{"id":2271,"date":"2007-04-18T17:41:28","date_gmt":"2007-04-18T15:41:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2271"},"modified":"2016-01-08T12:09:40","modified_gmt":"2016-01-08T11:09:40","slug":"setzt-die-politik-die-richtigen-prioritaten-und-warum-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2271","title":{"rendered":"Setzt die Politik die richtigen Priorit\u00e4ten? Und warum nicht?"},"content":{"rendered":"<p>In wichtigen Reden unserer Politiker &ndash; von Schr&ouml;der &uuml;ber K&ouml;hler bis zu Merkel und M&uuml;ntefering &ndash; wird oft von wichtigen Herausforderungen gesprochen. Und dann werden sie markiert: erstens die Globalisierung und zweitens der demographische Wandel. Wir haben das alle im Ohr. Diese &bdquo;Herausforderungen&ldquo; pr&auml;gen dann die Priorit&auml;ten der Politik. Tun sie das zurecht? Sind die genannten Herausforderungen wirklich die dringlichsten? Der demographische Wandel zumindest scheint mir gemessen an anderen Herausforderungen geradezu negligable. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nIn einer <a href=\"?p=2154\">Tagebuchnotiz vom 5. M&auml;rz<\/a> wies ich daraufhin, wie seltsam es anmutet, dass die Politik erst jetzt den Klimawandel als Problem entdeckt. Dass dies nicht vorher geschah, hat viel damit zu tun, wer die &ouml;ffentliche Meinung macht und aus welchen Motiven? In vielen Beitr&auml;gen haben wir in der NachDenkSeiten belegt, dass der demographische Wandel als eine der ganz gro&szlig;en Herausforderungen beschrieben und thematisiert wird, weil dann die Umstellung auf Privatvorsorge (obwohl unlogisch) als zwingend erscheint. Das liegt im Interesse der Versicherungswirtschaft. Deshalb wird die Demographie zum gro&szlig;en Thema gemacht.<br>\nDas ist in Deutschland gelungen, obwohl mit H&auml;nden zu greifen ist, dass wir heute und auf absehbarer Zeit nicht unter einer schlechten demographischen Relation sondern unter hoher Arbeitslosigkeit und prek&auml;ren Arbeitsverh&auml;ltnissen leiden. Es gibt fast 53 Millionen Menschen unter 65 Jahren in Deutschland und nur rund 15 Millionen &uuml;ber 65. Das ist eine gl&auml;nzende demographische Relation. Schlimm und von gravierender Folgen f&uuml;r die Sozialversicherungen ist, dass &uuml;ber 5 Millionen effektiv arbeitslos sind und nur rund 26 Millionen in sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverh&auml;ltnissen. Schlimm ist, dass die L&ouml;hne und Geh&auml;lter der Normalverdiener seit rund 15 Jahren stagnieren und sogar real abnehmen.<br>\nDer demographische Wandel wird dennoch zu einer gro&szlig;en Herausforderung hochstilisiert. Das hat mit den Interessen der Versicherungswirtschaft zu tun und damit, dass die Bildung der &ouml;ffentlichen Meinung wesentlich von diesen Interessen bestimmt wird. Die Versicherungskonzerne haben sich Politiker, Wissenschaftler, Medien zu Diensten gemacht. Das ist in vielen Beitr&auml;gen der NachDenkSeiten mit Fakten belegt.<br>\nObwohl die Zusammenh&auml;nge klar sind, haben die f&uuml;hrenden Politiker wie die interessierte Wirtschaft, die Wissenschaft und die Medien an der st&auml;ndigen Wiederholung der angeblichen zentralen Herausforderung festgehalten.<br>\nDieses Gegenseitig-sich-best&auml;tigen vermittelt Sicherheit. Auch das ist einer der Gr&uuml;nde f&uuml;r das Setzen falscher Priorit&auml;ten.<\/p><p>Ich nenne einige Herausforderungen, die aus meiner Sicht um vieles gravierender sind als der demographische Wandel und entsprechende Priorit&auml;t beim politischen Handeln verlangen w&uuml;rden &ndash; ohne jeglichen Anspruch auf Vollst&auml;ndigkeit. Als Ansto&szlig; zum Weiterdenken und &ndash;pr&uuml;fen gedacht:<\/p><ol>\n<li><strong>Die gesundheitlichen und psychischen Folgen der hohen und langen Arbeitslosigkeit und Armut.<\/strong><br>\nDass jemand verhungert wie jetzt gerade in Speyer, dass sich viele Menschen umbringen, weil sie sich deklassiert und entwurzelt f&uuml;hlen &ndash; wovon &uuml;brigens wenig berichtet wird -, das ist nur die Spitze des Eisbergs, genauer: des Unheils, das Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Krisen in vielen Familien anrichten. (Im Kapitel IV von &bdquo;Machtwahn&ldquo; habe ich &uuml;brigens versucht, diese Folgen genauer zu beschreiben)<br>\nDass neoliberale Kreise diese schlimmen Folgen hinnehmen, weil sie eine gewisse Arbeitslosigkeit f&uuml;r hilfreich halten, um die L&ouml;hne niedrig zu halten, das wissen wir. Dass das von einem Sozialdemokraten, dass das von Franz M&uuml;ntefering gef&uuml;hrte Bundesministerium f&uuml;r Arbeit und Soziales Newsletter an Lehrerinnen und Lehrer zur Verwendung im Unterricht verschickt, in denen zu lesen steht, Arbeitslosigkeit sei &bdquo;aus wirtschaftlicher Sicht richtig und nahezu unabdingbar&ldquo;, das hatten wir eigentlich f&uuml;r unm&ouml;glich gehalten. Lesen Sie, was uns einer unserer Nutzer geschickt hat, und nutzen Sie diesen Text zur Aufkl&auml;rung: \n<blockquote><p>Beiliegend &uuml;bersende ich Ihnen eine (abo)-Information aus dem BMAS (!!) u.a. mit dem Arbeitsblatt &ldquo;Arbeitslosigkeit hat viele Gesichter&rdquo;.<\/p>\n<p>Interessant was das BMAS und die Arbeitsgemeinschaft Jugend und Bildung zum Thema &lsquo;Arbeitslosigkeit&rsquo; erstellt haben und den Lehrerinnen und Lehrern zur Verwendung im Unterricht so anbieten.<\/p>\n<p>Im &ldquo;Arbeitblatt: Arbeitslosigkeit \/ Arbeitslosigkeit hat viele Gesichter&rdquo; wird an vorderster Stelle gleich im ersten Satz behauptet: <strong>&ldquo;Arbeitslosigkeit ist ein fester Bestandteil unseres Wirtschaftskreislaufes. Dass sie entsteht ist aus wirtschaftlicher Sicht richtig und nahezu unabdingbar.&rdquo;<\/strong><\/p>\n<p>Klasse! Da werden die Sch&uuml;ler\/innen doch gut vorbereitet, sie lernen, Arbeitslosigkeit geh&ouml;rt dazu und ist ja aus wirtschaftlicher Sicht richtig und nahezu unabdingbar. Da &uuml;berlegt man keine Forderungen an die Wirtschaft oder die Politik, die sind aus der Verantwortung.<\/p><\/blockquote>\n<\/li>\n<li><strong>Die Folgen der Entsolidarisierung und Spaltung unserer Gesellschaft.<\/strong><br>\nDas wird unser Land total ver&auml;ndern, &uuml;brigens mit gro&szlig;en Folgen f&uuml;r die innere Sicherheit und die Kreativit&auml;t. Wenn der Zusammenhalt v&ouml;llig zerbricht, weil schon den Jungen eingeh&auml;mmert wird, jeder sei seines Gl&uuml;ckes Schmied, dann ver&auml;ndert dies die Grundstrukturen einer Gesellschaft. Und &uuml;brigens auch die Bereitschaft zur politischen Beteiligung. Damit bin ich bei einer dritten gravierenden Herausforderung:<\/li>\n<li>Die <strong>Ent-demokratisierung durch Konzentration der Medien und weit gehende Gleichrichtung der Meinungsbildung.<\/strong><\/li>\n<li><strong>Die Kommerzialisierung weiter Lebensbereiche einschlie&szlig;lich der elektronischen Medien<\/strong> und ihre mit dem Dr&auml;ngen nach Einschaltquoten bewirkte Dominanz im Lebensalltag vieler Menschen. Verbl&ouml;dung, Verwahrlosung von Jugendlichen, Desinteresse sind die Folgen.<\/li>\n<li><strong>Drohende Konflikte mit islamischen Staaten.<\/strong><br>\nHier m&uuml;ssten Priorit&auml;ten gesetzt werden &ndash; nicht im Sinne einer sich hoch schaukelnden Eskalation.<\/li>\n<li><strong>Die Militarisierung der Politik<\/strong><\/li>\n<li><strong>Artensterben<\/strong><br>\nDas mag man, weil man diesen Wandel kaum bemerkt, als wenig relevant betrachten. Ich sehe das anders und verweise z. B. auf folgenden Beitrag: <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/online\/2007\/16\/bienensterben-usa?page=all\">ZEIT online, 17.4.2007 &ndash; 12:51 Uhr<\/a>\n<blockquote><p><strong>Der Milliardenkollaps<\/strong><\/p>\n<p>Ein mysteri&ouml;ses Bienensterben ersch&uuml;ttert die USA &ndash; und neuerdings auch Europa: T&auml;glich verschwinden Zehntausende Insekten. Mittlerweile ist eine Milliarden schwere Industrie in Gefahr. Von Jennifer Lachman, New York<\/p><\/blockquote>\n<\/li>\n<li><strong>Und dann noch der Klimawandel.<\/strong> Dazu zwei Links aus neuerer Zeit zu wichtigen Beitr&auml;gen:<br>\nQuelle 1: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/natur\/0,1518,477257,00.html\">SPIEGEL Online<\/a><br>\nQuelle 2: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/mensch\/0,1518,445410,00.html\">SPIEGEL Online<\/a>\n<p>Die meisten dieser Herausforderungen sind heute ziemlich irrelevant f&uuml;r die politische Priorit&auml;tensetzung. &Auml;hnliches gilt f&uuml;r die Medien. Zur Zeit l&auml;uft zum Beispiel wieder eine Welle zur Dramatisierung der Demographie, in der <a href=\"http:\/\/www.ard.de:80\/zukunft\/kinder-sind-zukunft\/kinder-brauchen-familie\/generationenvertrag\/-\/id=520622\/nid=520622\/did=553958\/12tktgc\/index.html%20\">ARD<\/a> und bei Arte sogar.<\/p><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In wichtigen Reden unserer Politiker &ndash; von Schr&ouml;der &uuml;ber K&ouml;hler bis zu Merkel und M&uuml;ntefering &ndash; wird oft von wichtigen Herausforderungen gesprochen. Und dann werden sie markiert: erstens die Globalisierung und zweitens der demographische Wandel. Wir haben das alle im Ohr. Diese &bdquo;Herausforderungen&ldquo; pr&auml;gen dann die Priorit&auml;ten der Politik. Tun sie das zurecht? 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