{"id":22526,"date":"2014-07-28T10:27:53","date_gmt":"2014-07-28T08:27:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22526"},"modified":"2024-09-24T23:35:47","modified_gmt":"2024-09-24T21:35:47","slug":"wann-ist-der-mensch-ein-mensch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22526","title":{"rendered":"Wann ist der Mensch ein Mensch?"},"content":{"rendered":"<p>Der &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/39\/39181\/1.html\">Fall Mollath<\/a>&ldquo; sorgte im letzten Jahr bundesweit f&uuml;r Aufsehen. Gustl Mollath war jahrelang als &bdquo;irre&ldquo; klassifiziert und zwangspsychiatrisiert worden &ndash; bis klar wurde, dass seine angeblichen Wahnvorstellungen bez&uuml;glich Schwarzgeldtransfers bei der Hypo-Vereinsbank offenbar doch der Wahrheit entsprachen und das Bundesverfassungsgericht seine Freilassung verf&uuml;gte. Die Geschehnisse um Mollath zeugen von be&auml;ngstigenden Zust&auml;nden im Kontext der deutschen Psychiatrie.<br>\n<strong>Jens Wernicke<\/strong> sprach hier&uuml;ber mit <strong>Stefan Baufeld<\/strong>. Der promovierte Jurist und vormalige Referent f&uuml;r Rechtspolitik der Linksfraktion im Hessischen Landtag vertritt als Anwalt Klienten,  die dagegen k&auml;mpfen, wegen angeblicher psychischer Erkrankungen zwangsweise in eine psychiatrische Klinik eingewiesen oder unter Betreuung gestellt zu werden.<br>\n<!--more--><br>\n<a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=q8SRL7XkpHE\">Mollath selbst warnte<\/a> auf einer Veranstaltung in Bayreuth denn auch unl&auml;ngst direkt und unmissverst&auml;ndlich:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Bisher konnte ein B&uuml;rger, vielleicht Lieschen M&uuml;ller, in Deutschland glauben, sowas passiert mir nicht. Das sind ja relativ seltene Einzelf&auml;lle, die hier erscheinen und auftreten. So ist es leider Gottes nicht. (&hellip;) Mittlerweile ist die ganze, angeblich zivilisierte Welt von Psychiatrisierung bedroht.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Damit kritisiert er nicht etwa nur die psychiatrische Zwangseinweisung, die ihm selbst widerfuhr. Seine Kritik zielt in aller Deutlichkeit auch auf den Umstand, dass in Deutschland inzwischen <a href=\"http:\/\/www.sz-online.de\/nachrichten\/betreuungsfaelle-nehmen-zu-524033.html\">eine Millionen Menschen<\/a> aufgrund psychiatrischer Diagnosen &bdquo;unter Betreuung&ldquo; stehen und ihr Leben teils nicht mehr allein verantworten d&uuml;rfen. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Herr Baufeld, welches Licht wirft der Fall Mollath f&uuml;r Sie als Rechtsbeistand vieler Entm&uuml;ndigter und Psychiatrisierter auf unsere Gesellschaft? Um was geht es &bdquo;hinter dem Einzelfall&ldquo;? <\/strong><\/p><p>Nun, es gibt zwar keine empirisch gesicherten Zahlen &uuml;ber fehlerhafte psychiatrische Diagnosen, die zu Betreuung oder Zwangseinweisung f&uuml;hren. Trotzdem darf man aus guten Gr&uuml;nden vermuten, dass es in der Bundesrepublik viele &bdquo;Mollaths&ldquo; gibt. Menschen also, die unter Betreuung stehen oder sogar gegen ihren Willen eingesperrt und zwangsweise psychiatrisch behandelt werden.<\/p><p>Diese Vermutung wird dabei allein schon durch die geltende Rechtslage gen&auml;hrt. Denn nach den in allen Bundesl&auml;ndern geltenden Gesetzen zum Umgang mit psychisch Kranken setzt beispielsweise die zwangsweise Einweisung in eine geschlossene psychiatrische Einrichtung zwar voraus, dass die Betroffenen psychisch krank sind. F&uuml;r die Rechtsprechung liegt eine solche Erkrankung jedoch bereits dann vor, wenn eine geistige oder seelische Normabweichung bestimmten Grades beobachtbar ist, der Krankheitswert zugemessen wird. Die gleiche Voraussetzung gilt laut B&uuml;rgerlichem Gesetzbuch &uuml;brigens auch f&uuml;r die Anordnung einer Betreuung.<\/p><p>In Summe ist daher die Abweichung von einer medizin-politisch gesetzten Norm bereits Grund f&uuml;r die Aberkennung der meisten B&uuml;rgerrechte. Das ist aus zwei Dimensionen heraus hochgradig gef&auml;hrlich. Zum einen gesamtgesellschaftlich,  denn wer &bdquo;richtet&ldquo; eigentlich dar&uuml;ber, ob jemand, wie im Falle Mollath, eine Verschw&ouml;rung aufdeckt oder wahnhaft ist? Oder, und anders gefragt: Ist es nicht f&uuml;r uns alle gef&auml;hrlich, die Entscheidung dar&uuml;ber, wer &bdquo;irre&ldquo; ist, einfach dogmatischen psychiatrischen Institutionen zu &uuml;berlassen? Und zum anderen nat&uuml;rlich ist dieses Verst&auml;ndnis von Krankheit auch ganz allgemein f&uuml;r politischen Missbrauch anf&auml;llig &ndash; ganz unabh&auml;ngig von der dringend notwendigen Kritik am Menschenbild der Psychiatrie allein. Auch dies hat der Fall Mollath ja exemplarisch deutlich gemacht: Wenn sich eine Institution, deren Theorien dazu genutzt werden k&ouml;nnen, tendenziell jedes menschliche Verhalten als pathologisch zu klassifizieren, mit anderen m&auml;chtigen Interessen im Lande zusammentut, dann haben wir hier einen Mechanismus, der a priori jeden von uns sozial zu eliminieren vermag&hellip; Diese beiden Dinge werden in Medien und &Ouml;ffentlichkeit bisher jedoch kaum je einmal thematisiert. <\/p><p><strong>Manchmal aber eben doch&hellip;: In der 3sat-Sendung &ldquo;Scobel&rdquo; hat unl&auml;ngst ein renommierter Psychiater sehr eindringlich vor der auch von ihnen kritisierten Diagnostizierung mittels vor allem &bdquo;Normabweichung&ldquo; gewarnt&hellip; Das tut er in einer Zeit, in der &ndash; darauf haben <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15917\">wir auf den Nachdenkseiten hingewiesen<\/a> &ndash;  tats&auml;chlich immer mehr menschliches Verhalten von den tonangebenden psychiatrischen Zirkeln als &bdquo;krank&ldquo; oder &bdquo;verr&uuml;ckt&ldquo; klassifiziert wird&hellip; In Anbetracht dessen f&uuml;hle ich selbst mich inzwischen sogar ein wenig bedroht. Offenbar kann es jeden treffen und werden die psychiatrischen Theoriefundamente auch immer mehr in diese Richtung ausgebaut&hellip; Vor kurzem erst gab es beispielsweise <a href=\"http:\/\/www.capital.de\/themen\/wie-der-staat-unbequeme-steuerfahnder-kaltstellt.html\">diese uns&auml;gliche Geschichte mit den hessischen Steuerfahndern<\/a>, die, weil sie ihre Arbeit machen und Wohlhabenden einmal wirklich auf den Zahn f&uuml;hlen wollten, umgehend vom Dienst suspendiert und als &bdquo;irre&ldquo; klassifiziert worden sind. Und j&uuml;ngst gab es noch <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2014\/05-15\/014.php\">den Fall eines linken Polit-Aktivisten aus Gie&szlig;en<\/a>), der &auml;hnlich unsch&ouml;n verlief&hellip; Lassen Sie mich bitte zuspitzen und fragen: Ist nicht, wer st&ouml;rt, zunehmend in Gefahr, relativ z&uuml;gig seine B&uuml;rgerrechte zu verlieren? <\/strong><\/p><p>In der Tat deute ich die aktuellen Entwicklungen &auml;hnlich wie Sie. Zwangspsychiatrie und -betreuung sind ja nicht nur Eingriffe in die freie Entfaltung der Pers&ouml;nlichkeit und Beschr&auml;nkungen der unmittelbaren Lebenssouver&auml;nit&auml;t. Oftmals handelt es sich dabei eben durchaus auch um K&ouml;rperverletzung oder Freiheitsberaubung, die hier durch gerichtliche Entscheidungen gerechtfertigt werden. Und der UN-Sonderberichterstatter zum Thema hat auch Deutschland inzwischen testiert,  dass die <a href=\"http:\/\/www.meinungsverbrechen.de\/un-hochkommissar-fur-menschenrechte-juan-e-mendez-psychiatrische-zwangsbehandlung-ist-folter\/\">zwangsweise psychiatrische Behandlung Folter<\/a> darstellt. Und zwar deshalb, weil die Psychiatrie ihre &bdquo;Patienten&ldquo; mit allen ihr zur Verf&uuml;gung stehenden Mitteln, und dazu geh&ouml;ren eben auch psychoaktive Drogen, solange &bdquo;behandelt&ldquo; und behandeln will, bis diese &bdquo;krankheitseinsichtig&ldquo; geworden sind, also auch selbst die Meinung vertreten, dass Sie das Problem sind und alles, was geschehe und ihnen n&uuml;tzte &ndash; auch und insbesondere da, wo es ihren freien Willen negiert, ihnen Schmerzen zuf&uuml;gt usw. Aus diesen Gr&uuml;nden wird die <a href=\"http:\/\/www.folter-abschaffen.de\/\">Psychiatrie von Teilen der deutschen Zivilgesellschaft auch zurecht bek&auml;mpft<\/a>.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"236\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/FxAGQmaXkWM\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align:center\"><strong>3sat: Was ist normal? Ein Psychiater warnt vor seinem Fachgebiet<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Doch bitte eine Antwort auf meine konkrete Frage: Ist, wer aktuell st&ouml;rt, zunehmend in Gefahr?<\/strong><\/p><p>Ich denke, Sie sehen das schon ganz richtig. Lassen Sie mich kurz skizzieren, inwiefern und warum. Dazu muss ich kurz schildern, wie ein Einweisungs- oder Betreuungsverfahren in Deutschland &uuml;blicherweise abl&auml;uft.<\/p><p>Also&hellip;In der gerichtlichen Praxis stellen psychiatrische Gutachter anhand der im <a href=\"http:\/\/www.dimdi.de\/static\/de\/klassi\/icd-10-gm\/index.htm\">ICD 10<\/a> &ndash; einem von Psychologen und Psychiatern anerkannten Katalog psychischer Erkrankungen, dessen US-amerikanisches Vorbild aufgrund der Tatsache, dass es nachweisbar von Auflage zu Auflage immer mehr als <a href=\"http:\/\/www.bptk.de\/aktuell\/einzelseite\/artikel\/trauer-ist-k.html\">&bdquo;Krankheit&ldquo; ausweist<\/a> gerade massiv in der Kritik steht und welches bis vor wenigen Jahren <a href=\"http:\/\/www.aerzteblatt.de\/archiv\/44972\/Homosexualitaet-Diskriminierung-gibt-es-noch-immer\">noch Homosexualit&auml;t als psychiatrische St&ouml;rung begriff<\/a> &ndash; fest, ob und in welchem Grad ein Betroffener von der als psychisch gesund unterstellten Norm abweicht. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"236\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/JSOVjsF98Hg\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align:center\"><strong>ARD: Der amerikanische Psychiater Allen Frances, einer der ehemaligen Autoren des Katalogs f&uuml;r psychiatrische St&ouml;rungen DSM, warnt vor den Ausw&uuml;chsen der Psychiatrie<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Kommt der Gutachter zu dem Ergebnis, dass der Betroffene alle Symptome einer im ICD 10 enthaltenen Normabweichung zeigt, stellt schlie&szlig;lich der Richter fest, dass der Betroffene an einer psychischen Krankheit leidet. Stellt der Gutachter zudem fest, dass der Betroffene die Symptome in so hohem Grad zeigt, dass er zu vern&uuml;nftigen Entscheidungen vermeintlich nicht mehr f&auml;hig ist, folgert der Richter daraus, dass die testierte Normabweichung &uuml;berdies aus unterstelltem Eigeninteresse des Betroffenen eine Betreuung respektive Zwangseinweisung notwendig macht. <\/p><p>Dass derlei Normabweichungen dabei wom&ouml;glich auch ein Indiz f&uuml;r die Unhaltbarkeit der Normen selbst oder gar eine Gesellschaft, die Menschen mehr und mehr dazu bringt, schlicht nicht mehr &bdquo;funktionieren&ldquo; zu k&ouml;nnen, zu sein vermag, in letzterem Falle also sogar Indiz eines sch&auml;digenden sozialen Umfeldes, das die &bdquo;Normabweichung&ldquo; statt als Krankheit auch als &auml;u&szlig;erst gesunde menschliche Reaktion interpretierbar machte, all das steht hier nicht mehr zur Debatte und soll dies auch nicht.<\/p><p>Mit dem vorhandenen Instrumentarium der Richter und Sachverst&auml;ndigen ist daher eine wirklich objektive Bewertung von Sachlage und geistigen F&auml;higkeiten der Betroffenen oftmals &uuml;berhaupt gar nicht m&ouml;glich. Mangels fester, gesetzlich fixierter Kriterien entscheiden sie daher schlie&szlig;lich nach eigenen Vorstellungen dar&uuml;ber, welches Verhalten als vern&uuml;nftig anzusehen ist und welches nicht. Freilich erkennen sie die Subjektivit&auml;t ihres Urteils dabei nicht an, sondern setzen in den meisten F&auml;llen unreflektiert voraus, dass ihr pers&ouml;nlicher Ma&szlig;stab den allgemein von Wissenschaft und Mehrheit in der Bev&ouml;lkerung geteilten Vorstellungen und deshalb der Wahrheit entspricht. In Reverenz allein zur selbstreferentiellen &bdquo;Psychiatriewissenschaft&ldquo; h&auml;tten sie damit wom&ouml;glich sogar Recht. Allein in Bezug auf eine <a href=\"http:\/\/www.studis-online.de\/Studienfuehrer\/kripsy_handeln.php\">humanistische respektive kritische Psychologie<\/a> verl&ouml;re sich derlei Konsens jedoch fast sofort.<\/p><p><strong>&hellip;das bedeutet f&uuml;r mich als normalen B&uuml;rger im Lande also &hellip; was jetzt genau?<\/strong><\/p><p>Dass insbesondere die mangelnde Selbstreflexion der Richter und Sachverst&auml;ndigen Betreuungsverfahren generell sehr gef&auml;hrlich macht. Denn Argumente, die den vom Gericht angelegten Vernunftma&szlig;stab in Frage stellen w&uuml;rden, bringen den Richter nicht etwa dazu, seine Entscheidungspr&auml;missen kritisch zu hinterfragen, sondern gelten im Gegenteil in aller Regel als ein weiteres Indiz f&uuml;r die Krankhaftigkeit des Verhaltens des Betroffenen. <\/p><p>Wir haben es hier n&auml;mlich mit einem medizinisch legitimierten geschlossenen Weltbild zu tun; wer da einmal hineingeraten ist, dem kann jede noch so vern&uuml;nftige Lebens&auml;u&szlig;erung als &bdquo;Unvernunft&ldquo; gedeutet und interpretiert werden. Da wird Kritik eben zur querulatorischen Zwangsst&ouml;rung oder das Gef&uuml;hl, ungerecht behandelt zu werden, zur Paranoia. Egal, wie klug, vern&uuml;nftig oder gesund Sie als Betroffener im Zweifel sind: Aus dieser Dogmatik kommen Sie gegebenenfalls ein Leben lang nicht mehr heraus&hellip; <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"315\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/jvBMq52j5rQ\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align:center\"><strong>ARD: Gustl Mollath: Die Psychiatrie ist eine Pseudowissenschaft mit Omnipotenzanspruch<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Und so kommt es nach meiner Erfahrung &ndash; einen Fall habe ich selbst gerade erlebt und von anderen F&auml;llen haben mir Betroffene berichtet &ndash; auch vor, dass Menschen nur deshalb unter Betreuung gestellt werden, weil ihre Auffassungen zur h&auml;uslichen Ordnung von denen des Sachverst&auml;ndigen und des Richters abweichen.<br>\nJa, aus einem nicht gepflegten Garten und einer nicht nach den Vorstellungen von Gericht und Sachverst&auml;ndigen aufger&auml;umten Wohnung ziehen zumindest einige deutsche Betreuungsgerichte inzwischen den Schluss, dass die Betroffenen so verwirrt seien, dass sie nicht mehr dazu in der Lage w&auml;ren, vern&uuml;nftige Entscheidungen f&uuml;r die Planung und Gestaltung ihres Lebens zu treffen. <\/p><p>Dass diese Abweichung von des Deutschen normalen Ordnungsvorstellungen dabei sehr wohl auch andere als krankhafte Gr&uuml;nde haben kann &ndash; mangelnde Gartenpflege etwa als Folge chronischer beruflicher &Uuml;berlastung oder dem Ziel geschuldet, auch Wildkr&auml;utern eine Chance auf Wachstum zu geben; und dass mancher sich eben nur in einer nicht aufger&auml;umten Wohnung wohlzuf&uuml;hlen vermag &ndash;, das kommt den meisten Gutachtern und Richtern einfach nicht in den Sinn.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"236\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/UoObHFIk6qc\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align:center\"><strong>ARD: Entm&uuml;ndigt. Wenn Betreuung zum Albtraum wird<\/strong><\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"236\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/W4QaCZnqSMc\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align:center\"><strong>3sat: Betreut und betrogen<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Sie sprechen immer wieder zwei Sachverhalte an: Betreuung und Zwangspsychiatrisierung. Was unterscheidet das eine denn vom anderen und wieviele Menschen betrifft derlei zurzeit? Und, &uuml;berdies: Verstehe ich recht: Beides ist Entm&uuml;ndigung, die Zwangspsychiatrie geht jedoch noch &uuml;ber diese hinaus?<\/strong><\/p><p>Also, Betreuung bedeutet, dass der vom Gericht bestellte Betreuer gesetzlicher Vertreter des Betreuten wird. Das hei&szlig;t, dass der Betreuer anstelle des Betreuten rechtsg&uuml;ltige Entscheidungen treffen darf &ndash; und zwar f&uuml;r alle Lebenslagen, f&uuml;r die das Gericht die Betreuung angeordnet hat. Zwar ist im Gesetz vorgesehen, dass der Betreuer nicht gegen die Interessen des Betreuten entscheiden darf. Jedoch entsteht da dann wieder die Frage, wer anhand welcher Kriterien dar&uuml;ber entscheidet, was im Interesse des Betreuten sein soll. In der Praxis f&uuml;hrt derlei Vorgehen  &ndash; wie gerade schon f&uuml;r Gerichte und Sachverst&auml;ndige erl&auml;utert &ndash; dann oftmals wiederum dazu, dass die Betreuer ihren eigenen Ma&szlig;stab anlegen und damit nicht selten an den W&uuml;nschen der Betreuten vorbei beziehungsweise gegen deren Willen entscheiden.<\/p><p>Eine Entm&uuml;ndigung im Rechtssinne ist das allerdings nicht. Denn der Betreute beh&auml;lt grunds&auml;tzlich das Recht, statt des Betreuers selbst &uuml;ber seine Angelegenheiten zu entscheiden. Entm&uuml;ndigt &ndash; also der M&ouml;glichkeit, selbst rechtsg&uuml;ltige Entscheidungen zu treffen, beraubt &ndash; wird der Betreute erst dann, wenn zugunsten seines Betreuers auch noch ein so genannter Einwilligungsvorbehalt angeordnet wird. Dann muss der Betreuer jede Entscheidung des Betreuten absegnen, bevor diese rechtlich verbindlich wird. Erst diese in der Praxis nicht seltenen Einwilligungsvorbehalte f&uuml;hren juristisch zu einer wirklichen Entm&uuml;ndigung, dazu also, dass anstelle des Betroffenen allein der Betreuer dar&uuml;ber entscheidet, was der Betreute in vermeintlich seinem eigenen Interesse &bdquo;wollen soll&ldquo;.<\/p><p>Was der Betreuer dabei jedoch nicht darf, ist, dar&uuml;ber zu entscheiden, ob der Betreute gegen seinen Willen auch zwangsweise psychiatrisch therapiert werden soll. Hier&uuml;ber darf nur ein Gericht entscheiden, bei dem sich der Betreuer eine Genehmigung holen muss, wenn er den Betreuten gegen seinen Willen zu einer Therapie zwingen will. Au&szlig;erdem gibt es au&szlig;erhalb des Betreuungsrechts auch noch weitere Vorschriften, auf deren Grundlage die Gerichte zwangsweise Behandlungen und auch die Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik anordnen k&ouml;nnen.<\/p><p>In Summe sind Betreuung und Zwangsbehandlung also nicht dasselbe. Die Betreuung kann sehr viele Lebensbereiche &ndash; wie beispielsweise die Wahl des Wohnorts, des Berufes, des Arbeitsplatzes &ndash; erfassen. Wenn sie sehr umfassend angeordnet und noch dazu mit einem Einwilligungsvorbehalt versehen ist, kann der Betreuer nahezu die gesamte Lebensgestaltung des Betreuten bestimmen und regeln. Schon das wird nach meiner Erfahrung von den meisten Betroffenen jedoch als tiefste Dem&uuml;tigung und Diskriminierung empfunden, weil sie das Recht und die F&auml;higkeit einb&uuml;&szlig;en, nach ihren eigenen W&uuml;nschen gl&uuml;cklich zu werden.<\/p><p>Dagegen betrifft die zwangsweise Heilbehandlung und Unterbringung nur einen Teilbereich der gesamten Lebensgestaltung, n&auml;mlich die Frage, ob, wie und mit welchem Ziel der Betroffene behandelt werden m&ouml;chte. Die Auswirkungen auf die Betroffenen sind allerdings noch dramatischer als bei der Betreuung. Viele f&uuml;hlen sich von einem riesigen Apparat von Medizinern und Pflegepersonal zum Objekt gemacht, entw&uuml;rdigt und den Interessen dieser &auml;u&szlig;eren Macht absolut schutzlos ausgeliefert. Sie haben dabei keine M&ouml;glichkeit, die Eingriffe in ihre Pers&ouml;nlichkeit, die dieser Apparat ihnen mit der so genannten Therapie aufzwingt, zu verhindern. Eine Situation, die man aus guten Gr&uuml;nden mit einer tiefen Traumatisierung gleichsetzen muss, was die UN mit ihrer Klassifizierung der Zwangspsychiatrie als Folter ja auch tut&hellip;<\/p><p><strong>In Summe scheint sich die Thematik auf zwei Fragen bzw. Problemkreise zuspitzen zu lassen. Die eine lautet: Wer darf in einem demokratischen Staat auf welche Art und Weise die Macht dar&uuml;ber haben, zu bestimmen, was als psychisch normal und was als psychisch krank gilt? Und die zweite: Welche Grenzen m&uuml;ssen in einer pluralen Gesellschaft f&uuml;r die zwangsweise Behandlung normabweichenden Verhaltens gelten?<\/strong><\/p><p>Ja, das ist sozusagen des Pudels Kern. <\/p><p>Zur ersten Frage hat das Bundesverfassungsgericht dabei die bereits v&ouml;llig zutreffende These aufgestellt, dass die f&uuml;r die Aus&uuml;bung der Grundrechte wesentlichen Fragen allein der Gesetzgeber &ndash; also das demokratisch gew&auml;hlte Parlament als politischer Repr&auml;sentant des Volkes &ndash; beantworten darf und diese Entscheidungen auch nicht an die Verwaltung oder die Rechtsprechung weitergeben darf. <\/p><p>Wegen der fundamentalen Bedeutung f&uuml;r die Freiheit aller B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger sollte die Abgrenzung zwischen psychischem Normalverhalten und krankhafter Normabweichung also keinesfalls der Rechtsprechung &uuml;berlassen werden. Genau das ist aktuell aber der Fall, denn Bund und L&auml;nder haben sowohl im Betreuungsrecht als auch im Recht der psychisch Kranken nicht gesetzlich festgelegt, was eine psychische Erkrankung darstellt und also genau die freiheitsbeschr&auml;nkenden Ma&szlig;nahmen Betreuung und zwangsweise psychiatrische Behandlung rechtfertigen kann und soll. Damit haben sie die Entscheidung &uuml;ber das rechtlich tolerierte Ma&szlig; an Normabweichung an die Gerichte verschoben und diesen &ndash; in verfassungsrechtlich zumindest problematischer Weise &ndash; viel zu gro&szlig;e Macht einger&auml;umt. <\/p><p>Die Frage, welches nonkonforme Verhalten als legale Bet&auml;tigung der Freiheit des Betroffenen noch erlaubt ist, und damit auch jene, inwieweit Grundrechte eingeschr&auml;nkt werden k&ouml;nnen, wird somit aktuell in Einzelf&auml;llen sowie in Verfahren beantwortet, die unter Ausschluss der &Ouml;ffentlichkeit stattfinden und damit eine &ouml;ffentliche politische Diskussion &uuml;ber die Grenzen zwischen Freiheit und gesellschaftlich nicht hinnehmbarem normabweichendem Verhalten unm&ouml;glich machen.<\/p><p><strong>&hellip;eine Verk&uuml;rzung der notwendigen demokratischen und politischen Debatte also?<\/strong><\/p><p>Ja, und nicht die einzige. Die Rechtsprechung verk&uuml;rzt diese Diskussion n&auml;mlich noch weiter, indem sie als Ma&szlig;stab f&uuml;r die Feststellung von psychischen Normabweichungen besagte ICD 10 zugrunde legt. Dieser Ma&szlig;stab wird von nur wenigen Medizinern und Psychiatern erstellt, die zudem oftmals eng mit der Pharmaindustrie, die selbstredend ihre Interessen gerade auch auf diesem Gebiet hier vertritt, <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-78522323.html\">verbunden sind<\/a>, und beruht auf allein deren Bewertung wissenschaftlicher Ver&ouml;ffentlichungen.<\/p><p>Das &bdquo;DSM-5 Response Committee&ldquo;, die &Uuml;berwachungsinstanz f&uuml;r das US-amerikanische Psychiatriehandbuch, rief zuletzt sogar <a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/wissen\/wissenschaft\/normal-oder-gestoert--wo-verlaeuft-die-grenze-1.18065478\">Psychiater, &Auml;rzte, Wissenschaftler und Vertreter der Pharmabranche<\/a>! Dieser Konflikt verdeutlicht das grundlegende Problem der Psychiatrie: Es gibt keinen eindeutigen Grenzwert zwischen normal und psychisch krank, der &Uuml;bergang ist flie&szlig;end. Wo also setzt man die Grenze an? Und wer tut dies? Experten im Verbund mit der Pharmaindustrie, die dann Milliarden daran verdient, uns alle mit Psychodrogen von eigentlich gesunder sowie zutiefst menschlicher Trauer nach einem Verlust zu &bdquo;heilen&ldquo;? <\/p><p>Wie auch immer man diese Frage aber politisch bewerten will, eines steht f&uuml;r mich fest: Die Rechtsprechung orientiert sich aktuell an einer sich rein wissenschaftlich &ndash; und damit unpolitisch &ndash; gebenden Minderheit innerhalb der Gesellschaft. Politische Diskussionen innerhalb und au&szlig;erhalb der Parlamente &uuml;ber das Ma&szlig; an normabweichendem Verhalten, das die Gesellschaft mehrheitlich zu tolerieren bereit w&auml;re, finden keinerlei Eingang in gerichtliche Entscheidungspr&auml;missen. Und da wiederhole ich mich gern: Es obliegt also ausschlie&szlig;lich Richtern und einer Handvoll Psychiatern, dar&uuml;ber zu bestimmen, wieviel Freiheit zur Abweichung vom mehrheitlich akzeptierten gesellschaftlichen Konsens wir alle haben. Auch Sie und ich. <\/p><p>Und das ist ein wichtiges, ein philosophisches, moralisches, politisches und nicht zuletzt existentiell demokratisches Problem auch und gerade f&uuml;r eine Gesellschaft, deren sozialer Zusammenhalt zunehmend erodiert. Nicht umsonst hat es in unserem Land n&auml;mlich eine lange Tradition, <em>Arme<\/em> in so genannten &bdquo;<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Korrektionsanstalt\">Korrektions-<\/a>&ldquo; bzw. &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/jugendkriminalitaet-besserungsanstalten-als-utopie-1516031.html\">Besserungsanstalten<\/a>&ldquo; von ihrem unvern&uuml;nftigen Fehlverhalten &bdquo;heilen&ldquo; zu wollen, sie also medizinisch-psychiatrisch zu &bdquo;kurieren&ldquo; anstatt etwas gegen ihr soziales Elend und ihre Armut, die Ursachen f&uuml;r ein in ihrer sozialen Situation in der Regel wohl hochvern&uuml;nftiges Verhalten also, zu tun&hellip; Diese Tradition gipfelte vor rund achtzig Jahren bereits einmal in <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/geschichte\/zweiter-weltkrieg\/article115355888\/Asoziale-wurden-gequaelt-und-zwangssterilisiert.html\">Arbeitslagern f&uuml;r &bdquo;Asoziale&ldquo;<\/a>, die nicht dem Selbstbild der &bdquo;Volksgemeinschaft&ldquo; entsprachen. Die Psychiatrie ist eines der Einfallstore in unserer Gesellschaft, das eine erneute Entwicklung in diese oder &auml;hnliche Richtung nicht nur erneut m&ouml;glich macht, sondern offenbar bereits angesto&szlig;en hat&hellip;<\/p><p><strong>Und Ihre Antwort auf meine zweite Frage von vorhin? &hellip;ich wiederhole: Welche Grenzen m&uuml;ssen Ihrer Meinung nach in einer pluralen Gesellschaft f&uuml;r die zwangsweise Behandlung normabweichenden Verhaltens gelten?<\/strong><\/p><p>Nun, diese Frage lautet juristisch eigentlich anders. Ich w&uuml;rde sie so formulieren: Welche Grenzen hat das Recht der Mehrheit, die grundrechtlich verb&uuml;rgten Freiheiten einer Minderheit zu beschr&auml;nken? Dass die aktuelle Praxis hier jenseits jeder Grenze liegt, macht die Folter-Kritik der UN an der Zwangspsychiatrie ja bereits deutlich. Damit ist jedoch noch keine juristische Antwort auf die Frage zur Hand. Diese l&auml;sst sich aber auch nicht allein juristisch beantworten, sondern muss im demokratischen Prozess politisch diskutiert und entschieden werden&hellip; <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"236\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/5MztjFnCjCU\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align:center\"><strong>phoenix: H&ouml;lle Kinderpsychiatrie: Gewalt und Missbrauch hinter Anstaltsmauern<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Was ich als Jurist und Mensch zu dieser Diskussion beisteuern kann, das sind dabei vor allem das Menschenbild sowie die Grunds&auml;tze unseres Grundgesetzes. So geh&ouml;rt zum demokratischen Prinzip eben auch, dass das Recht der Mehrheit, der Minderheit ihren Willen in Form bindender Gesetze aufzuzwingen, beschr&auml;nkt ist und sein muss. Die Mehrheit muss der Minderheit immer so viel Entfaltungsm&ouml;glichkeiten lassen, dass diese auch die Chance hat, sich zu einer Mehrheit zu entwickeln. F&uuml;r den Bereich der Grundrechte gilt &uuml;berdies, dass auch die Parlamentsmehrheit nicht schrankenlos in die Freiheit der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger eingreifen darf. Kein Gesetz darf in den Wesensgehalt der Grundrechte, also in deren allen ein Mindestma&szlig; an individueller Freiheit und Menschenw&uuml;rde sichernden Kern, eingreifen.<\/p><p>Damit ist verfassungsrechtlich zwingend vorgeschrieben, dass es keine Gesetze geben darf, die jedes Verhalten, das von den gesellschaftlich mehrheitlich akzeptierten Vorstellungen von normalem Verhalten abweicht, einfach untersagen. Wie gro&szlig; das Ma&szlig; an Freiheit, das dem Einzelnen f&uuml;r nonkonformes Verhalten bleiben muss, zu sein hat, ist hingegen nicht abschlie&szlig;end bestimmt. Hier hat der Gesetzgeber einen weiten Gestaltungsspielraum. Verfassungswidrig ist ein Gesetz jedoch dann, wenn der Gesetzgeber diesen, seinen Gestaltungsspielraum evident verlassen hat.<\/p><p>Damit wird die Frage, welche Grenzen sich die Mehrheit jenseits der Sicherung des Wesensgehalts der Grundrechte zur Gew&auml;hrleistung der freien Entfaltung der Minderheit aufzuerlegen hat, von einer juristischen zu einer im Wesentlichen politischen Frage: In &ouml;ffentlichen und parlamentarischen Diskussionen m&uuml;ssen die Mehrheit der so genannten psychisch Gesunden und die Minderheit der so genannten psychisch Kranken gleichsam und sozusagen ebenb&uuml;rtig ihre jeweiligen Standpunkte und Interessen artikulieren k&ouml;nnen. Die Mehrheit ist dabei gehalten, zur Verwirklichung eines Maximums an individueller Freiheit die Interessen der Minderheit an nonkonformem Verhalten weitgehend zu ber&uuml;cksichtigen, handelt es sich bei diesem Verhalten doch um eine vom Standpunkt der grundrechtlichen Freiheit aus als legitime Entscheidung.<\/p><p>Nach meiner pers&ouml;nlichen Auffassung sollte die Mehrheit der angeblich psychisch Gesunden der Minderheit der angeblich psychisch Kranken dabei erheblich weitere Spielr&auml;ume zugestehen als dies bisher der Fall ist. Und das auch und selbst dann, wenn die Mehrheit die Handlungen der Minderheit nicht verstehen und nach ihrer eigenen Vernunft <em>nicht<\/em> nachvollziehen kann. Denn in meinen Augen gebietet dies die Menschenw&uuml;rde der angeblich psychisch Kranken: Sie sch&uuml;tzt die angeblich Kranken davor, reines Objekt staatlichen Handelns zu werden. Jeder Eingriff in die Freiheit des Kranken ist damit nur dann gerechtfertigt, wenn er zur Erreichung eines vom Allgemeinwohl der Gesamtgesellschaft erforderten Zieles unbedingt vonn&ouml;ten ist. Als derlei legitimes Gemeinwohlziel scheint mir jedoch lediglich der Schutz vor Gefahren wirklich notwendig zu sein. Die Gesellschaft sollte daher das Recht haben, Personen, die aufgrund psychischer Erkrankungen andere Menschen gef&auml;hrden, den Ma&szlig;nahmen zu unterwerfen, die zur Abwehr dieser Gefahr notwendig sind. Aber, verstehen Sie mich nicht miss: das mag dann sehr wohl Zwangsunterbringung, darf jedoch auf keinen Fall andere Ma&szlig;nahmen beinhalten. <\/p><p><strong>In diesen F&auml;llen dann also &hellip; doch Zwangspsychiatrie?<\/strong><\/p><p>Jein. Ich halte Zwangspsychiatrie ganz grunds&auml;tzlich f&uuml;r den falschen Weg. Und zwar unter allen Umst&auml;nden. Denn ich bin grunds&auml;tzlich dagegen, dass die Pers&ouml;nlichkeit eines Menschen gegen seinen Willen manipuliert wird &ndash; und zwar selbst dann, wenn man dem dieser Manipulation dann das Etikett &bdquo;Hilfe&ldquo; aufklebt. <\/p><p>Es gibt f&uuml;r mich aber einen ethischen Wert, den auch der so genannte Kranke anerkennen muss und dessen Verletzung von der Gesellschaft nicht toleriert werden kann. Und dieser ethisch unverzichtbare Wert betrifft das Leben und die Gesundheit und Unversehrtheit der Menschen allgemein. Der Schutz dieses Wertes ist nach meiner Auffassung von jedermann und unter allen Umst&auml;nden zu respektieren. Dies gilt f&uuml;r die angeblich Gesunden dabei ebenso wie f&uuml;r die angeblich Kranken. Niemand darf einen anderen verletzen oder gar t&ouml;ten.<\/p><p>Da nach meinem ethischen Verst&auml;ndnis also auch der angeblich Kranke nicht das Recht hat, zu seiner Selbstverwirklichung andere Menschen bez&uuml;glich Leben oder Gesundheit zu gef&auml;hrden, halte ich es auch f&uuml;r legitim, dass Gesellschaft und Staat Regeln aufstellen, die verhindern sollen, dass Menschen andere Menschen gef&auml;hrden, verletzen oder gar t&ouml;ten &ndash; ganz gleich, ob sie als krank oder gesund gelten. Und daher halte ich auch Regelungen f&uuml;r legitim, nach denen angeblich psychisch Kranke &ndash; notfalls durch geschlossene Unterbringung &ndash; davon abgehalten werden, andere zu verletzen oder zu t&ouml;ten.<\/p><p>Die wesentliche Voraussetzung f&uuml;r eine solche Zwangsma&szlig;nahme sollte nach meiner Meinung dabei jedoch nicht die angebliche psychische Krankheit sein, sondern allein die Gefahr f&uuml;r andere, die von einem Menschen ausgeht. Und diese Gef&auml;hrlichkeit rechtfertigt auch nicht mehr als diejenigen Ma&szlig;nahmen, die zur Beseitigung der Gefahr erforderlich sind. Mit anderen Worten kann damit zwar das zur Neutralisierung der Gefahr Erforderliche &ndash; bis hin zur Unterbringung &ndash; gerechtfertigt werden, niemals aber eine zwangsweise psychiatrische Behandlung gegen den Willen der Betroffenen. Denn derlei Eingriffe in die Freiheit derselben sind einfach nicht erforderlich, um die Gefahr f&uuml;r andere zu beseitigen.<\/p><p>Das ganze kurz zusammengefasst, f&uuml;r mich gilt: Zwangstherapien sind nie gerechtfertigt. Und Freiheitsbeschr&auml;nkungen f&uuml;r so genannte psychisch Kranke sind nur ethisch vertretbar, wenn und soweit sie erforderlich sind, um das Leben und die Gesundheit von Menschen zu sch&uuml;tzen.<\/p><p>Zudem hat f&uuml;r mich ganz grunds&auml;tzliche G&uuml;ltigkeit, dass die Mehrheit der angeblich Gesunden niemals von sich behaupten kann, besser als die angeblich Kranken zu wissen, dass und warum und wie diesen aus ihrer Situation gegebenenfalls herausgeholfen werden muss. Als Gesunder habe ich daher nicht die Berechtigung dazu, den Kranken als Mangelwesen zu begreifen und zu deklarieren, den man zur Not auch gegen seinen Willen von seinen M&auml;ngeln befreien k&ouml;nnen muss. Erkenne ich aber an, dass der angeblich psychisch Kranke auch dann einen legitimen, meiner Meinung gleichwertigen Standpunkt vertritt, wenn ich ihn als angeblich Gesunder nicht verstehe und f&uuml;r unvern&uuml;nftig halte, dann kann es f&uuml;r mich folgerichtig auch kein Recht mehr geben, den angeblich Kranken gegen seinen Willen zu seinem Gl&uuml;ck zwingen zu wollen. <\/p><p>Leider sind die gegenw&auml;rtige Rechtslage und ihre Anwendung durch die Gerichte jedoch weit davon entfernt, den angeblich psychisch Kranken das ihnen zustehende Recht auf Selbstbestimmung wirklich zu gew&auml;hren.<\/p><p><strong>Noch ein letztes Wort? <\/strong><\/p><p>Eine Art &bdquo;Empfehlung&ldquo; vielleicht&hellip; : Es kann sicher nicht schaden, wenn jeder politisch denkende B&uuml;rger f&uuml;r den Fall der F&auml;lle vorsorgt und sich mittels der so genannten <a href=\"http:\/\/www.patverfue.de\/\">PatVerf&uuml;<\/a>, einer sehr besonderen und wirklich klugen Patientenverf&uuml;gung, f&uuml;r die unter anderem <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=24RsEtU9pJM\">Nina Hagen die Werbetrommmel r&uuml;hrt<\/a>, davor sch&uuml;tzt, in pers&ouml;nlichen Notlagen zuk&uuml;nftig entm&uuml;ndigt, psychiatrisiert oder unter Betreuung gestellt werden zu k&ouml;nnen. <\/p><p>Das ist nicht nur f&uuml;r jeden, der politisch etwas weiter weg vom &bdquo;Common Sense&ldquo; der Mitte befindlich aktiv ist, sowie f&uuml;r alle, die irgendwann einmal einen Psychologen konsultiert haben, von immanenter Relevanz. Das sollten auch und insbesondere Menschen fortschreitenden Alters erw&auml;gen, die sonst sehr schnell gegen ihren Willen in Pflegeheime abgeschoben oder von zuvor freundlichen Verwandten des Zugriffes auf ihre Verm&ouml;genswerte beraubt werden k&ouml;nnten. Denn sie wissen ja: Manchmal gen&uuml;gt es schon, dass sie verwirrt wirken oder &ndash; weil im Alter der K&ouml;rper nicht mehr so will &ndash; Wohnung und Garten nicht in Ordnung halten, um in die M&uuml;hlen der Betreuungsmaschine zu geraten. <\/p><p><strong>Vielen Dank f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"236\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/0VUsRUHC0Pw\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align:center\"><strong>PatVerf&uuml;: Die schlaue Patientenverf&uuml;gung<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Zum Weiterlesen:<\/strong><\/p><ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/40\/40539\/1.html\">Reinhard Jellen &ndash; &ldquo;Emp&ouml;rt Euch!&rdquo;<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.folter-abschaffen.de\/\">B&uuml;ndnis gegen Folter in der Psychiatrie<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.patverfue.de\/\">PatVerf&uuml; &ndash; Die schlaue Patientenverf&uuml;gung<\/a><\/li>\n<\/ul><p><strong>Vertiefende Literatur:<\/strong><\/p><ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Irre-behandeln-Falschen-Problem-Normalen\/dp\/3442156793\/\">Manfred L&uuml;tz &ndash; Irre! &ndash; Wir behandeln die Falschen: Unser Problem sind die Normalen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Die-Psychofalle-Seelenindustrie-Patienten-macht\/dp\/3100044193\/\">J&ouml;rg Blech &ndash; Die Psychofalle: Wie die Seelenindustrie uns zu Patienten macht<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Die-Krankheitserfinder-Patienten-gemacht-werden\/dp\/3596158761\/\">J&ouml;rg Blech &ndash; Die Krankheitserfinder: Wie wir zu Patienten gemacht werden<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/chemische-Knebel-Psychiater-Neuroleptika-verabreichen\/dp\/3925931317\/\">Peter Lehmann &ndash; Der chemische Knebel: Warum Psychiater Neuroleptika verabreichen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Wege-einer-kranken-Gesellschaft-sozialpsychologische\/dp\/342334007X\/\">Peter Lehmann &ndash; Der chemische Knebel: Warum Psychiater Neuroleptika verabreichen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/NORMAL-Gegen-Inflation-psychiatrischer-Diagnosen\/dp\/3832197001\/\">Allen Frances &ndash; NORMAL: Gegen die Inflation psychiatrischer Diagnosen<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/39\/39181\/1.html\">Fall Mollath<\/a>&ldquo; sorgte im letzten Jahr bundesweit f&uuml;r Aufsehen. 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