{"id":2243,"date":"2007-04-10T13:30:57","date_gmt":"2007-04-10T11:30:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2243"},"modified":"2016-01-08T12:44:22","modified_gmt":"2016-01-08T11:44:22","slug":"ams-wochenruckblick-auf-eine-reihe-von-manipulationsversuchen-und-erfolgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2243","title":{"rendered":"AM&#8217;s Wochenr\u00fcckblick auf eine Reihe von Manipulationsversuchen und -erfolgen"},"content":{"rendered":"<p>Heute, wenn auch etwas sp&auml;t, mit Anmerkungen <\/p><ol>\n<li>zum cleveren Versuch, mit einem Streit &uuml;ber die Ursachen der wirtschaftlichen Belebung die Existenz eines so genannten Booms als unstrittig erscheinen zu lassen,<\/li>\n<li>zur Anf&auml;lligkeit &ouml;kologisch Engagierter f&uuml;r die g&auml;ngige Ideologie in der Gesellschaftspolitik,<\/li>\n<li>zum Versuch des Spiegel, mit dem Titel &bdquo;Arm durch Arbeit&ldquo; die staatlichen Abgaben f&uuml;r diese Misere verantwortlich zu machen,<\/li>\n<li>das Doppelspiel der Deutschen Bank bei DaimlerChrysler.<\/li>\n<\/ol><p>Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Zu 1.: Die wirtschaftliche Belebung als Boom erscheinen lassen.<\/strong><\/p><p>Rhetorisch begabte oder in der &Ouml;ffentlichkeitsarbeit bewanderte Personen kennen den Trick, eine Botschaft B zu propagieren, um eine Botschaft A als selbstverst&auml;ndlich erscheinen zu lassen und unter die Leute zu bringen. Die Behauptung, die niedrigen L&ouml;hne und ihre Stagnation seit mehr als einem Jahrzehnt wie auch die Reformen, h&auml;tten die wirtschaftliche Belebung &ndash; bezeichnet als Boom &ndash; m&ouml;glich gemacht, hat f&uuml;r die Autoren dieser Behauptungen nicht nur die ebenfalls gewollte Botschaft zum Ziel, niedrige L&ouml;hne und Reformen seien gut f&uuml;rs Land. Im damit ausgel&ouml;sten Disput wird en passant mitgelernt, wir h&auml;tten einen wirklichen Boom. &ndash; Tats&auml;chlich sind wir weit davon entfernt. Mit 2,8% Bruttoinlandsproduktszunahme im letzten Jahr und heuer vielleicht noch ein Mal dasselbe kommen wir aus der tiefen Rezession, in der sich unsere gesamte &Ouml;konomie befindet, nicht heraus. L&auml;nder, die eine &auml;hnlich tiefe, wenn auch nicht so lange Rezession zu &uuml;berwinden hatten, wie zum Beispiel Schweden und die USA in der Clinton Zeit anfangs der neunziger Jahre, erreichten mehrmals um die vier Prozent und sie schafften das nicht nur mit einer Belebung des Exports sondern auch des Binnenmarktes, vor allem des Konsums. Davon kann bei uns bisher nicht die Rede sein.<br>\nDie Erfolgsmeldungen entstammen in wesentlichen den Erfahrungen in der Exportwirtschaft und &ndash; wesentlich irrelevanter &ndash; den Erfahrungen der Aktion&auml;re und Spitzenmanager mit Kurssteigerungen und Traumgeh&auml;ltern und anderen Verg&uuml;tung.<br>\nAm Tag, als SpiegelOnline unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Geldregen&ldquo; von Europas Dividenden-Meistern, den deutschen DAX Unternehmen, berichtete &ndash; mit Dividendenerh&ouml;hungen um 50% bei Lufthansa, BASF und Deutsche Bank, um glatte 100% bei Conti und RWE und 90% bei Allianz zum Beispiel, war ich in meiner &ouml;rtlichen Eckkneipe. Mit dem Wirt sprach ich &uuml;ber die t&auml;glichen Meldungen aus der Aktenwelt. Er erz&auml;hlte mir, er stelle sich vor Beginn der Arbeit am Sp&auml;tnachmittag gelegentlich an die Durchgangstra&szlig;e, um einfach die Gesichter der Menschen zu beobachten: heute wieder nur deprimierte und sorgenvolle und aggressive Gesichtsausdr&uuml;cke. In den Gesichtern der Menschen und auch im Ausgabegebaren in Deutschlands normalen Kneipen spiegelt sich das Gegenteil eines Wirtschaftsaufschwungs, meinte er. In den Edelschuppen mag das anders sein. Beim Volk ist der Boom nicht angekommen.<br>\nUnd dennoch erweckt man bei uns und unseren Medien jeden Tag neu diesen falschen Eindruck.<\/p><p><strong>Zu 2.: Zur Anf&auml;lligkeit &ouml;kologisch Engagierter f&uuml;r die g&auml;ngige Ideologie in der Gesellschaftspolitik.<\/strong><\/p><p>Das bundesweit bekannte &Ouml;ko-Institut e.V. in Freiburg macht mit einer Pressemitteilung vom 3.4.2007 <a href=\"http:\/\/idw-online.de\/pages\/de\/news?print=1&amp;id=202968\">Reklame f&uuml;r private &Ouml;kologische Altersvorsorgeprodukte<\/a>. Dabei werden die g&auml;ngigen Parolen der Agitation gegen die gesetzliche Rente einfach &uuml;bernommen. W&ouml;rtlich:<\/p><p>&bdquo;Wer auch im Alter &uuml;ber die Runden kommen m&ouml;chte, darf sich nicht mehr allein auf die Rente vom Staat verlassen: Prognosen gehen davon aus, dass sie in Zukunft weniger als die H&auml;lfte des letzten Bruttolohns ausmachen wird. An Angeboten f&uuml;r die zus&auml;tzliche Altersvorsorge &ndash; betrieblich oder privat, zum Teil sogar vom Staat gef&ouml;rdert &ndash; mangelt es nicht. Doch das passende Produkt zu finden, f&auml;llt nicht leicht. Noch mehr recherchieren mussten Anleger, die neben Rendite und Absicherung auch noch Wert auf &ouml;kologische oder soziale Kriterien legen.&ldquo; (Dann  kommt die Werbung f&uuml;r &Ouml;kofonds.)<\/p><p>In diesen Text ist nahezu alles enthalten, was uns an g&auml;ngigen Fehlinformationen geboten wird. Warum man sich auf die gesetzliche Rente nicht mehr alleine verlassen kann, wird nat&uuml;rlich nicht gesagt. Die &Ouml;kologen aus Freiburg tun auch so, als w&auml;re Rendite und Absicherung bei den privaten Produkten gesichert. Das ist bei weitem nicht der Fall, wie die Erfahrung in anderen L&auml;ndern zeigt. Auch bei uns gibt es Hinweise auf falsche Informationen zu den Renditen. NachDenkSeiten gehen diesen zur Zeit nach.<\/p><p>Der Vorgang ist auch insofern interessant, weil er typisch ist f&uuml;r einen Teil der &Ouml;koszene. Sie sind fachlich gut in ihrem eigenen Bereich und zugleich unwissend bis ignorant in sozialen Fragen und deshalb leicht manipulierbar wie im vorliegenden Fall, teilweise sogar feindselig gegen&uuml;ber solidarischen L&ouml;sungen und gegen&uuml;ber dem Dr&auml;ngen darauf, auch die wirtschaftlich Schw&auml;cheren in eine &ouml;konomisch und &ouml;kologisch bessere Welt mitzunehmen. &ndash; Diese Nachl&auml;ssigkeit ist auch unter &ouml;kologischen Gesichtspunkten nicht hilfreich. Denn wenn es uns nicht gelingt, der Mehrheit der Menschen &ouml;konomische Sicherheit und Perspektiven zu geben, dann werden sie ihr Herz auch nicht mehr f&uuml;r &ouml;kologische Fragen &ouml;ffnen. &bdquo;Erst das Fressen, dann die Moral.&ldquo; Diese Weisheit ist zwar bitter, aber es spricht viel f&uuml;r ihre Richtigkeit.<\/p><p><strong>Zu 3.: Zum Versuch des Spiegel, mit dem Titel &bdquo;Arm durch Arbeit&ldquo; die staatlichen Abgaben f&uuml;r diese Misere verantwortlich zu machen.<\/strong><\/p><p>Der Spiegel-Titel der letzten Woche war wieder eine Meisterleistung an Vermischung von richtigen Informationen und &uuml;bler Agitation. Er lautete: <\/p><p>&bdquo;<strong>Arm durch Arbeit.<\/strong><br>\nWie der Staat die abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten immer dreister ausnimmt.&ldquo;<\/p><p>Der Spiegel merkt offenbar, dass er an dem Thema Armut nicht vorbeikommt, auch nicht daran, dass die L&ouml;hne h&auml;ufig nicht mehr zur Finanzierung der wirtschaftlichen Existenz ausreichen. Aber statt nun einzugestehen, dass die L&ouml;hne mittels einer rigorosen Drosselung der Konjunktur und der Erzeugung einer Reservearmee von Arbeitslosen kombiniert mit einer Schw&auml;chung der Gewerkschaften gedr&uuml;ckt worden sind, wird die unsinnige Behauptung aufgestellt, die Menschen w&uuml;rden &bdquo;Arm durch Arbeit&ldquo;. Der Schuldige ist beim Spiegel der Staat und seine Abgaben-Begehrlichkeit. So steht es auf dem Titel.<br>\nIm Text selbst hei&szlig;t es dann wenigstens etwas weniger falsch: &bdquo;Niedrige Tarifabschl&uuml;sse, Inflation, Lohntrift: was die Arbeitnehmer in den vergangenen Jahren einb&uuml;&szlig;ten, war zu einem Teil der schlechten wirtschaftlichen Lage und den Zw&auml;ngen der Globalisierung geschuldet. F&uuml;r den vierten Schwundfaktor aber sorgte der Staat.&ldquo; &ndash; Immerhin, anders als auf dem Titel ist der Staat nur der vierte Schwundfaktor.<br>\nUnd dann kommt wie &uuml;blich die Story mit den Lohnnebenkosten. Die Bedeutung einer total falschen Makropolitik und vor allem auch die Bedeutung der Schw&auml;chung der Gewerkschaften f&uuml;r die Position der Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt wird vom Spiegel selbstverst&auml;ndlich nicht gesehen, jedenfalls nicht beschrieben. Das tut die Spiegelredaktion vermutlich auch deshalb nicht, weil sie an der Schw&auml;chung der Gewerkschaften zu Beginn dieses Jahrhunderts als Antreiber kr&auml;ftig beteiligt war: Am 18.11.2002 erschien ein Spiegeltitel mit Kanzler Schr&ouml;der und wehender roter Fahne und der Behauptung, er entwickle sich von den neuen Mitte zum Kanzler der Gewerkschaften. Das war ein bewusst gesetzter Titel zur Vorbereitung der Agenda 2010 &ndash; mit gro&szlig;em Einfluss auf die Meinungsbildung gerade auch im Bereich von Intellektuellen. Erkennbar beginnend mit diesem Spiegeltitel glaubten viele von ihnen, wir lebten in einem Gewerkschaftsstaat. Dazu habe ich damals eine Kolumne im &bdquo;vorw&auml;rts&ldquo; geschrieben, die in mehrerer Hinsicht interessant ist. Siehe Anhang.<\/p><p>Im Spiegel-Titel der vergangenen Woche wird das Scheitern der bisherigen Reformen erstaunlich offen beschrieben. So wird skizziert, wie damit Minijobs zulasten der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsvertr&auml;ge gef&ouml;rdert werden. Dort steht auch der erstaunlich aufgekl&auml;rte Satz: &bdquo;Die staatlich gef&ouml;rderten Kleinststellen trugen dazu bei, das Verdienstniveau im hiesigen Niedriglohnsektor weiter zu dr&uuml;cken.&ldquo; Und dann wird sogar ein Mindestlohn vorgeschlagen, der allerdings nicht viel mehr als das Existenzminimum absichern soll. Und dann kommt der Hauptvorschlag des Spiegel f&uuml;r die Fortf&uuml;hrung der Reformpolitik: Staatliche Lohnzusch&uuml;sse f&uuml;r Geringqualifizierte aus Problemgruppen. &ndash; Du meine G&uuml;te!, kann man da nur ausrufen, f&uuml;r einen l&auml;cherlichen Kombilohnvorschlag ein ganzer Spiegeltitel. Das ist das erreichte Niveau dieses angeblichen Nachrichtenmagazins.<\/p><p><strong>Zu 4.: Zum Doppelspiel der Deutschen Bank bei DaimlerChrysler.<\/strong><\/p><p>Hier will ich nur auf eine Kleinigkeit hinweisen. Sie zeigt jedoch, wie locker und einfach interessierte Kreise die Mehrheitsmeinung lenken k&ouml;nnen: Die Vertreter der Deutschen Bank sind an den Fehlentscheidungen der Daimler Spitze ma&szlig;geblich beteiligt. &Uuml;ber Jahrzehnte besetzte die Deutsche Bank den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden, zuletzt seit 17 Jahren mit Herrn Hilmar Kopper. Die Vertreter der Deutschen Bank haben sowohl den verlustreichen Kurs der Diversifizierung hin zum R&uuml;stungs-  und Technologiekonzern als auch die Entwicklung zum so genannten Globalplayer mit dem Einstieg bei Mitsubishi und Chrysler abgesegnet &ndash; einschlie&szlig;lich der notwendigen Personalpolitik zur Installierung der Chefs von Daimler, also von  Edzard Reuter, J&uuml;rgen Schrempp und des jetzigen Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche, mit dessen Namen die gescheiterte &bdquo;Sanierung&ldquo; von Chrysler verbunden ist. Und jetzt l&auml;sst die Deutsche Bank ihre Tochter DWS (DWS Investments, die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank) auf der Hauptversammlung Opposition spielen und die Losl&ouml;sung von Chrysler fordern. Ein tolles Spiel. &bdquo;Regierung und Opposition&ldquo; zugleich.<\/p><p><strong>Anhang:<\/strong><\/p><p><strong>Albrecht M&uuml;ller Kolumne im &bdquo;vorw&auml;rts&ldquo; vom Dezember 2002\/Januar 2003:<\/strong><\/p><p>Unternehmen Aufkl&auml;rung? <\/p><p>Der SPIEGEL ist zum Zentralorgan der g&auml;ngigen Meinung verkommen. Er ist zu einem Teil der &bdquo;Nachplappergesellschaft&ldquo; geworden.<\/p><p><strong>Der SPIEGEL w&uuml;rdigte<\/strong> seinen verstorbenen Herausgeber Augstein mit einer Titelgeschichte. Im Editorial schreibt Chefredakteur Stefan Aust: &bdquo;Er (Augstein) blieb die Seele des &bdquo;Unternehmens Aufkl&auml;rung&ldquo;, das der SPIEGEL war und ist, &hellip;&ldquo;. &ndash; Dass der SPIEGEL fr&uuml;her einmal der Aufkl&auml;rung verpflichtet war, das kann man sagen. Aber dass der SPIEGEL auch heute noch ein &bdquo;Unternehmen Aufkl&auml;rung&ldquo; ist, dies zu behaupten ist ganz sch&ouml;n dreist. Denn der SPIEGEL ist heute &ndash; von einigen St&uuml;cken abgesehen &ndash; eher so etwas wie das Zentralorgan des Mainstream, also der Verk&uuml;nder der g&auml;ngigen Meinung.<br>\nEs ist Mode geworden, vor allem den Sozialstaat f&uuml;r Arbeitslosigkeit und Wachstumsschw&auml;che, f&uuml;r die gestiegene Abgabenquote und die Staatsschulden verantwortlich zu machen. Der SPIEGEL hat diese Kampagne u.a. mit mehreren Titelgeschichten angeheizt statt aufzukl&auml;ren &ndash; z.B. dar&uuml;ber, dass Abgabenquote und Schulden &bdquo;zu einem gro&szlig;en Teil Folge der deutschen Vereinigung&ldquo; sind, wie sogar die Wirtschaftssachverst&auml;ndigen in ihrem neuen Gutachten meinen; er durchleuchtet nicht, wie die gewonnene Einheit benutzt wird, um das Verfassungsversprechen Sozialstaatlichkeit auszuh&ouml;hlen.<br>\nIn der heute vorherrschenden Reformdebatte werden Wirkungszusammenh&auml;nge zwischen den geforderten so genannten Reformen und der erhofften Wirtschaftsbelebung unterstellt, ohne die Zusammenh&auml;nge plausibel zu machen. Hauptsache, andere sagen das auch so, sagen es vor oder nach. &ndash; In dieser Nachplappergesellschaft h&auml;tte der SPIEGEL eine verdienstvolle Aufkl&auml;rungsfunktion. Er m&uuml;sste z.B. fragen: Wo sind die Arbeitsplatzeffekte der hunderttausendsten Steuersenkungsreform? Wo die Wirkung der Lockerung des Ladenschlusses oder der Rentenreform? Wo bleibt der Arbeitsplatzerfolg der tats&auml;chlich hohen Flexibilisierung des Arbeitsmarktes in den Neuen Bundesl&auml;ndern? Aufkl&auml;rer w&uuml;rden das g&auml;ngige Gerede entzaubern und den Fakten nachgehen. <\/p><p><strong>Der SPIEGEL macht<\/strong> sich mit seiner Titelgeschichte vom 18. November zum Helfer eines ziemlich d&uuml;mmlichen Manipulationsversuchs. Da wird dem Bundeskanzler ein Linksruck unterstellt, er wird quasi als Hampelmann der deutschen Gewerkschaften dargestellt und diese werden zum entscheidenden Machtfaktor der deutschen Gesellschaft hochstilisiert. Dies wiederum, so wird nahegelegt, sei der Grund f&uuml;r die wirtschaftliche Stagnation.<br>\nDas ist ein altes Muster. Vor fast 30 Jahren war schon einmal vom &bdquo;Gewerkschaftsstaat&ldquo; die Rede; Willy Brandt hat man unterstellt, er und seine Partei r&uuml;ckten nach links. Tats&auml;chlich haben die Gewerkschaften in der gesamten Zeit immer mehr an wirtschaftspolitischer, politischer und publizistischer Macht verloren. Und die SPD ist alles andere als nach links ger&uuml;ckt. Anders als damals gibt sich der SPIEGEL heute als Verst&auml;rker dieser Kampagne her.<br>\nBeispielhaft ist der abgebildete Titel vom 18. November mit Gerhard Schr&ouml;der im Blaumann und wehender roter Fahne. Der Artikel ist in einer Sprache und in einem aggressiven Arbeitgeberton verfasst, den wir von ganz konservativen Bl&auml;ttern kennen. Der SPIEGEL mausert sich zunehmend zu einer Art Kampfblatt der Besserverdienenden.<br>\nDer SPIEGEL hat modische Trends der vergangenen Jahre unkritisch mitgemacht. Exemplarisch ist die publizistische Begleitung des Aktienbooms und speziell der New Economy. Zwischen 1998 und 2000 verbreitete er eine Reihe von euphorischen Artikeln zum Neuen Markt und zur New Economy, zu E-Commerce und zum digitalen Kapitalismus. In den meisten fehlte jede kritische Distanz: Die New Economy schreibe die Grundregeln des Kapitalismus von Grund auf neu, hei&szlig;t es in Nr. 31 von 2000. Das schrieb das Blatt etwa vier Monate nachdem die Blase der New Economy schon h&ouml;rbar zu platzen begann. Das Blatt aus Hamburg geb&auml;rdete sich liebedienerisch gegen&uuml;ber den Spielern des Neuen Marktes: Zehn Seiten lang wurde 1999 der damalige &ndash; und inzwischen gescheiterte &ndash; Bertelsmann-Chef Middelhoff und dessen Strategie zur Umorientierung des Bertelsmann-Konzerns hin zu E-Commerce und Internet &uuml;ber den gr&uuml;nen Klee gelobt. Der Spiegel hat die Startups der New Economy reihenweise hochgeschrieben.<br>\nJetzt sind diese Blasen geplatzt. Wer sich einen kritischen Geist bewahren wollte, h&auml;tte den SPIEGEL besser nicht gelesen. Mancher Anleger h&auml;tte dann vermutlich viel Geld gespart.<br>\nMit Recht wird Augstein und der SPIEGEL daf&uuml;r gew&uuml;rdigt, dass sie vor gut 30 Jahren zusammen mit anderen der Ostpolitik zum Durchbruch verholfen haben. Der SPIEGEL verschl&auml;ft heute ein Problem &auml;hnlicher Dimension: Die Entwicklung der USA zur imperialen Supermacht und ihre Orientierung am amerikanischen Fundamentalismus mit seiner Fixierung auf Gewalt als Mittel der Politik. Das w&auml;re ein SPIEGEL-Dauerthema von &auml;hnlicher Dimension wie die Ostpolitik. Fehlanzeige. <\/p><p><strong>Aufkl&auml;ren verlangt, hinter<\/strong> die Kulissen zu leuchten. Wo sind die Recherchen des heutigen SPIEGEL zu den wichtigen Fragen und Skandalen unserer Zeit, auch zu den versteckten, unter der Decke gehaltenen? Die Bertelsmann-Stiftung z.B. ist wie ein Staat im Staat. Sie mischt &uuml;berall mit und ma&szlig;t sich an, die Gestalt unserer Gesellschaft mitzubestimmen, meist verkleidet im Gewand des Sponsors, F&ouml;rderers, Thinktanks. Wann und wo konnte ich im SPIEGEL eine fundierte Geschichte dar&uuml;ber lesen? Oder: Mischen ausl&auml;ndische &bdquo;befreundete&ldquo; Geheimdienste in der Politik, in Verb&auml;nden, Stiftungen und in vielen Redaktionsstuben mit, und wie? Wo sind die SPIEGEL-Titel und Geschichten zu diesem aufregenden und obendrein unterhaltsamen Thema? Was wei&szlig; der SPIEGEL &uuml;ber die Lage in den eigenen Reihen? Nichts? Wirklich nichts? Ein &bdquo;Unternehmen Aufkl&auml;rung&ldquo; wie der alte SPIEGEL w&uuml;rde dringend gebraucht. Aber gerade wenn wir aufgekl&auml;rte Information haben wollen, d&uuml;rfen wir die Behauptung des Chefredakteurs nicht durchgehen lassen, der heutige SPIEGEL entspreche diesem dringenden Bedarf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute, wenn auch etwas sp&auml;t, mit Anmerkungen <\/p>\n<ol>\n<li>zum cleveren Versuch, mit einem Streit &uuml;ber die Ursachen der wirtschaftlichen Belebung die Existenz eines so genannten Booms als unstrittig erscheinen zu lassen,<\/li>\n<li>zur Anf&auml;lligkeit &ouml;kologisch Engagierter f&uuml;r die g&auml;ngige Ideologie in der Gesellschaftspolitik,<\/li>\n<li>zum Versuch des Spiegel, mit dem Titel &bdquo;Arm durch Arbeit&ldquo; die staatlichen Abgaben<\/li>\n<\/ol>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2243\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[40,11,30],"tags":[1502,266,288,273,479,402],"class_list":["post-2243","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-riester-ruerup-taeuschung-privatrente","category-strategien-der-meinungsmache","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-daimlermercedes","tag-deutsche-bank","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-privatvorsorge","tag-reservearmee","tag-wachstum"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2243","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2243"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2243\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30060,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2243\/revisions\/30060"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2243"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2243"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2243"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}