{"id":22907,"date":"2014-08-22T09:14:42","date_gmt":"2014-08-22T07:14:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22907"},"modified":"2015-10-25T11:49:21","modified_gmt":"2015-10-25T10:49:21","slug":"wie-ein-struktureller-rassismus-in-den-usa-die-politik-beherrscht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22907","title":{"rendered":"Wie ein struktureller Rassismus in den USA die Politik beherrscht"},"content":{"rendered":"<p>Der Tod des schwarzen Jugendlichen Michael Brown durch eine Polizeikugel im amerikanischen Ferguson und die <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/zeuge-filmte-mit-dem-handy-video-zeigt-toedliche-schuesse-in-saint-louis-13109501.html\">t&ouml;dlichen Sch&uuml;sse in St. Louis<\/a> haben erneut eine heftige Protestwelle und eine Debatte &uuml;ber den Rassismus in den USA ausgel&ouml;st. Die Situation erinnert stark an den <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Todesfall_Trayvon_Martin\">Fall Trayvon Martin<\/a> vor zwei Jahren: Auch damals wurde ein Jugendlicher unter nicht genau rekonstruierbaren Umst&auml;nden erschossen. Der Sch&uuml;tze blieb nach der Tat auf freiem Fu&szlig;, da er sich auf ein sogenanntes &bdquo;Stand your Ground&rdquo; Gesetz berufen konnte (Eine nach heftigen &ouml;ffentlichen Protesten vorgebrachte Anklage endete sp&auml;ter mit einem Freispruch durch die Jury). Und genauso wie damals bringt die &ouml;ffentliche Debatte &uuml;ber den Fall wenig neuen Erkenntnisgewinn im Hinblick auf das Thema, um das es im Kern geht und &uuml;ber das eigentlich alle diskutieren sollten: Den immer noch vorhandenen Rassismus in der amerikanischen Gesellschaft. Von <strong>Lukas B&ouml;hm<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nDer Medienhype erinnert an die immer wieder aufflammende Debatte &uuml;ber Waffenkontrolle nach jedem neuen Amoklauf: auf beiden Seiten werden die immer gleichen Argumente aufgefahren, bis die Aufregung sich wieder gelegt hat und die Nachrichtensender und Zeitungen sich anderen Themen zuwenden. Zum Thema Rassismus werden wieder einmal unz&auml;hlige Fallbeispiele von rassistischen Polizei&uuml;bergriffen und ungerechten Gerichtsurteilen aufgetischt, dazu werden dann meist noch ein paar Statistiken &uuml;ber die Ungleichbehandlung bei Verkehrskontrollen zitiert.<\/p><p>F&uuml;r Zeit Online zum Beispiel bezeugt der Fall Brown einen <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/zeitgeschehen\/2014-08\/usa-rassismus-brown\">&bdquo;tief sitzenden Rassismus in den USA&rdquo;<\/a>. Der Autor postuliert den &bdquo;Abschied vom Traum einer postrassistischen Gesellschaft&rdquo;. Ganz abgesehen davon, dass Zeit Online den Anteil der schwarzen Bev&ouml;lkerung an der Gesamtbev&ouml;lkerung der USA f&auml;lschlicherweise mit 30 Prozent angibt (es sind nur knapp <a href=\"http:\/\/www.us-infos.de\/fakten-ethno.html\">13 Prozent<\/a>), ist der Artikel quasi eine Essenz dessen, was mit der Berichterstattung &uuml;ber das Ph&auml;nomen des auch in einer aufgekl&auml;rten Gesellschaft tief sitzenden Rassismus falsch l&auml;uft: Ein paar Zitate wie &bdquo;F&uuml;r uns wird es nie Gerechtigkeit geben&rdquo;, ein paar Verweise auf &auml;hnliche F&auml;lle aus letzter Zeit und ein paar erschreckende Statistiken (80% aller Gef&auml;ngnisinsassen in den USA sind schwarz) und fertig ist der Artikel. <\/p><p>Das ist noch nicht einmal eine Kritik am Autor, der Fehler hier sitzt tiefer und betrifft einen Gro&szlig;teil der Medien diesseits und jenseits des Pazifiks. Dass in einem Land in dem ein Schwarzer Pr&auml;sident werden konnte, ein institutioneller Rassismus immer noch tief verankert ist, hat extrem komplexe Ursachen, die nicht sinnvoll in einem Zeitungsartikel vertretbarer L&auml;nge herausgearbeitet werden k&ouml;nnen. Ganz besonders dann nicht, wenn der leichten Verdaulichkeit halber viele sch&ouml;ne Zitate und Anekdoten in den Text eingebaut werden m&uuml;ssen.<\/p><p>Also beschr&auml;nken sich die allermeisten Zeitungen und Nachrichtensendungen auf vorhersehbare Beitr&auml;ge zu vorhersehbaren Zeitpunkten: Genau dann, wenn es alle anderen auch tun, wird einmal mehr beklagt, dass Rassismus in den USA immer noch allt&auml;glich ist. Die wirklichen Ursachen dessen werden kaum angetastet. Dies ist ein gro&szlig;es Problem und es ist umso erm&uuml;dender dann zu sehen, wenn gute Ans&auml;tze einfach fallengelassen werden. So erw&auml;hnt zum Beispiel Sebastian Moll in seinem Artikel die Soziologin Michelle Alexander, reduziert ihre Arbeit allerdings auf eine einzige, unbegr&uuml;ndete Aussage. Dabei liefert Alexanders Buch <a href=\"http:\/\/books.google.de\/books?id=reDzBZ3pXqsC&amp;printsec=frontcover&amp;hl=de&amp;source=gbs_ge_summary_r&amp;cad=0#v=onepage&amp;q&amp;f=false\">&ldquo;The New Jim Crow&rdquo;<\/a> eine umfassende Analyse und unverzichtbare Denkans&auml;tze f&uuml;r die &ouml;ffentliche Debatte, die ich an dieser Stelle ganz knapp umrei&szlig;en will.  (Es existiert leider keine deutsche &Uuml;bersetzung, doch es ist sehr klar geschrieben und auch f&uuml;r nicht-Muttersprachler gut verst&auml;ndlich sowie extrem detailliert recherchiert. Ich empfehle es allen Interessierten ausdr&uuml;cklich.)<\/p><p>Alexanders Kernthese ist, dass die Abschaffung des rassistischen Systems der Rassentrennung (&bdquo;Jim Crow&ldquo;) in den 1960ern nicht in der Gleichberechtigung m&uuml;ndete, sondern dass stattdessen ein anderes rassistisches System &bdquo;Jim Crow&ldquo; ersetzte: Das System der Masseninhaftierung.<\/p><p>Noch vor drei&szlig;ig Jahren gab es ca. 300.000 Gef&auml;ngnisinsassen in den USA, heute sind es mehr als 2 Millionen, 80 Prozent davon sind schwarz (In den USA ist ein gr&ouml;&szlig;erer Teil der schwarzen Bev&ouml;lkerung hinter Gitter als in S&uuml;dafrika zu Zeiten der Apartheid). Dieser Anstieg geht in erster Linie auf den Krieg gegen Drogen zur&uuml;ck, welcher haupts&auml;chlich in den schwarzen Vierteln gef&uuml;hrt wird, wo h&auml;ufig drei Viertel der m&auml;nnlichen Bev&ouml;lkerung im Laufe ihres Lebens zumindest eine Haftstra&szlig;e absitzen. Viele Drogendelikte wurden im Zuge des Krieges gegen die Drogen als Kapitalverbrechen bewertet und sie ziehen in einigen Staaten sogar verpflichtende Minimalstrafen nach sich. Eine Person die eines Kapitalverbrechens schuldig gesprochen wurde verliert in den USA viele B&uuml;rgerrechte (Beispielsweise Wahlrecht, finanzielle Studienunterst&uuml;tzung oder etwa die M&ouml;glichkeit Mitglied einer Gerichts-Jury zu werden) und sie wird zu einem B&uuml;rger zweiter Klasse. Dies betrifft eben in erster Linie Schwarze, da diese &ouml;fter auf Drogen kontrolliert und somit auch &ouml;fter auf Grund von Drogendelikten angezeigt werden, obwohl Untersuchungen belegen, dass Menschen aller Hautfarben Drogen in ziemlich genau demselben Umfang nutzen und verkaufen.<\/p><p>Dies alles ist laut Alexander politisch gewollt, allerdings nicht, weil die politischen Entscheidungstr&auml;ger selber besonders rassistisch veranlagt w&auml;ren. Alexander fantasiert keine rassistische Verschw&ouml;rung hochrangiger Politiker herbei, sondern zeigt auf, welche Umst&auml;nde dazu gef&uuml;hrt haben, dass der institutionelle Rassismus der &bdquo;Jim Crow&ldquo;-&Auml;ra in eine Zeit hinein &uuml;berlebt hat, in der sich die &uuml;berw&auml;ltigende Mehrzahl der Bev&ouml;lkerung offen gegen Rassismus ausspricht und Politiker ihre Worte im Hinblick auf dieses Thema sehr genau w&auml;hlen m&uuml;ssen, um keinen Shitstorm loszutreten.<\/p><p>Die Anf&auml;nge liegen &ndash; wenig &uuml;berraschend &ndash; in den 1960er Jahren. Zur Zeit der B&uuml;rgerrechtsbewegung wurde es nach und nach unm&ouml;glich f&uuml;r Politiker offen rassistisch aufzutreten, da ein Gro&szlig;teil der Bev&ouml;lkerung mittlerweile einsah, dass die &bdquo;Jim Crow&ldquo;-Gesetze unmoralisch waren und gegen die eigene Verfassung verstie&szlig;en. Trotzdem war es f&uuml;r die Pr&auml;sidentschaftswahlen wichtig, die immer noch gro&szlig;e Gruppe der latenten oder offenen Rassisten sowie die der wirtschaftlich Abgeh&auml;ngten f&uuml;r sich zu gewinnen. <\/p><p>Nixon gelang dies, indem er als einer der ersten seine Rhetorik kodifizierte:<br>\nW&auml;hrend die Bilder von schwarzen Demonstranten und Ausschreitungen durch die Nachrichten gingen, setzte er sich f&uuml;r &bdquo;Recht und Ordnung&rdquo; ein und pr&auml;sentierte sich als durchgreifende Hand. Er trat offiziell f&uuml;r Gleichberechtigung ein, doch stellte sich gegen alle so gerichteten Ma&szlig;nahmen und richtete seine Rhetorik vor allem auf die gro&szlig;en Teile der Bev&ouml;lkerung aus, die Angst hatten vor einem schwarzen Mob auf den Stra&szlig;en und auch davor, dass schwarze M&auml;nner pl&ouml;tzlich bessere Jobs bekamen als man selbst. Subtil setzte er Schwarze mit Kriminellen gleich und sch&uuml;rte vorhandene &Auml;ngste. Offen rassistisch zu sein, kam aus der Mode, doch durch die vielen Jahrzehnte der Segregation war ein starkes &bdquo;Wir = die Wei&szlig;en&rdquo;- Denken in den K&ouml;pfen der Menschen verankert. Und besonders die wirtschaftlich Schwachen f&uuml;rchteten sich davor, von den Schwarzen &uuml;berholt zu werden.<\/p><p>Nixon war mit dieser Taktik erfolgreich und Ronald Reagan perfektionierte diese in den 1980er Jahren. Im Wahlkampf hetzte er gegen Sozialschmarotzer und &bdquo;Predators&rdquo; (Raubtiere), womit R&auml;uber und Vergewaltiger gemeint waren. Er erz&auml;hlte M&auml;rchen von &bdquo;Welfare-Queens&rdquo; die durch Betrug der Sozialsysteme reicher wurden als hart arbeitende Mittelschichtler und er verdammte Programme wie die Lebensmittelmarken, weil diese der arbeitsfaulen Unterschicht angeblich besseres Essen bescherten als dem anst&auml;ndigen Durchschnittsamerikaner. Das alles geschah, ohne dass er ein einziges Mal explizit Bezug auf die Hautfarbe nahm, doch der rassistische Unterton ist unmissverst&auml;ndlich; die gleiche Rhetorik findet sich noch heute bei vielen rechten oder rechtspopulistischen Parteien.<\/p><p>Nach Reagans Wahlsieg rief dieser dann den &bdquo;War on Drugs&rdquo; aus und erh&ouml;hte die Budgets der Antidrogenabteilungen von FBI, CIA, DEA und dem Verteidigungsministerium auf ein Vielfaches, w&auml;hrend er gleichzeitig das Budget des National Institute on Drug Abuse auf ein F&uuml;nftel zusammenstrich. Das Bildungsministerium musste sich mit einem weniger als einem Drittel seines vorherigen Budgets von 14 Millionen Dollar zur Drogenaufkl&auml;rung begn&uuml;gen, w&auml;hrend der Drogenbeh&ouml;rde DEA und dem Verteidigungsministerium nun jeweils eine Milliarde Dollar zur Verf&uuml;gung standen. <\/p><p>Bemerkenswerterweise geschah dies sogar bevor 1984 die Droge Crack auf den Stra&szlig;en Amerikas erschien. Crack ist eine rauchbare Form von Kokain, die durch die Aufnahme &uuml;ber die Lunge auch geringer dosiert st&auml;rker wirkt, auch wenn die Wirkung schneller wieder verfliegt. Crack konnte durch seine hohe Potenz in kleinen Dosen sehr g&uuml;nstig verkauft werden und wurde so zum Kokain des armen Mannes.<\/p><p>Da das Aufkommen dieser Droge zeitlich in eine Periode hoher Arbeitslosigkeit und Bandengewalt fiel, richtete Crack unbestreitbar einen gro&szlig;en Schaden in den schwarzen Gemeinden Amerikas an. Doch der gr&ouml;&szlig;te und langlebigste Schaden wurde durch die Nutzbarmachung der Krise durch die Reagan-Administration verursacht: Reagan beauftragte PR-Leute damit die Crack-Epidemie zu nutzen,  um &ouml;ffentliche Unterst&uuml;tzung f&uuml;r seinen Krieg gegen Drogen aufzubauen und die Medien sprangen nur allzu gern auf den Zug auf. Mitte bis Ende der achtziger Jahre war Crack das beherrschende Thema in den amerikanischen Nachrichten. Die Washington Post allein ver&ouml;ffentlichte von Oktober 1988 bis Oktober 1989 1565 Artikel &uuml;ber die &bdquo;Drogenseuche&rdquo;. Bevor Reagan 1982 den Krieg gegen Drogen ausrief, betrachteten nicht einmal 2 Prozent der Bev&ouml;lkerung Drogen als das gr&ouml;&szlig;te Problem in den USA, im August 1989, nach f&uuml;nf Jahren medialen Dauerfeuers, waren es 64 Prozent. <\/p><p>Das vorherrschende Bild in den Medien war nat&uuml;rlich das des schwarzen Drogenabh&auml;ngigen. (Noch heute beschreiben 95% aller Amerikaner eine schwarze Person, wenn sie gebeten werden sich spontan einen Drogenabh&auml;ngigen vorzustellen.)<\/p><p>F&uuml;r Reagan brachte dies enorme politische Vorteile: Crack wurde zum S&uuml;ndenbock f&uuml;r alle Gewalt und Verwahrlosung in den armen Stadtvierteln und lenkte so von den politischen Vers&auml;umnissen, beispielsweise im Bildungswesen, ab. Statt in die Defensive gedr&auml;ngt zu werden, konnte er sich als harten Verbrechensbek&auml;mpfer inszenieren und war schwer mit Rassismusvorw&uuml;rfen zu treffen, da er ja gegen das Verbrechen zu Felde zog welches &ndash; wie man aus Medienberichten ja zweifelsfrei erkennen konnte &ndash; die schwarzen Viertel am h&auml;rtesten traf. <\/p><p>In Wirklichkeit f&uuml;gte Reagan mit seiner restriktiven Gesetzgebung den Gemeinden nat&uuml;rlich noch gr&ouml;&szlig;eren Schaden zu, da viele Menschen auf Grund kleinster Vergehen f&uuml;r Jahre im Gef&auml;ngnis landeten. Weil Resozialisierungsprogramme fehlen und es fast unm&ouml;glich ist, mit einem Eintrag als &bdquo;felon&rdquo;, als Kapitalverbrecher, einen Job zu bekommen, wird damals wie heute ein Gro&szlig;teil der einmal Inhaftierten r&uuml;ckf&auml;llig. Die verabschiedeten Gesetze nahmen in ihrer Logik und H&auml;rte teilweise absurde Z&uuml;ge an, fanden aber gro&szlig;en R&uuml;ckhalt in der konservativen wei&szlig;en Bev&ouml;lkerung. (Beispielsweise wurde Crack als 100 Mal so gef&auml;hrlich wie Kokain deklariert woraus folgte, dass der Besitz eines Gramms Crack im Wert von 20-50 Dollar genauso geahndet wurde, wie der Besitz von hundert Gramm Kokain im Wert von 2000-3000 Dollar. Ab dem Besitz von 5 Gramm Crack war eine Gef&auml;ngnisstrafe von mindestens 5 Jahren in manchen Bundesstaaten verpflichtend.) <\/p><p>Umfragen bezeugten, dass alle die, die statistisch gesehen, am wenigsten von Verbrechen im Zusammenhang mit Drogenkriminalit&auml;t betroffen waren, die h&auml;rtesten Strafen forderten. Dies war einer der Gr&uuml;nde f&uuml;r Reagans starke W&auml;hlerbasis und seinen Erdrutschsieg bei der Wiederwahl 1984.<\/p><p>Die starke Fokussierung auf den Drogenkrieg und die Verbrechensbek&auml;mpfung im Allgemeinen f&uuml;hrte dazu, dass bei folgenden Wahlk&auml;mpfen das Thema nun auch immer eine wichtige Komponente war. Reagans Nachfolger, Bush Senior, verlie&szlig; sich auf diesem Gebiet auf eine &auml;hnliche Rhetorik. Durch die rei&szlig;erische Art der &ouml;ffentlichen Meinungsbildung war es schwierig, den &bdquo;tough on crime&rdquo;-Ansatz grunds&auml;tzlich in Frage zu stellen; es kostete viele W&auml;hlerstimmen von den Medien als &bdquo;soft on crime&rdquo; abgestempelt zu werden. Deshalb k&auml;mpfte auch der &ndash; in der hiesigen Wahrnehmung als liberal wahrgenommene &ndash; Demokrat Clinton nicht gegen die rassistische Ungerechtigkeit in der Verbrechensbek&auml;mpfung an, sondern ging sogar noch einen Schritt weiter:<\/p><p>Im Wahlkampf wohnte er der Hinrichtung eines geistig eingeschr&auml;nkten Schwarzen bei und vermerkte: &bdquo;I can be nicked a lot, but no one can say I&rsquo;m soft on crime.&rdquo; Er wurde bei den Demokraten daf&uuml;r gefeiert, dass er die &bdquo;Crime Issue&rdquo; aus den H&auml;nden der Republikaner riss und er erlie&szlig; in seiner Amtszeit noch restriktivere Gesetze, darunter die &bdquo;Three Strikes&rdquo; Regelung, nach der die M&ouml;glichkeit besteht Straft&auml;ter bei der dritten Verurteilung als Wiederholungst&auml;ter lebensl&auml;nglich einzusperren. <\/p><p>Au&szlig;erdem wurde die unter Reagan begonnene Militarisierung der Polizei fortgesetzt. In seine Amtszeit f&auml;llt die Weitergabe von 1.2 Millionen Teilen Milit&auml;rausr&uuml;stung an Polizeibeh&ouml;rden, darunter Granatenwerfer und Sturmgewehre.<\/p><p>Es ist unrealistisch anzunehmen, dass alle Pr&auml;sidenten seit Nixon rassistisch ausgerichtet waren und deshalb aktiv am Fortbestehen des institutionellen Rassismus arbeiteten oder dessen Entwicklung zumindest duldeten. Viel wahrscheinlicher ist, dass Nixon und Reagan in ihrer Rhetorik einen Schl&uuml;ssel zum Sieg sahen und sich wenig um die B&uuml;rgerrechte schwarzer Amerikaner scherten. Es war wohl kaum erkl&auml;rtes Hauptziel, dem Rassismus Vorschub zu leisten, doch auf dem Weg zum Posten des m&auml;chtigsten Mannes der Welt war das ein Kollateralschaden, der billigend in Kauf genommen wurde. <\/p><p>Als Folge ist es f&uuml;r alle folgenden Pr&auml;sidenten schwer aus der einmal vorgegebenen Marschrichtung auszubrechen. Bill Clinton ist nicht dumm und gewiss kein Rassist. Er wei&szlig;, dass die Gesetzgebung im Krieg gegen die Drogen weit &uuml;ber die Str&auml;nge geschlagen ist und nun prim&auml;r die Bev&ouml;lkerung in den verarmten schwarzen Vierteln darunter leidet. Doch er wei&szlig; auch, dass er sich niemals als Pr&auml;sidentschaftskandidat f&uuml;r ein Ende des Krieges h&auml;tte aussprechen k&ouml;nnen. Das gesamte konservative Lager und mit ihnen ein paar der gr&ouml;&szlig;ten Nachrichtensender h&auml;tten sich darauf gest&uuml;rzt und ihn mit Vorw&uuml;rfen bombardiert, er w&uuml;rde den Kampf aufgeben und dem Verbrechen Vorschub leisten. Die Medien w&auml;ren voll gewesen mit erschreckenden Berichten &uuml;ber Bandenkriminalit&auml;t und Warnungen, dass Clinton all diesen &bdquo;predators&rdquo; bald einen Freifahrtschein ausstellen w&uuml;rde. Also ging er in die Offensive. <\/p><p>Moralisch ist dies mit Sicherheit zweifelhaft, doch im Hinblick auf das Ziel Pr&auml;sident zu werden, war es eine zielf&uuml;hrende Strategie. Wie Obamas &bdquo;Yes we can!&rdquo;-Slogan einmal mehr bewies,  im Amerikanischen Wahlkampf ist kein Platz f&uuml;r komplexe Zusammenh&auml;nge. Wer gewinnen will muss vor allem mitrei&szlig;en und so kurze und klare Antworten auf die gro&szlig;en Fragen finden, dass sie auch in der kruden und emotionsgeladenen Berichterstattung der gr&ouml;&szlig;ten Medienanstalten verstanden werden. Deshalb verk&uuml;ndete Obama im Wahlkampf zum Beispiel auch, dass er die Todesstrafe f&uuml;r Kindersch&auml;nder bef&uuml;rworte, obwohl diese zuvor f&uuml;r verfassungswidrig erkl&auml;rt worden war und Obama sich fr&uuml;her gegen die Todesstrafe im Allgemeinen ausgesprochen hatte: Es war eine kurze, klare Botschaft, dass Obama keineswegs &bdquo;soft on crime&rdquo; sei, pr&auml;ventiv ausgesendet bevor er auf diesem Gebiet in die Defensive gedr&auml;ngt werden konnte. <\/p><p>Und deshalb vermied es Obama auch auff&auml;llig Bezug auf seine Hautfarbe zu nehmen und die Rassismusprobleme im Land anzusprechen. Er h&auml;tte damit seinen politischen Gegnern in die H&auml;nde gespielt die versuchten ihn auf Grund seiner Hautfarbe als Pr&auml;sident der Schwarzen darzustellen.<\/p><p>Das Grundproblem des Rassismus in den USA sind also weniger einzelne rassistische Akteure (die aber nat&uuml;rlich trotzdem existieren), sondern es ist vielmehr die Tatsache, dass die Personen, die etwas an dem strukturellen Rassismus &auml;ndern wollen, kaum Chancen haben in Positionen zu gelangen, die ihnen die Macht dazu g&auml;ben. Der Schl&uuml;ssel zur L&ouml;sung des Problems liegt vor allem bei den Medien. Doch solange diese rei&szlig;erischen Sensationsjournalismus betreiben und das Problem nur anhand von krassen rassistischen Einzelf&auml;llen her angehen, anstatt konsequent die Ursachen zu analysieren, wird sich wenig an den Gegebenheiten im Land &auml;ndern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Tod des schwarzen Jugendlichen Michael Brown durch eine Polizeikugel im amerikanischen Ferguson und die <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/zeuge-filmte-mit-dem-handy-video-zeigt-toedliche-schuesse-in-saint-louis-13109501.html\">t&ouml;dlichen Sch&uuml;sse in St. Louis<\/a> haben erneut eine heftige Protestwelle und eine Debatte &uuml;ber den Rassismus in den USA ausgel&ouml;st. Die Situation erinnert stark an den <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Todesfall_Trayvon_Martin\">Fall Trayvon Martin<\/a> vor zwei Jahren: Auch damals wurde ein Jugendlicher unter<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22907\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[159,11,132,174],"tags":[1093,1092,421,841,389],"class_list":["post-22907","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-fremdenfeindlichkeit-rassismus","category-strategien-der-meinungsmache","category-ungleichheit-armut-reichtum","category-usa","tag-clinton-bill","tag-drogen","tag-polizei","tag-reagan-ronald","tag-sozialrassismus"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22907","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=22907"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22907\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22909,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22907\/revisions\/22909"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=22907"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=22907"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=22907"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}