{"id":2225,"date":"2007-04-02T08:11:25","date_gmt":"2007-04-02T07:11:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2225"},"modified":"2016-01-09T14:18:18","modified_gmt":"2016-01-09T13:18:18","slug":"dramatischer-ruckgang-der-studierenden-nach-einfuhrung-von-studiengebuhren-in-nrw","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2225","title":{"rendered":"Dramatischer R\u00fcckgang der Studierenden nach Einf\u00fchrung von Studiengeb\u00fchren in NRW"},"content":{"rendered":"<p>Zum Start des Sommersemesters &ndash; dem zweiten Semester mit Studiengeb&uuml;hren &ndash; ist die Zahl der Studierenden an der gr&ouml;&szlig;ten nordrhein-westf&auml;lischen Universit&auml;t zu K&ouml;ln erneut um <a href=\"http:\/\/www.uebergebuehr.de\/de\/aktuell\/news\/meldung\/ansicht\/2007\/03\/asta-kritisiert-wirkung-und-verwendung-von-studiengebuehren\/\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.uebergebuehr.de\/de\/aktuell\/news\/meldung\/ansicht\/2007\/03\/asta-kritisiert-wirkung-und-verwendung-von-studiengebuehren\/\">5.000 Studierende gesunken<\/a> Nachdem schon bei Einf&uuml;hrung der Studiengeb&uuml;hren in NRW ein R&uuml;ckgang der Erstsemesterzahlen um 5,3 Prozent zu verzeichnen war. An der benachbarten Uni Bonn ging die Zahl der Studierenden seit Einf&uuml;hrung von Studiengeb&uuml;hren um 7.000 zur&uuml;ck. Das entspricht einem <a href=\"http:\/\/www.freie-bildung-bonn.de\/\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.freie-bildung-bonn.de\/\">R&uuml;ckgang von ca. 25 Prozent<\/a>. Was jeder vorhersehen konnte, scheint einzutreten: Der h&ouml;here Preis senkt die Nachfrage nach Studienpl&auml;tze &ndash; und das in einem Land, in dem st&auml;ndig gefordert wird, dass wir mehr Studierende brauchen.<br>\n<!--more--><br>\nEine weitere Ursache f&uuml;r den R&uuml;ckgang der Studierendenzahlen d&uuml;rfte auch der immer st&auml;rker um sich greifende &ouml;rtliche Numerus Clausus durch die Einf&uuml;hrung von Bachelor-Studieng&auml;ngen sein. Viele Hochschulen nutzen diese Umstellung, um ihre Kapazit&auml;ten und die Zahl der aufzunehmenden Studierenden zu senken.<\/p><p>Das Versprechen war ja, dass mit den Studiengeb&uuml;hren, die Studienbedingungen verbessert werden sollen. Doch immer &ouml;fter h&ouml;rt man von F&auml;llen, wo die &bdquo;Mehreinnahmen&ldquo; f&uuml;r laufende Kosten, etwa f&uuml;r die Heizung der Hochschule eingesetzt werden. Auch die Uni K&ouml;ln, wei&szlig; offenbar nichts Vern&uuml;nftiges mit dem zus&auml;tzlichen Geld anzufangen, so soll eine Fakult&auml;t bis zu 100.000 Euro daf&uuml;r erhalten, wenn sie einen gr&uuml;nen Punkt  beim Kriterium &bdquo;Studiensituation insgesamt&ldquo; im CHE-Ranking erreicht. <\/p><p>Das ist ein Beleg daf&uuml;r, wie das Centrum f&uuml;r Hochschulentwicklung mit den von dem Bertelsmann-Think-Tank entwickelten &bdquo;Qualit&auml;tskriterien&ldquo; die Studien-&bdquo;Reform&ldquo; steuert.<\/p><p>Nach der Bertelsmann-Mission &ndash; und ihr folgt inzwischen ein Gro&szlig;teil der Wissenschaftspolitiker &ndash; sollen ja die Hochschulen k&uuml;nftig vor allem durch den Wettbewerb gesteuert werden.<br>\nDa f&uuml;r &ouml;ffentliche Einrichtungen wie Schulen oder Hochschulen kein &bdquo;Markt&ldquo; existiert, musste die Bertelsmann Stiftung wettbewerbliche Steuerungsinstrumente erst noch erfinden. Als Fiktion f&uuml;r den Marktwettbewerb dienen die Rankings. <\/p><p>Das CHE hat so in Deutschland die Hochschulrankings hoff&auml;hig gemacht.<br>\nInzwischen veranstaltet Bertelsmann mit &uuml;ber 280 Hochschulen in Deutschland, &Ouml;sterreich und der Schweiz das gr&ouml;&szlig;te Hochschulranking im deutschsprachigen Raum und seit geraumer Zeit wird jedes Jahr ein Drittel der gesamten F&auml;cherpalette neu gerankt.<br>\nZus&auml;tzlich zu den Hochschulrankings gibt es noch ein CHE-ForschungsRanking, ein CHE-L&auml;nderRanking und sogar noch ein CHE-AlumniRanking. Als vermeintlich neutrale Medienpartner f&uuml;r die breite Ver&ouml;ffentlichung dienen die b&uuml;rgerlich-liberale Hamburger &bdquo;Zeit&ldquo; und vorher der als links-liberal geltende &bdquo;Stern&ldquo;.<\/p><p>Aus den Rankings sollen sich angeblich Qualit&auml;tsvergleiche ergeben und, wer am besten abschneidet, soll nach den Vorstellungen der Veranstalter solcher Rankings die Qualit&auml;tsma&szlig;st&auml;be vorgeben. Das Ziel ist, dass sich die schlechter Platzierten im Wettbewerb an den besser Platzierten messen und dadurch eine Qualit&auml;tskonkurrenz zur &bdquo;Entfesselung&ldquo; der Hochschulen angesto&szlig;en werden soll. So &uuml;ben die Rankings einen Konformit&auml;ts- und Anpassungsdruck auf alle Hochschulen aus.<\/p><p>Man kann nun lange &uuml;ber die Sinnhaftigkeit von Rankings streiten. &Uuml;ber eine Tatsache f&uuml;hrt nichts hinweg: Wie bei allen Vergleichsmessungen, geht es bei Rankings darum, dass Qualit&auml;t quantifiziert werden muss. Oder anders: Man muss Qualit&auml;t in Quantit&auml;ten ausdr&uuml;cken, denn nur so l&auml;sst sich vergleichen und messen.<\/p><p>Da werden dann Studierende nach der Studienorganisation, nach der Betreuung, nach dem Kontakt zu Lehrenden gefragt. Vergleichsma&szlig;st&auml;be sind ferner die Zahl der Lehrevaluationen, das Angebot an E-Learning, von AV-Medien oder IT-Infrastruktur und &auml;hnliche Ausstattungskategorien.<br>\nWie sollte eigentlich ein Studierender ein vergleichendes Urteil &uuml;ber die Studienorganisation an seiner Hochschule f&auml;llen k&ouml;nnen, obwohl nur die wenigsten unter ihnen Erfahrung mit einer anderen Hochschule und damit einen Vergleichsma&szlig;stab haben k&ouml;nnen? Warum wurde eigentlich nicht nach der wissenschaftlichen Qualit&auml;t der Lehre gefragt?<br>\nDie Hochschulen haben keine Kontrolle &uuml;ber die Daten, es ist v&ouml;llig undurchschaubar, ob Vergleichbares verglichen worden ist.<br>\nIch will allerdings nicht bestreiten, dass manche dieser erhobenen Daten eine gewisse Aussagekraft besitzen, wer jedoch den verobjektivierenden Eindruck erwecken will, mit solche Umfragen und Zahlenangaben sei etwas &uuml;ber die Qualit&auml;t von Forschung oder &uuml;ber die Qualit&auml;t des Studiums oder gar etwas &uuml;ber die hoffentlich damit verbundene Bildung ausgesagt, der t&auml;uscht sich und andere.<br>\nIst eine Lehrveranstaltung besser oder schlechter, weil dort E-Learning oder AV-Medien eingesetzt werden?<br>\nWird der der Lehrstoff didaktisch besser aufbereitet weil die IT-Infraststrukur besser ist? So begr&uuml;&szlig;enswert solche Ausstattungen auch sein m&ouml;gen.<br>\nRankings sollen Objektivit&auml;t vorspiegeln und deshalb heben sich solche Messungen ganz bewusst von der Urteilsf&auml;higkeit der Scientific Community, also dem Urteil der Fachkollegen untereinander oder der Einsch&auml;tzung Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden ab.<br>\nDie Fetischisierung der Rangliste sei Ausdruck und Symptom einer &bdquo;spezifischen Erscheinungsform von Unbildung&ldquo;, n&auml;mlich mangelnder Urteilskraft, schreibt der Wiener Philosoph Konrad Paul Liessmann in seinem Buch &bdquo;Theorie der Unbildung&ldquo;.<br>\n&bdquo;Tats&auml;chlich ersetzt jede Reihung ein qualifiziertes Urteil, da sie besessen ist von der falschen Vorstellung, Urteilen hie&szlig;e Quantifizieren&ldquo;, meint Liessmann.<br>\nNun muss man den neuhumanistischen Bildungsbegriff des Philosophen nicht teilen, aber Recht hat Liessman, wenn er schreibt, dass der Gedanke des Vergleichens und der Reihung in Verbindung mit dem Paradigma betriebswirtschaftlichen Denkens steht, das den Betriebsablauf von Hochschulen eher mit dem von Unternehmen vergleicht.<\/p><p>Geradezu ein Musterbeispiel f&uuml;r die &Ouml;konomisierung des bildungspolitischen Denkens ist die seit &uuml;ber 10 Jahren andauernde Kampagne des CHE f&uuml;r die Einf&uuml;hrung von Studiengeb&uuml;hren.<\/p><p>Zu Recht meint der Bildungsreferent des Bonner AStA, Daniel Weber zur Verteilung der Studiengeb&uuml;hreneinnahmen nach der Platzierung in den CHE-Rankings: &bdquo;Eine solche Verfahrensweise ist kein Qualit&auml;tsmanagement &ndash; es zeigt, wie niedrig die Qualit&auml;t der selbsternannten Uni-Manager ist!&rdquo;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Start des Sommersemesters &ndash; dem zweiten Semester mit Studiengeb&uuml;hren &ndash; ist die Zahl der Studierenden an der gr&ouml;&szlig;ten nordrhein-westf&auml;lischen Universit&auml;t zu K&ouml;ln erneut um <a href=\"http:\/\/www.uebergebuehr.de\/de\/aktuell\/news\/meldung\/ansicht\/2007\/03\/asta-kritisiert-wirkung-und-verwendung-von-studiengebuehren\/\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.uebergebuehr.de\/de\/aktuell\/news\/meldung\/ansicht\/2007\/03\/asta-kritisiert-wirkung-und-verwendung-von-studiengebuehren\/\">5.000 Studierende gesunken<\/a> Nachdem schon bei Einf&uuml;hrung der Studiengeb&uuml;hren in NRW ein R&uuml;ckgang der Erstsemesterzahlen um 5,3 Prozent zu verzeichnen war. 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