{"id":22033,"date":"2014-06-12T09:13:17","date_gmt":"2014-06-12T07:13:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22033"},"modified":"2015-10-23T16:01:53","modified_gmt":"2015-10-23T14:01:53","slug":"schafft-die-fifa-ab-33","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22033","title":{"rendered":"Schafft die Fifa ab! (3\/3)"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/100612-Fifa2.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Im dritten Teil unserer Mini-Serie zur Fu&szlig;ball WM in Brasilien besch&auml;ftigen wir uns mit der heute beginnenden WM in Brasilien und werfen einen kleinen Ausblick in die Zukunft des internationalen Fu&szlig;balls. Wie k&ouml;nnte eine bessere WM aussehen, die nicht nur der Fifa und den Sponsoren nutzt? Fu&szlig;ball ist schlie&szlig;lich etwas f&uuml;r Fans und nichts f&uuml;r Konsumenten. Und au&szlig;erdem ist Fu&szlig;ball zu sch&ouml;n, um ihn korrupten Funktion&auml;ren und profitgeilen Sportmanagern zu &uuml;berlassen. Ist die Fifa &uuml;berhaupt noch von innen heraus reformierbar?<br>\nVon <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_392\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-22033-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140618_WM_2014_Teil_3_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140618_WM_2014_Teil_3_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140618_WM_2014_Teil_3_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140618_WM_2014_Teil_3_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=22033-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140618_WM_2014_Teil_3_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"140618_WM_2014_Teil_3_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Dieser Artikel ist letzte Teil einer dreiteiligen Mini-Serie zur Fu&szlig;ball WM in Brasilien. Im vorgestern erschienenen <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21995\">ersten Teil<\/a> ging es um die Fifa und die von ihr praktizierte Korruption und im gestern erschienenen <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22012\">zweiten Teil<\/a> um die Vergabe der WM 2022 an Katar.<\/p><p>Brasilien musste keine Funktion&auml;re schmieren, um 2007 von der Fifa als Gastgeber f&uuml;r die Fu&szlig;ball WM 2014 bekanntgegeben zu werden. Durch das Rotationsprinzip bei der Veranstaltung von Fu&szlig;ballweltmeisterschaften stand bereits vorher fest, dass nur ein s&uuml;damerikanisches Land 2014 zum Zug kommen konnte und Brasilien bringt gleich zahlreiche gute Argumente mit, um als Gastgeber die WM zu veranstalten. Brasilien ist zweifelsohne ein Land mit glorreicher Fu&szlig;balltradition und einer Fankultur, die weltweit ihresgleichen sucht. Brasilien ist jedoch nicht nur fu&szlig;ballbegeistert, sondern auch als Schwellenland ein dankbarer Markt f&uuml;r die Sponsoren der Fifa und liegt zudem in einer Zeitzone, in der die Spiele f&uuml;r die relevanten M&auml;rkte Europas und Amerikas attraktiv vermarktet werden k&ouml;nnen. Ein s&uuml;damerikanisches Fu&szlig;ballfest, bestehend aus Samba, Caipirinha, Copa Cabana und einem fu&szlig;ballerischen Feuerwerk der Sele&ccedil;&atilde;o &hellip; das w&auml;re doch was. Doch leider wird die WM immer noch von der Fifa veranstaltet und zusammen mit der diesbez&uuml;glich offenbar komplett inkompetenten brasilianischen Regierung haben die Fu&szlig;ballfunktion&auml;re diese Steilvorlage grandios vergeben.<\/p><p><strong>Auch in Brasilien feiert die Korruption Hochkultur<\/strong><\/p><p>Es gibt weltweit wohl keinen nationalen Fu&szlig;ballverband, der derart korrupt ist wie die Confedera&ccedil;&atilde;o Brasileira de Futebol (CBF). Gepr&auml;gt wurde die CBF von Jo&atilde;o Havelange, der ihr von 1958 bis 1975 in den Zeiten der Milit&auml;rdiktatur vorstand, und von 1974 bis 1998 als Fifa-Pr&auml;sident auch den Weltverband &ndash; nicht eben zum Besten &ndash; pr&auml;gte. Havelange hatte gro&szlig;e Pl&auml;ne mit der Fifa, doch dem Weltfu&szlig;ballverband stand damals kaum Geld zur Verf&uuml;gung. Daher holte Havelange den umtriebigen Adidas-Erben Horst Dassler mit ins Boot. Zusammen mit Dassler und dem britischen Sportvermarkter Patrick Nally baute Havelange die Fifa zu einem durch und durch kommerzialisierten und zutiefst korrupten Gebilde um. Als erste Sponsoren konnte man Adidas und Coca Cola f&uuml;r die WM 1978 in der Milit&auml;rdiktatur Argentinien gewinnen &ndash; zahlreiche andere Weltkonzerne wie McDonald&acute;s oder Budweiser sollten folgen. <\/p><p>Da Havelange sich selbst am n&auml;chsten stand und seine Macht in der Fifa durch Schmiergelder absichern musste, f&auml;delte er zusammen mit Horst Dassler 1982 den ISL-Deal ein. Havelange sorgte daf&uuml;r, dass der Sportrechtevermarkter ISL stets die &Uuml;bertragungsrechte f&uuml;r die WM zugesprochen bekam und daf&uuml;r zeigte sich ISL bei den Fifa-Funktion&auml;ren dankbar. &Uuml;ber die ISL wurden mindestens 160 Millionen Schweizer Franken an Schmiergeldern an hohe Fifa-Funktion&auml;re ausgezahlt. Besonders eifrig lie&szlig;en sich Jo&atilde;o Havelange und sein Schwiegersohn Ricardo Teixeira schmieren, den er sowohl als Pr&auml;sidenten der CBF als auch als Mitglied im Fifa-Exekutivkomitee platzierte. Havelange und Teixeira haben zusammen 41 Millionen Franken von der ISL bezogen und selbst das ist nur die Spitze des Eisbergs &ndash; der Investigativjournalist Andrew Jennings sch&auml;tzt, dass Havelange &uuml;ber seine Liechtensteiner Briefkastenfirma Sicuretta mehr als 50 Millionen Dollar an Schmiergeldern kassiert hat. <\/p><p>Aus der Strafverfolgung in der Schweiz haben sich Havelange und Teixeira mit einer Geldleistung von drei Millionen Franken (die Fifa schoss noch einmal 2,5 Millionen Franken dazu) freigekauft. Havelange trat im letzten Jahr in Schimpf und Schande von all seinen &Auml;mtern zur&uuml;ck und wird aufgrund einer schweren Krankheit (er ist mittlerweile 98 Jahre alt) die WM in seinem Heimatland nicht live verfolgen k&ouml;nnen. Auch Ricardo Teixeira wird den Stadien fern bleiben. Er lebt mittlerweile millionenschwer im unfreiwilligen Exil in Miami, steuert die Geschicke des brasilianischen Fu&szlig;ballverbandes CBF jedoch immer noch &uuml;ber seinen Nachfolger und Vertrauten Jos&eacute; Maria Marin &ndash; ein ehemaliger Gouverneur der brasilianischen Milit&auml;rjunta. Doch die Einsch&uuml;sse kommen n&auml;her. Gegen Teixeira und seine korrupten Fifa-Kollegen Jack Warner und Chuck Blazer (USA) ermittelt mittlerweile das FBI wegen des Vorwurfs der Geldw&auml;sche und anderer unappetitlicher Dinge.<\/p><p>Man kann nicht &uuml;ber die WM in Brasilien schreiben, ohne dabei auf die allgegenw&auml;rtige Korruption einzugehen. Die H&auml;lfte aller zw&ouml;lf Minister, die die brasilianische Pr&auml;sidentin Dilma Rousseff w&auml;hrend ihrer Amtszeit entlassen musste, mussten ihren Hut wegen Korruptionsvorw&uuml;rfen nehmen, die direkt oder indirekt etwas mit der Fu&szlig;ball WM oder den 2016 stattfindenden Olympischen Spielen zu tun haben. <\/p><p><strong>Ein Planungsdesaster<\/strong><\/p><p>Die WM in Brasilien h&auml;tte tats&auml;chlich die &bdquo;Copa das Copas&ldquo; (WM aller WMs) werden k&ouml;nnen, als die sie die Brasilianer vermarkten. Doch ein Planungsdesaster, das sowohl die brasilianische Regierung als auch die Fifa zu verantworten haben, hat leider dazu gef&uuml;hrt, dass viele Brasilianer mit dem Turnier fremdeln. An erster Stelle sind da nat&uuml;rlich die ausufernden Kosten zu nennen. Offiziell sollen die Kosten bei 8,5 Milliarden Euro liegen &ndash; inoffiziell geht man indes von &uuml;ber 11 Milliarden Euro aus. Damit ist die WM in Brasilien rund doppelt so teuer wie die WM 2006 in Deutschland und rund dreimal so teuer wie die WM 2010 in S&uuml;dafrika. Diese Kosten werden in Brasilien ausschlie&szlig;lich dem Staat aufgeb&uuml;rdet, private Investoren tragen weniger als ein Prozent der Kosten. <\/p><p>Ein Beispiel f&uuml;r den Irrsinn der Planung ist der Neubau der Arena da Amaz&ocirc;nia in Manaus. Dort wurde f&uuml;r stolze 206 Mio. Euro ein mehr als 44.000 Zuschauer fassendes Edelstadion sprichw&ouml;rtlich mitten in den Dschungel gesetzt. Manaus hat jedoch keinen professionellen Fu&szlig;ballverein oder eine andere denkbare Anschlussverwendung, sodass das Stadion nach den vier WM-Partien der Stadt und dem Land als wohl teuerste Vogeltoilette der Welt erhalten bleibt. Immerhin besitzt Manaus auch noch das <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Teatro_Amazonas\">Teatro Amazonas<\/a>, ein im Jahr 1896 von kulturverliebten Kautschukbaronen errichtetes Opernhaus, das bereits 1907 wieder schlie&szlig;en musste und seitdem Unsummen von Geld f&uuml;r die Instandhaltung im tropischen Klima verschlungen hat. Damals badeten die Bonzen in Champagner, w&auml;hrend die Kautschukpflanzer im Regenwald wie Sklaven gehalten wurden. Manche Dinge &auml;ndern sich leider nie. Auch heute k&ouml;nnen sich die breiten Massen nicht einmal im Traum ein Ticket f&uuml;r eines der Spiele in der Arena da Amaz&ocirc;nia leisten.<\/p><p><strong>Verlust der Fankultur<\/strong><\/p><p>Als Beispiel f&uuml;r die entt&auml;uschten Hoffnungen der Brasilianer kann wohl das Maracan&atilde;-Stadion gelten, das in Brasilien ein echter Mythos ist. Das Stadion wurde 1948 als Symbol der Demokratie als Volksstadion gebaut. Es fasste urspr&uuml;nglich 180.000 Zuschauer und war damit das gr&ouml;&szlig;te Fu&szlig;ballstadion[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] der Welt. Im Maracan&atilde; stand (Sitzpl&auml;tze gab es nicht) der Obdachlose neben dem Fabrikbesitzer. Das Stadion wurde an der Schnittstelle zwischen den reicheren und &auml;rmeren Bezirken Rios errichtet, es sollte verbinden. Der Eintritt kostete damals ein paar Cent und die Fans konnten sich preiswerten Snacks, die von herumlaufenden H&auml;ndlern angeboten wurden, erfreuen. Maracan&atilde; ist jedoch auch ein nationales Trauma &ndash; 1950 verlor Brasilien im entscheidenden Spiel unerwartet mit 1:2 gegen Uruguay. <\/p><p>Doch dieses Maracan&atilde; gibt es nicht mehr. Frisch f&uuml;r die WM wurde Maracan&atilde; f&uuml;r 360 Millionen Euro in eine Luxus-Arena umgebaut. Heute fasst das Stadion &bdquo;nur&ldquo; noch 73.000 Besucher &ndash; wo fr&uuml;her Stehpl&auml;tze waren, sind heute familientaugliche Sitzpl&auml;tze mit bunten Plastiksitzen. Neu gebaut wurden auch 125 je 50 Quadratmeter gro&szlig;e VIP-Logen mit Bad, Bar und Terrasse. Da die preiswertesten Tickets heute 30 Euro kosten, wird man im ehemaligen Volksstadion vergeblich nach dem &bdquo;normalen Volk&ldquo; suchen. Was hat Brasilien von den Spielen, wenn die Brasilianer sich die Tickets nicht leisten k&ouml;nnen? Das alte Maracan&atilde; verband arm und reich, das neue teilt. Und dies gilt nicht nur f&uuml;r das Maracan&atilde;, sondern f&uuml;r die gesamte WM. <\/p><p>Es sind jedoch nicht nur die Stadien selbst, die f&uuml;r Unmut sorgen. Ganz im Sinne von Naomi Kleins &bdquo;Schock-Strategie&ldquo; nutzt man in Brasilien die WM, um die Stadtviertel rund um die Stadien und die neu zu errichtende Infrastruktur &bdquo;aufzuwerten&ldquo;. Wohnraum f&uuml;r Tausende Arme verschwindet und wird durch Luxusappartements und gehobene Gesch&auml;ftsfl&auml;chen ersetzt. Die ehemaligen Bewohner landen obdachlos auf der Stra&szlig;e. Es ist verst&auml;ndlich, dass sich gegen diese WM in Brasilien Widerstand formiert hat. Bereits im letzten Jahr haben sich im Umfeld des Fifa-Confed-Cups Sozialproteste firmiert, bei denen Tausende gegen die WM auf die Stra&szlig;e gingen.<\/p><p><strong>Proteste sind vorprogrammiert &ndash; aber nicht alle Proteste lassen sich &uuml;ber einen Kamm scheren<\/strong><\/p><p>Doch man muss vorsichtig sein, wenn man die Fu&szlig;ball WM monokausal als Grund der Proteste bezeichnet. Brasilien ist ein Schwellenland mit einer wachsenden Mittelschicht. Die Wirtschaft l&auml;uft jedoch seit der Finanzkrise nicht mehr rund und f&uuml;r viele junge, gut ausgebildete Brasilianer sieht die Zukunft d&uuml;ster aus. Brasilien ist ein Land voller sozialer Probleme und die seit 2002 regierende Arbeiterpartei hat sicher viele Fehler begangen. Es ist jedoch zu beachten, dass die Proteste von verschiedenen Str&ouml;mungen kommen und verschiedene Adressaten haben. Neben den Sozialbewegungen mischt bei den Stra&szlig;enprotesten auch der in Brasilien sehr gut organisierte &bdquo;Black Bloc&ldquo; mit, eine radikal-anarchistische Bewegung, deren Protest weit &uuml;ber die WM hinausgeht. Auch die Sozialbewegungen protestieren nicht gegen den Fu&szlig;ball und haben meist auch nichts gegen die Fu&szlig;ball WM. Sie haben jedoch &ndash; zu Recht &ndash; etwas gegen &bdquo;diese&ldquo; Fu&szlig;ball WM mit all ihren negativen Begleitumst&auml;nden. Und wenn Pr&auml;sidentin Rousseff sich durchringen kann, bei der heutigen WM-Er&ouml;ffnung eine Rede zu halten, wird sie Probleme haben, sich gegen die lauten Pfiffe durchzusetzen. Diese Pfiffe werden jedoch nicht von sozialen Randgruppen oder hoffnungslosen Jugendlichen kommen, die sich die Karte f&uuml;r das Er&ouml;ffnungsspiel bei der WM gar nicht leisten k&ouml;nnen. Rousseffs gr&ouml;&szlig;te Feinde stammen aus der wohlhabenden Oberschicht, denen die gem&auml;&szlig;igt linke Arbeiterpartei schon lange ein Dorn im Auge ist und die sich bei den im Herbst stattfindenden Wahlen einen Sieg des rechten Kandidaten A&eacute;cio Neves w&uuml;nschen. Nicht jeder Protest im Umfeld der WM ist f&uuml;r soziale Gerechtigkeit, gegen die Veranstaltung der WM oder gar gegen den Fu&szlig;ball gerichtet.<\/p><p><strong>Wie k&ouml;nnte eine bessere WM aussehen?<\/strong><\/p><p>Die Fehler, die in Brasilien begangen wurden, w&auml;ren vermeidbar gewesen. Warum braucht ein Gastgeberland eigentlich 12 nigelnagelneue Luxus-Arenen, um eine WM abzuhalten? Acht oder gar vier gute vorhandene Stadien w&uuml;rden es auch tun. Es ist auch nicht einzusehen, warum bei einer Fifa-WM nur Sitzpl&auml;tze und Logen angeboten werden d&uuml;rfen. Haben WM-Zuschauer etwa nicht das Recht auf preiswertere Stehpl&auml;tze, auf denen die Stimmung ohnehin besser ist? Mit einer Reduzierung der Spielorte w&uuml;rden auch die n&ouml;tigen Kosten f&uuml;r Infrastrukturma&szlig;nahmen sinken. Das Gros der Investitionskosten w&uuml;rde dadurch wegfallen und die Ausrichtung einer WM bezahlbar werden.<\/p><p>Es ist auch nicht zu erkl&auml;ren, warum die Gastgeberl&auml;nder der Fifa eine Befreiung von der lokalen Besteuerung zusichern m&uuml;ssen. Die Fifa nimmt sich das Recht heraus, <a href=\"http:\/\/diepresse.com\/home\/sport\/fussball\/589247\/FussballWM-2018_Fifa-fordert-totale-Steuerfreiheit\">von s&auml;mtlichen(!) Steuern des Gastgeberlandes befreit zu werden<\/a> &ndash; dies schlie&szlig;t die Mehrwertsteuer und eine Besteuerung ihrer Gewinne ein und geht bis zur Steuerbefreiung der Pr&auml;mien f&uuml;r die ohnehin bestens verdienenden Fu&szlig;ballprofis. Dieses Privileg ist nicht nur unversch&auml;mt, es verst&ouml;&szlig;t auch gegen geltendes Recht.<\/p><p>Last but not least m&uuml;sste die Fifa auch dazu gezwungen werden, einen signifikanten Teil der Gewinne, die sie durch Sponsorengelder und &Uuml;bertragungsrechte mit der Fu&szlig;ball WM erzielt, an das Gastgeberland weiterzugeben. W&uuml;rden diese Punkte umgesetzt, k&ouml;nnte ein Gastgeberland mit der Ausrichtung einer WM ohne Probleme Gewinne erzielen und m&uuml;sste nicht auf den horrenden Kosten sitzen bleiben.<\/p><p>Es ist auch nicht mehr zu vermitteln, warum ein nachweislich hoch korrupter Altherrenzirkel &uuml;berhaupt derart intransparent &uuml;ber die Vergabe der WM entscheiden darf. Warum macht man die Wahl nicht transparent? Warum haben die Fans, um die es bei der WM ja eigentlich geht, nichts zu sagen? W&auml;re es nicht m&ouml;glich, Vertreter der Fans in die WM-Vergabe mit einzubeziehen? Und &uuml;berhaupt &ndash; warum ist die Fu&szlig;ball WM eigentlich zu einer derartigen Kommerzveranstaltung verkommen? Nat&uuml;rlich sollen Unternehmen im Umfeld der Fu&szlig;ball WM werben d&uuml;rfen. Aber dies sollte ein Nebeneffekt sein, bei dem die Sponsoren Regeln zu befolgen haben und keine Regeln diktieren d&uuml;rfen. <\/p><p><strong>Reclaim the Game<\/strong><\/p><p>So lange es die Fifa gibt, so lange gibt es selbsternannte Reformer innerhalb des Verbands. Nur dass diese Reformer meist selbst die korruptesten Vertreter ihrer Spezies sind. Auch Sepp Blatter bezeichnet sich selbst gerne als Reformer, der immer dann, wenn es ihm in den Kram passt, Sonntagsreden gegen Korruption h&auml;lt. Sepp Blatter hat ja auch tats&auml;chlich korrupte Funktion&auml;re aus dem Exekutivkomitee entfernen lassen &ndash; und zwar genau die Funktion&auml;re (Bin Hammam und Warner), die ihm selbst gef&auml;hrlich wurden. Blatter hat nun sogar eine Fifa-Ethikkommission eingerichtet und l&auml;sst die WM-Vergabe an Katar juristisch pr&uuml;fen &ndash; aber auch nur, um seinem gro&szlig;en Widersacher Platini eins auszuwischen und ihn, wenn m&ouml;glich, an einer <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22012\">Kandidatur um den Pr&auml;sidentenposten zu hindern<\/a>.<\/p><p>Blatter ist jedoch nicht das Problem. Seine Konkurrenten sind entweder genau so korrupt oder sogar noch korrupter als er. Das eigentliche Problem ist die Fifa selbst, ein verkrusteter Verband mit Strukturen, die geradezu nach Korruption schreien. Als neuer Hoffnungstr&auml;ger f&uuml;r eine saubere Fifa wird nun der <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/sport\/2014-01\/jerome-champagne-blatter-fifa\">Franzose J&eacute;r&ocirc;me Champagne<\/a> aufgebaut. Champagne will unter Umst&auml;nden im n&auml;chsten Jahr gegen Blatter antreten und macht in letzter Zeit mit &bdquo;linken&ldquo; Reden von sich h&ouml;ren. Er will das &bdquo;Elit&auml;re&ldquo; im Fu&szlig;ball abschaffen und fordert eine &bdquo;Umverteilung&ldquo; von Reich nach Arm. Klingt gut, h&ouml;rt sich aber bei n&auml;herer Betrachtung eher nach Wahlkampfrhetorik an. Umverteilen von Reich nach Arm hie&szlig;e in der Fifa, den wohlhabenden Verb&auml;nden wie der UEFA, der FA oder dem DFB Gelder zu streichen und sie an afrikanische, lateinamerikanische und asiatische Verb&auml;nde umzulenken. Und dann? Wo versickert das Geld in diesen Verb&auml;nden? Champagne scheint vielmehr das Problem zu haben, dass er &uuml;ber keinen reichen F&ouml;rderer verf&uuml;gt und daher keine Kriegskasse f&uuml;r Schmiergelder hat. Da muss er nat&uuml;rlich die Delegierten aus den &auml;rmeren L&auml;ndern anderweitig k&ouml;dern. Eine n&ouml;tige Reform der Fifa sieht anders aus. Au&szlig;erdem gilt Champagne als treuer Fu&szlig;soldat Blatters und war in der Fifa elf Jahre in hohen Positionen &ndash; unter anderem als Direktor f&uuml;r internationale Angelegenheiten &ndash; t&auml;tig. Wer selbst so tief in ein korruptes System verstrickt war, wird kaum als Hoffnungstr&auml;ger f&uuml;r eine transparentere Fifa gelten k&ouml;nnen.<\/p><p>Fu&szlig;ball ist etwas f&uuml;r die Fans und nichts f&uuml;r Konsumenten. Wenn die Fifa sich als lern- und vernunftresistent erweist, muss sie abgeschafft werden. Die Initiative dazu kann jedoch nur von den reichen Fu&szlig;ballverb&auml;nden Europas kommen. Ohne Deutschland, Spanien, England und Frankreich kann es keine Fu&szlig;ball WM geben, da eine solche Veranstaltung f&uuml;r Sponsoren und TV-Sender unattraktiv w&auml;re und daher kein Geld einbringen w&uuml;rde. Das Problem an der Sache ist jedoch, dass die nationalen Verb&auml;nde dieser L&auml;nder ebenfalls verkrustet und zum Teil sogar selbst korrupt sind. Zudem ist nicht festzustellen, dass diese Verb&auml;nde das System Fifa im Kern kritisch sehen. Jede Revolution f&auml;ngt an der Basis an. Der DFB vertritt fast sieben Millionen Fu&szlig;baller in Deutschland, von denen sicher nur ein sehr kleiner Teil mit dem Verband zufrieden ist. Es ist daher an der Zeit, den Verband zu kapern. Weg mit den Apparatschiks, rein mit den echten Freunden des Fu&szlig;balls. Wenn eine solche Bewegung in den Kernl&auml;ndern des Fu&szlig;balls Erfolg haben w&uuml;rde, w&auml;re es m&ouml;glich, die Fifa zurechtzuweisen, wirklich zu reformieren oder in letzter Konsequenz tats&auml;chlich abzuschaffen. Fu&szlig;ball ist die sch&ouml;nste Nebensache der Welt und sollte nicht von korrupten Kleptokraten, profitgeilen Sportmanagern oder senilen Verbandsb&uuml;rokraten kaputt gemacht werden. <\/p><p>p.s.: Ich werde mir dennoch alle Spiele der WM anschauen und freue mich schon auf hoffentlich sch&ouml;ne Spiele. Der Sport kann schlie&szlig;lich nichts f&uuml;r die M&auml;nner, die ihn kaputt machen.<\/p><p><em>Bildnachweis: Agencia Brasil (CC-BY-3.0-br)<\/em><br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/8d43a00ae95f40f3b2694e1aa0b43ff8\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Das gr&ouml;&szlig;te Stadion der Welt ist nicht &ndash; wie vielfach geschrieben &ndash; das Maracana, sondern das Strahov-Stadion in Prag, das bei den Spartakiaden der &#268;SSR 250.000 Zuschauern Platz bot.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/100612-Fifa2.png\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Im dritten Teil unserer Mini-Serie zur Fu&szlig;ball WM in Brasilien besch&auml;ftigen wir uns mit der heute beginnenden WM in Brasilien und werfen einen kleinen Ausblick in die Zukunft des internationalen Fu&szlig;balls. Wie k&ouml;nnte eine bessere WM aussehen, die nicht nur der Fifa und den Sponsoren nutzt?<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22033\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,20,127,132],"tags":[1146,1613,1321,834],"class_list":["post-22033","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-landerberichte","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-adidas","tag-brasilien","tag-fifa","tag-fussball"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22033","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=22033"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22033\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22090,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22033\/revisions\/22090"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=22033"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=22033"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=22033"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}