{"id":2288,"date":"2007-04-25T15:36:25","date_gmt":"2007-04-25T13:36:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2288"},"modified":"2016-01-07T11:11:35","modified_gmt":"2016-01-07T10:11:35","slug":"spiegel-leser-bezahlen-ihre-eigene-gehirnwasche-mit-17160-e-im-jahr-helfen-sie-ihnen-sich-dieser-zu-entziehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2288","title":{"rendered":"Spiegel-Leser bezahlen ihre eigene Gehirnw\u00e4sche &#8211; mit 171,60 \u20ac im Jahr. Helfen Sie ihnen, sich dieser zu entziehen."},"content":{"rendered":"<p>Wir starten zu diesem Zweck eine weitere Aktion zum Aufbau einer Gegen&ouml;ffentlichkeit: Sie finden unten eine Analyse mit Kommentar zu einem Spiegel-Artikel dieser Woche. Er hat den Titel <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de:80\/spiegel\/0,1518,478649,00.html\">&bdquo;Konjunktur. Wirtschaftswunder 2.0&ldquo;<\/a> (Ausgabe Nr. 17 Seite 80 bis 82). Der Autor schw&auml;rmt von der &bdquo;Kraft des deutschen Aufschwungs&ldquo; und ordnet ihn selbstverst&auml;ndlich vor allem den Reformen zu. An diesem Text kann man gut zeigen, wie systematisch und wie dreist Spiegel-Leser in die Irre gef&uuml;hrt werden. Eine Reihe von Aussagen stimmen einfach nicht, anderes wird falsch und unsinnig interpretiert.<br>\nDrucken Sie bitte die Analyse aus und geben Sie Kopien an Spiegel-Leser weiter. Wenn Sie dann Abonnenten des Spiegel &uuml;berzeugen k&ouml;nnen, dass ihr <a href=\"?page_id=13\">Geld beim Ausbau und der Weiterverbreitung der NachDenkSeiten um vieles besser angelegt<\/a> ist, dann ist das ein Nebeneffekt, der dem Aufbau einer Gegen&ouml;ffentlichkeit direkt zugute kommt. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>www. NachDenkSeiten.de &ndash; Die Kritische Homepage <\/strong><\/p><p><strong>SPIEGEL-Leser bezahlen ihre eigene Gehirnw&auml;sche &ndash; mit 171,60 &euro; im Jahr.<\/strong><\/p><p>Eine Analyse zu einem Beitrag im Spiegel Nr. 17\/2007 vom 23.4.2007 mit dem Titel: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/0,1518,478649,00.html\">&bdquo;Wirtschaftswunder 2.0&ldquo;<\/a><\/p><p>Von Albrecht M&uuml;ller<\/p><p><strong>Vorbemerkung:<\/strong><br>\nImmer noch wird der &bdquo;Spiegel&ldquo; in manchen Kreisen als Nachrichtenmagazin und als ein relativ kritisches Organ betrachtet. Tats&auml;chlich ist der Spiegel heute wirtschaftspolitisch zu einem einseitig ideologisch ausgerichteten Kampforgan geworden. Ausgekl&uuml;gelte Kampagnen der Meinungsbeeinflussung zu Gunsten zum Beispiel der Versicherungswirtschaft und der Banken bestimmen &uuml;ber weite Strecken die Berichte und Kommentare zu Demographie und Altersvorsorge. Genauso engagiert sich der Spiegel seit Jahren f&uuml;r die so genannte Reformpolitik. Das Blatt hat ausf&uuml;hrlich daran mitgearbeitet, unser Land und seine sozialen Strukturen in einem schlechten Licht erscheinen zu lassen. Dramatisierung war und ist an der Tagesordnung. Daf&uuml;r steht schon der Leiter des Berliner B&uuml;ros des Spiegel, Gabor Steingart, mit seinen B&uuml;chern &uuml;ber den angeblichen &bdquo;Abstieg des Superstars&ldquo; Deutschland und den angeblich ausbrechenden Wirtschafts-Weltkrieg. Und jetzt entdeckt der Spiegel pl&ouml;tzlich ein leibhaftiges Wirtschaftswunder.<\/p><p>Gegen Meinungs&auml;u&szlig;erungen und Bewertungen w&auml;re an sich noch nichts einzuwenden. Was uns aber in dem zu kommentierenden Beitrag an &Uuml;bertreibungen geboten wird, ist nicht mehr ertr&auml;glich. Und dass viele Fakten nicht stimmen oder falsch interpretiert sind, zeigt, wie der Spiegel arbeitet:<\/p><ol>\n<li>Im <strong>Vorspann unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Wirtschaftswunder 2.0&ldquo;<\/strong> zum Text hei&szlig;t es: &bdquo;Experten in Regierung und Wissenschaft wundern sich &uuml;ber die Kraft des deutschen Aufschwungs. Er l&auml;sst die Arbeitslosigkeit schneller sinken und sp&uuml;lt mehr Geld in die Staatskassen als alle fr&uuml;heren Konjunktur-Erholungen in der Geschichte der Republik. Warum eigentlich?&ldquo;<br>\nIm Text werden dann der Chef des Logistikunternehmens Dachser aus Kempten und ein Arzneimittelproduzent aus dem Hochtaunuskreis zitiert &ndash; mit beachtlichen Umsatzsteigerungen und Meldungen &uuml;ber neue Arbeitspl&auml;tze auch in Deutschland. &bdquo;Dieses Jahr wird das beste in unserer fast f&uuml;nfj&auml;hrigen Firmengeschichte&ldquo;, meint der Inhaber des Pharmaunternehmens. Und dann fasst der Spiegelautor zusammen: &bdquo;Und &uuml;berall das gleiche bunte Bild: es brummt wie lange nicht mehr.&ldquo;\n<p><strong>Richtig ist:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Der Aufschwung hat Teile unserer Volkswirtschaft erfasst, vor allem die Exportwirtschaft und die Investitionsg&uuml;terindustrie. Von &bdquo;&uuml;berall das gleiche bunte Bild&ldquo; kann jedoch keine Rede sein. Die auf den Binnenmarkt konzentrierte Industrie, der Einzelhandel, kleine Handwerksbetriebe oder die normale Gastronomie sp&uuml;ren von einem richtigen Aufschwung wenig. Und bei der Mehrheit der Arbeitnehmer oder der Rentner ist der Aufschwung &uuml;berhaupt nicht angekommen &ndash; jedenfalls nicht in der Lohnt&uuml;te<\/li>\n<li>Die &bdquo;Kraft des deutschen Aufschwungs&ldquo; ist an den realen Wachstumsraten gemessen keineswegs bemerkenswert, weder besonders schnell noch besonders stark. Mit 2,5% im Jahr 2006 und gesch&auml;tzten jeweils 2,4% in 2007 und 2008 wird erst unteres Mittelma&szlig; erreicht. In L&auml;ndern, die in den neunziger Jahren ihre Wirtschaftsschw&auml;chen &uuml;berwunden haben wie zum Beispiel Schweden, die USA zu Clintons Zeiten oder Spanien sind &uuml;ber mehrere Jahre Wachstumsraten von rund 4% erreicht worden.<br>\nSelbst beim Vergleich mit anderen Phasen der Wirtschaftsbelebung in Deutschland stellt man fest, dass die Euphorie &uuml;ber die  einzigartige &bdquo;Kraft&ldquo; des jetzigen &bdquo;deutschen Aufschwungs&ldquo; nicht begr&uuml;ndet ist:<br>\nSelbst beim letzten kleinen Boom in den Jahren 1997 bis 2000 wurde mit 3,2% ein h&ouml;herer Spitzenwert erreicht als heute;<br>\nbeim Aufschwung 1988 und 1989 waren es 3,7 und 3,6% und dann verst&auml;rkt von der deutschen Vereinigung noch einmal 5,7 und 5%;<br>\nbeim Aufschwung aus der Rezession der &Ouml;lpreisexplosion erreichte unsere Volkswirtschaft nach 1975 nacheinander 5,3%, 2,8%, 3,0% und 4,2%; nach der Rezession von 1966\/67 wurden reale Wachstumsraten von, 5%, 7,5% und  5% erreicht.\n<p>&Uuml;ber diese Details, die darzustellen leider wichtig sind, geht der Spiegelautor gro&szlig;z&uuml;gig hinweg, obwohl schon in einer Grafik, die im Spiegel-Artikel eingebaut ist, erkennbar ist, wie unbegr&uuml;ndet die Euphorie auch im Vergleich mit den bisherigen konjunkturellen Zyklen ist.<\/p><\/li>\n<li>Mit einem realen Wachstum von nur rund 2,4% in diesem und im n&auml;chsten Jahr werden wir die Schw&auml;che unserer Volkswirtschaft nicht &uuml;berwinden k&ouml;nnen. Um diese Vermutung zu begr&uuml;nden brauche ich nur daran zu erinnern, wie die Wachstumsrate der Arbeitsproduktivit&auml;t im vergangenen Jahr aussah: 1,9%. Wenn in diesem und im n&auml;chsten Jahr wieder ein &auml;hnlicher Wert erreicht wird, dann bleibt bei einem Wachstum von nur 2,4% volkswirtschaftlich betrachtet nicht viel &bdquo;Kraft&ldquo; f&uuml;r den Besch&auml;ftigungsaufbau.\n<p>Nachtrag zur Information: <\/p>\n<p><em><strong>Tabelle: Bruttoinlandsprodukt<\/strong> (preisbereinigt)<br>\nVer&auml;nderung gegen&uuml;ber dem Vorjahr:<\/em><\/p>\n<table>\n<tr>\n<td>1996<\/td>\n<td>1997<\/td>\n<td>1998<\/td>\n<td>1999<\/td>\n<td>2000<\/td>\n<td>2001<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>+1,0%<\/td>\n<td>+1,8%<\/td>\n<td>+2,0%<\/td>\n<td>+2,0%<\/td>\n<td>+3,2%<\/td>\n<td>+1,2%<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>2002<\/td>\n<td>2003<\/td>\n<td>2004<\/td>\n<td>2005<\/td>\n<td>2006<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>+0,0%<\/td>\n<td>-0,2%<\/td>\n<td>+1,2%<\/td>\n<td>+0,9%<\/td>\n<td>+2,5%<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<p class=\"reference\">Quelle: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 11.1.2007<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Zur Begr&uuml;ndung und Erl&auml;uterung der Behauptung, der Aufschwung lasse &bdquo;die Arbeitslosigkeit schneller sinken als alle fr&uuml;heren Konjunktur-Erholungen&ldquo; schreibt der Spiegelautor: &bdquo;Die Einstellungswelle hinterl&auml;sst deutliche Spuren in der Arbeitsmarktstatistik. <strong>Vom M&auml;rz 2006 bis M&auml;rz 2007 sank die Zahl der Jobsuchenden um fast 900.000, so stark wie nie zuvor in der Geschichte der Republik.<\/strong>&ldquo; Diese Behauptung gr&uuml;ndet auf dem Monatsbericht der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit f&uuml;r M&auml;rz 2007, ohne die differenzierenden Details zu zitieren.\n<p><strong>Richtig ist:<\/strong><\/p>\n<p>Die gefeierte Reduzierung der Jobsuchenden um 900.000 kommt auch dadurch zu Stande, dass mehrere hunderttausend  seit M&auml;rz 2006 aus der Arbeitslosenstatistik hinausbugsiert worden sind, nicht mehr gez&auml;hlt werden, weil sie in Minijobs, in einer Qualifizierungs- bzw. Trainingsma&szlig;nahme oder in Arbeitsgelegenheiten landeten oder eine &bdquo;vorruhestands&auml;hnliche&ldquo; Regelung genie&szlig;en. Ansonsten gibt es eine konjunkturelle Belebung, die sich auf dem Arbeitsmarkt niederschl&auml;gt, die aber schon angesichts der hohen Zahl der verbleibenden Arbeitslosen zu keinerlei Euphorie Anlass gibt.<br>\nZu den Einzelheiten zitiere ich Ausz&uuml;ge aus einer zusammenfassenden Analyse des Monatsbericht der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit durch Otto Meyer (Ossietzky)\/Quelle: linksnet: Der Bericht selbst ist als PDF Datei bei der Bundesagentur abrufbar:<\/p>\n<blockquote><p>Die Kommentatoren und Schlagzeilenmacher am Tag danach sind sich &uuml;berwiegend einig, endlich gehe es aufw&auml;rts in Deutschland. Der wirtschaftliche Aufschwung gewinne an Fahrt und habe jetzt auch den Arbeitsmarkt erreicht. Kontrovers diskutiert wird lediglich noch die Frage, ob &raquo;wir&laquo; augenblicklich die Fr&uuml;chte aus Schr&ouml;ders oder schon aus Merkels Reformen ernten k&ouml;nnten.<\/p>\n<p>Ein genauerer Blick in den kompletten Bericht der Arbeitsagentur aus N&uuml;rnberg f&uuml;hrt allerdings bald zu Irritationen. Zun&auml;chst scheinen einige der als positiv ausgewiesenen Trends zu stimmen: Im M&auml;rz 2007 ist die Zahl der von Amts wegen registrierten Arbeitslosen gegen&uuml;ber dem Vormonat um 114.000, saisonbereinigt (im Fr&uuml;hjahr gibt&rsquo;s regelm&auml;&szlig;ig mehr Arbeit) immerhin noch um 65.000 gesunken. Sie liegt jetzt noch bei 4,108 Millionen; gegen&uuml;ber den Zahlen von vor einem Jahr soll es eine Abnahme um 869.000 gegeben haben. Der Bericht weist darauf hin, dass dies auf die gestiegene Zahl der Erwerbst&auml;tigen zur&uuml;ckzuf&uuml;hren sei.<br>\nDoch hier zeigt sich eine auff&auml;llige Differenz: Es sind fast 300.000 mehr aus der Arbeitslosenstatistik verschwunden, als bei der Zunahme in der Zahl der Erwerbst&auml;tigen wieder auftauchen. Ein Grund hierf&uuml;r findet sich in dem Hinweis der Bundesagentur, dass sie &raquo;die systematische &Uuml;berpr&uuml;fung des Arbeitslosenstatus von Arbeitslosengeld II-Empf&auml;ngern&laquo; verst&auml;rkt habe. Da fallen dann nicht nur die Unterst&uuml;tzungszahlungen nach Hartz IV weg, die Betroffenen melden sich nicht mehr und werden aus der Statistik gestrichen. &Auml;hnlich ergeht es jenen, die in die Selbst&auml;ndigkeit als Ich-AGler gedr&auml;ngt oder zur Annahme von Minijobs gezwungen werden. Sobald jemand 15 Wochenstunden arbeitet, z&auml;hlt er nicht mehr als arbeitslos, obwohl in der Regel weiterhin Anspruch auf Leistungen nach Hartz IV besteht. M&uuml;ntefering arbeitet ja daran, dass &raquo;wir&laquo; noch besser werden &hellip;<\/p>\n<p>Noch gr&ouml;&szlig;er werden die Irritationen beim Blick auf die Gesamtzahlen. So soll es im M&auml;rz 2007 noch 1,342 Millionen Empf&auml;nger von Arbeitslosengeld I gegeben haben, aber als &raquo;arbeitslos&laquo; aus dieser Gruppe z&auml;hlen nur 1,020 Millionen. Erkl&auml;rt wird hierzu, dass alle, die zum Beispiel &raquo;vorruhestands&auml;hnliche Regelungen&laquo; in Anspruch nehmen, nicht mehr mitgez&auml;hlt werden &ndash; die betroffenen &Auml;lteren m&uuml;ssen ja erkl&auml;ren, dass sie dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verf&uuml;gung stehen. Aus der Statistik fallen auch jene heraus, die sich &raquo;in einer Trainingsma&szlig;nahme&laquo; (= Fortbildung, veranlasst durch die Arbeitsagentur) befinden. Beide Streichungen aus der Statistik wurden unter Rot-Gr&uuml;n zur Versch&ouml;nerung der Arbeitslosenzahlen vorgenommen.<\/p>\n<p>&Auml;hnliches geschieht bei der statistischen Erfassung der Empf&auml;nger von Arbeitslosengeld II: Ausgewiesen f&uuml;r M&auml;rz 2007 werden 5,194 Millionen. Ihre Zahl ist gegen&uuml;ber M&auml;rz 2006 sogar um 35.000 gestiegen. Aber als &raquo;arbeitslos&laquo; erscheinen davon nur 2,634 Millionen. Warum werden die &uuml;brigen 2,560 Millionen &ndash; fast die H&auml;lfte &ndash; nicht mitgez&auml;hlt? Als statistische Ausschluss-Gr&uuml;nde nennt die Arbeitsagentur &raquo;Schulbesuch&laquo; (erw&uuml;nscht), &raquo;die Besch&auml;ftigung in einer Arbeitsgelegenheit&laquo; (= Ein-Euro-Jobber), &raquo;die Teilnahme an einer Qualifizierungsma&szlig;nahme&laquo; (von der Agentur gefordert) &raquo;oder die Betreuung kleiner Kinder oder Angeh&ouml;riger&laquo;. Korrekt w&auml;re es meines Erachtens nur, die letzte Gruppe herauszurechnen. Alle anderen sind auf der Suche nach einer Besch&auml;ftigung und m&uuml;ssen in der Regel ihre &raquo;Qualifizierungsma&szlig;nahmen&laquo; abbrechen, sobald sich eine Besch&auml;ftigung findet. Warum gelten sie nicht mehr als &raquo;Arbeitslose&laquo;?<\/p>\n<p>Die Bundesagentur z&auml;hlt korrekt die Zahlen der Empf&auml;nger von Arbeitslosengeld I und II zusammen: &raquo;Alles in allem bekamen damit 6.427.000 erwerbsf&auml;hige Menschen Lohnersatzleistungen.&laquo; Niemand aus der Regierung oder aus der Phalanx der Medien-Meinungsmacher sollte behaupten, er wisse nicht, dass mehrere Millionen mehr in diesem Lande ohne ausreichenden Job sind als die jetzt vorwiegend zitierten 4,1 Millionen. Die eigene Beh&ouml;rde hat &uuml;ber sechs Millionen erfasst. Fachleute sch&auml;tzen, dass tats&auml;chlich sieben bis acht Millionen Menschen auf der Suche nach einem Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnis sind, in das sie ihre F&auml;higkeiten einbringen und von dem sie leben k&ouml;nnen. &hellip;. <\/p>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.linksnet.de\/textsicht.php?id=2977\">linksnet<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Soweit die Analyse des Monatsbericht der Bundesagentur. Die von dieser erfasste Zahl von &uuml;ber 6 Millionen Menschen ohne ausreichenden Job sagt sehr viel &uuml;ber die Realit&auml;t im so genannten Wirtschaftswunderland. Die dadurch gekennzeichnete prek&auml;re Lage pr&auml;gt die Stimmung der Mehrheit der Menschen. Spiegel-Redakteure leben offenbar weit weg von dieser deutschen Realit&auml;t.<\/p><\/li>\n<li><strong>Der Spiegel preist die Reformschritte auf dem Arbeitsmarkt und nennt in diesem Kontext die Erleichterung der Zeitarbeit<\/strong> durch die fr&uuml;here Bundesregierung einen wichtigen Reformschritt. Damit sei der besch&auml;ftigungshemmende K&uuml;ndigungsschutz ausgetrickst worden.\n<p>Das ist die &uuml;bliche neoliberale Argumentation. Dabei wird au&szlig;er Acht gelassen, dass mit den geringer bezahlten Leiharbeitsverh&auml;ltnissen die Beitr&auml;ge zu den Sozialkassen verringert werden. Ohne das heftige Wachstum der Leiharbeit gebe es deutlich mehr sozialversicherungspflichtige Arbeitsverh&auml;ltnisse mit besseren Einkommen und mehr Einnahmen f&uuml;r die Sozialkassen. Mit der Ausweitung der Leiharbeit wurde der Anteil der Niedrigl&ouml;hne ausgeweitet, mehr Menschen in unsichere und unw&uuml;rdige Arbeitsverh&auml;ltnisse geschoben und die Einkommensverteilung weiter auseinander gezogen. Das ist eine gesellschaftspolitische Entwicklung, die man nicht guthei&szlig;en kann, wenn man nur ein bisschen &uuml;ber den Tellerrand betriebswirtschaftlichen Denkens hinausschaut. Beim Spiegel offenbar zu viel verlangt.<\/p>\n<p>Der Spiegel begr&uuml;&szlig;t die zahlreichen B&uuml;ndnisse f&uuml;r Arbeit auf Betriebsebene, die zu Arbeitszeitverl&auml;ngerungen und Gehaltsk&uuml;rzungen gef&uuml;hrt haben. Er begr&uuml;&szlig;t den gestiegenen Druck auf Arbeitende und Arbeitslose und insinuiert dabei immer wieder, dadurch seien Arbeitspl&auml;tze geschaffen worden. Das ist im Kern nicht richtig. Mit diesen Ma&szlig;nahmen ist der Druck auf die L&ouml;hne und Geh&auml;lter erh&ouml;ht worden und die Einkommensverteilung zwischen unten und oben ist hat sich auseinanderentwickelt. Dass die Betriebe neue Leute eingestellt haben, ist die Folge der konjunkturellen Belebung und nicht die Folge der Arbeitsmarktreformen.<br>\nDiese Tatsache zu verleugnen ist der alte, bekannte Fehler der Reformer. Die Bedeutung der Makro&ouml;konomie haben sie weder in der tiefen Rezession noch jetzt beim leichten Aufschwung begriffen.<\/p>\n<p>Der Spiegel lobt die Streichung der Anreizprogramme f&uuml;r Fr&uuml;hverrentung. Das ist sch&ouml;n und gut, hat aber partout nichts mit der jetzigen Wirtschaftsbelebung zu tun. Diese &bdquo;Anreizprogramme&ldquo; laufen n&auml;mlich erst 2009 aus. Es ist absoluter Unfug, das mit dem Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt von heute in Verbindung zu bringen.<\/p><\/li>\n<li>Der Spiegel schreibt: &bdquo;Deutschland erlebt einen geradezu <strong>musterg&uuml;ltigen Aufschwung<\/strong>, der allerdings <strong>auch ausl&auml;ndischer Nachfrage zu verdanken<\/strong> ist.&ldquo;\n<p><strong>Richtig ist: <\/strong><\/p>\n<p>Es ist gerade kein musterg&uuml;ltiger Aufschwung, unter anderem deshalb, weil er fast ausschlie&szlig;lich (und nicht nur &bdquo;auch&ldquo;) ausl&auml;ndischer Nachfrage zu verdanken ist. Deutschland hat seit 2003 zwei- und dreistellige Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;sse, 2006 einen solchen von &uuml;ber 116 Mrd. Euro; wenn im Innern nicht so viele wirtschaftspolitischen Fehler gemacht worden w&auml;ren, h&auml;tte diese extreme Wettbewerbsf&auml;higkeit sich schon fr&uuml;her in einem Aufschwung niederschlagen m&uuml;ssen.<br>\nUnsere hohen Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;sse zeugen zwar von hoher Wettbewerbsf&auml;higkeit, aber anders als beim Redakteur des Spiegels sollte diese Erscheinung Nachdenklichkeit ausl&ouml;sen. Wir exportieren auf diese Weise n&auml;mlich Arbeitslosigkeit und Leistungsbilanzschwierigkeiten auch in unsere europ&auml;ischen Nachbarl&auml;nder. Von deren guter wirtschaftlicher Entwicklung sind wir jedoch auch abh&auml;ngig, wir m&uuml;ssten also ein Interesse an der St&auml;rkung der Wettbewerbsf&auml;higkeit dieser unserer Partner haben. Mit Sicherheit k&ouml;nnen wir kein Interesse an einem weiteren Euro-Anstieg haben, weil dies zwar Deutschland  angesichts der hohen Wettbewerbsf&auml;higkeit weniger trifft, unsere engen Partner Frankreich, Italien, Spanien und so weiter aber sehr wohl. &ndash; Eine solche differenzierte Betrachtung ist dem Spiegel offenbar fremd. <\/p><\/li>\n<li>Der Spiegel feiert das Verdienst der Tarifpartner am Aufschwung. Die <strong>Zur&uuml;ckhaltung bei den Lohnabschl&uuml;ssen<\/strong> habe dazu gef&uuml;hrt, dass die Lohnst&uuml;ckkosten sanken, jedenfalls nicht so stark stiegen wie in anderen L&auml;ndern. Und dann wird eine Grafik abgebildet, die das Auseinanderdriften der Lohnst&uuml;ckkosten zwischen Deutschland und anderen europ&auml;ischen Staaten und der EU-15 insgesamt zeigt. Und auf dem Hintergrund dieser gefeierten Entwicklung wird dann wie &uuml;blich vor zu hohen Lohnabschl&uuml;ssen und Mindestlohnpl&auml;nen gewarnt. &bdquo;Damit w&uuml;rde die m&uuml;hsam gewonnene Flexibilit&auml;t wieder gef&auml;hrdet.&ldquo; So wird der Mannheimer &Ouml;konom Franz als so genannter Experte zitiert.\n<p><strong>Richtig ist,<\/strong><\/p>\n<p>dass die Stagnation der L&ouml;hne in Deutschland zur Steigerung der internationalen Wettbewerbsf&auml;higkeit beigetragen hat. Aber das ist aus vielerlei Gr&uuml;nden keine L&ouml;sung unserer wirtschaftlichen Probleme. Erstens wird &ndash; siehe oben &ndash; dadurch die Wettbewerbsf&auml;higkeit wichtiger Euro-Partner beeintr&auml;chtigt, was auf Dauer jedenfalls in einem gemeinsamen W&auml;hrungsraum nicht geht und auf uns zur&uuml;ckschlagen muss. Zweitens haben die L&ouml;hne eine Doppelfunktion. Stagnieren sie weiter, dann wird die Schw&auml;che der Binnennachfrage noch weiter versch&auml;rft und das so genannte Wirtschaftswunder bleibt eine sehr einseitige Angelegenheit.<br>\nSchlicht falsch ist die Aussage, dass bei einer R&uuml;ckkehr zu normalen Lohnabschl&uuml;ssen, also etwa 4 % (= ca. 2 % Lohnst&uuml;ckkostenzuwachs angesichts einer zu erwartenden Produktivit&auml;tssteigerung von circa 2%) die Wettbewerbsf&auml;higkeit leiden w&uuml;rde. Nein, bei solchen Abschl&uuml;ssen bliebe die extrem hohe Wettbewerbsf&auml;higkeit genau erhalten, w&uuml;rde nur nicht noch weiter gesteigert, weil im Rest der Welt die Lohnst&uuml;ckkosten auch mit 2 % steigen. Genau wegen dieses Sachverhalts ist es unumg&auml;nglich, dass in D. die L&ouml;hne wieder normal steigen&hellip;oder wollen wir alle anderen f&uuml;r immer von den M&auml;rkten verdr&auml;ngen&hellip;und dann Transfers f&uuml;r ihre herunterkonkurrierten Volkswirtschaften zahlen wie nach Ostdeutschland, damit sie unsere unschlagbaren G&uuml;ter kaufen k&ouml;nnen???<\/p>\n<p>Die Grafik des Spiegel zum Lohnst&uuml;ckkostenvergleich zwischen verschiedenen L&auml;ndern enth&auml;lt &uuml;brigens noch eine Ungenauigkeit. Es wird nicht notiert, in welcher W&auml;hrung verglichen wird. Vermutlich in Euro. Das w&uuml;rde erkl&auml;ren, dass die Lohnst&uuml;ckkosten in Gro&szlig;britannien von 2002 auf 2003 rasant gesunken sind. Damals gab es n&auml;mlich eine deutliche Abwertung des britischen Pfund, die den markanten Knick nach unten in der Kurve Gro&szlig;britanniens bei den Lohnst&uuml;ckkosten erkl&auml;ren k&ouml;nnte. In britischen Pfund gerechnet w&auml;ren die Lohnst&uuml;ckkosten Gro&szlig;britanniens vermutlich &auml;hnlich stark gestiegen wie die Italiens. So korrekt gerechnet und dargestellt h&auml;tte der Autor des Spiegels ein Erkl&auml;rungsproblem. Er m&uuml;sste erkl&auml;ren, warum der Anstieg der Lohnst&uuml;ckkosten im Falle Gro&szlig;britanniens nicht gef&auml;hrlich ist.<\/p><\/li>\n<li>Im Spiegel werden die <strong>hohen Steuereinnahmen bewundert und als einzigartig dargestellt<\/strong>.\n<p><strong>Richtig ist:<\/strong><\/p>\n<p>Dass die Steuereinnahmen steigen, hat nichts Wundersames an sich. Bei einer Gewinnexplosion, wie wir sie in der letzten Zeit hatten, war auch ein starker Anstieg der Gewinnssteuern zu erwarten. Au&szlig;erdem wirken sich die dreiprozentige Mehrwertsteuer-Erh&ouml;hung und die zahlreichen K&uuml;rzungen von Steuerverg&uuml;nstigungen wie der Pendlerpauschale oder der Nacht- und Feiertagszuschl&auml;ge aus.<\/p>\n<p>Der Spiegel weist leider nicht darauf hin, dass wir zum Beispiel bei der K&ouml;rperschaftsteuer, also einer wichtigen Steuer bei Unternehmen, heute noch nicht einmal wieder das Niveau des Jahres 2000 erreicht haben. Hier der Verlauf:<\/p>\n<table>\n<tr>\n<td>2000<\/td>\n<td>2001<\/td>\n<td>2002<\/td>\n<td>2003<\/td>\n<td>2004<\/td>\n<td>2005<\/td>\n<td>2006<\/td>\n<td>2007<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>23,6 Mrd Euro<\/td>\n<td>&ndash; 0,4<\/td>\n<td>2,9<\/td>\n<td>8,3<\/td>\n<td>13,1<\/td>\n<td>16,3<\/td>\n<td>22,9<\/td>\n<td>20,8*<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<p class=\"reference\">*Arbeitskreis Steuersch&auml;tzung von November 2006 \/ Quelle: Bundesfinanzministerium<\/p>\n<p>Nach der aktuellen Sch&auml;tzung wird also die K&ouml;rperschaftssteuer im Jahr 2007 nicht einmal nominell das Niveau von 2000 erreichen. Real (nach Abzug der Inflation) liegt sie selbst dann immer noch um mehr als zehn Prozent unter 2000, obwohl Wirtschaftsleistung und Gewinne heute deutlich h&ouml;her sind als vor sieben Jahren. <\/p>\n<p>Der Spiegel bewundert die Konsolidierungserfolge. Das ist bei konjunkturellen Belebungen keine neue Erscheinung:Schon beim letzten kleinen Boom von 1997 bis 2000 war es m&ouml;glich, dass wegen der konjunkturellen Entwicklung und der damit verbundenen Steuereinnahmen die Staatsneuverschuldung insgesamt reduziert werden konnte. Siehe folgende Abbildung aus &bdquo;Machtwahn&ldquo;:<\/p>\n<p><em><strong>Abbildung:<\/strong> J&auml;hrlicher Anstieg der Gesamtverschuldung der &ouml;ffentlichen Haushalte (in Milliarden Euro) zwischen 1988 und 2005 (Juni)<\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"img_border\" src=\"upload\/bilder\/kt_070425.gif\" alt=\"\" title=\"\"><\/p>\n<p class=\"reference\">Quelle: Sachverst&auml;ndigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (Hrsg.): Die Chance nutzen &ndash; Reformen mutig voranbringen, Jahresgutachten 2005\/06, Wiesbaden 2005, S. 79*.<\/p>\n<p>Dass das Staatsdefizit jetzt geringer wird, ist auch die Folge der extrem niedrigen Investitionen der &ouml;ffentlichen Hand. Ob wir das beklatschen sollten, m&ouml;chte ich bezweifeln. F&uuml;r die wirtschaftliche Zukunft unserer Volkswirtschaft w&auml;re es wichtig, die &ouml;ffentliche Infrastruktur vor weiterem Verfall zu bewahren und im Gegenteil neu zu investieren.<br>\nAuch ist es h&ouml;chst zweifelhaft, ob einige der Restriktionen bei den so genannten Konsumausgaben des Staates sinnvoll sind: die reale Absenkung des BAF&Ouml;G, Personalabbau und Einkommensstagnation im &ouml;ffentlichen Dienst, Einf&uuml;hrung von Studiengeb&uuml;hren, usw.<\/p><\/li>\n<li>Der Spiegel behauptet, <strong>die Mehrwertsteuererh&ouml;hung sei verdaut<\/strong>.<br>\nDie Bundesbank sieht das in ihrem Monatsbericht vom April anders. Nach ihrer Einsch&auml;tzung hat die Mehrwertsteuererh&ouml;hung Konsum und Wachstum ged&auml;mpft. Nach meiner Einsch&auml;tzung hat gerade die Mehrwertsteuererh&ouml;hung verhindert, dass mehr als ein mittelm&auml;&szlig;iges reales Wachstum m&ouml;glich wurde. Selbstverst&auml;ndlich kommt der Spiegel nicht auf die Idee, zur Mehrwertsteuererh&ouml;hung kritisch anzumerken, dass sie eine Bestrafung der auf den Binnenmarkt orientierten Wirtschaft und wegen der Entlastung der Exporte eine F&ouml;rderung der Exportwirtschaft darstellt. Das ist das Gegenteil dessen, was wir heute brauchen.<br>\nAuch hier ist der Spiegel ohne jeglichen aufkl&auml;rerischen Biss.<\/li>\n<li><strong>Warum versucht der Spiegel der jetzigen Wirtschaftsbelebung eine besondere Qualit&auml;t und Quantit&auml;t, ja sogar den Charakter eines Wirtschaftswunders zuzuschreiben?<\/strong> Das ist einleuchtend: Der Spiegel konstruiert eine besondere Dynamik des Aufschwungs, weil nur damit ein Zusammenhang zwischen Reformen und Wirtschaftsbelebung hergestellt werden kann. H&auml;tte der Aufschwung keine besondere Qualit&auml;t, w&uuml;rde er sich nicht unterscheiden von den Aufschw&uuml;ngen aus der Zeit vor den Reformen, dann k&ouml;nnten die Reformen nicht als Ursache hochgejubelt  werden. Logisch ist der Zusammenhang zwischen Reformen und konjunktureller Belebung sowieso nicht, also muss man ihn konstruieren, in diesem Fall durch &Uuml;bertreibung der tats&auml;chlichen wirtschaftlichen Erholung.\n<p>In diesem Zusammenhang ist auch die Zuschreibung des Wirtschaftswunders an Angela Merkel bemerkenswert: &bdquo;Aufmerksam wird die neue deutsche Dynamik unter Regierungschefin Angela Merkel im Ausland registriert&ldquo;, meint der Spiegel und zitiert dann die Financial Times aus London mit deren Empfehlung des neuen deutschen Wirtschaftswunders &bdquo;als Vorbild f&uuml;r weniger dynamische Volkswirtschaften wie Frankreich oder Italien.&ldquo;<\/p>\n<p>Wenn der Autor des Spiegels auch nur ein bisschen Ged&auml;chtnis h&auml;tte oder ein solches bem&uuml;hen w&uuml;rde, dann m&uuml;sste ihm einfallen, dass die Regierungschefin Angela Merkel ihr und unser Land noch im Juni 2006 einen &bdquo;Sanierungsfall&ldquo; nannte. Was ist denn seitdem an zukunftsweisenden Reformen  durchgesetzt worden, was den &bdquo;Sanierungsfall&ldquo; zum Wirtschaftswunderland machen w&uuml;rde? Und um die ganze Unvernunft der Spiegel-Einlassungen zu begreifen ist es gut, sich zu vergegenw&auml;rtigen, dass der gesamte Artikel des Spiegels um die Interpretation einer Entwicklung zwischen M&auml;rz 2006 und 2007 kreist. F&uuml;r diesen Zeitraum hat immerhin unsere Bundeskanzlerin schon festgestellt, wir seien ein Sanierungsfall. Jetzt wird ihr vom Spiegel das Verdienst zugeschrieben, den Sanierungsfall &uuml;ber Nacht zum Wunder gemacht zu haben. Toll.<\/p><\/li>\n<li>Der Spiegel-Autor wundert sich dann noch ausf&uuml;hrlich &uuml;ber die Widerlegung <strong>zweier angeblicher Gesetzm&auml;&szlig;igkeiten<\/strong>, denen die herrschende Wirtschaftswissenschaft und mit ihr verbundene Publizistik zugeneigt sind.\n<ul>\n<li>Der Autor wundert sich dar&uuml;ber, dass die so genannte <strong>&bdquo;Besch&auml;ftigungsschwelle&ldquo;<\/strong> merklich gesunken sei. Der Besch&auml;ftigungsaufbau setzt schon bei einem geringeren Wachstum als fr&uuml;her ein und falle dann h&ouml;her aus mit h&ouml;herem Wachstum. Diese Besch&auml;ftigungsschwelle &ndash; im konkreten Spiegel offenbar in nicht ausgesprochener Erkenntnis des Bl&ouml;dsinns auch Besch&auml;ftigungswelle genannt &ndash; ist keine besondere &ouml;konomische Erkenntnis. Die unterstellte Schwelle, also der Wachstumswert, bis zu dem es keinen deutlichen Besch&auml;ftigungszuwachs gibt, entspricht ungef&auml;hr dem Wachstum der Arbeitsproduktivit&auml;t. Wenn dieses wie im vergangenen Jahr bei 1,9% liegt und das reale Wachstum diese Marke &uuml;berschreitet, dann bedeutet das, dass simultan mehr Leute besch&auml;ftigt oder die gleichen Leute l&auml;nger besch&auml;ftigt werden m&uuml;ssen. Wenn das Wachstum der Arbeitsproduktivit&auml;t steigt, was angesichts neuer Investitionen und damit meist auch neuer Technologien aus meiner Sicht wahrscheinlich ist, dann wird auch diese so genannte Besch&auml;ftigungsschwelle ansteigen. Nur bei h&ouml;heren Wachstumsraten werden dann entsprechende Besch&auml;ftigungseffekte eintreten. Irgendetwas Wundersames ist daran nicht.<\/li>\n<li>&Auml;hnlich irrational ist das Konzept der so genannten <strong>Sockelarbeitslosigkeit<\/strong>; im Spiegel-Artikel ist vom &bdquo;ehernen Gesetz&ldquo; der Sockelarbeitslosigkeit die Rede. Damit sei die Beobachtung gemeint, dass in den vergangenen 30 Jahren die Arbeitslosenzahl am Ende eines Konjunkturzyklus immer h&ouml;her als zu seinem Beginn gelegen habe. Das ist kein ehernes Gesetz sondern schlicht die statistische Erfassung der Ergebnisse von Fehlern der Makro&ouml;konomie. So wurde gegen Ende der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts der erfolgreiche Versuch, mit den Folgen der &Ouml;lpreisexplosion durch makro&ouml;konomisches Gegensteuern fertig zu werden, abgebrochen. Und der Boom aus der Kohl-Zeit Ende der Achtziger und kombiniert mit dem Einheitsboom nach 1990 wurde 1992 willentlich von Bundesbank und Finanzpolitik abgebrochen. Und die Arbeitslosigkeit blieb auf einem h&ouml;heren Niveau h&auml;ngen. Mit einem ehernen Gesetz hat das nichts zu tun und deshalb wird es, wenn es in den n&auml;chsten Jahren gelingen sollte, die Arbeitslosigkeit zu dr&uuml;cken, auch nicht um den Bruch eines ehernen Gesetzes gehen, sondern um eine hoffentlich vern&uuml;nftigere makro&ouml;konomische Politik.<br>\nLetzteres kann man nur w&uuml;nschen. Ob dieser Wunsch in Erf&uuml;llung geht ist angesichts der miserablen und irref&uuml;hrenden Begleitung der Wirtschaftspolitik durch solche Artikel wie den hier analysierten des Spiegels 17\/2007 zweifelhaft.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li><strong>Schlussbemerkung:<\/strong><br>\nDer Spiegel hat jahrelang die deutsche Wirtschaft und Gesellschaft runtergeschrieben. Das war sachlich nicht begr&uuml;ndet, aber erkl&auml;rbar, weil der Spiegel Strukturreformen bef&uuml;rwortet, die an den Kern der Sozialstaatlichkeit gehen. Deshalb musste man das Land schlechtreden. Jetzt beginnt man bei einem geringen Wachstum von 2 bis 2,5% offenbar das gegenteilige Spiel und stellt die Entwicklung als Boom und Wunder dar. Das ist genauso unsinnig. Aber auch das ist erkl&auml;rbar. Der Spiegel bef&uuml;rwortet die Fortsetzung der so genannten Reformpolitik und setzt dabei wie schon vor der Wahl auf Angela Merkel als Bundeskanzlerin. Keine Spur vom einstmals vorhandenen Charakter eines kritischen Nachrichtenmagazins. Daf&uuml;r um so mehr vom Charakter eines plump agitierenden Kampfblattes.\n<p>F&uuml;r Menschen, die sich noch eigene Gedanken machen, ist dies das falsche Medium zur Information. Will man sich allerdings in beliebige, von der Realit&auml;t weit entfernte  Stimmungen versetzen lassen, dann sollte man beim Spiegel bleiben.<\/p><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir starten zu diesem Zweck eine weitere Aktion zum Aufbau einer Gegen&ouml;ffentlichkeit: Sie finden unten eine Analyse mit Kommentar zu einem Spiegel-Artikel dieser Woche. Er hat den Titel <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de:80\/spiegel\/0,1518,478649,00.html\">&bdquo;Konjunktur. Wirtschaftswunder 2.0&ldquo;<\/a> (Ausgabe Nr. 17 Seite 80 bis 82). 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