{"id":229,"date":"2006-01-17T17:26:10","date_gmt":"2006-01-17T16:26:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=229"},"modified":"2016-02-19T11:20:13","modified_gmt":"2016-02-19T10:20:13","slug":"okonomenwahn-masterplan-eine-buchbesprechung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=229","title":{"rendered":"\u00d6konomenwahn \u201eMasterplan\u201c &#8211; eine Buchbesprechung"},"content":{"rendered":"<p>Zum neuen Jahr hat der INSM-Botschafter und VWL-Professor Ulrich van Suntum aus M&uuml;nster ein Buch mit dem Titel &ldquo;Masterplan Deutschland&rdquo; ver&ouml;ffentlicht. Es beschreibt ein Gesamtkonzept f&uuml;r neoliberale Reformen und zeigt gewisserma&szlig;en die Blaupause auf, wohin die &ldquo;Reform-Reise&rdquo; gehen soll, n&auml;mlich insbesondere in eine volkswirtschaftliche Zukunft ohne Sozialversicherungen und mit nur noch minimaler staatlicher Daseinsvorsorge. Aus meiner Sicht erschreckend und &ouml;konomisch kein Master-, sondern ein Desasterplan.<\/p><p>Unabh&auml;ngige Rezensionen sind mir bisher nicht bekannt geworden. Ein Nutzer der NachDenkSeiten als sich die M&uuml;he gemacht, eine Besprechung zu schreiben. In ihr sind die wesentlichen Vorschl&auml;ge dieses Buches dargestellt und aus volkswirtschaftlicher Sicht kritisch analysiert und kommentiert. Wenn man das liest, dann &auml;rgert man sich wirklich dar&uuml;ber, dass wir als Steuerzahler auch Ideologen wie van Suntum als Professoren bezahlen.<br>\n<!--more--><br>\nIn den Debatten &uuml;ber die &bdquo;Reformen&ldquo;, wie sie etwa die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) propagiert, ist immer wieder zu h&ouml;ren, das, was bisher geschehen oder geplant ist, sei erst der Anfang. Die Reformen m&uuml;ssten noch viel weiter und tiefer gehen. Unklar bleibt aber meist, wo diese Reformen enden sollen. <\/p><p>Dar&uuml;ber kann man sich jetzt eine genauere Vorstellung machen, denn einer der neoliberalen Vordenker dieser Reformen in der deutschen &Ouml;konomenzukunft hat zum Jahreswechsel ein (Taschen-)Buch ver&ouml;ffentlicht, das den Titel tr&auml;gt <strong>&bdquo;Masterplan Deutschland. Mit dem Prinzip Einfachheit zur&uuml;ck zum Erfolg&ldquo;<\/strong>. Dieser Masterplan enth&auml;lt konsequent durchformulierte neoliberale Reformkonzepte zur Haushalts- und Steuerpolitik, zur Arbeitsmarktpolitik, zur Gesundheitspolitik und zur Rentenpolitik, geschickt verkn&uuml;pft mit der Devise &bdquo;Alles in Deutschland muss einfacher werden&ldquo; und nat&uuml;rlich &bdquo;unb&uuml;rokratischer&ldquo;. Ergebnis ist u.a. die Abschaffung der Sozialversicherungen. Autor ist der M&uuml;nsteraner Volkswirtschaftsprofessor <strong>Ulrich van Suntum<\/strong>, ehemaliger Generalsekret&auml;r der &bdquo;F&uuml;nf Weisen&ldquo;, Fellow der Bertelsmann-Stiftung und aktiver Botschafter der INSM (die ihrerseits Werbung f&uuml;r ihn macht). Seine Vorschl&auml;ge sind sogar nach eigener Einsch&auml;tzung &bdquo;radikal&ldquo;, aber, so der eigene Anspruch, &bdquo;keine billigen Patentrezepte&ldquo;, sondern &bdquo;durchdachte L&ouml;sungen auf Basis wissenschaftlicher Konzepte und ausl&auml;ndischer Erfahrungen&ldquo;. <em>[Kommentare dazu erfolgen nachfolgend jeweils kursiv: Wenn diese L&ouml;sungen &bdquo;durchdacht&ldquo; und &bdquo;wissenschaftlich&ldquo; sein sollen, dann ist es Wahnsinn mit Methode!]<\/em><\/p><p>Bevor die Reformkonzepte dieses Masterplans im Einzelnen dargestellt werden, scheinen einige Ausf&uuml;hrungen zu dem <strong>Selbstverst&auml;ndnis aufschlussreich<\/strong>, das van Suntum in dem Buch darlegt:<\/p><p>Als &bdquo;Sohn einer Arztfamilie&ldquo; sieht er sich selbst in der Rolle, als Volkswirt mit seinen Reformkonzepten die richtigen Diagnosen und Therapieempfehlungen f&uuml;r die &ouml;konomische Gesundung der Nation zu erstellen. Man k&ouml;nne als Wissenschaftler nicht immer n&ouml;rgelnd im Elfenbeinturm hocken und sich dann wundern, wenn &ouml;konomische Halbwahrheiten die &ouml;ffentliche Meinung und dann die Politik bestimmen. Dabei sieht er sich selbst als Vertreter der ganzen &ouml;konomischen Wahrheit und mit seinen neoliberalen Vorstellungen im Einklang mit 95% der &Ouml;konomen in Deutschland, nur w&uuml;rden die sich leider in den &ouml;ffentlichen Debatten oft schlecht verkaufen bzw. nicht immer &bdquo;Bella Figura&ldquo; machen. Das will er mit seinem Buch etc. besser machen (womit er selber folglich auch kommerziell von der Reformdebatte profitiert). Zwar gebe es auch ein paar abweichende Stimmen sogar unter den &Ouml;konomen und stets den einen Gewerkschaftsvertreter im Sachverst&auml;ndigenrat, doch jede Wissenschaft habe eben, hier landet er wieder bei Vergleichen mit der Medizin, ihre &bdquo;Hackethals&ldquo;. <\/p><p><em>[Dass Prof. van Suntum selbst als Therapie nichts anderes vorschl&auml;gt, als die Dosis der bisher nicht angeschlagenen Reformmedizin noch mehr zu erh&ouml;hen und ausschlie&szlig;lich auf eine Angebotspolitik reinsten Wassers zu setzen, legt indessen in Bezug auf ihn selbst noch ganz andere medizinische Vergleich nahe. Zugestehen muss man ihm aber insgesamt, dass er sich f&uuml;r einen deutschen Wirtschaftswissenschaftler sehr verst&auml;ndlich auszudr&uuml;cken vermag, einige f&uuml;r den Unkundigen &uuml;berraschende &Uuml;berlegungen pr&auml;sentiert, eing&auml;ngige Bilder zeichnen kann und mit vielen Beispielen aus seinem privaten Bereich einen mitmenschlichen Touch vermittel. F&uuml;r arbeitslose Mitb&uuml;rger d&uuml;rften manche seiner pers&ouml;nlichen Beispiele allerdings zynisch klingen, z.B. als er darauf hinweist, beruflich selber einmal vor dem Nichts gestanden zu haben, nachdem seine erste Zeitprofessur ausgelaufen war und er sich fast einen Job als Wirtschaftsjournalist h&auml;tte suchen m&uuml;ssen&hellip; bevor der rettende Ruf an eine Privatuniversit&auml;t kam.). Ob die Schlussfolgerungen des Profesors tragf&auml;hig , die Bilder treffend und die Beispiele symptomatisch sind, steht ohnehin auf einem anderen Blatt. Einfacher hei&szlig;t noch lange nicht besser, &Uuml;bervereinfachung ist i.d.R. ein Zeichen von Ideologie statt von Wissenschaft &ndash; genau das ist hier der Fall.]<\/em><\/p><p>Prof. van Suntum gibt sich von seiner Mission &uuml;berzeugt und schreckt keineswegs vor drastischen und polemischen Aussagen zur&uuml;ck. &bdquo;Die Hydra B&uuml;rokratie ins Markt treffen&ldquo; lautet etwa eine Kapitel&uuml;berschrift. Die Erfinder der &bdquo;B&uuml;rger(zwangs)versicherung&ldquo; geh&ouml;ren f&uuml;r ihn &bdquo;eigentlich eingesperrt&ldquo;. Und f&uuml;r Prof. van Suntum ist z.B. auch klar, dass die Linkspartei nichts anderes im Sinn hat, als eine &bdquo;zweite DDR&ldquo; zu errichten. Der Gegenvorwurf, selber ein neoliberaler Kapitalistenanwalt zu sein, r&uuml;hrt ihn nicht, er sieht sich selbst ganz anders: Die W&auml;hler und auch die meisten Politiker w&uuml;rden blo&szlig; nicht begreifen, dass &bdquo;die so genannten Neoliberalen gar nicht die Interessen des &sbquo;Kapitals&rsquo; vertreten, sondern in Wirklichkeit die besten Anw&auml;lte der Arbeitnehmer sind.&ldquo; (S. 133) Mit Erstaunen liest man auch van Suntums heftige Kritik an den sog. &bdquo;Christiansen Economics&ldquo;. Seiner Ansicht nach werden in den Polit-Talks der Fernsehsendung Christiansen die Reformnotwendigkeiten zu wenig dargestellt und der echte &ouml;konomische Sachverstand w&uuml;rde nicht gen&uuml;gend zur Geltung kommen. Vielmehr k&auml;men bei Christiansen viele &ouml;konomische &bdquo;Quacksalber&ldquo; und &bdquo;falsche Propheten&ldquo; zu Wort, die dem Publikum Sand in die Augen streuen und so falsche Dinge wie die Kaufkrafttheorie der L&ouml;hne, Konjunkturprogramme oder Arbeitszeitverk&uuml;rzung predigten. <\/p><p><em>[Sachverstand = Neoliberalismus? Mehrfach zitiert Prof. van Suntum den Sachverst&auml;nigenrat, solange dieser unter Vorsitz des neoliberalen Hardliners Prof. Wiegard stand, aber auch seinen ganz &auml;hnlich wie er selbst argumentierenden Kollegen Prof. Sinn, der selbst im deutschen &Ouml;konomenmainstream als Extremer gilt und mit seiner These von der Basar&ouml;konomie sogar im j&uuml;ngsten Sachverst&auml;ndigenratsgutachten viel Kritik bekommen hat. Keinerlei Hinweis gibt es dagegen auf die Kritik an dem neoliberalen Dogmatismus durch andere deutsche &Ouml;konomen oder z..B.auch seitens nobelpreisgekr&ouml;nter amerikanischer &Ouml;konomen wie die Solow oder Stiglitz &ndash; alles Quacksaber?]<\/em><\/p><p>Tats&auml;chlich stehe es um unsere Volkswirtschaft, so doziert der Professor an anderer Stelle ausf&uuml;hrlich, viel schlechter als die meisten denken, und wir lebten in der Haushaltspolitik wie bei der Altersvorsorge von der Hand in den Mund. Vor der hohen und wachsenden Arbeitslogkeit sowie dem Demografieproblem sitze unsere Politik seit zwei Jahrzehnten wie das &bdquo;Kaninchen vor der Schlange&ldquo; und sehe hilflos zu. Als Diagnose liefert van Suntum die &uuml;blichen Erkl&auml;rungen und Szenarien: Zu hohe L&ouml;hne, zu hohe Steuern und Soziallasten, verkrustete Arbeitsm&auml;rkte, ausufernde B&uuml;rokratie und noch dazu der steigende &bdquo;Alterslastquotient&ldquo; sowie &bdquo;gnadenlose internationalen Konkurrenzkampf&ldquo;. Zwar seien wir &bdquo;noch&ldquo; Exportweltmeister, weil unsere Industrie mit viel Kapitaleinsatz und gro&szlig;em technischen Know-how viel von den Kostennachteilen ausgleichen konnte und wachsende Teile der Produktion ins Ausland verlagere. Auch h&auml;tten wir noch einige Standortvorteile in Forschung und Entwicklung oder der Infrastruktur. Doch die deutschen Arbeitnehmer h&auml;tten ihre Wettbewerbsf&auml;higkeit weitgehend verloren, der Arbeitsmarkt schrumpfe und der Staat werde zunehmend handlungsunf&auml;hig. Die Folgen w&auml;ren dramatisch: &bdquo;Wenn wir nicht grundlegend umdenken, geht ganz Deutschland den Bach hinunter.&ldquo; (S. 7f.) <\/p><p><em>[Wie unersch&uuml;ttert er seine ideologische Position vertritt, sieht man auch daran, dass s&auml;mtliche bekannten Gegenargumente zu dieser Diagnose einfach abgetan oder ausgeblendet werden &ndash; Deutschland muss einfacher werden, gilt wohl auch f&uuml;r die &ouml;konomische Denkungsart: F&uuml;r den Nachweis der volkswirtschaftlichen Wettbewerbsf&auml;higkeit gen&uuml;gt es nicht, Exportweltmeister zu sein,weil ja der Arbeitsmarkt aus dem Gleichgewicht ist ; die anhaltend schwache Binnennachfrage, die zunehmende Ungleichverteilung von Einkommen und Verm&ouml;gen, die Folgelasten der deutschen Einheit, die hohen Realzinsen, Strukturprobleme und Fehlentwicklungen an den G&uuml;ter- und am Kapitalm&auml;rkten, die Defizite in der &ouml;ffentlichen Infrastruktur sowie bei Bildung und Forschung &ndash; all das kommt in der Diagnose dieses volkswirtschaftlichen &bdquo;Arztes&ldquo; gar nicht vor.]<\/em><\/p><p>Zwar seien inzwischen viele Politiker einsichtig, so Prof. van Suntum, aber sie h&auml;tten Angst vor den W&auml;hlern, die vorerst noch weiter betrogen werden wollten. Margaret Thatcher habe zwar der Welt vorgemacht, &bdquo;wie es geht&ldquo;. Das funktioniere aber in Deutschland heute nicht. Es gehe &bdquo;um nichts weniger, als heute eine ordnungspolitische Revolution wie Erhard nach dem Krieg hinzubekommen.&ldquo; <\/p><p><em>[Darunter tut er es nicht, also Achtung: Der Masterplan ist eine Anleitung zu einer politischen Revolution!] <\/em><\/p><p>Sehr bemerkenswert <em>[und beunruhigend]<\/em> ist Prof. van Suntums Pl&auml;doyer f&uuml;r die Gro&szlig;e Koalition, denn eine &bdquo;gro&szlig;e Koalition der Vernunft&ldquo;, worunter er die Umsetzung seiner marktradikalen Vorstellungen versteht, k&ouml;nne in Deutschland seiner Einsch&auml;tzung nach nur von einer Gro&szlig;en Koalition aus Union und SPD gebildet werden. Nur eine solche Gro&szlig;e Koalition sichere dem Reformprozess die n&ouml;tige Zustimmung auch im Bundesrat und die Lastenteilung zwischen den gro&szlig;en Parteien bei den angesichts vieler unpopul&auml;rer Ma&szlig;nahmen zu erwartenden Stimmenverlusten. Das Gr&ouml;bste m&uuml;sse innerhalb einer Legislaturperiode erledigt sein.<\/p><p>Wie soll nun <strong>Prof. van Suntums Masterplan im Einzelnen<\/strong> aussehen?<\/p><p><strong>B&uuml;rokatieabbau<\/strong><\/p><p>In wuchernder B&uuml;rokratie, einer Unzahl von Gesetzen und Verordnungen und einem Zwangskorsett von Detailvorschriften, die in Deutschland auch nicht nur auf dem Papier st&uuml;nden und oft reinen &bdquo;Gehorsamkeitspr&uuml;fungen&ldquo; gleichk&auml;men, sieht van Suntum ein deutsches Spezifikum und ein besonderer Standortnachteil f&uuml;r die Wirtschaft. Mit Entb&uuml;rokratisierungskommissionen und einzelnen Deregulierungsma&szlig;nahmen k&auml;me man nicht mehr weiter. Das deutsche Wirtschaftsverwaltungsrecht m&uuml;sse nach angels&auml;chsischem Vorbild grunds&auml;tzlich umgekrempelt werden in Richtung &bdquo;pers&ouml;nliche Verantwortung und Tatsachenentscheidungen&ldquo; sowie flexiblere statt starre &ouml;ffentliche Regelungen (mehr &bdquo;Kreisverkehre statt Ampelanlagen&ldquo; ist eines seiner Beispiele). Nur das schaffe den n&ouml;tigen Raum f&uuml;r pragmatisch den jeweiligen Umst&auml;nden angemessene L&ouml;sungen. <\/p><p>Auch die M&ouml;glichkeiten, die Gerichtsbarkeit zu bem&uuml;hen, m&uuml;ssten durch vorher verpflichtende Schlichtungsverfahren eingschr&auml;nkt werden (&bdquo;Schlichten statt richten&ldquo;). Der beste aller Richter sei ohnehin ein funktionierender Wettbewerb, der auch viele Schutzgesetze (wie etwa den Mieterschutz) &uuml;berfl&uuml;ssig mache.<\/p><p><em>[Ein &Uuml;berma&szlig; an B&uuml;rokratie ist f&uuml;r jeden freiheitsbewussten Staatsb&uuml;rger und verst&auml;ndlicherweise auch f&uuml;r alle wirtschaftlichen Akteure ein Greuel . Insofern ist der Ansatz nicht unsympathisch und bedenkenswert. Klar ist aber: Was der Professor vorschl&auml;gt, m&uuml;sste mit erheblichen Einbu&szlig;en an Rechts- und Planungssicherheit erkauft werden. Der pers&ouml;nlichen B&uuml;rokratenwillk&uuml;r werden eher gr&ouml;&szlig;ere Spielr&auml;ume er&ouml;ffnet. Ein gutes St&uuml;ck Rechtstaat ginge verloren. Allgemeine B&uuml;rokratieschelte allein schafft auch noch keinen besseren Ordnungsrahmen. Staatliches Handeln und staatliche Normen einschlie&szlig;lich eines Mindestma&szlig;es an B&uuml;rokratie bleiben prinzipiell &uuml;berall da n&ouml;tig, wo die Funktionsbedingungen f&uuml;r Markt und Wettbewerb erst geschaffen werden m&uuml;ssen, Markt und Wettbewerb versagen sowie politische und gesellschaftliche Ziele jenseits von Markt und Wettbewerb erreicht werden sollen. B&uuml;rokratie an sich ist auch nicht nur ein staatliches Ph&auml;nomen, sondern auch bei privaten Gro&szlig;organisationen an der Tagesordnun, wie etwa bei den gro&szlig;en Banken und Versicherungen, die zuden Gewinnern des Masterplans geh&ouml;ren w&uuml;rden (siehe unten).]<\/em><\/p><p><strong>Entzerrung der staatliche Finanzbeziehungen<\/strong><\/p><p>Der deutsche F&ouml;rderalismus und insbesondere das Geflecht seiner Finanzbeziehungen (vor allem der &bdquo;L&auml;nderfinanzaugleich&ldquo;) ist f&uuml;r Prof. van Suntum &bdquo;pervertiert&ldquo;. Die staatlichen Finanzbeziehungen m&uuml;ssten deshalb neugeordnet und entzerrt werden.<\/p><p>Sein Modell: Alle Steuern werden zu Bundessteuern. Daf&uuml;r erhalten L&auml;nder und Kommunen einen garantierten, anteilig festen Anteil am gesamten Steueraufkommen (in heutiger H&ouml;he), aber k&uuml;nftig verteilt nach Zahl der Einwohner und &ndash; damit die sie einen Anreiz zu besch&auml;ftigungsfreundlicher Politik erhalten &ndash; nach Zahl der Arbeitspl&auml;tze. Dieser Verteilungsschl&uuml;ssel m&uuml;sse nach einer &Uuml;bergangsperiode dauerhaft verbindlich sein. Zugleich sollen L&auml;nder und Kommunen f&uuml;r besondere Bedarfe einen Hebesatz auf die Einkommensteuer aufschlagen d&uuml;rfen, was zugleich den Wettbewerb zwischen ihnen anrege.<\/p><p>F&uuml;r ihren garantierten Anteil plus Hebesatzaufkommen wird L&auml;ndern und Kommunen volle Ausgabenautonomie zugebilligt, daf&uuml;r werden Sonderzuweisungen des Bundes und Mischfinanzierungen (&bdquo;goldener Z&uuml;gel&ldquo;) aufgehoben. Infolgedessen k&auml;me das Prinzip der &bdquo;fiskalischen Gleichheit&ldquo; wieder zur Geltung, die Landes- und Kommunalregierungen w&uuml;rden wieder volle politische Verantwortung f&uuml;r ihre wirtschaftlichen Entscheidungen tragen.<\/p><p><em>[Was Prof. van Suntum vorschl&auml;gt, d&uuml;rfte zu gro&szlig;en Verwerfungen in den L&auml;nderfinanzen f&uuml;hren. F&uuml;r strukturschwache L&auml;nder mit relativ wenig Arbeitspl&auml;tzen &ndash; aus welchem Grund auch immer &ndash; w&uuml;rde der finanzielle Nachteil festgeschrieben, ohne dass eine ausgleichende Regionalpolitik gemeinsam mit dem Bund und anderen L&auml;ndern m&ouml;glich w&auml;re. Eine derartige Neuordnung der Finanzbeziehungen kl&auml;rt auch nicht die Frage der Kompetenzverteilung zwischen Bund, L&auml;ndern und Kommunen bei den politischen Sachaufgaben. Die europ&auml;ische Dimension ist ganz ausgeklammert.Vielfach gibt es Abgrenzungsprobleme und Zust&auml;ndigkeitskonflikte, die Kooperation und nicht Wettbewerbsf&ouml;deralismus erfordern. &bdquo;Fiskalische Gleichheit&ldquo;, d.h. die &Uuml;bereinstimmung von politischer Entscheidungs- und Finanzierungsverantwortung, klingt zwar als Richtschnur vordergr&uuml;ndig &uuml;berzeugend und erscheint in manchen Bereichen zu wenig ausgepr&auml;gt, sie kann jedoch nicht das einzige Grundprinzip f&uuml;r einen f&ouml;deralen Bundesstaat sein. Auch rein mikro&ouml;konomisch w&auml;re ein kategorischer Ausschluss von Mischfinanzierungen alles ander als optimal.]<\/em><\/p><p><strong>Steuerreform<\/strong><\/p><p>Zwar l&auml;sst Prof. van Suntum Sympathie f&uuml;r erhebliche Steuersenkungen und auch f&uuml;r eine Flat tax erkennen, er h&auml;lt sie aber in absehbarer Zeit f&uuml;r illusorisch, zumal seine eigenen Vorschl&auml;ge zum Umbau der sozialen Sicherunsgsytem zus&auml;tzliche Steuermittel verlangen. Statt dessen pl&auml;diert er zun&auml;chst einmal f&uuml;r Steuervereinfachungen und dabei insbesondere f&uuml;r die strikte Streichung von Steuerverg&uuml;nstigungen, auch wenn es dabei Verlierer und Ungerechtigkeiten gebe. Verlierer d&uuml;rften aber keinesfalls die Unternehmen sein, denn beachtet werden m&uuml;sse der internationale Steuerwettbewerb sowie der Umstand, dass Unternehmenssteuern eigentlich Steuern auf Arbeitspl&auml;tze sind.<\/p><p>W&auml;hrend er den steuerlichen Tarifverlaufs eher f&uuml;r eine &bdquo;Frage der Galerie&ldquo; h&auml;lt, m&uuml;sse eine Steuerreform in erster Linie auf die Grundsatzfrage zielen, was eigentlich steuerrelevantes Einkommen ist und wie es in m&ouml;glichst einfacher und sinnvoller Weise gemessen werden kann. Prof. van Suntum er&ouml;rtert und verwirft die duale Einkommensbesteuerung mit gespaltenen Steuers&auml;tzen zwischen Unternehmen und pers&ouml;nlichen Einkommen, wie sie in Skandinavien praktiziert wird und zuletzt auch vom Sachverst&auml;ndigenrat f&uuml;r Deutschland (hier irre sogar der) empfohlen worden ist. Alternativ spricht er sich f&uuml;r ein sehr viel weit reichenderes Steuerreformmodell aus, n&auml;mlich die &ldquo;konsumorientierte bzw. sparbereinigte Einkommensteuer&ldquo;. Diese erfasst neben den Erwerbseinkommen alle Verm&ouml;gensabhebungen und ausgesch&uuml;tteten Unternehmensgewinne. Gesparte Einkommensanteile und einbehaltene Gewinne sollen jedoch vollst&auml;ndig steuerfrei gestellt werden. Das f&ouml;rdere Sparen und Kapitalbildung, bei vollst&auml;ndig reinvestierten Gewinnen br&auml;uchten Unternehmen &uuml;berhaupt keine Steuern zu zahlen, Deutschland k&ouml;nne so zu in ein &bdquo;Investitionsparadies&ldquo; verwandelt werden.<\/p><p>Auch wenn an&auml;nglich mit Steuerausf&auml;llen zu rechnen sei, w&uuml;rde sich dies durch ein &uuml;ber kurz oder lang gesteigertes Wirtschaftswachstum ausgleichen. Zugleich bek&auml;me Deutschland das modernste, einfachste und effizienteste Steuersystem der Welt, was ein un&uuml;bersch&auml;tzbarer Standortvorteil w&auml;re.<\/p><p><em>[Die Streichung s&auml;mtlicher Steuerverg&uuml;nstigungen &ndash; differenzierte Ans&auml;tze sind nicht die Sache von Prof. van Suntum &ndash; h&auml;tte wirtschafts- und sozialpolitisch zweifellos sehr problematische Konsequenzen, die nicht beleuchtet werden. Auch ist die erkennbar aus taktischen Gr&uuml;nden an die Seite geschobene Frage des steuerlichen Tarifverlaufs weder volkswirtschaftlich noch unter dem Gesichtspunkt der sozialen Gerechtigkeit in der Gesellschaft eine Frage blo&szlig; der Galerie, was auch die heftige Kontroverse im letzten Bundestagswahlkampf demonstriert hat . Anzunehmen ist allerdings, dass der Professor steuerliche Tarifsenkungen gewisserma&szlig;en durch die Hintert&uuml;r, n&auml;mlich bei der durch sein Modell n&ouml;tigen Angleichung von Einkommen- und K&ouml;rperschaft&shy;steuer erreichen will. Das Modell der &bdquo;konsumorientierten Einkommensteuer&ldquo; hat theoretisch zwar recht interessante Z&uuml;ge, nicht zuletzt, weil ausgesch&uuml;ttete Gewinne und Kapitalertr&auml;ge wie alle anderen Einkommen erfasst und besteuert werden sollen. Gesellschaftlich schwer ertr&auml;glich und ordnungspolitisch ein Versto&szlig; gegen das &Auml;quivalenzprinzip ist aber, dass einbehaltene Gewinne und Kapitalertr&auml;ge g&auml;nzlich steuerfrei bleiben sollen, obwohl die betreffenden Unternehmen, Investoren und Verm&ouml;gensbesitzer durchaus von staatlichen Leistungen profitiert haben. Fraglich ist andererseits, wieso das Modell zu einem &bdquo;Investitionsparadies&ldquo; f&uuml;hren soll, denn Investoren, sofern sie nicht mit einem Unternehmen pers&ouml;nlich eng verbunden sind, interessieren sich letztlich f&uuml;r die H&ouml;he der ausgesch&uuml;tteten Gewinne (nach Steuern), nicht f&uuml;r die H&ouml;he des akkumulierten Kapitalstocks. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wieso steuerliche Gewinnverwendungsanreize f&uuml;r Unternehmen gen&uuml;gen sollen, damit verst&auml;rkt am Standort Deutschland investiert wird, wenn parallel dazu der volkswirtschaftliche Konsum durch steuerliche F&ouml;rderung zus&auml;tzlichen Sparens sowie Belastungen der Masseneinkommen, wie sie der Masterplan in seinen anderen Teilen impliziert, eingeschr&auml;nkt wird.]<\/em><\/p><p><strong>Totalumbau der sozialen Sicherungssysteme<\/strong><\/p><p>Prof. van Suntum fordert ins einem Masterplan nichts weniger als eine vollst&auml;ndige Umgestaltung und Aufl&ouml;sung der bisherigen Sozialversicherungssysteme, einen Systemwechsel. Die Sozialabgaben und damit ein Gro&szlig;teil der Lohnnebenkosten sollen nach seiner Vorstellung vollst&auml;ndig abgeschafft werden. Renten- und Krankenversicherung sollen am Ende in rein private, &uuml;berwiegend kapitalgedeckte Systeme verwandelt werden, die den Arbeitsmarkt nicht mehr belasten.<\/p><p><em>[Wie Letzteres funktionieren soll, legt der Professor nicht dar. Eine Abschaffung der Lohnnebenkosten er&ouml;ffnet ja nur dann Spielr&auml;ume zu einer Lohnsenkung, wenn die Sozialbeitr&auml;ge nicht durch gleich hohe oder h&ouml;here private Versichungspr&auml;mien ersetzt werden &ndash; was generell eher nicht oder nur unter Inkaufnahme h&ouml;herer sozialer Risiken zu erwarten ist &ndash; oder aber die sonstige Kaufkraft eingeschr&auml;nkt wird, die Masseneinkommen also sinken. ]<\/em><\/p><p>Ein Solidarausgleich soll allerdings bestehen bleiben, aber vollst&auml;ndig steuerfinanziert werden. Das daf&uuml;r erforderliche Geld sei durch h&ouml;here Steuereinnahmen oder niedrigere Staatsausgaben an anderer Stelle aufzubringen. Da Prof. van Suntum selbstverst&auml;ndlich eine durchgreifende Haushaltskonsolidierung ebenfalls f&uuml;r unumg&auml;nglich h&auml;lt, verbindet er sein Reformkonzept f&uuml;r die Umgestaltung der Sozialsysteme mit einem Sparkonzept f&uuml;r die &ouml;ffentlichen Haushalte: Er verweist auf Vorschl&auml;ge f&uuml;r eine gesetzliche &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; in den Haushalten wie sie einzelne Schweizer Kantone eingerichtet haben. <em>[Die Schweiz wird von dem Professor zwar mehrfach f&uuml;r Beispiele bem&uuml;ht, aber immer nur selektiv. Ein Vorbild f&uuml;r starkes Wirtsachfstwachstum ist sie in der j&uuml;ngeren Vergangenheit gerade nicht.]<\/em> Ferner macht Prof. van Suntum Vorschl&auml;ge zur kurzfristigen Einsparung von Subventionen, wie sie der Sachverst&auml;ndigenrat 2004 aufgestellt hat &ndash; von der Abschaffung der Eigenheimzulage &uuml;ber die der Steuerfreiheit von Sonntags- und Nachtarbeit bis zu der Streichung der Steinkohlehilfen. <em>[Die zwangsl&auml;ufigen Auswirkungen auf die betroffenen Branchen und Berufsgruppen sowie deren volkswirtschaftlichen Folgeeffekte werden indessen nicht beleuchtet.]<\/em> Schlie&szlig;lich pl&auml;diert er f&uuml;r einen massiven B&uuml;rokratie- und Personalabbau im &ouml;ffentlichen Dienst; letzteres will er durch Aufgabenverringerung bzw. Planstellenk&uuml;rzungen und eine leistungsgerechtere Bezahlung im &ouml;ffentlichen Dienst, ggf. unter gehaltsm&auml;&szlig;igem &bdquo;Aushungern&ldquo; &uuml;berfl&uuml;ssiger Beamtenstellen erreichen, wobei er auch den Beamtenstatus f&uuml;r Professoren in Frage stellt. <em>[Die Grundsatzfrage nach den notwendigen Staatsaufgaben und der Motivation der Staatsdiener stellt er jedoch nicht, das w&auml;re vielleicht auch nicht einfach genug.]<\/em><\/p><p>Erforderlich sei insgesamt eine dauerhafte Senkung der Staatsausgaben um rd. 12%, um die &bdquo;Nachhaltigkeitsl&uuml;cke&ldquo; zu schlie&szlig;en, wie sie der Sachverst&auml;ndigenrat ausgerechnet habe. Eine solche Gr&ouml;&szlig;enordnung w&auml;re machbar, manche Unternehmen h&auml;tten unter dem Druck des Wettbewerbs schon weitaus gr&ouml;&szlig;ere Kosteneinsparungen verkraften m&uuml;ssen. <em>[Das mag in der Relation zutreffen, nicht aber absolut: Sein Masterplan l&auml;uft auf ein K&uuml;rzungsvolumen in den &ouml;ffentlichen Haushalten Deutschlands im Umfang von rd. 120 Mrd. &euro; hinau, was kein Unternehmen jemals geleistet hat und auch f&uuml;r eine der gr&ouml;&szlig;ten Volkswirtschaften der Welt zu einer konjunkturelle Katastrophe f&uuml;hren w&uuml;rde !]<\/em><\/p><p><strong>Arbeitsmarktreform:<\/strong><\/p><p>Am Arbeitsmarkt soll wieder Vertragsfreiheit herrschen, d.h. das gesetzliche und tarifvertraglich festgelegte kollektive Arbeitsrecht muss weitgehend beseitigt werden. Gewerkschaften und Arbeitgeberverb&auml;nde sind demnach auf die Rolle von Interessenverb&auml;nden ohne tarifliche Entscheidungsmacht mit nur noch beratender Funktionen wie etwa die Erstellung von Mustervertr&auml;gen zu reduzieren. (Arbeitskonflikte sollen grunds&auml;tzlich durch Schlichter anstatt durch Verhandlungsmarathons, Streik bzw. Aussperrung geregelt werden. <\/p><p><em>[Die Tarifautonomie w&auml;re damit weitgehend erledigt. Dass der Arbeitsmarkt kein Markt wie jeder andere ist und hier im Regelfall eine fundamentale Macht- und Informationsasymmetrie zwischen Arbeitsgebern und Arbeitnehmern besteht, die abgesehen von allen ethischen Aspekten auch rein &ouml;konomisch andere Institutionen verlangt als individuelle Vertragsfreiheit, ist Prof. van Suntum keine Zeile wert. Genauso wenig &auml;u&szlig;ert er sich zu den zwangsl&auml;ufig zu erwartenden sozialen Konflikten.]<\/em><\/p><p>Der K&uuml;ndigungsschutz soll, so der Professor, &auml;hnlich wie in der Schweiz auf die Bestimmungen des BGB (&sect; 622) zur&uuml;ckgef&uuml;hrt und auf nach Betriebszugeh&ouml;rigkeit gestaffelte K&uuml;ndigunsgfristen mit Lohnfortzahlung bis zum Ende der Frist beschr&auml;nkt werden. Das (durch die Hartz-Reformen ja ohnehin auf ein Jahr beschr&auml;nkte) ALG I w&uuml;rde damit &uuml;berfl&uuml;ssig. Die Unternehmen m&uuml;ssten allerdings verbindliche und auch konkursrechtlich gesch&uuml;tzte R&uuml;cklagen f&uuml;r die befristete Lohnfortzahlung bilden, insofern w&uuml;rde ein Teil der bisherigen Arbeitslosenversicherung in die Unternehmen hinein verlagert. Wer schlie&szlig;lich arbeitslos wird, f&auml;llt sofort in das ALG II, das k&uuml;nftig vollst&auml;ndig steuerfinanziert werden soll. <\/p><p><em>[Nach der Rechnung des Professors wird man arbeitslos in dem Moment, indem die K&uuml;ndigung ausgesprochen wird, nicht erst nach Ablauf der K&uuml;ndigungsfrist. F&uuml;r diese Phase m&uuml;ssen die Unternehmen schon immer die Lohnanspr&uuml;che decken, gar nichts wird zus&auml;tzlich in sie hineinverlagert, es sei denn, die K&uuml;ndigungsfristen nach BGB w&auml;ren l&auml;nger als der tarifliche K&uuml;ndigungsschutz, wenn es ihn dann noch geben sollte. Das BGB sieht eine K&uuml;ndigungsfrist von max. 7 Monaten bei mehr als 20j&auml;hriger Betriebszugeh&ouml;rigkeit vor. Sowohl die Schutzrechte der Arbeitnehmer als auch der Status der Arbeitslosen w&uuml;rden de facto erheblich vermindert.]<\/em><\/p><p>F&uuml;r Prof. van Suntum unumg&auml;nglich, dass L&ouml;hne, Arbeitszeiten und auch die &ouml;rtlichen Zumutbarkeiten der Jobsuche flexibler werden. Vielfach bedeute das geringere L&ouml;hne, keinesfalls d&uuml;rfe es Mindestl&ouml;hne geben. In einer modernen, im internationalen Wettbewerb stehenden Industriegesellschaft m&uuml;sse jeder Arbeitnehmer sich selbst um gr&ouml;&szlig;tm&ouml;gliche Mobilit&auml;t und Anpassungsbereitschaft bem&uuml;hen. Beenden will der Professor die &bdquo;Zweiklassengesellschaft am Arbeitsmarkt&ldquo;: Die Spaltung zwischen denen mit &bdquo;k&uuml;nstlich hochgehaltenen L&ouml;hne bei vollem K&uuml;ndigungsschutz, w&auml;hrend die anderen genau deswegen keinen Job finden.&ldquo; Das n&uuml;tze auf Dauer auch den Arbeitenden nicht, denn diese m&uuml;ssten neben dem erh&ouml;hten Arbeitsplatzrisiko die steigenden Soziallasten tragen und deshalb seien die Nettol&ouml;hne in den letzten Jahren kaum noch gestiegen. <em>[So einfach ist das zu erkl&auml;ren, oder nicht?]<\/em> Deshalb k&ouml;nnten die heutigen Tarifl&ouml;hne nicht mehr gehalten werden. Eine produktivit&auml;tsorientierte Lohnpolitik sei nur noch in Zeiten der Vollbesch&auml;ftigung zu vertreten, bis dahin Lohnzur&uuml;ckhaltung geboten. <\/p><p><em>[Zu den Problemen und Grenzen der den Arbeitnehmern auferlegten &bdquo;Flexibilit&auml;t&ldquo;, sagt der Professor wiederum nichts. Auch das die Bruttol&ouml;hne bereits seit Jahren kaum noch Produktivit&auml;tsfortschrittfolgen und dies am Arbeitsmarkt nichts gebracht hat, erw&auml;hnt er nicht. Seine pauschale Absage an eine produktivit&auml;tsorientierte Lohnpolitik jenseits der Vollbesch&auml;ftigungssituation bedeutet, dass die Masseneinkommen und damit die gr&ouml;&szlig;te Nachfragekomponente systematisch hinter dem Produktivit&auml;tsfortschritt zur&uuml;ckbleiben sollen &ndash; das kann f&uuml;r sich und im Ganzen Wachstum und Besch&auml;ftigung nicht anregen.]<\/em><\/p><p>Die bisherigen Instrumente der so genannten aktiven Arbeitsmarktpolitik sind nach Ansicht von Prof. van Suntum &bdquo;hochgradig uneffektiv&ldquo;, auf sie lie&szlig;e sich deshalb leicht verzichten. <\/p><p><em>[Hier vertritt der Professor eine pers&ouml;nliche Meinung, aber keineswegs eine wissenschaftlich gesicherte Position.] Dadurch w&uuml;rde die gesamte Arbeitslosenversicherung gegenstandslos und man k&ouml;nne sich die Beitr&auml;ge daf&uuml;r sparen, die Lohnnebenkosten also allein dadurch um 6,5 Prozentpunkte senken. [Dass die Arbeitslosen daf&uuml;r einen entsprechenden Preis bezahlen und auf bestehende Versicherungsanspr&uuml;che verzichtet m&uuml;ssen, ist ebenfalls kein Thema.]<\/em><\/p><p>Die Chancen von Arbeitslosen sollen durch Leiharbeit im regul&auml;ren Arbeitsmarkt (&bdquo;training on the job&ldquo;, vorzugsweise aber Einsatz zu Hilfsarbeiten) und Versteigerungsverfahren (&bdquo;Wettbewerb um Arbeitslose&ldquo;) verbessert werden. Die dadurch er&ouml;ffneten Zuverdienstm&ouml;glichkeiten w&uuml;rden so zu einem &bdquo;Kombilohn&ldquo; f&uuml;hren. Dies w&auml;ren keine wettbewersbverzerrenden Lohnsubventionen, weil ja jeder Arbeitgeber gleicherma&szlig;en die M&ouml;glichkeit hat, am Verleihsystem und den Versteigerungen teilzunehmen. &bdquo;Und der Arbeitslose bekommt nur gerade so viel mehr als monatliches Gesamteinkommen, dass er davon anst&auml;ndig leben kann und nicht die Lust verliert , &uuml;berhaupt zu arbeiten. So und nicht anders kann es gehen&ldquo;, meint der Professor. Das klinge zwar &bdquo;vielleicht erst mal nach Sklavenhandel&ldquo;, sei aber in Wirklichkeit ein eleganter Weg, um unerw&uuml;nschte Verdr&auml;ngungseffekte zu vermeiden und im regul&auml;ren Arbeitsmarkt das (&uuml;berh&ouml;hte) Lohnniveau in Richtung auf die Knappheitspreise f&uuml;r Arbeit senken, wodurch die Nachfrage nach Arbeit und arbeitsintensiven Dienstleistungen etwa des Handwerk angeregt werde. <\/p><p><em>[Von einem Wettbewerb um Arbeitslose h&auml;lt die Arbeitgeber niemand ab, ein zus&auml;tzlicher Vorteil f&uuml;r diese durch &bdquo;Ausleihen&ldquo; und &bdquo;Versteigerungsverfahren&ldquo; ist aber nur erkennbar, wenn es tats&auml;chlich um ein Art Sklavenhandel geht &ndash; eine Pervertierung des Wettbewerbsgedankens, die jeden Bogen &uuml;berspannt. Das will der angeblich so liberale Professor in Kauf nehmen, um dadurch auch von dieser Seite Lohndruck auszu&uuml;ben und das Lohngef&uuml;ge auszuhebeln. Dies w&uuml;rde Arbeit und arbeitsintensive Dienstleistungen zwar billiger machen k&ouml;nnen, reduziert aber pari passu die Nachfrage &ndash; das klassische Kreislaufparadoxon.] <\/em><\/p><p><strong>Gesundheitsreform<\/strong><\/p><p>Das Gesundheitswesen werde aufgrund von Alterung und medizinischem Fortschritt zwangsl&auml;ufig immer teurer, man k&ouml;nne jedoch durch mehr Wettbewerb, insbesondere zwischen den Krankenkassen &ouml;konomisch effizienter gestalten. Kassenwettbewerb sei das Fundament f&uuml;r jede zielf&uuml;hrende Gesundheitsreform. Dazu m&uuml;ssten jedoch Versicherung und Solidarausgleich getrennt werden, so Prof. van Suntum.<\/p><p>Sein Konzept bewegt sich jenseits von B&uuml;rgerversicherung oder Kopfpauschale. Er fordert die private Krankenversicherung f&uuml;r alle (Kinder sollen automatisch bei der Mutter mitversichert werden) und die Berechtigung der Krankenkassen, betriebswirtschaftlich kalkulierte &bdquo;risikoad&auml;quate Pr&auml;mien&ldquo; zu erheben; das k&ouml;nne durchaus kostend&auml;mpfende Selbstbeteiligungsklauseln einschlie&szlig;en. Gleichzeitig m&uuml;sse Jeder die Kasse wechseln k&ouml;nnen, auch der Kontrahierungszwang entfalle. Ebenso w&uuml;rde der Risikostrukturausgleich zwischen den gesetzlichen Krankenkassen entfallen, die (bisherigen) Gesetzlichen treten dann mit den Privaten in Wettbewerb. <\/p><p>Dem Professor ist klar, dass die Pr&auml;mien im Einzelfall sehr teuer und die Belastungen f&uuml;r Schwerkranke, Alte und Kinderreiche hoch werden k&ouml;nnen. Deswegen m&uuml;sse es vor allem f&uuml;r Geringverdiener und Gro&szlig;familien einen Solidarausgleich geben, der aber ausschlie&szlig;lich vom Steuersystem getragen werden soll. Das w&auml;re ohnehin gerechter, weil damit alle B&uuml;rger und Einkommen an der Finanzierung des Solidarausgleichs beteiligt werden, nicht nur die gesetzlich Krankenversicherten innerhalb der Beitragsbemessungsgrenzen. Der Solidarausgleich soll beim Familieneinkommen ansetzen, deshalb nennt er das Ganze auch &bdquo;Familienversicherung&ldquo;, und &uuml;berm&auml;&szlig;ige, sozialpolitisch unerw&uuml;nscht hohe Belastungen durch Krankenversicherungspr&auml;mien durch staatliche Zusch&uuml;sse ausgleichen. Daf&uuml;r soll m&ouml;glichst unb&uuml;rokratisch ein Antrag beim Finanzamt gestellt werden k&ouml;nnen, das jeweils am Jahresende beim Lohnsteuerjahresausgleich bzw. der Einkommensteuererkl&auml;rung pr&uuml;ft, ob und in welcher H&ouml;he der Zuschuss wirklich berechtigt war und dies mit den Steuerr&uuml;ck- bzw. -nachzahlungen verrechnet. Gesonderte Einkommensnachweise w&uuml;rden dadurch unn&ouml;tig. Dabei soll allerdings nur eine gesetzlich vorgeschriebene Basisversicherung ausgelichsf&auml;hig sein, keine Sonderanspr&uuml;che und Luxustarife.<\/p><p><em>[So einfach ist die L&ouml;sung eben nicht. Dass der Solidarausgleich im Gesundheitswesen k&uuml;nftig verst&auml;rkt &uuml;ber das Steuersystem erfolgt, ist zwar ein diskussionsw&uuml;rdiger Ansatz. Was Prof. van Suntum aber vorschl&auml;gt, ist ein sicherer Weg in die Zwei- oder Mehrklassengesellschaft bei der Versorgung mit Gesundheitsdiensten, bei der das unternehmerische Kostenrisiko dennoch auf die Staatskasse abgew&auml;lzt werden kann. Kassenwettbewerb, den es ja in Ans&auml;tzen l&auml;ngst gibt, ist weder ein &ouml;konomisches Allheilmittel f&uuml;r den Gesundheitssektor noch kann er unter solchen Vorgabennormal funktionieren, auch wenn er w&uuml;nschenswert w&auml;re. Ob die Kosten der Gesundheitsversorgung so insgesamt ohne Leistungseinbu&szlig;en gedrosselt werden k&ouml;nnten, ist sehr fraglich. Klar ist nur, dass das Versorgungsniveau Einkommensschw&auml;cherer abh&auml;ngig von politischen Entscheidungen unter Finanzvorbehalt w&uuml;rde. Es sind doch genau diese Gr&uuml;nden, weshalb in der Gesundheitspolitik seit langem andere Wege gesucht werden.]<\/em><\/p><p><strong>Rentenreform<\/strong><\/p><p>F&uuml;r Prof. van Suntum hat die bisherige Rentenpolitik nur &bdquo;Irrwege&ldquo; verfolgt. Er pl&auml;diert f&uuml;r den (gleitenden) &Uuml;bergang zu einer steuerfinanzierten einheitlichen Grundrente auf Sozialhilfe- bzw. ALG II-Niveau. <\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus soll es nur noch eine private Absicherung &uuml;ber Kapitaldeckung, die er als das einzig zukunftsweisende Altersvorsorgemodell betrachtet, sowie unbegrenzte Zuverdienstm&ouml;glichkeiten und gesetzlich festgelegte Versorgungsanspr&uuml;che innerhalb der Familien (Ehegatten, Eltern\/Kinder) geben. Letzteres sei dann auch ein wesentlicher Anreiz, wieder mehr Kinder in die Welt zu setzen. (F&uuml;r sich selber rechnet Prof. van Suntum als Staatsbeamter &uuml;brigens mit so bescheidenen Pensionsanspr&uuml;chen, dass er seinen Lebensstandard nur halten k&ouml;nnen wird, wenn er privat hinzuverdient.)<\/p><p><em>[Praktisch h&auml;tte dieser Vorschlag die Aufgabe auch der staatlichen Rentenversicherung als Sozialversicherung und ihren Ersatz durch Ausdehnung der Sozialf&uuml;rsorge auf das Rentenalter zur Folge. Dass die sog. &bdquo;Kapitaldeckung&ldquo; aber realwirtschaftliche Demografieprobleme gar nicht l&ouml;st und keineswegs global effizienter ist, f&uuml;r den Einzelnen jedoch erheblich riskanter w&auml;re als das Umlageverfahren der staatlichen Rentenversicherung, ist vielfach begr&uuml;ndet worden. Auf die unterschiedlichen Argumente geht Prof. van Suntum jedoch gar nicht ein. Er schl&auml;gt sogar eine noch weiter gehende Form der (Re-)Privatisierung der Altersvorsorge vor, indem er Altersversorgungsanspr&uuml;che an die eigenen Kinder zum Anreiz f&uuml;r das kinderkriegen erheben will und den Zuverdienst, also das (Weiter-)Arbeiten im Rentenalter als partiellen Rentenersatz gestalten will. So etwas ist ein R&uuml;ckfall in Steinzeit&ouml;konomie. Hinzu kommt, dass der Masterplan des Professors auch in der Rentenpolitik enorme Anreize zum privaten Sparen zu setzen versucht &ndash; wie bei der Steuerreform und im Grunde auch bei der Gesundheits- und der Arbeitsmarktreform -, obwohl die volkswirtschaftliche Sparquote in Deutschland heute &uuml;berdurchschnittlich hoch und &bdquo;Angstsparen&ldquo; l&auml;ngst zum Massenph&auml;nomen geworden ist. Parallel dazu zielt der &bdquo;Masterplan Deutschland&ldquo; darauf ab, das Lohnniveau kr&auml;ftig zu dr&uuml;cken und &ouml;ffentliche Ausgaben nachhaltig zu k&uuml;rzen, also die Binnennachfrage zu strangulieren .So st&uuml;rzt man eine Volkswirtschaft in die Depression. Das ist kein &ouml;konomischer Masterplan, sondern ein Desasterplan.]<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum neuen Jahr hat der INSM-Botschafter und VWL-Professor Ulrich van Suntum aus M&uuml;nster ein Buch mit dem Titel &ldquo;Masterplan Deutschland&rdquo; ver&ouml;ffentlicht. Es beschreibt ein Gesamtkonzept f&uuml;r neoliberale Reformen und zeigt gewisserma&szlig;en die Blaupause auf, wohin die &ldquo;Reform-Reise&rdquo; gehen soll, n&auml;mlich insbesondere in eine volkswirtschaftliche Zukunft ohne Sozialversicherungen und mit nur noch minimaler staatlicher Daseinsvorsorge. 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