{"id":22531,"date":"2014-07-28T11:05:59","date_gmt":"2014-07-28T09:05:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22531"},"modified":"2019-05-19T13:05:01","modified_gmt":"2019-05-19T11:05:01","slug":"offener-brief-professor-massarrats-an-bm-steinmeier-wegen-seines-vorschlags-ksze-fuer-nahost","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22531","title":{"rendered":"Offener Brief Professor Massarrats an BM Steinmeier wegen seines Vorschlags KSZE f\u00fcr Nahost"},"content":{"rendered":"<p>Sein Optimismus ehrt Prof. Massarrat. Man muss alles versuchen, wenn es um Krieg und Frieden geht. Noch interessant im Kontext: <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/russland-und-die-ukraine-steinmeier-politische-und.868.de.html?dram:article_id=292798\">ein Interview Steinmeiers im Deutschlandfunk<\/a>. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2995\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-22531-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140801_Offener_Brief_an_Steinmeier_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140801_Offener_Brief_an_Steinmeier_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140801_Offener_Brief_an_Steinmeier_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140801_Offener_Brief_an_Steinmeier_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=22531-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140801_Offener_Brief_an_Steinmeier_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"140801_Offener_Brief_an_Steinmeier_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Offener Brief<\/strong><br>\nanl&auml;sslich des Vorschlags von Frank-Walter Steinmeier<br>\neiner KSZE f&uuml;r den Mittleren und Nahen Osten<br>\nim Tagesspiegel vom 21.07.2014<\/p><p>Sehr geehrter Herr Au&szlig;enminister Frank-Walter Steinmeier,<\/p><p>mit gro&szlig;em Interesse las ich Ihren Vorschlag im Tagesspiegel vom 21.07.2014, m&ouml;glichst schnell den Weg f&uuml;r eine KSZE f&uuml;r den Mittleren und Nahen Osten einzuschlagen. Ihre Initiative wird von einigen Kommentatoren kritisch gesehen und auch pessimistisch beurteilt. Auch ich selbst, kann Ihnen meine eigene Skepsis nicht vorenthalten. Sie r&uuml;hrt trotz meiner Freude &uuml;ber Ihren Vorschlag daher, dass bei allen laufenden Konflikten, die wir zur Zeit in der Ukraine, wie aber auch in Syrien und jetzt in Gaza, erleben, Deutschland und der gesamte Westen selbst zutiefst verstrickt sind. Dennoch sehe ich in Ihrem Vorsto&szlig; ein Zeichen der Hoffnung. Um weitere Katastrophen zu verhindern, ist es nie zu sp&auml;t. Sie haben mit Ihrer Feststellung Recht, &bdquo;der Nahe Osten ger&auml;t aus den Fugen&ldquo;. Sp&auml;testens jetzt f&uuml;hren die brutalen ISIS-&bdquo;Gotteskrieger&ldquo; jedem, der es sehen will, vor Augen, welche Saat seit langem im Mittleren und Nahen Osten ges&auml;t worden ist und nun aufgeht. Durch eine g&auml;nzlich irrationale Fixierung auf kurzfristige Macht- und geopolitische Interessen der M&auml;chtigen im Westen, waren Politiker in Europa leider sehr h&auml;ufig au&szlig;erstande, den notwendigen Weitblick walten zu lassen und ihr Handeln auf langfristige L&ouml;sungsm&ouml;glichkeiten auszurichten, nicht zuletzt auch wegen europ&auml;ischer Eigeninteressen. Insofern hat man es auch immer wieder vers&auml;umt, das Richtige zum richtigen Zeitpunkt zu tun.<\/p><p>Ich m&ouml;chte Ihnen, sehr geehrter Herr Steinmeier, ein Beispiel nennen: Die UNO hatte 2010 beschlossen, im Dezember 2012 in Helsinki (!) eine Konferenz f&uuml;r eine massenvernichtungswaffenfreie Zone im Mittleren und Nahen Osten einzuberufen. Wie Sie sicherlich wissen, wurde diese Konferenz durch das Veto von zwei einflussreichen Staaten verhindert. Dabei w&auml;re gerade diese Konferenz ein entscheidender Schritt in Richtung einer KSZE f&uuml;r diese Region gewesen. Die Teilnehmerstaaten w&auml;ren zum ersten Mal in ihrer Geschichte mit der Idee von Dialog und Verhandlungen zur dauerhaften Verbannung von nuklearen, chemischen und anderen Massenvernichtungswaffen zusammengekommen. Noch wichtiger w&auml;re aber gewesen, dass alle Staaten der Region Gelegenheit gehabt h&auml;tten, sich mit der Idee der Kooperation und der gemeinsamen Sicherheit, ganz im Sinne von KSZE, zu besch&auml;ftigen. Denn Sicherheit ist in der Region, wie Sie ganz zu Recht sagen, &bdquo;ein Bed&uuml;rfnis, das die einzelnen Staaten eint.&ldquo; Dennoch wurde aber dieses friedenspolitische Projekt, das sowohl genial wie perspektivisch f&uuml;r die Zukunft einer der konfliktreichsten Regionen der Welt von welthistorischer Bedeutung ist, wie ein Federstrich einfach so beiseite gewischt. Bis auf ein H&auml;uflein aufrechter Friedensaktivisten in Helsinki und in Berlin, die gegen die Absage der Helsinki-Konferenz wie einsame Rufer in der W&uuml;ste protestierten, hat niemand sonst diese unglaubliche Ignoranz und Verantwortungslosigkeit der Bremserstaaten wahrgenommen. Auch die deutsche Bundesregierung hat dieses Vers&auml;umnis nicht einmal mit einem Wort des Bedauerns bedacht.<\/p><p>Sehr geehrter Herr Au&szlig;enminister,<\/p><p>ich m&ouml;chte trotz dieser Vers&auml;umnisse und der Skepsis nicht jammern. Ich sehe in Ihrer Feststellung, dass es f&uuml;r den Mittleren und Nahen Osten nicht mehr reicht, &ldquo;nur an Symptomen zu kurieren, die uns letztlich einer nachhaltiger L&ouml;sung nicht n&auml;her bringen,&ldquo; einen aufrichtigen Versuch, das Vers&auml;umte nachzuholen. Ich stimme Ihnen auch vorbehaltlos zu, dass wir handeln m&uuml;ssen, &ldquo;und zwar so schnell wie irgend m&ouml;glich.&ldquo; Der friedenspolitisch faszinierende Kerngedanke der KSZE ist doch, die Sicherheit der Gegenseite als Bestandteil der eigenen Sicherheit zu betrachten und sich zu diesem Zweck, mit Respekt auf berechtigte Interessen von Anderen, gemeinsam an einen Tisch zu setzen. Dieses Grundprinzip galt seinerzeit im KSZE-Prozess &ndash; was im augenblicklichen Ukrainekonflikt jedoch leider ignoriert wird &ndash; und dieses Prinzip gilt erst Recht angesichts des gegenw&auml;rtigen Israel-Pal&auml;stina-Krieges f&uuml;r den Mittleren und Nahen Osten.<\/p><p>Genau deshalb und auch aus den von Ihnen in Ihrem Beitrag genannten Gr&uuml;nden haben wir in einer zivilgesellschaftlicher Initiative, in Kooperation mit der deutschen Sektion der IPPNW, vor zehn Jahren begonnen, ein Netzwerk im Mittleren und Nahen Osten f&uuml;r eine zivilgesellschaftliche Konferenz f&uuml;r Sicherheit und Zusammenarbeit (KSZMNO) zu schaffen, allen finanziellen und personellen Widrigkeiten zum Trotz. Wir haben mit der Evangelischen Akademie Bad Boll auch erreicht, dass NGO-Vertreterinnen und -Vertreter aus zehn Staaten der Region, einschlie&szlig;lich Israel und Pal&auml;stina, ganz zu diesem Zweck zusammen kamen. Zu einer Vernetzung in der Region ist es jedoch nicht gekommen, weil wir an die Grenzen unserer bescheidenen Ressourcen stie&szlig;en und weil wir keine deutschen oder internationalen Geldgeber fanden, die sich unser, wohlgemerkt utopisch anmutendes Anliegen, zu Herzen nahmen. Frieden im Mittleren und Nahen Osten ist aber keine Utopie, sondern machbar. Dazu reicht aber bei weitem nicht, dass sich Einzelne aus der Zivilgesellschaft daf&uuml;r einsetzen. Das kann man auch an J&uuml;rgen Todenh&ouml;fer sehen, der mit seinen bewundernswerten Aktivit&auml;ten seit Jahren versucht, aus den Konflikt- und B&uuml;rgerkriegsl&auml;ndern f&uuml;r die Aufkl&auml;rung der Welt&ouml;ffentlichkeit gegen Propaganda und Feindbilder einen Beitrag zu leisten &ndash; leider ein Tropfen auf den hei&szlig;en Stein.<\/p><p>Schon aus diesen Gr&uuml;nden haben Sie, Herr Steinmeier, mit Ihrem Appell als Au&szlig;enminister eines wichtigen EU-Staates, einen bemerkenswerten Schritt unternommen, der breite Unterst&uuml;tzung verdient. Ich bin mir v&ouml;llig im Klaren: dieselben m&auml;chtigen Kr&auml;fte, die die Helsinki-Konferenz im Dezember 2012 verhindert haben, werden alles unternehmen, um auch Ihren Vorsto&szlig; im Keim zu ersticken. Politiker aber werden zu herausragenden Staatsm&auml;nnern, die in die Geschichte eingehen, wenn sie unbeirrt das Richtige zum richtigen Zeitpunkt tun &ndash; und das trotz aller widrigen Umst&auml;nde. Willy Brandt hat es mit seiner Ostpolitik vorgemacht. Ganz in diesem Sinne m&ouml;chte ich, als Mitinitiator der KSZMNO-Initiative, Ihnen folgenden Vorschlag unterbreiten:<\/p><p><strong>Laden Sie bitte Herr Au&szlig;enminister kraft Ihres Amtes s&auml;mtliche Au&szlig;enminister der Staaten des Mittleren und Nahen Ostens und die Au&szlig;enminister der st&auml;ndigen Mitglieder im UN-Sicherheitsrat zu einer Konferenz f&uuml;r Sicherheit und Zusammenarbeit nach Berlin ein, und zwar zum baldm&ouml;glichsten Termin. Handeln Sie jetzt!<\/strong><\/p><p>Damit werden Sie, dessen bin ich mir sicher, die gesamte Friedensbewegung und alle Menschen, die sich nach Frieden in der Welt sehnen, auf Ihrer Seite haben <\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;ssen<br>\nProf. i. R. Dr. Mohssen Massarrat<br>\nBerlin, den 27.07.2014<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sein Optimismus ehrt Prof. Massarrat. Man muss alles versuchen, wenn es um Krieg und Frieden geht. Noch interessant im Kontext: <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/russland-und-die-ukraine-steinmeier-politische-und.868.de.html?dram:article_id=292798\">ein Interview Steinmeiers im Deutschlandfunk<\/a>. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,35,170],"tags":[1557,941,940,2582,252,260],"class_list":["post-22531","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-aufbau-gegenoeffentlichkeit","category-friedenspolitik","tag-israel","tag-ksze","tag-massarrat-mohssen","tag-offener-brief","tag-steinmeier-frank-walter","tag-ukraine"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22531","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=22531"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22531\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":51829,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22531\/revisions\/51829"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=22531"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=22531"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=22531"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}