{"id":2236,"date":"2007-04-04T17:05:08","date_gmt":"2007-04-04T15:05:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2236"},"modified":"2016-01-09T14:03:20","modified_gmt":"2016-01-09T13:03:20","slug":"modische-trends-und-vitamin-b-neudeutsch-netzwerke-pragen-und-erlauben-die-fehlentscheidungen-unserer-spitzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2236","title":{"rendered":"Modische Trends und Vitamin B (neudeutsch: Netzwerke) pr\u00e4gen und erlauben die Fehlentscheidungen unserer Spitzen."},"content":{"rendered":"<p>Heute erw&auml;gt DaimlerChrysler auf Druck seiner Hauptversammlung, Chrysler wieder los zu werden. Gestern erschien in der S&uuml;ddeutschen Zeitung ein Leser-Kommentar zu einem Artikel der S&uuml;ddeutschen Zeitung vom 30.3.. <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/jobkarriere\/artikel\/325\/108217\/print.html\">Der Kommentar ist exzellent<\/a> und animiert zu einigen Anmerkungen &uuml;ber unsere Wirtschaftseliten und die angeschlossenen politischen Eliten. Zun&auml;chst zitiere ich eine kurze Passage aus dem Kommentar: Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nDer Kommentar von &bdquo;Kirschsth&ldquo; vom 3.4.07 (korrigiert um ein paar Schreibfehler):<\/p><blockquote><p>Eigenartig sind nicht nur allein diese Management Moden, die so schnell wechseln, dass die N&auml;chste schon da ist bevor man die vorausgehende &uuml;berhaupt verstanden hat. Eigenartig ist vielmehr, wie diese Moden sich im Herdentrieb unter allen deutschen Managern gleichzeitig kollektiv ausbreiten. Beobachtet man dies, wird einem bewusst, wie wenig Selbstbewu&szlig;tsein diese selbsternannte Manager-&ldquo;Elite&rdquo; aus &ldquo;Eliteschulen&rdquo; und mit Hintergrund meist &ldquo;gutbetuchtes Elternhaus&rdquo; heute hat. Einer f&auml;ngt mit einer Mode an und kurze Zeit sp&auml;ter &auml;ffen alle deutschen Manager sie gleichzeitig im Kollektiv nach. Sowie alle Trends aus USA auch. <\/p>\n<p>Das Netzwerken heute &ldquo;in&rdquo; ist,sieht man am aktuellem Beispiel Siemens. &ldquo;Netzwerken&rdquo; in der Praxis hei&szlig;t ja &ldquo;Beziehung&rdquo; und Beziehung ist taktvolles &ldquo;Geben und Nehmen&rdquo;: und so &ldquo;gibt&rdquo; man und &ldquo;nimmt&rdquo; man auf allen Ebenen, mal etwas weniger, mal etwas mehr. Um sich pers&ouml;nlich was Gutes zu tun, um die Karrieren der Enkel und Kinder zu sichern, um Gesch&auml;fte zu machen, um Karriere zu machen, um Einflu&szlig; zu sicher zustellen &ndash; solange, bis der Staatsanwalt kommt&hellip;<\/p><\/blockquote><p>Und dann weiter:<\/p><blockquote><p>Es verwundert einem immer wieder, wie Deutschland erfolgreich nach dem Krieg allein durch Arbeit und ganz ohne Unternehmensberater und ganz ohne &ldquo;Manager&rdquo; zur Wirtschaftsmacht aufgebaut werden konnte. Seit Arbeit nun aber durch &ldquo;Managen&rdquo; und &ldquo;Beratung&rdquo; ersetzt ist, geht es ziemlich bergab mit vielen deutschen Wirtschaftszweigen.<\/p><\/blockquote><p>Und hier noch einige eigene Anmerkungen:<\/p><ol>\n<li>Als ich zwischen 1987 und 1990 als Mitglied des Deutschen Bundestages Vertreter meiner Fraktion im Wirtschaftsausschuss war, gab es von Seiten der Bundesregierung und der Wirtschaft eine starke Bewegung f&uuml;r eine massive Beteiligung Deutschlands an der so genannten bemannten Weltraumfahrt. Einige Kolleginnen\/en und ich hatten zusammen mit dem Fraunhofer-Institut in Karlsruhe massive Bedenken gegen diese Milliarden-F&ouml;rderung. Die F&uuml;hrung von Daimler-Benz, damals Edzard Reuter als Vorstandschef, war massiv f&uuml;r diese F&ouml;rderung, weil Edzard Reuter die <strong>Diversifizierung<\/strong> des Konzerns Daimler-Benz f&uuml;r eine gro&szlig;e Zukunftsvision hielt und den Konzern auf dieser Linie umbaute und erweiterte: um AEG, um Unternehmen der Wehrtechnik, um Teile der Flugzeugindustrie und vieles mehr. Bei einer Veranstaltung der Friedrich Ebert Stiftung griff er mich damals massiv mit dem Vorwurf an, wir h&auml;tten keine Ahnung davon, wo zuk&uuml;nftig die Musik spiele.<br>\nNicht allzu lange Zeit sp&auml;ter erwies sich Edzard Reuters-Zukunftsvision als &auml;u&szlig;erst kostspielige Trendsetterei. Die Zukunftsvision war nur orientiert an modischen Spr&uuml;chen und Kampagnen der &ouml;ffentlichen Meinungsbildung und nicht an der Sache. Es war kein Wunder, dass das Fraunhofer-Institut auf der Seite von uns Kritikern stand.<\/li>\n<li>Dann kam J&uuml;rgen Schrempp mit einer neuen Mode: ein <strong>Globalplayer<\/strong> sollte Daimler werden. Also wurde Chrysler &uuml;bernommen, und Mitsubishi zum Teil und so weiter. Jetzt muss man sich vom Kind dieser Mode trennen, ebenfalls mit Milliardenverlusten und Belastungen f&uuml;r die anderen Produktionen und die Arbeitnehmer.<\/li>\n<li>Jetzt ist die <strong>Konzentration auf das Kerngesch&auml;ft<\/strong> angesagt. Die Moden wechseln st&auml;ndig. Und immer wieder entstehen riesige Verluste.<\/li>\n<li>&Auml;hnliche Vorg&auml;nge kann man bei einer F&uuml;lle anderer Unternehmen beobachten: bei Siemens, bei Telekom, bei der Post AG, bei der Bahn, bei der Deutschen Bank und vielen mehr.<\/li>\n<li>Eine der neuen Moden, an die in diesem Kontext noch erinnert werden muss, ist <strong>der B&ouml;rsengang und alle anderen T&auml;tigkeiten auf dem so genannten modernen Kapitalmarkt<\/strong>. Dort wird mit Handel von Verm&ouml;genswerten gro&szlig;artig verdient, wenn Publicrelations und Beratung stimmen, wenn also das Netzwerk funktioniert, obwohl keine oder kaum Wertsch&ouml;pfung stattfindet.<\/li>\n<li>Dass diese unsachliche Unternehmens-Politik st&ouml;rungsfrei und unter Applaus der ver&ouml;ffentlichten Meinung betrieben werden kann, bis kurz bevor das Kind in den Brunnen f&auml;llt, hat viel mit der <strong>mangelnden Qualifikation der herrschenden Manager<\/strong> zu tun. Darauf wird im Kommentar in der S&uuml;ddeutschen Zeitung wie auch in Ans&auml;tzen im kommentierten Artikel mit dem Titel &bdquo;Inflation der Trendsetterei&ldquo; hingewiesen. &ndash; Dass diese Unternehmens-Politik so viel zum Zuge kommt und offenbar der Sanktionsmechanismus gegen&uuml;ber dem Management nicht funktioniert, jedenfalls die Kontrollfunktion nicht wahrgenommen wird, hat viel mit dem <strong>Einfluss von Beratungsunternehmen und den damit verbundenen Netzwerken<\/strong> zu tun.<\/li>\n<li>Zu den Netzwerken und Beziehungsgeflechten, mit denen auch der gr&ouml;&szlig;te Unsinn abgesichert wird, geh&ouml;ren heute neben den Beratern ma&szlig;geblich noch die <strong>Publicrelations Unternehmen<\/strong>. Diese Branche boomt auch deshalb, weil es sowohl in der Wirtschaft als auch in der Politik viele unvern&uuml;nftige Entscheidungen gibt, die nur &uuml;ber massive PR in der &Ouml;ffentlichkeit und damit auch gegen&uuml;ber den Kontrollgremien abgesichert werden k&ouml;nnen.<\/li>\n<li>Diese <strong>Beobachtungen<\/strong> zum Bereich der Wirtschaft k&ouml;nnen <strong>auf die Politik &uuml;bertragen<\/strong> werden. Dort funktioniert es auf &auml;hnliche Weise. Ja die beiden Bereiche sind in ihrer hohlen Performance sogar eng aufeinander angewiesen. Hans Eichel und Peer Steinbr&uuml;ck, Wolfgang Clement und Angela Merkel, Gerhard Schr&ouml;der und Friedrich Merz w&auml;ren ohne die Koordinationsfunktionen von Beratungsfirmen und Publicrelations Agenturen &ndash; und ohne Applaus der Wirtschaft f&uuml;r ihre ideologie- und interessengepr&auml;gte Politik &ndash; vermutlich ziemlich unbedeutend geblieben.<\/li>\n<\/ol><p>&Uuml;brigens: In anderen Beitr&auml;gen der NachDenkSeiten wie auch &ndash; ganz verst&auml;ndlich in &bdquo;Machtwahn: Wie eine mittelm&auml;&szlig;ige F&uuml;hrungselite und zugrunde richtet&ldquo;, wie der Untertitel schon andeutet &ndash; finden Sie eine Reihe von weiteren Belegen f&uuml;r die hier notierten aktuellen Beobachtungen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute erw&auml;gt DaimlerChrysler auf Druck seiner Hauptversammlung, Chrysler wieder los zu werden. Gestern erschien in der S&uuml;ddeutschen Zeitung ein Leser-Kommentar zu einem Artikel der S&uuml;ddeutschen Zeitung vom 30.3.. <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/jobkarriere\/artikel\/325\/108217\/print.html\">Der Kommentar ist exzellent<\/a> und animiert zu einigen Anmerkungen &uuml;ber unsere Wirtschaftseliten und die angeschlossenen politischen Eliten. Zun&auml;chst zitiere ich eine kurze Passage aus dem Kommentar:<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2236\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[37,161,30],"tags":[1502,374],"class_list":["post-2236","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-globalisierung","category-wertedebatte","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-daimlermercedes","tag-eliten"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2236","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2236"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2236\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30071,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2236\/revisions\/30071"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2236"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2236"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2236"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}