{"id":22297,"date":"2014-07-08T09:11:46","date_gmt":"2014-07-08T07:11:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22297"},"modified":"2019-07-25T18:05:19","modified_gmt":"2019-07-25T16:05:19","slug":"ttip-generalangriff-auf-sozialstaat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22297","title":{"rendered":"TTIP- Generalangriff  auf Sozialstaat?"},"content":{"rendered":"<p>Was die herrschenden neoliberalen Kr&auml;fte in der EU durch die Finanzkrisen sowie die Staats- und Bankenrettung zu Lasten der Steuerzahler nicht geschafft haben, k&ouml;nnte &uuml;ber das Freihandelsabkommen mit den USA (Transatlantic Trade and Investment Partnership TTIP) bittere Realit&auml;t werden: Der Sozialstaat europ&auml;ischer Pr&auml;gung soll sturmreif geschossen werden. Damit scheint sich zu best&auml;tigen, was der Pr&auml;sident der Europ&auml;ischen Zentralbank, der Italiener Mario Draghi erst k&uuml;rzlich in mehreren Interviews deutlich gesagt hat, dass der Sozialstaat in Europa keine Zukunft mehr habe. Diese Abw&auml;rtsspirale ist l&auml;ngst in Gang gesetzt. In den EU Krisenl&auml;ndern m&uuml;ssen die Menschen f&uuml;r die finanziellen Rettungsoperationen rigorose K&uuml;rzungsauflagen bei L&ouml;hnen, Renten, Gesundheitsversorgung und sonstigen sozialen Ma&szlig;nahmen hinnehmen. Auch in der Bundesrepublik sind sp&uuml;rbare Einschr&auml;nkungen bei den steuerlichen Zusch&uuml;ssen f&uuml;r die soziale Sicherheit und die &ouml;ffentlichen Leistungen bereits eingeleitet. Von <strong>Ursula Engelen-Kefer<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDie Konsequenzen sind eine Rekordarbeitslosigkeit mit Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit vor allem f&uuml;r die jungen Menschen nicht nur in den Krisenl&auml;ndern. In der Bundesrepublik konnten Wirtschaft und Besch&auml;ftigung auf relativ hohem Niveau gehalten werden. Allerdings ist der bittere Preis f&uuml;r etwa 7 Millionen Arbeitnehmer Niedrigl&ouml;hne und Armut sowie f&uuml;r die Steuerzahler ein gigantischer Kombilohnsektor &uuml;ber Hartz IV mit ann&auml;hernd 50 Mrd. Euro im Jahr. <\/p><p>Diese Aufl&ouml;sung des Sozialstaates auf nationaler und europ&auml;ischer Ebene soll jetzt durch ein Investitionsschutzabkommen (Investor-state dispute settlement ISDS) im Rahmen des TTIP zugunsten der europ&auml;ischen und US-Konzerne fortgef&uuml;hrt werden. Dabei geht es um ein gewaltiges Handelsvolumen, das etwa 15 Prozent des Welthandels entspricht: Im Jahr 2012 war die EU mit 1.686 Mrd. Euro der gr&ouml;&szlig;te Exporteur von G&uuml;tern und mit 1.791,7 Mrd. Euro nach den USA zweitgr&ouml;&szlig;ter Importeur von G&uuml;tern. Vollmundige Versprechen der EU Kommission als Verhandlungspartner mit den USA f&uuml;r das Freihandelsabkommen &uuml;ber Besch&auml;ftigungs- und Wohlstandszuw&auml;chse t&auml;uschen dar&uuml;ber hinweg, dass der Wirtschaft noch mehr Macht &uuml;ber nationale Regierungen, Parlamente, Gewerkschaften und sonstige zivile Organisationen gegeben werden soll. Danach w&auml;ren die Regelungsbereiche von Finanzwesen und Wirtschaft, des Umwelt- und Verbraucherschutzes, von Bildung und Kultur, der Tarifpolitik sowie des Arbeits- und Sozialrechtes den Klageverfahren der Konzerne aus kommerziellen Interessen durch demokratisch weder legitimierte noch kontrollierbare Schiedsgerichte ausgesetzt. <\/p><p>Wie verschiedene Untersuchungen zeigen, ist der erwartbare Zuwachs an Wirtschaftswachstum und Besch&auml;ftigung durch TTIP minimal. So wird das jahresdurchschnittliche Wirtschaftswachstum in der EU f&uuml;r 15 Jahre hochgerechnet auf j&auml;hrlich 0,034 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gesch&auml;tzt, in den USA 0,028 Prozent. Die Sch&auml;tzung der dadurch geschaffenen Arbeitspl&auml;tze schwankt zwischen knapp 13 000 (Bertelsmann Stiftung) und 1800 (Ifo) pro Jahr in Deutschland. <\/p><p><strong>Investitionsschutz &ndash; Aufhebung demokratischer Regulierung<\/strong><\/p><p>Es gibt bereits gen&uuml;gend Beispiele, um welche massiven Angriffe auf die nationale Politik mit gigantischen Summen es bei derartigen Investitionsschutzabkommen mit den Klageverfahren durch private Schiedsgerichte geht. Bereits heute kommen mehr als die H&auml;lfte der ausl&auml;ndischen Direktinvestitionen von der jeweils anderen Seite des Atlantiks. Befeuert werden die Klageverfahren von amerikanischen und europ&auml;ischen Anwaltskanzleien, die sich kr&auml;ftige Gewinne von derartigen Schiedsverfahren versprechen &ndash; bei Stundenl&ouml;hnen von 1000 US Dollar Rechtskosten und durchschnittlich 8 Mio. US Dollar pro Verfahren. Seit Mai 2012 klagt der schwedische Energiekonzern Vattenfall gegen die deutsche Bundesregierung wegen des Atomausstiegs auf &uuml;ber 3,7 Mrd. Euro Entsch&auml;digung. Dabei reicht oft schon die Androhung derartiger Klagen, um wichtige Regulierungen von Regierungen zu verhindern. <\/p><p>In den bereits heute bestehenden 3000 internationalen Investitionsabkommen  und etwa 514 bekannten Investor-Staat Klagen bis Ende 2012 werden die Gef&auml;hrdungen von Regierungen und Parlamenten deutlich. Die Schiedsgerichte aus zumeist drei von den Streitparteien benannten Privatpersonen tagen h&auml;ufig in Hotelzimmern der Welt-Metropolen London, Washington oder Paris hinter verschlossenen T&uuml;ren. Die Schiedsspr&uuml;che sind bindend und Berufung ist nicht zul&auml;ssig. Prominente Negativbeispiele im Rahmen des Freihandelsabkommens zwischen Mexico, Kanada und den USA (NAFTA) sind <\/p><ol>\n<li>Leon Pine Resources Inc. f&uuml;hrt ein Schiedsverfahren gegen die Regierung von Quebec, die 2013 ein Moratorium zu Fracking wegen der Umwelt- und Gesundheitsgefahren erlassen hatte.<\/li>\n<li>Der &Ouml;lmulti Chevron war von einem ecuadorianischen Gericht dazu verpflichtet worden, die Umweltverschmutzung infolge seiner &Ouml;lgewinnung zu beheben. &Uuml;ber ein internationales Schiedsgerichtsverfahren hat Chevron die Aufhebung des Gerichtsurteils erstritten.<\/li>\n<li>Weiterhin gibt es Berichte, dass ein franz&ouml;sischer Konzern unter Nutzung internationaler Schiedsverfahren versucht hat, gegen die Erh&ouml;hung des Mindestlohnes in &Auml;gypten vorzugehen.<\/li>\n<\/ol><p><strong>Soziale Sicherung- Konflikt zwischen EU und USA<\/strong><\/p><p>F&uuml;r die Menschen in der Bundesrepublik spielen die Systeme der Sozialen Sicherung eine existenzielle Rolle. In kaum einem anderen sozialen Bereich sind die Unterschiede in Philosophie, Grundsatz und praktischer Politik zwischen den USA und der Bundesrepublik so stark ausgepr&auml;gt. Ein eindrucksvolles Beispiel sind die jahrelangen erbitterten Auseinandersetzungen in den USA &uuml;ber die Einf&uuml;hrung einer gesetzlichen Krankenversicherung. Die private und betriebliche Vorsorge vor allem &uuml;ber kapitalgedeckte Sicherungssysteme haben traditionell in der Gesundheitsversorgung sowie der Alterssicherung in den USA eine vorherrschende Rolle. Dar&uuml;ber hinaus gibt es verschiedene Programme der Gesundheitsversorgung f&uuml;r &Auml;ltere und Sozial Schwache sowie bei Arbeitslosigkeit und Armut, die von Bund und Einzelstaaten gemeinsam finanziert werden.  Ein Mangel an Akzeptanz besteht f&uuml;r einen allgemeinen gesetzlichen finanziellen Solidarausgleich zwischen verschiedenen Gruppen in der Bev&ouml;lkerung auf Bundesebene und deren gemeinsame Finanzierung aus Beitr&auml;gen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer aus dem laufenden Einkommen. <\/p><p>Wie europ&auml;ische und internationale Vergleiche deutlich zeigen, ist der Anteil der Sozialversicherungsbeitr&auml;ge an den Arbeitskosten in der Bundesrepublik erheblich h&ouml;her als in den USA und auch einem Teil der &uuml;brigen EU Mitgliedsl&auml;nder, die gr&ouml;&szlig;eren Anteile ihrer Sozialen Sicherungssysteme &uuml;ber Steuern finanzieren. So zeigt das Bundesfinanzministerium in seinem internationalen Vergleich der Steuer- und Abgabenquoten (als Anteil am Bruttoinlandsprodukt) f&uuml;r 2011 auf: Die Bundesrepublik liegt mit 37,1 Prozent im Mittelfeld der EU L&auml;nder, w&auml;hrend die USA mit 25,1 Prozent die niedrigste Abgabenquote aufweist. Die amtliche Schlussfolgerung lautet: &bdquo; So ist&hellip;in den USA das staatliche System der Sozialen Sicherung im Vergleich zu Kontinentaleuropa deutlich schlechter gestellt.&ldquo; <\/p><p>Die Quote der Sozialversicherungsabgaben in der Bundesrepublik ist 2013 auf 38,4 Prozent angestiegen. Sie wird infolge der Reformen in Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung auf Kosten der Beitragszahler sowie den willk&uuml;rlichen Transfers zur Konsolidierung des Bundeshaushaltes weiter steigen. Die Gefahr ist deshalb gro&szlig;, dass US Konzerne in der Bundesrepublik jegliche Klagem&ouml;glichkeit gegen die Bundesregierung suchen und nutzen werden, um den erheblich h&ouml;heren Sozialversicherungsbeitr&auml;gen an den Arbeitskosten auszuweichen. Wie die Erfahrungen und Kontroversen bei der politischen Aushandlung von Beitr&auml;gen, Steuern und Leistungen deutlich zeigen, ist dies nicht nur f&uuml;r die gro&szlig;e Mehrzahl der Menschen in der Bundesrepublik eine existenzielle Bedrohung, sondern auch f&uuml;r die Zukunft von Sozialstaat,  Politik und Demokratie. <\/p><p><strong>USA- gewerkschaftsfreie Zonen<\/strong><\/p><p>Bezeichnend ist auch die nachhaltige Weigerung der USA, die einschl&auml;gigen Internationalen Arbeitsstandards der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) zu ratifizieren. Dabei geht es nicht nur um die sog. Kernarbeitsnormen zur Einhaltung von Gewerkschaftsrechten, Tariffreiheit und Nichtdiskriminierung  sowie Verbot von Zwangsarbeit und Kinderarbeit. Wenn auch den USA nicht unterstellt werden soll, eine Politik gegen das Verbot der Zwangs- und Kinderarbeit sowie Nichtdiskriminierung zu betreiben, gibt es gen&uuml;gend Beispiele f&uuml;r die Verhinderung von Gewerkschaften in einzelnen Staaten der USA. Bereitwillig werden derartige gewerkschaftsfreie Zonen auch von deutschen Konzernen genutzt, um die Arbeitskosten so niedrig wie m&ouml;glich zu halten und dem deutschen Arbeits- und Sozialrecht, insbesondere auch der Mitbestimmung und Betriebsverfassung, aber auch dem Arbeits- und Gesundheitsschutz zu entgehen. <\/p><p>Ein Schlaglicht auf die schwierige Gemengelage ist der gescheiterte Versuch von Volkswagen  in seiner Niederlassung von Chattanooga Tenessy einen Betriebsrat einzuf&uuml;hren, da die Mehrheit der Belegschaft &ndash; offensichtlich auf gro&szlig;en &ouml;ffentlichen Druck aus den  politischen Reihen der konservativen Republikaner &ndash; dagegen votiert hat. Es soll VW keinesfalls unterstellt werden, mit dieser Investition in den USA dem deutschen Arbeitsrecht ausweichen zu wollen. Allerdings stellt sich schon die Frage der Investitionen eines gro&szlig;en deutschen Konzerns in den gewerkschaftsfreien S&uuml;dstaaten. Weniger mitbestimmungserprobte europ&auml;ische Konzerne k&ouml;nnten dies durchaus dazu nutzen, selbst die schwachen EU Richtlinien zur Betriebsverfassung und Mitbestimmung zu umgehen- von den US Konzernen gar nicht zu reden. Dies zeigt aber deutlich die nicht nur formale, sondern auch politische Bedeutsamkeit der Nicht-Ratifizierung derartiger grundlegender &Uuml;bereinkommen. Immer wieder werden F&auml;lle bekannt, dass US Unternehmen mit harten Bandagen verhindern, dass sich Besch&auml;ftigte in Gewerkschaften organisieren und Tarifverhandlungen f&uuml;hren &ndash; wie erst k&uuml;rzlich bei der T-Mobile USA &ndash; einem Tochterunternehmen der deutschen Telekom.<\/p><p>Auch andere ma&szlig;gebliche IAO Arbeitsstandards sind bisher in den USA nicht ratifiziert.<br>\nDazu geh&ouml;rt das &Uuml;bereinkommen 155 &uuml;ber die Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz in Verbindung mit &Uuml;bereinkommen 81 und 129 &uuml;ber Arbeitsinspektion und &ndash;Aufsicht,  aber auch das &Uuml;bereinkommen 102 &uuml;ber die Soziale Sicherheit. Bezeichnend ist ebenfalls die Nicht-Ratifizierung des &Uuml;bereinkommens 144. Dabei geht es um die Einbeziehung der Tarif- bzw. Sozialparteien in die Wirtschafts- und Sozialpolitik. Die Rechtfertigung der USA, die Ratifizierung dieser Internationalen Arbeitsnormen sei nicht m&ouml;glich, da dies in der Verantwortung der Einzelstaaten und nicht des Bundes liege, ist wenig &uuml;berzeugend. <\/p><p>So geht es z.B. bei der Einbeziehung der Sozialparteien um die generelle Verweigerung gegen&uuml;ber einem gr&ouml;&szlig;eren Einfluss der Gewerkschaften auf die Wirtschafts- und Sozialpolitik. In Bezug auf die Sozialen Sicherungssysteme k&ouml;nnte dies zu weiteren Auseinandersetzungen zwischen US-Konzernen und der Bundesregierung f&uuml;hren. So sind in Deutschland die Sozial- oder Tarifparteien und damit auch die Gewerkschaften nicht nur &uuml;ber die Mitbestimmung auf Unternehmens- und Betriebsebene in die Entscheidungen einbezogen, sondern auch als Teil der Selbstverwaltungen bei den Sozialen Sicherungssystemen oder der ehrenamtlichen Richter in der Arbeits- und Sozialgerichtsbarkeit.  Auch dies k&ouml;nnten US-Konzerne in der Bundesrepublik versuchen,  auf dem Klageweg &uuml;ber Schiedsgerichtsverfahren zu umgehen. Dabei d&uuml;rfte es auch europ&auml;ischen und deutschen Konzernen durchaus gelegen sein, wenn US Konzerne f&uuml;r sie die Kohlen unliebsamer Regulierung aus dem Feuer holen. Umgekehrt k&ouml;nnten EU-Konzerne vorgeschoben werden, um f&uuml;r die US-Wirtschaft l&auml;stige Regulierungen z.B. beim in den USA weiter entwickelten Verbraucherschutz oder der Nicht-Diskriminierung zu verw&auml;ssern.<\/p><p><strong>Doppelz&uuml;ngigkeit der EU Kommission<\/strong><\/p><p>Unter den st&auml;ndigen Vorw&uuml;rfen der mangelnden Transparenz hat jetzt die EU Kommission als einer der beiden Verhandlungspartner des TTIP zur Attacke geblasen. In einer &ouml;ffentlichen Konsultation &bdquo;zu den Modalit&auml;ten des Investitionsschutzes und der Investor-Staat Streitbeilegung im Rahmen der TTIP&ldquo; werden den verschiedenen Stakeholdern in der EU 11 Fragen gestellt. Dabei wird immer wieder auf die Unzul&auml;nglichkeiten in den vorhandenen Investitionsschutzabkommen Bezug genommen. Dies suggeriert, der Kommission gehe es um ein H&ouml;chstma&szlig; an Transparenz und Einbeziehung aller beteiligten Verb&auml;nde und Institutionen, um  ein m&ouml;glichst Stakeholder-gerechtes Investitionsschutz- und Freihandelsabkommen mit den USA aushandeln zu k&ouml;nnen. Dabei werden &bdquo;&Auml;pfel mit Birnen&ldquo; verglichen, wie sich aus den Fragestellungen und ihren Erl&auml;uterungen ergibt (Siehe <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/140708_fragebogen.pdf\">hier [PDF &ndash; 123 KB]<\/a>). Aus den vorhandenen 3000 Investitionsschutzabkommen auch mit vielen L&auml;ndern ohne entwickelte Rechtssysteme werden Schwachstellen genannt. Daraus leitet die EU Kommission Ziele und Ans&auml;tze zur Behebung dieser Defizite ab und ersucht um Stellungnahme, ob dies auch von den Befragten geteilt wird.<\/p><ul>\n<li>Dies betrifft die Ablehnung von Briefkastenfirmen und die Bestimmung, wer als zu sch&uuml;tzender Investor bezeichnet werden kann. So l&ouml;blich das Vorgehen gegen Briefkastenfirmen auch immer sein mag, viel entscheidender sind die Ausnahmen von den Verhandlungen &uuml;ber TTIP mit und ohne Investitionsschutz. <\/li>\n<li>Dies betrifft die f&uuml;r die gro&szlig;e Mehrheit der Bev&ouml;lkerung existenziellen sozialstaatlichen Dienste, Leistungen und Einrichtungen einschlie&szlig;lich der Daseinsvorsorge sowie der Sozialen Sicherungssysteme.<\/li>\n<li>Gefordert wird weiterhin die Nichtdiskriminierung von Investoren, Schutz vor Enteignung, deren faire und angemessene Behandlung, ein stabiles Gleichgewicht zwischen Investorenschutz und Regelungsrecht der Staaten &ndash; alles Anliegen, die im Streitfall auf dem normalen Rechtsweg eingeklagt werden k&ouml;nnen.<\/li>\n<\/ul><p>Sowohl in der EU, ihren Mitgliedsstaaten wie in den USA gibt es &uuml;ber lange Jahre gewachsene und bew&auml;hrte Rechtsstrukturen als konstitutive Elemente der Demokratie. Es besteht weder Notwendigkeit noch Rechtfertigung daf&uuml;r, daneben Schiedsgerichtsverfahren einzurichten. Zudem w&uuml;rde dies die ausl&auml;ndischen Investoren privilegieren gegen&uuml;ber den nationalen Unternehmen, die auf die regul&auml;ren Rechtswege angewiesen sind. <\/p><p>Die Doppelb&ouml;digkeit der EU-Kommission und ihrer US-Verhandlungspartner des TTIP wird aus den weiteren Fragestellung unmissverst&auml;ndlich klar: So sollen Transparenz und Offenheit des ISDS Systems im Rahmen des TTIP gew&auml;hrleistet sein; Mehrfachklagen und Parallelstrukturen von ordentlichen Gerichten und Schiedsverfahren sowie mutwillige und unbegr&uuml;ndete Klagen oder mangelnde Ethik von Schiedsrichtern verhindert werden. <\/p><p>Auch hierbei ist nur die Schlussfolgerung zu ziehen, n&auml;mlich es bei der regul&auml;ren Gerichtsbarkeit in der EU sowie den USA zu belassen. <\/p><p>Ein Investitionsschutzabkommen und gesonderte Schiedsverfahren haben im Rahmen des TTIP nichts zu suchen. Vielmehr ist dringend geboten, aus den Verhandlungsverfahren zum TTIP alle sozialen Leistungen, Einrichtungen und Dienste auszunehmen &ndash; einschlie&szlig;lich der Daseinsvorsorge und der Sozialen Sicherheit. Sie sind Teil des demokratisch verfassten Sozialstaates auf nationaler Ebene und m&uuml;ssen in der Hoheit der jeweiligen L&auml;nder, ihrer Regierungen und Parlamente bleiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was die herrschenden neoliberalen Kr&auml;fte in der EU durch die Finanzkrisen sowie die Staats- und Bankenrettung zu Lasten der Steuerzahler nicht geschafft haben, k&ouml;nnte &uuml;ber das Freihandelsabkommen mit den USA (Transatlantic Trade and Investment Partnership TTIP) bittere Realit&auml;t werden: Der Sozialstaat europ&auml;ischer Pr&auml;gung soll sturmreif geschossen werden. Damit scheint sich zu best&auml;tigen, was der Pr&auml;sident<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22297\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,141,109,37,145],"tags":[895,1221,288,479,894],"class_list":["post-22297","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-gewerkschaften","category-globalisierung","category-sozialstaat","tag-freihandel","tag-perspektivlosigkeit","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-reservearmee","tag-ttip"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22297","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=22297"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22297\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":53697,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22297\/revisions\/53697"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=22297"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=22297"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=22297"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}