{"id":22077,"date":"2014-06-17T10:41:53","date_gmt":"2014-06-17T08:41:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22077"},"modified":"2015-10-23T16:08:01","modified_gmt":"2015-10-23T14:08:01","slug":"blackrock-und-co-das-globalisierte-finanzkapital","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22077","title":{"rendered":"BlackRock und Co.:  Das globalisierte Finanzkapital"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px;\">\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/140512_wgd.png\" alt=\"\" title=\"\">\n<\/div><p>Nur ein gutes Drittel der Anteile an den Dax-Unternehmen wird von Inl&auml;ndern gehalten. Ein weiteres Drittel geh&ouml;rt Personen und vor allem Finanzkonzernen aus den USA und Gro&szlig;britannien, w&auml;hrend das letzte Drittel sich auf den Rest der Welt verteilt. Die Spinne im Netz der Beteiligungen an den Dax-Unternehmen ist dabei ein Unternehmen, dessen Name wohl nur Insidern bekannt ist &ndash; BlackRock. BlackRock ist an jedem Dax-Konzern beteiligt, an 80 Prozent der Dax-Konzerne sogar mit 5 Prozent und mehr, bei mehr als der H&auml;lfte der Dax-Konzerne ist BlackRock sogar der gr&ouml;&szlig;te Anteilseigner. Doch wer ist BlackRock? Und was bedeutet dies f&uuml;r den Standort Deutschland und f&uuml;r die Verm&ouml;gensverteilung? Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<em>Dieser Artikel ist ein gek&uuml;rzter Auszug aus dem Buch &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.westendverlag.de\/buecher-themen\/programm\/wem-gehoert-deutschland-jens-berger.html\">Wem geh&ouml;rt Deutschland?<\/a>&ldquo; von Jens Berger. Da Buch ist im Westend Verlag erschienen und kostet 17,99 Euro.<\/em><\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/10_01_dax_01.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/10_01_dax_01_small.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p><strong>Wem geh&ouml;ren die Dax-30-Konzerne?<\/strong><\/p><p>Im Superman-Comic-Universum ist Blackrock ein mystisches Artefakt, das Schurken die notwendigen Superkr&auml;fte gibt, um im epischen Kampf &uuml;ber die Macht die Guten zu besiegen. Ob der Investmentbanker Laurence Douglas Fink, genannt Larry, eine Portion Humor bewies, als er dem von ihm und weiteren Investmentbankern 1988 gegr&uuml;ndeten Finanzunternehmen ausgerechnet den Namen BlackRock gab, ist nicht bekannt. BlackRock hat n&auml;mlich durchaus das Zeug, seinen Besitzern, um es ein wenig mystisch zu &uuml;berspitzen, die Macht im realen Universum zu verschaffen. <\/p><p><em><strong>Wussten Sie schon?<\/strong><\/em><\/p><ul>\n<li><em>BlackRock ist an allen Dax-Unternehmen beteiligt und dabei bei jedem zweiten Dax-Unternehmen der gr&ouml;&szlig;te Anteilseigner.<\/em><\/li>\n<li><em>BlackRock verwaltet 4,3 Billionen US-Dollar.<\/em><\/li>\n<li><em>Bei 15 der 20 wertvollsten Unternehmen der Welt geh&ouml;rt BlackRock zu den beiden gr&ouml;&szlig;ten Anteilseignern.<\/em><\/li>\n<\/ul><p><strong>BlackRock betritt die B&uuml;hne<\/strong><\/p><p>Larry Fink ist heute der unbestrittene K&ouml;nig der Wall Street. Danach sah es zu Beginn seiner Karriere ganz und gar nicht aus. Bevor er BlackRock gr&uuml;ndete, war er einer der Finanzalchemisten der Investmentbank First Boston. Finks Job war es, an der Wall Street einen Markt f&uuml;r Mortgage-backed Securities (MBS), auf Deutsch &raquo;durch Hypotheken gesicherte Wertpapiere&laquo;, aufzubauen. Hypotheken galten zu jenem Zeitpunkt, also Mitter der 1980er Jahre, als eine f&uuml;rchterlich langweilige Angelegenheit: Banken, die Immobilienkredite vergeben, m&uuml;ssen daf&uuml;r einen geh&ouml;rigen Teil ihrer Kundeneinlagen einsetzen, und die Verzinsung ist ebenfalls alles andere als sexy. Doch die Wall Street w&auml;re nicht die Wall Street, wenn sie es nicht geschafft h&auml;tte, aus einem derart langweiligen und renditeschwachen, aber daf&uuml;r sicheren Produkt wie einer Hypothek ein renditestarkes Risikoprodukt zu machen.<br>\nInvestmentlegende Warren Buffet sollte Finks &raquo;Erfindung&laquo; fast zwanzig Jahre sp&auml;ter als &raquo;finanzielle Massenvernichtungswaffe&laquo; bezeichnen. Ironischerweise war das erste Opfer dieser Massenvernichtungswaffe ihr eigener Erfinder. W&auml;hrend Fink seine MBS-Papiere am Markt platzierte, l&ouml;sten Reagans Deregulierungen des Finanzsystems einen ersten Kollateralschaden aus: Bereits wenige Monate nach der Befreiung von regulatorischen Handfesseln verzockten sich die ersten Sparkassen derart, dass sie Pleite gingen. Im Laufe der n&auml;chsten Jahre sollten insgesamt 747 der damals 3.234 US-Sparkassen ihre Pforten schlie&szlig;en. Die Verluste wurden schon damals dem Steuerzahler aufgeb&uuml;rdet &ndash; nach Angaben des US-Rechnungshofs kostete die Sparkassen-Krise den amerikanischen Steuerzahler insgesamt 341 Milliarden US-Dollar.<\/p><p>Nicht die Sparkassenkrise, daf&uuml;r aber auf die Krise folgende Senkung des Leitzinses zerst&ouml;rte das Rechenmodell des jungen Larry Fink. Seine durch die Zins&auml;nderungen ausgel&ouml;ste Fehlkalkulation kostete seinen Arbeitgeber First Boston 100 Millionen Dollar &ndash; und ihn den Job. F&uuml;r Fink war dies ein traumatisches Erlebnis. Fortan war er geradezu davon besessen, die Risiken des Finanzmarkts besser zu verstehen und in eine neue Anlagestrategie umzuwandeln, bei der die Risiken f&uuml;r ihn und seine Kunden m&ouml;glichst transparent w&uuml;rden.<\/p><p><strong>Versuch, Risiken messbar zu machen<\/strong><\/p><p>BlackRocks Risikomanager h&ouml;rt auf den Namen &raquo;Aladdin&laquo; und ist ein Cluster aus 6.000 Hochleistungsrechnern, die in einem idyllischen Nest im Bundesstaat Washington stehen. Glaubt man der PR-Abteilung von BlackRock, ist Aladdin ein wahres Wunderwerk: Aladdin wei&szlig;, welche Auswirkungen ein Erdbeben in Iran auf die Wahrscheinlichkeit hat, dass ein kanadischer H&auml;uslebauer seinen Immobilienkredit p&uuml;nktlich bedient. Aladdin erkennt Finanzblasen und wei&szlig;, wann eine Bank Liquidit&auml;tsprobleme bekommt, welche Banken dadurch mit in den Abgrund gerissen werden, was dies mit dem Wechselkurs zwischen t&uuml;rkischer Lira und indischer Rupie zu tun hat und wie sich die Zinsen auf dem europ&auml;ischen Geldmarkt entwickeln. Oder um es kurz zu machen: Aladdin ist die ultimative Risikobewertungsmaschine. Wer braucht so etwas, werden Sie sich fragen? Die Liste derer, die Aladdin um Rat fragen, ist lang. In einer Finanzwelt, in der alles mit allem zusammenh&auml;ngt und ein Abschw&auml;chen der US-Konjunktur &uuml;ber den Umweg der Subprime-Kredite den griechischen Staat in den Bankrott treiben kann, reicht profanes Alltagswissen f&uuml;r das Risikomanagement nicht aus, und so kommt Aladdin ins Spiel.<\/p><p>Lange Zeit spielte BlackRock mit seinem Aladdin-System eine Au&szlig;enseiterrolle. Vor der Finanzkrise interessierten sich die gro&szlig;en Investoren zwar schon f&uuml;r ein ausgefeiltes Risikomanagement, nahmen die systemimmanenten Risiken jedoch nicht besonders ernst. Die Finanzkrise belehrte sie eines Besseren, und das hatte vor allem mit Larry Finks erster gro&szlig;er Pleite zu tun. Wie wohl kaum ein anderer kannte der Mann, der vor wenigen Jahren durch hypothekengesicherte Wertpapiere zun&auml;chst 100 Millionen Dollar und dann seinen Job verloren hatte, die Systemrisiken, die von diesen Papieren ausgingen. BlackRock und Aladdin waren somit einer der wenigen Akteure in der Finanzwelt, die nicht nur das Risiko solcher Papiere kannten, sondern auch eine ungef&auml;hre Ahnung hatten, welcher Dominostein w&auml;hrend der Finanzkrise als n&auml;chstes kippen w&uuml;rde. <\/p><p>Wie viel PR und wie viel Wahrheit in der korrekten Risikoanalyse von Aladdin w&auml;hrend den Schockwellen der Finanzkrise steckt, ist schwer zu sagen. Die amerikanische Regierung vertraute jedenfalls auf das Risikomanagement von Aladdin und beauftragte BlackRock mit der Verwaltung der toxischen Papiere (vulgo Schrottpapiere), die der Staat und die Notenbank FED bei der billionenschweren Abwicklung der Wall-Street-Koryph&auml;en Bear Stearns und American International Group (AIG) &uuml;bernommen hatten. Dieser 130-Milliarden-Dollar-Auftrag war erst der Beginn: Als sei BlackRock eine Au&szlig;enstelle des US-Finanzministeriums, durfte das Unternehmen auch die Bilanzposten der verstaatlichten Hypothekenbanken&nbsp;Fannie Mae und Freddie Mac bewerten und f&uuml;r die US-Notenbank den R&uuml;ckkauf von hypothekengesicherten Wertpapiere in H&ouml;he von 1.250 Milliarden Dollar managen. Es folgten Auftr&auml;ge des britischen und des griechischen Staates. BlackRock galt nun in der Finanzwelt als Ein&auml;ugiger unter Blinden: als einziger Verm&ouml;gensverwalter, der im allgemeinen Chaos an den M&auml;rkten einen Kompass besa&szlig;. Und darin d&uuml;rfte sogar ein St&uuml;ck Wahrheit stecken, da BlackRock durch die Auftr&auml;ge des amerikanischen Staates einen sehr intimen Einblick in die Zusammenh&auml;nge des Finanzsystems erhielt, mit denen man Aladdin f&uuml;ttern konnte.<\/p><p><strong>Gigant ohne Agenda<\/strong><\/p><p>Auch wenn das Risikomanagement das gro&szlig;e Alleinstellungsmerkmal von BlackRock ist, so ist das Unternehmen eigentlich ein Verm&ouml;gensverwalter &ndash; genauer gesagt, ein Verm&ouml;gensverwalter der Extraklasse. BlackRock verwaltet nicht nur die Verm&ouml;gen einiger weniger Superreicher, sondern auch Milliarden von Pensionsfonds, Staatsfonds und Versicherungen. Dabei betreibt das Unternehmen jedoch keinen Handel auf eigene Rechnung, sondern spekuliert nur mit dem Geld, das ihm seine Kunden anvertraut haben. Spielte BlackRock vor der Finanzkrise noch in der Mittelklasse, saugte das Unternehmen w&auml;hrend der Finanzkrise mehr Geld an als ein zu einem schwarzen Loch kollabierender Stern. Sp&auml;testens die &Uuml;bernahme der kompletten Verm&ouml;gensverwaltung des bis dahin weltgr&ouml;&szlig;ten Verm&ouml;gensverwalters Barclays im Jahr 2009 bef&ouml;rderte BlackRock in die Champions League.<\/p><p>Heute verwaltet BlackRock &uuml;ber sein Aladdin-System die unglaubliche Summe von 4,3 Billionen US-Dollar &ndash; fast so viel, wie alle Private-Equity-Fonds und Hedgefonds auf der Welt zusammen. Um diese Summe aufzubringen, m&uuml;sste jeder deutsche Haushalt 100.000 Dollar beisteuern. Die Nummer zwei der Branche, die Capital Group, kommt nur auf ein Viertel dieser Summe. BlackRock spielt in einer eigenen Liga, in jeder Hinsicht: BlackRock ist n&auml;mlich nicht nur bei jedem zweiten deutschen Dax-Konzern der gr&ouml;&szlig;te Anteilseigner, sondern auch gr&ouml;&szlig;ter Aktion&auml;r bei Apple, Exxon Mobil, Microsoft, General Electric, Chevron, Royal Dutch Shell und Nestl&eacute; sowie zweitgr&ouml;&szlig;ter Aktion&auml;r bei Google. Wenn man sich die zwanzig wertvollsten Unternehmen, gemessen am B&ouml;rsenwert, anschaut, ist BlackRock bei neun von ihnen der gr&ouml;&szlig;te und bei sechs weiteren der zweitgr&ouml;&szlig;te Anteilseigner. Es gibt weltweit nur wenige gro&szlig;e Aktiengesellschaften, an denen BlackRock nicht ma&szlig;geblich beteiligt ist. <\/p><p>So gro&szlig; BlackRock ist, so mysteri&ouml;s ist der Branchenprimus auf den ersten Blick. In den 1980er Jahren betraten Finanzcowboys mit ihren breiten Hosentr&auml;gern und ihrem selbstsicheren, gro&szlig;spurigen Auftreten die Szene. Als Prototyp f&uuml;r diese Gattung kann wohl die Kunstfigur Gordon Gekko aus Oliver Stones Spielfilm <em>Wall Street<\/em> gelten, die seitdem als Stereotyp des skrupellosen Spekulanten in den K&ouml;pfen der Menschen herumspukt. Mit James Cayne, einst Chef der Investmentbank Bear Stearns, der &uuml;ber die Immobilienkrise st&uuml;rzte, wurde allerdings das letzte Prachtexemplar dieser Gattung hinweggefegt. Abgel&ouml;st wurden diese eher prolligen Cowboys durch die klassischen Investmentbanker mit ihrer erstklassigen Ausbildung und Siegerattit&uuml;de. Ein durchaus realistisches Stereotyp f&uuml;r diese Gattung schuf Tom Wolfe 1987 in seinem ber&uuml;hmten Roman <em>Fegefeuer der Eitelkeiten<\/em>. Dessen Protagonist Sherman McCoy ist der Prototyp des Goldman-Sachs-Bankers: wei&szlig;, gebildet, feingeistig, aus gutem Hause, mit guten Manieren und dem stolzen &raquo;Yale-Kinn&laquo;, ein moderner &raquo;Master of the Universe&laquo; in einem Umfeld von Geld und Macht. Die Sherman McCoys dieser Welt sitzen heute nicht nur in den Chefetagen der Banken und Hedgefonds, sie haben auch den Sprung in die Spitzen der Politik geschafft und gestalten die Parameter, innerhalb derer ihr System gedeihen kann. <\/p><p>Mit der Macht&uuml;bernahme von BlackRock gerieten jedoch auch die klassischen Investmentbanker ins Hintertreffen &ndash; auf der Roten Liste der gef&auml;hrdeten Arten stehen sie freilich nicht. Der typische BlackRock-Mitarbeiter tr&auml;gt keine breiten Hosentr&auml;ger, nein, er tr&auml;gt noch nicht einmal Nadelstreifenanzug und Aktenkoffer. Die wackeren Arbeitsbienen, die Aladdin mit neuen Informationen f&uuml;ttern und st&auml;ndig an den Stellschrauben des Risikomanagementsystems feilen, tragen Jeans und Rucksack und haben mit Wirtschaft nicht viel zu tun: Sie haben ihr Studium in den naturwissenschaftlichen F&auml;chern, Mathematik oder Informatik mit Pr&auml;dikat abgeschlossen und verstehen viel von komplexen Systemen und Algorithmen. Selbst BlackRock-Chef Larry Fink wirkt so gar nicht wie ein arroganter Investmentbanker: Bei seinen eher seltenen &ouml;ffentlichen Auftritten &auml;hnelt Fink eher einem Abteilungsleiter einer Kreissparkasse &ndash; ein nicht sonderlich schillernder Beamtentyp mit randloser Brille, hoher Stirn und grauem Anzug, der andauernd von Risikominimierung und konservativen Anlagestrategien spricht. Dem Mann w&uuml;rde man nicht nur einen Gebrauchtwagen abkaufen, sondern sogar einen milliardenschweren Pensionsfonds anvertrauen. <\/p><p>Anders als aktiv gemanagte Fonds oder Investmentbanken verfolgt BlackRock mit seinen Beteiligungen keine unternehmerische Strategie. BlackRock geht es nicht darum, Unternehmen m&ouml;glichst preiswert zu &uuml;bernehmen, sie auszuquetschen und dann weiterzukaufen. BlackRock investiert die Gelder seiner Kunden stattdessen in Unternehmen, deren Preis laut Aladdin in einem vern&uuml;nftigen Verh&auml;ltnis zum Risiko steht. Das klingt auf den ersten Blick sehr vern&uuml;nftig, birgt jedoch f&uuml;r die Unternehmen gewaltige Risiken. <\/p><p>Aladdin verfolgt allein den Zweck, eine m&ouml;glichst hohe Rendite bei einem m&ouml;glichst geringen Risiko zu erzielen. Das l&auml;sst keinen Platz f&uuml;r nicht monet&auml;re Faktoren wie beispielsweise die Zufriedenheit der Mitarbeiter, den Umweltschutz oder langfristige unternehmerische Perspektiven. Wie soll man solche Variablen auch in ein System aufnehmen, das nur die Regeln des Marktes kennt?<\/p><p>Sowohl Finanzcowboys vom Typ eines Gordon Gekko als auch Investmentbanker vom Typ eines Sherman McCoy waren Menschen, deren wirtschaftliche Entscheidungen zwar keinesfalls gesellschaftlich sinnvoll, aber immerhin psychologisch erkl&auml;rbar waren. BlackRock allerdings ist ein anonymer Gigant, der zwar &uuml;ber seine Beteiligungen viele internationale Gro&szlig;konzerne kontrolliert, sich dabei jedoch nicht in die Karten blicken l&auml;sst. Spielte bei den Cowboys und den Investmentbankern noch die Gier die entscheidende Rolle, so ist nun eine in Algorithmen geschmiedete betriebswirtschaftliche Logik das Ma&szlig; aller Dinge &ndash; Widerstand zwecklos. Noch nie waren die Entscheidungsprozesse &uuml;ber wirtschaftliche Prozesse undemokratischer als heute in der BlackRock-&Auml;ra. <\/p><p><strong>Wem geh&ouml;rt BlackRock, wem die gro&szlig;en Banken?<\/strong><\/p><p>Wenn ein Unternehmen eine derartige Macht besitzt, ist es nat&uuml;rlich von h&ouml;chstem gesellschaftlichem Interesse, zu wissen, wer diese Macht kontrolliert. Wem geh&ouml;rt BlackRock? Wer die Studie der ETH Z&uuml;rich aus dem letzten Kapitel noch in Erinnerung hat, d&uuml;rfte von der Antwort auf diese Frage kaum &uuml;berrascht sein: 75 Prozent der Anteile an BlackRock verteilen sich auf drei Gro&szlig;banken &ndash; Merrill Lynch (eine Tochter der amerikanischen Gro&szlig;bank Bank of America), Barclays (eine britische Gro&szlig;bank) und PNC Financial Services (eine amerikanische Gro&szlig;bank). Und wem geh&ouml;ren diese Unternehmen? Die gr&ouml;&szlig;ten Anteilseigner der Bank of America sind State Street, Vanguard, BlackRock, J. P. Morgan, Wellington, Capital Research, Bank of New York Mellon, Capital World, Northern Trust und Franklin Ressources &ndash; allesamt Finanzunternehmen, die in der ETH-Studie zum Machtzentrum des Wirtschaftssystems gez&auml;hlt werden. An Barclays sind neben den &uuml;blichen Verd&auml;chtigen (BlackRock, Legal&nbsp;&amp;&nbsp;General, Capital Group) noch der Staatsfonds von Katar und die Herrscherfamilie von Abu Dhabi beteiligt, die w&auml;hrend der Finanzkrise die vor dem Aus stehende Gro&szlig;bank mit frischem Geld retteten. An PNC sind wiederum die &uuml;blichen Verd&auml;chtigen (BlackRock, Wellington et cetera pp.) beteiligt. &Auml;hnliche Besitzstrukturen finden wir heute bei jeder Gro&szlig;bank. Fast alle Finanzunternehmen, die laut ETH-Studie die Weltwirtschaft steuern, besitzen und kontrollieren sich gegenseitig. Mit dem Geld ihrer Kunden haben Gro&szlig;banken und gro&szlig;e Investmentgesellschaften so einen v&ouml;llig autonomen Kern geschaffen, der sich gegen jegliche Mitsprache oder gar Kontrolle von au&szlig;en abgeschirmt.<\/p><p>In den Lehrb&uuml;chern der &Ouml;konomie gibt es eine klare Trennung zwischen den Besitzern und dem Management eines Unternehmens. Das Management wird, so die Theorie, von den Besitzern kontrolliert und befolgt deren Anweisungen. In der Praxis kontrollieren sich jedoch die Manager der gro&szlig;en Finanzunternehmen &uuml;ber die zahlreichen Querverbindungen und gegenseitigen Beteiligungen selbst. Oder um es zuzuspitzen: Die kleine Gruppe der Topmanager der gro&szlig;en Finanzunternehmen beherrscht nicht nur den Gro&szlig;teil der Weltwirtschaft, sondern kontrolliert und ernennt sich zudem selbst.<br>\nWas die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel also als marktkonforme Politik bezeichnet hat, ist letztlich der l&auml;ngst vollzogene Kotau vor einem globalen au&szlig;erparlamentarischen Machtzentrum, das weder vom Volke gew&auml;hlt noch demokratisch kontrolliert oder legitimiert ist. Insofern passt der Name BlackRock als Analogie auf das mystische Artefakt, das in den Superman-Comics den Schurken die notwendigen Superkr&auml;fte gibt, um im epischen Kampf &uuml;ber die Macht im Universum die Guten zu besiegen, doch ganz hervorragend. Oder?<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/e0a003a4a6d84cccb98a2e2cc5b92b50\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px;\"> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/140512_wgd.png\" alt=\"\" title=\"\"\/> <\/div>\n<p>Nur ein gutes Drittel der Anteile an den Dax-Unternehmen wird von Inl&auml;ndern gehalten. Ein weiteres Drittel geh&ouml;rt Personen und vor allem Finanzkonzernen aus den USA und Gro&szlig;britannien, w&auml;hrend das letzte Drittel sich auf den Rest der Welt verteilt. 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