{"id":2256,"date":"2007-04-13T16:40:16","date_gmt":"2007-04-13T14:40:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2256"},"modified":"2016-01-08T12:26:56","modified_gmt":"2016-01-08T11:26:56","slug":"angela-merkel-mochte-den-verfassungsprozess-bis-2009-abgeschlossen-haben-das-globalisierungskritische-netzwerk-attac-hat-10-prinzipien-fur-einen-demokratischen-eu-vertrag-aufgestellt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2256","title":{"rendered":"Angela Merkel m\u00f6chte den Verfassungsprozess bis 2009 abgeschlossen haben. Das   globalisierungskritische Netzwerk Attac hat 10 Prinzipien f\u00fcr einen demokratischen EU-Vertrag aufgestellt."},"content":{"rendered":"<p>Das globalisierungskritische Netzwerk Attac sieht in der jetzigen Form der Europ&auml;ischen Union eine ernsthafte Bedrohung f&uuml;r demokratische Errungenschaften, Grundrechte, soziale Sicherheit, Geschlechtergleichstellung und &ouml;kologische Nachhaltigkeit. Zudem leide die Union an einem Mangel an Demokratie, Legitimit&auml;t und Transparenz und beruhe auf einer Reihe von Vertr&auml;gen, die den Mitgliedsstaaten und der ganzen Welt eine neoliberale Politik aufdr&auml;ngen. Der vorgeschlagene Verfassungsvertrag stelle keine Verfassung im strengen Sinn dar, sondern es handele sich um eine Zusammenf&uuml;gung und Weiterentwicklung fr&uuml;herer Vertr&auml;ge und Rechtsnormen. Das Netzwerk hat in l&auml;nder&uuml;bergreifender Zusammenarbeit 10 Prinzipien f&uuml;r einen demokratischen EU-Vertrag erarbeitet und das <a href=\"http:\/\/www.attac.de\/aktuell\/presse\/10-Prinzipien-fuer-EU-Vertrag.pdf%20\">Ergebnis [PDF &ndash; 84 KB]<\/a> am 11. M&auml;rz ver&ouml;ffentlicht. Christine Wicht referiert.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Angela Merkel m&ouml;chte den Verfassungsprozess bis 2009 abgeschlossen haben. Das   globalisierungskritische Netzwerk Attac hat 10 Prinzipien f&uuml;r einen demokratischen EU-Vertrag aufgestellt.<\/strong><\/p><p>Von Christine Wicht<\/p><p>&bdquo;Kr&auml;fte b&uuml;ndeln f&uuml;r ein soziales Europa &ndash; f&uuml;r eine soziale Welt&ldquo;, ist das Motto der EU-Ratspr&auml;sidentschaft. Bei ihrer Antrittsrede als EU-Ratspr&auml;sidentin am 17. Januar sagte Angela Merkel &bdquo;Der Verfassungsprozess m&uuml;sse bis zur n&auml;chsten Europawahl 2009 abgeschlossen sein, ein Scheitern w&auml;re ein historisches Vers&auml;umnis.&rdquo; Nach dem &bdquo;Nein&ldquo; in Frankreich und den Niederlanden steht noch immer eine Entscheidung &uuml;ber den Entwurf f&uuml;r eine Verfassung aus. Damit die Verfassung in Kraft treten kann, muss der Vertrag von allen 27 Mitgliedstaaten der Union ratifiziert werden, 18  Mitgliedstaaten haben ihn bislang unterzeichnet. Am 15.\/16. Juni 2006 erhielt die die deutsche Pr&auml;sidentschaft vom Europ&auml;ischen Rat den Auftrag mit den EU-Mitgliedstaaten Gespr&auml;che zu f&uuml;hren. Dem Rat soll ein Bericht &uuml;ber das Ergebnis vorgelegt werden, der als Grundlage f&uuml;r Beschl&uuml;sse dienen soll, um den Verfassungsprozess zielf&uuml;hrend fortsetzen zu k&ouml;nnen. Die EU-Verfassung soll sp&auml;testens vor der Europawahl 2009 in Kraft treten.<br>\nAngela Merkel hat die Verfassung zu einem wichtigen Ziel der EU-Ratspr&auml;sidentschaft erkl&auml;rt: &bdquo; europ&auml;ische Integration muss auch in Zukunft wertegebunden sein. Das f&uuml;hrt unweigerlich zum Verfassungsvertrag. Die Verantwortung, die wir haben, ist uns klar. Ich will aber an dieser Stelle auch deutlich sagen: Das wird ein Prozess sein, der w&auml;hrend unserer Pr&auml;sidentschaft nicht beendet werden wird. Wir wissen: Nizza ist nicht genug. Wir brauchen einen Verfassungsvertrag. Aber wir haben die Aufgabe, zum Ende unserer Ratspr&auml;sidentschaft hin einen Fahrplan vorzulegen, wie es weitergehen kann. Ich hielte es f&uuml;r ein historisches Vers&auml;umnis &ndash; das will ich hier ganz klar sagen &ndash;, wenn wir es nicht schaffen w&uuml;rden, bis zur n&auml;chsten Europawahl mit der Substanz dieses Verfassungsvertrages so umzugehen, dass wir wirklich ein Ergebnis abliefern k&ouml;nnen. Ich werde mich w&auml;hrend unserer Pr&auml;sidentschaft jedenfalls intensiv daf&uuml;r einsetzen &ndash; das gilt auch f&uuml;r die gesamte Bundesregierung &ndash;, dass auf Grundlage der Gemeinsamkeit unserer Werte ein solcher Verfassungsvertrag zustande kommt.&ldquo;<\/p><p>Das globalisierungskritische Netzwerk Attac sieht in der jetzigen Form der Europ&auml;ischen Union eine ernsthafte Bedrohung f&uuml;r demokratische Errungenschaften, Grundrechte, soziale Sicherheit, Geschlechtergleichstellung und &ouml;kologische Nachhaltigkeit. Zudem leide die Union an einem Mangel an Demokratie, Legitimit&auml;t und Transparenz und beruhe auf einer Reihe von Vertr&auml;gen, die den Mitgliedsstaaten und der ganzen Welt eine neoliberale Politik aufdr&auml;ngen. Der vorgeschlagene Verfassungsvertrag stelle keine Verfassung im strengen Sinn dar, sondern es handele sich um eine Zusammenf&uuml;gung und Weiterentwicklung fr&uuml;herer Vertr&auml;ge und Rechtsnormen. Das Netzwerk hat in l&auml;nder&uuml;bergreifender Zusammenarbeit 10 Prinzipien f&uuml;r einen demokratischen EU-Vertrag erarbeitet und das <a href=\"http:\/\/www.attac.de\/aktuell\/presse\/10-Prinzipien-fuer-EU-Vertrag.pdf%20\">Ergebnis [PDF &ndash; 84 KB]<\/a> am 11. M&auml;rz ver&ouml;ffentlicht:<\/p><p><strong>Demokratischen Prozess starten<\/strong><br>\nFormal leide, so Attac, der Vertrag an einem Mangel an demokratischer Legitimation und sei de facto kaum abzu&auml;ndern. Das Netzwerk schl&auml;gt eine neue und demokratische Versammlung vor, die direkt von den B&uuml;rgern und B&uuml;rgerinnen aller EU-Mitgliedsstaaten gew&auml;hlt wird, um einen Vorschlag f&uuml;r einen neuen Vertrag auszuarbeiten. Diese Versammlung soll geschlechterparit&auml;tisch alle Sektoren der Gesellschaft einschlie&szlig;en und generationen&uuml;bergreifend sein. Weitere Forderungen sind die Legitimierung des neuen Vertrags durch Referenda in allen Mitgliedsstaaten  und  Ratifizierungskampagnen, verbunden mit &ouml;ffentlichen Diskussionen, unabh&auml;ngig von &ouml;konomischen Interessen. <\/p><p><strong>Demokratie st&auml;rken<\/strong><br>\nDa die EU an einem schweren Demokratiedefizit leidet (es fehlt ihr eine klare Gewaltenteilung und das Europ&auml;ische Parlament kann weder Gesetze initiieren noch ein Budget beschlie&szlig;en), fordert Attac, dass die Prinzipien eines neuen EU-Vertrages Menschenw&uuml;rde, Rechtsstaatlichkeit, &ouml;konomische und soziale Gerechtigkeit beinhalten m&uuml;ssen. Des Weiteren wird von dem globalisierungskritischen Netzwerk eine klare Trennung von Exekutive, Legislative und Judikative gefordert. Das Monopol der Kommission, Gesetze vorzuschlagen, m&uuml;sse beendet werden. Die Gesetzesinitiative muss, nach Vorstellung von Attac, allen EU-Institutionen und allen B&uuml;rgern offen stehen. F&uuml;r das EU-Parlament wird in allen Politikfeldern ein Gesetzesvorschlags- und Mitentscheidungsrecht gefordert. Dar&uuml;ber hinaus wird eine St&auml;rkung der nationalen und internationalen Parlamente auf nationaler und europ&auml;ischer Ebene verlangt. Dem Europ&auml;ischen Gerichtshof soll so wenig Raum wie m&ouml;glich gelassen werden, als de-facto-Gesetzgeber zu wirken. Nach dem Anspruch von Attac soll die Europ&auml;ische Zentralbank einer  demokratischen Kontrolle unterliegen. Die Ausrichtung der Geldpolitik m&uuml;sse &ouml;konomische Gerechtigkeit, Vollbesch&auml;ftigung und soziale Sicherheit f&uuml;r alle Menschen in Europa beinhalten.<\/p><p><strong>Transparenz schaffen<\/strong><br>\nDa die Diskussionen des Europ&auml;ischen Rats und des Ausschusses der st&auml;ndigen Vertreter  h&auml;ufig unter Ausschluss der &Ouml;ffentlichkeit stattfinden, sei eine Transparenz f&uuml;r die B&uuml;rger nicht gegeben. Zudem, so Attac, w&uuml;rde das Lobbying die Demokratie untergraben, aufgrund dieser Unzul&auml;nglichkeit werden folgende Forderungen aufgestellt:<\/p><ul>\n<li>Alle Sitzungen, Komitees und Arbeitsgruppen des Rates und der Vertreter des st&auml;ndigen Ausschusses m&uuml;ssen &ouml;ffentlich sein.<\/li>\n<li>Alle Informationen m&uuml;ssen allen B&uuml;rgern der Europ&auml;ischen Gemeinschaft zug&auml;nglich sein<\/li>\n<li>Klare Grenzen f&uuml;r den Lobbyismus.<\/li>\n<li>Alle Mitglieder des Europ&auml;ischen Parlaments, der Kommission sowie Mitglieder der Aussch&uuml;sse m&uuml;ssen ihre Interessen und Finanzierungen offen legen<\/li>\n<li>Jeder neue Vertrag soll kurz, in klarer Sprache und f&uuml;r jeden verst&auml;ndlich abgefasst werden.<\/li>\n<li>Alle Sprachen m&uuml;ssen gleich behandelt werden.<\/li>\n<li>Alle Dokumente der EU m&uuml;ssen in allen offiziellen Sprachen der EU verf&uuml;gbar sein.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Partizipation und direkte Demokratie<\/strong><br>\nF&uuml;r Attac ist die direkte Beteiligung aller EU-B&uuml;rger an &ouml;ffentlichen Angelegenheiten notwendig. Dies k&ouml;nnte folgenderma&szlig;en umgesetzt werden: <\/p><ul>\n<li>Indem ein bestimmter Anteil der Gesamtbev&ouml;lkerung, in einer bestimmten Anzahl von Mitgliedsstaaten, ein Gesetz vorschl&auml;gt, &uuml;ber das im Europ&auml;ischen Parlament debattiert und abgestimmt wird.<\/li>\n<li>Indem ein bestimmter Anteil der Gesamtbev&ouml;lkerung in einer bestimmten Anzahl von Mitgliedsstaaten fordert, dass das Europ&auml;ische Parlament ein Referendum in allen Mitgliedsstaaten organisiert.<\/li>\n<li>Indem dem Einfluss von Unternehmensinteressen auf EU-Institutionen und Entscheidungsprozesse durch Transparenz und Einschr&auml;nkung des privilegierten Zugangs eine Grenze gesetzt wird<\/li>\n<li>Indem NGOs f&uuml;r die gesamte EU-Gesetzgebung die gleiche Grundlage einger&auml;umt wird, wie bei der Konsultation anderer Interessengruppen<\/li>\n<li>Indem das erste Referendum in allen Mitgliedsstaaten jenes &uuml;ber den neuen Vertrag ist.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Grundrechte verbessern<\/strong><br>\nJeder Vertrag solle nach Meinung von Attac auf den fortschrittlichsten internationalen Vertr&auml;gen bestehenden Grundrechten aufbauen oder diese verbessern, insbesondere werden hier genannt<\/p><ul>\n<li>die internationale Charta der Menschenrechte<\/li>\n<li>die Europ&auml;ische Konvention f&uuml;r den Schutz der Menschen- und Grundrechte (EMRK)<\/li>\n<li>die Turiner Version der Europ&auml;ischen Sozialcharta (die sp&auml;teren Versionen wurden verw&auml;ssert)<\/li>\n<li>die Europ&auml;ischen Ordnung der sozialen Sicherheit.<\/li>\n<\/ul><p>Attac sieht die Aufnahme verbriefter Grundrechte im Vertrag als notwendigen Schritt, da die Grundrechte in der gegenw&auml;rtig vorgesehenen Formulierung abgeschw&auml;cht und durch Erkl&auml;rungen im Schlussakt stark eingeschr&auml;nkt oder nicht einklagbar sind. Deshalb sollen Grundrechte, wie sie in der EMRK, in der europ&auml;ischen Sozialcharta und in der Europ&auml;ischen Ordnung der sozialen Sicherheit festgelegt sind, bei den nationalen oder europ&auml;ischen Gerichten einklagbar sein. Durch den Beitritt zur EMRK w&uuml;rde erreicht, dass ihre Institutionen auch dem Europ&auml;ischen Gerichtshof f&uuml;r Menschenrechte unterworfen sind. Nach Attac m&uuml;ssen diese fundamentalen Rechte, wie auch die Prinzipien des neuen Vertrags, Vorrang vor dem Prim&auml;r- und Sekund&auml;rrecht der EU haben. Grundrechte d&uuml;rfen des Weiteren nicht durch nationales oder EU-Recht oder durch die pers&ouml;nliche Interpretation des Konventspr&auml;sidiums eingeschr&auml;nkt werden. Attac dringt darauf, dass die genannten Rechte auch in der EU-Au&szlig;enpolitik ber&uuml;cksichtigt werden, insbesondere in den Bereichen Sicherheitspolitik, Migrationspolitik, Umweltpolitik und Handelspolitik.<\/p><p><strong>Demokratische Errungenschaften sch&uuml;tzen und verbessern<\/strong><br>\nUnter dieser &Uuml;berschrift fordert Attac:<\/p><ul>\n<li>Das Recht auf Tarifvertr&auml;ge und das Streikrecht.<\/li>\n<li>Dass die Kernarbeitsstandards der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) den Status von einklagbaren Grundrechten erhalten.<\/li>\n<li>Dass jeder Mitgliedsstaat die M&ouml;glichkeit haben muss, weitergehende Bestimmungen in den Bereichen soziale Sicherheit, Arbeitsstandards, Umweltschutz oder Schutz von Minderheiten zu erlassen oder beizubehalten.<\/li>\n<li>Dass die Europ&auml;ische Union sich als eine Gemeinschaft der Kooperation und nicht als eine der Konkurrenz verstehen muss.<\/li>\n<li>Als Ziel der Europ&auml;ischen Union, die Umwelt-, Sozial- und Arbeitsstandards kontinuierlich zu erh&ouml;hen, um die Verfassungsprinzipien soziale Sicherheit und &ouml;kologische Nachhaltigkeit zu erf&uuml;llen.<\/li>\n<li>Dass Regeln zur Verhinderung von Sozial- und Steuerdumping geschaffen werden m&uuml;ssen<\/li>\n<li>Die Sichergestellung, dass die Aus&uuml;bung von Eigentumsrechten immer gleichzeitig dem &ouml;ffentlichen Wohlergehen dienen muss.<\/li>\n<li>Wirtschaftsdemokratie und &ouml;konomische Teilhabe auf allen Gebieten.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Offenheit gegen&uuml;ber Alternativen Wirtschaftsordnungen<\/strong><br>\nAttac fordert, dass im neuen Vertrag kein bestimmtes Wirtschaftsmodell verankert werden darf, wie es der vorgeschlagene Verfassungsvertrag und auch fr&uuml;here Vertr&auml;ge tun, in welchen  &bdquo;offene Marktwirtschaft mit freiem und unverf&auml;lschter Wettbewerb&ldquo; festgelegt wurde. <\/p><p><strong>Zitat Artikel III-177 der Verfassung:<\/strong><br>\nDie T&auml;tigkeit der Mitgliedsstaaten und der Union im Sinne des Artikel I-3 umfasst nach Ma&szlig;gabe der  Verfassung die Einf&uuml;hrung einer Wirtschaftspolitik, die auf einer engen Koordinierung der Verfassungspolitik der  Mitgliedsstaaten, dem Binnenmarkt und der Festlegung gemeinsamer Ziele beruht und dem Grundsatz einer offenen Marktwirtschaft mit freiem Wettbewerb verpflichtet ist.<\/p><p>Parallel dazu umfasst diese T&auml;tigkeit nach Ma&szlig;gabe der Verfassung und der darin vorgesehenen Verfahren eine einheitliche W&auml;hrung, den Euro, sowie die Festlegung und Durchf&uuml;hrung einer einheitlichen Geld- sowie Wechselkurspolitik, die beide vorrangig das Ziel der Preisstabilit&auml;t verfolgen und unbeschadet des Zieles die allgemeine Wirtschaftspolitik in der Union unter Beachtung des Grundsatzes einer offenen Marktwirtschaft mit freiem Wettbewerb unterst&uuml;tzen sollen. <\/p><p>Die T&auml;tigkeit der Mitgliedsstaaten und der Union setzt die Einhaltung der folgenden richtungsweisenden Grunds&auml;tze voraus: stabile Preise, gesunde &ouml;ffentliche Finanzen und monet&auml;re Rahmenbedingungen sowie eine dauerhaft finanzierbare Zahlungsbilanz.<\/p><p><strong>Artikel III-178 der Verfassung<\/strong><br>\nDie Mitgliedsstaaten richten ihre  Wirtschaftspolitik so aus, dass sie ihm Rahmen der in Artikel III-179 Absatz 2 genannten Grundz&uuml;ge zur Verwirklichung der Ziele der Union im Sinne des Artikel I-3 beitragen. Die Mitgliedsstaaten und die Union handeln im Einklang mit dem Grundsatz einer offenen Marktwirtschaft mit freiem Wettbewerb, wodurch ein effizienter Einsatz der Ressourcen gef&ouml;rdert wird, und halten sich dabei an die in Artikel III-177 genannten Grunds&auml;tze.<\/p><p><strong>Artikel III-179 Absatz 2<\/strong><br>\nDer Rat erstellt auf Empfehlung der Kommission einen Entwurf f&uuml;r die Grundz&uuml;ge der Wirtschaftspolitik der Mitgliedsstaaten und der Union und erstattet dem Europ&auml;ischen Rat hier&uuml;ber Bericht<\/p><p>Die Forderung von Attac nach Offenheit f&uuml;r verschiedene wirtschaftspolitische Ans&auml;tze, beinhaltet auch die Abkehr von der schrankenlosen Geltung der wirtschaftsliberalen Grundfreiheiten Warenverkehrsfreiheit, Niederlassungsfreiheit und Dienstleistungsfreiheit.<\/p><p><strong>Nicht Mittel sondern Ziele definieren<\/strong><br>\nNicht die Art und Weise, wie Politikziele erreicht werden sollen, d&uuml;rfe in den Text aufgenommen werden. Nach Vorstellung von Attac d&uuml;rfen nur die Ziele definiert werden. Als Beispiel wird eine &ldquo;nachhaltige Verkehrspolitik und gleichen Zugang zu Mobilit&auml;t f&uuml;r alle&rdquo; aufgef&uuml;hrt  und nicht wie in der Verfassung in Artikel III-246 geschrieben steht &ldquo;der Auf- und Ausbau transeurop&auml;ischer Netze&rdquo;: <\/p><p><strong>Zitat: Artikel III-246 der  Verfassung<\/strong><br>\nUm einen Beitrag zur Verwirklichung der Ziele der Artikel III-130 und III-220 zu leisten und den Unionsb&uuml;rgerinnen und Unionsb&uuml;rgern, den Wirtschaftsbeteiligten sowie den regionalen und lokalen Gebietsk&ouml;rperschaften in vollem Umfang die Vorteile zugute kommen zu lassen, die sich aus der Schaffung eines Raums ohne Binnengrenzen ergeben, tr&auml;gt die Union zum  Auf- und Ausbau transeurop&auml;ischer Netze in den Bereichen Verkehrs-, Telekommunikations- und Energieinfrastruktur bei.<\/p><p>Die T&auml;tigkeit der Union zielt im Rahmen eines Systems offener und wettbewerbsorientierter M&auml;rkte auf die F&ouml;rderung des Verbunds und der Interoperabilit&auml;t der einzelstaatlichen Netze sowie des Zugangs zu diesen Netzen ab. Sie tr&auml;g insbesondere der Notwendigkeit Rechnung, insulare, eingeschlossene und am Rande gelegene Gebiete mit dem zentralen  Gebieten der Union zu verbinden.<\/p><p><strong>Spirale nach oben bei Sozial- und Steuerstandards<\/strong><br>\nIn einem friedlichen Europa kann nicht ein Wetteifern der Mitgliedsstaaten um niedrigere Steuern und Sozialstandards praktiziert werden. Ein neuer Vertrag, so Attac, m&uuml;sse Bestimmungen enthalten, die eine Spirale nach oben anreizen, dies k&ouml;nnte nach Meinung des globalisierungskritischen Netzwerks durch folgende Ma&szlig;nahmen geschehen:<\/p><ul>\n<li>Durch Ma&szlig;nahmen zur Bek&auml;mpfung von Steuervermeidung und Steuerdumping.<\/li>\n<li>Durch eine Besteuerung von Unternehmensgewinnen und Kapitaleinkommen.<\/li>\n<li>Dadurch, dass eine gemeinsame Sozialpolitik der EU mit hohen sozialen Mindeststandards und Rechten eingef&uuml;hrt wird, die weniger wirtschaftskr&auml;ftige Mitgliedsstaaten aber erst entsprechend der Verbesserung ihrer Wirtschaftskraft erf&uuml;llen m&uuml;ssen (sog. Korridormodell)<\/li>\n<li>In keinem Land d&uuml;rfen h&ouml;here Standards verhindert werden<\/li>\n<\/ul><p><strong>Friedenspflicht und Solidarit&auml;t<\/strong><br>\nAttac kritisiert, dass das Ziel der Sicherheitspolitik nicht Aufr&uuml;stung auf EU-Ebene sein darf, sondern eine Sicherheitspolitik, die auf Frieden ausgerichtet ist und kritisiert in diesem Zusammenhang Artikel I-41 der Verfassung: <\/p><p>Die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik ist integraler Bestandteil der Gemeinsamen Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik. Sie sichert der Union eine auf zivile und milit&auml;rische Mittel gest&uuml;tzte F&auml;higkeit zu Operationen. Auf diese kann die Union bei Missionen au&szlig;erhalb der Union zur Friedenssicherung, Konfliktverh&uuml;tung und St&auml;rkung der internationalen Sicherheit in &Uuml;bereinstimmung mit den Grunds&auml;tzen der Charta der Vereinten Nationen zur&uuml;ckgreifen. Sie erf&uuml;llt Aufgaben mit Hilfe der F&auml;higkeiten, die von den Mitgliedsstaaten bereitgestellt werden.<\/p><p>Die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik umfasst die schrittweise Festlegung einer gemeinsamen Verteidigungspolitik der Union. Diese f&uuml;hrt zu einer gemeinsamen Verteidigung, sobald der Europ&auml;ische Rat dies einstimmig beschlossen hat. Er empfiehlt in diesem Fall den Mitgliedsstaaten, einen Beschluss in diesem Sinne im Einklang mit ihren verfassungsrechtlichen Vorschriften zu erlassen.<br>\nDie Mitgliedsstaaten verpflichten sich, ihre  milit&auml;rischen F&auml;higkeiten schrittweise zu verbessern. Es wird eine Agentur f&uuml;r die Bereiche Entwicklung der Verteidigungsf&auml;higkeiten, Forschung, Beschaffung und R&uuml;stung (Europ&auml;ische Verteidigungsagentur) eingerichtet, deren Aufgabe es ist, den operativen Ma&szlig;nahmen zur St&auml;rkung der industriellen und technologischen Basis des Verteidigungssektors beizutragen und diese Ma&szlig;nahmen gegebenenfalls durchzuf&uuml;hren, sich an der Festlegung einer europ&auml;ischen Politik im Bereich der F&auml;higkeiten und der R&uuml;stung zu beteiligen sowie den Rat bei der Beurteilung der Verbesserung der milit&auml;rischen F&auml;higkeiten zu unterst&uuml;tzen.<\/p><p>Durch die Verpflichtung in Artikel I-41 (3) besteht die Gefahr, dass milit&auml;rische Mittel nicht mehr nur zu Verteidigungszwecken oder allenfalls als ultima ratio eingesetzt werden d&uuml;rfen sondern ganz allgemein zur Konfliktl&ouml;sung oder zur Durchsetzung von &ldquo;strategischen Interessen&rdquo; (Art I-40 (2)). Damit w&auml;re nicht mehr auszuschlie&szlig;en, dass sogar grundlegende wirtschaftliche Ziele mit milit&auml;rischer Gewalt verfolgt werden (wie das im Irak oder in Afghanistan durch die USA geschehen ist). Man bedenke wie viele Kriege um Ressourcen, aus wirtschaftlichem und strategischem Interesse in der Welt gef&uuml;hrt wurden und werden. Auf milit&auml;rische Mittel zur Durchsetzung strategischer Interessen, k&ouml;nnten die EU-Staaten durch den oben genannten Artikel leichter zur&uuml;ckgreifen als das bisher der Fall war. Dar&uuml;ber hinaus w&uuml;rden weltweite Milit&auml;reins&auml;tze Verfassungsrang bekommen. Mit der Formulierung &ldquo;Kampfeins&auml;tze im Rahmen der Krisenbew&auml;ltigung&rdquo; wird Terrorismus zu einem wichtigen Thema gemacht. Es besteht zudem die Gefahr, dass k&uuml;nftige Milit&auml;rinterventionen mit der &ldquo;drohenden Gefahr des Terrorismus&rdquo; gerechtfertigt werden. Des Weiteren steht zu bef&uuml;rchten, dass milit&auml;rische Aufr&uuml;stung &uuml;ber Einsparungen in anderen Politikbereichen, etwa im Sozialbereich finanziert werden, f&uuml;r den eine derartige Verpflichtung zum Aus- und Weiterbau nicht vorgesehen ist. <\/p><p><strong>Attac fordert deshalb:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Die absolute Einhaltung des V&ouml;lkerrechts, einschlie&szlig;lich der Allgemeinen Erkl&auml;rung der Menschenrechte und des Atomwaffensperrvertrages mit seiner Abschlussverpflichtung. Dar&uuml;ber hinaus muss die EU auf eine demokratische Reform der UNO dr&auml;ngen.<\/li>\n<li>F&ouml;rderung der weltweiten Abr&uuml;stung, beginnend im eigenen Land.<\/li>\n<li>Sicherstellung der Unabh&auml;ngigkeit der EU von der NATO.<\/li>\n<li>Relevante Investitionen in den Aufbau von Institutionen, die zu friedlicher Konfliktbeilegung arbeiten und forschen, in allen Mitgliedsstaaten und auf EU-Ebene.<\/li>\n<\/ul><p>Eine Verfassung, die keine sozialen Prinzipien aufweichtt, keine neoliberale Wirtschaftsordnung festschreibt, aber auf einer demokratischen Basis beruht und hohe Standards enth&auml;lt, ist die einzige M&ouml;glichkeit, der EU eine realistische Zukunft in Frieden zu geben. Alles andere f&uuml;hrt nicht, wie uns immer wieder gesagt wird, zu immer gr&ouml;&szlig;erer Gemeinsamkeit in Europa, sondern dazu, dass wegen des gnadenlosen Wettbewerbs der Staaten neuer Hass unter die V&ouml;lker Europas ges&auml;t wird. Eine dahingehende Entwicklung der Europ&auml;ischen Union kann den Traum eines friedlichen und geeinten Europas nicht erf&uuml;llen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das globalisierungskritische Netzwerk Attac sieht in der jetzigen Form der Europ&auml;ischen Union eine ernsthafte Bedrohung f&uuml;r demokratische Errungenschaften, Grundrechte, soziale Sicherheit, Geschlechtergleichstellung und &ouml;kologische Nachhaltigkeit. Zudem leide die Union an einem Mangel an Demokratie, Legitimit&auml;t und Transparenz und beruhe auf einer Reihe von Vertr&auml;gen, die den Mitgliedsstaaten und der ganzen Welt eine neoliberale Politik aufdr&auml;ngen.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2256\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[22,180],"tags":[238,305,315],"class_list":["post-2256","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-europaische-union","category-europaeische-vertraege","tag-attac","tag-menschenrechte","tag-merkel-angela"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2256","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2256"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2256\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30050,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2256\/revisions\/30050"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2256"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2256"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2256"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}