{"id":22574,"date":"2014-07-30T10:20:00","date_gmt":"2014-07-30T08:20:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22574"},"modified":"2014-07-31T17:08:40","modified_gmt":"2014-07-31T15:08:40","slug":"getroffene-hunde-bellen-wie-der-spiegel-auf-kritik-reagiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22574","title":{"rendered":"Getroffene Hunde bellen &#8211; wie der SPIEGEL auf Kritik reagiert"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/140730_spon.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Nicht nur die NachDenkSeiten haben die aktuelle Ausgabe des SPIEGEL <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22546\">scharf kritisiert<\/a>. Nach gerade einmal drei Stunden sah sich SPIEGEL Online bereits gen&ouml;tigt, die Kommentarfunktion zum aktuellen Titelartikel der Printausgabe <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/42\/42371\/1.html\">zu schlie&szlig;en<\/a> &ndash; die Leserkritik, die den Blattmachern ins Gesicht schlug, war hart. Auch intern <a href=\"http:\/\/meedia.de\/2014\/07\/28\/spiegel-ressortleiter-die-drohende-revolte-gegen-chefredakteur-buechner\/\">brodelt es gewaltig<\/a>. Anstatt die Kritik erst einmal sacken zu lassen und zu reflektieren, zeigt sich der SPIEGEL jedoch d&uuml;nnh&auml;utig und versucht sich in einem <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/spiegel-titel-zu-putin-in-eigener-sache-a-983484.html\">Editorial<\/a> f&uuml;r seine Titelgeschichte zu rechtfertigen. Damit macht er die angerichtete Blamage jedoch nur noch gr&ouml;&szlig;er. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9397\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-22574-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140730_Getroffene_Hunde_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140730_Getroffene_Hunde_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140730_Getroffene_Hunde_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140730_Getroffene_Hunde_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=22574-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140730_Getroffene_Hunde_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"140730_Getroffene_Hunde_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Gleich zu Beginn des Editorials stellt der SPIEGEL klar, dass er die auf ihn einprasselnde Kritik nicht ernst nimmt. Sie stamme &ndash; so der SPIEGEL &ndash; auch von &bdquo;organisiert auftretenden, anonymen Usern, die schon seit Monaten jegliche Kritik an Russland [&hellip;] kontern&ldquo;. Kritiker werden also indirekt als f&uuml;nfte Kolonne Moskaus bezeichnet &ndash; das kennt man ja schon aus der McCarthy-&Auml;ra. Mit dieser peinlichen Verschw&ouml;rungstheorie desavouiert der SPIEGEL sich und seine Kritik an der Kritik jedoch nur selbst. <\/p><p>Das Editorial geht jedoch auch inhaltlich in die Vorw&auml;rtsverteidigung. Kritik, nach der das SPIEGEL-Titelbild &bdquo;kriegstreiberisch&ldquo; sei, erkl&auml;ren die Autoren zu einer &bdquo;absurden Behauptung&ldquo;. Man fordere schlie&szlig;lich lediglich, dass &bdquo;Putin [&hellip;] in der Ukraine Einhalt zu gebieten sei&ldquo; &ndash; und zwar &bdquo;ausdr&uuml;cklich nur mit nichtmilit&auml;rischen Mitteln&ldquo;. Da fragt man sich als Leser wiederum, f&uuml;r wie d&auml;mlich der SPIEGEL seine Leser h&auml;lt. Es gibt wohl keinen historischen Pr&auml;zedenzfall, in dem eine milit&auml;rische Auseinandersetzung ohne eine Eskalationsstrategie ausgekommen w&auml;re. &bdquo;Nichtmilit&auml;rische&ldquo; Schritte waren dabei stets die ersten Eskalationsstufen. Und wer sich einmal den Leitartikel &bdquo;Ende der Feigheit&ldquo;, der als Anhang zum Editorial noch einmal ver&ouml;ffentlicht wurde, genau durchliest, kann ganz einfach nicht zu dem Schluss kommen, das hier keine &bdquo;Kriegshetze&ldquo; vorgenommen wird. Warum?<\/p><ul>\n<li>Der martialische Ton: Putin &bdquo;muss [&hellip;] zur Rechenschaft gezogen werden&ldquo;, er hat &bdquo;sein wahres Gesicht gezeigt&ldquo;, ist ein &bdquo;Paria der Wertegemeinschaft&ldquo;; der Abschuss von MH 17 ist ein &bdquo;Symbol f&uuml;r [seine] Ruchlosigkeit&ldquo;. Ja geht&acute;s denn bittesch&ouml;n nicht ein kleines bisschen leiser? Mit seri&ouml;sem Journalismus hat diese Rhetorik jedenfalls nichts zu tun.<\/li>\n<li>Die Festlegung auf einen Schuldigen: Wer jemanden zur Rechenschaft ziehen will, ist von dessen Schuld &uuml;berzeugt. Im gesamten Leitartikel gibt es demzufolge auch keinen einzigen Zweifel an der Schuld Putins. Hat der SPIEGEL Informationen, die den Regierungen in Washington und Berlin nicht vorliegen? Liegt dem SPIEGEL ein Beweis vor, dass Putin als Person und Pr&auml;sident etwas mit dem Abschuss von MH 17 zu tun hatte? Offenbar ja, ansonsten w&uuml;rde man schlie&szlig;lich zur&uuml;ckhaltender formulieren &ndash; die hochbezahlten Schreiber des SPIEGEL sind ja nun keine Amateure und wissen ganz genau, was derartige Formulierungen im Kopf der Leser anrichten. Der SPIEGEL bleibt jedoch jegliche Untermauerung seiner Schuldfestlegung schuldig. Und solange der SPIEGEL keine Beweise vorlegen kann, muss er sich auch den Vorwurf gefallen lassen, &bdquo;kriegstreiberisch&ldquo; zu sein.<\/li>\n<li>Die Personifizierung: Mit keinem Wort geht der SPIEGEL darauf ein, dass Russland &ndash; wie jedes andere Land auf der Welt auch &ndash; kein monolithischer Block ist, sondern verschiedene Interessengruppen auf die Politik <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22496\">einwirken<\/a> und auch Politik machen. F&uuml;r den SPIEGEL ist Putin allm&auml;chtig. Das kennt man ansonsten nur von Hitler oder vielleicht noch Stalin. Diese Personifizierung dient nat&uuml;rlich ausschlie&szlig;lich der Meinungsmache. <\/li>\n<li>Das Weglassen von Informationen, die nicht ins eigene Bild passen: Selbst Experten m&uuml;ssen bei der Frage passen, wer f&uuml;r den Abschuss von MH 17 verantwortlich ist. Der SPIEGEL &bdquo;wei&szlig;&ldquo; es jedoch ganz genau. Die Frage, wer f&uuml;r den B&uuml;rgerkrieg im Donbass die Verantwortung tr&auml;gt, ist ebenfalls nicht so leicht zu beantworten. Auch hier &bdquo;kennt&ldquo; der SPIEGEL den Verantwortlichen ganz genau und nennt ihn auch beim Namen: Putin. Auf kritische T&ouml;ne gegen&uuml;ber Kiew, Berlin und Washington wartet man als SPIEGEL-Leser vergebens. Man kann das f&uuml;r &bdquo;Meinungsjournalismus&ldquo; halten. Man kann es allerdings auch &bdquo;Meinungsmache&ldquo; nennen. <\/li>\n<\/ul><p>Leider erinnert der SPIEGEL in seiner Vorw&auml;rtsverteidigung nicht an ein verantwortungsvolles Nachrichtenmagazin, das sich &uuml;ber die Folgen seines Tuns im Klaren ist. Das ganze Editorial erinnert mehr an den Beitrag eines Trolls in einem Internetforum. Man bedient sich munter stilistisch bei Schopenhauers eristischer Dialektik um Recht zu bekommen, ohne Recht zu haben. Das mag bei einer &bdquo;Diskussion&ldquo; auf Facebook ja ganz nett sein &ndash; f&uuml;r das Editorial des wohl immer noch angesehensten deutschen Wochenblatts ist dies einfach nur peinlich. Ja, hier liegt ein eklatanter Fall von Versagen der Eliten vor. Der SPIEGEL trollt fr&ouml;hlich und munter vor sich hin und ist sich nicht im geringsten dar&uuml;ber klar, was er damit anrichtet.<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Die meisten Konflikte, welche die Welt im Laufe der letzten Jahrzehnten gesehen hat, sind nicht hervorgerufen worden durch f&uuml;rstliche Ambitionen oder ministerielle Umtriebe, sondern durch leidenschaftliche Erregung der &ouml;ffentlichen Meinung, die durch Presse und Parlament die Exekutive mit sich fortriss&ldquo;. <\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><em>Reichskanzler Bernhard von B&uuml;low im M&auml;rz 1909 vor dem deutschen Parlament[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>]<\/em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/e596dd2330194b8ebe3a76a7956ca92b\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] zitiert in: Christopher Clark &ndash; Die Schlafwandler<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/140730_spon.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Nicht nur die NachDenkSeiten haben die aktuelle Ausgabe des SPIEGEL <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22546\">scharf kritisiert<\/a>. Nach gerade einmal drei Stunden sah sich SPIEGEL Online bereits gen&ouml;tigt, die Kommentarfunktion zum aktuellen Titelartikel der Printausgabe <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/42\/42371\/1.html\">zu schlie&szlig;en<\/a> &ndash; die Leserkritik, die den Blattmachern ins Gesicht schlug, war<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22574\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,183,121,171],"tags":[915,420],"class_list":["post-22574","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-medienkritik","category-meinungsmache","category-militaereinsaetzekriege","tag-putin-wladimir","tag-spiegel"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22574","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=22574"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22574\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22578,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22574\/revisions\/22578"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=22574"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=22574"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=22574"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}