{"id":221,"date":"2005-11-07T14:05:48","date_gmt":"2005-11-07T13:05:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=221"},"modified":"2016-03-01T10:39:30","modified_gmt":"2016-03-01T09:39:30","slug":"revolte-in-franzosischen-trabantenstadten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=221","title":{"rendered":"Revolte in franz\u00f6sischen Trabantenst\u00e4dten"},"content":{"rendered":"<p>Von Christine Wicht.<br>\n<!--more--><br>\nAusgangsort der Unruhen war eine bisher eher ruhige Trabantenstadt: Clichy-sous-Bois, das Quartier liegt ca. 10 Kilometer nord&ouml;stlich von Paris. Seit elft Tagen liefern sich Jugendliche heftige Zusammenst&ouml;&szlig;e mit Polizei- und Gendarmerieeinheiten. Jugendliche werfen mit Pflastersteinen, Flaschen und Molotowcocktails, auf der anderen Seite stehen behelmte Polizeieinheiten, die mit Tr&auml;nengasgranaten und &ldquo;flash-balls&rdquo; (Gummigeschosse, mit denen die Polizei seit 2002 ausgestattet wurde) die Situation in den Griff bekommen wollen. Die B&uuml;rger haben Angst, die durchaus berechtigt ist. Seit Beginn der Unruhen wurden tausende Autos angez&uuml;ndet, eine ganze Flotte von Linienbusse, die in einem Depot geparkt waren ist ausgebrannt (S&uuml;ddeutsche Zeitung vom 5.11.05). Mittlerweile brennen nicht nur M&uuml;llcontainer sondern Fabriken, Lagerh&auml;user, Autogesch&auml;fte und Polizeistationen ja sogar Kinderg&auml;rten oder Schulen. Bilder der Intifada im Nahen Osten dr&auml;ngen sich auf. Ein Ende der Gewalt ist nicht abzusehen.<br>\nDen Randalierern gibt der Gewaltausbruch ein Gef&uuml;hl der Macht in ihrer Ohnmacht. Ladenbesitzer werden angegriffen, es gab schon einen Toten und viele Verletzte; die B&uuml;rger trauen sich nicht mehr auf die Strasse. Die Revolte hat sich auf viele andere franz&ouml;sische St&auml;dte ausgebreitet und ist inzwischen im Zentrum der Hauptstadt angekommen. <\/p><p><strong>Wie konnte es zur Eskalation kommen?<\/strong> <\/p><p>Ausgel&ouml;st wurde die Situation durch drei Jugendliche, die sich vor der Polizei in ein Umspannh&auml;uschen des Elektrokonzerns EDF gerettet haben, was mit dem Tod f&uuml;r zwei Jugendliche endete. Ein Jugendlicher konnte sich mit schweren Verbrennungen retten. Die linksliberale Pariser Tageszeitung &ldquo;Lib&eacute;ration&rdquo; hat recherchiert warum der Tod der Jugendlichen Ausl&ouml;ser f&uuml;r die Unruhen war: F&uuml;r die Jugendlichen der franz&ouml;sischen Trabantenst&auml;dte geh&ouml;rt es zum Alltag, sich den Schikanen der Polizei aussetzen zu m&uuml;ssen, Personalien anzugeben und auf der Wache &uuml;ber Stunden festgehalten zu werden. Die drei Jugendlichen f&uuml;hlten sich von der Polizei verfolgt, wollten den Repressalien aus dem Weg gehen und fl&uuml;chteten. Die Nachricht vom Tod der Jugendlichen verbreitete sich wie ein Lauffeuer.<br>\nDer franz&ouml;sische Innenminister Nicolas Sarkozy ordnete seit l&auml;ngerem eine wesentlich versch&auml;rfte polizeiliche Sicherheitspolitik an, die sich seitdem vor allem auf die Bewohner der Trabantenst&auml;dte konzentriert. Er forderte als Antwort auf die Revolte in einem Interview &ldquo;null Toleranz&rdquo; gegen&uuml;ber Gewaltt&auml;tern, die er als &ldquo;Abschaum&rdquo; und &ldquo;Gesindel&rdquo; bezeichnete. Seine Aussage &ldquo;Problemviertel mit dem Hochdruckreiniger zu s&auml;ubern&rdquo; rechtfertigte er damit, dass er eben eine deutliche Sprache spreche. Sarkozys einzige Antwort ist bisher Repression.<br>\nDas ist aber keinesfalls ein gangbarer Weg, um den Konflikten zu begegnen, denn die Jugendlichen der zweiten oder gar dritten Einwanderergeneration sind Opfer jahrelanger Vers&auml;umnisse von Politik und Gesellschaft, die ihnen keine Chance mehr auf eine Zukunft gegeben hat. Frankreich bekommt die Quittung f&uuml;r eine Politik der faktischen &ldquo;Apartheid&rdquo;. Die Ursache des eskalierten Konflikts liegt in der Perspektivlosigkeit einer ganzen Generation, die ausgegrenzt am Rande der Gesellschaft leben muss. Das rechtfertigt das Verhalten der Jugendlichen moralisch nicht, aber die Attacken der Jugendlichen sind ein brutaler Reflex auf ihre Hilfs- und Perspektivlosigkeit. <\/p><p><strong>Sozialpolitischen Vers&auml;umnisse<\/strong> <\/p><p>Die Unzurfriedenheit mit den Vers&auml;umnissen eines br&uuml;chiger werdenden Sozialstaates, die sich schon mit dem &ldquo;Non&rdquo; der Franzosen zum Europ&auml;ischen Verfassungsvertrag abzeichnete, kommen hier in versch&auml;rfter Form zum Ausdruck. Ulrich Wickert sagte sehr treffend in den Tagesthemen am 5.11.05, dass es die franz&ouml;sischen Regierungen seit 20 Jahren vers&auml;umt haben, die sozialen Probleme der Randgruppen anzugehen. Dem franz&ouml;sischen Staat muss man hier geradezu Ignoranz vorwerfen, denn welcher soziale Z&uuml;ndstoff sich in der franz&ouml;sischen Republik ansammelte, war schon lange bekannt, aber weder Mitterand noch Jospin noch Chirac haben einen ernsthaften Versuch unternommen die Probleme zu l&ouml;sen. Eine Gettoisierung ethnischer Gruppen, die gleichzeit die Verlierer der &ouml;konomischen Umw&auml;lzungen sind, und die Ausgrenzung in &ldquo;rechtsfreie&rdquo; Gebiete, schafft die Probleme im Wortsinne an den Rand, l&ouml;st sie aber nicht. Der Sozialminister Jean-Lous Borloo r&auml;umte ein, dass zu wenig getan werde, um die soziale Lage in den Vorst&auml;dten, den Banlieues (altfranz&ouml;sischer Ausdruck f&uuml;r &ldquo;Bannmeile&rdquo; (le ban = der Bann, und la lieue = die Meile, aus dem17. Jahrhundert), zu verbessern. Azouz Begag, Minister f&uuml;r Chancengleichheit, selbst Algerier und in einer Vorstadt von Lyon aufgewachsen und mit den Problemen der Menschen in den Banlieues aus eigener Erfahrung vertraut, setzt sich seit seinem Amtsantritt f&uuml;r mehr Zugangschancen der Bewohner in die franz&ouml;siche Gesellschaft ein.<br>\nMichel Wieviorka, der Direktor der franz&ouml;sischen Hochschule f&uuml;r Sozialwissenschaften, hat am Beispiel von zur&uuml;ckliegenden Unruhen in Le Havre, Stra&szlig;burg und Lyon eine Studie erstellt und ortet in den Attacken der Jugendlichen eine &ldquo;Antwort auf den Ausschluss von der Konsumgesellschaft&rdquo;. Wut und Zorn n&auml;hren sich, so der Soziologe, stets aufs Neue, weil diese Viertel &ldquo;immer mehr gettoisiert werden und die soziale Ausgrenzung zunimmt&rdquo;. Wieviorka <a href=\"http:\/\/www.das-parlament.de\/2005\/04\/Ausland\/003.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.das-parlament.de\/2005\/04\/Ausland\/003.html\">legt den Finger in die Wunde<\/a>: Die hinter den Unruhen brodelnden gesellschaftlichen Konflikte sind jedoch bis heute nicht einmal in der &ouml;ffentlichen Debatte. Auch seit dem Ausbruch der Revolte sind die sonst in Frankreich &uuml;blichen &ouml;ffentlichen Kontroversen ausgeblieben. Es herrscht Ratlosigkeit oder ist es eher Resignation? Die Diadochenk&auml;mpfe um die Pr&auml;sidentschaft zwischen Innenminister Nicolas Sarkozy und Premier Dominique de Villepin wirken angesichts der sozialpolitischen Katastrophe nur noch l&auml;cherlich. <\/p><p><strong>Die Struktur der Pariser Trabantenst&auml;dte<\/strong> <\/p><p>Die Siedlungen sind w&auml;hrend der Industrialisierung im 19. Jahrhundert stark angewachsen, weil umweltbelastende Industriezweige am Rande der Gro&szlig;stadt angsiedelt wurden. Durch die Einwandererwelle, nicht nur aus Afrika sondern auch aus s&uuml;dosteurop&auml;ischen Gebieten, im 20. Jahrhundert, gab es nochmal einen kr&auml;ftigen Zuzug. Die Struktur der Bewohner ist daher sehr gemischt, es gibt keine ethnisch abgegrenzten Viertel, eine Mischung der verschiedenen V&ouml;lker pr&auml;gt das Bild der Gebiete. Bandenkriege und Kriminalit&auml;t und Kampfhunde geh&ouml;ren zum Alltag. Was die Menschen verbindet ist ein geringes Einkommen, beengter Wohnraum, soziale Ausgrenzug und keine Aussicht auf eine einigerma&szlig;en gesicherte Zukunft. In die Trabantenst&auml;dte, deren H&auml;user gro&szlig;teils von einer menschenunw&uuml;rdigen Architektur gepr&auml;gt sind, wurden in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr Menschen abgedr&auml;ngt, die im &uuml;berteuerten Paris keinen ihren Eink&uuml;nften entsprechenden Wohnraum mehr gefunden haben. Die Bewohner leben &auml;u&szlig;erst beengt in triesten Hochh&auml;usern, in einfachen, billigen Plattenbauten. Jacques Chirac war von 1977 bis 1995 B&uuml;rgermeister von Paris, gerade auch aufgrund seiner Sanierungs- und Mietpolitik wurden viele Bewohner in die Randgebiete der Metropole gedr&auml;ngt, was die Situation noch weiter versch&auml;rft hat. Die Bewohner der franz&ouml;sischen Trabantenst&auml;dte haben kaum eine Aus- oder gar Aufstiegsm&ouml;glichkeit in der franz&ouml;sischen Gesellschaft. Schon wenn sie ihre Adresse bei Bewerbungen angeben, verringern sich ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Die Vororte haben zudem eine extrem schlechte Anbindung an die &ouml;ffentlichen Verkehrsmittel was die r&auml;umliche Eingrenzung bei gleichzeitiger sozialer Ausgrenzung der Bewohner noch weiter verst&auml;rkt (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.trend.infopartisan.net\/trd1204\/t031204.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.trend.infopartisan.net\/trd1204\/t031204.html\">trend.infopartisan.net<\/a>).<\/p><p><strong>Bildung und Arbeit<\/strong> <\/p><p>Der B&uuml;rgermeister von Neuilly-Plaisance, Christian Demuynck, verlangt nun Geld aus Paris zur Gewaltpr&auml;vention. Premier Dominique de Villepin erkl&auml;rte, Ordnung und Recht w&uuml;rden das letzte Wort haben. Doch die Vers&auml;umnisse der Regierungen in den letzten Jahren und Jahrzehnten k&ouml;nnen nicht in wenigen Tagen aufgeholt werden. Es werden differenzierte soziale Programme n&ouml;tig sein, aufw&auml;ndige und nur langfristig wirkende Integrationsmodelle. Die gesamte Bildungspolitik in Bezug auf die betroffenen sozialen Gruppen m&uuml;sste neu strukturiert werden. Dass das viel gelobte franz&ouml;sische Ganztagsschulmodell seine Integrationsleistung in den Vorst&auml;dten nicht mehr erbringt, ist seit Jahren bekannt, schon in den 1990er-Jahren wurde viel dar&uuml;ber diskutiert. Bereits im Jahre 2003 streikten Lehrer in den Schulen der Trabantenst&auml;dte, sie wollten auf die katastrophalen Bedingungen aufmerksam machen, unter denen sie unterrichten m&uuml;ssen. Bis zu 44 verschiedene Nationen waren in einer Jahrgangsstufe vertreten, zudem waren die Schulen &auml;u&szlig;erst schlecht ausgestattet, was eine gute Bildung gerade in sozial schwachen Gebieten noch weiter erschwert, dabei ist Bildung eine der Voraussetzungen, um der Abw&auml;rtsspirale entkommen zu k&ouml;nnen.<br>\nFr&uuml;her gab es in den Randgebieten Fabriken, die mittlerweile geschlossen wurden. Arbeitspl&auml;tze gerade der niedrig qualifizierten Arbeiter sind weggebrochen, den Menschen fehlt eine bessere Qualifikation, um wieder eine Chance auf dem Arbeitsmarkt bekommen zu k&ouml;nnen.Wenn Menschen nichts mehr zu verlieren haben und sie &ndash; durch was auch immer &ndash; in ihrer Wut angestachelt werden, dann greifen sie alles an, was ihrer Meinung nach Ausdruck von Geld und Macht ist. Autos und Fabriken werden Ziel ihres Hasses, dass sie damit auch anderen B&uuml;rgern schaden, denen es nicht viel besser geht und sie diese mit in den Sog von Armut und Aussichtslosigkeit ziehen, das ist nicht in ihrem Bewusstsein.Verst&auml;rkt wird das Verhalten durch einen abgrundtiefen Hass auf die sogenannte &ldquo;Gesellschaft&rdquo;, die sie ablehnen, weil sie in ihren Augen schuld an ihrer Situation ist. Alles was materieller Ausdruck der etablierten Gesellschaft ist, wird angegriffen.<\/p><p>Die Misere zeigt, wie wichtig es ist, dass der Staat seinen sozialen und integrativen Aufgaben gerecht wird, allen B&uuml;rgern Chancengleichheit und ein w&uuml;rdiges, eigenst&auml;ndiges Leben zu er&ouml;ffnen. Wenn aber die Staatskassen leer sind und das Geld f&uuml;r Bildung und soziale Integration fehlt, dann ver&auml;ndert sich die gesamte Gesellschaftsstruktur, nur noch diejenigen B&uuml;rger haben eine Zukunft, die auch &uuml;ber die n&ouml;tigen finanziellen Mittel verf&uuml;gen, sich eine Bildung oder eine Wohnung in einem &bdquo;guten&ldquo; Stadtviertel leisten zu k&ouml;nnen und sich somit eine Chance und einen Platz in der Gesellschaft erkaufen k&ouml;nnen. Aufgrund der auch in Frankreich vorherrschenden neoliberalen Wirtschaftsphilosophie ist der Gemeinwohlgedanke weitgehend abhanden gekommen, er gilt als antiquiert &ndash; denn jeder ist f&uuml;r sich selbst verantwortlich &ndash; wohin der Begriff der sogenannten &bdquo;Eigenverantwortung&ldquo; f&uuml;hrt, wird uns jetzt in Frankreich vor Augen gef&uuml;hrt. Mangels ausreichender Bildung sind die Betroffenen &uuml;berhaupt nicht in der Lage Eigenverantwortung zu &uuml;bernehmen &ndash; jedenfalls nicht, wie sich das die &ldquo;Gesellschaft&rdquo; w&uuml;nscht und wie sie es von den einzelnen abverlangt.<\/p><p><strong>Frankreich, die Wurzel der Revolutionen<\/strong><\/p><p>Frankreich ist das Land der Revolutionen. Renitente Bauern wehren sich gegen EU-Bestimmungen, gegen McDonalds, genmanipulierte Lebensmittel, Arbeiter streiken und legen die Wirtschaft lahm, w&auml;hrend andere Europ&auml;er aus Angst ihren Arbeitsplatz zu verlieren &ndash; jedenfalls bisher noch &ndash; die Verschlechterungen ertragen. Die Franzosen waren Vork&auml;mpfer f&uuml;r soziale Rechte und gegen die &Uuml;bermacht der Herrschenden. 1789 ging vom Sturm auf die Bastille die franz&ouml;sische Revolution aus. Diese bilder leben im kollektiven Ged&auml;chtnis der Franzosen fort. Damals wurde das Modell der modernen republikanischen Staats- und Gesellschaftsordnung geschaffen. Die B&uuml;rger k&auml;mpften f&uuml;r ihre pers&ouml;nliche Freiheit f&uuml;r Meinungs- und Pressefreiheit, vor allem aber f&uuml;r die Gleichheit aller B&uuml;rger vor dem Gesetz und sie k&auml;mpften f&uuml;r Br&uuml;derlichkeit. Das Selbstbestimmungsrecht des Volkes und die Grundrechte sind heute fundamentaler Teil des Bewusstseins der B&uuml;rger aller westlichen Demokratien und die Grundlage der Rechte demokratischer Staaten. Das B&uuml;rgertum wollte die sozialen Ungerechtigkeiten und Privilegien des Adels nicht mehr hinnehmen und wehrten sich gegen die Monarchie und ihre Feudalherren unter Einsatz ihres Lebens. &bdquo;Ohne soziale Gerechtigkeit ist die Republik wertlos&ldquo; (Zitat von Jean Ziegler aus &bdquo;Das Imperium der Schande&ldquo;). Heute &uuml;ber zweihundert Jahre sp&auml;ter gibt es wieder vergleichbare gesellschaftliche Widerspr&uuml;che, es gibt wieder eine ausgegrenzte und entrechtete Bev&ouml;lkerungsgruppe, der mit Respektlosigkeit und Ablehnung begegnet wird, deren Selbstwertgef&uuml;hl mit F&uuml;&szlig;en getreten wird, die nichts mehr zu verlieren hat und die gewaltsam aufbegehrt. Die Gesellschaft reagiert wie damals Marie &ndash; Antoinette und fragt, &ldquo;wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie halt Kuchen essen&rdquo;. Und Sarkozy reagiert ein St&uuml;ck weit wie Ludwig XVI.: Die b&uuml;rgerliche Mehrheit der &ldquo;Gesellschaft&rdquo; hinter sich wissend, p&ouml;belt er gegen den vermeintlichen P&ouml;bel. Repression wird aber nur zu einer Eskalation der Gewalt unter den Jugendlichen f&uuml;hren. Die Gewalt kann nur erstickt werden, wenn vor allem die Jungen wieder Hoffnung sch&ouml;pfen k&ouml;nnen.<\/p><p>Als Ausweg bietet sich dem franz&ouml;sischen Staat hat nur das Angebot einer zukunftsweisenden Integrationspolitik, die m&uuml;sste aber weit &uuml;ber die Anerkennung der Staatsb&uuml;rgerschaft und des Wahlrechts hinausgehen, denn &bdquo;Ein Stimmzettel n&auml;hrt den Hungernden nicht&ldquo; (Berthold Brecht). Diese Integrationspolitik darf nicht nur aus einem Sicherheitsbed&uuml;rfnis heraus begr&uuml;ndet werden, sondern sie m&uuml;sste eine ehrliche, nachhaltige Politik f&uuml;r eine gesellschaftliche und wirtschaftiche Inklusion k&uuml;nftiger Immigranten-Generationen anbieten.<br>\nDas ist nicht nur eine der dr&auml;ngendsten gesellschaftspolitischen Aufgaben f&uuml;r Frankreich sondern auch f&uuml;r andere europ&auml;ische L&auml;nder, die in gleicher Weise mit der Problematik der Immigranten konfrontiert sind, sei es in den Niederlanden oder auch in England. Ein zentrales Element, die Unzufriedenheit aufzufangen, ist eine Verbesserung der Arbeitsmarktsituation f&uuml;r die j&uuml;ngeren Menschen, denn Arbeitslosigkeit ist eine der entscheidenden Ursachen f&uuml;r die soziale Auswegslosigkeit. Die dramatische Jugendarbeitslosigkeit, nicht nur in Frankreich, sondern auch in Deutschland, insbesondere in den neuen Bundesl&auml;ndern birgt ein gewaltiges Frustpotential, das sich auch bei uns in Gewaltexzessen entladen k&ouml;nnte. In einer zunehmend egoistischen Gesellschaft avancieren Gewaltt&auml;ger unter ihren Schicksalsgenossen schnell zu Helden und sinnlose Zerst&ouml;rungen werden v&ouml;llig irrational verkl&auml;rt. Vers&auml;umnisse in der Bildung und bei der sozialen Unterst&uuml;tzung von staatlicher Seite f&uuml;r Randgruppen bereiten einen N&auml;hrboden auf dem Hass und danach Gewalt und Gesetz- und Rechtlosigkeit gedeihen k&ouml;nnen.<br>\nPolitische Entscheidungstr&auml;ger m&uuml;ssen einsehen, dass ein dauerhafter sozialer Frieden ohne eine materielle Basis vor allem &uuml;ber Arbeit und die Hoffnung auf Gerechtigkeit bei den den Bildungs- und damit auch gesellschaftlichen Aufstiegschancen nicht m&ouml;glich ist.<\/p><p>Die &ldquo;Gesellschaft&rdquo; sollte und darf sich in ihren vornehmen Vierteln nicht verschanzen, wenn den &ldquo;Pal&auml;sten&rdquo; erst einmal der Krieg erkl&auml;rt wird, ist es zu sp&auml;t.\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Christine Wicht.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[141,60,20,132],"tags":[282,1043,1221,421,736,340],"class_list":["post-221","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-innere-sicherheit","category-landerberichte","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-buergerproteste","tag-frankreich","tag-perspektivlosigkeit","tag-polizei","tag-sarkozy-nicolas","tag-zuwanderung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/221","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=221"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/221\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31695,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/221\/revisions\/31695"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=221"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=221"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=221"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}