{"id":2229,"date":"2007-04-03T08:37:12","date_gmt":"2007-04-03T07:37:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2229"},"modified":"2016-01-09T14:13:29","modified_gmt":"2016-01-09T13:13:29","slug":"erich-fromm-preis-fur-eugen-drewermann-und-konstantin-wecker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2229","title":{"rendered":"Erich-Fromm-Preis f\u00fcr Eugen Drewermann und Konstantin Wecker"},"content":{"rendered":"<p>In seiner Laudatio begr&uuml;ndete Norbert Copray, von der Frankfurter Fairness-Stiftung, die diesj&auml;hrige Vergabe des Preises mit dem furchtlosen Auftreten der Preistr&auml;ger gegen Antisemitismus und Fremdenhass und ihrem Einsatz f&uuml;r eine humane Zukunft der Menschheit und gegen eine Praxis, die den Menschen nur noch als Ware, Kostenfaktor und Konsument sieht. Die Erich-Fromm-Stiftung ehrte mit der Auszeichnung zwei Pers&ouml;nlichkeiten f&uuml;r ihre Verdienste um einen Aufrechten Gang f&uuml;r Humanit&auml;t, Mitgef&uuml;hl, Mitverantwortung und Courage im Sinne des radikalen Humanismus Erich Fromms. Ein Bericht von Christine Wicht.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Erich-Fromm-Preis f&uuml;r Eugen Drewermann und Konstantin Wecker<\/strong><\/p><p>von Christine Wicht<\/p><p>Am  29. M&auml;rz wurden der Kirchenkritiker Eugen Drewermann und der Liedermacher Konstantin Wecker in Stuttgart den mit 10.000 Euro dotierten Erich-Fromm-Preis geehrt. Die Erich-Fromm-Gesellschaft vergibt jedes Jahr diesen Preis an Menschen, die mit ihrem wissenschaftlichen, sozialen, gesellschaftspolitischen und journalistischen Engagement Hervorragendes f&uuml;r den Erhalt oder die Wiedergewinnung humanistischen Denkens und Handelns im Sinne Erich Fromms geleistet haben.  <\/p><p>In seiner Laudatio begr&uuml;ndete Norbert Copray, von der Frankfurter Fairness-Stiftung, die diesj&auml;hrige Vergabe des Preises mit dem furchtlosen Auftreten der Preistr&auml;ger gegen Antisemitismus und Fremdenhass und ihrem Einsatz f&uuml;r eine humane Zukunft der Menschheit und gegen eine Praxis, die den Menschen nur noch als Ware, Kostenfaktor und Konsument sieht. Die Erich-Fromm-Stiftung ehrte mit der Auszeichnung zwei Pers&ouml;nlichkeiten f&uuml;r ihre Verdienste um einen Aufrechten Gang f&uuml;r Humanit&auml;t, Mitgef&uuml;hl, Mitverantwortung und Courage im Sinne des radikalen Humanismus Erich Fromms. <\/p><p>Norbert Copray f&uuml;hrt das Publikum in seiner Rede zur&uuml;ck in das Jahr 1968. Erich Fromm ver&ouml;ffentlichte 1968 seine vision&auml;ren Vorstellungen einer Gesellschaft &ndash; die Vision einer dehumanisierten Gesellschaft im Jahr 2000 unter dem Titel &bdquo;Die Revolution der Hoffnung&ldquo;. <\/p><p>Copray zitiert aus dieser Schrift: &ldquo;Wenn die Menschen w&uuml;ssten, welchen Weg die amerikanische Gesellschaft vermutlich einschlagen wird, w&auml;ren viele, wenn nicht die meisten, so entsetzt dar&uuml;ber, dass sie wohl geeignete Vorkehrungen treffen w&uuml;rden, den Kurs zu &auml;ndern. Wenn sie sich dagegen nicht dar&uuml;ber klar sind, in welcher Richtung sie sich bewegen, dann werden sie erst erwachen, wenn es bereits zu sp&auml;t ist und wenn ihr Schicksal unwiderruflich besiegelt ist. (&hellip;) Sie sehen nicht, dass das Jahr 2000 nicht die Erf&uuml;llung und der begl&uuml;ckende H&ouml;hepunkt einer Epoche sein k&ouml;nnte, in welcher der Mensch um seine Freiheit und sein Gl&uuml;ck k&auml;mpfte, sondern der Beginn einer Epoche, in welcher der Mensch aufh&ouml;rt menschlich zu sein und sich in eine denkunf&auml;hige und gef&uuml;hllose Maschine verwandelte&rdquo;. (E. Fromm 1968a, GA IV, S. 280 f). <\/p><p>Eugen Drewermann und Konstantin Wecker seien &bdquo;Br&uuml;der im Geiste&ldquo;, sie vereine Wut und Traurigkeit &uuml;ber das, was Menschen Menschen an Leid antun, &uuml;ber die Dehumanisierung von Gesellschaft und Menschen durch eine entfesselte Technik, Wirtschaft und Kriegsmaschinerie, der offenbar keiner der Machthaber wirklich Einhalt gebieten wolle. In Anlehnung von Wolfgang Borcherts &bdquo;Dann gibt es nur eins &ndash; sag  nein&ldquo; zitierte Copray Passagen aus dem Lied von Konstantin Wecker: &bdquo;Sage nein!&ldquo;:<\/p><blockquote><p>Wenn sie jetzt ganz unverhohlen<br>\nMit bew&auml;hrten Kriegsparolen<br>\nScheinheilig zum H&ouml;chsten beten<br>\nUnd das Recht mit F&uuml;&szlig;en treten<br>\nWenn sie dann in lauten T&ouml;nen<br>\nEinzig ihrer Machtgier fr&ouml;nen<br>\nDenn am kriegerischen Wesen<br>\nMuss nun mal die Welt genesen<br>\nDann steh auf und misch dich ein<br>\nSage nein<br>\nMeistens r&uuml;ckt dann ein Herr Wichtig<br>\nDie Geschichte wieder richtig<br>\nUnd behauptet nur mit Kriegen<br>\nLie&szlig;e sich die Welt befrieden<br>\nDiese fleischgewordne L&uuml;ge<br>\nAch man kennt es zur Gen&uuml;ge<br>\nMach dich stark und misch dich ein<br>\nZeig es diesem dummen Schwein<br>\nSage Nein<\/p><\/blockquote><p>Copray  zitierte aus dem Tagebuch von Konstantin Wecker den Kabarettisten Gerhard Polt: &bdquo;Diese Pazifisten haben doch noch nie einen Krieg verhindert. Oder k&ouml;nnen Sie mir einen Krieg nennen, den die verhindert haben?&ldquo; <\/p><p>Die Irak-Reise von Konstantin Wecker Anfang 2003 war eine symbolische Handlung gegen den Angriff der Aggressoren. Er wollte sich ein eigenes Bild von der Situation verschaffen und vor allem mit Menschen im Land reden. Der Schriftsteller Helmut Krausser &uuml;bte heftige Kritik an der Irak-Reise und nannte den Liedermacher einen Friedensverbrecher. Copray griff die eigenwillige Wortkreation &bdquo;Friedensverbrecher&ldquo; in seiner Rede wieder auf und hob hervor, dass der K&uuml;nstler nicht aus Naivit&auml;t das Kriegsgebiet bereiste, sondern aus &Uuml;berzeugung, dass dieser Krieg der irakischen Gesellschaft die Demokratie nicht n&auml;her bringen werde. <\/p><p>Konstantin Wecker begleitete den Abend musikalisch und beklagte die Reformpolitik Deutschlands und die damit einhergehende destruktive Auswirkung auf den Sozialstaat und auch das Wort &bdquo;Reformen&ldquo; k&ouml;nne er schon nicht mehr h&ouml;ren. Vor vierzig Jahren sei er angetreten um die Welt zu ver&auml;ndern. Sie sei zwar ver&auml;ndert worden, aber eindeutig nicht durch ihn. Konstantin Wecker vertritt trotz der st&auml;ndig zu &uuml;berwindenden H&uuml;rden auf dem Weg seiner politischen Arbeit die Ansicht &bdquo;Es geht um&rsquo;s Tun und nicht um&rsquo;s Siegen. <\/p><p>Eugen Drewermann, engagierter Theologe, Philosoph und Psychologe, mischt sich ein in die Politik, prangert  Umweltzerst&ouml;rung und Tierqu&auml;lerei an, kritisiert die katholische Amtskirche, wirft ihr Angstverwaltung, Dogmatismus und die Ausblendung wissenschaftlicher Erkenntnis vor. Er setzt sich ein f&uuml;r den Frieden in der Welt, f&uuml;r eine humane Gesellschaft, gegen Antisemitismus und Fremdenhass. Zur Preisverleihung hielt Drewermann eine bewegende Ansprache &uuml;ber Krieg, Menschenrechtsverletzungen und Kapitalismus. Der kritische Theologe nannte die Gewinnmaximierung als Haupttriebkraft des Kapitalismus. Eine &bdquo;verlogene Humanit&auml;t&rdquo; nannte Drewermann die Forderung der USA nach einer Entwaffnung des Iraks, da die USA selbst die gr&ouml;&szlig;te Gefahr darstellten.<br>\nDrewermann monierte in seiner Rede den Mangel an kritischer Berichterstattung in den Medien &uuml;ber Kriege und ihre Folgen. Viele Journalisten w&uuml;rden gef&auml;llige Texte schreiben, um ihren Arbeitsplatz zu behalten. In seiner Fromm-Lecture zum Thema &bdquo;Schwerter zu Pflugscharen &hellip; &ndash; es duldet keinen Aufschub mehr&ldquo; kritisierte Drewermann die weltweite Aufr&uuml;stung und die Ausbildung von Soldaten, und betonte, dass dies keine Sicherheitspolitik sei. &bdquo;Mit Drill zum Gehorsam und Schikane werde Soldaten &uuml;berall das Denken abgew&ouml;hnt&ldquo;, sagte der Theologe. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In seiner Laudatio begr&uuml;ndete Norbert Copray, von der Frankfurter Fairness-Stiftung, die diesj&auml;hrige Vergabe des Preises mit dem furchtlosen Auftreten der Preistr&auml;ger gegen Antisemitismus und Fremdenhass und ihrem Einsatz f&uuml;r eine humane Zukunft der Menschheit und gegen eine Praxis, die den Menschen nur noch als Ware, Kostenfaktor und Konsument sieht. Die Erich-Fromm-Stiftung ehrte mit der Auszeichnung<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2229\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[88,159,170],"tags":[373,1764,305,446],"class_list":["post-2229","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-antisemitismus","category-fremdenfeindlichkeit-rassismus","category-friedenspolitik","tag-oekonomisierung","tag-drewermann-eugen","tag-menschenrechte","tag-wecker-konstantin"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2229","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2229"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2229\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30075,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2229\/revisions\/30075"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2229"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2229"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2229"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}