{"id":2279,"date":"2007-04-20T16:36:55","date_gmt":"2007-04-20T14:36:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2279"},"modified":"2016-01-07T11:29:34","modified_gmt":"2016-01-07T10:29:34","slug":"beliebige-manipulation-mit-dem-thema-abwanderung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2279","title":{"rendered":"Beliebige Manipulation mit dem Thema Abwanderung"},"content":{"rendered":"<p>An einem unserer heute eingestellten Hinweise k&ouml;nnen Sie sch&ouml;n beobachten, wie wir manipuliert werden. Gemeint ist der Artikel im ManagerMagazin &uuml;ber <a href=\"http:\/\/www.manager-magazin.de\/unternehmen\/mittelstand\/0,2828,460471,00.html\">&bdquo;Die R&uuml;ckkehr der Reum&uuml;tigen&ldquo;<\/a>. Wenn Sie dann diese Abwanderungsdebatte konfrontieren mit dem Beitrag in der taz <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/dx\/2007\/04\/20\/a0136.1\/text\">&bdquo;Globalisierung in Franken&ldquo;<\/a>, dann k&ouml;nnen Sie erkennen, wie sehr die Debatte an dem vorbeigeht, was wirklich politisch entschieden und geregelt werden m&uuml;sste: Das Gebaren der Finanzinvestoren zum Beispiel. Zun&auml;chst zum ManagerMagazin. Was dieses Magazin &uuml;ber Verlagerung und R&uuml;ckkehr jetzt im April 2007 schreibt, konnten Sie in der &bdquo;Reforml&uuml;ge&ldquo; 2004 schon lesen. Das erw&auml;hne ich nicht, um die Richtigkeit meiner Analysen zu best&auml;tigen, sondern um auf die Willk&uuml;r hinzuweisen, mit der bei uns Meinung gemacht wird und mit einem so ernsten Thema wie der Abwanderung umgegangen wird. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nIch zitiere zun&auml;chst einfach den Beginn des Artikels im ManagerMagazin:<\/p><blockquote><p><strong>Die R&uuml;ckkehr der Reum&uuml;tigen<\/strong><br>\nDie Welle der Jobverlagerungen ins billige Ausland scheint einged&auml;mmt.<br>\nEinige Unternehmen kehren sogar wieder zur&uuml;ck oder verlegen Arbeitspl&auml;tze gezielt nach Deutschland. Das liegt zum Teil an der neuen Attraktivit&auml;t des hiesigen Standorts &ndash; aber auch an den Risiken der Abwanderung.<br>\nIn der deutschen Industrie sind nach DIHK-Sch&auml;tzungen im vergangenen Jahr zwar 50.000 Stellen ans Ausland verloren gegangen. Dabei handelte es sich vor allem um einfache T&auml;tigkeiten, die laut Nitschke noch immer stark von ausl&auml;ndischer Konkurrenz bedroht sind. Gleichzeitig entstanden hierzulande jedoch rund 60.000 neue Jobs. Erstmals seit dem Jahr 2000 wurden damit mehr Stellen geschaffen als durch Abwanderung vernichtet.<\/p>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.manager-magazin.de\/unternehmen\/mittelstand\/0,2828,460471,00.html\">manager-magazin<\/a><\/p>\n<\/blockquote><p>Im Text ist dann noch die Rede davon, der Trend zur Stellenverlagerung sei gestoppt, der Druck, Jobs zu verlagern, habe nachgelassen, es gebe sogar Anzeichen f&uuml;r eine R&uuml;ckverlagerung; das h&auml;nge damit zusammen, dass der Standort D hart an seiner Attraktivit&auml;t gearbeitet habe, dass die Besch&auml;ftigten sich mit Lohnforderungen zur&uuml;ckgehalten h&auml;tten, die Arbeitgeber (!) ihre Produktivit&auml;t gesteigert h&auml;tten; die Zeiten h&auml;tten sich ge&auml;ndert. Dann wird immerhin noch aufkl&auml;rend vermerkt, dass manches Unternehmen schlicht mit seiner Auslandsstrategie gescheitert sei und dass Lohnkostendifferenzen nicht allein entscheidend sind, dass Qualit&auml;tsunterschiede, Logistikkosten und die Transportzeiten, Sprachbarrieren und kulturelle Differenzen bei der Standortentscheidung eine Rolle spielen.<\/p><p>Machen Sie sich den Spa&szlig; und lesen Sie den Beitrag im ManagerMagazin und den Auszug aus meinem Buch zum gleichen Thema hintereinander. Mein Text stammt vom April 2004. Alles, was das Managermagazin heute feststellt, konnte man auch damals wissen. Das ManagerMagazin konstruiert f&uuml;r die letzten Jahre eine von faktischen Gegebenheiten gepr&auml;gte Abwanderungswelle, die jetzt gestoppt sei aus den beschriebenen Gr&uuml;nden. Schon am Beispiel der Lohnentwicklung kann man sichtbar machen, dass dies schlichte Manipulation ist. Die L&ouml;hne stagnieren nicht erst seit letztem oder vorletztem Jahr. Sie tun dies seit &uuml;ber 10 Jahren. Auch die anderen Gr&uuml;nde, mit Abwanderungen vorsichtig zu sein &ndash; also Qualit&auml;tsdifferenzen, Logistikprobleme, Sprachbarrieren, kulturelle Differenzen -, sind jetzt nicht neu vom Himmel gefallen.<\/p><p><strong>Fazit:<\/strong> Hier wird eine Ver&auml;nderung konstruiert, damit auch von dieser Seite und mit dem angstbesetzten Thema Abwanderung der strategische Versuch gest&uuml;tzt wird, die bessere wirtschaftliche Entwicklung als Erfolg der Reformen darzustellen (= &bdquo;hart an der Attraktivit&auml;t des Standorts D gearbeitet.&ldquo;). An dieser Manipulation wird permanent gearbeitet, mit allen Mitteln und mit allen Themen. Die neoliberalen Agitatoren haben ein klares Ziel: Der Aufschwung, und sei er noch so klein, muss den Reformen zugeschrieben werden; damit logisch erscheint, dass sie weitergehen m&uuml;ssen.<\/p><p>Richtig am&uuml;sant ist die Tatsache, dass das ManagerMagazin auf der Suche nach einigerma&szlig;en verl&auml;sslichen Ziffern zur Abwanderung pro Jahr vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag die gleiche Auskunft bekommen hat wie ich im Januar 2004: 50.000 Stellen seien ans Ausland verloren gegangen. Also hat sich de facto nichts ver&auml;ndert, wenn man sich auf die Auskunft verlassen kann.<\/p><p>Bei aller Kritik an dem Beitrag des ManagerMagazins bleibt anzuerkennen, dass das Blatt immerhin auf den Trichter gekommen ist, die Bedeutung der tats&auml;chlichen Abwanderung realistischer zu sehen. 50.000 Arbeitspl&auml;tze bei tats&auml;chlicher Zahl von und 26 Millionen sozialversicherungspflichtige Arbeitspl&auml;tze und rund 35 Millionen Besch&auml;ftigter insgesamt. Angesichts dieser Relation wird klar: schlimm ist nicht die tats&auml;chliche Abwanderung, schlimm ist, dass damit unentwegt gedroht wird und die L&ouml;hne gedr&uuml;ckt und soziale Leistungen zur&uuml;ckgenommen werden. Die Drohung mit Abwanderung ist die tagt&auml;gliche Anfechtung f&uuml;r viele Arbeitnehmer, Betriebsr&auml;te und Gewerkschafter.<\/p><p>An dem Beitrag wird immerhin sichtbar, dass sowohl die Thematisierung des Themas Abwanderung als auch die faktischen Entscheidungen von Unternehmen, abzuwandern, hier zu bleiben oder wiederzukommen ein ganzes St&uuml;ck weit nicht von sachlichen Erw&auml;gungen sondern von modischen Eindr&uuml;cken abh&auml;ngen.<\/p><p>Das ManagerMagazin zitiert den Pr&auml;sidenten der Mittelst&auml;ndler Ohoven mit dem Hinweis darauf, dass Deutschland nach &Ouml;sterreich mehr exportiert als nach China oder Indien. Da h&auml;tte ich mir einen Hinweis auf Gabor Steingart und andere Autoren gew&uuml;nscht. Leider stellt aber das ManagerMagazin keinen Zusammenhang zwischen seiner die Abwanderung relativierenden Analyse und den dramatisierenden Texten von Gabor Steingart, Hans-Werner Sinn und anderen Globalisierungsautoren her. Gabor Steingart ist immerhin Chef des Berliner B&uuml;ros des Schwestermagazins Der Spiegel. Und Gabor Steingart wie auch die anderen Autoren tun &uuml;ber weite Strecken so, als h&auml;tten wir direkt und unbeeinflusst von anderen Faktoren uns an den L&ouml;hnen von China und Indien zu messen. &ndash; Die L&ouml;hne sind aber nur ein Faktor von vielen. Andere Faktoren bestimmen die Wettbewerbsf&auml;higkeit mit. Diese anderen Faktoren wie die Qualit&auml;t der Infrastruktur und der arbeitenden Menschen, die Effizienz der Rechtsordnung, die Qualit&auml;t und Schnelligkeit der Beh&ouml;rden, die kulturelle Attraktivit&auml;t, die Begrenzung der Korruption und einiges mehr k&ouml;nnen wir einigerma&szlig;en gut beeinflussen. Das muss der Ansatz der Politik sein.<\/p><p><strong>Ein anderer Ansatz der Politik zur Gestaltung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wird in dem erw&auml;hnten Beitrag der taz sichtbar.<\/strong><\/p><p>Hier zun&auml;chst die &Uuml;berschrift und der Link:<\/p><blockquote><p><strong>Globalisierung in Franken<\/strong><br>\nFinanzinvestoren haben den fr&auml;nkischen Bremsenhersteller FTE &uuml;bernommen. Die Gewinne flie&szlig;en ab, investiert wird nicht<\/p>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/dx\/2007\/04\/20\/a0136.1\/text\">taz<\/a><\/p>\n<\/blockquote><p>Hier besteht eindeutig Regelungsbedarf. Dieser wird auch in einem <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/dx\/2007\/04\/20\/a0138.1\/textdruck\">Interview der taz mit HANS-JOACHIM VOTH<\/a>, Professor f&uuml;r Volkswirtschaft an der Uni Pompeu Fabra in Barcelona und ein gefragter Finanzmarktberater beschrieben.<\/p><p>Die Bundesregierung hat das sch&auml;dliche Wirken dieser Finanzinvestoren durch Steuer&auml;nderungen wie die Steuerbefreiung der Gewinne bei Unternehmensverk&auml;ufen wie auch, worauf Prof. Voth hinweist, durch Senkung der Unternehmenssteuern und gleichzeitige Einschr&auml;nkung der Abschreibungsm&ouml;glichkeiten ma&szlig;geblich erleichtert.<\/p><p>&Uuml;brigens: Dieser Regelungsbedarf hat nahezu nichts mit Globalisierung zu tun. Die Globalisierung zwang uns nicht zu den sch&auml;dlichen Ver&auml;nderungen im Steuerrecht und sie hindert uns nicht daran, das Problem der so genannten Heuschrecken neu zu regeln.<br>\nUnser Problem ist in diesem Kontext nicht die Globalisierung sondern die tats&auml;chliche Korruption eines gro&szlig;en Teils der politischen Klasse durch die Finanzindustrie.<\/p><p><strong>Anhang:<\/strong><\/p><p><strong>Albrecht M&uuml;ller<br>\nAuszug aus &bdquo;Die Reforml&uuml;ge&ldquo;, Denkfehler 13, Seiten 189 &ndash; 193<\/strong><\/p><p><strong>Panik wegen der Abwanderung von Arbeitspl&auml;tzen?<\/strong><\/p><p>Der bayerische Ministerpr&auml;sident hat sich aus dem Gesamtthema ein wichtiges Element herausgepickt, mit dem er immer wieder &Auml;ngste sch&uuml;rt. Ende 2003 und Anfang 2004 hat er bei mehreren Gelegenheiten behauptet, aus Deutschland w&uuml;rden monatlich 50 000 Arbeitspl&auml;tze ins Ausland verlagert. Aufs Jahr gesehen w&auml;ren das 600 000 verlorengegangene Arbeitspl&auml;tze. Eine dra&shy;matische Entwicklung. Das Problem ist auch durchaus ernst. Es gibt eine Reihe von Unternehmen, die Betriebe oder Teilbetriebe verlagern, vor allem nach Mittel- und Osteuropa und nach Asien. Aber gerade weil das Thema ernst ist, muss man vorsichtig damit umgehen; mit jeder &Uuml;bertreibung nimmt die ohnehin latente &shy;Unsicherheit deutscher Unternehmen zu, und um so mehr orientieren sie sich an vermeintlichen Trends.<\/p><p>Weder vom bayerischen Ministerpr&auml;sidenten noch von seiner Staatskanzlei noch vom bayerischen Wirtschaftsministerium war zu erfahren, wie die magische Zahl von 50 000 Arbeitspl&auml;tzen &shy;gemeint war &ndash; brutto oder netto &ndash; und aus welcher Quelle die Angaben stammen. Erstaunlicherweise gibt es keine einigerma&szlig;en verl&auml;sslichen Zahlen &uuml;ber die Abwanderungen und R&uuml;ckwanderungen. Vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag war im Januar 2004 zu erfahren, man sch&auml;tze, es gebe j&auml;hrlich 50 000 Verlagerungen. Vom Bundesministerium f&uuml;r Wirtschaft und &shy;Arbeit gab es keine Angaben dazu.<br>\nDas Fraunhofer-Institut f&uuml;r Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe macht zwar Studien und Befragungen zur Abwanderung. Aber &uuml;ber die Gesamtzahl von Ab- und R&uuml;ckwanderungen erhebt auch das ISI keine verl&auml;sslichen Daten. Das ISI untersucht vielmehr, warum einige Unternehmen ihre &shy;Poduktion verlagern, w&auml;hrend andere sie r&uuml;ckverlagern. Es geht auch der Frage nach, warum so viele Verlagerungen scheitern. In einer Studie auf der Basis von Erhebungen aus dem Jahr 2002 hat das Institut festgestellt, die Abwanderungstendenz, die Mitte der neunziger Jahre am h&ouml;chsten war, habe sich abgeflacht. Eine &shy;andere Erkenntnis des ISI bezieht sich auf das Motiv f&uuml;r die Verlagerung von Arbeitspl&auml;tzen: Neben der Lohndifferenz zwischen Deutschland und dem Ausland nennen 60 Prozent der Befragten die Markterschlie&szlig;ung als wichtiges Motiv. Dagegen kann man nun &uuml;berhaupt nichts sagen, im Gegenteil. H&auml;ufig entstehen so neben neuen Arbeitspl&auml;tzen im Ausland auch neue am heimischen Standort. Wir werden mit weiteren engen Verflechtungen dieser Art leben m&uuml;ssen und auch leben; hoffentlich gut leben, wenn wir endlich f&uuml;r eine gr&ouml;&szlig;ere Binnennachfrage sorgen.<\/p><p>Obwohl es also keine verl&auml;sslichen Daten &uuml;ber das Ma&szlig; der Abwanderung und der Zuwanderung gibt, wird in der &ouml;ffentlichen Debatte immer massiver mit einzelnen Beispielen gearbeitet und Stimmung gemacht. Man muss deshalb versuchen, sich selbst ein Bild zu machen. Nach meinem Eindruck ist dieses Bild nach wie vor ausgesprochen differenziert. Ich will einige konkrete F&auml;lle skizzieren:<\/p><p>Als der Pr&auml;sident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages im M&auml;rz 2004 die deutschen Unternehmer aufrief, &shy;Betriebe nach Mittel- und Osteuropa zu verlagern, brachten die ARD-Tagesthemen eine Reportage &uuml;ber zwei konkrete F&auml;lle. Zum einen wurde berichtet, die Firma Siemens erw&auml;ge, die Produktion von Handys vom Niederrhein in ein Billiglohnland zu verlagern; zum anderen wurde vom Pflughersteller Lemken berichtet, der die Herstellung seiner Produkte von Kaliningrad zum Niederrhein zur&uuml;ckverlagert hatte. Dieser Unternehmer erkl&auml;rte, die Qualit&auml;t, die P&uuml;nktlichkeit und die Schnelligkeit der Produktion seien in Deutschland so viel besser, dass der Vorteil niedrigerer L&ouml;hne im Ausland dadurch aufgewogen werde.<\/p><p>Eine Fabrik in meiner Heimatstadt Heidelberg produziert dort Lacke und beliefert Kunden weltweit. Die Wettbewerbsf&auml;higkeit wird durch intensive Forschung und Entwicklung und durch eine intensive und technisch ausgereifte Beratung der Kunden &shy;gesichert, auf deren Bed&uuml;rfnisse man bei der Entwicklung und Produktion der Produkte flexibel eingeht. Die Kunden dieses &shy;Betriebes, Unternehmen aus der M&ouml;belindustrie, sind zum Teil in L&auml;nder Osteuropas abgewandert beziehungsweise haben Betriebsteile dorthin verlegt. In der Nachbarschaft der Lackfabrik arbeitet ein Unternehmen aus der Elektrobranche, das seine Produktion nach S&uuml;dostasien verlagert hatte, aber inzwischen wieder an den deutschen Standort zur&uuml;ckgekehrt ist.<\/p><p>Unter den R&uuml;ckwanderern sind viele, die erst in der Praxis &shy;gemerkt haben, dass es au&szlig;er den Lohnkosten noch andere Fak&shy;toren gibt wie zum Beispiel die Kosten f&uuml;r die Qualit&auml;tssicherung, f&uuml;r die Organisation und Logistik, die sie in ihrer Bedeutung untersch&auml;tzt haben. Diese Kostenfaktoren k&ouml;nnen die Lohnkostenvorteile einer Verlagerung aufzehren. Diese Erfahrung hat beispielsweise die Jungheinrich AG bewogen, ihre Standorte in Gro&szlig;britannien und Frankreich aufzugeben und die Produktion auf Schleswig-Holstein und Bayern zu konzentrieren. Der Vorstandsvorsitzende Cletus von Pichler nennt das ein &raquo;klares Bekenntnis zum Standort Deutschland&laquo;, der immer noch &uuml;ber gut ausgebildete Facharbeiter, &uuml;ber eine hohe Produktivit&auml;t in der Fertigung und ein ausgepr&auml;gtes Qualit&auml;tsbewusstsein innerhalb der Belegschaft verf&uuml;ge.52<\/p><p>Zur gleichen Zeit begegnete mir ein Produzent von hochwertiger Unterw&auml;sche. Er produziert zur Zeit in Slowenien, erw&auml;gt aber schon, nach China weiterzuwandern, weil die L&ouml;hne in Slowenien inzwischen ordentlich gestiegen sind. Sein Unternehmerkollege Wolfgang Grupp hingegen &ndash; der Mann mit dem Schimpansen in der Fernsehwerbung &ndash; sieht gro&szlig;e Vorteile darin, mit seiner Firma Trigema hier in Deutschland zu produzieren: &raquo;Ich bin stets am Ort der Produktion, um jedes Problem sofort l&ouml;sen zu k&ouml;nnen&laquo;, meinte er in einem Interview mit dem Stern.53<\/p><p>Noch ein interessantes Beispiel: Der Landmaschinenhersteller Claas stellt M&auml;hdrescher in Harsewinkel in Westfalen her. Er produziert jetzt auch in Russland, weil dort ein riesiger Markt zu erschlie&szlig;en ist. Die Unternehmensleitung rechnet damit, dass selbst dann, wenn 50 Prozent der Wertsch&ouml;pfung in Russland liegen sollten, immer noch 50 Prozent der dort montierten Teile aus Harsewinkel kommen. Wenn die Produktion in Russland wegen des gro&szlig;en Bedarfs steigt und sich verdoppelt und vervielfacht, dann haben auch die Arbeitskr&auml;fte in Westfalen mehr davon als ohne diese Teilverlagerung.<br>\nNiemand wei&szlig; genau, wie die Nettobilanz dieser vielen Bewegungen aussieht. Ich will auch nicht behaupten, dass die Verlagerung ein harmloses Problem sei. Nur sollte man aufh&ouml;ren, daraus einen nicht zu stoppenden Trend zu konstruieren. &raquo;Es ist nicht gottgegeben, dass die Arbeitspl&auml;tze ins Ausland gehen m&uuml;ssen&laquo;, meint Wolfgang Grupp.<\/p><p>G&auml;be es in Deutschland noch den Willen zur Vernunft, dann w&uuml;rden sich die ma&szlig;geblichen Kr&auml;fte in Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Banken darauf verst&auml;ndigen, die Stimmungsmache pro Verlagerung sein zu lassen. Dann k&ouml;nnte man wenigstens jene Abwanderungen verhindern, die in der Vergangenheit und bis heute aus modischen Gr&uuml;nden beschlossen wurden &ndash; weil auch Investoren und Unternehmer nach vermeintlichen Trends entscheiden, weil sie nicht alle Faktoren durchrechnen, weil sie nicht bedenken, dass auch die Lohnkosten in Tschechien und in Polen und in Ungarn kurzfristig steigen k&ouml;nnen. Wenn sie das &shy;t&auml;ten, w&uuml;rden sie auch bedenken, dass es Faktoren gibt, wie Sprache, P&uuml;nktlichkeit und Qualit&auml;t, die wichtiger sein k&ouml;nnen als die Ausnutzung der letzten Lohndifferenz. Und weil Stimmungen bei diesen Entscheidungen eine so gro&szlig;e Rolle spielen, w&uuml;rde sich die Tendenz, die das ISI-Institut in Karlsruhe 2002 beobachtet hat, verst&auml;rken: Unternehmer w&uuml;rden genau &uuml;berlegen, bevor sie im Ausland investieren, andere w&uuml;rden zur&uuml;ckkehren.<br>\nWo Entscheidungen von Stimmungen abh&auml;ngen, kann man sie auch positiv beeinflussen. Wir k&ouml;nnen Schluss machen mit der Miesmacherei, wir k&ouml;nnen unsere St&auml;rken betonen, f&ouml;rdern und ausbauen, also die Ausbildung und Bildung der hier arbeitenden Menschen verbessern, die Infrastruktur intakt halten und verbessern, die anderen harten und weichen Faktoren wie das Gerichtssystem und die kulturelle Vielfalt unseres Landes annehmen und f&ouml;rdern, wir k&ouml;nnen die Offenheit und Attraktivit&auml;t Deutschlands erhalten, ausbauen und daf&uuml;r werben, werben, werben. Es war doch nicht ohne Absicht, dass Helmut Schmidt 1976 als Bundeskanzler vom Modell Deutschland sprach. Das zielte nicht nur nach innen, sondern auch nach au&szlig;en. Damit sollte die Attraktivit&auml;t unseres Landes auf den Punkt gebracht und sein guter Ruf gef&ouml;rdert werden. Damals hatte Helmut Schmidt Erfolg damit. Warum sollte es heute nicht wieder klappen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An einem unserer heute eingestellten Hinweise k&ouml;nnen Sie sch&ouml;n beobachten, wie wir manipuliert werden. Gemeint ist der Artikel im ManagerMagazin &uuml;ber <a href=\"http:\/\/www.manager-magazin.de\/unternehmen\/mittelstand\/0,2828,460471,00.html\">&bdquo;Die R&uuml;ckkehr der Reum&uuml;tigen&ldquo;<\/a>. Wenn Sie dann diese Abwanderungsdebatte konfrontieren mit dem Beitrag in der taz <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/dx\/2007\/04\/20\/a0136.1\/text\">&bdquo;Globalisierung in Franken&ldquo;<\/a>, dann k&ouml;nnen Sie erkennen, wie sehr die Debatte an dem vorbeigeht, was wirklich<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2279\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[37,11,157,30],"tags":[319,1117,312,443],"class_list":["post-2279","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-globalisierung","category-strategien-der-meinungsmache","category-wettbewerbsfaehigkeit","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-lohnentwicklung","tag-managermagazin","tag-reformpolitik","tag-standortwettbewerb"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2279","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2279"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2279\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30011,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2279\/revisions\/30011"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2279"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2279"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2279"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}