{"id":2196,"date":"2007-03-21T10:11:39","date_gmt":"2007-03-21T09:11:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2196"},"modified":"2016-01-10T11:41:12","modified_gmt":"2016-01-10T10:41:12","slug":"utz-claassen-enbw-wie-uns-ein-top-manager-fur-dumm-verkaufen-will","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2196","title":{"rendered":"Utz Claassen EnBW: Wie uns ein \u201eTop-Manager\u201c f\u00fcr dumm verkaufen will"},"content":{"rendered":"<p>Dem Schr&ouml;der-Freund und &bdquo;harten Sanierer&ldquo; Utz Claassen, wird nachgesagt er sei ein <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/news\/Karriere\/Koepfe\/_pv\/grid_id\/1198337\/_p\/200811\/_t\/ft\/_b\/624277\/default.aspx\/utz-claassen-der-karriere-ueberflieger.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.handelsblatt.com\/news\/Karriere\/Koepfe\/_pv\/grid_id\/1198337\/_p\/200811\/_t\/ft\/_b\/624277\/default.aspx\/utz-claassen-der-karriere-ueberflieger.html\">&bdquo;&Uuml;berflieger&ldquo;<\/a>. Deshalb kann er eigentlich so dumm gar nicht sein, wie er seine Leser in seinem in <a href=\"http:\/\/www.bild.t-online.de\/BTO\/news\/2007\/03\/15\/utz-claassen-serie\/deutschland-buch.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bild.t-online.de\/BTO\/news\/2007\/03\/15\/utz-claassen-serie\/deutschland-buch.html\">BILD<\/a> vorabgedrucktem Buch &bdquo;Mut zur Wahrheit&ldquo; f&uuml;r dumm verkaufen will. So flach und haneb&uuml;chen wie Utz Claasen kommt jedoch kaum ein anderer der selbsternannten &bdquo;Sanierer&ldquo; unseres Landes daher. Was der EnBW-Chef zum Besten gibt, ist ein Musterbeispiel f&uuml;r das unterirdische argumentative Niveau und f&uuml;r die ideologische Verbohrtheit unserer h&ouml;chstbezahlten Unternehmensf&uuml;hrer.<br>\n<!--more--><br>\nDie B&uuml;cher der neoliberalen Apologeten von Hans-Olaf Henkel &bdquo;Ethik des Erfolgs&ldquo; &uuml;ber Hans-Werner Sinns <a href=\"?p=1154\">&bdquo;Ist Deutschland noch zu retten&ldquo;<\/a> bis <a href=\"?p=1769\">Gabor Steingarts  &bdquo;Abstieg eines Superstars&ldquo;<\/a> oder Meinard Miegels &bdquo;Epochenwende&ldquo; oder Paul Noltes &bdquo;Generation Reform&ldquo; bedienen sich alle der gleichen agitatorischen Mittel: Sie malen ein apokalyptisches Bild &uuml;ber unser Land und picken sich dann in den USA oder in Asien niedrigste L&ouml;hne, h&ouml;chste Arbeitszeiten, geringste Unternehmenssteuern oder Sonstiges heraus, was in ihr ideologisches Weltbild passt, und an solchen Vorbildern soll sich dann Deutschland orientieren, um wieder aus der selbst verschuldeten angeblichen Misere herauszukommen. Mit dieser Rosinenpickerei ersparen sich unsere &bdquo;Reformer&ldquo; dann jedes weitere Nachdenken &uuml;ber komplexe kausale und funktionale Wirkungszusammenh&auml;nge oder &uuml;ber &ouml;konomische Sachverhalte.<br>\nSo flach und so haneb&uuml;chen wie Utz Claasen uns seine Sanierungsbotschaften verkauft, kommt aber kaum einer der sonstigen selbsternannten &bdquo;Sanierer&ldquo; unseres Landes daher.<\/p><p>&bdquo;Wir leben als Gesellschaft schon seit Langem &uuml;ber unsere Verh&auml;ltnisse&ldquo; verk&uuml;ndet Claassen, die ziemlich feiste Verk&ouml;rperung (Entschuldigung, aber diese Anspielung kann ich nicht unterdr&uuml;cken) dieser Behauptung, gleich zu Anfang. <\/p><p>Wer ist &bdquo;wir&ldquo;?<br>\nDenkt er da etwa an sich selbst, der mit variablen Gehaltsbestandteilen j&auml;hrlich weit &uuml;ber vier Millionen Einkommen einstreicht? Oder denkt er an die durchschnittliche Arbeitnehmerfamilie, deren L&ouml;hne und Geh&auml;lter seit gut zwanzig Jahren stagnieren und deren durch Leute wie ihn erzwungene Lohnzur&uuml;ckhaltung geradezu zu einem <a href=\"http:\/\/www.vdi-nachrichten.com\/vdi-nachrichten\/aktuelle_ausgabe\/akt_ausg_detail.asp?source=rubrik&amp;cat=1&amp;id=31946%20\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.vdi-nachrichten.com\/vdi-nachrichten\/aktuelle_ausgabe\/akt_ausg_detail.asp?source=rubrik&amp;cat=1&amp;id=31946 \">Sprengsatz f&uuml;r unsere Nachbarl&auml;nder wird?<\/a><\/p><p>Konsumieren &bdquo;wir&ldquo;, die durchschnittlich &uuml;ber 10 Prozent des verf&uuml;gbaren Haushaltseinkommens sparen und damit Sparweltmeister sind, etwa mehr als wir produzieren?  Wo bleibt an dieser Stelle Claassens h&auml;ufiger Vergleich auf die USA, wo sich Staat und private Haushalte eher ma&szlig;los &uuml;berschulden und insgesamt allenfalls einen Bruchteil unserer Sparquote aufweisen (Siehe Bofinger, Wir sind besser als wir glauben, S. 114). <\/p><p>Leben &bdquo;wir&ldquo; &uuml;ber unsere Verh&auml;ltnisse, in einem Land, wo die unteren 50% der Haushalte nur &uuml;ber 4% des Nettoverm&ouml;gens verf&uuml;gen, w&auml;hrend das reichste Zehntel seinen Anteil auf 47% steigern konnte (Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung), bei einem <a href=\"?p=1359\">Nettogeldverm&ouml;gen von allein 2,7 Billionen (!) Euro?<\/a><\/p><p>Leben &bdquo;wir&ldquo; &uuml;ber unsere Verh&auml;ltnisse, wenn wir im Jahre 2006 f&uuml;r 896 Milliarden Euro G&uuml;ter ausgef&uuml;hrt und f&uuml;r 731 Milliarden Euro eingef&uuml;hrt haben, sich also durch unseren Ausfuhr&uuml;berschuss die anderen L&auml;nder bei uns um <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/presse\/deutsch\/pm2007\/p0840181.htm\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.destatis.de\/presse\/deutsch\/pm2007\/p0840181.htm\">165 Milliarden Euro verschuldet haben?<\/a>     <\/p><p>Leben &bdquo;wir&ldquo; &uuml;ber unsere Verh&auml;ltnisse, in einem Land in dem seit Jahren die Binnennachfrage stagniert und Wachstum fast nur noch durch die Ausfuhr der hier geschaffenen Waren und G&uuml;ter entsteht?<\/p><p>Nahezu alle &ouml;konomisch einschl&auml;gigen Daten zeigen, dass wir eher unter als &uuml;ber unsere Verh&auml;ltnissen leben und das schon seit ziemlich langer Zeit (Vgl. Albrecht M&uuml;ller, Die Reforml&uuml;ge S. 161 ff. oder <a href=\"http:\/\/www.wifak.uni-wuerzburg.de\/vwl1\/downloads\/wirtschaftundmarkt26082004.pdf\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.wifak.uni-wuerzburg.de\/vwl1\/downloads\/wirtschaftundmarkt26082004.pdf\">Peter Bofinger [PDF &ndash; 100 KB]<\/a>.<\/p><p>Doch solche seiner Behauptung widersprechenden Fakten ignoriert Claassen einfach. Er wirft sich lieber in die Pose der Kassandra (die &ndash; vom Gott Apollon verflucht &ndash; nur noch B&ouml;ses voraussagen kann) und behauptet einfach schwarzseherisch: &ldquo;Wenn wir unserer strukturellen(!), sich schon seit vielen Jahren schleichend aufbauenden Krise nicht endlich klar und mutig entgegenwirken, werden wir vielleicht in 30 Jahren in unserem Land keinen einzigen (!) international wettbewerbsf&auml;higen industriellen Arbeitsplatz mehr haben.&rdquo;<\/p><p>Er prophezeit also einfach so mal die totale Deindustrialisierung Deutschlands, ohne irgendein greifbares Faktum zu nennen. Der nichts sagende Hinweis auf eine &bdquo;strukturelle Krise&ldquo;, die g&auml;ngige Drohkulisse mit &bdquo;neuen Wettbewerbern aus China, Indien und Osteuropa&ldquo; und der wenig erhellende Verweis auf eine angebliche &bdquo;Disproportionalit&auml;t zwischen Staatshaushalt, Verschuldungsniveau und Zukunftsinvestitionen&ldquo; reichen Claassen aus, um Deutschland zum &bdquo;Sanierungsfall&ldquo; zu erkl&auml;ren.<\/p><p>Und Sanierungsf&auml;lle sind ja Claassens Spezialit&auml;t. Bewusstes Schlechtreden scheint dabei sein Handwerkszeug zu sein, um seine &bdquo;Erfolge&ldquo; in umso hellerem Lichte strahlen zu lassen. Als er bei EnBW sein Amt antrat, hat der die Lage des Unternehmens so &uuml;bertrieben schlecht dargestellt, das sich sogar die Staatsanwaltschaft Mannheim veranlasst sah, ein f&ouml;rmliches Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen des <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Utz_Claassen\" title=\"Externer Link zu http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Utz_Claassen\">Verdachts der Bilanzf&auml;lschung einzuleiten<\/a>. <\/p><p>G&auml;be es einen Straftatbestand der F&auml;lschung der Leistungsbilanz unserer Volkswirtschaft m&uuml;sste die Staatsanwaltschaft  nach der BILD-Serie &bdquo;Was sich in Deutschland alles &auml;ndern muss&ldquo; schon wieder eingreifen und zwar mit handfesten Beweisen. <\/p><p>Welche &bdquo;mutigen Wahrheiten&ldquo; tischt uns Sanierer Claassen nun auf, um die Deutschland-AG wieder in die &bdquo;Gewinnzone&ldquo; zu f&uuml;hren:<\/p><ul>\n<li>&bdquo;<a href=\"http:\/\/www.bild.t-online.de\/BTO\/news\/2007\/03\/16\/utz-claassen\/buch-top-manager.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bild.t-online.de\/BTO\/news\/2007\/03\/16\/utz-claassen\/buch-top-manager.html\">Wir m&uuml;ssen schneller und besser werden!<\/a>&hellip; In etwa der H&auml;lfte der Zeit, in der bei uns mitunter eine Ausnahmeregelung zur Samstagsarbeit verhandelt wird, kann an anderer Stelle auf der Welt ein schl&uuml;sselfertiges Werk entstehen.&ldquo;<br>\nDieses Schwadronieren w&uuml;rde selbst am Stammtisch nur bel&auml;chelt.<br>\nGerade als Manager eines Energieunternehmens, das Strom rund um die Uhr liefert und seine Mitarbeiter sieben Tage in der Woche einsetzt, m&uuml;sste Claassen eigentlich wissen, dass Nacht- Wochenend- und Schichtarbeit seit 1991 von 38% auf heute 51% zugenommen hat. Claassen verh&ouml;hnt mit seiner billigen Polemik &uuml;ber die Ausnahmeregelung zur Samstagsarbeit, seine eigenen und  die 4,2 Millionen Arbeitnehmer (14,1% aller Besch&auml;ftigten), die regelm&auml;&szlig;ig an Sonn- und Feiertagen und er verspottet die 2,7 Millionen Menschen (9,2% aller Besch&auml;ftigten), die <a href=\"?p=633\">regelm&auml;&szlig;ig in der Nacht arbeiten<\/a>.\n<\/li>\n<li>&bdquo;Unsere wichtigste Ressource kann und muss unsere Kompetenz sein (&hellip;) Wollen wir unser Wohlstandsniveau, das im Vergleich zu unserer Ausstattung mit sonstigen Ressourcen au&szlig;erordentlich hoch ist, weiter aufrechterhalten, dann ist es nahezu unvorstellbar, aus globaler Sicht nicht mehr in der Champions League der Top-Universit&auml;ten vertreten zu sein. Wollen wir jedoch signifikant in den Top 50 und auch in den Top 10 vertreten sein, dann m&uuml;ssen wir substanziell h&ouml;here Mittel in die Hand nehmen, als dies bisher der Fall ist.&ldquo;\n<p>Der Hobby-Fu&szlig;ballfunktion&auml;r kennt sich ja in der &bdquo;Champions League&ldquo; aus: Als Pr&auml;sident des Fu&szlig;ballclubs Hannover 96 wurde er ob seiner r&uuml;den Methoden zum Teufel gejagt und dem Karlsruher SC wollte er die Sponsorengelder von EnBW k&uuml;ndigen, weil im der dortige Trainer jeden Fu&szlig;ball-Sachverstand abgesprochen hat. <\/p>\n<p>Aber, um fair zu bleiben, mit der Forderung nach h&ouml;heren Mittel f&uuml;r die Universit&auml;ten, da hat er mal Recht. Doch wo sollen die Gelder herkommen, wenn Claassen in der letzten Folge der BILD-Serie gleichzeitig wiederum die Senkung von Unternehmenssteuern fordert? <\/p>\n<p>Au&szlig;er mehr Geld fallen Claassen noch zwei Faktoren ein, mit denen er Kompetenz in Deutschland f&ouml;rdern m&ouml;chte:<br>\n&bdquo;Zwei Faktoren spielen dabei im universit&auml;ren Studienbereich immer wieder eine Rolle: signifikante Studiengeb&uuml;hren und englische Sprache.&ldquo;<br>\nWie &bdquo;signifikante&ldquo; Studiengeb&uuml;hren mehr junge Leute an die Hochschulen locken sollen und warum gerade englische Sprache das Wichtigste f&uuml;r  Innovationsf&auml;higkeit von Ingenieuren sein soll,  solche Zusammenh&auml;nge kann nur einer herstellen, der eher aus seinem  Bauch als aus dem Kopf argumentiert. Und wer solche wohlfeilen Allgemeinpl&auml;tze nachplappert, darf sich sogar noch (Honorar-)Professor nennen.<\/p><\/li>\n<li>&bdquo;Schluss mit der Freizeitgesellschaft! Wir m&uuml;ssen mehr arbeiten!&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.bild.t-online.de\/BTO\/news\/2007\/03\/17\/claasen-serie\/freizeit-gesellschaft.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bild.t-online.de\/BTO\/news\/2007\/03\/17\/claasen-serie\/freizeit-gesellschaft.html\">fordert Claassen in der dritten Folge<\/a>.<br>\nAuch mit diesem Rezept st&uuml;tzt sich der &bdquo;Top-Manager&ldquo; (BILD) auf ein weiteres l&auml;ngst von der Wirklichkeit widerlegtes, plumpes Vorurteil: &bdquo;Deutschland ist Weltmeister der kurzen Arbeitszeiten&ldquo;. \n<p>Dass Deutschland bei den &bdquo;kurzen Arbeitszeiten&ldquo; in Europa erst an 7. Stelle liegt, das interessiert Claassen nicht, das h&auml;tte ihm ja seine billige Pointe verdorben.<br>\nEin gew&ouml;hnlicher Vollzeitbesch&auml;ftigter stand nach einer Untersuchung des IAT hier zu Lande 2004 seinem Arbeitgeber im Schnitt pro Jahr 1756 Stunden zur Verf&uuml;gung &ndash; und damit l&auml;nger als die Kollegen in den Niederlanden (1712), D&auml;nemark (1720), Schweden (1722), Italien (1727), Norwegen (1742), Finnland (1745) und <a href=\"?p=769\">Frankreich (1747)<\/a>. <\/p>\n<p>Unserem &bdquo;Top-Manager&ldquo; ist offenbar auch unbekannt,<\/p>\n<ul>\n<li>dass die faktische Normalarbeitszeit abh&auml;ngig besch&auml;ftigter Vollzeitkr&auml;fte  in Deutschland im Durchschnitt l&auml;ngst wieder die 40-Stunden-Woche ist,<\/li>\n<li>oder dass die tats&auml;chlichen Arbeitszeiten in Deutschland <a href=\"upload\/pdf\/slehndorff_iat_report_07_2003.pdf\">dem EU-Durchschnitt entsprechen [PDF &ndash; 208 KB]<\/a>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Auch die <a href=\"?p=339\">&bdquo;Gespensterdebatte&ldquo;<\/a> &uuml;ber die <a href=\"?p=397\">Arbeitszeitverl&auml;ngerung<\/a> und den <a href=\"?p=601\">Mythos der Lohnnebenkosten<\/a> l&auml;sst Claassen wieder aufleben.<br>\nClaassens ideologische Verbohrtheit lassen etwa die Daten des Statistischen Bundesamtes  kalt, wonach etwa das Umsatzwachstum im Verarbeitenden Gewerbe von 6,5% im Jahre 2006 ausschlie&szlig;lich auf &bdquo;die Knochen&ldquo; der Arbeitnehmer geht.  Danach schafften 0,6% weniger Arbeitnehmer nicht nur mehr Umsatz sondern sie leisteten <a href=\"?p=2120\">auch noch 0,1% mehr Arbeitsstunden<\/a>. Auch <a href=\"?p=2101\">dass bei den gesetzlich auferlegten Lohnnebenkosten Deutschland an 17. Stelle der 27 EU Staaten liegt<\/a>, kann seine Kritik an den hohen Lohnnebenkosten nicht ersch&uuml;ttern.<\/p><\/li>\n<li>Schlie&szlig;lich d&uuml;rfen in Claassens Klagelied die angeblich deutschen Charaktereigenschaften &bdquo;Neid und Missgunst&ldquo; (<a href=\"http:\/\/www.bild.t-online.de\/BTO\/news\/2007\/03\/19\/utz-claasen\/serie-neid-missgunst.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bild.t-online.de\/BTO\/news\/2007\/03\/19\/utz-claasen\/serie-neid-missgunst.html\">in Folge 4 der BILD-Serie<\/a>) nicht fehlen. &bdquo;Wachstumsschw&auml;che und mangelnde Lust am Wettbewerb k&ouml;nnen Folge dieser Einstellung sein.&ldquo; Neid habe einen festen Platz in der deutschen Unternehmenskultur.\n<p>Interessant ist, woran er Neid und Missgunst festmacht, n&auml;mlich an seiner eigenen Person:<br>\n&bdquo;Bei EnBW begannen verdeckte und medial lancierte Diskreditierungsversuche sogar schon vor meiner offiziellen Amts&uuml;bernahme&ldquo;<\/p>\n<p>Claassen hat also wohl weniger den &bdquo;Neid&ldquo; der Arbeitnehmer gegen&uuml;ber den obsz&ouml;n hohen Vorstandsgeh&auml;lter im Auge, als vielmehr den Unmut, den er sich selbst eingebrockt hat. Er sorgte im April 2005 f&uuml;r erheblichen Unmut, nachdem bekannt wurde, dass er 2004 ca. 4,17 Millionen Euro Gehalt erhielt &ndash; mehr als der Vorstandsvorsitzende der RWE (ca. 4 Mio. Euro) und E.ON (ca. 3,1 Mio. Euro), obwohl die EnBW nach <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Utz_Claassen\" title=\"Externer Link zu http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Utz_Claassen\">Umsatz und Ertrag erheblich kleiner ist<\/a>. Da gab es sicherlich ziemlich viel Neid innerhalb der einschl&auml;gigen Managerkreise. <\/p>\n<p>Auch im Hinblick auf Missgunst oder Misstrauen sollte sich Claassen eher an seine eigene Nase packen: Dass EnBW ehemalige leitende Angestellte, mit denen er im Zwist lag, durch Detektive &uuml;berwachen lie&szlig;, hatte Claassen viel &Auml;rger eingetragen. Typisch f&uuml;r Claassen, dass er die Schuld f&uuml;r sein polarisierendes Verhalten  immer bei den anderen &ndash; dazu noch meist den Arbeitnehmern sucht.<\/p><\/li>\n<li>In der letzten Folge der BILD-Serie kommt Claassen auf die Politik zu sprechen. Auch hier geht es ihm um &bdquo;die Sanierung des Politiksystems(!)&ldquo;. Politik m&uuml;sse &bdquo;B&uuml;rokratieabbau sicherstellen oder auch steuerliche Leistungsanreize schaffen.&ldquo; &bdquo;Ein &Uuml;berma&szlig; an B&uuml;rokratie&ldquo; behindere &bdquo;Unternehmertum&ldquo;. &bdquo;Ein falsch verstandenes Gef&uuml;hl von Sozialstaatlichkeit&ldquo; habe &bdquo;ma&szlig;geblich&ldquo; zu &bdquo;unserem zunehmenden Verlust an globaler Wettbewerbsf&auml;higkeit&ldquo; beigetragen. Weil aber diese Behauptungen so gar nicht mit den Exporterfolgen zusammenpasst, muss er diese  in die Vergangenheit zur&uuml;ck verlegen: &bdquo;Kein Land der Welt hat in der zweiten H&auml;lfte des 20. Jahrhunderts(!) mehr von den Chancen und M&ouml;glichkeiten der Globalisierung profitiert als der &acute;Exportweltmeister` Deutschland.&ldquo;\n<p>Die &acute;&uuml;blichen Verd&auml;chtigen`, also B&uuml;rokratie und Sozialstaatlichkeit, m&uuml;ssen mal wieder als Schuldige f&uuml;r den drohenden Untergang herhalten. Der aufmerksame Leser fragt sich allerdings, warum Deutschland noch bis in die zweite H&auml;lfte des 20. Jahrhunderts &ndash; wo ja der S&uuml;ndenbock Sozialstaat noch nicht in die W&uuml;ste getrieben worden war &ndash; von den Chancen und M&ouml;glichkeiten der Globalisierung mehr profitiert haben kann, als jedes andere Land. Und jetzt zu Beginn des 21. Jahrhunderts, wo der Sozialstaat in den letzten Jahren bis an die Grenze des Existenzminimums abgebaut wurde, sollen also die Probleme kommen? Ist da nicht ein Bruch in der Logik?<\/p><\/li>\n<\/ul><p>Von solchen Widerspr&uuml;chlichkeiten abgesehen, schie&szlig;t unser Fu&szlig;ballfan, der gerne schon mal Politiker in seine VIP-Lounge einl&auml;dt, noch ein weiteres Selbsttor:<br>\nAusweislich der Zeitreihe des deutschen <a href=\"http:\/\/www.bundesbank.de\/statistik\/statistik_zeitreihen.php?func=row&amp;tr=xs5602\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bundesbank.de\/statistik\/statistik_zeitreihen.php?func=row&amp;tr=xs5602\">Au&szlig;enhandelssaldos, erstellt von der Deutschen Bundesbank<\/a>,  war der Au&szlig;enhandels&uuml;berschuss seit Beginn des 21. Jahrhunderts erheblich h&ouml;her als in der nach Claassen angeblich noch so goldenen Zeit ausgangs des 20. Jahrhunderts. Und gerade in den zur&uuml;ckliegenden Jahren wurde doch ein Exportrekord nach dem anderen gebrochen.<\/p><p>Solche argumentativen Ungereimtheiten k&ouml;nnen das &bdquo;Credo&ldquo; (so die Ank&uuml;ndigung des Murmann-Verlages) unseres politischen Systemver&auml;nderers jedoch nicht anfechten. F&uuml;r ihn gilt das Motto: Umso schlimmer f&uuml;r die Wirklichkeit, wenn sie meinen Behauptungen widerspricht.<\/p><p>Das Buch von Utz Claassen &bdquo;Mut zur Wahrheit&ldquo;, das in BILD in Ausz&uuml;gen vorab ver&ouml;ffentlicht wurde, ist argumentativ so d&uuml;rftig und widerspr&uuml;chlich und strotzt so vor bornierten &ndash; wenn auch verbreiteten &ndash;  Vorurteilen, dass man sich fragt, was diesen &bdquo;Top-Manager&ldquo; getrieben haben mag, gar noch sein Konterfei auf dem Buchtitel abbilden zu lassen. Dazu musste die pers&ouml;nliche Eitelkeit wohl gr&ouml;&szlig;er sein, als die Angst vor einer Blamage.<\/p><p>Und vor &ouml;ffentlichem Hohngel&auml;chter braucht sich Claassen wohl leider auch nicht zu f&uuml;rchten, denn &ndash; wie schon vorab die BILD-Zeitung &ndash; wird sein Buch, weil es halt so gut in die herrschende Ideologie passt, viele weitere Claqueure finden.<br>\nEin prominenter Beifallsklatscher wurde schon bestellt, n&auml;mlich <a href=\"http:\/\/www.murmann-verlag.de\/shop\/produkte\/claassen.htm\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.murmann-verlag.de\/shop\/produkte\/claassen.htm\">Gerhard Schr&ouml;der<\/a>. Er lobt:<br>\n&bdquo;Utz Claassen geh&ouml;rt zu den f&uuml;hrenden Unternehmenschefs in unserem Land, der wei&szlig;, dass f&uuml;r langfristigen Erfolg die Verbindung von harter &Ouml;konomie und sozialer Verantwortung unabdingbar ist. Er hat ein ehrliches Buch geschrieben, mutig im Ton, klar formuliert und inhaltlich fundiert(!). Man muss nicht jeden Standpunkt teilen, aber man sollte es gelesen haben.&rdquo;<\/p><p>Es kann einem schwarz vor Augen werden, wenn man dar&uuml;ber nachdenkt, dass solche &bdquo;f&uuml;hrenden Unternehmenschefs&ldquo; mit einem derart aus der Realit&auml;t und aus der Rationalit&auml;t &bdquo;verr&uuml;ckten&ldquo; Weltbild Verantwortung f&uuml;r einen Konzern und f&uuml;r tausende von Arbeitnehmern tragen.<br>\nDas muss einem Angst vor der Zukunft Deutschlands einjagen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dem Schr&ouml;der-Freund und &bdquo;harten Sanierer&ldquo; Utz Claassen, wird nachgesagt er sei ein <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/news\/Karriere\/Koepfe\/_pv\/grid_id\/1198337\/_p\/200811\/_t\/ft\/_b\/624277\/default.aspx\/utz-claassen-der-karriere-ueberflieger.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.handelsblatt.com\/news\/Karriere\/Koepfe\/_pv\/grid_id\/1198337\/_p\/200811\/_t\/ft\/_b\/624277\/default.aspx\/utz-claassen-der-karriere-ueberflieger.html\">&bdquo;&Uuml;berflieger&ldquo;<\/a>. Deshalb kann er eigentlich so dumm gar nicht sein, wie er seine Leser in seinem in <a href=\"http:\/\/www.bild.t-online.de\/BTO\/news\/2007\/03\/15\/utz-claassen-serie\/deutschland-buch.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bild.t-online.de\/BTO\/news\/2007\/03\/15\/utz-claassen-serie\/deutschland-buch.html\">BILD<\/a> vorabgedrucktem Buch &bdquo;Mut zur Wahrheit&ldquo; f&uuml;r dumm verkaufen will. So flach und haneb&uuml;chen wie Utz<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2196\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[11,132,157],"tags":[459,1767,413,411,291],"class_list":["post-2196","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-strategien-der-meinungsmache","category-ungleichheit-armut-reichtum","category-wettbewerbsfaehigkeit","tag-bild","tag-claassen-utz","tag-schlanker-staat","tag-schroeder-gerhard","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2196","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2196"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2196\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30099,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2196\/revisions\/30099"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2196"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2196"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2196"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}