{"id":22902,"date":"2014-08-21T09:24:04","date_gmt":"2014-08-21T07:24:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22902"},"modified":"2014-08-21T10:51:18","modified_gmt":"2014-08-21T08:51:18","slug":"der-bildungsmonitor-die-bildungspolitische-messlatte-der-arbeitgeber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22902","title":{"rendered":"Der \u201eBildungsmonitor\u201c, die bildungspolitische Messlatte der Arbeitgeber"},"content":{"rendered":"<p>Seit 2004 erstellt das <a href=\"http:\/\/www.iwkoeln.de\/de\/infodienste\/iwd\/archiv\/beitrag\/bildung-alle-haben-ihre-hausaufgaben-gemacht-178401\">&bdquo;Institut der deutschen Wirtschaft&ldquo; (IW)<\/a>, der &bdquo;wissenschaftliche Schreibtisch&ldquo;  f&uuml;r die arbeitgeberfinanzierte PR-Agentur <a href=\"http:\/\/www.insm.de\/insm\/Presse\/Pressemeldungen\/Bildungsmonitor-2014.html\">&bdquo;Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft&ldquo; (INSM)<\/a> j&auml;hrlich einen sog. &bdquo;Bildungsmonitor&ldquo;. Mit &bdquo;Bildung&ldquo; im allgemeinen Verst&auml;ndnis haben jedoch die in diesem Ranking miteinander verglichenen Handlungsfelder und Indikatoren allenfalls am Rande etwas zu tun. Schon der Begriff &bdquo;Bildungs&ldquo;-monitor ist eine Irref&uuml;hrung, die Studie ist allenfalls ein &bdquo;Fachkr&auml;ftesicherungs&ldquo;-monitor. Doch selbst f&uuml;r dieses bildungspolitisch beschr&auml;nkte Leitziel hat das durch die Medien geisternde L&auml;nder-Ranking kaum einen sachlich begr&uuml;ndeten Aussagewert. Der &bdquo;Bildungsmonitor&ldquo; ist &ndash; wie eben auch andere Studien des IW &ndash; die &Uuml;bertragung von arbeitgeberinteressengebundenen Anforderungen auf das Feld der Bildungspolitik.<br>\nVon <strong>Wolfgang Lieb<\/strong><br>\n<!--more--><br>\n<strong>Der &bdquo;Bildungsmonitor&ldquo; ein Medienevent<\/strong><\/p><p>Man kann dem IW nicht einmal den Vorwurf machen, dass es seinen beschr&auml;nkten &bdquo;Bildungs&ldquo;-Begriff nicht ganz offen einr&auml;umte. Schon in der Einleitung zur Presseerkl&auml;rung hei&szlig;t es, dass es bei dem Vergleich darum gehe, &bdquo;inwieweit es den einzelnen Bundesl&auml;ndern gelingt, mithilfe des Bildungssystems  zur Fachkr&auml;ftesicherung beizutragen&ldquo;. &bdquo;Deutschland vergreist langsam, aber sicher&ldquo; wird einmal mehr demografischer Alarm geschlagen und das Sozialsystem k&ouml;nne diese Verschiebung von Jung zu Alt nur verkraften,  &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.iwkoeln.de\/de\/infodienste\/iwd\/archiv\/beitrag\/bildung-alle-haben-ihre-hausaufgaben-gemacht-178401\">wenn die arbeitende Bev&ouml;lkerung k&uuml;nftig produktiver ist als heute<\/a>.&ldquo; (Siehe dort auch den Download zur Studie f&uuml;r die INSM)<\/p><p>Auch in der Studie selbst hei&szlig;t es gleich am Anfang, dass es &bdquo;Schwerpunkt des Bildungsmonitors ist&hellip;, bildungs&ouml;konomische Ziele zu betrachten und den Beitrag des Bildungssystems zur Fachkr&auml;ftesicherung zu beschreiben.&ldquo; Andere Aufgaben des Bildungssystems &bdquo;Pers&ouml;nlichkeitsentwicklung, Teilhabe, Kultur etc.&ldquo; werden durch die Indikatoren nicht erfasst. (S. 5)<\/p><p>Diese Beschr&auml;nkung auf Fachkr&auml;ftesicherung und auf die Steigerung der Produktivit&auml;t von Arbeitskr&auml;ften ist f&uuml;r Arbeitgeberorganisationen legitim, in der Rezeption des &bdquo;Bildungsmonitors&ldquo; durch die Medien wird aber nahezu durchg&auml;ngig der Eindruck erweckt, als ginge es ganz allgemein um die &bdquo;Leistungsf&auml;higkeit&ldquo; des Bildungssystems der jeweiligen L&auml;nder &ndash; nur ganz am Rande wird manchmal auf die auftragsgebende Lobbyorganisation und auf interessenbezogenen Aussagewert der Studie hingewiesen. Diese Verallgemeinerung ist von der PR-Agentur INSM auch so gewollt, schlie&szlig;lich lautet der Titel &bdquo;Bildungsmonitor&ldquo; und eben nicht &bdquo;Fachkr&auml;ftesicherungs-Monitor&ldquo;. <\/p><p>Das Ranking wird in vielen Medien wie eine Tabelle der Fu&szlig;ballbundesliga inszeniert, da ist von &bdquo;Auf- und Absteigern&ldquo;, von &bdquo;Schlusslichtern&ldquo; oder von &bdquo;Spitzenreitern&ldquo; die Rede. Es soll von den Urhebern ganz bewusst ein Wettbewerb zwischen den Bildungspolitiken der L&auml;nder angesto&szlig;en werden, ein Wettbewerb aber, bei dem es um die Erf&uuml;llung der von den Arbeitgeberorganisationen vorgegebenen Indikatoren geht. Ziel dieses Rankings ist, einen Rechtfertigungs- und Anpassungsdruck f&uuml;r die Schul- und Hochschulpolitik in den einzelnen L&auml;nder an einseitig interessenorientierten bildungspolitischen Handlungsfeldern und dementsprechende Ressourcenentscheidungen zu schaffen. Wenn nicht schon das Trommelfeuer der Medien einen entsprechenden Legitimationsdruck auf die jeweiligen Regierungen erzeugt, so sp&auml;testens die parlamentarische Opposition in den L&auml;nderparlamenten mit Anfragen oder  &bdquo;Aktuellen Stunden&ldquo;. <\/p><p>Das ist die PR-Methode mit der die INSM mit Hilfe des IW seit Jahren politischen Druck im Lande macht. <\/p><p>Dass  dieser &bdquo;Bildungsmonitor&ldquo; vor allem der Meinungsmache dient, zeigt sich schon darin, dass seit Tagen sich nacheinander Zeitungen und Agenturen br&uuml;sten im Besitz dieser Studie  zu sein und dar&uuml;ber &bdquo;exklusiv&ldquo; berichten, bevor diese offiziell der &Ouml;ffentlichkeit vorgestellt wurde. Die PR-Profis nennen diese Methode, Aufmerksamkeit zu schaffen, &bdquo;anf&uuml;ttern&ldquo;, d.h. man lockt also das scheue Wild (also die Journalisten) an, indem man ein bisschen Futter vor dem Hochstand herumstreut.<\/p><p><strong>Ungleiches wird mit gleichen Ma&szlig;st&auml;ben gemessen<\/strong><\/p><p>Dabei m&uuml;sste sich eigentlich jedermann der mit offenen Augen durch die Republik geht von vorneherein fragen, ob ein solches Ranking nicht Ungleiches mit gleichen Ma&szlig;st&auml;ben misst. Wie kann man etwa auf die verwegene Idee kommen, &bdquo;Bildungsarmut&ldquo; (geringere Qualifikation, also fehlende Abschl&uuml;sse etc.) zwischen L&auml;ndern wie etwa den Stadtstaaten Bremen oder Berlin mit wirtschaftlich relativ prosperierenden Fl&auml;chenstaaten mit v&ouml;llig unterschiedlichen Sch&uuml;lerpopulationen zu vergleichen. Kann es z.B. in Regionen, in denen es einen hohen Anteil von Sch&uuml;lern mit Migrationshintergrund gibt, m&ouml;glicherweise nicht viel &bdquo;zeiteffizienter&ldquo; sein, mehr Schulen vorzuhalten die in 9 statt in 8 Jahren zum Abitur f&uuml;hren?<\/p><p>12 Handlungsfelder hat das IW zur Fachkr&auml;ftesicherung und zur Produktivit&auml;tssteigerung von Arbeitskr&auml;ften ausgemacht (Betreuungsbedingungen, F&ouml;rderinfrastruktur, Internationalisierung, Zeiteffizienz, Schulqualit&auml;t, Bildungsarmut, Integration, Hochschule und MINT, Forschungsorientierung, Internationalisierung, Ausgabenpriorisierung, Inputeffizienz)<\/p><p><strong>Begrenzter Bezug zur &bdquo;Bildung&ldquo; und zu den selbst gesteckten Leitzielen<\/strong><\/p><p>Wenn schon der &bdquo;Bildungsmonitor&ldquo; nur einen begrenzten Bezug zur Bildung ganz allgemein hat, so fragt sich inwieweit die Handlungsfelder wenigsten einen eindeutigen Bezug zu den selbst gesteckten Leitzielen Fachkr&auml;ftesicherung haben.<\/p><p>Bei kaum einem dieser Handlungsfelder  kann man im Bildungsmonitor eine empirische fundierte Begr&uuml;ndung finden, warum nun gerade diese zur Fachkr&auml;ftesicherung beitragen k&ouml;nnten. Es werden mehr oder weniger plausible Annahmen getroffen, warum die Handlungsfelder einen Beitrag zu den Leitzielen leisten k&ouml;nnten, deren Erreichung gemessen werden soll.  Man k&ouml;nnte auch sagen, es sind Handlungsfelder wie man sie sich aus Sicht der Lobbyorganisationen der Arbeitgeber als sinnvoll vorstellt, mehr aber auch nicht. <\/p><p>Wie beliebig der Zusammenhang zwischen den Leitzielen und den Handlungsfeldern ist, l&auml;sst sich schon damit belegen, dass sich die Handlungsfelder und Indikatoren in den vorausgegangen 11 Bildungsmonitoren nur geringf&uuml;gig ver&auml;ndert haben, aber nahezu jedes Jahr unterschiedliche Leitziele gemessen wurden: 2010 etwa &bdquo;die Unterst&uuml;tzung des Wachstumspotentials in Deutschland&ldquo;, 2011  Verbesserung des wirtschaftlichen Wachstums und Fortschritte auf dem Weg zu mehr Bildungsgerechtigkeit, 2012 wurde dann die soziale Teilhabe gemessen.<\/p><p>Wer daraus Handlungsnotwendigkeiten f&uuml;r bildungspolitische Ziele in den L&auml;ndern ableiten will, l&auml;sst sich also auf relativ willk&uuml;rliche bzw. eher interessen- oder ideologiegeleitete Handlungsanweisungen der Arbeitgeberseite ein mit dar&uuml;ber hinaus diffusen Zielorientierungen.<\/p><p><strong>&bdquo;Zeiteffizienz&ldquo;: Fastfood-Bildung<\/strong><\/p><p>Ein typisches Handlungsfeld f&uuml;r die Arbeitgeberseite ist schon seit langer Zeit die &bdquo;Zeiteffizienz&ldquo;. Dass in Deutschland nahezu fl&auml;chendeckend das Abitur nach 8 Jahren und dar&uuml;ber hinaus das 6-semestrige Bachelor-Studium eingef&uuml;hrt wurde, hat mit den jahrzehntelangen Klagen der Arbeitgeberverb&auml;nde zu tun, dass in Deutschland gemessen an anderen Industriel&auml;nder die jungen Menschen zu lange in Ausbildung seien und zu sp&auml;t in den Beruf eintr&auml;ten. Fastfood-Bildung, d.h. dressiertes Personal ist seit langer Zeit im Sinne der Wirtschaft. <\/p><p>Insoweit ist es nur konsequent, dass im neuen &bdquo;Bildungsmonitor&ldquo; eine Lanze f&uuml;r die Beibehaltung von G8 geschlagen wird, ja sogar die Wahlfreiheit zwischen G8 oder G9-Angeboten wird negativ bewertet.<\/p><p>Mit einer Zusammenstellung einer Vielzahl von Studien soll belegt werden, dass die Schulzeitverk&uuml;rzung kaum negative Auswirkungen gehabt habe. Aus den Studien sind aber auch keine positiven Effekte abzuleiten. Und f&uuml;r das Leitziel des &bdquo;Bildungsmonitors&ldquo;, n&auml;mlich die Fachkr&auml;ftesicherung kann das Kriterium der &bdquo;Zeiteffizienz&ldquo; schon gar nichts hergeben. Die Autoren m&uuml;ssen eingestehen:<br>\n&bdquo;Vertiefende empirische Untersuchungen der Kompetenzen der G8- und G9-Sch&uuml;ler im Vergleich stehen allerdings noch aus.&ldquo; (S. 86)<br>\nUnd ob k&uuml;rzere Ausbildungszeiten dauerhaft mehr und ob dadurch vor allem produktivere Fachkr&auml;fte sichern, ist eine v&ouml;llig offene Frage.<br>\nDer Bezug des Handlungsfeldes Zeiteffizienz zum Leitziel des Monitors ist jedenfalls an den Haaren herbeigezogen.<\/p><p><strong>Es geht um die Amortisierung von Bildungsinvestitionen<\/strong><\/p><p>An diesem Beispiel und an verschiedenen Indikatoren, an denen die Zeiteffizienz gemessen wird, kann man erkennen, dass es den Autoren des Textes um etwas ganz anderes als um Bildungsinhalte geht. Es geht ihnen vor allem um die &bdquo;Amortisierung von Bildungsinvestitionen&ldquo; oder kurz um Kosteneinsparungen. Bei Klassenwiederholungen  etwa geht es nicht um die p&auml;dagogische Sinnhaftigkeit sondern um die Kosten, die dadurch verursacht werden. Obwohl die Studienabbruchquoten beim Bachelor-Studium gleich hoch geblieben sind wie beim Diplom-Studiengang, wird positiv gewertet, dass der Studienabbruch fr&uuml;her erfolgt. Die fr&uuml;he Einschulung wird deshalb als Vorteil gewertet, weil die betroffenen Sch&uuml;ler fr&uuml;her mit einer Ausbildung oder einem Studium beginnen und fr&uuml;her ins Erwerbsleben eintreten k&ouml;nnen, &bdquo;so dass ceteris paribus Zeit f&uuml;r die Amortisierung der Bildungsinvestitionen&ldquo; gewonnen wird.<\/p><p>Man fragt sich, wie es eigentlich m&ouml;glich war, mit den allgemein &uuml;blichen l&auml;ngeren Diplomstudieng&auml;ngen solche Fachkr&auml;fte auszubilden, mit denen es gelungen ist, mit deutschen Produkten qualitativ f&uuml;hrend in der  Welt zu werden, ja sogar &bdquo;Exportweltmeister&ldquo; geworden zu sein.<\/p><p><strong>Vergleich bei v&ouml;llig unterschiedlichen Bedingungen<\/strong><\/p><p>&Auml;hnlich sieht es mit der Messung der &bdquo;Schulqualit&auml;t&ldquo; aus, hier werden die (problematischen) Testergebnisse der verschiedenen Sch&uuml;lerleistungsvergleiche (IGLU, TIMSS, PISA) und vor allem die L&auml;ndervergleiche des Instituts zur Qualit&auml;tsentwicklung im Bildungswesen (IQB) in einen unmittelbaren Zusammenhang mit dem Wirtschaftswachstum gestellt (man schreibt also nur fr&uuml;here Bildungsmonitore ab) und schlie&szlig;t daraus weiter auf eine h&ouml;here Produktivit&auml;t  der Arbeitskr&auml;fte. Das ist zun&auml;chst einmal nichts mehr als eine plausible Behauptung, der Frage ob die &bdquo;Schulqualit&auml;t&ldquo; einen Einfluss auf die Produktivit&auml;t der einzelnen Bundesl&auml;nder hat oder hatte wird jedoch nicht nachgegangen. <\/p><p>Hinsichtlich der Handlungsfelder &bdquo;Integration&ldquo;, &bdquo;Berufliche Bildung&ldquo; oder auch &bdquo;Hochschule und MINT&ldquo; werden zwar eine Menge von (teils sehr einseitigen) Studien aufgez&auml;hlt, die die Bedeutung dieser Handlungsfelder f&uuml;r das Wirtschaftswachstum, f&uuml;r die Chancen auf dem Arbeitsmarkt herausstellen, es ist jedoch schlicht unsinnig hieraus jeweils einen &bdquo;Qualit&auml;ts&ldquo;-Vergleich  der Bildungssysteme in den verschiedenen L&auml;ndern zu konstruieren. Viel zu unterschiedlich sind die Bev&ouml;lkerungsstrukturen, zu verschieden ist die wirtschaftliche Situation und damit z.B. die Nachfrage nach Auszubildenden, zu gro&szlig; ist der Brain-drain der (MINT-) Universit&auml;tsabsolventen (vor allem in den S&uuml;den der Republik), als dass man f&uuml;r alle L&auml;nder die gleichen Erfolgs- oder Misserfolgsindikatoren anlegen k&ouml;nnte. <\/p><p>(Wie einseitig die Auswahl der Studien ist, zeigt sich zu z.B. an der Frage &bdquo;Studiengeb&uuml;hren ja oder nein?&ldquo;, wo es dann lapidar hei&szlig;t:  &bdquo;Studiengeb&uuml;hren haben das Potenzial, das Bildungssystem gerechter zu machen, da sie zu einer verursachergerechten Verteilung von Kosten und Nutzen eines Studiums beitragen.&ldquo; (S. 69) Vgl. dazu <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10956\">hier<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14808\">hier<\/a>) <\/p><p><strong>Priorit&auml;t gemessen an was?<\/strong><\/p><p>Die &bdquo;Ausgabenpriorisierung&ldquo; wird in der Studie an Hand der Relation der Bildungsgaben zu den Gesamtausgaben &ouml;ffentlicher Haushalte gemessen (S. 13). Das ist merkw&uuml;rdig, denn die international &uuml;bliche Messgr&ouml;&szlig;e ist die Ausgabenh&ouml;he f&uuml;r Bildung im Verh&auml;ltnis zum BIP.  Die Haushalte der L&auml;nder sind kein wirklicher Ma&szlig;stab f&uuml;r politische Priorit&auml;tensetzungen. Die Ausgabenstruktur in L&auml;ndern oder Stadtstaaten mit hoher Arbeitslosigkeit und damit einem hohen Sozialetat ist mit Regionen h&ouml;herer Besch&auml;ftigung nicht zu vergleichen.<br>\nMan kann doch die bildungspolitischen Anstrengungen der L&auml;nder nicht dadurch relativieren, dass man sie in Beziehung zu den regional stark streuenden Sozialaufwendungen setzt. <\/p><p><strong>Sachkapital, nicht Personal steigert die Produktivit&auml;t<\/strong><\/p><p>Bei der &bdquo;Inputeffizienz&ldquo; wird der gesamte Katechismus der Arbeitgeberseite heruntergebetet und daran die angeblichen S&uuml;nden der Bildungspolitik in den L&auml;ndern gemessen. Also: Es geht nicht um Erh&ouml;hung der Bildungsausgaben, sondern ihren effizienten Einsatz, es geht um ein leistungsbezogenes Verg&uuml;tungssystem f&uuml;r Lehrer, um privat gef&uuml;hrte Schulen vom Staat finanziert, um Autonomie und Wettbewerb zwischen den Schulen,  um externe Evaluationen oder es wird behauptet, die Ausbildungsqualit&auml;t an Hochschulen lasse sich durch die Einf&uuml;hrung von Studiengeb&uuml;hren erh&ouml;hen. <\/p><p>&bdquo;Analog zu anderen Wirtschaftsbereichen wird die Annahme getroffen, dass eine h&ouml;here relative Ausstattung mit Sachkapital die Produktivit&auml;t des Lehrpersonals steigern kann (S. 17). Folgt man dieser Logik so f&uuml;hrt eine Absenkung der Personalkosten gegen&uuml;ber den Sachmitteln zu einer positiven Bewertung im Ranking. (Siehe <a href=\"http:\/\/www.gew.de\/Binaries\/Binary80604\/Black+Box+Bildungsmonitor+-+Ein+Blick+hinter+den+Reiz+des+Rankings+%281%29.pdf\">&bdquo;Black Box Bildungsmonitor&ldquo; [PDF &ndash; 3,7 MB]<\/a>, S. 57)<\/p><p><strong>Fazit: <\/strong><\/p><p>W&auml;re ich Schul- oder Wissenschaftsminister in den im &bdquo;Bildungsmonitor&ldquo; gut gerankten oder aufsteigenden L&auml;ndern, so w&uuml;rde ich mir Gedanken dar&uuml;ber machen, ob die Bildung  im Lande nicht allzu sehr bildungs&ouml;konomisch auf die Produktion Humankapital ausgerichtet ist. Ich w&uuml;rde vor allem ein Auge darauf halten, ob nicht andere wichtige Aufgaben eines Bildungssystems, die dieser Bildungsmonitor ausklammert, n&auml;mlich Pers&ouml;nlichkeitsentwicklung, Teilhabe, Kultur etc. zu kurz kommen.<\/p><p>W&auml;re ich Schul- oder Wissenschaftsminister in einem Land das dieser &bdquo;Bildungsmonitor&ldquo; nicht so gut rankt, so w&uuml;rde ich einfach sagen, dass ich eine andere und umfassendere Bildungspolitik betreiben m&ouml;chte als das arbeitgeberfinanzierte Institut der deutschen Wirtschaft und die PR-Agentur f&uuml;r eine neoliberale Politik, die INSM. <\/p><p>Was f&uuml;r andere Studien dieser Lobbyorganisationen gilt, also etwa f&uuml;r die Vielzahl der Studien gegen einen Mindestlohn, f&uuml;r die Privatisierung der Altersvorsorge oder f&uuml;r die Rente mit 70 oder f&uuml;r die Senkung der Unternehmenssteuern, gilt eben auch f&uuml;r Studien auf dem Feld der Bildungspolitik. Man muss einfach nur wissen, dass die (wissenschaftlich verbr&auml;mten) Empfehlungen dieser Interessengruppen eben auch deren Interessen wiederspiegeln.<\/p><p>Im &Uuml;brigen w&uuml;rde ich noch hinzuf&uuml;gen, dass die der Studie zugrunde gelegten Handlungsfelder und Indikatoren selbst zu den bildungspolitisch &auml;u&szlig;erst beschr&auml;nkten Leitzielen h&auml;ufig keinen eindeutigen Bezug haben, sondern h&auml;ufig nur die &Uuml;bertragung von interessengebunden, ideologischen Messkriterien auf das Feld der Bildungspolitik darstellen.<\/p><p>Leider d&uuml;rfte kein Kultusminister den Mut haben, diese Wahrheit auszusprechen.<br>\nAber wenigstens k&ouml;nnten es die P&auml;dagogen und Bildungsfachleute an unseren Schulen und Hochschulen tun. Vielleicht w&uuml;rden ja dann auch die Medien solche Auftragsstudien kritischer beleuchten. <\/p><p><strong>Hinweis:<\/strong> Wer sich intensiver mit der Analyse und der Kritik der &bdquo;Bildungsmonitore&ldquo; besch&auml;ftigen m&ouml;chte, sollte die <a href=\"http:\/\/www.gew.de\/Binaries\/Binary80605\/Kurzfassung++Black+Box+Bildungsmonitor+%282%29.pdf\">Studie von Tobias Kaphegyi &bdquo;Black Box Bildungsmonitor&ldquo; [PDF &ndash; 422 KB]<\/a> lesen, dort geht es zwar um den &bdquo;Bildungsmonitor 2010&ldquo;, Sie werden jedoch erstaunt sein, wie austauschbar die Leitziele sind die mit den gleichen Indikatoren gemessen werden und wie sich die Argumente wiederholen.<br>\nSiehe zur Kritik der Auswertung f&uuml;r Sachsen &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.l-iz.de\/Bildung\/Leipzig%20bildet\/2014\/08\/Sachsens-Platz-1-im-neuen-INSM-Bildungsmonitor-56821.html\">Wenn eine effiziente Maschine viel Ausschuss produziert<\/a>&ldquo;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 2004 erstellt das <a href=\"http:\/\/www.iwkoeln.de\/de\/infodienste\/iwd\/archiv\/beitrag\/bildung-alle-haben-ihre-hausaufgaben-gemacht-178401\">&bdquo;Institut der deutschen Wirtschaft&ldquo; (IW)<\/a>, der &bdquo;wissenschaftliche Schreibtisch&ldquo; f&uuml;r die arbeitgeberfinanzierte PR-Agentur <a href=\"http:\/\/www.insm.de\/insm\/Presse\/Pressemeldungen\/Bildungsmonitor-2014.html\">&bdquo;Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft&ldquo; (INSM)<\/a> j&auml;hrlich einen sog. &bdquo;Bildungsmonitor&ldquo;. Mit &bdquo;Bildung&ldquo; im allgemeinen Verst&auml;ndnis haben jedoch die in diesem Ranking miteinander verglichenen Handlungsfelder und Indikatoren allenfalls am Rande etwas zu tun. Schon der Begriff &bdquo;Bildungs&ldquo;-monitor ist eine<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22902\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[34,92,128],"tags":[430,1091,550,487],"class_list":["post-22902","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bildung","category-fachkraftemangel","category-insm","tag-bildungsausgaben","tag-bildungsmonitor","tag-iw","tag-produktivitaet"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22902","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=22902"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22902\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22906,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22902\/revisions\/22906"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=22902"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=22902"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=22902"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}