{"id":22932,"date":"2014-08-25T10:10:42","date_gmt":"2014-08-25T08:10:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22932"},"modified":"2024-09-24T23:32:40","modified_gmt":"2024-09-24T21:32:40","slug":"unsere-schulen-sind-kinderfeindlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22932","title":{"rendered":"\u201eUnsere Schulen sind kinderfeindlich\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Dass das deutsche Schulsystem eines der sozial selektivsten der Welt ist, ist inzwischen zum Allgemeinplatz fortschrittlicher Kritik am Bildungssystem geworden. Ob dies jedoch das wichtigste, geschweige denn einzige Problem der Bildungspolitik ist, darf getrost bezweifelt werden. Der Streit geht eher um die Ein- versus Mehrgliedrigkeit des Schulsystems oder die Frage, ob das Abitur und ein anschlie&szlig;endes Studium allen oder nur wenigen m&ouml;glich sein sollen. <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18451\">Grundlegendere Fragen<\/a> werden von den &uuml;blichen Diskursen oft mehr &uuml;berdeckt denn thematisiert. Fragen etwa wie: Was brauchen und wie lernen Kinder eigentlich? Zur Frage, was an deutschen Schulen jenseits der &uuml;blichen Kritik noch zu kritisieren ist, sprach <strong>Jens Wernicke<\/strong> mit der P&auml;dagogin, Politologin und <a href=\"http:\/\/www.v-r.de\/de\/title-0-0\/instandsetzungspaedagogik-1008760\/\">Fachbuchautorin<\/a> <strong>Magda von Garrel<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Frau von Garrel, Sie sind eine scharfe Kritikerin des deutschen Schulsystems, wobei sich Ihre Kritik nicht im &uuml;blichen Contra-dreigliedriges-Schulsystem ersch&ouml;pft. Worum geht es Ihnen? <\/strong><\/p><p>Wie Sie schon richtig bemerkt haben, geht es um weit mehr als um die Anzahl der Schulformen und die daraus resultierende Selektionspraxis. Diese ist zwar f&uuml;r sich genommen schon schlimm genug, aber wenn wir mit unserer Kritik an diesem Punkt stehen bleiben, werden wir es nie hinbekommen, eine Schule zu kreieren, in der sich sowohl die Sch&uuml;ler als auch die Lehrer wohl f&uuml;hlen. <\/p><p>Jedenfalls bin ich davon &uuml;berzeugt, dass wir uns diesem Ziel nur durch eine aus ganz anderen Blickwinkeln vorgenommene Betrachtungsweise ann&auml;hern k&ouml;nnen. Eine der ersten Fragen auf diesem Weg m&uuml;sste lauten: Was sind die Bed&uuml;rfnisse von Kindern und Jugendlichen &ndash; und respektiert beziehungsweise erf&uuml;llt Schule diese &uuml;berhaupt? <\/p><p>Diese Frage l&auml;sst sich bereits beantworten, wenn wir uns nur einmal die sechs &ldquo;Alltagsebenen&rdquo; der Schule, das hei&szlig;t den baulichen Zustand, die Schulstruktur, die Leistungsorientierung, die Lerninhalte, den Hausaufgabenbereich sowie die Beziehung zu den Lehrern etwas genauer anschauen. In Summe kommt dabei n&auml;mlich heraus, dass wir es mit einem strukturell kinderfeindlichen Schulsystem zu tun haben, in dem Kinder und Jugendliche einen Objektstatus zugewiesen bekommen, der sie zu &ldquo;Lernmaschinen&rdquo; zu degradieren versucht&hellip; <\/p><p><strong>Wie meinen Sie das, &hellip; &bdquo;Lernmaschinen&ldquo; und &bdquo;kinderfeindlich&ldquo;? <\/strong><\/p><p>Nun, &uuml;berspitzt gesagt: Schule, wie sie heute existiert, missachtet per se die Bed&uuml;rfnisse junger Menschen und versucht statt dessen, diese mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln in ein auf die Erbringung kognitiver Leistungen zugeschnittenes Lernkorsett zu pressen, was unter anderem bedeutet, dass sich Lob und Anerkennung auf diesen vergleichsweise kleinen Bereich kindlicher Entfaltungsm&ouml;glichkeiten konzentrieren. <\/p><p>Dabei hat sich die Situation derzeit noch dadurch versch&auml;rft, dass der zugeh&ouml;rige &ndash; und wenn ich mal so sagen darf: &ouml;konomisch inspirierte &ndash; Wettbewerbsgedanke immer st&auml;rker in den Vordergrund gestellt wird. Es ist schon paradox: Einerseits werden wir mit Parolen wie &ldquo;Kein Kind zur&uuml;cklassen!&rdquo; oder &ldquo;Das Kind dort abholen, wo es steht!&rdquo; geradezu &uuml;berschwemmt, andererseits aber wird die Leistungsschraube immer gnadenloser angezogen. Dadurch wird faktisch das Gegenteil einer humanen Schule forciert: Alle Kinder und Jugendlichen werden einem immer h&ouml;heren Druck ausgesetzt, der sie mehr und mehr seelisch besch&auml;digt und schlimmstenfalls sogar zerbricht.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/140823_goehte.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p style=\"text-align:center\"><strong>FAZ: Johann Wolfgang von Goethe zur Kindheit<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>K&ouml;nnen Sie das ein wenig illustrieren?<\/strong><\/p><p>Am deutlichsten l&auml;sst sich diese Entwicklung meines Erachtens an der rasanten Zunahme von Tests und Vergleichsarbeiten ablesen. Was mich daran am meisten aufregt, ist die Art und Weise, in der diese &Uuml;berpr&uuml;fungsinstrumente &ldquo;verkauft&rdquo; werden. <\/p><p>Den Ank&uuml;ndigungen nach geht es dabei n&auml;mlich immer um das Wohl des Kindes beziehungsweise um die in diesem Rahmen aufgestellte Behauptung, dass Sch&uuml;ler stets und st&auml;ndig wissen wollten, wo sie leistungsm&auml;&szlig;ig st&uuml;nden. F&uuml;r mich l&auml;uft das auf die Unterstellung hinaus, dass sich alle Sch&uuml;ler &ndash; also auch diejenigen mit den weniger brillanten Ergebnissen &ndash; von jeder &Uuml;berpr&uuml;fung neu motivieren lie&szlig;en. Tats&auml;chlich werden bei den Sch&uuml;lern jedoch oft ganz andere Empfindungen ausgel&ouml;st, die wiederum &ndash; vor allem im Falle permanenter &Uuml;berpr&uuml;fungen &ndash; eine bis zum vollst&auml;ndigen Erl&ouml;schen des Lerninteresses reichende Demotivierung zur Folge haben. Angst und Besch&auml;mung sind hier ganz vorn mit dabei&hellip; <\/p><p>Als ein in dieser Hinsicht besonders abschreckendes Beispiel m&ouml;chte ich die in einigen Bundesl&auml;ndern geplante Einf&uuml;hrung eines Instrumentes namens <a href=\"http:\/\/bildungsklick.de\/a\/88459\/inklusive-bildung-braucht-inklusive-diagnostik\/\"><em>response to intervention<\/em><\/a>, kurz RTI, anf&uuml;hren. Diese in den USA entwickelte Methode soll &ndash; was ja erst einmal gut klingt &ndash; daf&uuml;r sorgen, dass F&ouml;rderung schon sehr fr&uuml;h, das hei&szlig;t weit vor einem m&ouml;glichen Scheitern, einsetzt. Im Rahmen eines dreistufigen Verfahrens wechseln Diagnose und F&ouml;rderung dabei st&auml;ndig miteinander ab. Dreimal im Jahr werden alle Grundsch&uuml;ler &uuml;berpr&uuml;ft, um feststellen zu k&ouml;nnen, wie sie auf das Unterrichtsangebot antworten. Das ist Stufe 1. Im Falle zu geringer Lernfortschritte setzt eine gezielte F&ouml;rderung ein, wobei die zugeh&ouml;rigen &Uuml;berpr&uuml;fungen ein- bis zweimal pro Woche stattfinden. Das ist Stufe 2. Bleibt das erw&uuml;nschte Resultat auch auf dieser Stufe aus, erfolgt eine Zuordnung zur Stufe 3, die als intensive Einzelfallhilfe mit einer noch engmaschigeren Diagnostik durchgef&uuml;hrt wird&hellip; <\/p><p>Diagnostik ist ja nicht an sich schlecht, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ein derma&szlig;en intensiv &bdquo;getestetes&ldquo; Kind &uuml;berhaupt noch Freude am Lernen zu entwickeln vermag. Hier schl&auml;gt die Diagnostik jedenfalls in ein permanent kontrollierendes Vermessen um, weshalb sich gerade an diesem Beispiel, wenn Sie mir dieses Wortspiel gestatten, beinahe &ldquo;lehrbuchartig&rdquo; belegen l&auml;sst, dass es in unserem Schulsystem in der Regel eben nicht um die Kinder und deren autonome Entwicklung oder gar Selbstverwirklichung geht. Die hier praktizierte Art der F&ouml;rderung l&auml;uft n&auml;mlich darauf hinaus, dass ein Kind lediglich auf einem starr vorgezeichneten Weg begleitet wird. <\/p><p>Und noch etwas anderes regt mich auf: Solche Tests sowie die zugeh&ouml;rigen Testmaterialien sind richtig teuer! Nicht, dass ich etwas gegen eine bestm&ouml;gliche Ausstattung von Schulen h&auml;tte, aber ich meine doch, dass das f&uuml;r die Tests erforderliche Geld anderweitig sehr viel besser angelegt w&auml;re. Um es mal plakativ auszudr&uuml;cken: Die Steigerung des Wohlbefindens unserer Kinder sollte finanziell gef&ouml;rdert werden und nicht etwa die Intensivierung des Versuches, unsere Kinder einseitig zu konditionieren. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"236\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/QBylpgZzjjY\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div> <\/p><p style=\"text-align:center\"><strong>Magda von Garrel: Instandsetzungsp&auml;dagogik<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Aber Kinder wollen doch lernen, gute Noten und sp&auml;ter gute Arbeit &ndash; oder etwa nicht?<\/strong><\/p><p>Da sprechen Sie einige ganz wesentliche Dinge an, die immer gerne ins Feld gef&uuml;hrt werden, wenn es um die Diskreditierung einer kindzugewandten Schulutopie geht.<br>\nSelbstverst&auml;ndlich wollen Kinder lernen, denn dieses Bed&uuml;rfnis ist ihnen angeboren. Deshalb geht es hier auch nicht um das Ob, sondern um das Wie. Ihrem Lernbed&uuml;rfnis entsprechend versuchen Kinder schon ganz fr&uuml;h, sich immer mehr Wissen durch Spielen, Experimentieren, Nachahmen und L&ouml;cher-in-den-Bauch-Fragen anzueignen. <\/p><p>Das ist ein Lernen in der ihnen gem&auml;&szlig;en Art. Dann aber treffen die Kinder auf ein Schulsystem, das ihnen fremdbestimmtes Wissen in einer auch zeitlich starr reglementierten Form einzutrichtern versucht ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, worauf das einzelne Kind gerade neugierig ist, in welchem Umfeld es aktuell lebt beziehungsweise leben muss und in welcher Weise sich seine besonderen Begabungen einbeziehen lie&szlig;en. Als Belohnung winken schlie&szlig;lich zwar gute Noten, schon wenig sp&auml;ter m&uuml;ssen die Kinder aber erfahren, dass man auf diese nur dann wirklich stolz sein kann, wenn sie f&uuml;r kognitiv erbrachte Leistungen in den so genannten Hauptf&auml;chern erteilt worden sind. <\/p><p>Bei Kindern, die da nicht mithalten k&ouml;nnen, setzt da allm&auml;hlich eine ganz andere Art des Lernens ein: Sie &ldquo;lernen&rdquo;, dass mit ihnen irgendetwas nicht stimmt, dass sie m&auml;ngelbehaftete Wesen sind und dass es sich &ndash; wenn sich das Gef&uuml;hl des Versagens erst einmal verfestigt hat &ndash; &uuml;berhaupt nicht lohnt, sich noch l&auml;nger anzustrengen. Und als ob das alles nicht schon schlimm genug w&auml;re, werden diese in ihrem Selbstbewusstsein stark ersch&uuml;tterten Kinder auch noch selektiert oder auf andere Weise stigmatisiert. <\/p><p>Vor diesem Hintergrund ist es gar nicht verwunderlich, dass sich etliche Kinder der schulischen &ldquo;Normierung&rdquo; widersetzen beziehungsweise sich ihr entziehen. Dabei handelt es sich beileibe nicht nur um die so genannten vernachl&auml;ssigten, sondern beispielsweise auch um &ldquo;freiheitsliebende&rdquo; Kinder, die vom Wunsch beseelt sind, ihre eigenen Erfahrungen zu sammeln, indem sie sich so selten wie m&ouml;glich bevormunden lassen. <\/p><p><strong>Schule schadet Kindern also&hellip;?<\/strong><\/p><p>In aller Regel schon. Das gilt zumindest dann, wenn wir vom humanistischen Standpunkt aus die Dinge betrachten und dabei mit Schrecken feststellen, dass sehr viele Kinder im Laufe ihrer &ldquo;Schulkarriere&rdquo; Verhaltensweisen und Einstellungen entwickeln, die auf Anpassung, Widerstand oder Resignation hinauslaufen. Die von den Kindern in der Schule erlebten &ndash; oft traumatischen &ndash; Erfahrungen setzen sich dann sp&auml;ter im Erwerbsleben fort. Denn Kinder und Jugendliche, die in der Schule dazu gebracht worden sind, sich selbst aufzugeben, entwickeln auch in dieser Hinsicht keinen gro&szlig;en Ehrgeiz mehr. Wir lachen, wenn wir Jugendliche h&ouml;ren, die die Frage nach ihrem Berufswunsch mit &ldquo;Hartz IV&rdquo; beantworten, aber es ist ein Lachen, das uns im Halse stecken bleiben sollte&hellip;. <\/p><p>Aber was ist &uuml;berhaupt das vermeintliche Gegenteil dieser Lebensart, also das, was sie &ldquo;gute Arbeit&rdquo; nennen und wof&uuml;r die den schulischen Anforderungen perfekt angepassten Kinder besonders pr&auml;destiniert sind? Wir alle wissen doch, dass selbst hoch dotierte Jobs kein Garant f&uuml;r ein gl&uuml;ckliches, das hei&szlig;t auch in seelischer Hinsicht zufriedenstellendes Leben sind. Manchmal denke ich sogar, dass diejenigen Kinder, die sich auf die eine oder andere Art widersetzen, wom&ouml;glich die &ldquo;normaleren&rdquo; Menschen sind. <\/p><p><strong>Haben Sie ein Problem mit &bdquo;normalen&ldquo; oder &bdquo;erfolgreichen&ldquo; Menschen&hellip;?<\/strong><\/p><p>Sicher nicht, aber ich glaube, dass es f&uuml;r uns alle schon vorteilhaft w&auml;re, wenn sich die im herk&ouml;mmlichen Sinne normalen und erfolgreichen Menschen h&auml;ufiger mal nach dem Sinn ihres Tuns fragen w&uuml;rden. <\/p><p>Erfolgreiche Sch&uuml;ler sind in aller Regel doch solche, denen es gelungen ist, sich den einengenden schulischen Anforderungen so gut anzupassen, dass sie als strahlende Sieger aus dem damit verbundenen Konkurrenzkampf hervorgegangen sind. Sie haben gelernt, im erw&uuml;nschten Sinne zu funktionieren und sind somit auf das sp&auml;tere Berufsleben bestens vorbereitet. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"315\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/Qtqjqs_AuFg\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div> <\/p><p style=\"text-align:center\"><strong>Konstantin Wecker: Emp&ouml;rt Euch!<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Bei oberfl&auml;chlicher Betrachtung mag das ein Grund zur Freude sein, aber ich frage mich, welcher Preis daf&uuml;r gezahlt werden muss. Die Kinder und Jugendlichen sind doch einem &ldquo;Lerndiktat&rdquo; unterworfen worden, das keine R&uuml;cksicht auf ihre individuellen Interessen und Begabungen genommen hat. Zudem haben sie viele Jahre lang in einem &ndash; <a href=\"http:\/\/www.google.de\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=3&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=0CDIQFjAC&amp;url=http%3A%2F%2Fforum-kritische-paedagogik.de%2Fstart%2Fwp-content%2Fplugins%2Fdownload-monitor%2Fdownload.php%3Fid%3D95&amp;ei=RO_6U-WzGIakPaDKgYAD&amp;usg=AFQjCNHR8HfZ6qOigfVMO_DHmKvOWZruKw&amp;sig2=E6r1uM3Vt0W_X-r6hhjgpA&amp;bvm=bv.73612305,d.ZWU\">wie ich es an anderer Stelle<\/a> einmal genannt habe &ndash; &ldquo;angstbesetzten Konkurrenzbiotop&rdquo; gelebt, in dem alle m&ouml;glichen unsolidarischen Verhaltensweisen zur Bl&uuml;te gebracht worden sind. <\/p><p>Mit anderen Worten f&uuml;hrt Schule in ihrer jetzigen Form bei den allermeisten Kindern zu den unterschiedlichsten Arten von Deformierungen. Und damit komme ich zum Ausgangspunkt unseres Gespr&auml;ches zur&uuml;ck: Wenn wir das nicht l&auml;nger hinnehmen wollen, reicht ein Herumdoktern an Schulstrukturen nicht aus. Statt dessen brauchen wir eine von Grund auf reformierte Schule, die sich den Bed&uuml;rfnissen und Interessen aller Kinder verpflichtet f&uuml;hlt &ndash; und nicht umgekehrt! <\/p><p><strong>Wie s&auml;he eine Schule denn aus, eine, die den Bed&uuml;rfnissen von Kindern und Jugendlichen Ihrer Meinung nach mehr entspricht?<\/strong><\/p><p>Da haben Sie aber eine wirklich gro&szlig;e Frage gestellt, die sich ganz gewiss nicht mit einigen wenigen S&auml;tzen beantworten l&auml;sst. Immerhin k&ouml;nnen wir mit dem beginnen, was meines Erachtens unbedingt abgeschafft geh&ouml;rt: Auf der formalen Ebene ist das vor allem die Selektion der Sch&uuml;ler und im Schulalltag der Einsatz von Druckmitteln, die Angst und Besch&auml;mung ausl&ouml;sen. Wie ich schon an anderer Stelle gesagt habe, denke ich dabei insbesondere an die Art der Benotungen, an die H&auml;ufigkeit der &Uuml;berpr&uuml;fungen sowie an alle Formen von Stigmatisierungen. <\/p><p>Statt dessen muss verst&auml;rkt auf die individuellen Bed&uuml;rfnisse, W&uuml;nsche, Begabungen und Interessen von Sch&uuml;lern eingegangen werden. Man k&ouml;nnte auch so sagen: Habt endlich mehr Vertrauen in den angeborenen Lernwillen der Kinder und zerst&ouml;rt diesen nicht durch starre Vorgaben und Einsch&uuml;chterungen! Das bedeutet beispielsweise auch, dass sich unsere F&ouml;rderbem&uuml;hungen nicht l&auml;nger auf eine blo&szlig;e Optimierung individuell erreichter Lernst&auml;nde beschr&auml;nken d&uuml;rfen, sondern dass stattdessen erst einmal gefragt werden muss: Wie kann ich dem Kind &ndash; vielleicht auf ganz anderen Gebieten &ndash; so viele Erfolgserlebnisse verschaffen, dass ihm die Freude am Lernen zur&uuml;ckgegeben wird? <\/p><p>Lernen kann schlie&szlig;lich auch in Form breit angelegter Projekte stattfinden, die so organisiert sind, dass sich alle teilnehmenden Sch&uuml;ler im Rahmen ihrer M&ouml;glichkeiten &ldquo;einbringen&rdquo; und sich auf diese Weise ihrer Bedeutung f&uuml;r das Gelingen des Gesamtprojektes bewusst werden k&ouml;nnen. <\/p><p>Was mir Hoffnung macht: Ein wirklich kindzugewandter Ansatz k&ouml;nnte durch eine gro&szlig;fl&auml;chige Einf&uuml;hrung inklusiver Beschulung an Aufmerksamkeit und Bedeutung gewinnen, weil in diesem Rahmen so laut wie nie zuvor die Forderung erhoben worden ist, dass sich die Schule endlich einmal den Sch&uuml;lern anpassen muss. Sollte das nicht geschehen und es stattdessen bei der Anpassung der Sch&uuml;ler an die Schule bleiben &ndash; und leider deuten einige der bislang gesammelten Inklusionserfahrungen darauf hin -, bek&auml;men wir unter dem Deckmantel der Inklusion am Ende tats&auml;chlich nichts weiter als eine Fortsetzung des alten schulischen Elends in neuem, modernerem Gewand. <\/p><p>Lassen Sie mich als Fazit noch einmal hervorheben: Was sowohl behinderte als auch nicht behinderte Sch&uuml;ler so dringend wie vielleicht nie zuvor ben&ouml;tigen, ist eine umfassende, sie zum Ma&szlig;stab von Ver&auml;nderungen machende, tief greifende Schulreform, die sich nicht l&auml;nger in Strukturdebatten ersch&ouml;pft. <\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Magda von Garrel<\/strong> ist Sonderp&auml;dagogin (Fachbereiche Sprachbehinderungen und Verhaltensst&ouml;rungen) sowie Diplom-Politologin und war als Integrationslehrerin an Grund-, Haupt, Sonder- und Berufsschulen t&auml;tig. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Weiterlesen:<\/p><ul>\n<li>Magda von Garrel: <a href=\"http:\/\/www.v-r.de\/de\/title-0-0\/instandsetzungspaedagogik-1008760\/\">Instandsetzungsp&auml;dagogik. Integrationsans&auml;tze f&uuml;r lernentw&ouml;hnte Kinder<\/a> <\/li>\n<li>Magda von Garrel: <a href=\"http:\/\/www.berliner-stimme.de\/w\/files\/berliner_stimme\/denkschrift-von-garrell.pdf\">&bdquo;Ist mir doch egal!&ldquo; &ndash; Praxisrelevante Fehler deutscher Bildungsf&ouml;rderung [PDF &ndash; 285 KB]<\/a><\/li>\n<li>Magda von Garrel: <a href=\"http:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=1&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=0CB8QFjAA&amp;url=http%3A%2F%2Fforum-kritische-paedagogik.de%2Fstart%2Fwp-content%2Fplugins%2Fdownload-monitor%2Fdownload.php%3Fid%3D95&amp;ei=vaz4U4WKBJXXasTbgPgG&amp;usg=AFQjCNHR8HfZ6qOigfVMO_DHmKvOWZruKw&amp;sig2=E3ORiRjR9DDSthNWPanMbQ&amp;bvm=bv.73612305,d.d2s\">Sind unsere Schulen kinderfeindlich? [PDF &ndash; 42,5 KB]<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass das deutsche Schulsystem eines der sozial selektivsten der Welt ist, ist inzwischen zum Allgemeinplatz fortschrittlicher Kritik am Bildungssystem geworden. Ob dies jedoch das wichtigste, geschweige denn einzige Problem der Bildungspolitik ist, darf getrost bezweifelt werden. Der Streit geht eher um die Ein- versus Mehrgliedrigkeit des Schulsystems oder die Frage, ob das Abitur und ein<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22932\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[34,151,209,152],"tags":[373,1221],"class_list":["post-22932","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bildung","category-bildungspolitik","category-interviews","category-schulsystem","tag-oekonomisierung","tag-perspektivlosigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22932","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=22932"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22932\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":121904,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22932\/revisions\/121904"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=22932"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=22932"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=22932"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}