{"id":2252,"date":"2007-04-13T12:28:15","date_gmt":"2007-04-13T10:28:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2252"},"modified":"2016-01-08T12:33:58","modified_gmt":"2016-01-08T11:33:58","slug":"korrektur-zu-happiness-economics-bei-der-deutschen-bank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2252","title":{"rendered":"Korrektur zu \u201eHappiness Economics\u201c bei der Deutschen Bank"},"content":{"rendered":"<p>In einem <a href=\"?p=2244\">Beitrag vom 11.4.07<\/a> habe ich geschrieben: &bdquo;Das Ergebnis der Gl&uuml;cksforscher von der Deutschen Bank ist nicht anders zu erwarten: Zu den Gl&uuml;cksnationen z&auml;hlen solche bei denen die Einkommensungleichheit hoch und der Staatssektor mickrig, bei den Miesepetern sind die Einkommen eingeebnet und der Staatssektor ausufernd.&ldquo;<br>\nStefan Bergheim, Senior Economist, Macro Trends, Deutsche Bank Research und Autor der zitierten Studie schreibt uns dazu: &bdquo;Das ist eindeutig nicht meine Aussage. Vielmehr ist richtig (Seite 17): &ldquo;Daneben gibt es viele Daten, die zwar verf&uuml;gbar sind und oft in internationalen L&auml;ndervergleichen verwendet werden, die aber <strong>keinen<\/strong> empirischen Zusammenhang zur Lebenszufriedenheit aufzeigen. Dies gilt zum Beispiel f&uuml;r die <strong>Gr&ouml;&szlig;e des Staatssektors, die Einkommensungleichheit<\/strong>, die Forschungsausgaben und die Religiosit&auml;t.&rdquo;<br>\nStefan Bergheim bittet um eine entsprechende Korrektur meines Beitrags. Dem komme ich gerne nach. Wolfgang Lieb.<br>\n<!--more--><br>\nStefan Bergheim stellt in seinem Schreiben fest: &bdquo;Es ist mir ganz sicher nicht entgangen, dass &ldquo;die Schweden, die Finnen oder die D&auml;nen zu den Gl&uuml;cksnationen z&auml;hlen, obwohl doch dort mit die geringsten Einkommensunterschiede bestehen und der Staatssektor am weitesten ausgedehnt ist.&rdquo;<br>\nDiese Feststellung nehme ich nat&uuml;rlich mit Interesse zur Kenntnis.<\/p><p>Ich will gerne eingestehen, dass ich bei meiner Bewertung, die Studie von Herrn Bergheim, &ndash; vielleicht zu verk&uuml;rzt &ndash; mit den wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Positionen, die die Deutsche Bank &ouml;ffentlich vertritt, verkn&uuml;pft habe. Damit wollte ich nat&uuml;rlich weder den Autor noch seine Studie f&uuml;r die politischen Forderungen der Deutschen Bank verantwortlich machen. Sollte bei Herrn Bergheim oder bei unseren Leserinnen und Lesern dieser Eindruck entstanden sein, so tut mir das Leid.<\/p><p>In der Sache halte ich allerdings an meiner Bewertung fest.<br>\nDenn es ist wohl nicht bestreitbar, dass die Deutsche Bank f&uuml;r eine massive Senkung der Staatsquote eintritt (so etwa exemplarisch deren Chef&ouml;konom <a href=\"http:\/\/www.buergerkonvent.de\/608.htm\">Norbert Walter<\/a>, der gar meint, dass wir angesichts des derzeitigen Staatsanteils &bdquo;unser Wirtschaftssystem nicht mehr guten Gewissens als Marktwirtschaft bezeichnen k&ouml;nnen.&ldquo;).<br>\nWichtige Repr&auml;sentanten des Bankinstituts vertreten auch die These, dass Ungleichheit in einer Wettbewerbsgesellschaft als sinnvoller Leistungsanreiz dient (so etwa die fr&uuml;here &bdquo;graue Eminenz&ldquo; der Deutschen Bank <a href=\"http:\/\/www.internationalepolitik.de\/archiv\/jahrgang2005\/oktober2005\/der-zwang-zum-aufbruch.htm\">Ulrich Cartillierie<\/a>, wenn er lakonisch feststellt: &bdquo;Es gibt Gewinner und Verlierer.&ldquo;).<\/p><p>Wenn eine unter dem Logo der Deutschen Bank ver&ouml;ffentlichten Studie zum Ergebnis kommt, dass etwa &bdquo;die Gr&ouml;&szlig;e des Staatssektors&ldquo; und die &bdquo;Einkommensungleichheit&ldquo; in keinem empirischen Zusammenhang zur Lebenszufriedenheit stehen, so bedeutet das doch im Umkehrschluss, dass die Umsetzung der politischen Forderungen der Deutschen Bank kein Risiko mit sich br&auml;chten, dass die Menschen dadurch unzufriedener oder gar ungl&uuml;cklicher w&uuml;rden &ndash; im Gegenteil, sie w&uuml;rden die dadurch die errungene &bdquo;wirtschaftliche Freiheit&ldquo; eher als Gl&uuml;ck empfinden.  <\/p><p>Mit anderen Worten: Eine Politik, die den wirtschaftspolitischen Ratschl&auml;gen der Deutschen Bank oder &ndash; wie die Studie auf Seite 21 empfiehlt &ndash;  den &bdquo;Standardratschl&auml;gen der (!) &Ouml;konomen&ldquo; &ndash; wie etwa &bdquo;niedrigen K&uuml;ndigungsschutz&ldquo; und mehr &bdquo;wirtschaftliche Freiheit&ldquo; &ndash;  folgte, brauchte nicht mit gr&ouml;&szlig;erer Unzufriedenheit oder gar Widerstand der W&auml;hlerinnen und W&auml;hler zu rechnen.<\/p><p>Fazit aus der Studie f&uuml;r die Deutsche Bank also:<br>\nNur mutig voran mit dem eingeschlagenen Reformkurs!<br>\nMan m&uuml;sste &bdquo;mehr Flexibilit&auml;t auf dem Arbeitsmarkt&ldquo;, &bdquo;niedriger Arbeitsschutz&ldquo; oder &bdquo;niedrige Regulierung&ldquo; eben nur so kommunizieren, dass die Menschen das Gef&uuml;hl vermittelt bekommen,  dass sie durch diesen &bdquo;Reform&ldquo;-Kurs gl&uuml;cklicher w&uuml;rden.<br>\nDie Gl&uuml;cksstudie liefert also den Stein der Weisen  f&uuml;r das so oft zitierte &bdquo;Vermittlungsproblem&ldquo; bei der &bdquo;Reformpolitik&ldquo;.<br>\nDie Botschaften k&ouml;nnten also etwa sein:<br>\nGeld allein macht nicht gl&uuml;cklich!<br>\nOder: Ohne Staat lebt es sich am besten!<\/p><p>Als eine solche Ermunterung zu weiteren &bdquo;Reformen&ldquo; verstehe ich z.B. den Ratschlag der <a href=\"http:\/\/www.dbresearch.com\/PROD\/DBR_INTERNET_DE-PROD\/PROD0000000000208628.pdf\">Deutschen Bank Research Studie &bdquo;Die gl&uuml;ckliche Variante des Kapitalismus&ldquo; (S.14) [PDF &ndash; 436 KB]<\/a>:<br>\n&bdquo;Die Beobachtung, dass wirtschaftliche Freiheit viel mit der Lebenszufriedenheit der Menschen zu tun hat, k&ouml;nnte in den weniger gl&uuml;cklichen und ungl&uuml;cklichen L&auml;ndern in der Kommunikation gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Reformen eingesetzt werden.&ldquo;<\/p><p>p.s.: Nicht verschwiegen werden soll aber auch, dass die Studie zum Ergebnis kommt, dass etwa Arbeitslosigkeit  enorm sch&auml;dlich f&uuml;r die Lebenszufriedenheit des direkt Betroffenen, aber auch der gesamten Gemeinschaft ist,   und dass ein hohes Ausbildungsniveau einen positiven Zusammenhang zum Gl&uuml;cksniveau aufweisen.   <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem <a href=\"?p=2244\">Beitrag vom 11.4.07<\/a> habe ich geschrieben: &bdquo;Das Ergebnis der Gl&uuml;cksforscher von der Deutschen Bank ist nicht anders zu erwarten: Zu den Gl&uuml;cksnationen z&auml;hlen solche bei denen die Einkommensungleichheit hoch und der Staatssektor mickrig, bei den Miesepetern sind die Einkommen eingeebnet und der Staatssektor ausufernd.&ldquo;<br \/> Stefan Bergheim, Senior Economist, Macro Trends, Deutsche Bank<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2252\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[132],"tags":[266,312,413,1273,291],"class_list":["post-2252","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-deutsche-bank","tag-reformpolitik","tag-schlanker-staat","tag-staatsquote","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2252","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2252"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2252\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30053,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2252\/revisions\/30053"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2252"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2252"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2252"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}