{"id":223,"date":"2005-11-18T14:15:52","date_gmt":"2005-11-18T13:15:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=223"},"modified":"2016-02-28T10:40:21","modified_gmt":"2016-02-28T09:40:21","slug":"die-grosen-einflusterer-thinktanks-als-lobby-der-freien-marktwirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=223","title":{"rendered":"Die gro\u00dfen Einfl\u00fcsterer, Thinktanks als Lobby der Freien Marktwirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>Eine Sendung von Eva Hillebrand.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Regie: Another Green World, Brian Eno darauf Take 1<\/strong><br>\n&bdquo;Deutschland braucht Zukunft&ldquo;<br>\n&bdquo;Projekt neue Wege&ldquo;<br>\n&bdquo;www.ProReformen.de&ldquo;<br>\n&bdquo;Initiative f&uuml;r Deutschland&ldquo;<br>\n&bdquo;12-uhr Mittag.de&ldquo;<br>\n&bdquo;Aktion m&uuml;ndige B&uuml;rger&ldquo;<br>\n&bdquo;Marke Deutschland&ldquo;<br>\n&bdquo;Konvent f&uuml;r Deutschland&ldquo;<br>\n&bdquo;Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft&ldquo; <\/p><p><strong>Sprecherin:<\/strong><br>\nGro&szlig;e Besorgnis &uuml;ber den Standort Deutschland allenthalben . Buchtitel wie: &ldquo;Wer rettet Deutschland&ldquo; und &bdquo;Abstieg eines Superstars&ldquo; untermalen das Drama in finsteren T&ouml;nen. Zahllose sogenannte B&uuml;rgerbewegungen, Reforminitiativen und Thinktanks versprechen Beratung und Rettung. Deutschland sei blockiert, tiefe Einschnitte t&auml;ten not, die Wirtschaft m&uuml;sse befreit werden aus den Fesseln des Staates, so lautet unisono die Botschaft der Reformanheizer. <\/p><p><strong>Take 2: Albrecht Mueller:<\/strong><br>\n&bdquo;Die Erfindung und Dramatisierung des Reformstaus als einer der wesentlichen Ursachen f&uuml;r die wirtschaftliche Misere in Deutschland ist eine strategische Meisterleistung konservativer Zirkel . Die Vermutung, dass eine solche Kampagne bewusst geplant wird, w&uuml;rden die meisten ..als Verschw&ouml;rungstheorie abtun. Die meisten Intellektuellen durchschauen auch nicht die evidente Kampagne zur Privatisierung der Altersvorsorge in Deutschland und in anderen Teilen der Welt&ldquo;. <\/p><p><strong>Sprecher:<\/strong><br>\nZitat Albrecht M&uuml;ller, Wahlkampfleiter unter Willi Brandt und Autor des 2004 erschienenen Buches: &bdquo;Die Reforml&uuml;ge&ldquo;. Das Sesam &ouml;ffne Dich, mit dem sich die Reformbotschaften Zutritt zu Parlament, Medien und der &ouml;ffentlichen Meinung verschaffen, heisst &Uuml;berparteilichkeit. Mit dieser Aura suggerieren Beratungsfirmen, Public Relations und Werbeagenturen, aus einem objektiven, gewissermassen uneigenn&uuml;tzigem Interesse heraus dem Lande zu dienen. &Auml;hnlich wie diverse Stiftungen verstehen sie sich als Thinktanks, als Denkfabriken: Die Akteure stammen aus Politik, Wirtschaft, Journalismus und der Werbebranche. Ihr Ziel: den B&uuml;rger aufkl&auml;ren in Sachen Reformstau. Dabei gilt die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft mittlerweile als die am besten aufgestellte Reformkampagne. Gegr&uuml;ndet wurde sie im Jahr 2000 von den 16 regionalen Arbeitgeberverb&auml;nden der Metall-und Elektroindustrie, die j&auml;hrlich 10 Millionen Euro in das auf 10 Jahre projektierte Projekt investieren. Die Aufgabe der Initiative besteht darin, die &ouml;ffentliche Meinung langfristig in Richtung einer unternehmensfreundlichen Stimmung zu beeinflussen, erkl&auml;rt Roland Berger, Unternehmensberater und Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. <\/p><p><strong>Take 3: Roland Berger<\/strong><br>\n&ldquo;Deutschland ist auf dem Arbeitsmarkt eine Art Jurassic Park. Ich denke, wir brauchen nur die richtigen Rahmenbedingungen. Mehr Wettbewerb bedeutet mehr Innovation, heisst mehr Wachstum, heisst mehr Besch&auml;ftigung, heisst mehr Wohlstand&ldquo;. Vollbesch&auml;ftigung ist m&ouml;glich, wenn wir den Arbeitsmarkt liberalisieren, endlich!!! <\/p><p><strong>Sprecherin:<\/strong><br>\nKuratoriumsvorsitzender und damit oberster Repr&auml;sentant der Initiative ist Hans Tietmeyer, Bundesbankpr&auml;sident von 1993 bis 1999. Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer sind Tasso Enzweiler zuvor Chefreporter der Financial Times Deutschland und der ehemalige Pressechef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Dieter Rath. <\/p><p><strong>Take 4: Dieter Rath, 0.28<\/strong><br>\n&bdquo;Ja, die INSM m&ouml;chte die Reformbereitschaft der B&uuml;rger st&auml;rken. Letztlich getragen von der &Uuml;berlegung, dass die Politiker insbesondere durch Meinungsumfragen feststellen: Diese Reform will die Bev&ouml;lkerung gar nicht. Also machen wir sie nicht, denn wir wollen ja demn&auml;chst gew&auml;hlt werden, wiedergew&auml;hlt werden. Und das heisst also, wir m&uuml;ssen den B&uuml;rger davon &uuml;berzeugen, dass die B&uuml;rger in ihrer Mehrheit letztlich auch den Druck auf die Politik aus&uuml;ben, diese Reformen zu machen&ldquo;. <\/p><p><strong>Sprecher:<\/strong><br>\nDie Initiative arbeitet mit dem Konzept der Botschafter. Prominente aus Politik Wirtschaft und Wissenschaft, stellen sich in den Dienst der Initiative. Besser vielleicht: Das soll der Initiative eine Aura der &Uuml;berparteilichkeit geben. Doch diese &Uuml;berparteilichkeit ist sp&auml;testens seit dem Tod von Peter Glotz ausgesprochen zweifelhaft. Seit der SPD-Mann Glotz nicht mehr bei der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft mitwirkt, setzt sich der Botschafterkreis fast nur aus Mitgliedern oder Sympathisanten von FDP und CDU zusammen. Einzige Ausnahme ist der Gr&uuml;ne Oswald Metzger, der mittlerweile im Kuratorium sitzt. Ein Auszug aus der Prominentenliste:<\/p><p><strong>Sprecherin und Sprecher abwechselnd:<\/strong><br>\nKarl Heinz Paqu&eacute;, Finanzminister von Sachsen-Anhalt, FDP<br>\nProf. Dagmar Schipanski, Wissenschafts-Ministerin in Th&uuml;ringen, CDU<br>\nLothar Sp&auml;th, Vorstandsvorsitzende der JenoptikAG, CDU<br>\nProf. Paul Kirchhof &ndash; ehemaliger Bundesverfassungsrichter, Mitglied des CDU-Kompetenz-Teams<br>\nProf. Arnulf Baring und Dr. Hans Barbier, Publizisten, Mitglieder in der FDP-Programm-Kommission<br>\nMartin Kannegiesser &ndash; Pr&auml;sident des Verbandes Gesamtmetall, CDU<br>\nDr. Arend Oetker -Pr&auml;sident des Stifterverbandes der Deutschen Wissenschaft und Vizepr&auml;sident des BDI, CDU-Mitglied <\/p><p><strong>Sprecherin:<\/strong><br>\nMit den Prominenten werden unter anderem die sogenannten Testimonialanzeigen geschaltet, die sich an der Schnittstelle zwischen Journalismus und Werbung bewegen. In einem als INSM &ndash; Anzeige ver&ouml;ffentlichten Interview beispielsweise fordert Ex-Bundespr&auml;sident Roman Herzog umfassende Reformen des Sozialstaates. Nachrichtenagenturen und Zeitungen zitieren anschliessend Teile aus dem Interview im Rahmen ihrer eigenen Berichterstattung. Auf den Entstehungszusammenhang wird dann kaum noch hingewiesen. So wird Themensetzung auf den Weg gebracht. Ein Bravourst&uuml;ck gelang der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft als sie im Jahr 2000 den Slogan &ldquo;Sozial ist, was Arbeit schafft&rdquo; in den &ouml;ffentlichen Diskurs einspeiste. Mittlerweile hat die CDU den Satz zu einem zentralen Wahlkampfmotto erkoren. <\/p><p><strong>Sprecher:<\/strong><br>\n&Ouml;ffentlichkeitsarbeit, Public Relation. In Kooperation mit zwei Filmproduktionsfirmen versendet die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft zweimal w&ouml;chentlich Themenvorschl&auml;ge an ca. 100 private und &ouml;ffentliche Fernsehredaktionen. <\/p><p><strong>Take 5: Dieter Rath, 0.40<\/strong><br>\n&ldquo;Das muss man sich vorstellen wie eine Presseinformation, allerdings auf die Bed&uuml;rfnisse von Fernsehjournalisten abgestellt. Dann wird die Redaktion, wenn sie das Interesse hat, sich mit dieser Produktionsgesellschaft in Verbindung setzen und nach den Vorstellungen der Redaktion einen Beitrag bestellen, der dann auch bezahlt wird von dem Sender und dabei geht es in erster Linie eben um diese Reformthemen. Und da alle Fernsehsender auf Zulieferungen dieser externen Produktionsfirmen sowieso angewiesen sind, hat sich dieses Instrument als relativ erfolgreich erwiesen, weil dadurch vielmehr diese Reformthemen in die Medien, in die Fernsehmedien gelangt sind&ldquo;. <\/p><p><strong>Sprecherin:<\/strong><br>\nErkl&auml;rt Dieter Rath, Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer bei der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Ausserdem gibt es die Medienpartnerschaften:<br>\nMit der Wirtschaftwoche, der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, der Welt, dem Handelsblatt, der Financial Times Deutschland, der H&ouml;r Zu und anderen mehr. Die Allianz aus Politik, Wirtschaft und Medien funktioniert bestens. Die Botschafter und Kuratorenbieten der Initiative ihre Prominenz, im Gegenzug bekommen sie &Ouml;ffentlichkeit. Oswald Metzger ehemaliger Finanzexperte der Gr&uuml;nen, wirkt als Kurator bei der INSM und geh&ouml;rt ebenfalls dem &bdquo;Konvent f&uuml;r Deutschland&ldquo; an, einer Reforminitiative von Roman Herzog. Metzger scheint im Netz der Medienpartnerschaften sein neues politisches Zuhause gefunden zu haben. <\/p><p><strong>Take 6: Oswald Metzger<\/strong><br>\n&bdquo;Und ich hab zur Zeit eher mit einer gewissen Verwunderung Bilanz gezogen. Ich war &ouml;fters in den Medien als in der aktiven Zeit, also in Talkrunden, auch in der Presse, ich hab&acute; ne regelm&auml;ssige Kolumne im Handelsblatt, als einziger gr&uuml;ner Politiker &uuml;berhaupt, ich schreibe f&uuml;r internationale Wirtschaftszeitungen, werd international eingeladen, k&ouml;nnte jeden Tag drei sehr gut bezahlte Vortr&auml;ge gehalten und insofern hat man da nat&uuml;rlich auch ein Tableau von Wirkungsm&ouml;glichkeiten, dass sich komplett von dem unterscheidet, was man auf der politischen B&uuml;hne hat&ldquo;. <\/p><p><strong>Sprecher:<\/strong><br>\nOswald Metzger sitzt ausserdem als Fellow in der Bertelsmannstiftung. Bet&auml;tigungsfeld ist die &bdquo;Aktion Demographischer Wandel. Die Bertelsmannstiftung gilt als der einflussreichste Thinktank Deutschlands. Die Stiftung kooperiert mit der &ouml;ffentlichen Hand im Rahmen unz&auml;hliger Projekten aus fast allen Politikbereichen. Ihre Experten und Gutachter sitzen in allen ma&szlig;geblichen &ouml;ffentlichen Gremien auf deutscher und europ&auml;ischer Ebene . 1993 hat der Bertelsmannkonzern 70% der Kapitalanteile des Gesamtkonzern auf die Unternehmensstiftung &uuml;bertragen. Der Konzern ist ein Global Player, der mit 83 -tausend Mitarbeitern in 51 L&auml;ndern zur Liga der f&uuml;nf gr&ouml;ssten Medienunternehmen weltweit geh&ouml;rt. Die hauseigene Stiftung dient ihm mit ihrem sozialen Image quasi als weltweit t&auml;tige Kontakt- und PR- Agentur.<\/p><p><strong>Take 7: Zitator: (schon gesprochen)<\/strong><br>\n&bdquo;Die Bertelsmannstiftung verfolgt&hellip;das ehrgeizige Ziel, Staat und Gesellschaft zu perfektionieren, und zwar nach Grunds&auml;tzen der Effektivit&auml;tssteigerung, die sich angeblich in den Bertelsmannbetrieben bew&auml;hrt haben&ldquo;. organisieren<\/p><p><strong>Sprecherin:<\/strong><br>\nSagt Frank B&ouml;ckelmann, Coautor des Buches: &bdquo;Bertelsmann, hinter der Fassade des Medienimperiums&ldquo;. Ein zentrales Bet&auml;tigungsfeld der Stiftung liegt im Erfassen von Ranglisten- auch Rankings genannt. Regelm&auml;ssig aufgestellt werden Bundesl&auml;nder-Standortrankings, das Bundesl&auml;nderuniranking, der Bibliotheksindex, ein Ranking deutscher &ouml;ffentlicher und wissenschaftlicher Bibliotheken, und der Bertelsmann-Transformations-Index, ein Ranking der Transformations- und Entwicklungsl&auml;nder. Im September 2004 ver&ouml;ffentlichte die Stiftung ihr Internationales Standortranking. Unter 24 Kandidaten fand sich Deutschland &ndash; auf dem letzten Platz. Ganz nach dem Motto: Negativbewertungen wirken als Optimierungsmotor. Der fast gleichzeitig vom World Economic Forum pr&auml;sentierte &bdquo;Global Competitiveness Report 2004&ldquo; hingegen bewertet Deutschland als einen der wettbewerbsf&auml;higsten Standorte der Welt. Sollten die Reformeiferer ein Interesse daran haben, den Standort Deutschland schlecht zu reden?<\/p><p><strong>Sprecher:<\/strong><br>\nAuch in St&auml;dten und Gemeinden wird gemessen, gepr&uuml;ft und verglichen. Als der Fachverband f&uuml;r Kommunales Management in Deutschland einen interkommunalen Leistungsvergleich vornahm, wurden diese Erhebungen von der Bertelsmannstiftung im Rahmen von Pilotprojekten fast fl&auml;chendeckend begleitet und forciert. Der Fokus der Stiftung richtet sich zunehmend auf die Privatisierung des &ouml;ffentlichen Sektors. Der Einfluss auf die Hochschulpolitik ist dabei gesichert durch das Centrum f&uuml;r Hochschulpolitk, kurz CHE Es organisiert u.a. Hochschulforschungs-und L&auml;nderrankings und wurde 1994 von der Hochschulrektorenkonferenz und der Bertelsmannstiftung auf deren Initiative hin gegr&uuml;ndet. Die Stiftung finanziert das CHE zu 75%<\/p><p><strong>Take 8: Zitator: (schon gesprochen)<\/strong><br>\n&bdquo;Mittelfristig muss es zu einem Wettbewerb der Hochschulen um die Studierenden und zu einem Wettbewerb der Studierenden um die Hochschulen kommen&ldquo;. <\/p><p><strong>Sprecherin:<\/strong><br>\nSchreibt Detlef M&uuml;ller-B&ouml;ling, Leiter des CHE in seinem Buch die &bdquo;entfesselte Hochschule&ldquo;. &Uuml;ber unz&auml;hlige Hochschulprojekte, Beratungs-, Fortbildungs- und Managementt&auml;tigkeiten ist das CHE in der deutschen Universit&auml;tslandschaft pr&auml;sent. Als Zielvorstellung gilt: Der Forscher als Wissenschaftsunternehmer und sein Institut als Dienstleistungsbetrieb. Was bietet sich da mehr an, als die Beteiligten anhand von Evaluationen und Rankings in einen belebenden und leistungssteigernden Wettstreit untereinander zu verwickeln. Das Centrum f&uuml;r Hochschulentwicklung ver&ouml;ffentlichte sein erstes Hochschulranking 1997, zusammen mit der Stiftung Warentest. Ab 1998 fungierte als Medienpartner das Wochenmagazin &bdquo;Der Stern&ldquo;, herausgegeben von Gruner+Jahr, einem Ableger von Bertelsmann. Seit Mai dieses Jahres gibt das Centrum f&uuml;r Hochschulentwicklung sein Uniranking zusammen mit der Wochenzeitschrift &bdquo;Die Zeit&ldquo; heraus. Das Blatt geh&ouml;rt zum Holtzbrinckverlag. An dem wiederum ist der Bertelsmannkonzern beteiligt. <\/p><p><strong>Sprecher:<\/strong><br>\nRankings liebt auch die Initiative Neue Marktwirtschaft. Zum Jahresende werden zusammen mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung Reformer und Blockierer des Jahres, gek&uuml;rt, die Veranstaltung wird von Phoenix &uuml;bertragen. 2004 gewann der ehemalige CDU Fraktionsvorsitzende Friedrich Merz. Ende 2003 wurde Paul Kirchhoff gek&uuml;rt. Der geh&ouml;rt nun dem Kompetenzteam von Angela Merkel an. Rankings und Reformbarometer, Messungen und Zahlen erwecken den Eindruck des Faktischen und der wissenschaftlichen Expertise. Dieter Rath von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. <\/p><p><strong>Take 9: Dieter Rath, 0.39<\/strong><br>\n&bdquo;In der Wirtschaftwoche haben wir seit 2003 ein sogenanntes Reformbarometer.<br>\nDas ist eine wissenschaftliche Untersuchung &uuml;ber die einzelnen Reformschritte, die die Politik ank&uuml;ndigt und einleitet, die werden bewertet von Wissenschaftlern nach vorgegebenen Kriterien, und wir &uuml;berarbeiten dann diese Studie redaktionell und geben sie an die Wirtschaftwoche und sie ver&ouml;ffentlicht sie einmal im Monat. So wird eine st&auml;ndige Fortschreibung dieser Reformvorschl&auml;ge bewertet. Das ist so, dass sich an dieser Bezahlung der Studie f&uuml;r die Wissenschaftler sowohl die Zeitschrift als auch wir beteiligen&ldquo;. <\/p><p><strong>Sprecherin:<\/strong><br>\nDie Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft beruft sich auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse des Instituts der Deutschen Wirtschaft in K&ouml;ln. Im Vorstand des Instituts sitzen mehrere Hauptgesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Regionalverb&auml;nde der Metall-und Elektroindustrie, also der Financiers der Iinitiative Neue soziale Marktwirtschaft. F&uuml;r Albrecht M&uuml;ller ist so etwas kein Einzelfall. <\/p><p><strong>Take 10: Albrecht M&uuml;ller<\/strong><br>\nMan muss eben immer untersuchen f&uuml;r welche Institute f&uuml;r welche Vorfeldinstitutionen der Konservativen f&uuml;r welche Konzerne sind Wissenschaftler gutachterlich t&auml;tig oder von wem wird ihr Institut finanziert und wenn man das durchleuchtet hat, dann erkennt man genauer warum die Wissenschaft ausscheidet als kritische Instanz in dieser Gesellschaft. Das ist dramatisch, schliesslich halten wir uns die Wissenschaft, damit wir gute politische Entscheidungen kriegen, damit kritischer Sachverstand, da geht es nicht um Meinungsrichtungen, sondern einfach nur kritischer Sachverstand in die politischen Entscheidungen einfliesst. Wenn aber die Wissenschaft hochgradig korrumpiert ist, dann fehlt ein wichtiger Faktor f&uuml;r gute politische Entscheidungen. <\/p><p><strong>Sprecher:<\/strong><br>\nWissenschaftliche Studien zur Politikberatung produziert auch die &bdquo;Stiftung Marktwirtschaft &ndash;Frankfurter Institut&ldquo;, ein weiterer neoliberaler Thinktank. Er wird finanziert durch private Spenden von Einzelpersonen und Unternehmen, die nicht genannt werden m&ouml;chten. Die dort angesiedelte &bdquo;Kommission Steuergesetzbuch&ldquo; , bestehend aus 70 Experten, kam im Juli mit ihrem Steuervorschlag an die &Ouml;ffentlichkeit, der im Falle eines Regierungswechsels &ndash;so wurde von der CDU signalisiert -vermutlich in die Gesetzgebung eingehen wird. Im &ndash;selbstverst&auml;ndlich &uuml;berparteilichen- Kommissionsbeirat sitzt u.a. &ndash; Friedrich Merz. Den Vorstand teilen sich Professor Michael Eilfort , der ehemalige B&uuml;roleiter von Friedrich Merz und der Freiburger Professor f&uuml;r Finanzwissenschaft Bernd Raffelh&uuml;schen, der schon auf zahllosen Pressekonferenzen &uuml;ber den seiner Ansicht nach unvermeidbaren Untergang der solidarisch finanzierten Pflegeversicherung aufgekl&auml;rt hat. Anfang April wurde eine entsprechende Studie von Raffelh&uuml;schen in Nachrichtenagenturen, in Zeitungen, im ZDF und bei Phoenix vorgestellt. In Auftrag gegeben und finanziert wurde die Studie von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft &ndash; Raffelh&uuml;schen geh&ouml;rt zu deren Botschaftern. <\/p><p><strong>Take 11: Albrecht M&uuml;ller<\/strong><br>\nUnd dann kommt ein weiteres hinzu, dass Journalisten, auch wenn sie urspr&uuml;nglich nicht gerade diesen konservativen Thesen zuneigen in den wirtschaftlichen und gesellschaftpolitschen Fragen unsicher sind und sich mehr und mehr in diesen Fragen dem konservativen Mainstream zugeneigt haben, weils andere Argumente kaum gibt. Das hat wiederum damit zu tun , dass die Wissenschaft, meine wissenschaft, ich bin &Ouml;konom , sich sehr angepasst hat an die Str&ouml;mung.<br>\nEs gibt kaum noch kritische Wissenschaftler in der &Ouml;konomie. Dass muss man doch mal sehen, wenn sie, was heute in den Universit&auml;ten &uuml;blich ist , wenn sie nur als was gelten , wenn sie Drittmittel beschaffen, ja also Gutachten und wer zahlt f&uuml;r Gutachten , das sind immer diejenigen die des geld haben und das ist die Wirtschaft in diesem Fall&ldquo;. <\/p><p><strong>Sprecherin:<\/strong><br>\nSo beschreibt der Buchautor Albrecht M&uuml;ller die Lage etwas zugespitzt. Es scheint, als w&uuml;rden Wissenschaftler aus allen Disziplinen gegen die Einfl&uuml;sterungen von arbeitgebernahen Thinktanks nicht ausreichend gewappnet sein. Dieter Lenzen ist Pr&auml;sident der Freien Universit&auml;t Berlin und Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Er verspicht sich davon &ndash;laut Tageszeitung -angeblich keine Drittmittel, allerdings erhoffe er sich, dass durch seine &bdquo;Expertise&ldquo;, die er als Professor der Initiative zur Verf&uuml;gung stelle, die &bdquo;Sichtbarkeit der FU erh&ouml;ht werde&ldquo; <\/p><p><strong>Sprecher:<\/strong><br>\nSichtbarkeit, Aufmerksamkeit, &Ouml;ffentlichkeit, die Inszenierung von Probleml&ouml;sungskompetenz. Jeden Tag ticken Politbaromter, finden Wahlen im Kleinen statt. Politiker antworten mit selbstgewissen Posen und beruhigenden Formeln. Sie arbeiten mit vorgestanzten plakativen Sprachmodulen, ohne komplexe Einlassungen auf Grundsatzprogramme. Deren Unterschiede schrumpfen ohnehin beim Kampf der grossen Volksparteien um die Neue Mitte auf Personen und &Auml;u&szlig;erlichkeiten. Gegens&auml;tzliche Positionen werden oft nur noch inszeniert im medialen Spektakel des Polit-Entertainments. Ging es beim Kanzlerduell um mehr als die Einschaltquote?<\/p><p><strong>Regie: Atmo Sabine Christiansen, (ggf. Brian Eno)darauf Sprecherin:<\/strong><br>\nEine der Lieblingsb&uuml;hnen findet sich bei Sabine Christiansen. Boshaft formuliert k&ouml;nnte man sagen: Das Ringen um einen Konsens, den es vorher schon gab, hat in der Talkshow Ritualcharakter gewonnen. Die sonnt&auml;glichen Debatten werden Montags im Parlament nachgestellt und liefern den Zeitungen Stoff f&uuml;r die Meinungsseiten. Derweil denken Berater- und PR-Firmen schon weiter: Welche Themen sollen in den kommenden Wochen von welcher Partei wann und wo besetzt werden. Albrecht M&uuml;ller stellt fest: <\/p><p><strong>Take 12: Albrecht M&uuml;ller, 0.41<\/strong><br>\n&bdquo;Etwas, was in Deutschland noch nicht richtig erforscht ist, ist welche Rolle dann Public Relations Firmen spielen in diesem Kontext. Es ist ja jetzt mal auch geschehen vor einiger Zeit mit Hunzinger. Aber die meisten Leute wissen immer noch nicht, wie die Mechanismen funktionieren. Dass es da ein Geflecht gibt von Personen und Institutionen, die daf&uuml;r sorgen, dass Politiker in Talk Shows kommen, dass gut &uuml;ber sie berichtet wird, dass ihre schlechten Leistungen nicht berichtet werden, das wird in Deutschland bis jetzt noch nicht aufgearbeitet. Ist auch schwierig, weil die Medien ja Teil dieses Geflechtes sind. <\/p><p><strong>Sprecher:<\/strong><br>\nSind unsere Medien wie auch die genannten Beratungsgremien zu ausserparlamentarischen Notb&uuml;hnen avanciert? Wird die &ouml;ffentliche Sache zwar &ouml;ffentlich aber nicht mehr ergebnisoffen diskutiert?. Stehen Ergebnisse vorher fest und werden dann mit oder ohne Erfolg lediglich noch vermittelt? 2004 hat die Regierung knapp 98 Millionen Euro f&uuml;r &Ouml;ffentlichkeitsarbeit ausgegeben. Die Beratung kostete in den Jahren 1999 bis 2003 fast 169 Millionen Euro. Guter Rat ist teuer &ndash; aber auch schlechter Rat muss bezahlt werden. Die Branche boomt. Politiker steigen aus &ndash; und in die Beraterbranche ein, wenn sie denn nicht in die Talkshowmasterbrache wechseln. Platzhirsche sind die Unternehmen von Roland Berger und Mc Kinsey. In der Herzog -Kommission traten die Mc Kinseys so massiv auf, dass Horst Seehofer, der ehemalige Gesundheitsexperte der Union, seine Mitarbeit aufk&uuml;ndigte. <\/p><p><strong>Take 13: Horst Seehofer:<\/strong><br>\n&bdquo;Ich habe auch meine Mitarbeit in der Herzogkommission etwa zur H&auml;lfte beendet, weil ich gesehn habe, dass des &uuml;berhaupt nicht erw&uuml;nscht war, hier argumentativ- sondern man hatte sich ein bestimmtes Ergebnis vorgestellt und wollte es zum Tragen bringen.. und daraufhin hab ich in R&uuml;cksprache mit meinem Parteivorsitzenden meine Mitarbeit beendet und hab seitdem mehr als einmal &ouml;ffentlich gesagt, dass ich von der Kommissionitis in Deutschland &uuml;berhaupt nichts halte, weil sie sehr immer in der N&auml;he auch von Interessensvertretung ist&ldquo;.<\/p><p><strong>Sprecherin:<\/strong><br>\nBeraten werden die Politiker &uuml;berbande, &uuml;berkreuz, vor allem &uuml;berparteilich. Roland Berger schaffte es, Edmund Stoiber und Gerhard Schr&ouml;der gleichzeitig auf ein- und denselben Kurs zu bringen. Rudolf Speth Politikwissenschaftler und Parteienforscher<\/p><p><strong>Take 14: Rudolf Speth<\/strong><br>\n&bdquo;Die Unternehmensberatungen haben n&auml;mlich den &ouml;ffentlichen Sektor entdeckt, der, so laut vielen Unternehmensberatern, so die H&auml;lfte des Bruttoinlandproduktes verkonsumiert. Und da gibt es gen&uuml;gend Einsparpotential. D.h. der &ouml;ffentliche Sektor, der politisch kontrolliert wird, ist f&uuml;r sie als Markt interessant .weil sie verst&auml;rkt nat&uuml;rlich ihr Handwerkszeug auf die Politik anwenden. Zum Teil sind sie damit schon ziemlich lange erfolgreich jeder ordentliche Wahlkampf wird heute von PR-Agenturen mitgemanagt . Die n&auml;chste Stufe ist das ganz normale Politikgesch&auml;ft, auch kampagnenf&ouml;rmig zu machen. D.h. jede Entscheidung wird durch eine Kampagne vorbereitet und neue politische Initiativen treten als Kampagnen auf und die Beraterbranche und die PR-Agenturen dr&auml;ngt nat&uuml;rlich hier sehr stark aufn Markt und will ihr Instrumentarium und ihr Know How verkaufen. Wohin das f&uuml;hren kann sieht man auch in Italien mit Forza Italia von Berlusconi, das ist &acute;ne Gr&uuml;ndung durch eine PR-Kampagne, also durch eine PR-Agentur, dort wurde das politische Personal rekrutiert&ldquo;. <\/p><p><strong>Sprecher: <\/strong><br>\nDie Zahl der Public Relation Profis w&auml;chst. Und damit deren Einflussnahme auf Journalisten und redaktionelle Inhalte. Nach Angaben des Leipziger Journalismus-Professors Michael Haller stehen Deutschland 30 000 Politik- und Wirtschaftsjournalisten 15 000 bis 18 000 PR-Leuten gegen&uuml;ber. In den USA hat sich das Verh&auml;ltnis schon zugunsten der PR-Branche umgekehrt. Dort beruhen mittlerweile mindestens 40 % der Informationen einer Tageszeitung nicht mehr auf eigener Recherche, sondern gehen zur&uuml;ck auf mediengerecht aufbereitete Informationen, auf Erkl&auml;rungen, Pressemeldungen und Anzeigen von Anbietern, die ein Eigeninteresse mit diesem Material verfolgen. <\/p><p><strong>Regie: Brian Eno, schon unter Sprechertext<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Sendung von Eva Hillebrand.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[35,128,123,129],"tags":[384,232,300,1168,410,582],"class_list":["post-223","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aufbau-gegenoeffentlichkeit","category-insm","category-kampagnentarnworteneusprech","category-lobbyorganisationen-und-interessengebundene-wissenschaft","tag-berger-roland","tag-bertelsmann","tag-mueller-albrecht","tag-metzger-oswald","tag-reformstau","tag-seehofer-horst"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/223","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=223"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/223\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31632,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/223\/revisions\/31632"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=223"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=223"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=223"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}