{"id":22163,"date":"2014-06-26T11:24:02","date_gmt":"2014-06-26T09:24:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22163"},"modified":"2015-10-23T16:27:16","modified_gmt":"2015-10-23T14:27:16","slug":"immer-wieder-sorgt-die-gfk-fuer-maximales-fremdschaemen-was-soll-das","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22163","title":{"rendered":"Immer wieder sorgt die GfK f\u00fcr maximales Fremdsch\u00e4men. Was soll das?"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Kollegen von SPIEGEL Online,<br>\nmir ist vollkommen bewusst, dass Ihr  keinen einfachen Job habt. F&uuml;r Eure Chefs z&auml;hlen nur Klicks: Und Klicks erreicht man nat&uuml;rlich vor allem dann, wenn man m&ouml;glichst viele Artikel publiziert, die mit m&ouml;glichst wenig Arbeitsaufwand m&ouml;glichst viele Leser finden. Millionen Fliegen k&ouml;nnen schlie&szlig;lich nicht irren. Ich wei&szlig; auch, dass Ihr eine viel zu d&uuml;nne Personaldecke habt und die Vorgaben von oben unm&ouml;glich mit journalistisch sorgf&auml;ltigen und vielleicht sogar kritischen Artikeln erf&uuml;llen k&ouml;nnt. Aber mal Hand aufs Herz: Wie k&ouml;nnt Ihr es eigentlich mit Eurer Berufsehre vereinbaren, ein St&uuml;ck wie das gestern erschienene &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/gfk-konsumklima-deutsche-in-kaufstimmung-sparen-ist-out-a-977318.html\">Kaufen, kaufen, kaufen<\/a>&ldquo; zu ver&ouml;ffentlichen, in dem Ihr eine <a href=\"http:\/\/www.gfk.com\/de\/news-und-events\/presse\/pressemitteilungen\/seiten\/zinsentscheidung-stuetzt-kauflaune.aspx\">komplett sinnfreie Pressemeldung der GfK<\/a> redaktionell nachplappert und Eure Leser damit f&uuml;r dumm verkauft? Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5931\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-22163-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140627_GfK_Fremdschaemen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140627_GfK_Fremdschaemen_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140627_GfK_Fremdschaemen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140627_GfK_Fremdschaemen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=22163-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140627_GfK_Fremdschaemen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"140627_GfK_Fremdschaemen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/140626_01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Quelle: SPIEGEL Online<\/p><p>Zur GfK und ihrem ber&uuml;hmt-ber&uuml;chtigten Konsumklimaindex wurde schon viel geschrieben &ndash; u.a. bei den <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17442\">NachDenkSeiten<\/a>. In meinem Artikel vom Mai letzten Jahres schreibe ich eigentlich alles, was man zu diesem Statistik-Orakel wissen muss und frage &bdquo;die Medien&ldquo;, warum sie den GfK-Konsumklimaindex nicht einfach ignorieren k&ouml;nnen. Klar, die NachDenkSeiten geh&ouml;ren f&uuml;r einen SPIEGEL-Online-Volont&auml;r sicher nicht zur Standardlekt&uuml;re und es w&auml;re anma&szlig;end, zu glauben, dass ein Gigant wie SPIEGEL Online die Ratschl&auml;ge eines Zwerges wie den NachDenkSeiten beherzigt. Aber m&uuml;sst Ihr noch einen draufsetzen, indem Ihr die gestrige GfK-Meldung, die selbst f&uuml;r GfK-Verh&auml;ltnisse au&szlig;ergew&ouml;hnlich d&uuml;mmlich ist, unkommentiert nachplappert?<\/p><p>Die Kernaussage der GfK-Meldung besteht darin, dass die Deutschen sich in diesem Monat angeblich in einem Konsumrausch befinden, weil die EZB vor zwei Wochen den Leitzins von 0,25% auf 0,15% gesenkt hat. Diese Aussage ist, sagen wir es einmal vorsichtig, gewagt. Zum einen besteht keine erkennbare Korrelation zwischen dem GfK-Konsumklima und den real gemeldeten <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17442\">Ums&auml;tzen des Einzelhandels<\/a>. Oder um es einfacher zu formulieren: Was die GfK dort meldet, hat nachweisbar nichts mit der Realit&auml;t zu tun. Es kann sein, dass in diesem Monat tats&auml;chlich mehr konsumiert wurde. Es kann aber auch sein, dass weniger konsumiert wurde. Bis die offiziellen Zahlen vorliegen, kann dies niemand wissen. Die realen Zahlen stagnieren jedenfalls seit 1990. Der &bdquo;Kaufrausch&ldquo; findet, wie so oft, nur in den K&ouml;pfen der PR-Abteilung der GfK statt. <\/p><p>Zum anderen ist die Begr&uuml;ndung f&uuml;r den vermeintlichen &bdquo;Kaufrausch&ldquo;, die die GfK in diesem Monat herausgekramt hat, derart an den Haaren herbeigezogen, dass man gar nicht mehr wei&szlig;, ob man jetzt laut lachen oder bitterlich weinen soll. Wegen der Leitzinssenkung sollten, so steht es bei SPIEGEL Online, die &bdquo;Kreditinstitute [&hellip;] die Einlagenzinsen wohl rasch kappen d&uuml;rfen, [wodurch] Sparen f&uuml;r die Kunden immer unattraktiver [wird].&ldquo; Noch unattraktiver? Das ist interessant. Seit Senkung des Leitzinses sind die Einlagenzinsen in der Tat gesunken &ndash; jedoch nicht im Prozent-, sondern im niedrigen Promillebereich. <\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/140626_02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Quelle: OnVista<\/p><p>Und die Menschen sollen nun, da es anstatt 0,72% nur noch 0,71% f&uuml;r das Tagesgeld gibt, in den kollektiven Konsumrausch verfallen? Das ist eine steile These. Jede These, egal wie steil, sollte jedoch empirisch abgesichert sein. Da die Zinsen ja nicht erst seit wenigen Wochen sinken, w&auml;re dies auch m&ouml;glich &hellip; wenn die These stimmen w&uuml;rde. Doch das ist offenbar nicht der Fall.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/140626_03.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Quelle: OnVista<\/p><p>Im Zuge der Finanzkrise st&uuml;rzte der Einlagenzinssatz im Jahre 2008 f&ouml;rmlich ab und ist seitdem &ndash; mit einer zeitweiligen Erholung im Winter 2011\/2012 &ndash; r&uuml;ckl&auml;ufig. Wenn die These stimmt, dass unsere Mitb&uuml;rger nun wegen der r&uuml;ckl&auml;ufigen Zinsen nicht mehr sparen, sondern wie wild konsumieren, m&uuml;sste dies ja, in welcher Form auch immer, messbar sein. <\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/130531_einzelhandelquer.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/130531_einzelhandelquer_small.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p>Eine Betrachtung auf die realen Einzelhandelsums&auml;tze ergibt interessanterweise jedoch genau das umgekehrte Bild. In der Phase, in der die Zinss&auml;tze sanken, sanken auch die Einzelhandelsums&auml;tze &ndash; und zwar deutlich. Ansonsten ist &ndash; wie kaum anders zu erwarten &ndash; keine nennenswerte Korrelation zwischen dem Einlagenzinssatz und den Einzelhandelsums&auml;tzen erkennbar. <\/p><p>Warum auch? S&auml;mtliche Zahlen zur Verm&ouml;gensverteilung weisen darauf hin, dass nur die obersten zehn Prozent der Haushalte &ndash; gemessen am Einkommen &ndash; &uuml;berhaupt regelm&auml;&szlig;ig in nennenswertem Umfang finanzielle R&uuml;cklagen bilden k&ouml;nnen[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>]. Bei diesen Haushalten ist die Konsumquote jedoch ohnehin bereits ges&auml;ttigt. Zinserh&ouml;hungen und &ndash;senkungen f&uuml;hren bei diesen Haushalten nicht zu einer Verschiebung zwischen Spar- und Konsumquote, sondern zu einer Verschiebung innerhalb der unterschiedlichen Anlageg&uuml;ter innerhalb der Sparquote. Anstatt zu konsumieren, investieren diese Haushalte vermehrt in andere Anlageprodukte, von denen sie sich erhoffen, dass sie eine h&ouml;here Rendite erwirtschaften. Die sich bereits anbahnenden Blasen auf dem Immobilienmarkt sind ein Kollateralschaden dieser Entwicklung. Oder um es zugespitzt zu formulieren: Anstatt sich einen zweiten Porsche zu kaufen, steckt man das Geld, das man bei h&ouml;heren Zinss&auml;tzen als Einlage bei der Bank gespart h&auml;tte, nun in ein Mehrfamilienhaus, das ordentliche Mieteinnahmen generiert. <\/p><p>Liebe Kollegen von SPIEGEL Online, ich bin mir fast sicher, dass Ihr das alles auch wisst. Warum plappert Ihr dann aber die offensichtlichen Nonsense-Meldungen der GfK nach? Seid Ihr etwa in einen Kaufrausch verfallen, weil die EZB den Leitzins um ein Promille gesenkt hat? Oder liegt es vielmehr daran, dass Ihr schlicht faul seid? Eine Pressemeldung redaktionell aufzubereiten, ist nat&uuml;rlich keine gro&szlig;e Arbeit und in einer Viertelstunde gemacht. Dazu eine sexy &Uuml;berschrift wie &bdquo;Kaufen, kaufen, kaufen&ldquo;, ein nichtssagendes Symbolbild aus dem Agenturprogramm und schon habt Ihr einen garantierten Klickf&auml;nger. Ein kritischer Kommentar zum Thema erfordert mehr Arbeit und generiert sicherlich weniger Klicks. <\/p><p>Aber was hat Euer Artikel eigentlich noch mit Journalismus zu tun? Habt Ihr alles vergessen, was man Euch in Eurer theoretischen Ausbildung beigebracht hat? Oder habt Ihr es nur verdr&auml;ngt? Oder seid Ihr wirklich schon so zynisch, dass es Euch schlicht egal ist? Solltet Ihr noch einen Funken Berufsehre haben, k&ouml;nnt Ihr das Ganze ja mal f&uuml;r einen Moment sacken lassen und Euch bei n&auml;chster Gelegenheit einmal &uuml;berlegen, ob das, was Ihr tagt&auml;glich macht, noch irgendetwas mit dem Beruf zu tun hat, den Ihr einmal erlernt habt. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/8df1169ee9d94ae9955526dc78ac68c5\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] <a href=\"http:\/\/www.westendverlag.de\/buecher-themen\/programm\/wem-gehoert-deutschland-jens-berger.html\">Jens Berger &ndash; Wem geh&ouml;rt Deutschland<\/a>, Westend Verlag, 2014<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Kollegen von SPIEGEL Online,<br \/> mir ist vollkommen bewusst, dass Ihr keinen einfachen Job habt. F&uuml;r Eure Chefs z&auml;hlen nur Klicks: Und Klicks erreicht man nat&uuml;rlich vor allem dann, wenn man m&ouml;glichst viele Artikel publiziert, die mit m&ouml;glichst wenig Arbeitsaufwand m&ouml;glichst viele Leser finden. Millionen Fliegen k&ouml;nnen schlie&szlig;lich nicht irren. 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