{"id":2272,"date":"2007-04-19T08:37:20","date_gmt":"2007-04-19T06:37:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2272"},"modified":"2016-01-08T12:03:06","modified_gmt":"2016-01-08T11:03:06","slug":"deutschland-einig-uberwachungsland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2272","title":{"rendered":"Deutschland, einig \u00dcberwachungsland"},"content":{"rendered":"<p>Christine Wicht gibt f&uuml;r uns einen &Uuml;berblick &uuml;ber die geplanten &Uuml;berwachungsma&szlig;nahmen und &uuml;ber die aktuelle Diskussion dar&uuml;ber. Ist der Kampf gegen den Terrorismus nur ein Vorwand f&uuml;r die Sicherheitsmanie und die damit verbundene Einschr&auml;nkung der Freiheitsrechte der B&uuml;rger? Geht es vielleicht eher um die Ablenkung von viel dr&auml;ngenderen Problemen in unserer Gesellschaft und um die Angst konservativer Politiker vor sozialen Konflikten?<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Deutschland, einig &Uuml;berwachungsland oder die kontinuierliche Umsetzung der Vision aus George Orwells Buch &ldquo;1984&rdquo;<\/strong><\/p><p>von Christine Wicht<\/p><p>Zur Bek&auml;mpfung der Kriminalit&auml;t beabsichtigt die Bundesregierung eine &Auml;nderung des Passgesetzes (PassG). Das Bundesinnenministerium best&auml;tigte am 12. April, dass die Polizei zur Verfolgung von Straftaten k&uuml;nftig auf digitalisierte Passbilder zugreifen kann. Mit diesem Gesetz sollen die rechtlichen Grundlagen f&uuml;r die elektronischen Reisep&auml;sse mit biometrischen Daten geschaffen werden, die ab November ausgegeben werden. Die geplante Nutzung der biometrischen Passbilder wurde heftig von der FDP, der Linkspartei und den Gr&uuml;nen kritisiert. Der Koalitionspartner SPD will dem Vorhaben nur in eingeschr&auml;nkter Form zustimmen. <\/p><p>Seit Ende 2005 enthalten neue Reisep&auml;sse einen Chip, auf dem das Passbild in digitalisierter Form gespeichert ist. Ab November 2007 soll dieser Chip zus&auml;tzlich die digitalisierten Abdr&uuml;cke der zwei Zeigefinger enthalten. Bei Passkontrollen soll auf diese Weise sichergestellt werden, dass die kontrollierte Person nicht den fremden Pass einer &auml;hnlich aussehenden Person vorlegt. Nach dem Passgesetz d&uuml;rfen die biometrischen Daten nur auf dem Pass gespeichert und zudem lediglich zur Identifizierung des Passinhabers verwendet werden. Die &Auml;nderung des Passgesetzes, welche die Zugriffsrechte der Polizei ausweitet, k&ouml;nnte noch vor der Sommerpause in Kraft treten. <\/p><p>Laut Information einer Sprecherin des Bundesinnenministeriums, m&uuml;ssen dem Entwurf zufolge durch die Ordnungs- und Sicherheitsbeh&ouml;rden die Passdaten bei den insgesamt rund 5300 Passregistern in Deutschland im Einzelfall abgefragt werden. Die Sprecherin widersprach Angaben, wonach k&uuml;nftig auch biometrische Passdaten auf Antrag abgefragt werden k&ouml;nnen. Eine dauerhafte Speicherung solcher Daten, wie etwa Fingerabdr&uuml;cken, sei &laquo;gegenw&auml;rtig nicht vorgesehen&raquo;. Im Rahmen der &Auml;nderung des Passgesetzes sei lediglich eine &Uuml;berpr&uuml;fung von Passfotos f&uuml;r Verkehrsdelikte etwa zum Abgleich f&uuml;r eine Fahrzeughalterfeststellung vorgesehen. Von dieser M&ouml;glichkeit k&ouml;nnten die Beh&ouml;rden bereits jetzt Gebrauch machen. Im Zuge der Gesetzesberatungen sei &laquo;im Bundesrat der Vorschlag gekommen&raquo;, diese Option &laquo;auf Straftaten auszuweiten&raquo;.<\/p><p>Der Datenschutzbeauftragte Peter Schaar sieht die Freiheit &bdquo;scheibchenweise verloren&ldquo; gehen. Schaar bezeichnete die Pl&auml;ne als &bdquo;Wortbruch&ldquo;. Bei Einf&uuml;hrung der E-P&auml;sse habe die Bundesregierung &bdquo;hoch und heilig versprochen, es g&auml;be keine zentralisierte Referenzdatei&ldquo;. Nun komme man auf dem Umweg der Vernetzung der 5300 Pass- und Personalausweisregister &bdquo;zu genau demselben Ergebnis&ldquo;. Der Datenschutzbeauftragte warnte vor einer &laquo;vollst&auml;ndigen erkennungsdienstlichen Datei der gesamten Bev&ouml;lkerung&raquo;, die in einem n&auml;chsten Schritt mit der<br>\nVideo&uuml;berwachung kombiniert werden k&ouml;nne. Das Bundeskriminalamt hatte k&uuml;rzlich ein System getestet, das Gesichter aus Menschenmengen herausfiltert und diese sofort mit Bildern aus einer Datenbank vergleicht.<\/p><p>Der ehemalige Innenminister Otto Schily (SPD) (inzwischen <a href=\"?p=1510\">Aufsichtsratsmitglied eines Biometrie-Unternehmens<\/a>), betonte noch im Mai 2005, dass die biometrischen Daten ausschlie&szlig;lich auf dem Pass gespeichert w&uuml;rden. Bereits im Jahr 2004 haben sich die Innenminister der EU darauf geeinigt, dass die Reisep&auml;sse der EU-B&uuml;rger einen Chip erhalten, auf welchem Fingerabdr&uuml;cke und digitalisierte Fotos gespeichert werden k&ouml;nnen. Mit der Begr&uuml;ndung der Terrorismusbek&auml;mpfung forcierte der damalige Innenminister Schily das Vorhaben. Anl&auml;sslich der Feier des 125. Jubil&auml;ums der Gr&uuml;ndung der Reichsdruckerei im September 2004, bezeichnete Schily die Speicherung biometrischer Daten als wichtigsten Baustein im Gesamtkonzept der Terrorismusbek&auml;mpfung. Sie sei geeignet, potentielle Attent&auml;ter zu identifizieren. Nun beabsichtigt das Bundesinnenministerium einen erweiterten Zugriff auf die Daten. <\/p><p>Betroffen von der neuen Regelung sind alle B&uuml;rger, die seit November 2005 einen Reisepass beantragt haben, da der Chip im Ausweis den Zugriff erm&ouml;glicht.<\/p><p><strong>Speicherung der Fingerabdr&uuml;cke &ndash; ein weiterer Schritt zum &Uuml;berwachungsstaat<\/strong><br>\nZum Vorschlag Sch&auml;ubles die Fingerabdr&uuml;cke, die k&uuml;nftig auf einem Chip auf den Reisep&auml;ssen gespeichert werden, bei den Melde&auml;mtern zu sammeln, &auml;u&szlig;erte sich Sebastian Edathy (SPD), Vorsitzender des Innenausschusses, ablehnend: &bdquo;Wir sind kein &Uuml;berwachungsstaat und wollen es auch nicht werden&ldquo;. Seiner Auffassung nach sei die Speicherung der Daten nicht vereinbar mit einem demokratischen Rechtsstaat, dessen Grundlage die allgemeine Unschuldsvermutung seiner B&uuml;rger ist. <\/p><p>Die innenpolitische Sprecherin Gisela Piltz, FDP kritisierte, dass Sch&auml;uble bislang noch nicht erkl&auml;rt habe, warum die Ma&szlig;nahmen f&uuml;r den Terrorkampf erforderlich seien. Auch Piltz wandte sich gegen die Sammlung von Fingerabdr&uuml;cken. Sie warf dem Minister vor, biometrische Daten zur erkennungsdienstlichen Behandlung aller Deutschen zu missbrauchen. Die Fraktionsvorsitzende der FDP, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, bezeichnete die Pl&auml;ne Sch&auml;ubles als &bdquo;v&ouml;llig unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig&ldquo; und sagte, &bdquo;Jetzt m&uuml;sse endlich Schluss sein&ldquo;. <\/p><p><strong>Rechtsstaatliche Linien werden &uuml;berschritten<\/strong><br>\nWolfgang Wieland, Sprecher f&uuml;r Innere Sicherheit der Fraktion B&uuml;ndnis 90\/Die Gr&uuml;nen, sagte am 12. April in Berlin, mit den Pl&auml;nen &uuml;berschritten Sch&auml;uble und die CDU-gef&uuml;hrten L&auml;nder &laquo;s&auml;mtliche rechtsstaatlichen Linien. Wir erwarten von der SPD, dass sie diesen ma&szlig;losen &Uuml;berwachungswahn umgehend stoppt.&raquo; Mit der Schaffung einer Zentraldatei der Biometriedaten aller Deutschen werde seiner Ansicht nach &bdquo;jeder rechtsstaatliche Rahmen gesprengt&ldquo;. Wieland betonte, dass bislang Fingerabdr&uuml;cke und biometrisches Passbild nach geltendem Recht nur auf dem Pass gespeichert werden d&uuml;rfen und dies diene ausschlie&szlig;lich zur Identifizierung des rechtm&auml;&szlig;igen Besitzers des Ausweises.<\/p><p><strong>Zugriff in begr&uuml;ndeten Einzelf&auml;llen<\/strong><br>\nF&uuml;r Dieter Wiefelsp&uuml;tz, dem innenpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion, k&auml;me ein polizeilicher Zugriff auf biometrische Passfotos &bdquo;in begr&uuml;ndeten Einzelf&auml;llen&ldquo; in Frage. Einzelf&auml;lle seien f&uuml;r ihn &bdquo;nachts oder am Wochenende, wenn die Melde&auml;mter geschlossen sind&ldquo;. Wiefelsp&uuml;tz sagte, dass die SPD Sch&auml;ubles vorgehen generell mit &bdquo;erheblicher Skepsis&ldquo; gegen&uuml;ber stehe. Weitergehende Unions-Forderungen nach einem Zugriff auf die Fingerabdr&uuml;cke lehnte der innenpolitische Sprecher als &bdquo;verfassungswidrig&ldquo; ab, denn Fingerabdr&uuml;cke d&uuml;rfen nur dann genommen werden, wenn ein konkreter Tatverdacht bestehe.<\/p><p><strong>Abfragen zur Aufkl&auml;rung von Verkehrsordnungswidrigkeiten<\/strong><br>\nWolfgang Bosbach, stellvertretender Vorsitzender der CDU\/CSU-Bundestagsfraktion, machte darauf aufmerksam, dass die Polizei auf Antrag bereits heute Passbilder zur Aufkl&auml;rung von Verkehrsordnungswidrigkeiten abfragen d&uuml;rfe. Dies solle k&uuml;nftig zur Verfolgung von Straftaten lediglich auch online und au&szlig;erhalb der Dienstzeiten m&ouml;glich sein.<\/p><p><strong>Terrorismusbek&auml;mpfung als Deckmantel<\/strong><br>\nSt&auml;ndig neue Vorhaben &uuml;ber weitere Datenspeicherungen, wie die Nutzung der Mautdaten zur Verbrechensbek&auml;mpfung, Telefon&uuml;berwachung und Onlinedurchsuchungen unter dem Deckmantel der Terrorismusbek&auml;mpfung, lassen Deutschland zunehmend zu einem &Uuml;berwachungsstaat nach der Vision des Buches &bdquo;1984&ldquo; von George Orwell werden. Die aktuell bekannt gewordenen Pl&auml;ne von Bundesinnenminister Wolfgang Sch&auml;uble zur Versch&auml;rfung der Sicherheitsgesetze sto&szlig;en beim Koalitionspartner SPD bisher auf entschiedenen Widerspruch. Klaus Uwe Benneter, Rechts- und Innenpolitiker der SPD, nannte die Vorschl&auml;ge Sch&auml;ubles einen billigen Versuch, sich politisch zu profilieren. Sebastian Edathy (SPD), sprach von einer Bedrohung f&uuml;r die Balance zwischen Innerer Sicherheit und B&uuml;rgerrechten. Des Weiteren warnte Edathy davor, heimliche Online-Durchsuchungen als Standard-Ermittlungsinstrument einzuf&uuml;hren, dies k&ouml;nne, so der Vorsitzenden des Innenausschusses, nur die ultima ratio sein.<\/p><p>Der Bundesdatenschutzbeauftragte, Peter Schaar, &auml;u&szlig;erte im WDR, das er gr&ouml;&szlig;ere Befugnisse des Bundeskriminalamts zur Verbrechensverfolgung &bdquo;ziemlich kritisch&ldquo; sehe. Man wisse ja im Vorfeld noch nicht genau, wonach und nach wem man suche. F&uuml;r Peter Schaar ist es problematisch eine L&ouml;sung zu finden, die auf terroristische Straft&auml;ter abzielt und nicht auf normale B&uuml;rger oder den ganz gew&ouml;hnlichen Internetsurfer. Der Datenschutzbeauftragte k&uuml;ndigte an, sich alle Vorschl&auml;ge sehr genau anzusehen.<\/p><p>Der Innenexperte der Gr&uuml;nen Wolfgang Wieland bezeichnete im Deutschlandradio die Pl&auml;ne Sch&auml;ubles als &ldquo;Totalaussp&auml;hung&rdquo; der pers&ouml;nlichen Sph&auml;re von B&uuml;rgern. Seiner Ansicht will Sch&auml;uble das heimliche Eindringen in PC-Datenbest&auml;nde, bei gleichzeitiger Kommunikations&uuml;berwachung und Lauschangriffen &uuml;ber Webcams erm&ouml;glichen. Dass dies alles ohne Wissen der B&uuml;rger und ohne rechtliches Entgegenwirken stattfinden soll, kritisierte Wieland. Damit w&uuml;rde Sch&auml;uble die weitestgehende Eingriffsbefugnis, die im Computerzeitalter vorstellbar sei, planen. Wieland hatte am 12. M&auml;rz eine schriftliche Frage an das Bundesministerium des Innern zu Online-Durchsuchungen von Geheimdiensten gestellt und geht am 23. M&auml;rz in einer Pressemitteilung auf die Antwort des Bundesinnenministeriums des Innern ein: <em>&ldquo;Die B&uuml;rger m&uuml;ssen nach Auskunft des Ministeriums damit rechnen, dass die Inhalte ihrer PCs von deutschen Geheimdiensten ohne ausreichende Rechtsgrundlage und unter Bruch ihrer &mdash; in der Verfassung verb&uuml;rgten &mdash; Grundrechte heimlich ausgesp&auml;ht werden.&rdquo;<\/em> Auf die Frage von Wieland ob dies bereits praktiziert werde, blieb das Ministerium die Antwort schuldig. Wielands Schlussfolgerung daraus ist, das Geheimdienste bereits hacken, ungeniert und unkontrolliert. <\/p><p>Innenexperten von SPD und Gr&uuml;nen wenden sich entschieden gegen Pl&auml;ne von Sch&auml;uble, Online-Durchsuchungen von Computern zu erm&ouml;glichen. Der Innenminister Schleswig-Holsteins, Ralf Stegner, sagte am 4. M&auml;rz im Deutschlandfunk, das er &uuml;berhaupt nicht davon &uuml;berzeugt sei, dass solche Untersuchungen notwendig seien. Zudem w&uuml;rden Online-Durchsuchungen, &auml;hnlich wie die Telefon&uuml;berwachung, gravierend in die Grundrechte eingreifen.<br>\nDer FDP-Innenexperte Hartfried Wolff und die Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Gisela Piltz, stellten ebenfalls eine parlamentarische Anfrage an die Bundesregierung. In einer Pressemitteilung vom 21. M&auml;rz nehmen die beiden FDP-Politiker Stellung zur erteilten Antwort. Ihrer Auffassung nach h&auml;lt die Bundesregierung Online-Durchsuchungen ohne ausdr&uuml;ckliche gesetzliche Grundlage f&uuml;r gesetzm&auml;&szlig;ig. Sie werfen der Regierung vor, die &Ouml;ffentlichkeit bislang in der Diskussion um die Online-Durchsuchungen get&auml;uscht zu haben: &ldquo;Auf die Frage nach der gesetzlichen Grundlage zu den von Bundesinnenminister Sch&auml;uble verlangten Online-Durchsuchungen hat die Bundesregierung erkl&auml;rt, das Bundesamt f&uuml;r Verfassungsschutz habe schon jetzt das Recht zu Online-Durchsuchungen.&rdquo; Die FDP-Politiker forderten die Bundesregierung auf, umfassend und umgehend darzulegen, welche Grundlagen und Dienstvorschriften bislang zum Thema Online-Durchsuchungen existieren und inwieweit Verfassungsschutz und andere Dienststellen Online-Durchsuchungen durchgef&uuml;hrt haben. <\/p><p><strong>Mautdaten &ndash; Sind Terroristen neuerdings mit dem Lastwagen unterwegs?<\/strong><br>\nF&uuml;r Uwe Beckmeyer, dem verkehrspolitischen Sprecher der SPD, ist der Sachverhalt klar: Im Maut-Gesetz sei die Datenerhebung nur auf die Festsetzung der Mautgeb&uuml;hren beschr&auml;nkt. Er bezweifelte den Nutzen der Daten im Anti-Terror-Kampf und stellte die Frage: &bdquo;Sind die Terroristen neuerdings mit dem Lkw unterwegs? Ansonsten m&uuml;sse man sich fragen, ob es in Wahrheit um die Erfassung von Pkw gehe.&ldquo; Daf&uuml;r sei aber das System nicht ausgelegt.<br>\nBenneter kritisierte an den Pl&auml;nen Sch&auml;ubles, dass sie nicht mit den Sozialdemokraten abgesprochen worden seien. Seiner Meinung nach, w&uuml;rde die geplante Rasterfahndung ein Instrumentarium des totalen &Uuml;berwachungsstaates sein. Sie sei nur &bdquo;bei sehr schweren Straftaten und ganz konkreten Verdachtsmomenten zul&auml;ssig, die sich auf eine bestimmte Personengruppe beschr&auml;nken.&ldquo; Des Weiteren sprach er sich gegen die Nutzung der Lkw-Maut-Daten zur Strafverfolgung oder Gefahrenabwehr aus. <\/p><p><strong>Neue Pl&auml;ne von Sch&auml;uble<\/strong><br>\nAm letzten Wochenende sind nun noch weitere Sicherheitspl&auml;ne von Sch&auml;uble bekannt geworden. Der Bundesinnenminister strebt eine &Auml;nderung des Bundesverfassungsschutzgesetzes an. Das nachrichtendienstliche Informationssystem (Nadis), welches das Bundesamt f&uuml;r Verfassungsschutz mit den 16 Landesverfassungsschutz&auml;mtern vernetzt, soll seiner Vorstellung nach modernisiert werden. Ziel des Vorhabens sei ein verbesserter Datenaustausch. Ferner beabsichtigt Sch&auml;uble nach Auskunft der ARD-Tagesschau eine &Auml;nderung des G-10-Gesetzes (Quelle: http:\/\/www.tagesschau.de\/aktuell\/meldungen\/0,1185,OID6636334,00.html).<br>\nArtikel 10 des Grundgesetzes umfasst das Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis:<\/p><p><em>(1) Das Briefgeheimnis sowie das Post- und Fernmeldegeheimnis sind unverletzlich.<\/em><\/p><p>(2) (2) Beschr&auml;nkungen d&uuml;rfen nur auf Grund eines Gesetzes angeordnet werden. Dient die Beschr&auml;nkung dem Schutze der freiheitlichen demokratischen Grundordnung oder des Bestandes oder der Sicherung des Bundes oder eines Landes, so kann das Gesetz bestimmen, da&szlig; sie dem Betroffenen nicht mitgeteilt wird und da&szlig; an die Stelle des Rechtsweges die Nachpr&uuml;fung durch von der Volksvertretung bestellte Organe und Hilfsorgane tritt.<\/p><p>(Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass US-Pr&auml;sident George W. Bush im Januar 2007 mit der Unterzeichnung eines neuen Postgesetzes den Sicherheitsbeh&ouml;rden das Recht einger&auml;umt hat, Briefe ohne richterliche Anordnung &ouml;ffnen zu d&uuml;rfen (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/r4\/artikel\/24\/24376\/1.html\">Telepolis<\/a>))<\/p><p><strong>Bundeskabinett beschlie&szlig;t Gesetzentwurf zur erweiterten Telefon&uuml;berwachung<\/strong><br>\nAm 18. April hat das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf zur erweiterten Telefon&uuml;berwachung und die Speicherung von Telefongespr&auml;chen beschlossen. Mit dem Gesetz wird eine EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung umgesetzt. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass Telekommunikationsfirmen k&uuml;nftig  Daten von Telefon- und Internetverbindungen &ldquo;zur besseren Verfolgung schwerer Straftaten&rdquo; sechs Monate lang speichern m&uuml;ssen. Die stellvertretende Vorsitzende der Linkspartei erkl&auml;rt in einer Pressemitteilung am 18. April dazu: <em>&ldquo;Die gro&szlig;e &ldquo;sicherheitspolitische&rdquo; Koalition: Wolfgang Sch&auml;uble und Brigitte Zypries beschneiden Arm in Arm Grund- und B&uuml;rgerInnenrechte mit der Heckenschere. Ob Vollzugriff auf Passbilder und Fingerabdr&uuml;cke oder verdachtsunabh&auml;ngiges Speichern von Telefonaten, Mails und SMS &ndash; das Recht auf informationelle Selbstbestimmung in Deutschland ist ein Auslaufmodell. Generalverdacht statt Unschuldsvermutung ist die verfassungswidrige Kurzform dessen, was die Bundesregierung plant. Die Linke wird diesem Ansinnen ihren ganzen Widerstand entgegen setzen. B&uuml;rgerliche Freiheitsrechte sind ein unver&auml;u&szlig;erliches Gut, deshalb unterst&uuml;tzen wir die verfassungsrechtlichen Bedenken der Datensch&uuml;tzer gegen die Pl&auml;ne der Koalition. Die Linkspartei bleibt bei ihrer Forderung: Alle B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger haben das Recht, &uuml;ber ihre Daten zu bestimmen. Sie m&uuml;ssen nachvollziehen k&ouml;nnen, welche Daten &uuml;ber sie wo und warum gespeichert werden. Sie m&uuml;ssen &uuml;ber deren Verwendung informiert werden.&rdquo;<\/em><br>\nBrigitte Zypries (SPD) verteidigte am 18. April im ARD-Morgenmagazin die Neuregelung der Telefon&uuml;berwachung gar als St&auml;rkung der B&uuml;rgerrechte. Datensch&uuml;tzer haben bereits eine Verfassungsklage angek&uuml;ndigt.<\/p><p><strong>Der Kampf gegen den Terror als Vorwand zur Bek&auml;mpfung innerer Konflikte?<\/strong><br>\nDer Kampf gegen Terrorismus wird offenbar nur noch mit repressiven Mitteln gef&uuml;hrt &ndash; mit Milit&auml;reins&auml;tzen im &Auml;u&szlig;eren und mit &Uuml;berwachungsma&szlig;nahmen im Inneren. Der ganz &uuml;berwiegende Anteil der politischen Energien beschr&auml;nkt sich darauf. Eine Reflexion dar&uuml;ber, warum eine Bedrohung durch Terrorismus besteht oder gar &Uuml;berlegungen, wie man den Terrorismus mit anderen politischen Mitteln eind&auml;mmen k&ouml;nnte,  findet von politischer Seite offenbar kaum noch  statt.  Im Gegenteil, wer einen Zusammenhang zwischen der Lieferung der Tornado-Kampfflugzeuge nach Afghanistan und einer weitere Verstrickung Deutschlands in einen Krieg, herstellt, wird politisch ins Abseits gedr&auml;ngt. Umso mehr werden unter dem Deckmantel der Terrorismusbek&auml;mpfung Gesetze vorangetrieben, die immer mehr auf eine totale &Uuml;berwachung der B&uuml;rger hinauslaufen. Der Verfolgungswahn einiger Politiker, allen voran Wolfgang Sch&auml;uble,  f&uuml;hrt dazu, dass Gesetze eingef&uuml;hrt werden, die tief in die demokratischen Grund- und Freiheitsrechte jedes einzelnen B&uuml;rger eingreifen. Zur Legitimation der Vorhaben wird in der Bev&ouml;lkerung Angst und Unsicherheit gesch&uuml;rt. Man gaukelt den B&uuml;rgern vor, dass sie sich mit immer neuen Ma&szlig;nahmen in unserem Land sicher f&uuml;hlen k&ouml;nnten. Dabei ist die innere Sicherheit eines Landes entschieden mehr gef&auml;hrdet durch Armut, Arbeitslosigkeit, sinkende Bildungsm&ouml;glichkeiten, sinkende soziale Absicherung und die damit verbundene steigende Kriminalit&auml;t, als durch Terrorismus. Nachhaltige Ma&szlig;nahmen zur L&ouml;sung der bestehenden sozialen Probleme w&auml;ren ein probateres Mittel, um die innere Sicherheit in unserem Land dauerhaft aufrecht zu erhalten.<br>\nEs dr&auml;ngt sich in diesem Zusammenhang der Verdacht auf, ob mit dem Sch&uuml;ren von &Auml;ngsten bei den B&uuml;rgern und dem Sicherheitswahn und der &Uuml;berwachungsmanie einiger politischer Entscheidungstr&auml;ger, statt mehr Sicherheit vor Terrorismus eher von den dr&auml;ngenden Problemen von Arbeitslosigkeit und zunehmender Armut in unserem Landes abgelenkt werden soll &ndash; ja noch mehr, dass totale &Uuml;berwachung der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger weniger einem Reflex auf die Sorge vor  einem Terrorismus folgen, sondern vielmehr von einer Angst  konservativer Politiker getrieben wird, dass das weitere Scheitern ihrer Politik zu sozialen Konflikten in einer zunehmend gespaltenen Gesellschaft  f&uuml;hren k&ouml;nnten, die man mit Mitteln der inneren Sicherheit unter Kontrolle halten m&ouml;chte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christine Wicht gibt f&uuml;r uns einen &Uuml;berblick &uuml;ber die geplanten &Uuml;berwachungsma&szlig;nahmen und &uuml;ber die aktuelle Diskussion dar&uuml;ber. 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