{"id":2281,"date":"2007-04-24T08:09:37","date_gmt":"2007-04-24T06:09:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2281"},"modified":"2016-01-07T11:27:20","modified_gmt":"2016-01-07T10:27:20","slug":"lebhaft-nachgefragte-ladenhuter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2281","title":{"rendered":"Lebhaft nachgefragte Ladenh\u00fcter"},"content":{"rendered":"<p>Wenn sich einer jenseits der &uuml;berwiegend ver&ouml;ffentlichten wirtschaftspolitischen Meinung bewegt: was bringt ihm das ein? Nun, es wird nat&uuml;rlich einsam um ihn. Aber daf&uuml;r kann er nachdenken. Zum Beispiel dar&uuml;ber, warum die Wirtschaftspolitik so manches untaugliche Erzeugnis im Angebot h&auml;lt. Denn g&auml;be es f&uuml;r die Wirtschaftspolitik eine Stiftung Warentest, m&uuml;sste deren Urteil &bdquo;nicht empfehlenswert&ldquo; oder &bdquo;mangelhaft&ldquo; lauten. Doch diese Stiftung gibt es nicht, und deshalb sind untaugliche Erzeugnisse nicht etwa als Ladenh&uuml;ter oder Ramschware bekannt, sondern wie Qualit&auml;tsware lebhaft nachgefragt. Bei erheblichem Werbungsaufwand, allerdings. Dank der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, gesponsert vom Unternehmensverband Gesamtmetall.<br>\nAnmerkungen zu den Angeboten der vorherrschenden Wirtschaftspolitik von Hans-Ulrich Spree.<br>\n<!--more--><br>\nBelege? Bitte sehr.<\/p><p>Der K&uuml;ndigungsschutz soll weiter gelockert, am besten ganz aufgehoben werden. Warum eigentlich? Aus empirischen Untersuchungen geht hervor, dass das geltende Recht f&uuml;r die Personalwirtschaft praktisch belanglos ist. Kaum ein Unternehmer ist gehindert zu tun, was ihm zweckm&auml;&szlig;ig erscheint, selbst wenn er sich gehindert &bdquo;f&uuml;hlt&ldquo;. Die Bundesagentur f&uuml;r Arbeit unterstreicht das mit ihren Zahlen &uuml;ber das erste Vierteljahr 2007: Hunderttausende wurden entlassen, Hunderttausende eingestellt &ndash; trotz K&uuml;ndigungsschutzgesetz. Aber da die dauernde Diskussion zumindest auf die Stimmung der Besch&auml;ftigten dr&uuml;ckt und sie jedenfalls nicht zur Konsumnachfrage anregt: schleunigst von der Tagesordnung absetzen!<\/p><p>Und dann das dauernde Gerede &uuml;ber die Lohnnebenkosten, die angeblich keine Nebensache sind: es nervt nur noch. Denn es geht politisch ja lediglich um die Arbeitgeberanteile zu den Sozialversicherungsbeitr&auml;gen, nicht etwa um die Zusatzkosten insgesamt. Und kaum jemandem ist klar, um wie viel, besser: um wie wenig die Kosten je Arbeitseinheit vermindert w&uuml;rden, wenn man diese Beitragsanteile k&uuml;rzte. Die f&uuml;r den internationalen Wettbewerb ma&szlig;gebenden Lohnst&uuml;ckkosten rechtfertigen jedenfalls keinerlei Besorgnis. <\/p><p>Und wenn man sich bewusst ist, dass das ganze Theater um die &bdquo;Rente mit 67&ldquo; &ndash; alles bereits im Vorgriff auf 2012 inszeniert &ndash; lediglich auf eine Beitragssatzverminderung um 0,5 bis 0,7 Prozentpunkte 2029 hinausl&auml;uft: ja, du meine G&uuml;te &ndash; warum er&ouml;rtert man nicht lieber gesamtwirtschaftliche Produktivit&auml;tsfortschritte? Oder den (Un-) Sinn weiterer Steuersatzsenkungen zum Nachteil des &ouml;ffentlichen Sektors und der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage?<\/p><p>Ein letzter Punkt, wieder nur beispielshalber: das Privatisieren &ouml;ffentlicher Einrichtungen und Leistungen. Dass die gesetzliche Krankenversicherung einst &uuml;berwiegend parit&auml;tisch finanziert wurde, ist angesichts der vielen Zuzahlungen durch Patienten nur noch Erinnerung. Und wie manches &ouml;ffentliche Unternehmen, wie mancher Wohnungsbestand wurde inzwischen abgesto&szlig;en &ndash; ohne einen dauerhaften Vorteil f&uuml;r B&uuml;rger und Besch&auml;ftigte!<\/p><p>So kommt es dann, dass die Bediensteten von Deutsche Post WorldNet mit ihren Sozialversicherungsbeitr&auml;gen dazu beitragen (m&uuml;ssen), die mit Dumpingl&ouml;hnen abgespeisten und deshalb auf Transferleistungen angewiesenen Besch&auml;ftigten von Wettbewerbern &uuml;ber Wasser zu halten. Und die Briefsendungen von Beh&ouml;rden landen, der geringeren Kosten wegen, bei diesen Wettbewerbern. Der Staat muss ja sparen.<\/p><p>Dass in der Wirtschaftspolitik vieles nicht als ungereimt erscheint, h&auml;ngt sehr wahrscheinlich mit einem einfachen Sachverhalt zusammen. Wie erlebt, wie erf&auml;hrt der einzelne denn &bdquo;Wirtschaft&ldquo;? <\/p><p>Das geschieht immer durch eine einzelne Wirtschaftseinheit: einen Haushalt, einen Betrieb, eine Gemeinde, ein Unternehmen. Und was f&uuml;r diese einzelne Wirtschaftseinheit jeweils (betriebs-) wirtschaftlich richtig ist: m&uuml;sste es dann nicht auch f&uuml;r den Staat insgesamt und f&uuml;r die Volkswirtschaft richtig sein?<br>\nNein, eben nicht. Darin liegt der Irrtum. Denn wer Betriebswirtschaft gesamtwirtschaftlich zu adeln versucht, landet zwangsl&auml;ufig im Unfug.<br>\nDas ist ein bisschen schwierig zu begreifen. Aber die Folgen des Unfugs sind immerhin da und dort leicht zu besichtigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn sich einer jenseits der &uuml;berwiegend ver&ouml;ffentlichten wirtschaftspolitischen Meinung bewegt: was bringt ihm das ein? Nun, es wird nat&uuml;rlich einsam um ihn. Aber daf&uuml;r kann er nachdenken. Zum Beispiel dar&uuml;ber, warum die Wirtschaftspolitik so manches untaugliche Erzeugnis im Angebot h&auml;lt. 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