{"id":22873,"date":"2014-08-19T15:39:26","date_gmt":"2014-08-19T13:39:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22873"},"modified":"2015-10-25T11:43:47","modified_gmt":"2015-10-25T10:43:47","slug":"bytheendofseptember-mega-krise-mit-ansage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22873","title":{"rendered":"#ByTheEndofSeptember  &#8211; \u201eMega-Krise\u201c mit Ansage"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/140820_sudan_02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Vor drei Jahren erblickte mit dem S&uuml;dsudan der 193. Staat der Welt das Leben. Auf die gl&uuml;ckliche Geburt folgte jedoch schnell das Entsetzen. Der Staat ohne staatliche Strukturen brach zusammen und aus dem Machtkampf zweier Warloards wurde ein B&uuml;rgerkrieg mit ethnischer Komponente. Mittlerweile sind im S&uuml;dsudan 1,5 Millionen Menschen auf der Flucht. Die Felder konnten nicht bestellt werden, die ohnehin nur rudiment&auml;r vorhandenen lokalen Lebensmittelm&auml;rkte sind kollabiert. Wenn die Geberl&auml;nder des Nordens ihre Verpflichtungen nicht einhalten, droht laut UN-Angaben schon im September die &bdquo;Mega-Krise&ldquo;, eine Hungersnot epischen Ausma&szlig;es. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2661\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-22873-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140819_Mega_Krise_Suedsudan_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140819_Mega_Krise_Suedsudan_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140819_Mega_Krise_Suedsudan_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140819_Mega_Krise_Suedsudan_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=22873-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/140819_Mega_Krise_Suedsudan_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"140819_Mega_Krise_Suedsudan_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Spielball der USA<\/strong><\/p><p>Seit der Sudan 1956 seine Unabh&auml;ngigkeit erkl&auml;rte, lebte das Land lediglich 15 Jahre in einem Zustand, den man mit etwas Wohlwollen als &bdquo;Frieden&ldquo; bezeichnen k&ouml;nnte. Vor allem zwischen dem islamisch, arabisch gepr&auml;gten Norden und dem christlich, schwarzafrikanisch gepr&auml;gten S&uuml;den herrschte &uuml;ber Jahrzehnte hinweg ein andauernder B&uuml;rgerkrieg, der im Juli 2011 nach einem Referendum zur Gr&uuml;ndung des Staates S&uuml;dsudan f&uuml;hrte. Trotz seiner bitteren Armut ist der S&uuml;dsudan das Land mit den drittgr&ouml;&szlig;ten &Ouml;lvorkommen in Afrika.&nbsp;<\/p><p>Nachdem Chevron im Jahre 1978 dort &Ouml;l entdeckte, r&uuml;ckte der Sudan in das Interesse der USA. Um die guten Beziehungen nicht zu st&ouml;ren, dr&uuml;ckten die Amerikaner dabei auch gerne beiden Augen zu, wenn die Machthaber im nordsudanesischen Khartum mit &auml;u&szlig;erster Gewalt gegen die schwarzafrikanischen Minderheiten im S&uuml;dsudan vorgingen. Dies &auml;nderte sich jedoch sp&uuml;rbar, als Umar al-Baschir 1993 an die Macht kam und sich St&uuml;ck f&uuml;r St&uuml;ck zu einem immer radikaleren Islamisten entwickelte. Nach 9\/11 &auml;nderten die USA ihre urspr&uuml;ngliche Haltung um 180&deg; und unterst&uuml;tzten fortan die Rebellen im S&uuml;den gegen die islamistische Zentralregierung, die ihrerseits in China einen neuen Partner fand, dem Menschenrecht, Religion und Ideologie ohnehin herzlich egal sind.&nbsp;<\/p><p>Die &ndash; von den USA initiierte &ndash; Abspaltung des S&uuml;dsudan war ein &bdquo;allamerikanisches&ldquo; Projekt: Die christlichen Fundamentalisten unterst&uuml;tzten das Projekt, da sie den Unabh&auml;ngigkeitskampf der S&uuml;dsudanesen als biblischen Kampf des Christentums gegen den Islam sahen. Die &Ouml;lkonzerne frohlockten, da sie hofften, nun wieder den Zugriff auf die sudanesischen &Ouml;lvorkommen zu bekommen, die allesamt im S&uuml;den des Landes liegen. Den Afroamerikanern gefiel es, dass im S&uuml;den ein schwarzafrikanischer Freiheitskampf gegen die arabische Unterdr&uuml;ckung stattfand. Und auch das linke Amerika jubelte, da al-Baschir sp&auml;testens seit dem Darfur-Konflikt, der rund 300.000 Menschen das Leben kostete, als ge&auml;chteter Schl&auml;chter gilt.&nbsp;<\/p><p><strong>Der Tod eines Traums<\/strong><\/p><div style=\"float:right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/140820_sudan_04.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p> Vielleicht war es dieser ungew&ouml;hnliche Schulterschluss von Gesellschaftsgruppen, die sich ansonsten spinnefeind sind, der im Vorfeld des s&uuml;dsudanesischen Unabh&auml;ngigkeitsreferendums dazu gef&uuml;hrt hat, dass die US-Regierung s&auml;mtliche mahnenden Stimmen ignoriert hat. Dabei h&auml;tte man ahnen k&ouml;nnen, was folgt. Nein, man h&auml;tte es nicht ahnen k&ouml;nnen, man h&auml;tte es wissen m&uuml;ssen.&nbsp;<br>\nAnstatt erst einmal staatliche &ndash; ja vielleicht sogar demokratische &ndash; Strukturen zu schaffen, st&uuml;rzte man sich voll und ganz auf die technischen Fragen des &bdquo;Nation-Buildings&ldquo;. Man ignorierte die Warnungen der International Crisis Group, die bereits 2010 vor einem &bdquo;Netz aus tief verwurzelten ethnischen Spannungen&ldquo; sprach und glaubte ernsthaft, dass man aus zwei ehemals verfeindeten s&uuml;dsudanesischen Warloards mit unterschiedlichem ethnischen Hintergrund und ohne administrative Erfahrung pl&ouml;tzlich einen &bdquo;gutes&ldquo; Pr&auml;sident-Vizepr&auml;sident-Gespann machen k&ouml;nnte. Es gab ja schlie&szlig;lich genug &Ouml;l und sprudelnde Einnahmen, die innere Konflikte kitten sollten.&nbsp;<\/p><p>Doch noch nicht einmal das funktionierte. Da der S&uuml;dsudan keinen Seehafen hat und es (noch) keine Exportroute &uuml;ber das Nachbarland &Auml;thiopien gibt, musste man das &Ouml;l &uuml;ber eine Pipeline transportieren, die fast vollst&auml;ndig &uuml;ber das Staatsgebiet des (Nord)Sudans f&uuml;hrt. Das wollte sich al-Bashir nat&uuml;rlich bezahlen lassen. Es kam zu einem neuen Nord-S&uuml;d-Konflikt und die Einnahmen, die in den wenigen Monaten erzielt werden konnten, in denen das &Ouml;l floss, gingen gr&ouml;&szlig;tenteils in Waffenk&auml;ufe aus China, w&auml;hrend der Rest in einem dichten Netz aus Korruption und Kleptokratie versickerte. Um neues Geld aufzutreiben, wurden chinesischen Unternehmen neue &Ouml;lkonzessionen verkauft und nun waren auch die USA ernsthaft irritiert und stellten ihre Unterst&uuml;tzung ein. Dass sich der US-Darling Salva Kiir St&uuml;ck f&uuml;r St&uuml;ck zu einem lupenreinen Autokraten entwickelte, spielte da bestenfalls eine Nebenrolle. Und es kam, wie es kommen musste. Kaum stockte der Zufluss an Geld, gerieten die beiden starken M&auml;nner, Pr&auml;sident Kiir und Vizepr&auml;sident Machar, aneinander. Der Erstere warf dem Letzteren (wohl nicht zu Unrecht) Ende letzten Jahres vor, putschen zu wollen und wenige Tage sp&auml;ter kam es zum offenen B&uuml;rgerkrieg.<\/p><p>Da Pr&auml;sident Kiir der Mehrheit der Dinka und der ehemalige Vizepr&auml;sident und jetzige Rebellenf&uuml;hrer Machar der Minderheit der Nuer angeh&ouml;rt, bekam der Krieg auch schnell eine ethnische Komponente mit allem was dazugeh&ouml;rt &ndash; ethnische Vertreibungen, V&ouml;lkermord und Massenvergewaltigungen. Der Krieg wird durch die &Ouml;leinnahmen beider Seiten &ndash; mal kontrollieren die Regierungstruppen die Felder, mal die Rebellen &ndash; geschmiert und auf beiden Seiten gibt es keinen ernsthaften Wunsch, sich mit weniger als der Kapitulation des Gegners zufriedenzugeben. Die zeitgleich ablaufenden Friedensgespr&auml;che in &Auml;thiopien dienen Zynikern zufolge nur der Luxushotelerie in Addis Abeba und werden von den beiden Kriegsparteien geflissentlich ignoriert.&nbsp;<\/p><p><em>Hintergrund: David Smith &ndash; <a href=\"http:\/\/www.theguardian.com\/world\/2014\/jan\/20\/south-sudan-death-of-a-dream\">The Death of a dream<\/a><\/em><\/p><p><strong>Mega-Krise ante portas<\/strong><\/p><p>Die selben Zyniker sagen auch, dass ein simpler Blick auf die Wetterkarte ausreicht, um sich die dramatischen Folgen des nunmehr acht Monate w&auml;hrenden B&uuml;rgerkriegs in S&uuml;dsudan auszumalen. Auf die Regen- folgt die Trockenzeit und wer sich bislang noch auf sehr geringem Niveau von Wurzeln und Gr&auml;sern ern&auml;hren konnte, wird bald gar nichts Essbares mehr finden. Die letzten Vorr&auml;te werden bereits Ende August aufgebraucht sein und die diesj&auml;hrige Ernte findet in den meisten Gebieten des Landes nicht statt, da die 1,5 Millionen Vertriebenen die Saat nicht vornehmen oder ihre &Auml;cker nicht bestellen konnten. Zudem fehlt in der Fl&auml;che &bdquo;der Zugang zu sauberen Wasser, Gesundheitsversorgung und allem, was der Mensch zum &Uuml;berleben ben&ouml;tigt&ldquo;, so Sue Lautez von der Ern&auml;hrungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN (FAO).<br>\nEs ist nicht so, dass die kommende Krise die internationalen Organisationen &uuml;berraschen w&uuml;rde. Und es ist schon gar nicht so, dass diese Organisationen der Krise mit Fatalismus entgegengehen. In ungew&ouml;hnlich &ndash; aber dennoch angemessen &ndash; alarmistischen Ton warnte die UN j&uuml;ngst vor einer kommenden &bdquo;Mega-Krise&ldquo;. Der UN-Sicherheitsrat warnte zeitgleich vor der &bdquo;schlimmsten Nahrungsmittelkrise der Welt&ldquo;, w&auml;hrend UNICEF die Zahl der Hungernden in der kommenden Krise auf vier Millionen beziffert. Die Zahl der noch in diesem Jahr Verhungernden ist dabei nicht seri&ouml;s zu sch&auml;tzen. Sie d&uuml;rfte jedoch erschreckend hoch sein.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/140820_sudan_03.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p><strong>#ByTheEndofSeptember<\/strong><\/p><p>Wieder einmal geben sich V&ouml;lkermord, Krieg und eine Hungerkrise epischen Ausma&szlig;es die Hand. Wieder einmal steht die Welt vor den Pforten der H&ouml;lle. Doch diesmal kann niemand sagen, er h&auml;tte nichts davon wissen k&ouml;nnen. Nach <a href=\"http:\/\/www.aussengedanken.de\/bytheendofseptember\/\">Aussagen der Deutschen Welthungerhilfe<\/a>, konnte zuvor selten eine Katastrophe so pr&auml;zise vorhergesagt werden. Doch um das Schlimmste zu verhindern, fehlen nach UN-Angaben 750 Millionen Euro aus den Geberl&auml;ndern. Mit dem Hashtag <a href=\"http:\/\/www.welthungerhilfe.de\/suedsudan-endofseptember\/\">#ByTheEndofSeptember<\/a> (deutsch: Bis Ende September) versucht die Welthungerhilfe nun in Deutschland die &Ouml;ffentlichkeit und die Politik aufzur&uuml;tteln. Eine der Kernforderungen ist dabei, dass die Geberl&auml;nder ihr Versprechen aus dem Mai dieses Jahres einhalten und 460 Millionen Euro f&uuml;r Soforthilfe zur Verf&uuml;gung stellen. Kommt diese Hilfe nicht, ist es zu sp&auml;t. Dann werden wir wieder einmal in der Tagesschau schreckliche Bilder von verhungernden afrikanischen Kindern sehen. Nur dann d&uuml;rfen wir uns nicht mehr die Frage stellen, wie es so weit kommen konnte und warum niemand etwas dagegen getan hat, als es noch Zeit war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/140820_sudan_02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Vor drei Jahren erblickte mit dem S&uuml;dsudan der 193. Staat der Welt das Leben. Auf die gl&uuml;ckliche Geburt folgte jedoch schnell das Entsetzen. Der Staat ohne staatliche Strukturen brach zusammen und aus dem Machtkampf zweier Warloards wurde ein B&uuml;rgerkrieg mit ethnischer Komponente. Mittlerweile sind im<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22873\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,35,20,171],"tags":[912,379,1334,1426,849,1556],"class_list":["post-22873","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-aufbau-gegenoeffentlichkeit","category-landerberichte","category-militaereinsaetzekriege","tag-buergerkrieg","tag-china","tag-erdoel","tag-hegemonie","tag-nahrungsmittel","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22873","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=22873"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22873\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22878,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22873\/revisions\/22878"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=22873"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=22873"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=22873"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}