{"id":22221,"date":"2014-07-01T09:53:07","date_gmt":"2014-07-01T07:53:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22221"},"modified":"2015-10-23T16:38:15","modified_gmt":"2015-10-23T14:38:15","slug":"warum-werden-eigentlich-ausgerechnet-zeitungszusteller-vom-mindestlohn-ausgenommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22221","title":{"rendered":"Warum werden eigentlich ausgerechnet Zeitungszusteller vom Mindestlohn ausgenommen?"},"content":{"rendered":"<p>Der Mindestlohn kommt, jedoch nicht fl&auml;chendeckend. Die m&auml;chtige Lobby der Zeitungsverleger hat es geschafft, sich selbst von den gesetzlichen Regelungen auszuklammern. So gilt der vorgeblich fl&auml;chendeckende Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde nicht f&uuml;r die rund 160.000 Zeitungszusteller in diesem Lande. Warum ausgerechnet Zeitungszusteller? Die Kritik der Medien an diesem l&auml;cherlichen Kuhhandel bleibt erwartungsgem&auml;&szlig; aus. Willkommen in der Bananenrepublik Deutschland. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4841\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-22221-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140630_Mindestlohn_Zusteller_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140630_Mindestlohn_Zusteller_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140630_Mindestlohn_Zusteller_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140630_Mindestlohn_Zusteller_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=22221-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140630_Mindestlohn_Zusteller_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"140630_Mindestlohn_Zusteller_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Mit zwei Ausnahmen geh&ouml;ren s&auml;mtliche Tageszeitungen mit einer Auflage von mehr als 200.000 Exemplaren Familien, die in der Manager-Magazin-Top-500-Liste der reichsten Deutschen vertreten sind. Und das kommt nicht von ungef&auml;hr. Allen Unkenrufen zum Trotz ist und bleibt die Verlagsbranche <a href=\"http:\/\/www.deutschlandradiokultur.de\/traumhafte-renditen-fuer-zeitungsverlage.954.de.html?dram:article_id=247293\">hoch rentabel<\/a>. Wie viele andere Branchen  erwirtschaftet die Verlagsbranche ihre Renditen auch auf dem R&uuml;cken von Niedrigl&ouml;hnern. Neben den zum Teil sehr schlecht bezahlten Journalisten sind es hier vor allem die Zeitungszusteller, die unter prek&auml;ren Arbeitsbedingungen leiden. Laut Zeitungsbranche w&uuml;rde die Einf&uuml;hrung eines Mindestlohns f&uuml;r die Verlage Mehrkosten in H&ouml;he von 225 Millionen Euro bedeuten. Umgerechnet hei&szlig;t dies, dass jeder einzelne Zeitungszusteller 1.406 Euro pro Jahr mehr bek&auml;me, wenn er mit 8,50 Euro pro Stunde bezahlt w&uuml;rde &ndash; f&uuml;r Minijobber ist dies eine gewaltige Zahl. Oder um es kurz und b&uuml;ndig zusammenzufassen: Wenn wir &uuml;ber die Einf&uuml;hrung eines Mindestlohns sprechen, geht es dabei vor allem um Berufe wie die des Zeitungszustellers.<\/p><p>Die Macht der gro&szlig;en Verlegerfamilien hat es jedoch verhindert, dass die Zeitungszusteller voll vom neuen Mindestlohn profitieren. Zun&auml;chst versuchte Arbeitsministerin Andrea Nahles den Verlegern den Mindestlohn durch einen Rabatt bei den Sozialabgaben f&uuml;r die Zeitungszusteller schmackhaft zu machen. Dagegen lief ausgerechnet der Wirtschaftsfl&uuml;gel der CDU Sturm. Heraus kam ein &bdquo;Kompromiss&ldquo;, der besagt, dass Zeitungszusteller erst einmal vom Mindestlohn ausgenommen sind. Die Lobbyarbeit der Verleger hat also Fr&uuml;chte getragen. Es kommt auch nicht jeden Tag vor, dass eine Branche von der Politik ein 225-Millionen-Euro-Geschenkt &uuml;berreicht bekommt. Da versteht es sich von selbst, dass man dem geschenkten Gaul nicht ins Maul schaut. Oder haben Sie in Ihrer Zeitung einen kritischen Artikel &uuml;ber das Millionengeschenk an die Verlegerfamilien gelesen?<\/p><p>Warum nimmt die Politik ausgerechnet Zeitungszusteller vom Mindestlohn aus? Die Begr&uuml;ndung der Verlegerlobby ist wahrlich drollig. Da ein Mindestlohn die wirtschaftliche Existenz etlicher Zeitungen verletzen w&uuml;rde, st&uuml;nde die Pressefreiheit in Gefahr, so <a href=\"http:\/\/www.wirtschaftundgesellschaft.de\/2014\/06\/mindestlohnzeitungszusteller-wie-zeitungsverleger-die-pressefreiheit-missbrauchen-und-wie-leserinnen-darauf-antworten-konnen\/\">vermeldete es<\/a> das Handelsblatt. Geht es nicht noch ein bisschen grotesker und dreister? Nach dieser Logik sind auch Hungerl&ouml;hne f&uuml;r Krankenpfleger gerechtfertigt, da ansonsten ja Krankenh&auml;user geschlossen werden m&uuml;ssten und die &ouml;ffentliche Gesundheitsvorsorge in Gefahr w&auml;re. Nach dieser Logik lie&szlig;en sich in so ziemlich in jeder Branche Hungerl&ouml;hne rechtfertigen. Manche Logik gl&auml;nzt nun einmal vor allem darin, dass sie haneb&uuml;chen unlogisch ist. Die Pressefreiheit ist ein hohes Gut. Sie besagt jedoch nicht, dass die Verlegerfamilien ein durch das Grundgesetz abgesichertes Recht darauf haben, ihre Mitarbeiter auszubeuten und Traumrenditen einzustreichen. <\/p><p>Leider haben die Politiker der Gro&szlig;en Koalition jedoch ganz offensichtlich nicht den Schneid, sich gegen die Erpressungsversuche der Verleger zu wehren. Im Gegenteil, die Ausnahme der Zeitungszusteller aus dem Mindestlohn ist ein gef&auml;hrliches Indiz daf&uuml;r, wie wenig Macht die Politik in unserer Gesellschaft eigentlich hat. Nach dem Leistungsschutzrecht tanzt die Bundespolitik nun schon zum zweiten Mal binnen weniger Monate nach der Pfeife der Verleger.  <\/p><p>Was die Verleger f&uuml;r dieses &bdquo;Wohlverhalten&ldquo; bieten, d&uuml;rfte wohl unstrittig sein. Der unausgesprochene Deal scheint folgenderma&szlig;en zu lauten: Ihr haltet Euch mit Kritik an der Gro&szlig;en Koalition zur&uuml;ck und wir verabschieden Gesetzte, die Euch gefallen. Man k&ouml;nnte dies auch Korruption nennen, aber so etwas gibt es bei uns ja nicht. Wir sind ja schlie&szlig;lich keine Bananenrepublik. Oder doch?<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/00a3b66bb79b446aa123f11dde31ed91\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Mindestlohn kommt, jedoch nicht fl&auml;chendeckend. Die m&auml;chtige Lobby der Zeitungsverleger hat es geschafft, sich selbst von den gesetzlichen Regelungen auszuklammern. So gilt der vorgeblich fl&auml;chendeckende Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde nicht f&uuml;r die rund 160.000 Zeitungszusteller in diesem Lande. Warum ausgerechnet Zeitungszusteller? Die Kritik der Medien an diesem l&auml;cherlichen Kuhhandel bleibt erwartungsgem&auml;&szlig; aus.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22221\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,141,127,182,132],"tags":[958,317,830,288],"class_list":["post-22221","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-medienkonzentration-vermachtung-der-medien","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-medienwirtschaft","tag-mindestlohn","tag-nahles-andrea","tag-prekaere-beschaeftigung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22221","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=22221"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22221\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22245,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22221\/revisions\/22245"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=22221"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=22221"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=22221"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}