{"id":22379,"date":"2014-07-14T16:51:26","date_gmt":"2014-07-14T14:51:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22379"},"modified":"2019-02-27T15:20:39","modified_gmt":"2019-02-27T14:20:39","slug":"alarmstufe-rot-ein-weiterer-denkanstoss-von-willy-wimmer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22379","title":{"rendered":"Alarmstufe \u201eRot\u201c \u2013 ein weiterer Denkansto\u00df von Willy Wimmer"},"content":{"rendered":"<p>Der fr&uuml;here Parlamentarische Staatssekret&auml;r und CDU-Bundestagsabgeordnete verfolgt das Geschehen mit gro&szlig;er Sorge &ndash; so auch jetzt das Geschehen an der Grenze zwischen der Ostukraine und Russland. Er sieht ein Zusammenspiel zwischen den Spitzen in der Ukraine und den USA unter Ausschluss der europ&auml;ischen Staaten. Da gibt es eine kleine Differenz zu meiner Einsch&auml;tzung: ich f&uuml;rchte, ein Gro&szlig;teil unserer F&uuml;hrungspersonen stecken unter der gleichen Decke. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nHier der Text von Willy Wimmer:<\/p><p>Seit dem Versuch, die Ukraine-Krise wegen der Aufst&auml;nde in Kiew durch die Au&szlig;enminister Fabius, Sikorski und Steinmeier zu l&ouml;sen, zieht es sich bis zu den j&uuml;ngsten und angeblichen Vereinbarungen zwischen Poroschenko, Putin und Hollande wie ein roter Faden durch die kriegsgef&auml;hrlich gewordene Ukraine-Krise. Es wird der nachdr&uuml;ckliche Beweis daf&uuml;r erbracht, dass jeder europ&auml;ische L&ouml;sungsversuch durch den ukrainischen Pr&auml;sidenten und seine Master in Washington hintertrieben wird. Die europ&auml;ischen Staaten m&uuml;ssen nicht erst seit den offenen Worten von Frau Nuland aus dem US-Au&szlig;enministerium erkennen, wie sehr, was in der Ukraine zum offenen Krieg mit Nachbarn f&uuml;hren wird, als &bdquo;Drehbuch&ldquo; in Washington und in keiner europ&auml;ischen Hauptstadt liegt. Es ging in der Vorfreude f&uuml;r das Endspiel bei der Fu&szlig;ball-Weltmeisterschaft v&ouml;llig unter, dass am Wochenende offenbar von ukrainischen Stellungen Ziele auf russischem Staatsgebiet unter Feuer genommen worden sind. Zufall oder nicht? Aus der Reaktion in Kiew kann jeder entnehmen, dass Vorf&auml;lle wie die von diesem Wochenende den dortigen Machthabern v&ouml;llig egal sind. Folgen haben sie ohnehin nicht zu bef&uuml;rchten. Daf&uuml;r sorgen andere. Nicht zuletzt der noch im Amt befindliche NATO-Generalsekret&auml;r Rasmussen. Wochenlang hat er die russische Seite aufgefordert, die eigenen Truppen von der russischen Seite der ukrainisch-russischen Grenze abzuziehen. Jetzt wissen wir auch, warum diese Aufforderung erfolgt ist.<\/p><p>In einer Zeit, in der sich die eine H&auml;lfte Europas in Ferien befindet und ein weiterer Teil sich mit Fu&szlig;ball besch&auml;ftigte, brennt zwischen der Ukraine und Russland die Z&uuml;ndschnur. Von dem Massenmord auf dem Maidan-Platz in Kiew angefangen, wurde diese Lunte f&uuml;r etwas Gr&ouml;&szlig;eres bewusst gelegt. Dabei spielte es f&uuml;r den Westen und hier vor allem f&uuml;r die grenzenlos willf&auml;hrige &bdquo;Qualit&auml;tspresse&ldquo; keine Rolle, aufzukl&auml;ren, wer die Menschen auf dem Platz erschossen hat, um dem Umsturz die &bdquo;Krone&ldquo; aufzusetzen. Bislang konnten die Opfer solcher Massaker davon ausgehen, dass der Westen um ihrer selbst willen die T&auml;ter anklagte. Heute ist gewiss, dass westliches Handeln eine Frage der Opportunit&auml;t ist. Das nennt man gemeinhin &bdquo;moralische Verkommenheit&ldquo;. In Kiew und in der Frage, wer sich dort allgemein westlicher Unterst&uuml;tzung erfreut, kann sehr gut festgestellt werden, wie wenig von einer ehemals stolzen &bdquo;westlichen Wertegemeinschaft&ldquo; &uuml;briggeblieben ist. <\/p><p>Die Ukraine scheint die Blaupause f&uuml;r weiteres Vorgehen in Europa und dar&uuml;ber hinaus zu werden. Das Vorgehen des ukrainischen Machthabers Poroschenko gegen&uuml;ber dem Osten seines eigenen Landes und vor allem der dort lebenden Bev&ouml;lkerung hat nichts mehr von dem an sich, wie Schwierigkeiten im eigenen Land  beigelegt oder angegangen werden k&ouml;nnen. Das ist Krieg gegen die eigene Bev&ouml;lkerung und das mit einer angeblich aus dem Boden gestampften &bdquo;Nationalgarde&ldquo;, die aus den faschistischen Gruppen, vor allem aus der Westukraine, geschaffen worden ist. Den Menschen in der Ostukraine wird auf diese Weise demonstriert, dass jene Kr&auml;fte zur&uuml;ckkehren, die in der Vergangenheit millionenfaches Leid nicht nur &uuml;ber diese Landstriche gebracht haben. Europa sollte sich sch&auml;men, diesen Gestalten auch nur den Schimmer eines Verst&auml;ndnisses zukommen zu lassen.<\/p><p>Das amerikanisch-Kiew-ukrainische Ziel dieses Vorgehens wird notfalls auf den offenen Krieg mit Russland aus sein, um letztlich die Ukraine als Bollwerk nicht nur gegen Russland nutzen zu k&ouml;nnen. Sollte es gelingen, die Ukraine derart den USA dienstbar zu machen, wird es einen kompletten Riegel unter US-Kontrolle zwischen dem Baltikum &uuml;ber Polen und die Ukraine zum Schwarzen Meer geben. Ein amerikanisches Ziel, das auf dem NATO-Gipfel in Riga 2006 schon einmal angesteuert worden ist. Da dieser amerikanische Vorsto&szlig; am Widerstand der Europ&auml;er seinerzeit gescheitert ist, hat jetzt Washington die Daumenschrauben gegen&uuml;ber den unbotm&auml;&szlig;igen Europ&auml;ern angesetzt. Dann eben Totalkontrolle &uuml;ber die Ukraine ohne die Europ&auml;er. <\/p><p>Damit k&ouml;nnen gleich zwei substantielle Ziele in dramatischer Weise umgesetzt werden: Washington schmei&szlig;t Russland aus Europa hinaus und bekommt Westeuropa unter Komplett-Kontrolle. Da mag es traditionell noch so gute Wirtschaftsbeziehungen zwischen Russland und Deutschland geben. Washington dreht diesen Hahn in Zukunft ab oder Moskau kriecht zu Kreuze und liefert nicht nur das russische Erdgas und Erd&ouml;l amerikanischer Kontrolle aus, wie es zu Zeiten von Yukos fast gelungen w&auml;re. Die Grenzverletzungen am Endspiel-Wochenende durch ukrainische Einheiten an der russisch\/ukrainischen Grenze sind der Vorgeschmack daf&uuml;r, wie hoch das &bdquo;Preisschild&ldquo; ausfallen d&uuml;rfte. <\/p><p>Wir Westeurop&auml;er sollten uns nichts vormachen. Wir werden zum &bdquo;Europ&auml;er-Gebiet&ldquo;, wenn noch vor der vom &bdquo;Spiegel&ldquo; in Aussicht gestellten Ende der Kanzlerschaft Merkel die Vereinigten Staaten uns das &bdquo;Transatlantische Freihandelsabkommen&ldquo; aufoktroyiert haben werden. Es sind nicht die Chlor&ndash;H&auml;hnchen, die unser Schicksal besiegeln werden. Das werden die Schiedsgerichte im Interesse der US-Anwaltsfabriken sein, die den Resten der parlamentarischen Demokratie in unseren Staaten den Garaus machen werden. Man mag sich gar nicht mehr daran erinnern, dass Willy Brandt Deutschland einmal mehr Demokratie in Aussicht stellte. Seit Jahren werden wir von &bdquo;oben nach unten&ldquo; regiert und die eigenen deutschen Entscheidungsm&ouml;glichkeiten sind im Moloch Br&uuml;sseler Lobbyinteressen verschwunden. Das, was vom europ&auml;ischen demokratischen System noch &uuml;brig geblieben ist, soll jetzt dem &Uuml;berfall amerikanischer Schiedsgerichte zur Aushebelung unserer Regierungen und Parlamente standhalten? Daran zu denken bedeutet, die Hoffnungslosigkeit zum politischen Grundmuster zu machen.<\/p><p>Nach dem von den Streitkr&auml;ften im Auslandseins&auml;tzen gef&uuml;rchteten &bdquo;friendly fire&ldquo;, bei dem man Opfer der eigenen Waffenwirkung wird, kommt jetzt offenbar das System der &bdquo;friendly occupation&ldquo; zur Vollendung der genannten Ziele. Es gibt wohl kaum eine Hauptstadt, die den USA gegen&uuml;ber so offen ist, wie man das f&uuml;r Berlin sagen kann. Andererseits nehmen bei kaum noch vorhandener administrativer und politischer Gestaltungskraft in der deutschen Hauptstadt &bdquo;councils f&uuml;r dit und dat&ldquo; im US-Interesse sich die noch vorhandenen Entscheidungstr&auml;ger &bdquo;vor die Brust&ldquo;. Amerikanisches Gedankengut und Einfluss, wohin man auch den Blick schweifen l&auml;sst. Berlin gibt den Amerikanern jedes Papier und jedes Dokument, das von amerikanischem Interesse ist, doch schon freiwillig raus. Wozu dann noch Spionage und das auch noch von Wien aus. Wenn man schon den Hals nicht vollkriegen kann, was bleibt dann noch &uuml;brig? Die Frage hat vor wenigen Tagen und &uuml;beraus &ouml;ffentlich der Pr&auml;sident des BDI, Herr Grillo, angesprochen. Zutreffend und ziemlich sp&auml;t wies  Herr Grillo darauf hin, mit welch gef&uuml;llten &bdquo;Kriegskassen&ldquo; amerikanische Globalkonzerne in Europa nach dem Muster Alstrom in Frankreich auf Einkaufstour gehen. Nachdem man f&uuml;r seine Erl&ouml;se &ndash; aus den vom britischen Premierminister bekannt gemachten Gr&uuml;nden &ndash; schon kaum Steuern bezahlt, sticht man jeden europ&auml;ischen Mitbewerber durch amerikanische Angebote  aus und rei&szlig;t sich von der deutschen und europ&auml;ischen Industrie noch das unter den Nagel, was noch nicht im Bestand der USA ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der fr&uuml;here Parlamentarische Staatssekret&auml;r und CDU-Bundestagsabgeordnete verfolgt das Geschehen mit gro&szlig;er Sorge &ndash; so auch jetzt das Geschehen an der Grenze zwischen der Ostukraine und Russland. Er sieht ein Zusammenspiel zwischen den Spitzen in der Ukraine und den USA unter Ausschluss der europ&auml;ischen Staaten. 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