regensburg nicht ein roter Teppich ausgerollt werden w&uuml;rde.<\/p><p>Telefonate, Gespr&auml;che hin und her hatten zur Folge, dass drei Tage vor Beginn des Katholikentags das Verteidigungsministerium die f&uuml;r das Podium Afghanistan vorgesehenen Milit&auml;rs Generalmajor Boldt und Oberstleutnant Schaum anwies, dort nicht zu erscheinen. Ein Maulkorb, ein Beispiel qualifizierter innerer F&uuml;hrung als Ergebnis eines offenbar ein wenig beleidigten Staatssekret&auml;rs. Ein Skandal. B&uuml;rger in Uniform werden als Untertanen behandelt.<\/p><p>Mehrere hundert Journalisten waren beim Katholikentag in Regensburg akkreditiert.<br>\nKeiner von ihnen hat das Afghanistan-Podium f&uuml;r wichtig erachtet.<br>\nSie konnten also auf der B&uuml;hne des Regensburger Turnvereins die beiden leeren St&uuml;hle nicht sehen, auf denen die Namensschilder Blotz und Schaum lagen.<\/p><p>Kurz vor 14 Uhr  meldete sich in der Turnhalle eine Produzentin des Bayerischen Rundfunks bei den Veranstaltern und fragte, wann denn Frau von der Leyen ankommen werde. Sie sei ja der Grund daf&uuml;r, dass der BR das Podium live im Internet &uuml;bertragen w&uuml;rde. Im BR existierte offenbar eine Veranstaltungsliste, die schon seit Monaten nicht mehr g&uuml;ltig war.<\/p><p>Die Regensburger Turnhalle war nicht besonders gut besucht. Aber im Publikum waren nicht wenige hochdekorierte Bundeswehr-Soldaten auszumachen. Sie stimmten lautstark zu, als der Moderator am Anfang des Podiums den ganzen Vorgang der fehlenden Milit&auml;rs einen Skandal nannte.<br>\nEs folgte ein intensives kritisches Podiums-Gespr&auml;ch, im dem eine positive W&uuml;rdigung des Afghanistan-Einsatzes freilich fehlte und auch vermisst wurde.<\/p><p>Der Bayerische Rundfunk &uuml;bertrug das Podium per Livestream im Internet.<\/p><p>Der neuerdings sich selbst r&uuml;hmende deutsche Qualit&auml;tsjournalismus schwieg zu dem Skandal. Das wird dem Herrn Staatssekret&auml;r sehr recht sein.<\/p><p>Sein Auftrittsverbot geht einher mit der Desavouierung von Pax Christi, der Gemeinschaft katholischer Soldaten und des Katholikentags insgesamt. Das Zentralkomitee schweigt bisher zu dem Vorgang. <\/p><p>Vielleicht hat sich die Geschichte so ereignet, wie ich sie hier geschildert habe.<br>\nVielleicht aber auch ganz anders. Ich habe sie als Moderator des Afghanistan-Podiums aber so erlebt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Geschichte, die hier erz&auml;hlt wird, kommen vor: die Gemeinschaft katholischer Soldaten, Pax Christi, das Verteidigungsministerium, der Katholikentag in Regensburg, Afghanistans Vergangenheit und Zukunft, der Bayerische Rundfunk, und nicht zuletzt der deutsche Qualit&auml;tsjournalismus. 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