{"id":22012,"date":"2014-06-11T10:38:39","date_gmt":"2014-06-11T08:38:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22012"},"modified":"2015-10-23T15:56:12","modified_gmt":"2015-10-23T13:56:12","slug":"schafft-die-fifa-ab-23","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22012","title":{"rendered":"Schafft die Fifa ab! (2\/3)"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin:0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/100611-Fifa2.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Im zweiten Teil unserer Mini-Serie zur Fu&szlig;ball WM in Brasilien besch&auml;ftigen wir uns mit der Vergabe der WM 2022 an das Emirat Katar, die ein schon fast groteskes Beispiel f&uuml;r die Korruption innerhalb des Fu&szlig;ballweltverbands darstellt und daher Ausl&ouml;ser einer l&auml;ngst &uuml;berf&auml;lligen Debatte &uuml;ber die Rolle der Fifa sein k&ouml;nnte. Von <strong>Jens Berger<\/strong><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8218\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-22012-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140613_WM_2014_Teil_2_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140613_WM_2014_Teil_2_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140613_WM_2014_Teil_2_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140613_WM_2014_Teil_2_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=22012-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140613_WM_2014_Teil_2_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"140613_WM_2014_Teil_2_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Dieser Artikel ist der zweite Teil einer dreiteiligen Mini-Serie zur Fu&szlig;ball WM in Brasilien. Im gestern erschienen <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21995\">ersten Teil<\/a> ging es um die Fifa und die von ihr praktizierte Korruption. Im morgen erscheinenden dritten Teil wird es vor allem um die WM in Brasilien und einen Ausblick in die Zukunft gehen.<\/em><\/p><p>Wenn man zynisch an die Sache herangeht, kann man wirklich nur hoffen, dass die obersten Fifa-Funktion&auml;re bis auf die Knochen korrupt sind. Denn wenn man f&uuml;r einen Moment einmal das Gegenteil annehmen w&uuml;rde, hie&szlig;e dies, dass sie die Fu&szlig;ball WM 2022 nach bestem Wissen und Gewissen an den Bewerber vergeben haben, der auf der Liste der ungeeigneten Austragungsorte f&uuml;r eine solche Veranstaltung ganz oben rangiert. Und das w&auml;re dann wohl der ultimative Beweis f&uuml;r die nicht vorhandene Zurechnungsf&auml;higkeit der Fifa. Aber dem ist freilich nicht so. Das Golfemirat, das aufgrund seiner &Ouml;l- und Gasvorkommen &uuml;ber eine schier unersch&ouml;pfliche Kriegskasse verf&uuml;gt, hat sich die WM ganz profan gekauft. Und das ist auch hinl&auml;nglich bekannt. Gro&szlig;er Widerstand r&uuml;hrt sich jedoch bislang noch nicht. Auch wenn es unwahrscheinlich ist, k&ouml;nnte sich dies jedoch noch in diesem Herbst &auml;ndern.<\/p><p><strong>Der K&ouml;nigsmacher<\/strong><\/p><p>Der kleine W&uuml;stenstaat Katar hat zwar keine erw&auml;hnenswerte Fu&szlig;balltradition, daf&uuml;r verf&uuml;gte er bis vor kurzem jedoch &uuml;ber einen Fu&szlig;ballfunktion&auml;r, der selbst f&uuml;r Fifa-Verh&auml;ltnisse ungew&ouml;hnlich korrupt und daher auch ungew&ouml;hnlich erfolgreich ist. Dabei &auml;hnelt das ehemalige Fifa-Exekutivkomiteemitglied Mohamed Bin Hammam auf den ersten Blick keinesfalls dem Klischee vom korrupten Fu&szlig;ballfunktion&auml;r. Bin Hammam stammt aus wohlhabendem Hause und ist selbst erfolgreicher und steinreicher Unternehmer und somit nicht auf Gef&auml;lligkeiten der finanziellen Art angewiesen. Klar &ndash; Bin Hammam geh&ouml;rt nicht zu den Geschmierten, er ist der K&ouml;nig der Schmierer. Die Vergabe der WM nach Katar ist sein Meisterwerk, ein fulminantes Schurkenst&uuml;ck in Sachen Korruption.<\/p><p>Als die Wirtschaftspr&uuml;fer von PriceWaterhouseCoopers 2012 die Verbandsgesch&auml;fte Bin Hammams <a href=\"http:\/\/mideastsoccer.blogspot.de\/2012\/07\/bin-hammam-audit-opens-pandoras-box.html\">durchleuchteten<\/a>, fanden sie Belege f&uuml;r einen bunten Reigen an Straftaten &ndash; beginnend mit Geldw&auml;sche, Bestechung und Steuerbetrug, bis hin zum Bruch verh&auml;ngter Wirtschaftsembargos. Dieser Bericht f&uuml;hrte schlussendlich dazu, dass Bin Hammam vor zwei Jahren zum zweiten Mal von der Fifa auf Lebenszeit f&uuml;r s&auml;mtliche &Auml;mter gesperrt wurde. Das Blatt hatte sich gegen den Strippenzieher aus Katar gewendet, da er 2011 &ndash; ein Jahr nach der WM-Vergabe an Katar &ndash; gegen die &bdquo;Omerta&ldquo; der Fifa versto&szlig;en und die offene Rebellion gegen den Fifa-Boss Sepp Blatter gewagt hatte.<\/p><p>Blatters Karriere w&auml;re ohne Hammam so wohl nie m&ouml;glich gewesen. Nachdem sein fr&uuml;herer F&ouml;rderer, der Adidas-Erbe <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21995\">Horst Dassler<\/a> verstarb und sein &bdquo;Versorgungswerk&ldquo; ISL, &uuml;ber das mindestens 160 Millionen Schweizer Franken als Schmiergeld an korrupte Funktion&auml;re verteilt wurden, in den Konkurs ging, fand Sepp Blatter schnell einen neuen F&ouml;rderer. Der 1996 ins Fifa-Exekutivkomitee aufger&uuml;ckte Katari Mohamed Bin Hammam verf&uuml;gte anscheinend &uuml;ber die Prokura, sich mit Hilfe der prall gef&uuml;llten Schatzkammern seines Jugendfreundes des Emirs von Katar, einen Namen in der Fu&szlig;ballfunktion&auml;rswelt zu machen. 1998 und 2002 &bdquo;managte&ldquo; Bin Hammam den Wahlkampf Sepp Blatters. Zusammen jettete man im noblen Privatjet des Emirs durch Afrika und verteilte gro&szlig;z&uuml;gig Handgelder f&uuml;r die Delegierten. Dank Blatters Protektion wurde Bin Hammam kurze Zeit sp&auml;ter Chairman des Fifa-Entwicklungshilfeprogramms GOAL, &uuml;ber das er Zugriff auf ein weiteres F&uuml;llhorn an Bestechungsgeldern hatte.<\/p><p>Bin Hammam bildete damit das R&uuml;ckgrat von Blatters Macht. Er sorgte in Afrika und Asiens f&uuml;r die n&ouml;tigen Delegiertenstimmen und kaufte &uuml;ber seinen guten Freund <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21995\">Jack Warner<\/a> die Stimmen der Delegierten aus der Karibik. Gegen diesen Stimmenblock waren s&auml;mtliche vorhandene und potentielle Konkurrenten Blatters chancenlos. Was genau zum Zerw&uuml;rfnis zwischen Bin Hammam und Blatter gef&uuml;hrt hat, ist unbekannt. Fest steht jedoch, dass Bin Hammam sich 2011 mit seinem gekauften Netz an Delegiertenstimmen zusammen mit Jack Warner gegen Blatter erhob und selbst f&uuml;r das Amt des Fifa-Pr&auml;sidenten kandidierte. Wie es der Zufall so will, tauchten kurz nach der Nominierung Bin Hammams Belege auf, mit denen bewiesen werden konnte, dass er und Warner in den Jahren zuvor Delegiertenstimmen f&uuml;r Blatter kauften. Bin Hammam und Jack Warner wurden daraufhin von der Fifa auf Lebenszeit gesperrt und Blatter, der nat&uuml;rlich von nichts wusste, wurde ohne Gegenkandidaten auch 2011 erneut zum Fifa-Pr&auml;sidenten gew&auml;hlt.<\/p><p><strong>Gekaufte WM? Alles andere w&auml;re sehr &uuml;berraschend<\/strong><\/p><p>Wer &uuml;ber ein Netzwerk wie Bin Hammam verf&uuml;gt, kann seinen Einfluss nat&uuml;rlich auch &ndash; gegen ein nennenswertes Entgelt &ndash; f&uuml;r andere Entscheidungen einsetzen. Daher k&ouml;nnen die j&uuml;ngst aufgetauchten Dokumente, mit denen die Sunday Times Anfang diesen Monats beweisen konnte, dass Bin Hammam die Stimmen f&uuml;r die WM-Vergabe an Katar <a href=\"http:\/\/www.theguardian.com\/football\/2014\/jun\/08\/fifa-qatar-world-cup-claims\">gekauft hat<\/a>, nicht &uuml;berraschen. Nachdem zwei Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees bereits im Vorfeld wegen Korruptionsangeboten (sie boten ihre Stimme zum Kauf an) bei der WM-Vergabe gesperrt wurden, musste Katar noch 12 Stimmen f&uuml;r sich gewinnen. Bei einem Gremium, in dem fast alle Vertreter direkt oder indirekt mit Korruptionsvorw&uuml;rfen belastet sind, ist dies eine machbare Aufgabe, wenn man denn nur &uuml;ber das n&ouml;tige Schmiergeld verf&uuml;gt.<\/p><p>Offenbar hat Bin Hammam die gesamte Fifa-Funktion&auml;rswelt mit Geld &uuml;bersch&uuml;ttet &ndash; angefangen beim Pr&auml;sidenten des liberianischen Fu&szlig;ballverbandes, der bereits f&uuml;r 10.000 Dollar zu kaufen war, bis hin zu Jack Warner, der nie fehlen darf, wenn es um Schmiergelder geht, und der den Dokumenten zufolge stolze zwei Millionen Dollar von Bin Hammam bekommen haben soll. Am Ende konnte Katar im letzten Wahlgang gegen die USA sogar 14 Stimmen sammeln &ndash; davon auch mindestens vier von Vertretern des europ&auml;ischen Fu&szlig;ballverbands UEFA. Mittlerweile sind acht der damals 22 stimmberechtigten Fifa-Funktion&auml;re wegen belegter Korruptionsvorw&uuml;rfe zur&uuml;ckgetreten. Was nicht hei&szlig;en soll, dass die &uuml;brigen 14 Funktion&auml;re nicht korrupt w&auml;ren. <\/p><p><strong>Was kostet ein Kaiser?<\/strong><\/p><p>Zu den im offiziellen Sprachgebrauch als nicht korrupt geltenden Funktion&auml;ren z&auml;hlt auch Franz Beckenbauer, der bei der WM-Vergabe an Katar f&uuml;r die UEFA im Fifa-Exekutivkomitee sa&szlig;. F&uuml;r wen der Tausendsassa, der ebenfalls ein Z&ouml;gling von Horst Dassler (&bdquo;Der Erfinder der modernen Sportkorruption&ldquo;) ist und als &bdquo;Partner&ldquo; des Fu&szlig;ballvermarkters Sky und des Axel-Springer-Verlags &uuml;ber stattliche Nebeneink&uuml;nfte verf&uuml;gt, bei der WM-Vergabe gestimmt hat, ist unbekannt. Fest steht jedoch, dass Beckenbauer unter <a href=\"https:\/\/www.jensweinreich.de\/2014\/06\/08\/beckenbauer-bin-hammam-chung-investoren-schiffstaufen-und-andere-fifa-kontakte\/\">fragw&uuml;rdigen Umst&auml;nden<\/a> vor und nach der Vergabe als Gast von Bin Hammam im Emirat weilte. Einer Befragung der Fifa-Ethikkommission &uuml;ber die Zusammenh&auml;nge dieser Reisen ist Beckenbauer bislang nicht nachgekommen &ndash; angeblich ist sein Englisch zu schlecht, um den Fragebogen des Chefermittlers Michael Garcia <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/sport\/fussball\/wm-2022\/wm-korruptionsvorwuerfe-zur-wm-2022-berichte-von-beckenbauer-treffen-in-katar_id_3905747.html\">auszuf&uuml;llen<\/a>. Ja, is&rsquo; denn heut&rsquo; scho&rsquo; Weihnachten? Beckenbauer hat sich auch nicht entbl&ouml;det, vor laufenden Kameras zu sagen, er habe auf den WM-Baustellen in Katar <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=EKFrMmhiQpY\">noch keinen Sklaven gesehen<\/a>. Nichts sehen, nichts h&ouml;ren und nichts sagen &ndash; das lohnt sich zumindest f&uuml;r Beckenbauer, der mit einem gesch&auml;tzten Verm&ouml;gen von 150 Millionen Euro zu den 500 wohlhabendsten Deutschen geh&ouml;rt.<\/p><p>F&uuml;r wen Beckenbauer bei der zeitgleich stattfindenden Vergabe der WM 2018 gestimmt hat, d&uuml;rfte indes klar sein. Russland holte die WM und wenige Monate sp&auml;ter verpflichtete der vom Staatskonzern Gazprom dominierte Verband russischer Gasproduzenten Franz Beckenbauer &ndash; gegen ein ordentliches Sal&auml;r, versteht sich &ndash; als neuen <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/sport\/fussball\/sportbotschafter-fuer-russland-gazprom-kauft-beckenbauer-ein_aid_760883.html\">&bdquo;Sportbotschafter&ldquo;<\/a> &ndash; Gerhard Schr&ouml;der l&auml;sst gr&uuml;&szlig;en. W&auml;re es nicht so tragisch, man k&ouml;nnte laut lachen. <\/p><p>Der DFB, der sich selbst gerne als Vorreiter im Kampf gegen Korruption im Fu&szlig;ball geriert, lie&szlig; sich bei der WM-Vergabe von einem millionenschweren Schwadroneur vertreten, der daf&uuml;r bekannt ist, sich f&uuml;r gr&ouml;&szlig;ere Geldbetr&auml;ge vor so ziemlich jeden Karren spannen zu lassen, und der bis heute nicht belegen kann oder will, f&uuml;r wen er &ndash; im Auftrag des DFB &ndash; bei der WM-Vergabe eigentlich gestimmt hat. Wer selbst derart Dreck am Stecken hat, kann sich auch den mahnenden Zeigefinger in Richtung Katar sparen. Es ist eine Schande, dass ein derartiges Verhalten in einem deutschen Verband m&ouml;glich ist, der immerhin fast sieben Millionen Mitglieder vertritt. <\/p><p><strong>Die Fifa geht &uuml;ber Leichen<\/strong><\/p><p>&Uuml;ber die Arbeitsbedingungen auf den Fifa-Baustellen in Katar ist schon viel geschrieben worden. In den letzten zwei Jahren sind alleine 450 indische Bauarbeiter <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/gastarbeiter-in-katar-mehr-als-450-inder-auf-wm-baustellen-gestorben-a-954038.html\">ums Leben gekommen<\/a> &ndash; von den Kollegen aus Nepal stirbt im Schnitt <a href=\"http:\/\/www.theguardian.com\/world\/2013\/sep\/25\/revealed-qatars-world-cup-slaves\">jeden Tag<\/a> ein Bauarbeiter. Experten gehen davon aus, dass bis zur Fertigstellung der Stadien und der Infrastruktur weitere 4.000 Arbeiter ihr Leben lassen m&uuml;ssen. Das Schicksal der &bdquo;Habenichtse&ldquo; aus der Dritten Welt ist der Fifa nicht einmal eine Randnotiz wert. Abzuwarten bleibt, wie viele Fu&szlig;ballfans aus den Industriel&auml;ndern das sonnige W&uuml;stenwetter mit Temperaturen bis zu 50 Grad Celsius hinraffen wird. Die haben dann zumindest die Chance, als Randnotiz in die offizielle WM-Geschichte einzugehen.<\/p><p>Arbeiter werden in Katar wie Sklaven gehalten. Sie m&uuml;ssen ihre Papiere bei ihrem Arbeitgeber abgeben und d&uuml;rfen ohne die Papiere weder das Land verlassen, noch einen neuen Job annehmen &ndash; auch dann nicht, wenn sie &uuml;berhaupt nicht bezahlt werden und in unhygienischen Massenunterk&uuml;nften eingepfercht werden. Wenn dies keine moderne Sklaverei ist, was ist dann &uuml;berhaupt Sklaverei? Die Fifa sieht diese Missst&auml;nde &ndash; wie so oft &ndash; mit Besorgnis. Doch hinter der kritischen Fassade steckt nichts.<\/p><p><strong>Warum Katar?<\/strong><\/p><p>Die Fifa interessiert sich nicht f&uuml;r mittellose Arbeiter aus der Dritten Welt, solange dies die Interessen der Sponsoren nicht ber&uuml;hrt. Wenn dies einmal der Fall ist, zeigt die Fifa jedoch, was m&ouml;glich ist. So mussten sowohl Brasilien (dort verbot ein Gesetz den Alkoholkonsum in Sportstadien) als auch Katar (dort ist der Verzehr von Alkohol generell streng limitiert) ihre Gesetze &auml;ndern, sodass der Fifa-Sponsor Budweiser sein &bdquo;Bier&ldquo; bei der WM verkaufen kann. Das Leben von Tausenden Indern und Nepalesen lohnt sich jedoch nicht, um beim Gastgeberland zu intervenieren. Auch homosexuelle Fans haben bei der Fifa keine echte Lobby. In Katar werden Homosexuelle mit Gef&auml;ngnisstrafe bis zu f&uuml;nf Jahren oder Peitschenhieben bestraft. Fifa-Pr&auml;sident Blatter meinte dazu lapidar, er k&ouml;nne homosexuellen Fu&szlig;ballfans bei der WM in Katar nur empfehlen, auf sexuelle Handlungen w&auml;hrend der WM zu verzichten. Nun ja, w&auml;re ein Schwulenverband offizieller Fifa-Sponsor, h&auml;tten Blatter und Co. schon daf&uuml;r gesorgt, dass derart mittelalterliche Gesetze w&auml;hrend der WM ausgesetzt werden.<\/p><p>Es gibt tausend Gr&uuml;nde, warum Katar kein geeigneter Austragungsort ist. Doch diese Gr&uuml;nde interessieren die Fifa-Oberen nicht besonders. Entscheidend ist, dass der arabische Raum ein &bdquo;Wachstumsmarkt&ldquo; ist und die Sponsoren Wachstumsm&auml;rkte lieben. Und noch entscheidender ist, dass der Emir &uuml;ber Mohamed bin Hammam die Delegierten ganz profan eingekauft hat. Der Weltfu&szlig;ball ist heute eine k&auml;ufliche Ware.<\/p><p><strong>Gegenwind f&uuml;r Katar<\/strong><\/p><p>Es ist jedoch l&auml;ngst nicht gekl&auml;rt, ob Katar die WM 2022 wirklich austragen wird. Innerhalb der Fifa hat sich bereits Widerstand formiert. Dabei geht es freilich nicht um die Menschenrechte oder um die skandal&ouml;sen Bedingungen auf den Fifa-Baustellen. Es geht vielmehr darum, dass Mohamed bin Hammam in Ungnade gefallen ist und zum Abschuss freigegeben wurde und hinter den Kulissen mit Dolchen unter der Toga darum gek&auml;mpft wird, wer 2015 n&auml;chster Fifa-Pr&auml;sident wird. Der Katari Bin Hammam hat den Machtkampf mit Sepp Blatter nicht &uuml;berlebt und ist weg vom Fenster. Sein &bdquo;Nachfolger&ldquo; im Fifa-Exekutivkomitee ist Salman bin Ibrahim Al Chalifa, seines Zeichens Mitglied der K&ouml;nigsfamilie von Bahrain. Bahrain und Katar sind sich in einer Hassliebe als erbitterte Konkurrenten im Golf verbunden und Katar hat sich dort durch seine offene Unterst&uuml;tzung der Muslimbr&uuml;der in der arabischen Welt keine Freunde gemacht. Au&szlig;erdem wei&szlig; Al Chalifa, dass die Fifa wohl nie wieder ein gro&szlig;es Fu&szlig;ballturnier (es muss ja nicht gleich die WM sein) an den Golf vergeben wird, wenn Katar die WM austr&auml;gt. Und bekanntlich verf&uuml;gt auch das K&ouml;nigshaus von Bahrain &uuml;ber eine Kriegskasse, die der Katars kaum nachsteht.<br>\nDunkle Wolken ziehen auch aus einer anderen Ecke auf. Es ist bekannt, dass der UEFA-Pr&auml;sident Michel Platini Ambitionen hegt, Sepp Blatter 2015 als Fifa-Pr&auml;sidenten zu beerben. Platini hat sich &ndash; anders als Blatter &ndash; offen f&uuml;r Katar ausgesprochen und die WM im W&uuml;stenstaat damit unvorsichtigerweise zu seinem Projekt gemacht. In diesem Zusammenhang ist auch Blatters &Auml;u&szlig;erung aus dem Mai dieses Jahres zu verstehen, dass es &bdquo;sicher ein Fehler war&ldquo;, die WM nach Katar <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/sport\/blatter-ueber-wm-in-katar-sicher-war-es-ein-fehler-1.1966124\">zu vergeben<\/a>. Diese &Auml;u&szlig;erung hatte nichts mit Katar zu tun, sondern war ein offener Angriff auf Platini. <\/p><p>Im Herbst diesen Jahres wird nun der Untersuchungsbericht des von Blatter beauftragten US-Juristen Michael Garcia vorliegen, der schon den New Yorker Gouverneur Eliot Spitzer zu Fall brachte. Garcias Aufgabe war es, die Rechtm&auml;&szlig;igkeit der WM-Vergabe an Katar zu untersuchen und man braucht wohl nicht viel Phantasie, um sich auszumalen, wie Garcias Bericht aussehen wird. Die gesamte Situation ist hoch grotesk. Es k&ouml;nnte sein, dass sich im Herbst der Pate Blatter zum K&auml;mpfer gegen Korruption aufschwingt und &ndash; gest&uuml;tzt auf den Garcia-Bericht &ndash; Katar die WM wieder aberkennt, um seinen Konkurrenten Platini auszubooten. Unter der Fifa ist der Fu&szlig;ball nicht nur zu einer k&auml;uflichen Ware geworden. Er wurde auch zu einem schmutzigen Gesch&auml;ft.<\/p><p>Mehr dazu im morgen erscheinenden dritten Teil der Mini-Serie.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/e2ba676bdedc4a5e9c2142faa52c815f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin:0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/100611-Fifa2.png\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Im zweiten Teil unserer Mini-Serie zur Fu&szlig;ball WM in Brasilien besch&auml;ftigen wir uns mit der Vergabe der WM 2022 an das Emirat Katar, die ein schon fast groteskes Beispiel f&uuml;r die Korruption innerhalb des Fu&szlig;ballweltverbands darstellt und daher Ausl&ouml;ser einer l&auml;ngst &uuml;berf&auml;lligen Debatte &uuml;ber die Rolle der<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22012\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,127,161],"tags":[1427,1321,834,1479],"class_list":["post-22012","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-wertedebatte","tag-blatter-sepp","tag-fifa","tag-fussball","tag-katar"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22012","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=22012"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22012\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22061,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22012\/revisions\/22061"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=22012"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=22012"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=22012"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}