{"id":22468,"date":"2014-07-22T13:39:01","date_gmt":"2014-07-22T11:39:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22468"},"modified":"2019-07-05T10:43:11","modified_gmt":"2019-07-05T08:43:11","slug":"griechenland-der-klientilismus-ist-ungebrochen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22468","title":{"rendered":"Griechenland: Der Klientilismus ist ungebrochen"},"content":{"rendered":"<p>Das Erz&uuml;bel des griechischen Klientilismus zeigt sich auf staatlicher Ebene vor allem auch beim Steuer-Opportunismus der Regierungen. Der erzwungene R&uuml;cktritt des unabh&auml;ngigen Steuereintreibers Theocharis ist ein Alarmzeichen daf&uuml;r, dass der griechische Klientilismus ungebrochen ist. Ob die Nachfolgerin aus dem Hause PriceWaterhouseCoopers den Kampf gegen ihre vorherige Kundschaft, n&auml;mlich gegen die &bdquo;gro&szlig;e&ldquo; Steuerhinterziehung aufnehmen wird, muss man bezweifeln. Zugleich wird die Not der kleinen Steuers&uuml;nder, die die Steuereintreiber inzwischen mehr f&uuml;rchten als die Schutzgeld-Mafia, immer gr&ouml;&szlig;er.<\/p><p>Der innere Kern der griechischen Krise liegt in dem alten Teufelskreis: Der B&uuml;rger verachtet den Staat, von dem er sich betrogen f&uuml;hlt, den er deshalb als Steuerzahler skrupellos hintergeht, woraufhin wiederum die &ouml;ffentlichen Defizite anwachsen, die am Ende die &bdquo;kleinen&ldquo; Steuerzahler auszugleichen haben, weshalb die den Staat noch mehr verachten und so weiter.<\/p><p>Ohne eine tiefgreifende Reform des griechischen Staatsapparates wird es weder die notwendigen wirtschaftlichen Investitionen noch eine Ver&auml;nderung des gesellschaftlichen Bewusstseins geben. Von <strong>Niels Kadritzke<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Die Abschaffung des &bdquo;autonomen&ldquo; Steuereintreibers<\/strong><\/p><p>Warum der &ldquo;R&uuml;cktritt&ldquo; von Charis Theocharis, Chef des &bdquo;Generalsekretariats f&uuml;r &ouml;ffentliche Einnahmen&ldquo; (GGDE), keine Episode, sondern ein h&ouml;chst aufschlussreiches Ereignis ist, versteht man nur, wenn man sich die Bedeutung dieser GGDE und ihre Entstehung vergegenw&auml;rtigt. Ein eigenst&auml;ndiges Amt f&uuml;r die Steuerung und Kontrolle der Steuereinnahmen hat es bis 2012 nicht gegeben. Die betreffende Abteilung unterstand vielmehr direkt dem Vize-Finanzminister, also einem Parteipolitiker. Damit war garantiert, dass die Staatseinnahmen, sprich der Eifer und die Effektivit&auml;t der Steuerverwaltung, den politischen Bed&uuml;rfnissen und Vorgaben der Regierung entsprachen. Und die jeweilige Regierung war  &ndash;vor allem vor Wahlen &ndash; nur an einem interessiert: an der Beg&uuml;nstigung respektive Schonung ihrer parteipolitischen Klientel. <\/p><p>Die klientelistische Steuerung der Staatseinnahmen l&auml;sst sich empirisch leicht nachweisen. In der Kathimerini vom 17. Juni wurden die entsprechenden Zahlen f&uuml;r den  Zeitraum 2000 bis 2009 dokumentiert. In Verlauf dieser Jahre bildet die Kurve der Steuereinnahmen, ausgedr&uuml;ckt im prozentualen Verh&auml;ltnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP),  einen klassischen &bdquo;politischen&ldquo; Zyklus ab: <\/p><ul>\n<li>Im Jahr 2000 (als die Regierung Simitis wegen des Euro-Beitritts strenge Haushaltskriterien einhalten musste)  stiegen die Steuereinnahmen auf 34,4 Prozent des BIP. <\/li>\n<li>2003 sank dieser Anteil angesichts der nahenden Neuwahlen (im M&auml;rz 2004) auf 32,3 Prozent. <\/li>\n<li>Im Wahljahr 2004 schrumpften die Einnahmen noch weiter auf 31,5 Prozent des BIP. In dieser Zahl kumulieren sich zwei Effekte: Vor den Wahlen wurden die Finanz&auml;mter durch die um ihren Machterhalt k&auml;mpfende Simitis-Regierung gez&uuml;gelt, und nach den Wahlen verschonte die neue Regierung Karamanlis ihre konservative Klientel (wie im Wahlkampf versprochen).<\/li>\n<li>Bis 2007 stiegen die Steuereinnahmen aufgrund des Drucks aus Br&uuml;ssel wieder auf 32,5 Prozent des BIP.<\/li>\n<li>Im Wahljahr 2009 sank diese Kennziffer auf das Rekordtief von 30,5 Prozent. Am Jahresende waren die Steuereinnahmen um 11 Milliarden Euro hinter der Etatplanung zur&uuml;ckgeblieben. <\/li>\n<\/ul><p>Das Rekordtief von 2009  erwies sich als besonders fatal, weil zugleich die Staatsausgaben &ndash; vor allem f&uuml;r die &bdquo;klientelistische&ldquo; Aufbl&auml;hung des &ouml;ffentlichen Sektors &ndash; auf 53,8  Prozent des BIP anstiegen (2006 lag diese Kennziffer noch bei 45,2 Prozent des BIP). Diese wachsende Kluft zwischen Einnahmen und Ausgaben hat das griechische Haushaltsdefizit auf die Rekordmarke von 15,7 Prozent katapultiert, das Land mit in den Staatsbankrott getrieben und damit letztlich &ndash; im Fr&uuml;hjahr 2010 &ndash; den Sparkommissaren der Troika ausgeliefert.<\/p><p>Vor diesem Hintergrund war es nicht nur verst&auml;ndlich, sondern in diesem konkreten Fall sogar einmal  verdienstvoll, dass die Troika gegen&uuml;ber der Athener Regierung in langen, fast zwei Jahre dauernden Verhandlungen eine institutionellen Neuerung durchgesetzt hat, die dem klientelistischen Steuer-Opportunismus einen Riegel vorschieben sollte. Das autonome, aus dem Finanzministerium ausgegliederte &bdquo;Generalsekretariat f&uuml;r &ouml;ffentliche Einnahmen&ldquo; sollte gew&auml;hrleisten, dass die Kontrolle der Steuererhebung, inklusive der t&auml;glichen Praktiken der Finanz&auml;mter und der Schulung des Personals, von politischer Einflussnahme abgeschottet werden. Um die Unabh&auml;ngigkeit der GGDE abzusichern, wird der  Generalsekret&auml;r prinzipiell auf  f&uuml;nf Jahre bestellt. Weil sich diese Amtszeit nicht mit der (normalerweise) vierj&auml;hrigen Regierungsperiode deckt, war dem GGDE-Chef eine &bdquo;&uuml;berparteiliche&ldquo; Stellung &auml;hnlich der des Zentralbankpr&auml;sidenten garantiert. Eigentlich. Es sei denn, der oberste Steuereintreiber des Staates wirft vorzeitig das Handtuch.<\/p><p><strong>Der Steuereintreiber tritt zur&uuml;ck, weil er zur&uuml;cktreten muss<\/strong><\/p><p>Der &bdquo;R&uuml;cktritt&ldquo;, mit dem der &bdquo;autonome&ldquo; GGDE-Chef Theocharis seine Amtszeit bereits nach 17 Monaten beendet hat, war alles andere als freiwillig. Ganz Athen wei&szlig;, dass er aus dem Amt gedr&auml;ngt wurde. Theocharis hat das ganz lakonisch best&auml;tigt: &bdquo;Ich trete zur&uuml;ck, weil ich zur&uuml;cktreten muss.&ldquo; &Uuml;ber den wahren Grund f&uuml;r seinen Abgang herrscht in den Medien aller politischen Couleur nicht der geringste Zweifel (die folgende Darstellung beruht auf Hintergrundberichten  in den Zeitungen Kathimerini, Efimerida ton Syntakton, Elevtherotypia, Avgi und einer Analyse auf dem Blog Macropolis).<\/p><p>&bdquo;Er hat nicht auf die Politiker geh&ouml;rt,&ldquo; brachte es die Kathimerini vom 15. Juni auf den Punkt. Theocharis stellte sich vor allem in zwei Fragen taub,  die der Regierung im Vorfeld der Europawahlen  &uuml;beraus wichtig waren:<\/p><ol>\n<li>Am 25. April ver&ouml;ffentlichte die GGDE ein Zirkular, wonach Ausl&auml;nder (nat&uuml;rliche wie rechtliche Personen) ihre Ertr&auml;ge (Zinsen wie Kursgewinne)  aus griechischen Staatsanleihen zu versteuern haben, und zwar auch r&uuml;ckwirkend f&uuml;r die Jahre 2012 und 2013.  Diese Mitteilung, die der Gesetzeslage entsprach, st&ouml;rte die Pl&auml;ne der Regierung, zum ersten Mal nach vier Jahren wieder griechische Staatsanleihen auf den internationalen Bondsm&auml;rkten zu  platzieren (Siehe dazu <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21422#h01\">meine Anmerkung auf den NachDenkSeiten<\/a> ) . Diese &bdquo;R&uuml;ckkehr auf die M&auml;rkte&ldquo;, um die  Kreditw&uuml;rdigkeit des Landes zu demonstrieren, war von der Regierung als der gro&szlig;e Kn&uuml;ller im Hinblick auf die Europawahlen geplant. Deshalb soll Samaras pers&ouml;nlich (nach Kathimerini vom 7. Juni) Theocharis angerufen und ermahnt haben: &bdquo;Halt dich zur&uuml;ck mit deinem Zirkular.&ldquo; Doch der GGDE-Chef verhielt sich so autonom, wie es seiner Position entsprach. Er publizierte die Mitteilung &uuml;ber die Steuerpflichten doch, was auf den Bond-M&auml;rkten erhebliche Unruhe ausl&ouml;ste. Am 16. Mai wurde das Zirkular jedoch offiziell wieder zur&uuml;ckgezogen und zwar durch Finanzminister Stournaras, was eine klare Verletzung des Autonomie-Status der GGDE bedeutete. Die Annullierung war aber inoffiziell schon vorher &bdquo;kommuniziert&ldquo; worden, begleitet von dem &bdquo;Ger&uuml;cht&ldquo;, dass der unbotm&auml;&szlig;ige Theocharis bald abgel&ouml;st werde. So konnte Griechenland am 10. Mai die erhofften 3 Milliarden Euro f&uuml;r seine 5-Jahres-Anleihen einsammeln und zwar zu dem erstaunlich niedrigen Zinssatz von 4,95 Prozent. <\/li>\n<li>Die Missachtung des Prinzips,  dass die Regierungsklientel vor Wahlen zu verschonen ist, war f&uuml;r Samaras und seine Partei unverzeihlich. Aber noch erz&uuml;rnter reagierten sie auf eine zweite Unbotm&auml;&szlig;igkeit von Theocharis. Der ver&ouml;ffentlichte nur wenige Tage vor den Europawahlen einen seit langem angek&uuml;ndigten &bdquo;Aktionsplan&ldquo; zur Verfolgung von  Steuers&uuml;ndern. Dieser Plan sah strengere Kontrollen und h&auml;rtere Strafen auch gegen kleinere S&uuml;nder vor und erlaubte sogar den Zugriff des Fiskus auf die Bankkonten der Steuerschuldner. <\/li>\n<\/ol><p>Die Ank&uuml;ndigung eines versch&auml;rften Kurses gegen s&auml;umige Steuerzahler ausgerechnet im Vorfeld von Wahlen ist f&uuml;r griechische Verh&auml;ltnisse unerh&ouml;rt. Die Regierung Samaras war also &bdquo;nicht am&uuml;siert&ldquo;, zumal der Plan in manchen Medien als &bdquo;Pogrom gegen die Kleinh&auml;ndler und Kleinunternehmen&ldquo; denunziert wurde. Eine Zeitung behauptete sogar, das GGDE wolle den Zugriff auf Bankguthaben unter 1000 Euro erm&ouml;glichen, was gegen geltendes Gesetz versto&szlig;en h&auml;tte. Das hat Theocharis zwar sofort dementiert, indem er versicherte, sein Aktionsplan ziele nur auf &bdquo;die Bek&auml;mpfung der Steuerhinterziehung, wie es im &Uuml;brigen heute schon die Gesetze vorschreiben, die das griechische Parlament verabschiedet hat&ldquo; (Efimerida ton Syntakton 14. Juni). ND-Kreise erhoben nach den Wahlen dennoch den Vorwurf, Theocharis habe der Partei mit seinem Aktionsplan bis zu zwei Prozent W&auml;hler gekostet, im Grunde sei er also ein verkappter Wahlhelfer der Syriza.<\/p><p><strong>Der Klientilismus ist ungebrochen<\/strong><\/p><p>Wie immer man die Amtsf&uuml;hrung von Theocharis bewertet: Seine Abservierung ist ein weiterer Beweis daf&uuml;r, dass das alte Klientelsystem noch voll im Saft steht und keineswegs dabei ist, sich selbst abzuschaffen. Wenn der f&uuml;r f&uuml;nf Jahre berufene Generalsekret&auml;r f&uuml;r Steuereinnahmen vorzeitig zum Abgang gezwungen wird,  &bdquo;ist die Unabh&auml;ngigkeit der von Theocharis bekleideten Position bereits kompromitiert&ldquo;, befand Macropolis. In der Kathimerini schrieb der Wirtschaftswissenschaftler Michail Iakovidis,  Institutionen wie das GGDE seien unentbehrliche Instrumente im Kampf gegen Verschwendung, Misswirtschaft und Klientelismus. Es sei kein Zufall, dass im Mai 2014 &bdquo;erstmals in der neueren Geschichte des Landes die Einnahmen des Staates w&auml;hrend einer Wahlperiode nicht zur&uuml;ckgegangen sind&ldquo;. Genau das habe die Politiker beunruhigt und Samaras veranlasst, seiner Klientel den Kopf von Theocharis zu liefern.  Damit habe er aber &bdquo;eine &uuml;beraus wichtige Institution torpediert, noch ehe diese sich bew&auml;hren konnte&ldquo;. <\/p><p><strong>Das institutionelle Defizit &ndash; die Dauerkrankheit<\/strong><\/p><p>Ganz &auml;hnlich wurde es von der Troika und vor allem von der EU-Kommission gesehen, wobei letztere mehrfach ihre &bdquo;ernsthafte Beunruhigung&ldquo; &uuml;ber den R&uuml;ckzug des GGDE-Chefs zu Protokoll gab. Offensichtlich sah man auch in Br&uuml;ssel die Unabh&auml;ngigkeit einer Institution bedroht, die versucht hatte, sich der &bdquo;erstickenden Umarmung der politischen F&uuml;hrung&ldquo; zu entziehen. <\/p><p>An dieser Stelle ist eine Anmerkung f&auml;llig, die ich trotz &ndash; oder gerade wegen &ndash; meiner auf diesen Seiten regelm&auml;&szlig;ig dargelegten Kritik an der fatalen Politik der Troika loswerden muss. Mit dem Versuch der Gl&auml;ubiger, n&auml;mlich EU und IWF, der politischen Klasse Griechenlands eine autonome, nicht parteipolitisch geg&auml;ngelte GGDE  aufzuzwingen, wollten sie  eine durchaus berechtigte und &uuml;berf&auml;llige &bdquo;Reform&ldquo; durchsetzen , die man nicht einfach als Instrument einer technokratischen Fremdherrschaft denunzieren kann, wie es viele griechische Gegner eines strengeren Steuerregimes aus durchsichtigen Gr&uuml;nden tun. <\/p><p>Der Kampf gegen den Klientelismus ist die Achse jedweder Krisenpolitik f&uuml;r Griechenland; ohne einen Erfolg an dieser Front ist die Krise nicht zu &uuml;berwinden. Das betonen gerade griechische Kritiker der politischen Klasse, die institutionelle Reformen wie die &bdquo;Autonomie&ldquo; des GGDE seit langem vergeblich gefordert haben.  Wenn die Politiker &ndash; auf Druck ihrer W&auml;hler &ndash; diese und andere klientelistische Erz&uuml;bel schon fr&uuml;her abgeschafft h&auml;tten, w&auml;re es vielleicht zu einem Staatsbankrott gar nicht erst gekommen &ndash; und damit auch nicht zu einem &bdquo;Diktat&ldquo; der Troika mitsamt ihrer zu Recht beklagten Folgen. <\/p><p>Daraus folgt f&uuml;r mich vor allem, dass auch und gerade die Ankl&auml;ger der Troika eine Antwort auf Frage gegen m&uuml;ssen, welche Reformen in der griechische Gesellschaft angepackt und durchgesetzt werden m&uuml;ssten, wenn es die Troika gar nicht g&auml;be. Zu einer Antwort auf diese Frage muss sich also auch die griechische Opposition durchringen, wenn sie das W&auml;hlervolk davon &uuml;berzeugen will, dass sie ein realistisches Konzept zur &Uuml;berwindung der Krise hat.<\/p><p><strong>Die gro&szlig;en Fische und die kleinen Steuers&uuml;nder<\/strong><\/p><p>Der Fall Theocharis hat aber noch eine andere Facette. Nat&uuml;rlich war der studierte &Ouml;konom und IT-Spezialist, der zuvor f&uuml;r die Regierung das Generalsekretariats f&uuml;r Datenverarbeitung aufgebaut hatte, keineswegs ein wei&szlig;er Ritter. Und bei den Steuerzahlern war er aus verst&auml;ndlichen Gr&uuml;nden h&ouml;chst unbeliebt: In ihren Augen war er nicht nur der Technokrat, der sie gezwungen hat, ihre Steuererkl&auml;rung erstmals elektronisch abzugeben, sondern auch ein herzloser B&uuml;rokrat, der mit den st&auml;ndigen Kontrollen und Forderungen vor allem die &bdquo;kleinen Leute&ldquo; qu&auml;lte. Und speziell in linken Kreisen (etwa in Avgi, der Parteizeitung der Syriza) wurde Theocharis vorgeworfen, dass sein Generalsekretariat bei der Jagd auf die &bdquo;gro&szlig;en Fische&ldquo; &ndash; die mit dem Millionen auf Schweizer und anderen Konten &ndash; versagt und sich deshalb an den kleinen Steuerschuldnern schadlos gehalten habe.<\/p><p>Nun ist der Vorwurf , der griechische Fiskus habe sich bei der Verfolgung der Steuerschuldner nicht an das Prinzip der &bdquo;Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit&ldquo; gehalten, zwar v&ouml;llig richtig, aber er geht an die falsche Adresse. Theocharis wollte durchaus die gro&szlig;en Fische an Land ziehen, aber er durfte es nicht. Die Regierung hat dem GGDE lange Zeit die n&ouml;tigen personellen und technischen Mittel vorenthalten, ohne die ihm kein Gro&szlig;schuldner ins Netz gehen konnte. Theocharis hat darauf noch einmal  in seiner Abschiedspressekonferenz hingewiesen, als er den Kampf gegen den &bdquo;gro&szlig;e Steuerbetrug&ldquo; als das &bdquo;Allerschwerste&ldquo; bezeichnnete:  &bdquo;Ohne die n&ouml;tigen Verfahrenstechniken und Strukturen, und mit einer derart heruntergekommenen Steuerverwaltung, muss man zuerst einmal Alles reparieren und in Ordnung bringen. Erst dann kann man die gro&szlig;en Steuerhinterzieher jagen, denen ja auch ein gro&szlig;es Arsenal zur Verf&uuml;gung steht, zum Beispiel gro&szlig;e Anwaltskanzleien.&ldquo;(Ta Nea vom 6. Juni).<\/p><p>An zwei Beispielen kann man aufzeigen, wie das GGDE systematisch an der Jagd auf die gro&szlig;en Steuers&uuml;nder gehindert wurde. Das erste Beispiel betrifft die finanzielle und personelle Ausstattung, die bis heute unzureichend ist. In der ersten Zeit fehlte es sogar an Mitteln, um Kontrolleure in Nachtschichten  einzusetzen. Und das obwohl jeder wei&szlig;, dass der Fiskus vom notorisch steuerscheuen Nachtgewerbe (Cabarets, Bars, Bouzouki-Kneipen) am unverfrorensten hintergangen wird. <\/p><p>Noch wichtiger ist das zweite Beispiel: Die Forderung von Theocharis, dem GGDE die finanzpolizeiliche Taskforce SDOE (w&ouml;rtlich: Korps zur Verfolgung von Finanzverbrechen) zu unterstellen, wurde nie erf&uuml;llt. Zwar konnte das Generalsekretariat ab Ende 2013 f&uuml;r bestimmte Eins&auml;tze SDOE-Personal anfordern, aber die Einsatztruppe insgesamt blieb unter der direkten Aufsicht des Finanzministers. Und vor allem: Die Zust&auml;ndigkeit f&uuml;r besonders brisante &bdquo;Sonderf&auml;lle&ldquo;, zum Beispiel f&uuml;r die &Uuml;berpr&uuml;fung der ber&uuml;hmten &bdquo;Lagarde-Liste&ldquo; verblieb exklusiv bei der SDOE.<\/p><p>Zur Erinnerung:&nbsp; Die Lagarde-Liste wurde der griechischen Regierung vom franz&ouml;sischen Geheimdienst &uuml;bergeben und enthielt die Namen und Daten von 2062 Konten bei der Schweizer HSBC-Bank, auf denen griechische B&uuml;rger jeweils Millionenbetr&auml;ge verstaut hatten (N&auml;heres &uuml;ber die Bedeutung und den Umgang mit dieser Liste ist nachzulesen in meinen Berichten vom <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15216\">22. November 2012<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15882\">17. Januar 2013<\/a>). Durch Abgleichung mit den Steuererkl&auml;rungen der Kontoinhaber k&ouml;nnte der griechische Fiskus tats&auml;chlich vielen &bdquo;Gro&szlig;betr&uuml;gern&ldquo; auf die Schliche kommen. Aber bis zu diesem Sommer, also 20 Monate nach der &Uuml;bergabe der Lagarde-Liste, haben die SDOE-Spezialisten erst ein Viertel der verd&auml;chtigen Schweizer Millionenkonten durchgecheckt. Aber das ist nicht die einzige Liste. Nach Angaben des SDOE-Chefs Floratos haben seine Leute noch Listen mit 20 000 Konten abzuarbeiten (u.a. von Liechtensteiner Banken). Wenn sie in dem bisherigen Tempo weitermachen, wird es noch Jahre dauern, bis der griechische Fiskus zu seinem Recht kommt.<\/p><p><strong>Schonfrist f&uuml;r die Touristenzentren<\/strong><\/p><p>Man k&ouml;nnte noch einen dritten Fall verweisen, der direkt mit der Abl&ouml;sung von Theocharis zu tun hat, ohne dass allerdings eine bewusste  Beg&uuml;nstigung von Steuerbetr&uuml;gern nachzuweisen w&auml;re. Tatsache ist jedenfalls, dass das GGDE &ndash; auch wegen des wochenlangen Vakuums an seiner Spitze &ndash; seine Kontrollpflichten gegen&uuml;ber dem touristischen Gewerbe stark vernachl&auml;ssigt hat. Eigentlich wollten die Steuerkontrolleure schon vor Wochen beginnen, sich gezielt auf den boomenden Touristeninseln umzusehen, wo viele L&auml;den, Caf&eacute;s und Tavernen seit Jahren ihre Ums&auml;tze verschleiern, indem sie keine oder falsche Quittungen ausstellen. Und wo viele Betriebe sich durch Besch&auml;ftigung von Schwarzarbeitern um Steuern und Versicherungsbeitr&auml;ge dr&uuml;cken.<\/p><p>Dieses &bdquo;prophylaktische&ldquo; Kontrollprogramm sollte gleich zu Beginn der Touristensaison anlaufen, um die potentiellen Betr&uuml;ger &bdquo;abzuschrecken&ldquo;. Doch die blieben bislang unbel&auml;stigt, weil die Kontrolleure bis Anfang Juli &bdquo;durch Abwesenheit gl&auml;nzten&ldquo;, wie die Avgi am 4. Juli berichtete. Die Syriza-Zeitung f&uuml;hrt dies allerdings nicht nur auf den erzwungenen Abgang von Theocharis zur&uuml;ck: Die Regierung habe dem GGDE ohnehin &bdquo;die H&auml;nde gefesselt&ldquo;, weil sie f&uuml;r den Sondereinsatz in den Touristenzentren das n&ouml;tige und entsprechend geschulte Personal verweigert habe. Theodoros Floratos, der Chef der finanzpolizeilichen Taskforce SDOE kommt zu dem resignierten Fazit: &bdquo;Es gibt keinen organisierten Staat, der es erm&ouml;glichen w&uuml;rde, die sommerlichen Kontrollen durchzuf&uuml;hren.&ldquo; (zitiert nach Kathimerini vom 17. Juni). <\/p><p><strong>Unternehmensberaterin soll Steuern eintreiben<\/strong><\/p><p>Wie immer das GGDE &bdquo;nach Theocharis&ldquo; funktionieren wird, eines ist sicher: Das vormals &bdquo;autonome&ldquo; Amt wird k&uuml;nftig nur so effektiv sein, wie es die Regierung Samaras w&uuml;nscht oder zul&auml;sst. Daf&uuml;r steht schon die Person der neuen Generalsekret&auml;rin: Katerina Savvaidou war w&auml;hrend der ND-Regierung von Kostas Karamanlis eine Schl&uuml;sselfigur im Finanzministerium, &uuml;ber deren Schreibtisch alle Steuergesetze und &ndash;verordnungen liefern. Nach 2009 wechselte sie durch die ber&uuml;hmte &bdquo;Dreht&uuml;r&ldquo; von ihrem Posten im Finanzministerium auf einen Chefsessel bei PwC Greece, dem griechischen Zweig des internationalen Unternehmensberaters PriceWaterhouseCoopers, der f&uuml;r seine Klienten unter anderem Strategien f&uuml;r eine optimale Steuervermeidung ausarbeitet.<\/p><p>Deshalb wird besonders interessant zu beobachten sein, wie sich die &bdquo;Politik&ldquo; des GGDE gegen&uuml;ber den fr&uuml;heren Klienten der PwC-Managerin Savvaidou entwickelt. &Uuml;ber einen neuralgischen Punkt berichtet die Zeitung Ta Nea vom 25. Juni: Die neue Generalsekret&auml;rin f&uuml;r die Steuereinnahmen hat auf ihrem Schreibtisch ein Konzept ihres Vorg&auml;ngers vorgefunden, das speziell die in Griechenland operierenden Multis ins Visier nimmt, die &uuml;ber &bdquo;interne Verrechnungen&ldquo; die Besteuerung ihrer griechischen Gewinne mindern oder ganz vermeiden wollen. Unter Berufung auf &bdquo;Quellen innerhalb des GGDE&ldquo; schreibt Ta Nea, Theocharis habe einen Aktionsplan erarbeiten lassen, der im Hinblick auf diese Gro&szlig;unternehmen &bdquo;diverse Kontrollma&szlig;nahmen, neue Erfassungssysteme und ein ver&auml;ndertes Vorgehen vorsieht&ldquo;. Ob dieses Konzept von der neuen Chefin aus dem Hause PriceWaterhouseCoopers tats&auml;chlich umgesetzt wird, hei&szlig;t es in dem Bericht, k&ouml;nne allerdings &bdquo;nicht als sicher gelten&ldquo;. <\/p><p><strong>Die Not der kleinen Steuers&uuml;nder<\/strong><\/p><p>Seit Beginn der griechischen Krise ist die Emp&ouml;rung der kleinen Leute &uuml;ber die ungerechte Lastenverteilung der cantus firmus aller &ouml;ffentlichen Debatten. Zu dieser Grundmelodie geh&ouml;rt auch die ewige Klage der &bdquo;kleinen&ldquo; Steuers&uuml;nder, dass der Staat die Gro&szlig;en laufen lasse. Dazu eine kleine Geschichte, die mir vor kurzem auf dem Flug von Athen nach Berlin hinterbracht wurde. Neben mir sa&szlig; ein nerv&ouml;ser Grieche mittleren Alters, der zum ersten Mal nach Deutschland flog. Ein befreundeter Kneipier hatte ihm in der N&auml;he von Berlin einen Job angeboten. Die Alternative w&auml;re gewesen, zwei Monate auf einer Touristeninsel zu kellnern, aber er wollte mal ein anderes Land sehen, und eines, das besser &bdquo;funktioniert&ldquo; als Griechenland. Und dann folgte die immer wieder geh&ouml;rte Geschichte: Kostas (nennen wir ihn so) hatte in Athen eine Taverne betrieben, die er dicht machen musste. Er konnte schlicht die Steuern nicht bezahlen, die auf ihn niedergingen, samt der aufgelaufenen Bu&szlig;gelder f&uuml;r jahrelange Steuerr&uuml;ckst&auml;nde (wom&ouml;glich auch f&uuml;r unerw&auml;hnte Steuers&uuml;nden). Und wie ihm ginge es Hunderten von Caf&eacute;- und Tavernenbetreibern in Athen. Zwar k&ouml;nne man die Schulden in Raten abzahlen, aber die Einnahmen reichten einfach nicht aus. Dabei wisse doch jeder, dass die Ums&auml;tze im ganzen Gewerbezweig eingebrochen seien. Und auch die Steuereintreiber w&uuml;ssten es, aber sie seien gnadenlos, und so ginge eine Existenz nach der anderen kaputt. <\/p><p>Dabei sei der Staat auch noch dumm, denn ein Caf&eacute;, das zumacht, zahlt nie wieder Steuern. Da seien &bdquo;die Bravos&ldquo; viel kl&uuml;ger und verst&auml;ndnisvoller. Und dann folgte ein Lobgesang auf die Schutzgeld-Mafia, die fast jede Athener Kneipe im Griff hat, wenn man Kostas glauben will. Sein &bdquo;Besch&uuml;tzer&ldquo; habe ihm gesagt: Wir wissen dass du keine Einnahmen hast, also wollen wir nichts. Wir kommen erst zur&uuml;ck, wenn du wieder Gewinne machst, dann wird es etwas teurer, aber du kannst es dir dann ja leisten.<\/p><p><strong>Eine &bdquo;keynesianische&ldquo; Mafia<\/strong><\/p><p>Diese Geschichte ist nat&uuml;rlich nicht zu &uuml;berpr&uuml;fen, aber mir f&auml;llt auch kein Grund ein, warum sie erfunden sein sollte. Es ist der klassische Fall des Kleinunternehmers, der sich vom feindlichen Staat in den Ruin getrieben sieht. Und der bei der &bdquo;keynesianisch&ldquo;, weil antizyklisch operierenden Mafia nicht nur mehr Verst&auml;ndnis findet, sondern auch mehr &ouml;konomische Vernunft sieht als beim Staat und seinen Steuereintreibern. Und der die anderen Repr&auml;sentanten des Staates als die skrupelloseren &bdquo;Schutzgeld-Erpresser&ldquo; erlebt. <\/p><p>Dazu erz&auml;hlt Kostas aus seinem Unternehmerleben: Um eine Lizenz f&uuml;r eine Taverne zu erhalten, musst du Dutzende von b&uuml;rokratischen H&uuml;rden &uuml;berwinden. Und an jedem Hindernis wird abkassiert. Zum Beispiel brauchst du ein Sicherheits-Zertifikat von der Feuerwehr. Die besteht darauf, dass in der K&uuml;che eine Abzugs&ouml;ffnung in der Decke ist. Dann brauchst du ein Zertifikat von der Gesundheitspolizei; die erkl&auml;rt dir, dass in der Decke keine &Ouml;ffnung sein darf, wegen der Kakerlaken. Also verschlie&szlig;t du das Loch provisorisch, aber das wei&szlig; die Feuerwehr und kommt alsbald zur Kontrolle vorbei. Die wei&szlig; warum die &Ouml;ffnung abgedeckt ist und bietet dir an, die Augen zuzudr&uuml;cken. Aber daf&uuml;r musst den  Inspektor von der Feuerwehr nat&uuml;rlich schmieren. Und weder die Feuerwehr noch das Hygieneamt haben ein Interesse daran, den profitablen Widerspruch zwischen den beiden Bestimmungen zu beseitigen. <\/p><p>Solche Geschichten k&ouml;nnen in Griechenland die meisten Gewerbetreibenden erz&auml;hlen. Aus ihrer Sicht sind diese Fallen bewusst in die Gesetze eingebaut, als Einnahmequellen f&uuml;r die parasit&auml;ren B&uuml;rokraten. Es handelt sich um ein Ph&auml;nomen, &uuml;ber das Dutzende von Dissertationen geschrieben wurden. Zur vollen Bl&uuml;te kommt es in klientelistischen Staaten, denn die Aussicht auf erpresste Sondereinnahmen erh&ouml;ht den Wert der von der Regierung zu vergebenden Posten. In armen Staaten hatte das eine gewisse Logik, weil die garantierten Nebeneinnahmen die schmalen Geh&auml;lter der Staatsbediensteten aufbessern. Aber in Griechenland blieb diese Einnahmequelle auch erhalten, nachdem der Staat die Bez&uuml;ge im &ouml;ffentlichen Sektor erheblich aufgebessert hatte. Das ist der Hauptgrund, warum ein Posten im &ouml;ffentlichen Dienst vor der Krise so erstrebenswert war  &ndash; und zugleich so verhasst bei denen, die ihm ausgeliefert sind, ohne an ihm zu partizipieren.<\/p><p>Die Geschichte von Kostas zeigt aber auch, warum der Fall Theocharis so bedeutsam ist. Denn nur wenn der Staat an einem &uuml;berzeugenden Beispiel vorf&uuml;hrt, dass er effektiv und zugleich gerecht der Gesellschaft dienen kann, ist der alte Teufelskreis zu durchbrechen, der hier schon so h&auml;ufig beschrieben wurde: Der B&uuml;rger verachtet den Staat, von dem er sich betrogen f&uuml;hlt, den er deshalb als Steuerzahler skrupellos hintergeht, woraufhin wiederum die &ouml;ffentlichen Defizite anwachsen, die am Ende die &bdquo;kleinen&ldquo; Steuerzahler auszugleichen haben, weshalb die den Staat noch mehr verachten und so weiter.<\/p><p><strong>Der innergriechische Kern der Krise &ndash; die unbezahlten Steuern<\/strong><\/p><p>Hier liegt der &bdquo;innere&ldquo; Kern der griechischen Krise: der Grundwiderspruch, der deshalb so unl&ouml;sbar zu sein scheint, weil beide Seiten auf ihre Weise Recht haben. Auf der einen Seite fehlen dem Fiskus mit Stand von Ende Mai 2014 insgesamt 66,4 Milliarden Euro an unbezahlten Steuern (von Individuen und Unternehmen, wobei die hinterzogenen Gelder in diese Summe gar nicht eingerechnet sind). Diese Steuerschuld hat sich allein seit Jahresbeginn um 5,2 Milliarden erh&ouml;ht. Wenn sie im selben Tempo weiter w&auml;chst, wof&uuml;r alle Anzeichen sprechen, wird der fiskalische Fehlbetrag im Oktober die 70-Milliarden-Grenze &uuml;berschritten haben (Diese und die folgenden Zahlen entnehme ich der Darstellung bei Macropolis vom 16. Juli, link: http:\/\/www.macropolis.gr\/?i=portal.en.economy.1382) Das ist ein unhaltbarer Zustand, der noch prek&auml;rer wird, wenn man die Au&szlig;enst&auml;nde bei den Beitr&auml;gen zu den Sozialkassen dazu rechnet, die in das Defizit des &bdquo;erweiterten&ldquo; Staates&ldquo; eingehen.<\/p><p>Auf der anderen Seite steht au&szlig;er Zweifel, dass sehr viele der 2,5 Millionen  Steuerschuldner angesichts der Krise und ihrer geschrumpften Einkommen derzeit gar nicht zahlen k&ouml;nnen. Das wird vollends deutlich, wenn man sich klarmacht, dass die s&auml;umigen Steuerzahler nicht nur gegen&uuml;ber dem Fiskus verschuldet sind. Die Zahl der notleidenden Kredite bei den griechischen Banken steigt unaufhaltsam an. Diese NPLs (englisch &bdquo;non-performing loan&ldquo;) sind Kredite, f&uuml;r die seit mindestens 90 Tagen keine Zinsen mehr bezahlt wurden. Das Volumen dieser NPLs hat Ende Mai 77 Milliarden Euro erreicht, verteilt auf 42 Milliarden an Unternehmenskrediten, 25 Milliarden an Hypotheken und 10 Milliarden an Konsumentenkrediten. <\/p><p><strong>Die Angst vor einem neuen Stresstest f&uuml;r den griechischen Finanzsektor<\/strong><\/p><p>Eine noch wichtigere Zahl: Der Anteil der NPLs an der Kreditsumme des gesamten Bankensystems steigt st&auml;ndig und hat im 1. Quartal 2014 die ein-Drittel-Schwelle &uuml;berschritten (33,5 Prozent nach 31.9 Prozent im 4. Quartal 2013). Z&auml;hlt man zu den NPLs noch die &bdquo;umstrukturierten&ldquo; Kredite dazu  &ndash; bei denen sich Bank und Kunden auf weichere Abzahlungskonditionen geeinigt haben &ndash; betr&auml;gt der Umfang &bdquo;nicht ordentlicher&ldquo; Kredite bereits 40 Prozent des gesamten Kreditvolumens. <\/p><p>Der Prozentsatz an NPL im griechischen Finanzsektor ist der h&ouml;chste in der ganzen Eurozone (au&szlig;er Zypern, wo der NPL-Anteil bei 52 Prozent liegt) und steigt weiter an. Das bereitet den griechischen Banken im Hinblick auf den bevorstehenden &bdquo;Crashtest&ldquo; der EZB &ndash; f&uuml;r alle systemrelevanten Banken der Eurozone &ndash; die allergr&ouml;&szlig;ten Sorgen. Der Wirtschaftskommentator Dimitris Kontogiannis berichtet in der Kathimerini (engl. Ausgabe vom 20. Juli) von der Besorgnis potentieller internationaler Anleger, der Stresstest der EZB k&ouml;nnte im Finanzsektor einen gro&szlig;en Kapitalbedarf diagnostizieren. Dann w&auml;ren &bdquo;einige oder alle griechische Banken wom&ouml;glich gezwungen, sich frisches Kapital auf den M&auml;rkten zu besorgen&ldquo;, und zwar &bdquo;zum dritten Mal seit Sommer 2013&ldquo;.<\/p><p><strong>Die nicht beglichenen Schulden summieren sich auf 88 Prozent des BIP<\/strong><\/p><p>Alle nicht beglichenen Schulden &ndash; gegen&uuml;ber den Banken, dem Fiskus und den Sozialkassen &ndash; summieren sich auf 160 Milliarden Euro oder 88 Prozent des griechischen Inlandsprodukts. Diese Problematik wurde lange ignoriert, wird aber die griechische Regierung &ndash; und die Gl&auml;ubiger &ndash; demn&auml;chst intensiv besch&auml;ftigen. Und sie wird das zentrale Thema sein, das die Troika auf die Tagesordnung setzen d&uuml;rfte, wenn sie im September nach Griechenland zur&uuml;ckkehrt, um sich ein Bild &uuml;ber den Zustand der Staatsfinanzen zu machen &ndash; und &uuml;ber die Umsetzung vieler Reformprojekte, die von griechischer Seite zugesagt wurden. <\/p><p>Die Regierung Samaras hofft, dass sie den Inspektoren der EU und des IWF im Herbst &ndash; nach einer erfolgreichen Touristensaison mit einer Rekordzahl von ausl&auml;ndischen Urlaubern &ndash; mit neuem Selbstbewusstsein entgegen treten kann. Aber so wichtig dieser als die &bdquo;Schwerindustrie&ldquo; Griechenlands bezeichnete Sektor auch sein mag &ndash; ein sommerlicher Touristenboom schafft keine dauerhaften und oft nicht einmal regul&auml;re saisonale Arbeitspl&auml;tze. Und er geriert f&uuml;r den Staat (aus oben dargestellten Gr&uuml;nden) nur bescheidene gewerbliche Steuereinnahmen. In keinem Fall taugt ein touristischer Boom als Basis eines nachhaltigen Wachstums, f&uuml;r das in Griechenland derzeit noch die zentralen Voraussetzungen fehlen. <\/p><p>Ein solches Wachstum ist auf sinnvolle &bdquo;strategische&ldquo; Investitionen von au&szlig;en ebenso angewiesen wie auf die Mobilisierung inl&auml;ndischer Investitionen (siehe dazu <a href=\"http:\/\/www.macropolis.gr\/?i=portal.en.the-agora.1216\">die Analyse von Yiannis Mouzakis in: Macropolis vom 22. Mai 2014<\/a>).  Voraussetzung f&uuml;r jegliche Art von Investitionen ist allerdings eine tiefgreifende Reform des griechischen Staatsapparats, ohne die auch die notwendigen langfristigen Ver&auml;nderungen des gesellschaftlichen Bewusstseins nicht denkbar sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Erz&uuml;bel des griechischen Klientilismus zeigt sich auf staatlicher Ebene vor allem auch beim Steuer-Opportunismus der Regierungen. Der erzwungene R&uuml;cktritt des unabh&auml;ngigen Steuereintreibers Theocharis ist ein Alarmzeichen daf&uuml;r, dass der griechische Klientilismus ungebrochen ist. Ob die Nachfolgerin aus dem Hause PriceWaterhouseCoopers den Kampf gegen ihre vorherige Kundschaft, n&auml;mlich gegen die &bdquo;gro&szlig;e&ldquo; Steuerhinterziehung aufnehmen wird, muss<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22468\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[173,127,138,137],"tags":[325,278],"class_list":["post-22468","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-griechenland","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-steuerhinterziehungsteueroasensteuerflucht","category-steuern-und-abgaben","tag-staatsschulden","tag-steuersenkungen"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22468","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=22468"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22468\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":53073,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22468\/revisions\/53073"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=22468"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=22468"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=22468"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}