{"id":22197,"date":"2014-06-30T09:23:21","date_gmt":"2014-06-30T07:23:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22197"},"modified":"2015-11-09T15:33:42","modified_gmt":"2015-11-09T14:33:42","slug":"ein-illusionaeres-amerika-der-erste-von-regelmaessigem-berichten-des-nds-freundes-norman-birnbaum-aus-washington","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22197","title":{"rendered":"\u201eEin illusion\u00e4res Amerika\u201c \u2013 Auftakt einer Reihe von regelm\u00e4\u00dfigen Berichten des NDS-Freundes Norman Birnbaum aus Washington"},"content":{"rendered":"<p>Professor Birnbaum ist ein Kenner Europas und der USA. Viele Leser der NachDenkSeiten kennen ihn von seinen Artikeln in der TAZ, in der Zeit, in der Frankfurter Rundschau, als Mitherausgeber der &bdquo;Bl&auml;tter&ldquo; und vom <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17564\">Pleisweiler Gespr&auml;ch 2013<\/a>. Norman Birnbaum wird auf absehbare Zeit ca. jeden Monat &uuml;ber die USA berichten. Da die Entwicklung in jenem Land f&uuml;r uns von sehr gro&szlig;er Bedeutung ist, sind wir f&uuml;r sein Angebot ausgesprochen dankbar. Zu danken ist dann vor allem auch noch Sabine Tober. Sie wird ab jetzt sowohl die Kolumnen von Professor Krugman als auch die Berichte von Professor Birnbaum &uuml;bersetzen. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Ein illusion&auml;res Amerika <\/strong><br>\n<strong>Norman Birnbaum<\/strong><br>\n<strong>Washington, im Juni 2014<\/strong><\/p><p><em>(Aus dem Englischen &uuml;bersetzt von Sabine Tober)<\/em><\/p><p><em><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/140701_eglische_fassung_norman_birnbaum-an_illusionary_usa.pdf\">Hier [PDF &ndash; 20 KB]<\/a> finden Sie jetzt auch die englische Originalfassung als PDF. Das geht auf die Anregung einiger Leserinnen und Leser der NDS zur&uuml;ck. In Zukunft wird das immer gleich geschehen.<\/em><\/p><p>Wenn ich deutsche Tages- und Wochenzeitungen lese, bin ich immer wieder &uuml;berrascht, auf so viele merkw&uuml;rdige Beschw&ouml;rungen deutscher &ldquo;Verantwortung&rdquo; zu sto&szlig;en  &ndash;  wobei Verantwortung definiert wird als die Verpflichtung, den USA Gefolgschaft zu leisten. Auf den ersten Blick hat man fast den Eindruck, dass die meisten dieser Verfasser gar keine Ahnung davon haben, was tats&auml;chlich in der amerikanischen Politik gerade los ist. Die USA sind selbst zutiefst zerstritten dar&uuml;ber, welchen Kurs sie in der akuten Krise in der Ukraine und auch im Nahen Osten einschlagen sollen. Senator McCain, der jede Menge Energie in eine Dauerattacke gegen den Pr&auml;sidenten steckt wegen dessen angeblicher &ldquo;Schw&auml;che&rdquo;, verlangte k&uuml;rzlich die Entlassung des sehr klugen Vorsitzenden des Generalstabs Martin Dempsey, des Kommandanten unserer Streitkr&auml;fte. General Dempsey warnt (ebenso wie sein Vorg&auml;nger Admiral Mullen) immer wieder vor dem Einsatz milit&auml;rischer Mittel zur L&ouml;sung politischer Probleme. Besonders offen war er bei seiner Aussage vor dem Kongress, wo er mit dem profundem Unwissen, der verkappten Streitlust und den entlarvenden Darstellungen von Politikern konfrontiert war, die wirklich meinen, die USA k&ouml;nnten noch immer ohne oder mit geringem Mehrkostenaufwand globale Hegemonie aus&uuml;ben. Gleichg&uuml;ltig welche Entt&auml;uschungen die W&auml;hler mit diesem Pr&auml;sidenten erlebt haben m&ouml;gen (auf so unterschiedlichen Gebieten wie der Wirtschaftspolitik und den au&szlig;ergerichtlichen und au&szlig;erkonstitutionellen polizeilichen Befugnissen des Staates), in einer Hinsicht zumindest sind wir belohnt worden. Die Vorsicht des Pr&auml;sidenten im Einsatz der Streitkr&auml;fte steht in krassem Gegensatz zu der Abenteuerlust seines Vorg&auml;ngers und seiner Apologeten und Amtshelfer.<\/p><p>Die deutschen &ldquo;Freunde&rdquo; der USA scheinen aber an noch gravierenderen<br>\nMangelerscheinungen zu leiden. Ihr historisches Wissen &uuml;ber die Entwicklung unserer sehr komplexen Nation ist wom&ouml;glich nur seicht und ihre reale Erfahrung mit unserem konfliktgeladenen Pluralismus und unseren enormen kulturellen und sozialen Unterschieden minimal. Es scheint fast, als h&auml;tten sie ihre Kenntnis &uuml;ber die USA von der Art Film bezogen, die dazu da ist, die &Ouml;ffentlichkeit einzulullen und auf keinen Fall zu beunruhigen. <\/p><p>Zeitgen&ouml;ssische und klassische amerikanische Literatur kennen sie anscheinend nicht. Vielleicht f&uuml;hlen sie sich wohl in Harvard oder Stanford, in Washingtons Forschungszentren und in ein paar B&uuml;ros im Kongress und bei Regierungsstellen. Erstaunlich wenig h&ouml;rt man jedoch von ihnen &uuml;ber die Implikationen der Tatsache, dass es nicht immer sicher ist, nachts um das Capitol oder auch das Wei&szlig;e Haus zu gehen. Was Kirchen, Kinos, Theater, Schulen, Universit&auml;ten und Einkaufszentren angeht  &ndash;  man kann nur hoffen, ihre amerikanischen Gastgeber haben sie auf die immerw&auml;hrende Gefahr willk&uuml;rlicher Morde aufmerksam gemacht&hellip;<\/p><p>Sehen wir uns also die tats&auml;chliche Situation an. Da ist zun&auml;chst die politische Polarisation. Die ist eine schon lange bestehende und institutionalisierte Folge der Sklavenhaltung, die in vielen der dreizehn Gr&uuml;nderstaaten gang und g&auml;be ist. Die verfassungsm&auml;&szlig;ig festgelegte Vertretung jedes Bundesstaates durch zwei Senatoren diente urspr&uuml;nglich dazu, den Staaten mit Sklavenhaltung ein permanentes Veto bei einer wom&ouml;glichen gesetzlichen Abschaffung der Sklaverei zu geben. Und jetzt hat Kalifornien mit seinen mehr als drei&szlig;ig Millionen Einwohnern zwei Senatoren, genauso wie Mississippi mit nicht einmal einem Zehntel davon. Im S&uuml;den und Westen kultivieren alternde wei&szlig;e Minderheiten ihre Ressentiments, Minderheiten, die oft ziemlich arm und von staatlicher Wohlfahrt abh&auml;ngig sind, die sie gleichwohl anprangern, sobald sie auch Afro-Amerikanern und Latinos zugute kommt. B&uuml;rgerrechte f&uuml;r Minorit&auml;ten, die Gleichberechtigung von Frauen, die Trennung von Kirche und Staat (ein nun wirklich ausgezeichnetes Verm&auml;chtnis der Verfassungsv&auml;ter), das alles sind f&uuml;r sie nur weitere Beweise f&uuml;r ihre eigene Entmachtung. Sogar die derzeitige geringf&uuml;gige demokratische Mehrheit im Senat wird durch diese gesellschaftliche Schicht teilweise lahmgelegt. In Staaten, in denen sie die Wahl der Senatoren nicht direkt bestimmen kann, zwingt sie die Senatoren zu &auml;u&szlig;erster Vorsicht bei jeder Ausweitung der Befugnisse der Bundesregierung sowie bei der Verwendung von Bundesmitteln f&uuml;r gr&ouml;&szlig;ere soziale Investitionen oder f&uuml;r Projekte im Bereich Bildung oder Umweltschutz. Die Ablehnung von Beschr&auml;nkungen beim Waffenerwerb und die Opposition gegen die neue Gesetzgebung, die alle B&uuml;rger zum Kauf einer Krankenversicherung zwingt, haben die gleiche Ursache, eine &uuml;bertriebene, bisweilen paranoide Furcht vor der Regierung. Zusammen mit der enormen Unwissenheit gro&szlig;er Bev&ouml;lkerungsteile erschwert das die Konsolidierung all der staatlichen Funktionen, die in anderen industriellen Demokratien normal sind.  <\/p><p>Wie nun steht es mit dem Repr&auml;sentantenhaus, wo die Sitze proportional zur Bev&ouml;lkerung verteilt werden, und wo eine st&auml;dtische Mehrheit zugunsten des amerikanischen Wohlfahrtsstaates m&ouml;glich sein sollte? Tats&auml;chlich hatten die Demokraten 2012 bei den Wahlen f&uuml;r das derzeitige Repr&auml;sentantenhaus die Stimmenmehrheit. Trotzdem haben die Republikaner die Mehrheit der Sitze  &ndash;  weil Regierungen in republikanischen Bundesstaaten die Grenzen der Wahlbezirke so gelegt haben, dass die Wirkung der republikanischen Stimmen maximiert wird. <\/p><p>Das legt nahe, dass die Demokraten sich vornehmlich auf die Gebiete Gouverneursposten und bundesstaatliche Legislative konzentrieren sollten. Demokratische W&auml;hler sind allerdings nicht besonders enthusiastisch in ihrer Teilnahme an diesen Wahlen. An Pr&auml;sidentschaftswahlen beteiligen sich sechzig Prozent der W&auml;hlerschaft, bei den Mid-Term (Zwischenwahlen) und bundesstaatlichen Wahlen liegt diese Zahl bei vierzig Prozent. Es ist sehr ungewiss, ob Obamas erfolgreiche Koalition (Afro-Amerikaner, Latinos, Frauen, Gewerkschafter sowie die Jungen und die Gebildeten) sich f&uuml;r die Kongress- und bundesstaatlichen Wahlen von 2014 wieder zusammenfindet. Diese Wahlen sind also eine Chance f&uuml;r die wei&szlig;e Majorit&auml;t (Obama hat in beiden Wahlen keine Mehrheit unter Wei&szlig;en erreicht), sich wieder zu behaupten, indem sie pauschal gegen den Wohlfahrtsstaat und die staatliche Steuerung der Wirtschaft stimmt.<\/p><p>Zwei weitere Faktoren tragen stark dazu bei, dass die amerikanische Demokratie alles andere als perfekt ist. Zum einen erschweren die Regierungen republikanischer Bundesstaaten mit Unterst&uuml;tzung von Republikanern in der Justiz den Wahlvorgang h&auml;ufig, indem sie ihn beschwerlich machen und Wahltage und Wahlzeiten beschr&auml;nken  &ndash;  womit sie besonders auf solche Bev&ouml;lkerungsgruppen zielen, die eher demokratisch w&auml;hlen. Das Ausma&szlig; der urspr&uuml;nglichen B&uuml;rgerrechtsgesetzgebung, die die schamlose Diskriminierung afro-amerikanischer B&uuml;rger im S&uuml;den beenden sollte, ist geschm&auml;lert worden. Und dann ist da noch die erfolgreiche Offensive der republikanischen Justiz gegen eine Begrenzung der direkten und indirekten Wahlkampffinanzierung. Wir erleben gerade die Monetarisierung der Politik in einer Gr&ouml;&szlig;enordnung, wie es sie selbst zu den korruptesten Zeiten unserer Geschichte nicht gegeben hat. Riesenausgaben durch unterschiedliche Kapitalbereiche f&uuml;hren indirekt, aber &auml;u&szlig;erst wirkungsvoll dazu, dass die W&auml;hlerschaft immer weiter entpolitisiert wird, weil die Normalb&uuml;rger zu der &Uuml;berzeugung gelangen, dass ihre Meinung nicht z&auml;hlt.<br>\nAuch kann man mit Fug und Recht sagen, dass die kapitalistische Kontrolle &uuml;ber die Medien wenig gesellschaftlichen Raum f&uuml;r kritische oder gar oppositionelle Denkweisen erlaubt. Die dauernde &Uuml;berwachung &ouml;ffentlicher Schulen durch organisierte &ouml;rtliche Gruppen ist ein &auml;hnliches Ph&auml;nomen. Und dort, wo das Denken relativ frei ist, etwa an Colleges und Universit&auml;ten, da versetzt die permanente Feindseligkeit der konformistischen Medien kritische Professoren in einen permanenten Belagerungszustand. In keinem anderen Land ist beispielsweise das Leugnen des Klimawandels derma&szlig;en stark im allgemeinen Bewusstsein verankert wie in Amerika.<\/p><p>Bedenkt man die verbreitete Unwissenheit, die oft schlichten religi&ouml;sen &Uuml;berzeugungen und den zwanghaften Hass gro&szlig;er Teile der Bev&ouml;lkerung, dann ist es schon erstaunlich, dass alle neueren Umfragedaten Mehrheiten zugunsten des Wohlfahrtstaates zeigen. Auf Zustimmung st&ouml;&szlig;t auch die staatliche Regulierung der Wirtschaft, insbesondere der Banken, und die Beibehaltung und sogar Ausweitung gro&szlig;er Programme wie Social Security (Renten und Absicherung bei Erwerbsunf&auml;higkeit und Armut) und Medicare (staatliche Krankenversicherung f&uuml;r Rentner). Trotz fieberhafter republikanischer Opposition einschlie&szlig;lich paranoider Wahnvorstellungen von &ldquo;Todesgremien&rdquo; mit Entscheidungsbefugnissen &uuml;ber Leben und Tod, setzt sich Obamas Gesundheitsreform  &ndash;  ein sehr komplexes Geflecht von privaten Versicherungsgesellschaften und staatlichen Stellen  &ndash;   durch. Mehrheitlich bef&uuml;rwortet wird auch staatliche F&ouml;rderung im Bildungssektor, bei Gro&szlig;projekten zur Wiederherstellung der materiellen und sozialen Infrastruktur und beim Umweltschutz. Auch die staatliche Intervention zur Sicherstellung der Gleichberechtigung von Frauen und Minorit&auml;ten findet mehrheitlich Zustimmung. Und sogar bei dem hochexplosiven Thema der Immigration (Es gibt &uuml;ber zehn Millionen illegaler Einwanderer im Land.) gibt es Mehrheiten, die f&uuml;r Schritte in Richtung Legalisierung offen sind. <\/p><p>Die Amtszeit Lyndon Johnsons (1963 &ndash; 1968) war eine Zeit, in der, und das trotz des Widerstands aus dem S&uuml;den (und seitens wei&szlig;er B&uuml;rger aus dem Norden) gegen die Gleichberechtigung von Afro-Amerikanern, Wirtschafts- und Sozialprogramme der Great Society ( Gro&szlig;en Gesellschaft) von weiten Kreisen angenommen wurden. Johnsons gro&szlig;e Mehrheiten im Kongress wurden durch &auml;ltere B&uuml;rger mit noch wachen Erinnerungen  an den New Deal erm&ouml;glicht und auch durch die systematische Unterst&uuml;tzung seitens der Gewerkschaften, denen damals ein Drittel der Besch&auml;ftigten angeh&ouml;rte im Gegensatz zu den blo&szlig;en neun Prozent, die sie heute in der Privatwirtschaft f&uuml;r sich beanspruchen k&ouml;nnen. Wie ihre europ&auml;ischen Gegenst&uuml;cke nahmen die amerikanischen Gewerkschaften die politische Bildung ihrer Mitglieder und deren Familien sehr ernst. Und so stimmen in amerikanischen Wahlen Gewerkschaftsmitglieder und ihre Familien denn auch generell mit gr&ouml;&szlig;erer Best&auml;ndigkeit f&uuml;r Kandidaten, die den amerikanischen Wohlfahrtsstaat unterst&uuml;tzen, als andere W&auml;hler mit den gleichen demographischen Merkmalen das tun. <\/p><p>Neben den Gewerkschaften als Ort politischer Bildung gab es die Kirchen, die katholischen und die protestantischen. Die Kirchen Amerikas waren (und sind zum Teil auch noch) Vertreter eines Ethos der gesellschaftlichen Solidarit&auml;t. In den letzten f&uuml;nfzig Jahren allerdings waren die traditionellen protestantischen Kirchen der Konkurrenz durch evangelikale Kirchen ausgesetzt, die f&uuml;r biblischen Literalismus stehen und die Botschaft individualisierter Moralvorstellungen verbreiten. In der katholischen Kirche wurde das Eintreten f&uuml;r  soziale Gerechtigkeit abgeschw&auml;cht zugunsten einer strikten Haltung gegen&uuml;ber Abtreibung, Empf&auml;ngnisverh&uuml;tung und Homosexualit&auml;t. (Zeitgleich gab es in den Synagogen die Entwicklung fort von den Belangen sozialer Gerechtigkeit und hin zu verst&auml;rkter Unterst&uuml;tzung Israels.) In Hinblick auf die gr&ouml;&szlig;eren sozialen Zusammenh&auml;nge wirkten diese Trends atomisierend und individualisierend, und folglich widmeten die Normalb&uuml;rger ihre Aufmerksamkeit nicht mehr so sehr den gro&szlig;en nationalen Fragen, sondern konzentrierten sich mehr auf private und regionale Probleme. <\/p><p>Die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung dr&auml;ngte in die gleiche Richtung. In den 1970ern stagnierte der Anteil der Arbeitseinkommen am Volkseinkommen und begann dann zu sinken. Die Verlagerung der Produktion nach Lateinamerika und Asien brachte ganze St&auml;dte und Regionen wirtschaftlich ins Abseits, und immer mehr Menschen gerieten in akute wirtschaftliche Not, als die Entindustralisierung das amerikanische Kernland traf. Unter diesen Umst&auml;nden wuchs der Widerstand gegen den stetig zunehmenden Zuzug lateinamerikanischer Einwanderer und auch gegen Afro-Amerikaner. Diese gro&szlig;en wirtschaftlichen Entwicklungen  wurden von st&auml;ndigen gezielten Attacken auf den amerikanischen Wohlfahrtsstaat begleitet, die, aus unbegrenzten Kapitalquellen finanziert, von verschiedenen Wissenschaftlern, Ideologen und Journalisten kamen. <\/p><p>Zwischen dem Ende der Johnson-Pr&auml;sidentschaft 1967 und dem Amtsantritt Obamas 2009 gab es nur zwei demokratische Pr&auml;sidenten. Carters vierj&auml;hrige Pr&auml;sidentschaft (1977-81) blieb ideologisch ineffektiv, aber Clintons doppelte Amtszeit (1993-2001) war bestimmt von der Allianz zwischen einem demokratischen Wei&szlig;en Hauses nebst der Mehrheit des demokratischen Kongresses und dem neuen Finanzkapital. Mit dem Slogan &ldquo;The Third Way&rdquo; (Der Dritte Weg) versuchte Clinton mit betr&auml;chtlichem Erfolg, die demokratische Partei ein St&uuml;ck von ihrer wohlfahrtsorientierten Vergangenheit abzur&uuml;cken. Das war ein Bruch, und der wird die Clintons jetzt, da Hillary sich auf die Pr&auml;sidentschaftskampagne von 2016 vorbereitet, wieder verfolgen. <\/p><p>Der Trend zur gesellschaftlichen Desintegration, der mit der ersten Phase des Entindustrialisierung und dann mit der gro&szlig;en Krise von 2008 einherging, hat sich intensiviert. Die beiden Wahlsiege Obamas waren alles andere als eindeutig, weil seine Koalition sich weder im Kongress noch auf der bundesstaatlichen oder der kommunalen Ebene konsolidieren konnte. Die Opposition zu Obama ist eine eigent&uuml;mliche Verbindung von Rassismus und Xenophobie mit der ideologischen Abneigung gegen den Wohlfahrtsstaat.<br>\nDie Heftigkeit der politischen Ausdrucksweise, deren sich die Gegner des Pr&auml;sidenten und der Demokraten bedienen, ist ganz und gar erstaunlich. Der Secret Service (Leibwache des Pr&auml;sidenten) ist sehr diskret bez&uuml;glich etwaiger Komplotte gegen den Pr&auml;sidenten, aber es gab ein paar Strafverfahren und auch Verurteilungen wegen Bedrohung des Pr&auml;sidenten und auch zumindest einen Mordversuch. In weiten Teilen des Landes wird die Autorit&auml;t der bundesstaatlichen Regierung ganz klar angefochten. Der Staat besitzt ungef&auml;hr ein Drittel der L&auml;ndereien westlich des Mississippi, und die verpachtet er an Farmer und Rancher zu einem Preis, der weit unter dem liegt, den sie Privatbesitzern zahlen m&uuml;ssten. Das aber bringt die Einwohner dieser westlichen Staaten, die zudem Nutznie&szlig;er so mancher anderer staatlicher Unterst&uuml;tzung sind,  nicht etwa dazu, ihre Feindseligkeit gegen&uuml;ber &ldquo;der Regierung&rdquo; zu &uuml;berdenken. Tats&auml;chlich gibt es in einem Gro&szlig;teil des Westens bewaffnete Milizen, die sich als Organisationen b&uuml;rgerlichen Widerstands gegen drohende &Uuml;bergriffe staatlicher Tyrannei bezeichnen. (Sie greifen auch h&auml;ufig Einwanderer an.) So weigerte sich vor etwa zwei Monaten ein Rancher namens Bundy, der Regierung Pacht f&uuml;r das Weiden seines Viehs auf &ouml;ffentlichem Land in Nevada zu zahlen. Als Regierungsbeamte versuchten, einige seiner Rinder zu beschlagnahmen, erschienen mehrere bewaffnete Gruppen und bedrohten die Beamten. Der Gouverneur des Staates sorgte schlie&szlig;lich f&uuml;r Frieden, aber das Potential f&uuml;r Unruhen ist offensichtlich.<\/p><p>In sp&auml;teren Artikeln werde ich versuchen, meinen Lesern eine Perspektive der amerikanischen Kultur, Politik und Gesellschaft zu vermitteln, die f&uuml;r sie von Interesse sein k&ouml;nnte. Und ich hoffe, dass meine Leser mich ab und zu auf Entwicklungen in Deutschland aufmerksam machen, die ich vielleicht verpasst habe, obwohl ich die deutschen Medien regelm&auml;&szlig;ig durchforste. Sollte es also unter den so lebhaft f&uuml;r die &ldquo;gemeinsamen Werte&rdquo; (USA-Deutschland) eintretenden Deutschen jemanden geben, der daf&uuml;r eintritt, die Bundeswehr nach Nevada zu schicken, dann w&uuml;rde ich das gerne wissen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Professor Birnbaum ist ein Kenner Europas und der USA. Viele Leser der NachDenkSeiten kennen ihn von seinen Artikeln in der TAZ, in der Zeit, in der Frankfurter Rundschau, als Mitherausgeber der &bdquo;Bl&auml;tter&ldquo; und vom <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17564\">Pleisweiler Gespr&auml;ch 2013<\/a>. Norman Birnbaum wird auf absehbare Zeit ca. jeden Monat &uuml;ber die USA berichten. 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