{"id":2273,"date":"2007-04-19T08:49:31","date_gmt":"2007-04-19T06:49:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2273"},"modified":"2016-01-08T12:00:18","modified_gmt":"2016-01-08T11:00:18","slug":"hermann-scheerpeter-friedrich-memorandum-gegen-die-geplante-privatisierung-der-bahn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2273","title":{"rendered":"Hermann Scheer\/Peter Friedrich: Memorandum gegen die geplante Privatisierung der Bahn"},"content":{"rendered":"<p>Christine Wicht fasste f&uuml;r uns das umfangreiche Memorandum zusammen.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Die Privatisierung der Bahn ist kein gangbarer Weg<\/strong><\/p><p>von Christine Wicht<\/p><p>Hermann Scheer (SPD) und Peter Friedrich (SPD), beide Mitglieder des Deutschen Bundestages, haben ein Memorandum gegen die geplante Privatisierung der Bahn verfasst. Die Hoffnung der Bef&uuml;rworter, dass die Bahn nach dem B&ouml;rsengang, nicht in eine Abh&auml;ngigkeit von Hedge- und Private Equity Fond und somit in die H&auml;nde von so genannten Heuschrecken gerate, weil der Bund auf jeden Fall 51 Prozent der Anteile behalten w&uuml;rde, ist nach Auffassung der Verfasser nicht kompatibel mit der Logik privater gro&szlig;er Anteilseigner. Den B&uuml;rgern werde suggeriert, dass der Verkauf der Bahn unumkehrbar sei. Den Bef&uuml;rwortern gehe es nicht mehr um das &bdquo;Ob&ldquo; sondern nur noch um das &bdquo;Wie&ldquo;. Eine Inhaltsdebatte werde vermieden. Es m&uuml;sse, nach Meinung von Scheer und Friedrich, eine Debatte &uuml;ber Zweck und Strategie der Bahn gef&uuml;hrt werden. Die Bahn m&uuml;sse ein Transportmittel sein, das B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger schnell, zuverl&auml;ssig, umweltfreundlich und kosteng&uuml;nstig in Deutschland transportiere. Es d&uuml;rfen keine Marktpositionen aufgebaut werden, von denen der Steuerzahler oder der Bahnkunde nichts habe. Unter der &Uuml;berschrift: Die Bahn: Zukunftsinvestment aller B&uuml;rger zeigen die Verfasser des Memorandums Widerspr&uuml;che und m&ouml;gliche Alternativen zum geplanten B&ouml;rsengang der Bahn auf.<\/p><p><strong>Die Privatisierung der Bahn steht im Widerspruch zum Mobilit&auml;tsauftrag<\/strong><br>\nDie Privatisierung der Bahn st&uuml;nde, so die Verfasser, im Widerspruch zum Mobilit&auml;tsauftrag, der in Artikel 87e Abs. 4 des Grundgesetzes festgeschrieben ist. <em>&bdquo;Der Bund gew&auml;hrleistet, dass dem Wohl der Allgemeinheit, insbesondere den Verkehrsbed&uuml;rfnissen, beim Ausbau und Erhalt des Schienennetzes der Eisenbahnen des Bundes sowie bei deren Verkehrsangeboten auf diesem Schienenetz (&hellip;) Rechnung getragen wird.&ldquo;<\/em> Statt eine fl&auml;chendeckende Infrastruktur zu gew&auml;hrleisten, werde die Bahn zu einem weltweit operierenden Logistikunternehmen ausgebaut, kritisieren die Verfasser. Dies sei die Ausrichtung der Vorstandspolitik. Weltweit w&uuml;rden Unternehmen auf &ldquo;Pump&rdquo; dazugekauft, die nichts mit der eigentlichen Aufgabe der Bahn zu h&auml;tten. Die erschreckend niedrige Kundenunzufriedenheit sei eine indirekte Folge der systematischen Ausrichtung der Bahn auf die Privatisierung. <\/p><p><strong>Verkauf von Schenker und Bax w&uuml;rden Investitionsmittel bereit stellen<\/strong><br>\nDie Verfasser haben errechnet, dass f&uuml;r die notwendigen Investitionsmittel eine Privatisierung nicht erforderlich sei. Allein die Reduzierung von Gro&szlig;projekten k&ouml;nne bis zu 18 Milliarden Euro an Einsparungen einbringen. W&uuml;rde die Bahn beispielsweise die Speditionsunternehmen Schenker und Bax verkaufen, so w&uuml;rde der Erl&ouml;s mindestens 3,3 Milliarden Euro bringen. Dar&uuml;ber hinaus k&ouml;nne auch die F&auml;hrgesellschaft Scandlines verkauft werden. Zur Finanzierung schlagen die Verfasser unter anderem eine Bahnanleihe in Form einer B&uuml;rgeranleihe vor. Wodurch eine Identifikation der B&uuml;rger mit der Bahn erreicht werden k&ouml;nne, insbesondere, wenn die Anleihe in Kombination mit Verg&uuml;nstigungen von Bahnfahrten st&uuml;nde. <\/p><p><strong>Einsparungen der Bahn<\/strong><br>\nRund 5000 Kilometer Schiene seien zwischen den Jahren 1994 und 2004 stillgelegt worden, der Trend gehe weiter abw&auml;rts, so wurden im Jahr 2005 weitere Streckenabschnitte mit insgesamt 161 km L&auml;nge stillgelegt. Auch der Zustand des noch bestehenden Neztes verschlechtere sich dramatisch, die Zahl der so genannten Langsamfahrstellen steige kontinuierlich an. Die Verfasser zitieren einen Bericht des Bundesrechnungshofes, in dem  2300 so genannten M&auml;ngelstellen bem&auml;ngelt werden, an denen langsamer gefahren werden muss. Im Bericht werden zudem Gef&auml;hrdungen der Betriebssicherheit benannt, die auf den mangelnden Streckenunterhalt zur&uuml;ckzuf&uuml;hren seien. Der Verkauf der Bundesbahnh&ouml;fe wird von den Verfassern massiv kritisiert. Seit 1997 sei die Gesamtzahl der Bahnh&ouml;fe um 400 gesunken. Auch die Abschaffung des erfolgreichen InterRegio, der 68 Millionen Reisende pro Jahr bef&ouml;rdert hat, wird von den Verfassern beanstandet. Die Verkehrsleistung im Fernverkehr sei von 34,8 Milliarden Personenkilometern im Jahr 1994 auf 32,3 Milliarden Personenkilometern im Jahr 2004 gesunken.  Der Anteil des Personennahverkehrs sei nicht &uuml;ber das Niveau Westdeutschlands der 1980er Jahren hinausgekommen. <\/p><p><strong>Verkauf der Bahn &ndash; eine volkswirtschaftliche Fehlleistung<\/strong><br>\nSeit f&uuml;nf Generationen haben Steuerzahler und Bahnkunden die Deutsche Bahn erschaffen. Damit seien Zukunftsinvestitionen in einen &ouml;konomisch und &ouml;kologisch vern&uuml;nftigen Verkehrstr&auml;ger get&auml;tigt worden. Dieses Investment, sei nach Auffassung der Verfasser, so angelegt, dass es auch noch unseren Kindern in vollem Umfang zur Verf&uuml;gung stellen soll. Dies sei jedoch nur dann m&ouml;glich, wenn die Bahn weiterhin den B&uuml;rgern geh&ouml;re. Die Mehrheit der Bev&ouml;lkerung lehne eine Privatisierung der Bahn ab. Es wird eine Emnid-Umfrage von November 2006 zitiert, in der sich  71 Prozent der Befragten gegen eine Privatisierung ausgesprochen haben. Die Verfasser sehen zudem die Beteiligung privater Anteilseigner, insbesondere wenn es sich um Unternehmen wie Gasprom handeln sollte, sehr kritisch, da diese Anteilseigner wohl kaum ein Interesse an dem naheliegenden grundgesetzlichen Mobilit&auml;tsauftrag h&auml;tten. <\/p><p><strong>Volksverm&ouml;gen wird an Investoren verschenkt<\/strong><br>\nDer Gesamtwert des Unternehmens betrage bei vorsichtiger Sch&auml;tzung der Verfasser ca. 100 Milliarden Euro. Der Vorstandsvorsitzende der Deutsche Bahn AG, Hartmut Mehdorn, w&uuml;rde den Wert jedoch mit nur 18 Milliarden Euro angeben. Dementsprechend niedrig w&uuml;rden auch die Verkaufserl&ouml;se ausfallen, die zwischen 4,6 und 8,7 Milliarden Euro schwanken. Dadurch w&uuml;rde der Staat Volksverm&ouml;gen in Milliardenh&ouml;he an Investoren verschenken. Noch unsinniger sei der Verkauf, wenn man bedenke, dass der Staat mitnichten von gemeinwohlorientierten Pflichten befreit sei, allein f&uuml;r den Unterhalt m&uuml;sse der Bund, nach der geplante Privatisierung, &uuml;ber Jahre hinaus j&auml;hrlich 2,5 Milliarden Euro aufbringen. Die Verfasser gelangen zum dem Fazit, dass bei einem Verkauf der Bahn zu den vorgesehenen Konditionen, Milliardenwerte an Investoren verschenkt w&uuml;rden. <\/p><p><strong>Zuk&auml;ufe auf Kredit erh&ouml;hen das Unternehmensrisiko<\/strong><br>\nZuw&auml;chse habe die Bahn durch Zuk&auml;ufe von Speditionsunternehmen, wie beispielsweise, Schenker verzeichnen k&ouml;nnen. Dazu z&auml;hle auch die &Uuml;bernahme des Unternehmens Bax im Jahr 2006, wof&uuml;r die Bahn insgesamt 1,1 Milliarden US-Dollar bezahlt habe.  Mehdorn habe angek&uuml;ndigt, durch weitere Zuk&auml;ufe, Gr&ouml;&szlig;e und Pr&auml;senz der Bahn weiter steigern zu wollen. <em>&bdquo;Im Bereich Logistik geh&ouml;ren wir (&hellip;) zur Weltspitze. Diesen Weg gilt es jetzt zielstrebig weiterzugehen, um die europ&auml;ische und globale Marktf&uuml;hrerschaft in einer wichtigen Branche (&hellip;) zu sichern und auszubauen.&ldquo;<\/em> (Zitat aus &bdquo;Weichen stellen&ldquo; Brosch&uuml;re der DB AG, November 2005). Bax und Schenker verf&uuml;gen gemeinsam &uuml;ber 1500 Standorte in 150 L&auml;ndern. Durch diese Zuk&auml;ufe seien auch die Schulden des Unternehmens gewachsen. 1994 habe der Bund im Zuge der Bahnreform die Altschulden der Bahn in H&ouml;he von 34 Milliarden Euro &uuml;bernommen, damit sei die Bahn schuldenfrei gewesen. Heute habe der Konzern, laut Gesch&auml;ftsbericht 2005, wieder 20 Milliarden Euro Schulden angeh&auml;uft. Die Verfasser bef&uuml;rchten, dass sich die Unternehmenszuk&auml;ufe auf Kredit zu einem Unternehmensrisiko entwickeln k&ouml;nnen. Es werde bereits davon gesprochen, dass Mehdorn ein &bdquo;Investitionsprogramm&ldquo; f&uuml;r den Erwerb von Staatsbahnen in Osteuropa, von Stadtverkehren in europ&auml;ischen Metropolen und weiterer Logistikunternehmen plane. Der DB-Vorstand f&uuml;r Transport und Verkehr habe bereits angek&uuml;ndigt im Jahr 2007 die Pr&auml;senz in Asien ausbauen zu wollen. Damit sei nach Meinung der Verfasser, die Einkaufstour des Bahn-Vorstandes noch lange nicht beendet, sie werde fortgesetzt und im Rahmen der Privatisierung forciert werden. Mit dieser Entwicklung werde die Kernaufgabe der Bahn, der Passagier- und G&uuml;tertransport in Deutschland, nur noch eines von vielen Gesch&auml;ftsfeldern sein und damit zwangsl&auml;ufig an Bedeutung verlieren. <\/p><p><strong>Bundestagsabgeordnete sind den B&uuml;rgern verpflichtet<\/strong><br>\nNach Ansicht der Verfasser seien die Bundestagsabgeordneten bei ihrer Entscheidung &uuml;ber das Privatisierungsgesetz in ester Linie ihren W&auml;hlern und den Bahnkunden verpflichtet und nicht dem Ehrgeiz des Bahnchefs. Sie m&uuml;ssen nun entscheiden, ob sie sich von den Global-Player-Ambitionen Mehdorns treiben lassen oder ob sie selbst das Heft in der Hand behalten wollen, um die Bahn zu entwickeln, wie es auch im Grundgesetz festgeschrieben sei, n&auml;mlich zum <em>&bdquo;Wohl der Allgemeinheit&ldquo;<\/em>.<\/p><p><strong>Verkleinerung des Bestandsnetzes mit dem Gew&auml;hrleistungsauftrag vereinbar<\/strong><br>\nMit dem Verkauf der Bahn w&uuml;rde die letzte gro&szlig;e Privatisierung der Bundesrepublik eingeleitet werden. Der B&ouml;rsengang sei eine Rutschbahn, auf der die Bahn in ein rein profitorientiertes Unternehmen abgleite und ihren eigentlichen Zweck quittiere. Der Dienstleistungsauftrag sei mit dem B&ouml;rsengang von Grund auf gef&auml;hrdet. Denn, wer eine Infrastruktur bewirtschafte, k&ouml;nne nicht das Ziel der kurzfristigen Renditeorientierung im Sinn haben. Die Anspr&uuml;che, welche sich aus Artikel 87 des Grundgesetzes ableiten, seien nicht mit den Renditeerwartungen institutioneller Anleger vereinbar. Das Ziel eine hohe Rendite zu erwirtschaften, stelle nichts anderes als den Abzug von Ressourcen dar, diese st&uuml;nden dann nicht mehr f&uuml;r die eigentlich wichtigen Aufgaben zur Verf&uuml;gung. Das  PRIMON-Gutachten, erstellt von der Beratungsfirma Booz Allen Hamilton, gelangt in diesem Zusammenhang zu folgender Erkenntnis: <em>&bdquo;Mit dem Gew&auml;hrleistungsauftrag ist &hellip; auch eine Verkleinerung des gegenw&auml;rtigen Bestandsnetzes vereinbar&hellip; Eine Verpflichtung des Bundes zur Aufrechterhaltung des Status quo oder gar zur Herstellung einer fl&auml;chendeckenden optimalen Eisenbahninfrastruktur ist der Gew&auml;hrleistungsverpflichtung des Bundes &hellip; gerade nicht zu entnehmen.&ldquo;<\/em><\/p><p><strong>Ausd&uuml;nnungen vorprogrammiert<\/strong><br>\nDamit werde auch von den Bef&uuml;rwortern erwartet, dass es auf breiter Front zu Ausd&uuml;nnungen k&auml;me. Da anonyme Fondsanleger Firmen kaufen und verkaufen wie eine Ware auf dem Gro&szlig;markt, gehen die Verfasser davon aus, dass es den Anlegern v&ouml;llig egal ist, ob die Bahn ihren grundgesetzlichen Auftrag und damit ihre Kernaufgabe erf&uuml;lle oder nicht. Der B&ouml;rsengang k&ouml;nne kein strategisches Ziel sein, vielmehr m&uuml;sse daf&uuml;r gesorgt werden, dass die Verkehrspolitik in die Bahn zur&uuml;ckkehre.  Nach Meinung der Verfasser k&ouml;nne die Aussage von Mehdorn &bdquo;Die Bahn braucht st&auml;ndig Geld&ldquo; nicht die Grundlage f&uuml;r weit reichende Entscheidungen, wie den B&ouml;rsengang, sein. <\/p><p><strong>Wackelige Konzepte zur Bahnprivatisierung<\/strong><br>\nNach Ansicht der Verfasser habe sich die Bahnprivatisierung inzwischen zu einer Hydra entwickelt, der st&auml;ndig neue Kopfgeburten entsprie&szlig;en. Das PRIMON-Gutachten sollte urspr&uuml;nglich vier Strukturmodelle entwerfen, habe daraus aber sieben Varianten gemacht. Dazu geh&ouml;re auch der Kompromiss des  &bdquo;Eigentumssicherungsmodell&ldquo;, dass sich bei den Bef&uuml;rwortern durchgesetzt habe.<br>\nDas Eigentumssicherungsmodell sei ein wackeliger Kompromiss f&uuml;r diejenigen, die die Bahn mit ihrem Schienenetz privatisieren wollen und auf der anderen Seite, f&uuml;r diejenigen, die nur die Bahn privatisieren und das Netz in staatlicher Hand behalten wollen. Damit w&auml;re der Bund faktisch Eigent&uuml;mer. Die teilprivatisierte Bahn w&uuml;rde mit diesem Modell weiter die Einnahmen aus dem Netz erhalten und das Netz weiter betreiben. Der Bund d&uuml;rfe dann als Gegenleistung f&uuml;r seinen theoretischen Einfluss einen Betrag bis zu 2,5 Milliarden Euro f&uuml;r Infrastrukturbeitrag leisten. Die Verfasser gehen davon aus, dass k&uuml;nftig die Position des Bundes als Sicherungsnehmer derart schwach sei, dass deren Einfluss auf die Gestaltung der Eisenbahnstruktur gegen Null gehe. Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages sch&auml;tzt die Position des Bundes folgenderma&szlig;en ein: &bdquo;Die Eigentumsposition des Bundes an den EIU (Schienen, Bahnh&ouml;fe und Energieversorgung A.d.V) ist soweit &uuml;berwiegend nur formaler Natur.&ldquo; Nach Ansicht des Vorsitzenden der Monopolkommission der Bundesregierung, Professor Basedow, sei das Eigentumssicherungsmodell nicht mit dem Grundgesetz vereinbar, weil der Staat nicht mehr ausreichend Einfluss auf die Ausgestaltung der Infrastruktur im Sinne Daseinsvorsorge haben werde. <\/p><p><strong>Unternehmensinteressen d&uuml;rfen nicht durch &ouml;ffentliches Interesse beeinflusst werden<\/strong><br>\nDie Argumentation der Bef&uuml;rworter, dass der Bund mit 51 Prozent der Anteile das Sagen haben werde, sehen die Verfasser des Memorandums, aufgrund der Erfahrungen mit den Hamburgischen Elektrizit&auml;tswerken (HEW), sehr kritisch. Exemplarisch sei der Druck, den private Mehrheitsaktion&auml;re im Jahr 1990 gegen den Schleswig-Holsteinischen Energieminister, G&uuml;nter Jansen ausge&uuml;bt haben. Jansen war in den Aufsichtsrat des Unternehmens berufen worden. Jansen war ein entschiedener Atomkraftgegner und vertrat diese Ansicht auch offensiv. 277 Kleinaktion&auml;re, die nicht einmal ein Prozent des Aktienkapitals repr&auml;sentierten,  klagten ihn aus dem Aufsichtsrat. Jansen vertrat vor Gericht die Ansicht, dass er mit seiner Einstellung gegen die Atomenergie die  Gemeinwohlinteressen vertrete. Das Landesgericht sah dies anders: <em>&bdquo;Insbesondere kann f&uuml;r die Entscheidung nicht von Bedeutung sein, dass die Gesellschaft ihrer Satzung gem&auml;&szlig; (&hellip;) zur Ber&uuml;cksichtigung der &ouml;ffentlichen Interessen verpflichtet ist&ldquo;<\/em>. Das Oberlandesgericht stellte dar&uuml;ber hinaus fest, dass <em>&bdquo;die Bewertung der Unternehmensinteressen nicht durch ein von Jansen &bdquo;in Anspruch genommenes &ouml;ffentliches Interesse&ldquo; beeinflusst wird. Das Gericht weiter, &bdquo;An das Unternehmensinteresse der HEW, auch was die Nutzung der Kernkraftenergie betreffe, sei er als Aufsichtsrat gebunden:&ldquo;<\/em>  Die Verfasser bef&uuml;rchten, dass es bei einem B&ouml;rsengang der Bahn zu einer &auml;hnlichen Entwicklung kommen k&ouml;nnte.<\/p><p><strong>Alternativen zum geplanten Bahn-B&ouml;rsengang<\/strong><br>\nScheer und Friedrich zeigen auf, dass sich in Europa, bis auf Estland und Gro&szlig;britannien, noch alle nationalen Eisenbahnen in staatlicher Hand befinden. In Gro&szlig;britannien sei das 1996 an der B&ouml;rse verkaufte Netz wegen finanzieller Engp&auml;sse im Jahr 2001 wieder verstaatlicht worden. Seit dem Jahr 2002 geh&ouml;re das Netz der &bdquo;Netzwork Rail&ldquo;, einem nicht gewinnorientierten, staatsnahen Unternehmen, dessen Kredite gr&ouml;&szlig;tenteils von der Regierung abgesichert sind.<br>\nAls Vorbild f&uuml;hren die Verfasser das Modell der Schweizer Bundesbahnen (SBB), die Eigentum des Schweizer Staates sind, an. Der Anteil des Schienenverkehrs am Personenverkehr habe im Jahr 2002 fast 16 Prozent betragen, Deutschland konnte im gleichen Jahr nur 8 Prozent aufweisen. Die Schweizer w&uuml;rden zudem weniger f&uuml;r ihre Eisenbahn zahlen. Die durchschnittlichen staatlichen Zuwendungen w&uuml;rden pro gefahrenen Kilometer in der Schweiz 2,4 Cent und bei uns 7 Cent betragen. Die Schweizer Bahnreform von 1999 habe als eines ihrer Ziele <em>&bdquo;die sozialen Errungenschaften der Mobilit&auml;t f&uuml;r alle Bev&ouml;lkerungsgruppen in allen Regionen (zu) erhalten&ldquo;<\/em> definiert. Vor der Reform habe die Schweizer Bahn in einen kundenfreundlichen Taktplan mit Stundentakt investiert und diesen sp&auml;ter auf einen Halbstundentakt umgestellt. Die meisten Zugangebote seien verdoppelt und auf den Hauptstrecken sogar vervierfacht worden. Im Jahr 1998 wurde ein Sonderfond f&uuml;r die Finanzierung der Schweizer Bahn eingerichtet. Dieser speiste sich aus verschiedenen Quellen, wobei der gr&ouml;&szlig;te Betrag aus der LKW-Maut stammte. Im Jahr 2001 wurden &uuml;ber diese Abgabe 440 Millionen Euro eingenommen. Von dieser Summe wurden 293 Millionen Euro in einen Fond einbezahlt, das entsprach zwei Drittel. Deutschland hatte vergleichsweise im Jahr 2006 insgesamt 814 Millionen Euro f&uuml;r die Investitionen in das Schienennetz veranschlagt, das ist weniger als ein Drittel. Ein Grund daf&uuml;r, sei nach Auffassung der Verfasser, eine Vorschrift des Autobahnmautgesetzes, welches die Verwendung der Einnahmen &bdquo;&uuml;berwiegend&ldquo; f&uuml;r den Bau von Bundesfernstra&szlig;en vorsehe. Daran w&uuml;rde sich zeigen, dass es eine Frage der Priorit&auml;ten sei, wie die Bahn finanziert werde. <\/p><p>Es sei nach Auffassung der Verfasser ein Gebot der volkswirtschaftlichen Vernunft, denjenigen Verkehrstr&auml;ger zu f&ouml;rdern und zu st&auml;rken, der die wenigsten unerw&uuml;nschten Sch&auml;den und damit Zusatzkosten verursache, dies sei mit weitem Abstand die Bahn. Dieser Effekt k&ouml;nne dadurch verst&auml;rkt werden, wenn die Bahn ihren Energiebedarf zuk&uuml;nftig zu immer gr&ouml;&szlig;eren Teilen aus erneuerbaren Energien bez&ouml;ge. Die Verfasser bedauern, dass die Bahn durch ihr Verhalten als Kunde das Festhalten an der Atomenergie f&ouml;rdere. F&uuml;r den Antrieb der Z&uuml;ge beziehe die Bahn 24 Prozent des ben&ouml;tigten Stroms aus Kernenergie. <\/p><p>Die Verfasser gelangen in ihrem Memorandum zu folgendem Fazit:<br>\nNichts spricht f&uuml;r den Verkauf der Bahn. Die dahinter stehende Absicht ist verkehrspolitisch zweckfremd. Eine Bahn in &ouml;ffentlichem Eigentum kann hoch erfolgreich sein, so wie in der Schweiz. Das Problem der Bahn ist nicht ihr Kapitalbedarf, sondern die verfehlte Strategie ihres Vorstandsvorsitzenden, dessen Unternehmenspolitik zur Zweckentfremdung der Bahn gef&uuml;hrt hat und im Sinne des grundgesetzlich verankerten Auftrags der Bahn als gescheitert angesehen werden muss. <\/p><p>Ver&ouml;ffentlicht wurde das Memorandum am 14.03.2007, und ist abzurufen unter: <a href=\"http:\/\/www.hermannscheer.de\/de\/images\/stories\/pdf\/Scheer_Friedrich_Memorandum_Bahn_mar07.pdf\">www.hermannscheer.de [PDF &ndash; 2 MB]<\/a><\/p><p>Der Gesetzestext &uuml;ber die Bahnprivatisierung ist abzurufen unter: <a href=\"http:\/\/www.attac.de\/bahn-fuer-alle\/media\/docs\/gesetzentwurf\/Privatisierungsgesetz_07-03-09.pdf%20\">www.attac.de [PDF &ndash; 932 KB]<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christine Wicht fasste f&uuml;r uns das umfangreiche Memorandum zusammen.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[35,28,73],"tags":[270,268,596,269],"class_list":["post-2273","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aufbau-gegenoeffentlichkeit","category-privatisierung","category-verkehrspolitik","tag-boersengang","tag-deutsche-bahn","tag-mehdorn-hartmut","tag-scheer-hermann"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2273","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2273"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2273\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30037,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2273\/revisions\/30037"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2273"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2273"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2273"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}